Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 4A.511/2010
Zurück zum Index I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 2010
Retour à l'indice I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 2010


Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
4A_511/2010

Urteil vom 22. Dezember 2010
I. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Klett, Präsidentin,
Bundesrichter Corboz, Bundesrichterin Kiss,
Gerichtsschreiberin Sommer.

Verfahrensbeteiligte
X.________ AG,
vertreten durch Rechtsanwalt Ralph Sigg,
Beschwerdeführerin,

gegen

A.________,
vertreten durch Rechtsanwalt René Räber,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Arbeitsvertrag; Kündigung,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Luzern, I. Kammer als
Appellationsinstanz, vom 8. Juli 2010.
Sachverhalt:

A.
A.________ (Beschwerdegegner) wurde von der X.________ AG (Beschwerdeführerin)
mit Anstellungsvertrag vom 15. April 2005 als Leiter des Finanz-, Rechnungs-
und Personalwesens zu einem monatlichen Gehalt von Fr. 8'000.-- zuzüglich einer
Gratifikation von einem Monatslohn angestellt. Der Stellenantritt erfolgte am
17. Mai 2005. Ab diesem Datum verlängerte sich der Vertrag jeweils automatisch
um ein Jahr und war mit einer Kündigungsfrist von sechs Monaten kündbar.
Die durch den Geschäftsführer B.________ handelnde Beschwerdeführerin löste am
3. Mai 2006 das Arbeitsverhältnis mit dem Beschwerdegegner mündlich per sofort
auf. Auf Wunsch des Beschwerdegegners wurde diese Kündigung mit Schreiben vom
8. Mai 2006 begründet.

B.
Mit Klage vom 6. November 2006 belangte der Beschwerdegegner die
Beschwerdeführerin aufgrund des fristlos beendeten Arbeitsvertragsverhältnisses
auf Bezahlung von Lohn- und Lohnersatzansprüchen im Betrag von Fr. 108'699.20,
Strafzahlungsanspruch gemäss Art. 337c Abs. 3 OR im Betrag von Fr. 32'260.--
sowie auf Bezahlung von Verzugszinsen zu 5 % seit 3. Mai 2006 auf Fr.
140'959.20. Zudem sei die Beschwerdeführerin zu verpflichten, die auf seinen
Lohn- und Lohnersatzansprüchen geschuldeten Sozialversicherungsbeiträge
(Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge) mit den zuständigen Kassen abzurechnen.
Die Beschwerdeführerin machte widerklageweise Schadenersatz in der Höhe von Fr.
200'000.-- nebst 5 % Zins seit dem 3. Mai 2006 geltend, unter Vorbehalt des
Nachklagerechts. Eventuell sei die Schadenersatzforderung nach Ermessen des
Gerichts festzulegen.
Das Amtsgericht Willisau verpflichtete am 27. November 2009 die
Beschwerdeführerin, dem Beschwerdegegner als Lohn bzw. Lohnersatz im Sinne von
Art. 337c Abs. 1 und 2 OR Fr. 23'392.35 zuzüglich 5 % Zins seit 3. Mai 2006
sowie eine Entschädigung nach Art. 337c Abs. 3 OR von Fr. 16'130.-- zuzüglich 5
% Zins seit 3. Mai 2006 zu bezahlen. Weiter verpflichtete es die
Beschwerdeführerin, die geschuldeten Sozialversicherungsbeiträge mit den
zuständigen Kassen abzurechnen. Die Widerklage wies es ab.
Gegen das Urteil des Amtsgerichts vom 27. November 2009 appellierte die
Beschwerdeführerin an das Obergericht des Kantons Luzern. Sie beantragte die
Abweisung der Klage. Das Obergericht des Kantons Luzern, 1. Kammer als
Appellationsinstanz, bestätigte das Urteil des Amtsgerichts am 8. Juli 2010.

C.
Mit Beschwerde in Zivilsachen beantragt die Beschwerdeführerin dem
Bundesgericht, das Urteil des Obergerichts vom 8. Juli 2010 aufzuheben. Die
Klage sei vollumfänglich abzuweisen. Eventuell sei das Verfahren an das
Obergericht zurückzuweisen.
Der Beschwerdegegner begehrt, die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf
einzutreten sei. Die Vorinstanz schliesst ebenfalls auf Abweisung der
Beschwerde, soweit auf sie eingetreten werden könne.

