Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 4A.507/2010
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
4A_507/2010

Urteil vom 2. Dezember 2010
I. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Klett, Präsidentin,
Bundesrichter Corboz,
Bundesrichterin Rottenberg Liatowitsch,
Bundesrichter Kolly,
Bundesrichterin Kiss,
Gerichtsschreiber Luczak.

Verfahrensbeteiligte
Y. X.________ AG,
vertreten durch Rechtsanwälte
Dr. Georg Rauber und Christof Burri,
Beschwerdeführerin,

gegen

A.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Andreas Maag,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Arbeitsvertrag; fristlose Entlassung,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich, I.
Zivilkammer, vom 7. Juli 2010.
Sachverhalt:

A.
Die Y.________ AG betätigte sich wirtschaftlich auf dem Gebiet des Bargeldlosen
Zahlungsverkehrs, wobei sie sich entschloss, grundsätzlich die Hard- und
Software für die EFT/POS (electronic fund transfer at the point of sale)
-Terminals weder selbst zu entwickeln, noch zu produzieren, sondern bei Dritten
einzukaufen. So kaufte sie in den Achtzigerjahren die zentrale
Applikationssoftware für das schweizerische EFT/POS vom belgischen Unternehmen
Z.________, welches sowohl zentrale Software als auch Hard- und Software für
EFT/POS-Geräte herstellte. Am 18. Mai 1981 trat A.________ (Beschwerdegegner)
in die Dienste der Y.________. Später wurde er in die Geschäftsleitung berufen
und in der Folge mehrmals befördert, anfangs 1988 zum Direktor. Mitte 1988
übernahm er die Geschäftsführung einer Tochtergesellschaft. Im Rahmen von
Umstrukturierungen wurden in der Folge einzelne Geschäftszweige als
eigenständige Gesellschaften organisiert. Dabei ging das Arbeitsverhältnis
mehrmals von einer Gesellschaft auf eine andere über, zuletzt auf die Y.
X.________ AG (Beschwerdeführerin). Der Beschwerdegegner verblieb ungeachtet
dieser Veränderungen in der Geschäftsleitung der Y.________ AG.

B.
Mit Schreiben vom 21. März 2000 löste die Beschwerdeführerin das
Arbeitsverhältnis fristlos auf. Hintergrund bildete die Gründung einer
Aktiengesellschaft im Jahre 1989, an welcher der Beschwerdegegner als Aktionär
beteiligt war. Da sich bezüglich des Vertriebs von Terminals in der Schweiz ein
lukrativer Markt abzuzeichnen begann, hatte der Beschwerdegegner mit dem CEO
und Verwaltungsratsdelegierten der Z.________ in Belgien Kontakt aufgenommen,
ihm die Gründung einer Niederlassung in der Schweiz empfohlen und ihn an einen
seiner Mitarbeiter verwiesen. Dieser machte den CEO und
Verwaltungsratsdelegierten der Z.________ auf B.________ aufmerksam, worauf
diese beiden Personen das weitere Vorgehen planten. Der Beschwerdegegner war
formell nicht als Gründungsmitglied aufgetreten. Er blieb stiller Teilhaber der
neugegründeten Gesellschaft (Q.________ AG) und mischte sich nicht in die
Geschäftsführung ein, welche bei B.________ lag. Seinen Aktienbesitz
deklarierte er auch gegenüber den Steuerbehörden erst nachträglich, was er
gegenüber diesen nach einer Selbstanzeige damit begründete, die Q.________ AG
habe mit seinem Arbeitgeber Geschäftsbeziehungen unterhalten, weshalb sein
Aktienbesitz nicht offiziell bekannt werden sollte. Im Laufe der Zeit hatte der
Beschwerdegegner weitere Aktien erhalten und hinzuerworben. Am 7. Oktober 1998
hatte er seine Aktien an seinen Mitaktionär B.________ verkauft. Er
erwirtschaftete aus den Aktien insgesamt Fr. 650'000.-- an Dividenden und
Verkaufsgewinn. Gegenüber der Beschwerdeführerin legte der Beschwerdegegner den
Aktienbesitz nie offen. Nachdem diese davon erfahren hatte, sprach sie die
fristlose Kündigung aus, obgleich der Beschwerdegegner in diesem Zeitpunkt
nicht mehr Aktionär der Q.________ war.

