Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 4A.517/2010
Zurück zum Index I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 2010
Retour à l'indice I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 2010


Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
4A_517/2010

Urteil vom 11. November 2010
I. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Klett, Präsidentin,
Bundesrichterinnen Rottenberg Liatowitsch, Kiss,
Gerichtsschreiberin Sommer.

Verfahrensbeteiligte
X.________ AG,
Zweigniederlassung Y.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Stefan Wehrenberg,
Beschwerdeführerin,

gegen

A.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Florian Németh,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Arbeitsvertrag; fristlose Entlassung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Kantonsgerichts St. Gallen, III.
Zivilkammer, vom 22. Juli 2010.
Sachverhalt:

A.
A.________ (Beschwerdegegner) arbeitete seit dem 29. September 2008 für
monatlich Fr. 5'700.-- brutto als Betriebsmechaniker in der Y.________
Fischfarm, einer Zweigniederlassung der X.________ AG, (Beschwerdeführerin).
Ein schriftlicher Arbeitsvertrag, der im Entwurf vorlag, wurde nicht
unterzeichnet. Zu den Aufgaben des Beschwerdegegners gehörten die Überwachung
der technischen Anlagen und die Ausführung kleinerer Reparaturen.
Am 2. Januar 2009 blieb der Beschwerdegegner der Arbeit fern, weil er erkrankt
war. Er meldete sich frühmorgens beim Sicherheitsdienst der Fischfarm
telefonisch ab. Nachmittags rief ihn die Geschäftsführerin der Fischfarm,
B.________, an und teilte ihm mit, sie benötige dessen Generalschlüssel für die
Stellvertretung. Der Schlüssel wurde später beim Beschwerdegegner abgeholt. Am
5. Januar und am 10. Januar 2009 konsultierte dieser seinen Hausarzt, der ihn
rückwirkend auf den 2. Januar 2009 krank schrieb. Am 10. Januar 2009
überbrachte der Beschwerdegegner der Wachfrau der Fischfarm das Arztzeugnis.
Die Wachfrau hatte die Anweisung, dem Beschwerdegegner ein Schreiben zu
übergeben. Der Beschwerdegegner verweigerte jedoch dessen Annahme.
Mit eingeschriebenem Brief vom 12. Januar 2009 stellte die Beschwerdeführerin
dem Beschwerdegegner ein auf den 9. Januar 2009 datiertes Schreiben zu, mit dem
sie ihn fristlos entliess, weil er der Arbeit unentschuldigt ferngeblieben sei.
Im Begleitbrief führte die Beschwerdeführerin aus, das Arztzeugnis könne aus
diesem Grund nicht akzeptiert werden. In den folgenden Monaten blieb der
Beschwerdegegner arbeitsunfähig.
Mit Wirkung auf den 13. Juli 2009 wurde über die Zweigniederlassung Y.________
Fischfarm der Beschwerdeführerin der Konkurs eröffnet. Das Konkursverfahren
wurde am 17. Juli 2009 mangels Aktiven eingestellt und am 6. August 2009 im
summarischen Verfahren wieder aufgenommen.