D.
Mit Präsidialverfügung vom 1. Oktober 2010 wurde das Gesuch der
Beschwerdeführerin, der Beschwerde aufschiebende Wirkung zu erteilen,
abgewiesen. Das Gesuch der Beschwerdeführerin um Wiedererwägung dieser
Verfügung wurde mit Präsidialverfügung vom 9. November 2010 ebenfalls
abgewiesen. Mit Eingabe vom 16. Dezember 2010 hat die Beschwerdeführerin ein
erneutes Wiedererwägungsgesuch gestellt.
Erwägungen:

1.
Mit dem heutigen Entscheid in der Sache wird das erneute Wiedererwägungsgesuch
der Beschwerdeführerin, der Beschwerde aufschiebende Wirkung zu erteilen,
gegenstandslos.

2.
Das angefochtene Urteil des Obergerichts ist ein verfahrensabschliessender
Endentscheid (Art. 90 BGG) einer letzten kantonalen Instanz (Art. 75 Abs. 1
BGG). Der Streitwert übersteigt die Grenze von Fr. 15'000.-- nach Art. 74 Abs.
1 lit. a BGG. Da auch die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen erfüllt sind, ist
- unter Vorbehalt einer rechtsgenüglichen Begründung der erhobenen Rügen (Art.
42 Abs. 1 und 2 und Art. 106 Abs. 2 BGG) - auf die Beschwerde einzutreten.

3.
3.1 Mit Beschwerde in Zivilsachen können Rechtsverletzungen nach Art. 95 und 96
BGG gerügt werden. Die Beschwerde ist hinreichend zu begründen, andernfalls
wird darauf nicht eingetreten. In der Beschwerdeschrift ist in gedrängter Form
darzulegen, inwiefern der angefochtene Akt Recht verletzt (Art. 42 Abs. 2 BGG).
Die Verletzung von Grundrechten und von kantonalem und interkantonalem Recht
kann das Bundesgericht nur insofern prüfen, als eine solche Rüge in der
Beschwerde präzise vorgebracht und begründet worden ist (Art. 106 Abs. 2 BGG;
BGE 136 I 65 E. 1.3.1; 134 II 244 E. 2.2; 133 III 439 E. 3.2). Auf rein
appellatorische Kritik am angefochtenen Entscheid tritt das Bundesgericht nicht
ein (BGE 134 V 138 E. 2.1; 133 II 396 E. 3.1 S. 399).

3.2 Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die
Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Die Feststellung des
Sachverhalts kann nur gerügt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder
auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht und wenn die
Behebung des Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann
(Art. 97 Abs. 1 BGG). "Offensichtlich unrichtig" bedeutet dabei "willkürlich"
(BGE 135 III 397 E. 1.5).
Der Beschwerdeführer, der die Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz
anfechten will, kann sich nicht damit begnügen, den bestrittenen Feststellungen
eigene tatsächliche Behauptungen gegenüberzustellen oder darzulegen, wie die
Beweise seiner Ansicht nach zu würdigen gewesen wären. Vielmehr hat er klar und
substanziiert aufzuzeigen, inwiefern die gerügten Feststellungen bzw. die
Unterlassung von Feststellungen offensichtlich unrichtig sind oder auf einer
Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruhen. Soweit der Beschwerdeführer
den Sachverhalt ergänzen will, hat er zudem mit Aktenhinweisen darzulegen, dass
er entsprechende rechtsrelevante Tatsachen und taugliche Beweismittel bereits
bei den Vorinstanzen prozesskonform eingebracht hat (Urteile 4A_214/2008 vom 9.
Juli 2008 E. 1.2, nicht publ. in: BGE 134 III 570; 4A_470/2009 vom 18. Februar
2010 E. 1.2). Auf eine Kritik an den tatsächlichen Feststellungen der
Vorinstanz, die diesen Anforderungen nicht genügt, ist nicht einzutreten (BGE
133 II 249 E. 1.4.3).
Soweit die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom vorinstanzlich
festgestellten Sachverhalt abweicht oder diesen erweitert, ohne
rechtsgenügliche Sachverhaltsrügen zu erheben, ist sie damit nicht zu hören.

4.
Die Beschwerdeführerin wendet sich gegen den Schluss der Vorinstanz, dass die
fristlose Entlassung des Beschwerdegegners zu Unrecht erfolgt sei und sie das
Vorliegen eines die fristlose Entlassung rechtfertigenden Grundes nicht
schlüssig vorgetragen habe. Die Vorinstanz habe es unterlassen, die
substanziiert vorgebrachten Gründe zu würdigen, und habe das Urteil zum Teil im
Widerspruch zu den Akten sowie aufgrund einer widersprüchlichen
Sachverhaltsdarstellung gefällt.