C.
Der Beschwerdegegner akzeptierte die Kündigung nicht und verlangte von der
Beschwerdeführerin nach Präzisierung seiner Rechtsbegehren schliesslich Fr.
560'761.-- nebst Zins und behielt sich eine Nachklage vor. Die
Beschwerdeführerin erhob Widerklage, die sie im Berufungsverfahren auf Fr. 10
Mio. bezifferte. Das Arbeitsgericht Zürich sprach dem Beschwerdegegner im
Wesentlichen Fr. 497'314.-- netto nebst Zins zu und wies die Widerklage ab.
Gleich entschied das Obergericht des Kantons Zürich am 7. November 2008. Nach
teilweise erfolgreicher kantonaler Nichtigkeitsbeschwerde der
Beschwerdeführerin musste sich das Obergericht erneut mit der Sache befassen.
Es verwies mit Urteil vom 7. Juli 2010 in tatsächlicher und rechtlicher
Hinsicht grundsätzlich auf das Urteil vom 7. November 2008, welches im
Wesentlichen zum integrierenden Bestandteil des neuen Urteils erklärt wurde. Im
neuen Urteil finden sich einerseits ergänzende Ausführungen zu im Urteil vom 7.
November 2008 nicht hinreichend begründeten Erwägungen. Andererseits wurden
Erwägungen des Urteils vom 7. November 2008 gestrichen und durch neue ersetzt.
Am Umfang der Klagegutheissung und an der Abweisung der Widerklage änderte sich
nichts.

D.
Mit Beschwerde in Zivilsachen beantragt die Beschwerdeführerin dem
Bundesgericht im Wesentlichen, die Klage abzuweisen und die Sache zur
Neuverteilung der Kosten an das Obergericht zurückzuweisen. Dem Gesuch um
Gewährung der aufschiebenden Wirkung gab das Bundesgericht am 29. September
2010 statt. Der Beschwerdegegner beantragt, die Beschwerde abzuweisen. Selbst
wenn die fristlose Kündigung als zulässig erachtet werden sollte, wäre die
Klage nach Auffassung des Beschwerdegegners immer noch im Betrag von Fr.
219'901.-- nebst Zins gutzuheissen. Das Obergericht hat auf Vernehmlassung
verzichtet.

Erwägungen:

1.
Die Vorinstanz ging davon aus, eine Weiterbeschäftigung des Beschwerdegegners
bis zum Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist wäre der Beschwerdeführerin
zuzumuten gewesen.

1.1 Die Vorinstanz erkannte, bei Gründung der Q.________ sei es dem
Beschwerdegegner entgegen den Behauptungen der Beschwerdeführerin nicht um
deren Schädigung gegangen. Da diese beschlossen hatte, sich nicht am
Terminalgeschäft zu beteiligen, habe die Epsys im Zeitpunkt ihrer Gründung kein
Konkurrenzunternehmen gebildet. Im Erwerb der Aktien allein erkannte die
Vorinstanz daher keine Pflichtverletzung, zumal auch während 5 Jahren nach
Gründung keine Geschäftsbeziehungen zur Beschwerdeführerin bestanden.

1.2 Als es konkret zu Geschäften zwischen der Beschwerdeführerin und der
Q.________ kam, hätte der Beschwerdegegner nach Auffassung der Vorinstanz
seinen Aktienbesitz offen legen müssen, weil er sich deshalb in einem
Interessenkonflikt befand. Insoweit habe er eine Pflichtverletzung begangen.
Diese genüge aber nicht, um die fristlose Entlassung zu rechtfertigen, zumal
der Beschwerdegegner im Zeitpunkt der Kündigung nicht mehr an der Q.________
beteiligt war und sich ansonsten immer sehr korrekt verhalten habe. Eine
Rückfallsgefahr sei von der Beschwerdeführerin nicht geltend gemacht worden.
Unter diesen Umständen erachtete die Vorinstanz die fristlose Kündigung nur für
zulässig, falls der Beschwerdegegner die Beschwerdeführerin konkret bei den mit
dem Interessenkonflikt belasteten Geschäften mit der Q.________ benachteiligt
hätte. Sie kam indessen nach einem ausführlichen Beweisverfahren zum Schluss,
bei den einzelnen Geschäften könne dem Beschwerdegegner materiell keine
Benachteiligung der Beschwerdeführerin vorgeworfen werden.