B.
Am 30. April 2009 klagte der Beschwerdegegner beim Kreisgericht Rheintal gegen
die Beschwerdeführerin auf Zahlung von Fr. 30'000.-- brutto, unter Vorbehalt
des Nachklagerechts, betreffend Lohnersatz, Entschädigung nach Art. 337c Abs. 3
OR in der Höhe von mindestens drei Monatslöhnen sowie Ferien- und
Überstundenentschädigung. Die Beschwerdeführerin beantragte die Abweisung der
Klage und verlangte widerklageweise Schadenersatz aus Haftung des Arbeitnehmers
in durch ein Beweisverfahren zu ermittelnder Höhe (maximal Fr. 30'000.--). Das
Kreisgericht lehnte die von der Beschwerdeführerin anlässlich der
Hauptverhandlung im Hauptstandpunkt neu beantragte Einstellung des Verfahrens
nach Art. 207 SchKG ab. Mit Entscheid vom 10. November 2009 verpflichtete es
die Beschwerdeführerin zur Zahlung von Fr. 22'180.-- netto und Fr. 6'155.10
brutto. Im Mehrbetrag wies es die Klage ab. Die Widerklage wies es ebenfalls
ab.
Die Beschwerdeführerin erklärte Berufung an das Kantonsgericht St. Gallen und
beantragte weiterhin die Einstellung des Verfahrens nach Art. 207 SchKG,
eventualiter die Abweisung der Klage und die Gutheissung der Widerklage. Mit
Entscheid vom 22. Juli 2010 hielt das Kantonsgericht fest, dass die Klage und
die Widerklage getrennt würden (Dispositivziffer 1) und das Verfahren
betreffend die Widerklage eingestellt werde (Dispositivziffer 2). Das Gericht
befand, betreffend den Passivprozess (Klage gegen die Beschwerdeführerin)
bewirke die Konkurseröffnung über die Zweigniederlassung keine Einstellung nach
Art. 207 SchKG. In teilweiser Gutheissung der Berufung verpflichtete das
Kantonsgericht die Beschwerdeführerin, dem Beschwerdegegner Fr. 19'380.-- netto
und Fr. 6'155.10 brutto zu bezahlen. Im Mehrbetrag wies es die Klage ab
(Dispositivziffer 3). Wie das Kreisgericht hielt auch das Kantonsgericht die
fristlose Kündigung für nicht gerechtfertigt. Es sprach dem Beschwerdegegner
für die Monate Januar, Feb-ruar und März 2009 Lohnersatz von Fr. 13'680.-- zu.
Die Entschädigung nach Art. 337c Abs. 3 OR, die das Kreisgericht auf Fr.
8'500.-- festgesetzt hatte, reduzierte es auf Fr. 5'700.-- (einen Monatslohn).
Ferner bestätigte es die zugesprochene Ferienentschädigung von Fr. 2'358.60 und
die Überstundenentschädigung von Fr. 3'796.50.

C.
Die Beschwerdeführerin beantragt mit Beschwerde in Zivilsachen, den Entscheid
des Kantonsgerichts mit Bezug auf Dispositivziffer 3 aufzuheben und das
Verfahren an die Vorinstanz zur Durchführung eines Beweisverfahrens
zurückzuweisen. Eventualiter sei Dispositivziffer 3 aufzuheben und die Klage
lediglich im Umfang von Fr. 9'690.-- gutzuheissen.
Der Beschwerdegegner beantragt, die Beschwerde abzuweisen. Die Vorinstanz
verzichtete auf eine Vernehmlassung.

D.
Mit Präsidialverfügung vom 11. Oktober 2010 wurde das Gesuch der
Beschwerdeführerin, der Beschwerde aufschiebende Wirkung zu erteilen,
abgewiesen.

Erwägungen:

1.
Der angefochtene Entscheid des Kantonsgerichts ist ein
verfahrensabschliessender Endentscheid (Art. 90 BGG) einer letzten kantonalen
Instanz (Art. 75 Abs. 1 BGG). Namentlich war eine Nichtigkeitsbeschwerde an das
Kassationsgericht des Kantons St. Gallen ausgeschlossen (Art. 238 lit. c des
Zivilprozessgesetzes des Kantons St. Gallen vom 20. Dezember 1990 [ZPO/SG; sGS
961.2] i.V.m. Art. 343 Abs. 2 OR). Sodann übersteigt der Streitwert von Fr.
28'335.10 die Grenze nach Art. 74 Abs. 1 lit. a BGG. Unter Vorbehalt einer
rechtsgenüglichen Begründung (Art. 42 Abs. 2 und Art. 106 Abs. 2 BGG) ist auf
die Beschwerde einzutreten.