4.1 Nach Art. 337 OR kann der Arbeitgeber wie der Arbeitnehmer das
Arbeitsverhältnis aus wichtigen Gründen jederzeit fristlos auflösen (Abs. 1).
Als wichtiger Grund gilt jeder Umstand, bei dessen Vorhandensein dem
Kündigenden nach Treu und Glauben die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses
nicht mehr zugemutet werden darf (Abs. 2). Über das Vorhandensein solcher
Umstände entscheidet das Gericht nach seinem Ermessen (Art. 337 Abs. 3 OR).
Derartige Ermessensentscheide überprüft das Bundesgericht grundsätzlich frei.
Es übt dabei aber Zurückhaltung und schreitet nur ein, wenn die Vorinstanz
grundlos von in Lehre und Rechtsprechung anerkannten Grundsätzen abgewichen
ist, wenn sie Tatsachen berücksichtigt hat, die für den Entscheid im Einzelfall
keine Rolle hätten spielen dürfen, oder wenn sie umgekehrt Umstände ausser
Betracht gelassen hat, die zwingend hätten beachtet werden müssen. Es greift
ausserdem in Ermessensentscheide ein, wenn sich diese als offensichtlich
unbillig, als in stossender Weise ungerecht erweisen (BGE 135 III 121 E. 2 S.
123 f.; 130 III 28 E. 4.1 S. 32, 213 E. 3.1 S. 220; 129 III 380 E. 2 S. 382; je
mit Hinweisen).
Nach der Rechtsprechung zu Art. 337 OR ist eine fristlose Entlassung nur bei
besonders schweren Verfehlungen des Arbeitnehmers gerechtfertigt. Diese müssen
einerseits objektiv geeignet sein, die für das Arbeitsverhältnis wesentliche
Vertrauensgrundlage zu zerstören oder zumindest so tiefgreifend zu erschüttern,
dass dem Arbeitgeber die Fortsetzung des Vertrags nicht mehr zuzumuten ist, und
anderseits auch tatsächlich zu einer derartigen Zerstörung oder Erschütterung
des gegenseitigen Vertrauens geführt haben. Sind die Verfehlungen weniger
schwerwiegend, so müssen sie trotz Verwarnung wiederholt vorgekommen sein (BGE
130 III 213 E. 3.1 S. 220 f.; 129 III 380 E. 2.1 mit Hinweisen). Ob die dem
Arbeitnehmer vorgeworfene Pflichtverletzung die erforderliche Schwere erreicht,
lässt sich nicht allgemein sagen, sondern hängt von den konkreten Umständen des
Einzelfalles ab (BGE 127 III 153 E. 1a S. 155; 116 II 145 E. 6a S. 150).

