Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 4A.475/2010
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
4A_475/2010

Urteil vom 6. Dezember 2010
I. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Klett, Präsidentin,
Bundesrichterinnen Rottenberg Liatowitsch, Kiss,
Gerichtsschreiber Luczak.

Verfahrensbeteiligte
X.________ Immobilien AG,
vertreten durch Rechtsanwalt Philipp Juchli,
Beschwerdeführerin,

gegen

A.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Daniel Gysi,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Arbeitsvertrag; fristlose Entlassung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Kantonsgerichts St. Gallen, III.
Zivilkammer, vom 7. Juli 2010.
Sachverhalt:

A.
A.________ (Beschwerdegegner) arbeitete ab dem 1. April 1999 beim
Architekturbüro X.________ Immobilien AG (Beschwerdeführerin), welches B.
Y.________ und dessen Sohn C. Y.________ gehörte. Auf eine genaue Festlegung
der Arbeitszeiten wurde verzichtet. Im Jahre 2003 verwarnte die
Beschwerdeführerin den Beschwerdegegner, weil er täglich während der
Arbeitszeit private Börsengeschäfte getätigt hatte. In den folgenden Jahren war
die Beschwerdeführerin mit der Arbeit des Beschwerdegegners zufrieden und
gewährte ihm namhafte Lohnerhöhungen. Wegen einer auf Ende 2006 geplanten
Umstrukturierung wollte sie den Beschwerdegegner nicht mehr beschäftigen. Die
Parteien kamen überein, das Arbeitsverhältnis zu beenden. Am 28. November 2006
sprach die Beschwerdeführerin die Kündigung per 31. Dezember 2006 aus, wobei
das Kündigungsschreiben im Einverständnis mit dem Beschwerdegegner auf den 27.
Oktober 2006 zurückdatiert wurde.

B.
Mit Schreiben vom 30. November 2006 kündigte die Beschwerdeführerin das
Arbeitsverhältnis fristlos, weil der Beschwerdegegner während der Arbeitszeit
ohne ihr Wissen an eigenen Projekten gearbeitet und sie dadurch konkurrenziert
habe. Diese Kündigung akzeptierte der Beschwerdegegner nicht und verlangte vor
dem Kreisgericht Rorschach nebst der Ausstellung eines Zeugnisses Fr. 15'971.40
brutto zuzüglich einer Entschädigung gemäss Art. 337c Abs. 3 OR in der Höhe von
Fr. 25'500.--, alles nebst Zins. Die Beschwerdeführerin beantragte, es sei
Vormerk davon zu nehmen, dass dem Beschwerdegegner ein wahrheitsgemässes
Arbeitszeugnis ausgestellt werde, bestritt im Übrigen seine Forderungen und
machte widerklageweise Fr. 58'653.15.-- geltend. Das Kreisgericht verpflichtete
die Beschwerdeführerin zur Ausstellung des Zeugnisses, hiess die Klage
bezüglich des Lohnes und Lohnersatzes gut (Fr. 15'590.--) und sprach eine
Entschädigung wegen fristloser Kündigung von zwei Monatslöhnen zu (Fr.
17'000.--). Die Berufung der Beschwerdeführerin und die Anschlussberufung des
Beschwerdegegners wies das Kantonsgericht St. Gallen im Wesentlichen ab. Einzig
bezüglich der vom Beschwerdegegner verlangten Kinderzulagen von Fr. 340.-- trat
es auf die Klage im Gegensatz zum Kreisgericht nicht ein und sprach dem
Beschwerdegegner nur Fr. 15'250.-- brutto nebst der Entschädigung nach Art.
337c Abs. 3 OR von Fr. 17'000.-- und Zins zu.

C.
Mit Beschwerde in Zivilsachen beantragt die Beschwerdeführerin dem
Bundesgericht, das Urteil des Kantonsgerichts mit Ausnahme des Nichteintretens
betreffend die Kinderzulagen aufzuheben und ihr einen nach Ausgang des
Beweisverfahrens zu beziffernden Betrag von mindestens Fr. 58'653.15
zuzusprechen. Der Beschwerdegegner schliesst auf kostenfällige Abweisung der
Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei, während das Kantonsgericht auf
Vernehmlassung verzichtet.