2.
Nach Art. 337 OR kann der Arbeitgeber wie der Arbeitnehmer das
Arbeitsverhältnis aus wichtigen Gründen jederzeit fristlos auflösen (Abs. 1).
Als wichtiger Grund gilt jeder Umstand, bei dessen Vorhandensein dem
Kündigenden nach Treu und Glauben die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses
nicht mehr zugemutet werden darf (Abs. 2). Über das Vorhandensein solcher
Umstände entscheidet das Gericht nach seinem Ermessen (Art. 337 Abs. 3 OR).
Derartige Ermessensentscheide überprüft das Bundesgericht grundsätzlich frei.
Es übt dabei aber Zurückhaltung und schreitet nur ein, wenn die Vorinstanz
grundlos von in Lehre und Rechtsprechung anerkannten Grundsätzen abgewichen
ist, wenn sie Tatsachen berücksichtigt hat, die für den Entscheid im Einzelfall
keine Rolle hätten spielen dürfen, oder wenn sie umgekehrt Umstände ausser
Betracht gelassen hat, die zwingend hätten beachtet werden müssen. Es greift
ausserdem in Ermessensentscheide ein, wenn sich diese als offensichtlich
unbillig, als in stossender Weise ungerecht erweisen (BGE 130 III 28 E. 4.1;
213 E. 3.1 S. 220; 129 III 380 E. 2 S. 381 f.; je mit Hinweisen).
Nach der Rechtsprechung zu Art. 337 OR ist eine fristlose Entlassung nur bei
besonders schweren Verfehlungen des Arbeitnehmers gerechtfertigt. Diese müssen
einerseits objektiv geeignet sein, die für das Arbeitsverhältnis wesentliche
Vertrauensgrundlage zu zerstören oder zumindest so tiefgreifend zu erschüttern,
dass dem Arbeitgeber die Fortsetzung des Vertrags nicht mehr zuzumuten ist, und
anderseits auch tatsächlich zu einer derartigen Zerstörung oder Erschütterung
des gegenseitigen Vertrauens geführt haben. Sind die Verfehlungen weniger
schwerwiegend, so müssen sie trotz Verwarnung wiederholt vorgekommen sein (BGE
130 III 213 E. 3.1 S. 220 f.; 129 III 380 E. 2.1 mit Hinweisen). Ob die dem
Arbeitnehmer vorgeworfene Pflichtverletzung die erforderliche Schwere erreicht,
lässt sich nicht allgemein sagen, sondern hängt von den konkreten Umständen des
Einzelfalles ab (BGE 127 III 153 E. 1a S. 155; 116 II 145 E. 6a S. 150).
Ist ein wichtiger Grund gegeben, so ist die fristlose Kündigung sofort
auszusprechen. Andernfalls ist anzunehmen, das Einhalten der ordentlichen
Kündigungsfrist sei für den Kündigenden subjektiv zumutbar, und ist das Recht
auf eine sofortige Vertragsauflösung verwirkt (BGE 130 III 28 E. 4.4 S. 34; 123
III 86 E. 2a S. 87).

3.
3.1 Die Vorinstanz kam zum Schluss, insgesamt sei nicht nachgewiesen, dass der
Beschwerdegegner seine Arbeitspflicht verletzt oder schlecht erfüllt habe.
Selbst wenn aber die Behauptungen der Beschwerdeführerin zuträfen, läge kein
wichtiger Grund für eine fristlose Kündigung vor.