4.2 Die Beschwerdeführerin bringt insbesondere vor, die Vorinstanz habe die von
ihr monierte Bekanntgabe eines falschen Passworts für den Computer aktenwidrig
als unbeachtlich betrachtet. Der Beschwerdegegner habe das falsche Passwort
nicht erst nach, sondern bereits vor bzw. während des Vorgangs der fristlosen
Entlassung mitgeteilt. Es sei durch die Akten nicht erstellt, dass die
Bekanntgabe des falschen Passworts erst nach der fristlosen Entlassung erfolgt
sei.
Die Vorinstanz erachtete die Bekanntgabe eines angeblich falschen Passworts für
den Computer als Umstand, der nach der fristlosen Entlassung eingetreten ist.
Somit komme er als wichtigen Grund im Sinne von Art. 337 OR nicht in Betracht.
Sie verwies bei der entsprechenden Erwägung auf die Ziffern 11 und 12 der
Appellationsbegründung der Beschwerdeführerin.
Die Beschwerdeführerin vermag mit ihrem Vorbringen, aus den Ziffern 11 und 12
ihrer Appellationsbegründung lasse sich der Schluss der Vorinstanz nicht
ziehen, keine aktenwidrige oder widersprüchliche Sachverhaltsermittlung
darzutun. Die Beschwerdeführerin führte in ihrer Appellationsbegründung aus,
B.________ sei am 3. Mai 2006 am frühen Nachmittag zum Beschwerdegegner ins
Büro gegangen, habe ihm sämtliche Umstände erklärt und auf die Verwarnungen
hingewiesen sowie ihn gebeten, den Arbeitsplatz fristlos zu verlassen. Noch im
Büro des Beschwerdegegners habe B.________ ihn gebeten, das Passwort seines
Computers, das sich nachträglich als falsch herausgestellt habe,
aufzuschreiben. Aus den entsprechenden Ausführungen der Beschwerdeführerin in
der Appellationsbegründung ergibt sich nicht, dass die Sachverhaltsfeststellung
der Vorinstanz offensichtlich unrichtig wäre. Die Ausführungen stützen vielmehr
gerade die Darstellung der Vorinstanz, wonach die Bekanntgabe des Passworts
erst nach der Entlassung erfolgte. Demnach bleibt es beim vorinstanzlich
festgestellten Sachverhalt. Die Vorinstanz hat dem Umstand der
Passwortbekanntgabe somit zu Recht keine Beachtung geschenkt, da nach der
fristlosen Entlassung eingetretene Tatsachen bei der Frage der Rechtmässigkeit
einer fristlosen Kündigung nicht berücksichtigt werden können (BGE 127 III 310
E. 4a mit Hinweisen).
Die Beschwerdeführerin rügt im Zusammenhang mit der Passwortbekanntgabe weiter,
die Vorinstanz habe es unterlassen, zu berücksichtigen, dass der
Beschwerdegegner eine 12-monatige Kündigungsfrist gehabt und es sich bei ihm um
einen Kaderangehörigen gehandelt habe. So sei die Angabe eines falschen
Passworts eine schwere Verfehlung, die insbesondere bei einem Kaderangehörigen
sehr ins Gewicht falle. Dieses Vorbringen stösst ins Leere, da - wie soeben
ausgeführt - die Bekanntgabe des Passworts als Grund, der erst nach der
Aussprechung der fristlosen Kündigung eingetreten ist, bei der Frage der
Rechtmässigkeit der fristlosen Entlassung zu Recht nicht berücksichtigt wurde.
Die Beschwerdeführerin ist damit nicht zu hören.