1.3 Die Beschwerdeführerin ist im Wesentlichen der Auffassung, die Vorinstanz
habe bei Beurteilung der Kündigung Sachverhaltselemente berücksichtigt, welche
keine Rolle hätten spielen dürfen. Bei rechtlich korrekter Würdigung erweise
sich die Kündigung auch gestützt auf den von der Vorinstanz festgestellten
Sachverhalt als zulässig, obwohl der Beschwerdeführerin der Schadensnachweis
nicht gelungen sei.

2.
Nach Art. 337 OR kann der Arbeitgeber wie der Arbeitnehmer das
Arbeitsverhältnis aus wichtigen Gründen jederzeit fristlos auflösen.

2.1 Als wichtiger Grund gilt jeder Umstand, bei dessen Vorhandensein dem
Kündigenden nach Treu und Glauben die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses
nicht mehr zugemutet werden darf (Abs. 2). Über das Vorhandensein solcher
Umstände entscheidet das Gericht nach seinem Ermessen (Art. 337 Abs. 3 OR).
Derartige Ermessensentscheide überprüft das Bundesgericht an sich frei. Es übt
dabei aber Zurückhaltung und schreitet nur ein, wenn die Vorinstanz grundlos
von in Lehre und Rechtsprechung anerkannten Grundsätzen abgegangen ist, wenn
sie Tatsachen berücksichtigt hat, die für den Entscheid im Einzelfall keine
Rolle spielen dürfen, oder wenn sie umgekehrt Umstände ausser Betracht gelassen
hat, die hätten beachtet werden müssen. Es greift ausserdem in
Ermessensentscheide ein, wenn sich diese als offensichtlich unbillig, als in
stossender Weise ungerecht erweisen (BGE 130 III 28 E. 4.1 S. 32, 213 E. 3.1 S.
220).

2.2 Nach der Rechtsprechung zu Art. 337 OR ist eine fristlose Entlassung nur
bei besonders schweren Verfehlungen des Arbeitnehmers gerechtfertigt. Diese
müssen einerseits objektiv geeignet sein, die für das Arbeitsverhältnis
wesentliche Vertrauensgrundlage zu zerstören oder zumindest so tiefgreifend zu
erschüttern, dass dem Arbeitgeber die Fortsetzung des Vertrags nicht mehr
zuzumuten ist, und anderseits auch tatsächlich zu einer derartigen Zerstörung
oder Erschütterung des gegenseitigen Vertrauens geführt haben (BGE 130 III 28
E. 4.1 S. 31, 213 E. 3.1 S. 220 f.; 129 III 380 E. 2.1 S. 382 mit Hinweisen).
Die Treuepflicht des Arbeitnehmers (Art. 321a Abs. 1 OR) gilt für leitende
Angestellte in erhöhtem Masse, weshalb eine Verletzung dieser Pflicht durch
solche Angestellte schwerer wiegt (BGE 104 II 28 E. 1 S. 29 f. mit Hinweisen).
Ob die dem Arbeitnehmer vorgeworfene Pflichtverletzung die erforderliche
Schwere erreicht, lässt sich nicht allgemein sagen, sondern hängt von den
konkreten Umständen des Einzelfalles ab (BGE 127 III 153 E. 1a S. 155; 116 II
145 E. 6a S. 150).

3.
Die Beschwerdeführerin wirft der Vorinstanz vor, den Sachverhalt nur
mosaikartig gewürdigt zu haben und behauptet, bei einer Gesamtwürdigung erweise
sich die Kündigung als begründet. Sie führt allerdings selbst mosaiksteinartig
Tatsachen an, aus denen sie auf die Zulässigkeit der Kündigung schliesst. Damit
setzt sie ihre Auffassung derjenigen der Vorinstanz entgegen. Dies genügt
nicht, um die Ermessensausübung der Vorinstanz als fehlerhaft erscheinen zu
lassen. Die Zurückhaltung, welche sich das Bundesgericht bei der
Ermessensüberprüfung auferlegt, ist insbesondere gerechtfertigt, wenn die
Ermessensausübung eng mit der Beweiswürdigung zusammenhängt, welche das
Bundesgericht nicht überprüfen kann, da die kantonale Nichtigkeitsbeschwerde
offen steht und der angefochtene Entscheid diesbezüglich nicht letztinstanzlich
ist. Inwieweit ein bestimmtes Verhalten die Fortsetzung des
Arbeitsverhältnisses unzumutbar macht, ist zwar Rechtsfrage, die tatsächlichen
Auswirkungen einer Handlung auf das Arbeitsverhältnis sind demgegenüber
Tatfrage. Diesen Auswirkungen kommt für die Frage, ob es zumutbar ist, das
Arbeitsverhältnis weiterzuführen, massgebende Bedeutung zu.

