Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 4A.540/2010
Zurück zum Index I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 2010
Retour à l'indice I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 2010


Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
4A_540/2010
Urteil vom 8. Februar 2011
I. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Klett, Präsidentin,
Bundesrichter Corboz,
Bundesrichterin Rottenberg Liatowitsch,
Bundesrichter Kolly,
Bundesrichterin Kiss,
Gerichtsschreiber Luczak.

Verfahrensbeteiligte
A.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Bruno Häfliger,
Beschwerdeführer,

gegen

1. X.________ AG,
2. Erben der B.________, nämlich,
a) C.________,
b) D.________,
alle vertreten durch Rechtsanwalt
Prof. Dr. Walter Fellmann,
Beschwerdegegnerinnen.

Gegenstand
Haftung des Motorfahrzeughalters,

Beschwerde gegen den Entscheid des Obergerichts des Kantons Luzern, I. Kammer
als Appellationsinstanz, vom 23. November 2006 und das Urteil vom 11. August
2010.
Sachverhalt:

A.
Am 28. Mai 1991 fuhr B.________ bei einer Autobahnausfahrt auf den von
A.________ (Beschwerdeführer) gelenkten PW auf. Der Beschwerdeführer führt
bestimmte gesundheitliche Schädigungen auf dieses Unfallereignis zurück. Gemäss
Entscheid des Verwaltungsgerichts Schwyz vom 22. November 2000 wird dem
Beschwerdeführer ab dem 1. August 1994 eine Invalidenrente ausgerichtet.

B.
Am 11. März 2002 belangte der Beschwerdeführer C.________ und D.________
(Beschwerdegegnerinnen 2a+b) als Erben der zwischenzeitlich verstorbenen
B.________ sowie die X.________ AG (Beschwerdegegnerin 1), bei welcher
B.________ gegen Haftpflicht versichert war, für Erwerbsausfall, Renten- und
Haushaltsschaden, Forderung für Franchise und Selbstbehalt der Krankenkasse,
Genugtuung, Kosten Naturheilpraktiker sowie vorprozessuale Anwaltskosten auf
Zahlung von Fr. 3'225'924.-- Schadenersatz nebst Zins, welches Begehren er
später auf Fr. 3'085'148.-- reduzierte. Das Amtsgericht Hochdorf ging davon
aus, die bis dahin erstellten Gutachten vermöchten bereits die gesundheitliche
Schädigung des Beschwerdeführers nicht zu beweisen, da diese zu seinem nach dem
Unfall im Herbst 1991 bis Mitte 1992 an den Tag gelegten Verhalten, von dem die
Gutachter keine Kenntnis gehabt hätten, im Widerspruch stehe. In diesem
Zeitraum habe der Beschwerdeführer u.a. öfter ein schweres Motorrad gefahren,
Arbeiten an eigenen Fahrzeugen ausgeführt und er sei Wasserski gefahren.
Deshalb veranlasste das Amtsgericht keine weiteren Beweiserhebungen zum
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und den behaupteten Beschwerden
und wies die Klage am 16. Juni 2005 ab. In einer Eventualbegründung stellte es
darüber hinaus fest, selbst wenn eine auf das Unfallereignis zurückführbare
Gesundheitsschädigung angenommen werden müsste, wäre diese bis Mitte 1992
wieder entfallen, und allfällige Ansprüche wären bis zu diesem Zeitpunkt durch
die anrechenbaren Leistungen getilgt.

C.
Auf Appellation des Beschwerdeführers hob das Obergericht des Kantons Luzern
dieses Urteil am 23. November 2006 auf und wies die Sache zur weiteren
Abklärung und Neubeurteilung an das Amtsgericht zurück. Das Obergericht hatte
Dr. med. E.________, Chefarzt der Y.________ Zentralschweiz im Zeitraum der
durch diese erfolgten Begutachtung des Beschwerdeführers, als sachverständigen
Zeugen befragt. Er gab an, dass er in Kenntnis der erwähnten Tätigkeiten des
Beschwerdeführers die im polydisziplinären Y.________-Gutachten vom 14. Juni
1999 gestellte Diagnose "Status nach Distorsionstrauma der HWS am 28.5.1991 mit
Zervikalsyndrom und linksseitige Zervikobrachialgien, Kopfschmerzen vom
Spannungstyp/migräniforme Kopfschmerzen, leichten neuropsychologischen
Defiziten" nicht grundsätzlich in Frage stelle. Er hätte nur das
Zervikalsyndrom und die Zervikobrachialgien möglicherweise anders beurteilt und
insbesondere den Grad der Arbeitsunfähigkeit statt auf 65 % auf 35 % angesetzt.
Gestützt auf diese Angaben nahm das Obergericht an, der Beschwerdeführer leide
nach wie vor unter Beschwerden, die in einem Zusammenhang mit dem
Unfallereignis vom 28. Mai 1991 stehen könnten. Weitere Abklärungen seien daher
unumgänglich. Da der Beschwerdeführer die im Auftrag der Versicherung von Prof.
Dr. med. F.________ am 18. August 2002 bereits durchgeführte biomechanische
Beurteilung nicht anerkannt habe, wies das Obergericht das Amtsgericht an, ein
unfalltechnisch-biomechanisches Gutachten einzuholen.