Erwägungen:

1.
Die Vorinstanz hielt die von der Beschwerdeführerin erhobenen Vorwürfe
weitgehend für nicht erwiesen.

1.1 Als erwiesen erachtete die Vorinstanz, dass der Beschwerdegegner nach
seiner Verwarnung im Jahre 2003 in den Jahren 2004 und 2005 auf der EDV-Anlage
der Beschwerdeführerin ausserhalb der Arbeitszeiten für Freunde gegen eine
bloss symbolische Entschädigung kleinere Pläne erstellt hatte. Sie ging aber
davon aus, dass der Beschwerdeführerin dadurch kein Geschäft entgangen sei, da
der Beschwerdegegner von seinen Bekannten als Privatperson angegangen worden
sei und nicht als Arbeitnehmer und Architekt. Insoweit war nach Auffassung der
Vorinstanz keine unzulässige Konkurrenzierung gegeben.

1.2 Die Vorinstanz erkannte sodann, im Jahre 2006 habe der Beschwerdegegner auf
einem ihm und seiner Ehefrau gehörenden Grundstück ein Eigenheim geplant. Es
sei davon auszugehen, seine Arbeitsleistung sei dadurch nicht beeinträchtigt
worden und die Beschwerdeführerin habe von dieser Tätigkeit gewusst. Dass die
Arbeiten heimlich durchgeführt worden seien, habe die Beschwerdeführerin nicht
beweisen können. Es sei unwahrscheinlich, dass ein Architekt im Raum, in dem
auch sein Chef arbeite, unbemerkt ein Einfamilienhausprojekt ausarbeiten könne.
Im Juni 2007 sei dann das Bauland samt bewilligtem Einfamilienhausprojekt
verkauft worden. Auch die Behauptung, der Beschwerdegegner habe nie vorgehabt,
das Haus selbst zu bewohnen, sondern spekulative Zwecke verfolgt, erachtete die
Vorinstanz nicht für erwiesen. Auf die Einvernahme der Käufer des Grundstücks
als Zeugen verzichtete sie, da diese über die Absichten des Beschwerdegegners
ein Jahr vor dem Verkauf nichts aussagen könnten.

1.3 Gemäss dem angefochtenen Entscheid hat der Beschwerdegegner sodann erste
Pläne für ein Doppeleinfamilienhaus auf einer benachbarten Parzelle erstellt.
Am 20. November 2006 hätten sich der Beschwerdegegner und C. Y.________ mit den
am Bauprojekt interessierten Ehepaaren getroffen. Aufgrund der Rückdatierung
des Kündigungsschreibens schenkte die Vorinstanz der Behauptung des
Beschwerdegegners, C. Y.________ habe ihm am 27. November 2006 vorgeschlagen,
sich mit dem Überbauungsprojekt selbständig zu machen, Glauben. Am 28. November
2006 zeichnete der Beschwerdegegner für dieses Projekt einen weiteren Plan, auf
welchem er seine Privatadresse anführte. Nach der fristlosen Entlassung vom 30.
November 2006 machte sich der Beschwerdegegner selbständig und schloss anfangs
2007 mit den beiden am Projekt interessierten Familien Architekturverträge ab.

1.4 Im Übrigen hat der Beschwerdegegner nach dem angefochtenen Entscheid
ausserhalb der Arbeitszeit auf der EDV-Anlage der Beschwerdeführerin kleinere
Grafiken für private Zwecke sowie ein eigenes Logo entworfen.