3.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, als Homologisierungsstelle sei sie
zur Neutralität gegenüber den verschiedenen Herstellern verpflichtet. Durch die
aktienmässige Beteiligung eines Mitarbeiters an einer dieser Herstellerfirmen
werde diese Neutralität beeinträchtigt. Ob diese Behauptung zutrifft, beschlägt
die tatsächlichen Verhältnisse. Es hängt insbesondere davon ab, ob die Stellung
des Beschwerdegegners erlaubte, im Rahmen des Homologisierungsverfahrens
konkret Einfluss zu Gunsten der Gesellschaft zu nehmen, an der er beteiligt
war, oder ob zumindest gegenüber den anderen Herstellern dieser Eindruck
entstehen konnte. Entsprechendes ist in tatsächlicher Hinsicht nicht
festgestellt. Die Beschwerdeführerin setzt sich nicht hinreichend mit dem
Einwand der Vorinstanz auseinander, die entsprechenden Vorbringen seien
verspätet. Daher kann dieser Punkt nicht berücksichtigt werden. Ob unabhängig
davon bereits in der Gründung und der nicht offengelegten namhaften Beteiligung
an der Q.________ eine Treuepflichtverletzung zu sehen ist, hängt unter anderem
davon ab, inwieweit bereits bei der Gründung der Q.________ mit Geschäften
zwischen dieser und der Beschwerdeführerin zu rechnen war, und damit ebenfalls
von den tatsächlichen Gegebenheiten. Die Vorinstanz stellte in tatsächlicher
Hinsicht fest, dass die Q.________ bei Gründung kein Konkurrenzunternehmen
darstellte und dass es in den ersten fünf Jahren zu keinen Geschäften kam. Ob
dies genügt, um eine Pflichtverletzung im Gründungsstadium auszuschliessen,
braucht nicht vertieft behandelt zu werden. Indem der Beschwerdeführer seine
Beteiligung und den sich daraus ergebenden Interessenkonflikt verschwieg, als
es schliesslich zu Geschäften zwischen der Beschwerdeführerin und der
Q.________ kam, hat er seine Treuepflicht jedenfalls grob verletzt. Ob diese
Pflichtverletzung dazu führt, dass der Arbeitgeberin die Fortsetzung des
Arbeitsverhältnisses bis zum Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist nicht
zugemutet werden kann, ist im Folgenden zu prüfen.

3.2 Die Beschwerdeführerin ist der Auffassung, das Verschweigen des
Interessenkonflikts als solches müsse zur fristlosen Kündigung berechtigen,
auch wenn es erst nachträglich entdeckt werde. Die fristlose Entlassung
bezweckt indessen nicht, ein bestimmtes Verhalten zu sanktionieren oder der
Arbeitgeberin eine Satisfaktion zu verschaffen (BGE 129 III 380 E. 3.1 S. 383).
Ausschlaggebend ist nicht die Schwere des Vergehens als solche, sondern die
Unzumutbarkeit der Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses, die sich daraus
ergibt. Diesbezüglich kann der Frage, ob Wiederholungsgefahr besteht und ob
sich der Arbeitnehmer im Übrigen korrekt verhalten hat, entgegen der Auffassung
der Beschwerdeführerin sehr wohl Bedeutung zukommen. Dass eine fristlose
Kündigung je nach Art der Pflichtverletzung unter Umständen gerechtfertigt sein
kann, auch wenn dem Arbeitgeber kein Schaden entsteht und sich der Arbeitnehmer
im Übrigen korrekt verhalten hat, bedeutet nicht, dass den entsprechenden
Punkten keine Bedeutung zukommt. Soweit sich ein Verhalten nicht direkt auf die
Arbeitsleistung auswirkt, ist die geforderte objektive Schwere nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichts nur mit grosser Zurückhaltung anzunehmen,
genügt dafür doch nicht einmal jedes strafbare Verhalten am Arbeitsplatz (BGE
129 III 380 E. 3.1 S. 384).