3.2 Die Beschwerdeführerin rügt in diesem Zusammenhang eine offensichtlich
unrichtige Sachverhaltsfeststellung, eine Verletzung der Untersuchungsmaxime
nach Art. 343 Abs. 4 OR, die zugleich eine Verletzung des Gehörsanspruchs (Art.
29 Abs. 2 BV) und des Willkürverbots (Art. 9 BV) darstelle, sowie eine
Verletzung von Art. 337 Abs. 3 OR durch eine fehlerhafte Ermessensausübung.
3.2.1 Die Beschwerdeführerin hatte als Grund für die fristlose Kündigung
angegeben, dass der Beschwerdegegner vom 2. bis 9. Januar 2009 unentschuldigt
der Arbeit ferngeblieben sei und das Arztzeugnis verspätet eingereicht habe.
Die Vorinstanz anerkannte diese Gründe nicht. Sie liess es genügen, dass sich
der Beschwerdegegner am 2. Januar 2009, morgens um 6.26 Uhr, beim Wachpersonal
abgemeldet hatte. Ferner hielt sie dafür, der Beschwerdegegner sei seiner
Obliegenheit, die Absenz zu rechtfertigen, nachgekommen, indem er nach sechs
Arbeitstagen, am 10. Januar 2009, das Arztzeugnis eingereicht habe, das die
gesamte Absenz abgedeckt habe. Eine vertragliche Frist, während derer der
Beschwerdegegner das Arztzeugnis hätte einreichen müssen, habe nicht bestanden.
Gegen die Beurteilung dieser Vorwürfe bringt die Beschwerdeführerin nichts vor
und nennt diesbezüglich auch kein von ihr beantragtes Beweismittel, das die
Vorinstanz nicht abgenommen hätte. Die entsprechenden Vorwürfe
(unentschuldigtes Fernbleiben der Arbeit, verspätetes Einreichen des
Arztzeugnisses) fallen daher zur Rechtfertigung einer fristlosen Entlassung
ausser Betracht.
3.2.2 Als weitere Verfehlungen warf die Beschwerdeführerin dem Beschwerdegegner
vor, er habe seine Arbeitspflicht verletzt, indem er über Stunden für private
Zwecke im Bürotrakt am Computer gesessen sei. Er sei über das Funktelefon
unerreichbar gewesen und jeweils erst gegen Mittag oder Abend aufgetaucht, ohne
über seinen Verbleib Auskunft geben zu können. Zudem habe er verschiedene
Arbeiten nicht oder schlecht ausgeführt und dadurch erheblichen Schaden an den
Einrichtungen der Beschwerdeführerin verursacht. Schliesslich habe er mittels
seines Generalschlüssels die Büros der Geschäftsleitung ohne deren Einwilligung
betreten und damit deren Vertrauen gebrochen. Der Beschwerdegegner bestritt
diese Vorwürfe.
Die Vorinstanz hielt zunächst fest, dass die Beschwerdeführerin die fristlose
Kündigung nur mit der verspäteten Einreichung des Arztzeugnisses begründet
hatte. Die weiteren Verfehlungen liess sie erst zwei Wochen nach der Kündigung
durch ihren Rechtsvertreter behaupten, der damit auf die Forderungen des
Rechtsvertreters des Beschwerdegegners reagierte. Diese Umstände seien
Anzeichen genug, dass die Beschwerdeführerin im Nachhinein nach Gründen gesucht
habe, um die fristlose Entlassung zu rechtfertigen. Die Vorbringen der
Beschwerdeführerin seien daher wenig glaubhaft, was die Anforderungen an die
Substanziierung erhöhe.
Die Beschwerdeführerin erblickt in dieser Erwägung zu Unrecht eine Verletzung
von Art. 335 OR und Art. 343 Abs. 4 OR. Die Vorinstanz schloss nicht
grundsätzlich aus, dass die erst später behaupteten Verfehlungen zur
Rechtfertigung der fristlosen Kündigung berücksichtigt werden könnten. Sie nahm
jedoch bereits eine Würdigung der Glaubwürdigkeit der erhobenen Vorwürfe vor,
indem sie die Glaubwürdigkeit in Anbetracht der Umstände, unter denen die
Vorwürfe erhoben wurden, herabgesetzt sah und daher erhöhte Anforderungen an
die Substanziierung stellte. Darin ist keine Rechtsverletzung zu erkennen.
3.2.3 Auch ist es bundesrechtlich nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz
mangels Substanziierung keinen Beweis über die Behauptungen abnahm, wonach der
Beschwerdegegner stundenlang für private Zwecke am Computer gesessen sowie im
Betrieb unerreichbar gewesen sei und nicht über seinen Verbleib habe Auskunft
geben können. An der von der Beschwerdeführerin angerufenen Stelle auf S. 3 f.
der Klageantwort werden die Vorwürfe nur in pauschaler Weise erhoben und wird
namentlich nicht konkretisiert, in welchem Zeitraum sich die Verfehlungen
zugetragen haben sollen und inwiefern die beiden genannten Zeugen aus eigener
Wahrnehmung zu den Verfehlungen Aussagen machen könnten. Der Zeitpunkt bzw. die
Häufigkeit der Verfehlungen ist aber von Relevanz, da nur bei Kenntnis dieser
Umstände geprüft werden könnte, ob die Verfehlungen die für eine fristlose
Entlassung erforderliche Schwere erreichen würden bzw. ob die
Beschwerdeführerin das Recht zur fristlosen Kündigung nicht wegen zu langen
Zuwartens verwirkt hätte (vgl. Erwägung 2). Die Vorinstanz hat daher keine zu
hohen Anforderungen an die Substanziierung gestellt. Die Beschwerdeführerin
geht auch fehl, wenn sie meint, unter der Herrschaft der Untersuchungsmaxime
nach Art. 343 Abs. 4 OR hätte sich die Vorinstanz nicht auf ungenügende
Substanziierung berufen dürfen, sondern wäre verpflichtet gewesen, ihrer
richterlichen Fragepflicht nachzukommen. Die Untersuchungsmaxime gemäss Art.
343 OR entbindet die Parteien nicht davon, an der Sammlung des Prozessstoffes
aktiv mitzuwirken, ihre Standpunkte zu substanziieren und die Beweismittel zu
nennen. Die Parteien tragen auch im Bereich der Untersuchungsmaxime die
Verantwortung dafür, dass die relevanten Behauptungen vorgebracht werden;
ebenso sind sie grundsätzlich für die Sachverhaltsermittlung verantwortlich
(BGE 130 III 102 E. 2.2 S. 107; 111 II 281 E. 3; 107 II 233 E. 2c S. 236; vgl.
auch BGE 125 III 231 E. 4a S. 238 f.). Das gilt insbesondere, wenn eine Partei
- wie vorliegend die Beschwerdeführerin - von Anfang an anwaltlich vertreten