1.5 Die Vorinstanz erachtete die private Nutzung der EDV-Anlage auch ohne
Berücksichtigung der ihrer Ansicht nach von der Beschwerdeführerin tolerierten
Arbeiten für das Eigenheim als exzessiv. Insoweit habe der Beschwerdegegner
seine Treuepflicht verletzt. Diese Pflichtverletzung wiege aber nicht schwer.
Dass der Beschwerdegegner sein Stundensoll nicht erfüllt hätte, habe die
Beschwerdeführerin nicht rechtsgenüglich behauptet. Auch eine unzulässige
Konkurrenzierung liege nicht vor, zumal nach der Überzeugung der Vorinstanz C.
Y.________ zum Schritt der Selbständigkeit geraten und die Beschwerdeführerin
von der diesbezüglichen Tätigkeit gewusst habe. Aus diesen Gründen sei auch der
Entwurf eines Firmenlogos zulässig gewesen. Auch das Leisten von
Freundschaftsdiensten im üblichen geringfügigen Umfang erachtete die Vorinstanz
als zulässig, sofern dem Arbeitgeber dadurch keine Geschäfte entgingen. Die
einzige Pflichtverletzung, die erhebliche private Nutzung der EDV-Anlage,
genügte nach Auffassung der Vorinstanz nicht, um die Weiterführung des
Arbeitsverhältnisses um einen weiteren Monat bis zum Ablauf der Kündigungsfrist
als unzumutbar erscheinen zu lassen. Daran änderte die im Jahre 2003 erfolgte
Verwarnung nichts, da das damals beanstandetet Verhalten nach Auffassung der
Vorinstanz anders geartet war als die neuerliche Pflichtverletzung. Bei der
Höhe der Entschädigung berücksichtigte die Vorinstanz neben den persönlichen
Umständen und der Dauer des Arbeitsverhältnisses, dass die Beschwerdeführerin
den Beschwerdegegner zunächst ermuntert habe, sich mit dem Überbauungsprojekt
selbständig zu machen, um dann aus diesem Grund die fristlose Kündigung
auszusprechen. Da keine unerlaubte Konkurrenzierung nachgewiesen war, wies die
Vorinstanz die Widerklage ab.

2.
Die Beschwerdeführerin ist der Auffassung, die Vorinstanz habe in wesentlichen
Punkten den Sachverhalt unrichtig festgestellt und ihren Anspruch auf
Beweisführung (Art. 8 ZGB) verletzt.

2.1 Die dem Bundesgericht gestellten Rechtsbegehren sind nach ständiger
Rechtsprechung zu beziffern (BGE 134 III 235 E. 2 S. 236 f. mit Hinweisen). Der
Antrag auf Zusprechung eines nach Ausgang des Beweisverfahrens zu beziffernden
Betrages genügt diesen Anforderungen nicht. Nur bezüglich des im Rechtsbegehren
genannten Mindestbetrages erweist sich der Antrag als rechtsgenüglich.

2.2 Nach Art. 105 BGG legt das Bundesgericht seinem Urteil den Sachverhalt
zugrunde, den die Vorinstanz festgestellt hat (Abs. 1). Es kann diese
Sachverhaltsfeststellung von Amtes wegen berichtigen oder ergänzen, wenn sie
offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art.
95 BGG beruht (Abs. 2). Die Voraussetzungen für eine Sachverhaltsrüge nach Art.
97 Abs. 1 BGG und für eine Berichtigung des Sachverhalts von Amtes wegen nach
Art. 105 Abs. 2 BGG stimmen im Wesentlichen überein. Soweit es um die Frage
geht, ob der Sachverhalt willkürlich oder unter verfassungswidriger Verletzung
einer kantonalen Verfahrensregel ermittelt worden ist, sind strenge
Anforderungen an die Begründungspflicht der Beschwerde gerechtfertigt.
Entsprechende Beanstandungen sind nach Massgabe von Art. 106 Abs. 2 BGG zu
begründen. Demzufolge genügt es nicht, einen von den tatsächlichen
Feststellungen der Vorinstanz abweichenden Sachverhalt zu behaupten. Vielmehr
ist in der Beschwerdeschrift nach den erwähnten gesetzlichen Erfordernissen
darzulegen, inwiefern diese Feststellungen willkürlich bzw. unter Verletzung
einer verfahrensrechtlichen Verfassungsvorschrift zustande gekommen sind.
Andernfalls können Vorbringen mit Bezug auf einen Sachverhalt, der von den
Feststellungen im angefochtenen Entscheid abweicht, nicht berücksichtigt
werden. Vorbehalten bleiben offensichtliche Sachverhaltsmängel im Sinne von
Art. 105 Abs. 2 BGG, die dem Richter geradezu in die Augen springen (BGE 133 II
249 E. 1.4.3 S. 254 f. mit Hinweisen).