3.3 Das von der Beschwerdeführerin als analog betrachtete Beispiel der Annahme
von Bestechungsgeldern lässt sich mit Blick auf die Zumutbarkeit der
Weiterführung des Arbeitsverhältnisses nicht direkt auf den zu beurteilenden
Fall übertragen. Wer unlauteren Wettbewerb begeht, indem er bewusst
Bestechungsgelder für eine pflichtwidrige oder eine im Ermessen stehende
Handlung oder Unterlassung annimmt, wird vom Gesetz mit Strafe bedroht (Art. 4a
i.V.m. Art. 23 UWG). Erweist sich ein Arbeitnehmer als bestechlich, besteht
zudem die Gefahr, dass er sich bei seinen Entscheidungen auch in Zukunft von
sachfremden Umständen leiten lässt. Droht diese Gefahr, kann dies die
Weiterführung des Arbeitsverhältnisses unzumutbar erscheinen lassen, auch wenn
die Annahme der Bestechungsgelder bisher (noch) nicht zu einer Schädigung des
Arbeitgebers geführt hat. Eine analoge Wiederholungsgefahr bestand mit Bezug
auf den Beschwerdegegner nicht, da mit dem Verkauf der Aktien der
Interessenkonflikt beseitigt war und die Beschwerdeführerin nicht geltend
macht, sie habe bis zum Ablauf der Kündigungsfrist neue Interessenkonflikte
befürchten müssen.

3.4 Es bleibt zu prüfen, ob in der groben Pflichtverletzung der fehlenden
Offenlegung des Interessenkonfliktes ein Verhalten oder eine Gesinnung des
Beschwerdegegners zu Tage tritt, welche eine Fortsetzung des
Arbeitsverhältnisses unzumutbar erscheinen lässt. Davon wäre ohne Weiteres
auszugehen, wenn der Beschwerdegegner die Q.________ in der Absicht gegründet
hätte, sich unter Schädigung der Beschwerdeführerin auf deren Kosten zu
bereichern. Auch nach Wegfall des Interessenkonfliktes bestünde diesfalls die
Gefahr, dass sich der Beschwerdegegner in anderer Weise zu Lasten der
Beschwerdeführerin Vorteile verschafft. Die Vorinstanz kam indessen in
Würdigung der Beweise zum Schluss, dass dies nicht der Fall war und dass dem
Beschwerdegegner auch bei den einzelnen Geschäften materiell keine
Benachteiligung der Beschwerdeführerin vorgeworfen werden konnte. Wenn die
Vorinstanz mit Blick auf das gesamte Verhalten des Beschwerdegegners, welches
nicht zu einer Schädigung der Beschwerdeführerin geführt hat, und die Tatsache,
dass der Interessenkonflikt nicht mehr bestand, in eingehender Würdigung der
konkreten tatsächlichen Umstände zum Schluss kam, die Weiterführung des
Arbeitsverhältnisses während der ordentlichen Kündigungsfrist sei zumutbar,
überschritt sie ihren Ermessensspielraum nicht, wenngleich es sich in
Anbetracht der Schwere der Pflichtverletzung um einen Grenzfall handelt. Die
Vorinstanz hat sich nicht von sachfremden Überlegungen leiten lassen, sondern
sorgfältig aufgezeigt, weshalb aufgrund der besonderen Umstände die
Weiterführung des Arbeitsverhältnisses bis zum Ablauf der ordentlichen
Kündigungsfrist trotz der groben Pflichtverletzung zumutbar erscheint.
Angesichts des weiten Ermessens, das ihr bei der Beurteilung dieser Frage
zusteht, besteht für das Bundesgericht kein Anlass, in die wesentlich auf der
Beweiswürdigung fussende Ermessensausübung der Vorinstanz einzugreifen.