ist (Urteil 4A_635/2009 vom 24. März 2010 E. 2.2; vgl. auch Urteil 4C.340/2004
vom 2. Dezember 2004 E. 4.2 mit Hinweisen, nicht publ. in: BGE 131 III 243).
3.2.4 Die Beschwerdeführerin beanstandet, dass die Vorinstanz den beantragten
Zeugen C.________ nicht befragt hat. Durch dessen Befragung hätte der Beweis
dafür erbracht werden können, dass der Beschwerdegegner schlecht gearbeitet und
dadurch Mängel an den Einrichtungen verursacht habe, sowie dass er mittels
seines Generalschlüssels das Büro der Geschäftsleitung ohne deren Einwilligung
betreten habe. Die vorinstanzliche Weigerung, C.________ als Zeugen zu
befragen, verstosse nicht nur gegen Art. 343 Abs. 4 OR, sondern auch gegen Art.
29 Abs. 2 BV und sei offensichtlich unhaltbar und daher willkürlich.
Zunächst ist der Beschwerdeführerin zuzugestehen, dass die Ausführung der
Vorinstanz problematisch ist, wonach die behaupteten Mängel, selbst wenn sie
bewiesen wären, kein oder nur ein schwaches Indiz für Pflichtverletzungen
wären, weil der Arbeitnehmer bloss ein Tätigwerden und keinen Erfolg schulde.
Da der Beschwerdegegner als Betriebsmechaniker angestellt war, könnten von ihm
verursachte Schäden an den Einrichtungen durchaus Indizien dafür sein, dass er
seine Arbeit schlecht ausführte. Die beanstandete Erwägung der Vorinstanz ist
indessen ohne Entscheidrelevanz. Denn die Vorinstanz prüfte trotzdem, ob die
behaupteten Pflichtverletzungen hinreichend substanziiert und bewiesen seien.
Dabei ging sie davon aus, die Beschwerdeführerin habe dem Einwand des
Beschwerdegegners, die Mängel hätten bereits bei dessen Arbeitsantritt
bestanden und von ihm während der kurzen Zeit bei der Beschwerdeführerin nicht
alle behoben werden können, nicht widersprochen. Die Beschwerdeführerin rügt
diese Feststellung der Vorinstanz als unzutreffend. Ihre Rüge erfüllt indessen
die Anforderungen an eine Sachverhaltsrüge nicht (Art. 97 Abs. 1 BGG). Die
Beschwerdeführerin zeigt nicht klar und substanziiert auf, inwiefern die
gerügte Feststellung offensichtlich unrichtig ist. Sie verweist lediglich auf
die von ihr eingereichte Liste der Mängel. Damit belegt sie aber keine
Aktenwidrigkeit, geht doch aus dieser undatierten Liste nicht hervor, wann die
Mängel aufgetreten sein sollen. Darin kann daher keine Bestreitung des
Einwands, die Mängel hätten schon bei Arbeitsantritt bestanden, erblickt
werden.
Die Vorinstanz verzichtete sodann auf die Befragung von C.________, weil die
Beschwerdeführerin auch im Berufungsverfahren nicht dargelegt habe, inwiefern
C.________ als Angestellter einer Drittunternehmung nicht nur zu den Mängeln,
sondern auch zum Verhalten des Beschwerdegegners bei der Arbeit relevante
Aussagen machen könnte. Sie führte aus, genau aus diesem Grund habe das
Kreisgericht auf eine Einvernahme von C.________ verzichtet. Hätte C.________
tatsächlich Handlungen oder Unterlassungen des Beschwerdegegners miterlebt, die
als Pflichtverletzungen zu werten wären, hätte die Beschwerdeführerin die
betreffenden Umstände zumindest in den Grundzügen dargelegt und beispielsweise
erläutert, in welchem Zeitraum und in welcher Funktion C.________ bei ihr tätig
war und inwiefern er dabei mit dem Beschwerdegegner zu tun hatte. Da sie dies
nicht getan habe, sei auf eine Einvernahme von C.________ zu verzichten. Diese
Überlegung der Vorinstanz ist nachvollziehbar und keineswegs unhaltbar. In der
Tat ist nicht ohne Weiteres einsichtig, dass C.________ als Angestellter einer
Drittunternehmung den Beschwerdegegner bei Pflichtverletzungen beobachtet haben
könnte. Die Beschwerdeführerin erklärt nicht, weshalb sie nicht wenigstens im
Berufungsverfahren in dieser Hinsicht Umstände hätte substanziieren können. Zu
einer Substanziierung hätte sie umso mehr Grund gehabt, nachdem sich schon das
Kreisgericht veranlasst sah, mangels entsprechender Darlegung auf die
Einvernahme des Zeugen zu verzichten. Die Beschwerdeführerin kann daher der
Vorinstanz nicht vorwerfen, mit dem Verzicht auf die Einvernahme von C.________
das rechtliche Gehör oder das Willkürverbot verletzt zu haben.
3.2.5 Die Vorinstanz beanstandete, dass die Beschwerdeführerin den Vorwurf, der
Beschwerdegegner habe mittels seines Generalschlüssels die Büros der
Geschäftsleitung ohne deren Einwilligung betreten, weder zeitlich noch
anderweitig substanziiert habe. Sie verzichtete auch zu diesem Punkt auf die
Befragung von C.________ mit der Begründung, wenn C.________ tatsächlich
beobachtet hätte, wie sich der Beschwerdegegner in die Büros schlich, nach der
allgemeinen Lebenserfahrung zu erwarten gewesen wäre, dass die
Beschwerdeführerin angegeben hätte, wann und gegebenenfalls wie oft C.________
diese Beobachtungen gemacht hätte. Die Beschwerdeführerin ist der Ansicht, eine
Substanziierung in zeitlicher oder anderweitiger Hinsicht sei nicht nötig. Dem
ist entgegenzuhalten, dass auch betreffend diese Verfehlung (Betreten der Büros
der Geschäftsleitung ohne deren Einwilligung) die näheren Umstände sowie die
Häufigkeit und die zeitliche Komponente unter den Aspekten der Schwere der
Verfehlung und einer allfälligen Verwirkung des Rechts zur fristlosen Kündigung
relevant sind (vgl. Erwägung 2). Der Vorwurf ungenügender Substanziierung
bleibt daher aufrecht. Die relevanten Tatsachenbehauptungen, für welche die
Befragung eines beantragten Zeugen Beweis erbringen soll, muss die
beweisbelastete Partei aufstellen. Wenn sie dies nicht tut, stellt der Verzicht
auf die Abnahme eines Beweises keine Rechtsverletzung dar.