4.3 Die Beschwerdeführerin wendet sich weiter gegen die Ausführungen der
Vorinstanz zur von ihr behaupteten beruflichen Unfähigkeit und zur unzumutbaren
Arbeitsweise des Beschwerdegegners. Sie rügt mehrere unrichtige bzw.
widersprüchliche Sachverhaltsdarstellungen.
Die Vorinstanz erwog, eine blosse Schlechterfüllung des Arbeitsvertrags
berechtige grundsätzlich nur zur ordentlichen Kündigung und könne nur dann zum
wichtigen Grund im Sinne von Art. 337 OR werden, wenn sie trotz Verwarnung
wiederholt werde. Eine diesbezügliche Abmahnung sei nicht rechtsgenüglich
behauptet worden. Eine ungenügende Arbeitsleistung rechtfertige eine fristlose
Kündigung nur, wenn entweder völliges berufliches Versagen vorliege oder die
schlechte Leistung auf ein grobes Verschulden zurückzuführen sei. Sie kam zum
Schluss, dass ein völliges berufliches Versagen des Beschwerdeführers
ausgeschlossen werden könne.
4.3.1 Die Beschwerdeführerin rügt den Schluss der Vorinstanz, dass aufgrund des
dem Beschwerdegegner ausgestellten Zwischenzeugnisses ein völliges berufliches
Versagen ausgeschlossen werden könne. Das Zwischenzeugnis sei am 26. Februar
2006 und somit vor der Entlassung von den damaligen Verantwortlichen des
Beschwerdegegners kurz vor Übernahme des Unternehmens ausgestellt worden,
jedoch in Unkenntnis der Tatsachen, die erst nach der fristlosen Entlassung des
Beschwerdegegners anfangs Mai 2006 zu Tage getreten seien.
Die Beschwerdeführerin vermag weder mit dem Umstand, dass das Zwischenzeugnis
nicht von den heutigen, sondern von den damaligen Verantwortlichen ausgestellt
wurde, noch mit der Tatsache, dass es ungefähr zweieinhalb Monate vor der
Entlassung des Beschwerdegegners verfasst wurde, eine willkürliche
Sachverhaltsfeststellung darzulegen. Sie zeigt insbesondere nicht auf,
inwiefern die früheren Verantwortlichen objektiv unrichtige Aussagen zum
Arbeitsverhalten des Beschwerdegegners hätten gemacht haben sollen. Die
Beschwerdeführerin verkennt zudem, dass die Vorinstanz nicht bloss aufgrund
dieses Zwischenzeugnisses ein völliges berufliches Versagen des
Beschwerdegegners verneinte, sondern aufgrund der Würdigung mehrerer Umstände.
So führte die Vorinstanz zwar aus, den Behauptungen der Beschwerdeführerin -
der Beschwerdegegner habe "das Problem mit der Mehrwertsteuer" nicht im Griff
gehabt, die Buchhaltung sei nicht nachgeführt worden, die nötigen
Hauptbuchungen vom Geschäftsjahr 2006 seien nicht vorhanden gewesen, der
Beschwerdegegner habe die an ihn gestellten Anforderungen im Bereich
Fachkompetenz nicht erfüllt, er habe das Debitorenwesen vernachlässigt und in
seiner ganzen Anstellungszeit nur zwei Debitoren gemahnt und betrieben, er habe
das Personalwesen vernachlässigt - stehe das von ihr selber ausgestellte
Zwischenzeugnis vom 26. Februar 2006 gegenüber. Darin würden dem
Beschwerdegegner grosse Fachkompetenz, Fleiss, Einsatz und Durchhaltewillen
sowie die Leistung eines wesentlichen Beitrags zum Fortbestand der Firma
bescheinigt. Aufgrund dieses Zwischenzeugnisses könne ein völliges berufliches
Versagen des Beschwerdegegners ausgeschlossen werden. Die Vorinstanz erwog im
Folgenden weiter, es gelte zudem zu berücksichtigen, dass der Beschwerdegegner
seine Tätigkeit im Umfeld einer wirtschaftlich angeschlagenen Firma zu leisten
gehabt habe. Gemäss eigener Darstellung der Beschwerdeführerin habe sie im
Oktober 2005 - also rund fünf Monate nach Arbeitsbeginn des Beschwerdegegners -
mit enormen Liquiditätsproblemen zu kämpfen gehabt, die kaum von heute auf
morgen eingetreten sein dürften. Woraus sich ergeben solle, dass die
Beschwerdeführerin für das Jahr 2005 einen Debitorenverlust von beinahe Fr.
1'300'000.-- verzeichnet habe, werde von der Beschwerdeführerin nicht schlüssig
vorgetragen. Fehlende tatsächliche Behauptungen könnten nicht durch