2.3 Das Bundesgericht ist keine letzte Appellationsinstanz, die von den
Parteien mit vollkommenen Rechtsmitteln angerufen werden könnte (vgl. Botschaft
vom 28. Februar 2001 zur Totalrevision der Bundesrechtspflege, BBl 2001 4342
Ziff. 4.1.4.5 zu Art. 97 E-BGG). Es genügt nicht, dem Bundesgericht, ohne eine
substanziierte Sachverhaltsrüge zu erheben, unter gelegentlichem Hinweis auf
die Akten und der Anrufung von Beweismitteln einfach einen von den
tatsächlichen Feststellungen im angefochtenen Entscheid abweichenden
Sachverhalt zu unterbreiten, daraus vom angefochtenen Urteil abweichende
Schlüsse zu ziehen und dieses als willkürlich zu bezeichnen oder eine
Verletzung von Art. 8 ZGB zu rügen. Ein derartiges Vorgehen verkennt die
grundsätzliche Bindung des Bundesgerichts an die tatsächlichen Feststellungen
im angefochtenen Entscheid (Art. 97 und 105 BGG). Es geht nicht an, in einer
Beschwerde in Zivilsachen appellatorische Kritik an der Beweiswürdigung des
kantonalen Gerichts zu üben und Ergänzungen bezüglich der tatsächlichen
Feststellungen vorzunehmen, als ob dem Bundesgericht im Beschwerdeverfahren die
freie Prüfung aller Tatfragen zukäme (BGE 134 II 244 E. 2.2 S. 246; 133 II 249
E. 1.4.3 S. 254 f.; je mit Hinweisen).

2.4 Nach Art. 75 Abs. 1 BGG ist die Beschwerde zudem nur zulässig gegen
Entscheide letzter kantonaler Instanzen und des Bundesverwaltungsgerichts.
Dabei knüpft der Begriff der Letztinstanzlichkeit an jenen von Art. 86 Abs. 1
OG an. Letztinstanzlichkeit gemäss Art. 75 Abs. 1 BGG bedeutet, dass der
kantonale Instanzenzug für die Rügen, die dem Bundesgericht vorgetragen werden,
ausgeschöpft sein muss (BGE 134 III 524 E. 1.3 S. 527 mit Hinweisen).