3.3 Die Rügen der Beschwerdeführerin betreffend Verletzung der
Untersuchungsmaxime nach Art. 343 Abs. 4 OR und Nichtabnahme von Beweisen
(Verletzung von Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 9 BV) erweisen sich als unbegründet.
Ohnehin bleibt die Nichtabnahme der beantragten Beweise, namentlich der
Verzicht auf die Befragung von C.________, ohne Auswirkung auf den Entscheid,
weil die Vorinstanz erwog, selbst wenn die Behauptungen der Beschwerdeführerin
zuträfen, würde kein wichtiger Grund für eine fristlose Kündigung vorliegen.
Zum einen müssten sich die behaupteten Vorfälle über einen gewissen Zeitraum
erstreckt haben, während dessen die Beschwerdeführerin den Beschwerdegegner
nicht einmal verwarnt habe. Die Beschwerdeführerin hätte daher ihre Befugnis,
den Beschwerdegegner fristlos zu entlassen, verwirkt. Zum andern würden die
behaupteten Pflichtverletzungen auch in ihrer Gesamtheit ohne Verwarnung zu
wenig schwer wiegen, um eine Weiterführung des Arbeitsverhältnisses während der
einmonatigen Kündigungsfrist als unzumutbar erscheinen zu lassen.
Diese Beurteilung der Vorinstanz deckt sich mit der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung (vgl. Erwägung 2) und ist nicht zu beanstanden. Was die
Beschwerdeführerin dagegen vorbringt, zeigt keinen Ermessensfehler auf. So
trifft es nicht zu, dass die Vorinstanz "Tatsachen" (die Beschwerdeführerin
meint die von ihr behaupteten Pflichtverletzungen des Beschwerdegegners) nicht
berücksichtigt habe, die für den Entscheid eine Rolle spielten. Vielmehr legte
die Vorinstanz ihrer Beurteilung gerade die Annahme zugrunde, die behaupteten
Pflichtverletzungen seien bewiesen. Wenn die Beschwerdeführerin der Vorinstanz
vorwirft, sie könne das Ausmass der Verfehlungen ohne Befragung der Zeugen gar
nicht beurteilen, so fällt dieser Vorwurf auf sie selber zurück, da sie
diesbezüglich, mithin zum Ausmass bzw. der Häufigkeit der Verfehlungen, keine
substanziierten Angaben gemacht hat, über die hätte Beweis abgenommen werden
können (vgl. Erwägungen 3.2.3-3.2.5). Angesichts der bloss pauschalen Vorwürfe
ist es daher nicht unhaltbar, wenn die Vorinstanz die behaupteten
Pflichtverletzungen als nicht besonders schwerwiegend einstufte. Sind die
Verfehlungen weniger schwerwiegend, so müssen sie trotz Verwarnung wiederholt
vorgekommen sein, damit sie eine fristlose Kündigung rechtfertigen. Eine
Verwarnung ist aber nach dem angefochtenen Urteil nie erfolgt. Für das
Bundesgericht besteht daher kein Anlass, in den Ermessensentscheid der
Vorinstanz einzugreifen.