Beweisanträge ersetzt werden. Zu dem von der Beschwerdeführerin auch im
Zusammenhang mit der Widerklage geltend gemachten Debitorenverlust habe der
Beschwerdegegner dahingehend Stellung genommen, es hätte sich dabei um
Rückstellungen gehandelt, die auf das ungenügende Qualitätsmanagement
zurückzuführen gewesen seien, da die nicht zahlenden Kunden sich stets auf
nicht behobene Garantiemängel berufen hätten. Zudem weise der Beschwerdegegner
in der Appellationsantwort darauf hin, dass unter seiner Leitung der
Debitorenbestand um ca. 40 % habe verringert werden können, was er mit dem
Finanzbericht der Beschwerdeführerin vom Dezember 2005 belegt habe. An
schlüssigen Vorbringen der Beschwerdeführerin fehle es auch, soweit sie geltend
mache, der Beschwerdegegner habe seine persönlichen Daten vor der fristlosen
Entlassung gelöscht und damit in böswilliger Manier beabsichtigt, ihr einen
Schaden zu verursachen. Auch hier gelte, dass fehlende tatsächliche
Behauptungen nicht durch Beweisanträge ersetzt werden könnten. Soweit die
Beschwerdeführerin sich in Bezug auf die behauptete fachliche Unfähigkeit des
Beschwerdegegners auf das Schreiben der Revisionsstelle der Beschwerdegegnerin
vom 10. Januar 2007 beziehe, handle es sich um eine unzulässige
Zeugenbescheinigung, die unbeachtlich bleibe.
Die Beschwerdeführerin bringt vor Bundesgericht insbesondere nichts gegen die
Erwägungen der Vorinstanz betreffend den wirtschaftlichen Zustand des
Unternehmens und die Verringerung des Debitorenbestands vor. Zusammenfassend
kann festgehalten werden, dass es ihr nicht gelungen ist, die
Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz, wonach kein völliges berufliches
Versagen des Beschwerdegegners vorliegt, als offensichtlich unrichtig
auszuweisen.
4.3.2 Weiter rügt die Beschwerdeführerin, die Vorinstanz habe es unterlassen,
ihre Vorbringen zu überprüfen, dass der Beschwerdegegner die Buchhaltung nicht
nachgeführt und falsch zugesichert habe, die "Mehrwertsteuerproblematik" im
Griff zu haben. Auch ihren Vorwurf, der Beschwerdegegner habe der
Geschäftsleitung eine drohende Pfändungsandrohung nicht offenbart, sei von der
Vorinstanz einzig mit dem Hinweis auf ein zeitlich vorangehendes
Zwischenzeugnis "weggewischt" worden. Die Vorinstanz habe die entsprechende
Sachverhaltsdarstellung, die genügend substanziiert worden sei, nicht überprüft
und gewertet.
Die Beschwerdeführerin verkennt, dass die Vorinstanz die Vorbringen der
"Mehrwertsteuerproblematik", der drohenden Pfändungsandrohung sowie der
Nichtnachführung der Buchhaltung nicht unberücksichtigt gelassen hat. Sie hat
indessen die von der Beschwerdegegnerin angebotenen Beweise nicht abgenommen,
da sie diese Umstände als nicht rechtserheblich erachtete.
Ein Gericht kann die Beweisbegehren insbesondere dann ablehnen, wenn der
Sachverhalt, den eine Partei beweisen will, nicht rechtserheblich ist, wenn
bereits Feststehendes bewiesen werden soll oder wenn von vornherein anzunehmen
ist, dass der angebotene Beweis keine Klarstellungen herbeizuführen vermag.
Kommt der Richter bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, der
angebotene Beweis vermöge keine Klärung herbeizuführen, kann auf ein
beantragtes Beweismittel verzichtet werden. In der damit verbundenen
antizipierten Beweiswürdigung kann keine Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör liegen. Ob die kantonalen Instanzen diese Grundsätze verletzt
haben, prüft das Bundesgericht nur unter dem Gesichtswinkel der Willkür, da
insoweit nicht der Umfang des bundesrechtlichen Anspruchs auf rechtliches
Gehör, sondern lediglich eine Frage der Beweiswürdigung zu beurteilen ist
(Urteil 4P.288/2006 vom 9. Mai 2007 E. 3.1; vgl. auch BGE 136 I 229 E. 5.3; 134
I 140 E. 5.3; je mit Hinweisen). Die Beschwerdeführerin macht nicht geltend und
zeigt nicht auf, inwiefern eine willkürliche Beweiswürdigung vorliegen würde.