2.5 Gemäss Rechtsmittelbelehrung können bei einem Fr. 30'000.-- übersteigenden
Streitwert mit kantonaler Nichtigkeitsbeschwerde an das Kassationsgericht die
Verletzungen des kantonalen Rechts und willkürliche tatsächliche Feststellungen
gerügt werden (Art. 237 ff. des Zivilprozessgesetzes vom 20. Dezember 1990, ZPO
/SG; sGS 961.2). Dieser Streitwert ist erreicht. Da bereits der erstinstanzlich
vom Beschwerdegegner eingeklagte Betrag Fr. 30'000.-- überstieg, ist von
Bundesrecht kein einfaches und rasches Verfahren vorgeschrieben (Art. 343 Abs.
2 OR), bei welchem die Nichtigkeitsbeschwerde nicht gegeben wäre (Art. 238 Abs.
1 lit. c ZPO/SG). Damit ist auf die Beschwerde schon mangels Ausschöpfung des
Instanzenzuges nicht einzutreten, soweit die Beschwerdeführerin die
Beweiswürdigung der Vorinstanz kritisiert. Aber auch davon abgesehen verfehlt
sie mit ihrer appellatorischen Kritik die Anforderungen an eine
Sachverhaltsrüge offensichtlich. Da Willkür in der Beweiswürdigung nicht schon
dargetan ist, wenn eine andere Lösung ebenfalls vertretbar erscheint oder gar
vorzuziehen wäre, kann sich die Beschwerdeführerin nicht damit begnügen
darzulegen, wie die Beweismittel ihrer Meinung nach zu würdigen gewesen wären,
und dem Bundesgericht in tatsächlicher Hinsicht einfach ihre eigene Version der
Geschehnisse zu unterbreiten. Sie müsste vielmehr im Einzelnen aufzeigen,
inwiefern die Beweiswürdigung der Vorinstanz auch im Ergebnis offensichtlich
unhaltbar ist (BGE 134 II 124 E. 4.1 S. 133 mit Hinweisen). Diesen
Anforderungen genügt die Beschwerde nicht, weshalb auf die Rügen der
fehlerhaften Beweiswürdigung nicht einzutreten ist.

2.6 Soweit die Beschwerdeführerin eine Verletzung von Art. 8 ZGB rügt, verkennt
sie, dass diese Bestimmung einer antizipierten Beweiswürdigung nicht
entgegensteht (BGE 130 III 591 E. 5.4 S. 601 f.; 122 III 219 E. 3c S. 223 f.;
je mit Hinweisen). Diese Beweiswürdigung kann das Bundesgericht, wie dargelegt,
nicht überprüfen (E. 2.5 hiervor). Um antizipierte Beweiswürdigung handelt es
sich, wenn die Vorinstanz zum Schluss kommt, ein Beweismittel sei nicht
tauglich, den angestrebten Beweis zu erbringen. Zudem besteht nach Art. 8 ZGB
ein Anspruch auf Beweisabnahme nur, wenn der Beweisantrag nach Form und Inhalt
den Vorschriften des kantonalen Rechts entspricht (BGE 133 III 295 E. 7.1 S.
299 mit Hinweisen). Die Beschwerdeführerin macht vor Bundesgericht geltend, es
sei davon auszugehen, die Käufer des als Eigenheim gedachten Grundstücks seien
über die tatsächlichen Absichten des Beschwerdegegners schon vor Abschluss des
Kaufvertrages informiert gewesen, was die Zeugenbefragung hätte ans Tageslicht
bringen können. Die Beschwerdeführerin zeigt aber nicht mit Aktenhinweis auf,
woraus die Vorinstanz hätte schliessen müssen, dass die angerufenen Zeugen auch
über die Absichten des Beschwerdegegners vor dem Verkaufszeitpunkt informiert
gewesen wären. Damit liegt im Verzicht auf die Einvernahme der Zeugen keine
Bundesrechtsverletzung. Zu beachten ist zudem, dass, soweit keine
bundesrechtlichen Spezialbestimmungen greifen und solange die Schweizerische
Zivilprozessordnung noch nicht zur Anwendung gelangt, grundsätzlich das
kantonale Prozessrecht regelt, welche Beweismittel zulässig sind (BGE 98 II 325
E. 5b S. 333). Ob ein Beweismittel hinreichend bezeichnet ist, oder ob es sich
um einen unzulässigen Suchbeweis handelt, bestimmt sich daher primär nach
kantonalem Recht. Inwiefern die Vorinstanz bei dessen Anwendung Bundesrecht
verletzt haben soll, legt die Beschwerdeführerin wiederum nicht hinreichend
dar. Es verletzt Art. 8 ZGB nicht, wenn die Vorinstanz auf die Abnahme von
Beweisen verzichtet, die sie nach kantonalem Recht als unzulässige Suchbeweise
taxiert, namentlich im Zusammenhang der von der Beschwerdeführerin für die
Freundschaftsdienste des Beschwerdegegners behaupteten Bezahlung.