3.5 Die Beschwerdeführerin wendet ein, auch der blosse Verdacht einer schweren
Straftat vermöge eine fristlose Kündigung zu rechtfertigen, selbst wenn er sich
nachträglich als unzutreffend erweise. Nach Lehre und Rechtsprechung bleibt
diesfalls allerdings der Lohnanspruch des Arbeitnehmers bis zum Ablauf der
ordentlichen Kündigungsfrist gewahrt, so dass die Frage nur bezüglich der
Entschädigung nach Art. 337c Abs. 3 OR relevant werden könnte (Urteil des
Bundesgerichts 4C.103/1999 vom 9. August 1999 E. 3b mit Hinweisen, publ. in:
Pra 89/2000 Nr. 11 S. 56). Zudem wird vorausgesetzt, dass der Arbeitgeber
bezüglich des Verdachts die ihm zumutbaren Abklärungen vorgenommen hat (zit.
Urteil 4C.103/1999 E. 3a f.). Davon kann nach den tatsächlichen Feststellungen
im angefochtenen Entscheid nicht ausgegangen werden. So behauptete die
Beschwerdeführerin, der Beschwerdegegner hätte bei dem Verkauf von Geräten an
die Q.________ einen zu niedrigen Kaufpreis ausgehandelt und die
Beschwerdeführerin dadurch geschädigt. Die Geschäftsleitung war sich indessen
bewusst und damit einverstanden, dass der Preis unter dem tatsächlichen Wert
festgesetzt wurde. Auch hinsichtlich der Beschaffung der Terminals von der
Q.________ wäre es der Beschwerdeführerin offen gestanden, das
Ausschreibungsverfahren zu konsultieren, um festzustellen, ob objektiv eine
Schädigungsgefahr bestand. Die Beschwerdeführerin warf dem Beschwerdegegner im
Wesentlichen vor, durch die Zwischenschaltung der Q.________ eine Verteuerung
bewirkt zu haben. Ob tatsächlich lukrativere Alternativen zur Q.________
bestanden, klärte sie dabei nicht hinreichend ab. Daher erweist sich der
Entscheid auch unter diesem Gesichtspunkt als bundesrechtskonform.

3.6 Die Beschwerdeführerin beruft sich allerdings zum Nachweis, dass ihr
Verdacht begründet war, auf ein Gutachten im Strafverfahren und rügt eine
Verletzung von Art. 8 ZGB, weil die Vorinstanz es nicht beachtet habe. Soweit
die Vorinstanz indessen das Gutachten nicht als solches im Zivilprozess
berücksichtige, weil dem Gutachter nicht sämtliche Akten des Zivilprozesses zur
Verfügung standen und der Beschwerdegegner im Zivilprozess keine Gelegenheit
hatte, Ergänzungsfragen zu stellen, handelt es sich dabei einerseits um
Beweiswürdigung und andererseits um Vorschriften betreffend die Zulässigkeit
von Beweismitteln, welche, soweit keine bundesrechtlichen Spezialbestimmungen
greifen und solange die Schweizerische Zivilprozessordnung noch nicht zur
Anwendung gelangt, das kantonale Prozessrecht regelt (BGE 98 II 325 E. 5b S.
333). Eine Verletzung von Art. 8 ZGB ist nicht ersichtlich. Sowohl die Rüge der
willkürlichen Beweiswürdigung als auch der willkürlichen Anwendung kantonalen
Rechts kann die Beschwerdeführerin nicht erheben, da der angefochtene Entscheid
insoweit nicht letztinstanzlich ist. Dasselbe gilt für die Rüge der Verletzung
des rechtlichen Gehörs, soweit sie nicht mit der Rüge der Verletzung von Art. 8
ZGB zusammenfällt. Entsprechende Rügen wären überdies nicht hinreichend
begründet (Art. 106 Abs. 2 BGG). Schliesslich vermöchte das Gutachten nichts
daran zu ändern, dass die Beschwerdeführerin die ihr möglichen und zumutbaren
Abklärungen nicht hinreichend vorgenommen hat (vgl. E. 3.5 hiervor).

4.
Die Vorinstanz berücksichtigte die gesamten Umstände und kam zum Schluss, trotz
der festgestellten groben Pflichtwidrigkeit des leitenden Angestellten sei
aufgrund der konkreten Umstände eine Weiterführung des Arbeitsverhältnisses
zumutbar. Dabei hat sie die bundesrechtlichen Vorgaben nicht verkannt, so dass
kein Anlass besteht, in ihr weites Ermessen, welches auf konkreter
Beweiswürdigung beruht, einzugreifen. Die Beschwerde erweist sich insgesamt als
unbegründet. Sie ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Damit wird die
Beschwerdeführerin kosten- und entschädigungspflichtig.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 8'000.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

3.
Die Beschwerdeführerin hat den Beschwerdegegner für das bundesgerichtliche
Verfahren mit Fr. 9'000.-- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Zürich, I.
Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 2. Dezember 2010

Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Klett Luczak