4.4 Der Beschwerdeführerin ist es nicht gelungen aufzuzeigen, inwiefern die
Vorinstanz das Vorliegen eines wichtigen Grundes im Sinne von Art. 337 OR zu
Unrecht verneint hätte. Die fristlose Entlassung des Beschwerdegegners wurde
demnach zu Recht als unrechtmässig erkannt.

5.
Die Beschwerdeführerin wendet sich sodann gegen die Zusprechung eines
Lohnersatzanspruchs für die Monate Mai bis Juli 2006.

5.1 Entlässt der Arbeitgeber den Arbeitnehmer fristlos ohne wichtigen Grund, so
hat dieser Anspruch auf Ersatz dessen, was er verdient hätte, wenn das
Arbeitsverhältnis unter Einhaltung der Kündigungsfrist oder durch Ablauf der
bestimmten Vertragszeit beendigt worden wäre (Art. 337c Abs. 1 OR). Der
Arbeitnehmer muss sich daran anrechnen lassen, was er infolge der Beendigung
des Arbeitsverhältnisses erspart hat und was er durch anderweitige Arbeit
verdient oder zu verdienen absichtlich unterlassen hat (Art. 337c Abs. 2 OR).

5.2 Nach den tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz war im Zeitpunkt der
fristlosen Entlassung am 3. Mai 2006 das Arbeitsverhältnis unter
Berücksichtigung einer Kündigungsfrist von 6 Monaten frühstens auf den 16. Mai
2007 kündbar. Die Vorinstanz schützte die Auffassung des Amtsgerichts und
sprach dem Beschwerdegegner nur für die Monate Mai bis Juli 2006
Lohnersatzansprüche zu. Sie verneinte eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdegegners und kam zum Schluss, dieser sei seiner
Schadenminderungspflicht nicht nachgekommen. Zudem erwog die Vorinstanz, die
Beschwerdeführerin habe nicht behauptet, der Beschwerdegegner sei krank
gewesen. Es bleibe daher kein Raum für die Anrechnung nicht bezogener
Krankentaggelder.
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin hat die Vorinstanz die
Beweislast nicht falsch auferlegt. Da die Beschwerdeführerin einen Betrag für
vom Beschwerdegegner angeblich zu Unrecht nicht bezogene Krankentaggelder nach
Art. 337c Abs. 2 OR von den Lohnersatzansprüchen abziehen wollte, wurde ihr
zutreffend die Substanziierung und der Beweis dafür auferlegt, dass der
Beschwerdegegner krank gewesen sei. Denn die Beweispflicht für die
abzuziehenden Beträge nach Art. 337c Abs. 2 OR liegt grundsätzlich beim
Arbeitgeber (BGE 96 II 52 E. 3 S. 57; 78 II 441 E. 6c S. 444).
Die Beschwerdeführerin vermag mit ihrem pauschalen Vorbringen ohne Nennung von
Aktenstellen nicht zu belegen, dass sie im kantonalen Verfahren rechtsgenüglich
behauptet hätte, der Beschwerdegegner sei krank gewesen. Sie legt zudem nicht
dar, inwiefern die Vorinstanz willkürlich zum Schluss gekommen wäre, die
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdegegners sei nicht bewiesen.
Mit dem Umstand, dass der Beschwerdegegner ausführte, er habe sich bei der
Arbeitslosenstelle nicht gemeldet, da er nicht vermittlungsfähig sei, vermag
sie keine Willkür aufzuzeigen. Von der Aussage der mangelnden
Vermittlungsfähigkeit kann nicht automatisch darauf geschlossen werden, der
Beschwerdegegner sei krank gewesen. Die Aussage kann genauso gut damit erklärt
werden, dass der Beschwerdegegner behauptete, er habe versucht, in den
Bereichen der Versicherungsberatung und -vermittlung selbständig tätig zu sein
und sei daher durch das RAV nicht vermittlungsfähig gewesen.
Inwiefern die Vorinstanz Art. 337c Abs. 1 und 2 OR durch die Zusprechung eines
Lohnersatzanspruchs für die Monate Mai bis Juli 2006 verletzt hätte, tut die
Beschwerdeführerin nicht dar und ist nicht ersichtlich.

6.
Die Beschwerdeführerin wendet sich schliesslich gegen die Zusprechung einer
Entschädigung nach Art. 337c Abs. 3 OR.

6.1 Art. 337c Abs. 3 OR sieht als Sanktion bei ungerechtfertigter fristloser
Kündigung durch den Arbeitgeber eine Entschädigung von maximal sechs
Monatslöhnen vor. Diese hat sowohl Strafcharakter als auch Genugtuungsfunktion
und soll die durch die ungerechtfertigte fristlose Kündigung erlittene
Persönlichkeitsverletzung des Arbeitnehmers abgelten (BGE 135 III 405 E. 3.1;
123 III 391 E. 3c S. 394; 121 III 64 E. 3c S. 68; je mit Hinweisen). Sie hat
sich entscheidend nach der Strafwürdigkeit des Verhaltens des Arbeitgebers, der
Schwere der Persönlichkeitsverletzung, dem Mass der Widerrechtlichkeit der
fristlosen Entlassung, der finanziellen Situation der Parteien und der Schwere
eines Mitverschuldens des Arbeitnehmers zu richten (BGE 123 III 246 E. 6a S.
255, 391 E. 3c S. 394; je mit Hinweisen). In aller Regel ist eine Entschädigung
geschuldet. Nur wenn ausserordentliche Umstände vorliegen, die trotz
ungerechtfertigter fristloser Kündigung keine Strafzahlung zu Lasten des
Arbeitgebers rechtfertigen, kann sie verweigert werden (BGE 120 II 243 E. 3e S.
247). Die Entschädigung nach Art. 337c Abs. 3 OR wird vom Sachgericht nach
pflichtgemässem Ermessen aufgrund der Umstände des Einzelfalls festgesetzt (BGE
123 III 246 E. 6a S. 255, 391 E. 3c S. 394; zum Ganzen Urteil 4C.67/2003 vom 5.
Mai 2003 E. 4.3, nicht publ. in: BGE 129 III 380; siehe zur Kognition des
Bundesgerichts betreffend Ermessensentscheide vorangehende Erwägung 4.1).