4.
4.1 Eventualiter für den Fall, dass von einer ungerechtfertigten fristlosen
Entlassung ausgegangen werden sollte, macht die Beschwerdeführerin eine
Rechtsverletzung bei der Berechnung des Lohnersatzes geltend. Eine formgültige
schriftliche Abrede nach Art. 324a Abs. 4 OR bestehe nicht. Der
Beschwerdegegner habe daher lediglich einen Lohnfortzahlungsanspruch von drei
Wochen nach Art. 324a Abs. 2 OR, ausmachend Fr. 3'990.--.

4.2 Bei ungerechtfertigter fristloser Entlassung hat der Arbeitnehmer Anspruch
auf Ersatz dessen, was er verdient hätte, wenn das Arbeitsverhältnis unter
Einhaltung der Kündigungsfrist beendigt worden wäre (Art. 337c Abs. 1 OR). Nach
dem angefochtenen Urteil erhielt der Beschwerdegegner ab Anfang 2009 keinen
Lohn mehr. Er erkrankte am 2. Januar 2009. Die Sperrfrist von 30 Tagen nach
Art. 336c Abs. 1 lit. b OR lief bis zum 1. Februar 2009. Somit war der
frühestmögliche ordentliche Kündigungstermin der 31. März 2009 (Art. 335c Abs.
1 OR).
5. Während seiner krankheitsbedingten Abwesenheit hätte der Beschwerdegegner
nach Art. 324a Abs. 2 OR Anspruch auf Lohn für drei Wochen gehabt. Die
Vorinstanz erwog jedoch, dass nach Ziff. 4 des (nicht unterzeichneten)
Arbeitsvertragsentwurfs bei Abschluss einer
Kollektiv-Krankentaggeldversicherung durch die Arbeitgeberin die
Lohnfortzahlungspflicht der Arbeitgeberin durch Taggeldleistungen von 80 % des
Lohnes ab Beginn der krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit ersetzt würde. Die
Beschwerdeführerin habe dem Beschwerdegegner jeweils 1.17 % "KK-Taggeld" vom
Lohn abgezogen. Durch den unwidersprochen gebliebenen Lohnabzug habe sich die
Beschwerdeführerin konkludent zum Abschluss einer Taggeldversicherung
verpflichtet und hätten die Parteien Ziff. 4 des Vertragsentwurfs zugleich zum
Inhalt des mündlichen Arbeitsvertrags gemacht. Die Vereinbarung hätte zwar der
Schriftform bedurft (Art. 324a Abs. 4 OR). Die Formvorschrift von Art. 324a
Abs. 4 OR bezwecke indes den Arbeitnehmerschutz. Werde ein Arbeitnehmer durch
eine formwidrige Abrede im konkreten Fall besser gestellt als durch die
gesetzliche Regelung, so wäre eine Unwirksamkeit keine angemessene Rechtsfolge
des Formmangels. Da der Beschwerdegegner im vorliegenden Fall durch die Abrede
im Vergleich zur gesetzlichen Regelung besser gestellt werde, habe der
Formmangel als geheilt zu gelten. Folglich habe der Beschwerdegegner Anspruch
auf 80 % des Lohnes für die Monate Januar, Februar und März 2009, ausmachend
Fr. 13'680.--.