2.7 Nicht zu hören ist die Beschwerdeführerin auch, soweit sie geltend macht,
ihr dürfe das Wissen von C. Y.________ nicht zugerechnet werden, da dieser
gemäss Handelsregisterauszug weder an der Beschwerdeführerin beteiligt noch
Vorgesetzter des Beschwerdegegners gewesen sei. Der Handelsregisterauszug
genügt nicht, um die Feststellung, dass die Beschwerdeführerin Vater und Sohn
Y.________ gehörte, als willkürlich auszuweisen, soweit die Rüge überhaupt
zulässig wäre. Inwiefern C. Y.________ als Vorgesetzter zu betrachten oder sein
Wissen der Beschwerdeführerin anzurechnen ist, bestimmt sich nach der internen
Organisation, wie sie dem Beschwerdegegner gegenüber gehandhabt wurde, und
gründet auf der tatsächlichen Würdigung der konkreten Umstände, welche das
Bundesgericht mangels Erschöpfung des Instanzenzuges wie auch mangels
hinreichend begründeter Rügen nicht überprüfen kann. Auch soweit die
Beschwerdeführerin versucht, unter dem Titel des Beweismasses die
Beweiswürdigung der Vorinstanz zu kritisieren, ist die Beschwerde zum Scheitern
verurteilt.

3.
Zu prüfen bleibt damit lediglich, ob die fristlose Kündigung gestützt auf die
tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz gerechtfertigt erscheint.

3.1 Nach Art. 337 OR kann der Arbeitgeber wie der Arbeitnehmer das
Arbeitsverhältnis aus wichtigen Gründen jederzeit fristlos auflösen (Abs. 1).
Als wichtiger Grund gilt jeder Umstand, bei dessen Vorhandensein dem
Kündigenden nach Treu und Glauben die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses
nicht mehr zugemutet werden darf (Abs. 2). Über das Vorhandensein solcher
Umstände entscheidet das Gericht nach seinem Ermessen (Art. 337 Abs. 3 OR).
Derartige Ermessensentscheide überprüft das Bundesgericht an sich frei. Es übt
dabei aber Zurückhaltung und schreitet nur ein, wenn die Vorinstanz grundlos
von in Lehre und Rechtsprechung anerkannten Grundsätzen abgegangen ist, wenn
sie Tatsachen berücksichtigt hat, die für den Entscheid im Einzelfall keine
Rolle spielen dürfen, oder wenn sie umgekehrt Umstände ausser Betracht gelassen
hat, die hätten beachtet werden müssen. Es greift ausserdem in
Ermessensentscheide ein, wenn sich diese als offensichtlich unbillig, als in
stossender Weise ungerecht erweisen (BGE 130 III 28 E. 4.1 S. 32, 213 E. 3.1 S.
220).

3.2 Nach der Rechtsprechung zu Art. 337 OR ist eine fristlose Entlassung nur
bei besonders schweren Verfehlungen des Arbeitnehmers gerechtfertigt. Diese
müssen einerseits objektiv geeignet sein, die für das Arbeitsverhältnis
wesentliche Vertrauensgrundlage zu zerstören oder zumindest so tiefgreifend zu
erschüttern, dass dem Arbeitgeber die Fortsetzung des Vertrags nicht mehr
zuzumuten ist, und anderseits auch tatsächlich zu einer derartigen Zerstörung
oder Erschütterung des gegenseitigen Vertrauens geführt haben. Sind die
Verfehlungen weniger schwerwiegend, so müssen sie trotz Verwarnung wiederholt
vorgekommen sein (BGE 130 III 28 E. 4.1 S. 31, 213 E. 3.1 S. 220 f.; 129 III
380 E. 2.1 S. 382 mit Hinweisen). Ob die dem Arbeitnehmer vorgeworfene
Pflichtverletzung die erforderliche Schwere erreicht, lässt sich nicht
allgemein sagen, sondern hängt von den konkreten Umständen des Einzelfalles ab
(BGE 127 III 153 E. 1a S. 155; 116 II 145 E. 6a S. 150).