6.2 Die Vorinstanz erwog, der Nachweis, dass die Gründe der Auflösung des
Arbeitsverhältnisses einzig beim Beschwerdegegner gelegen seien, sei der
Beschwerdeführerin nicht gelungen. Da von einer Strafzahlung nur unter ganz
aussergewöhnlichen Umständen gänzlich abgesehen werden könne und solche
Umstände vorliegend nicht ersichtlich seien, habe es bei der vom Amtsgericht
zugesprochenen Strafzahlung von zwei Monatslöhnen sein Bewenden.

6.3 Die Beschwerdeführerin beharrt auf dem Standpunkt, der Beschwerdegegner
habe alleine den Grund gesetzt, dass das Arbeitsverhältnis fristlos aufgelöst
worden sei. Sie habe verschiedenste Handlungsweisen, die vor der Aussprache der
fristlosen Kündigung eingetreten seien, substanziiert vorgebracht. Trotz diesen
substanziierten Vorbringen habe es die Vorinstanz unterlassen, diese genügend
zu überprüfen und das entsprechende Beweisverfahren durchzuführen.
Die Beschwerdeführerin zeigt jedoch nicht auf, welche substanziierten
Vorbringen sie meint. Mit ihren pauschalen Vorwürfen und ohne Hinweis auf
Aktenstellen vermag sie den Begründungsanforderungen nicht zu genügen (vgl.
Erwägung 3). Weder eine Verletzung des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV)
ist damit rechtsgenüglich begründet, noch ist eine von ihr behauptete
bundesrechtswidrige Verletzung der Beweislast nach Art. 8 ZGB ersichtlich.
Die Beschwerdeführerin vermag auch die Zusprechung der Strafzahlung nach Art.
337c Abs. 3 OR nicht als bundesrechtswidrig auszuweisen, wenn sie behauptet, es
seien wichtige Gründe für die fristlose Entlassung gegeben, wie auch wichtige
Gründe vorhanden, um von einer Strafzahlung gemäss Art. 337c Abs. 3 OR
abzusehen. Mit ihren Vorbringen, der Beschwerdegegner habe es als für die
Buchhaltung verantwortlicher Kaderangehöriger unterlassen, die Vorgesetzten von
einer drohenden Pfändungsankündigung der Steuerbehörde zu unterrichten, obwohl
er nachgefragt worden sei, und er habe seinen Computer "geleert" sowie die
Vorgesetzten mit einem falschen Passwort bedient, erweitert sie wiederum den
vorinstanzlich festgestellten Sachverhalt, ohne rechtsgenüglich begründete
Sachverhaltsrügen vorzubringen. Mit den entsprechenden Ausführungen kann sie
nicht gehört werden (vgl. Erwägung 3).
Gemäss der Vorinstanz ist der Beschwerdeführerin der Nachweis nicht gelungen,
dass die Gründe für die Auflösung des Arbeitsverhältnisses einzig beim
Beschwerdegegner lagen. Da die fristlose Kündigung zu Unrecht erfolgte, ist
eine Strafzahlung nach Art. 337c Abs. 3 OR grundsätzlich geschuldet. Inwiefern
die Vorinstanz mit der Festlegung der Entschädigung auf zwei Monatslöhne ihr
Ermessen missbraucht hätte, legt die Beschwerdeführerin nicht rechtsgenüglich
dar. Für das Bundesgericht besteht daher kein Anlass, in das Ermessen
einzugreifen.

6.4 Demzufolge bleibt es bei der vorinstanzlich festgelegten Entschädigung nach
Art. 337c Abs. 3 OR in der Höhe zweier Monatsgehälter.

7.
Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann. Bei
diesem Ausgang des Verfahrens wird die Beschwerdeführerin kosten- und
entschädigungspflichtig (Art. 66 Abs. 1 i.V.m. Art. 68 Abs. 2 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Das Wiedererwägungsgesuch der Beschwerdeführerin vom 16. Dezember 2010 wird als
gegenstandslos abgeschrieben.

2.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

4.
Die Beschwerdeführerin hat den Beschwerdegegner für das bundesgerichtliche
Verfahren mit einem Betrag von Fr. 2'500.-- zu entschädigen.

5.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Luzern, I.
Kammer als Appellationsinstanz, schriftlich mitgeteilt; dem Beschwerdegegner
und dem Obergericht mit Kopie des Wiedererwägungsgesuchs der Beschwerdeführerin
vom 16. Dezember 2010.

Lausanne, 22. Dezember 2010

Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin:

Klett Sommer