5.1 Die Beschwerdeführerin bestreitet nicht, dass aus dem Umstand, wonach sie
dem Beschwerdegegner jeweils 1.17 % "KK-Taggeld" vom Lohn abzog, geschlossen
werden könne, sie habe sich konkludent zum Abschluss einer Taggeldversicherung
verpflichtet und Ziff. 4 des Vertragsentwurfs sei zugleich zum Inhalt des
mündlichen Arbeitsvertrags gemacht worden. Jedenfalls hat die
Beschwerdeführerin weder dargelegt, dass die Lohnabzüge von 1.17 % für
Krankentaggeldversicherung auf einem Irrtum beruhten, noch sonst eine Erklärung
für diese Abzüge geliefert. Es ist daher der Vorinstanz beizupflichten, dass
der Beschwerdegegner aufgrund dieser Abzüge annehmen durfte, er sei
kollektiv-taggeldversichert und brauche sich damit nicht selber um eine Lösung
für eine längerfristige Arbeitsunfähigkeit zu kümmern. In diesem Glauben ist er
zu schützen. Da die damit zur Anwendung gelangende Lösung (Anspruch von 80 %
des Lohnes für die drei Monate Januar, Februar und März 2009) für den
Arbeitnehmer günstiger ist als die gesetzliche Regelung eines Anspruches auf
100 % des Lohnes für drei Wochen, kann die Vereinbarung trotz fehlender
Schriftform als gültig betrachtet werden (vgl. BGE 131 III 623 E. 2.5.2).

6.
Die Beschwerde ist aus diesen Gründen abzuweisen. Bei diesem Ausgang des
Verfahrens wird die Beschwerdeführerin kosten- und entschädigungspflichtig
(Art. 66 Abs. 1 i.V.m. Art. 65 Abs. 4 lit. c sowie Art. 68 Abs. 2 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 700.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

3.
Die Beschwerdeführerin hat den Beschwerdegegner für das bundesgerichtliche
Verfahren mit Fr. 2'500.-- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht St. Gallen, III.
Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 11. November 2010

Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin:

Klett Sommer