3.3 In tatsächlicher Hinsicht erachtete es die Vorinstanz lediglich für
erwiesen, dass der Beschwerdegegner die EDV-Anlage der Beschwerdeführerin
übermässig für private Zwecke benutzt hat, ohne dass dies seine Arbeitsleistung
beeinträchtigt oder sonst zu einer merklichen Schädigung der Beschwerdeführerin
geführt hätte. Wenn sie diese Pflichtverletzung trotz der erfolgten Verwarnung
betreffend die Börsengeschäfte während der Arbeitszeit nicht für ausreichend
erachtete, um eine fristlose Kündigung zu rechtfertigen, ist dies
bundesrechtlich nicht zu beanstanden, zumal die pflichtwidrige Benutzung der
EDV-Anlage ausserhalb der Arbeitszeit erfolgte, und somit die neue
Pflichtverletzung nicht von der Verwarnung abgedeckt war. Hinzu kommt, dass die
Beschwerdeführerin nach den Feststellungen der Vorinstanz eine private Nutzung
für die Planung des Eigenheims duldete, was unterstreicht, dass die private
Nutzung der EDV-Anlage für die Beschwerdeführerin nicht mit gravierenden
Konsequenzen verbunden war, die in einem bereits gekündigten Arbeitsverhältnis
eine fristlose Kündigung zu rechtfertigen vermöchten. Die Beschwerdeführerin
geht davon aus, die private Nutzung sei (auch betreffend das Eigenheim) ohne
ihr Wissen und während der Arbeitszeit erfolgt, der Beschwerdegegner habe das
Eigenheim nie selbst bewohnen wollen und der Beschwerdeführerin durch sein
Verhalten Kunden abspenstig gemacht. Dieser Sachverhalt ist aber nicht
festgestellt und kann nicht berücksichtigt werden.

3.4 Auch bezüglich der Höhe der Pönalentschädigung besteht entgegen der
Auffassung der Beschwerdeführerin kein Anlass, in das Ermessen der Vorinstanz
einzugreifen. Gestützt auf die tatsächlichen Feststellungen im angefochtenen
Urteil kann nur auf eine leichte Pflichtverletzung des Beschwerdegegners
geschlossen werden. Die Beschwerdeführerin kündigte das mit Rückdatierung
bereits gekündigte Arbeitsverhältnis fristlos. Den Vorwurf der unzulässigen
Konkurrenzierung stützte sie unter anderem auf Arbeiten für ein Projekt, mit
dem sich der Beschwerdegegner auf Vorschlag von C. Y.________ selbständig
machen sollte. Namentlich mit Blick auf dieses widersprüchliche Verhalten
erscheint die Strafzahlung nicht unangemessen.

4.
Auch für die Widerklage stützt sich die Beschwerdeführerin auf ihre von den
tatsächlichen Feststellungen abweichende Sachverhaltsvariante. Darauf ist nicht
einzutreten. Soweit sie dem Vorwurf der mangelnden Substanziierung des durch
die private Benutzung der EDV-Anlage entstandenen Schadens entgegenhält, sie
habe die Anordnung eines Gutachtens beantragt, welches die Schadenshöhe
beweisen würde, verkennt sie zudem, dass diesbezüglich die Behauptungen
massgeblich sind und es kein Bundesrecht verletzt, wenn das kantonale
Prozessrecht deren Ergänzung und Substanziierung im Beweisverfahren nicht
zulässt (BGE 108 II 337 E. 3 S. 341 f.).

5.
Insgesamt erweist sich die Beschwerde als unbegründet, soweit überhaupt darauf
eingetreten werden kann. Die Kostenverteilung folgt diesem Prozessausgang.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 3'000.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

3.
Die Beschwerdeführerin hat den Beschwerdegegner für das bundesgerichtliche
Verfahren mit Fr. 4'000.-- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht St. Gallen, III.
Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 6. Dezember 2010

Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Klett Luczak