D.
Am 5. März 2008 erstattete Dipl.-Ing. HTL G.________ das verlangte
verkehrstechnische, am 7. Mai 2008 Prof. Dr. med. F.________ auf dieser
Grundlage das biomechanische Gutachten. Nach dem verkehrstechnischen Gutachten
betrug die Geschwindigkeitsänderung Delta-v, bezogen auf die Sitzposition des
Fahrers, 5,4 bis max. 8,7 km/h. Gemäss Gutachten F.________ lassen sich bei
dieser Auffahrgeschwindigkeit die im Anschluss an das Ereignis beim
Beschwerdeführer festgestellten von der HWS ausgehenden Beschwerden und Befunde
aus biomechanischer Sicht durch die Kollisionseinwirkung im Normalfall nicht
erklären. Dabei bedeutet "Normalfall", dass keine mehr als nur unerheblichen
krankhaften oder traumatisch bedingten Veränderungen im Halswirbelsäulenbereich
vorliegen und dass unmittelbar vor der Kollision keine Körperposition relativ
zum Fahrzeuginnenraum vorlag, welche das Risiko für eine Gefügestörung der HWS
hätte erhöhen können. Eine Abweichung vom Normalfall könne mit Blick auf die
Diskushernie (nach den Feststellungen der Vorinstanz wurde anlässlich einer
Computertomographie der oberen HWS vom 21. Januar 1992 eine Diskushernie C3/C4
festgestellt; bei einer MRI-Untersuchung der HWS am 9. März 1993 fanden sich
dagegen keine Hinweise auf eine Diskushernie, wobei die Diskrepanz zwischen den
Befunden nicht geklärt werden konnte), die vorbestanden haben müsse, angenommen
werden, weshalb sich eine gewisse Erklärbarkeit der Beschwerden ergebe.
Aufgrund des "Verschwindens" der Diskushernie im Verlaufe dürfte gemäss
Gutachten diese Erklärung aber nach einer gewissen Zeit dahinfallen.

E.
Mit Urteil vom 15. September 2009 wies das Amtsgericht die Klage erneut ab. Es
ging von einem Normalfall aus und folgerte, der natürliche Kausalzusammenhang
zwischen den Beschwerden und dem Unfall sei nicht nachgewiesen, da gemäss
Gutachten aus biomechanischer Sicht die geltend gemachten Beschwerden nicht im
Zusammenhang mit dem Unfall stehen könnten. Der Beschwerdeführer appellierte
erneut und verlangte die Aufhebung des amtsgerichtlichen Urteils vom 15.
September 2009 sowie die Verpflichtung der Beschwerdegegnerinnen, ihm aus dem
Unfallereignis in solidarischer Haftbarkeit Fr. 800'000.-- zuzüglich 5 % Zins
ab 1. Oktober 2009 zu bezahlen. Ferner sei die Sache zur masslichen Festlegung
des Schadenersatzes an das Amtsgericht zurückzuweisen. Mit Urteil vom 11.
August 2010 wies auch das Obergericht die Klage ab.

F.
Mit Beschwerde in Zivilsachen beantragt der Beschwerdeführer dem Bundesgericht
sowohl den Entscheid vom 23. November 2006 als auch das Urteil vom 11. August
2010 aufzuheben und erneuert im Übrigen im Sinne einer Pauschalforderung seine
dem Obergericht gestellten Anträge. Die Beschwerdegegnerinnen schliessen auf
kostenfällige Abweisung der Beschwerde, während die Vorinstanz in ihrer
Vernehmlassung beantragt, die Beschwerde unter Kostenfolge für den
Beschwerdeführer abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Der Fall wurde am
8. Februar 2011 öffentlich beraten.

Erwägungen:

1.
Der Beschwerdeführer rügt zunächst, die Vorinstanz habe den Begriff des
natürlichen Kausalzusammenhangs verkannt und Bundesrecht verletzt, indem sie
das Kriterium der Unfallschwere als Element der Beurteilung des natürlichen
Kausalzusammenhangs eingeführt habe, und dazu erst noch als das entscheidende
und einzige Element. Bisher habe in der Rechtsprechung zum
Sozialversicherungsrecht wie auch zum Haftpflichtrecht die unfallbedingte
Geschwindigkeitsänderung bei der Bestimmung der natürlichen Kausalität nie eine
entscheidende Rolle gespielt. Sie sei höchstens für die Beurteilung der
Adäquanz herangezogen worden und könne bei geringer Geschwindigkeitsänderung im
sozialen Unfallversicherungsrecht zu einem Adäquanzausschluss, im
Haftpflichtrecht zu einer Schadenskürzung führen, wie etwa im Urteil des
Bundesgerichts 4C.402/2006 vom 27. Februar 2007 (auszugsweise publ. in: JdT
2007 I S. 543 ff.). Der Einbezug der Geschwindigkeitsänderung und darauf
basierender Biomechanik zur Beurteilung des natürlichen Kausalzusammenhangs
verstosse somit gegen Bundesrecht.

1.1 Die Feststellung darüber, ob ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht,
beschlägt die tatsächlichen Verhältnisse und beruht auf Beweiswürdigung (BGE
130 III 591 E. 5.3 S. 601 mit Hinweisen). Ein natürlicher Kausalzusammenhang
ist gegeben, wenn das schadensstiftende Verhalten eine notwendige Bedingung
(conditio sine qua non) für den eingetretenen Schaden ist (BGE 132 III 715 E.
2.2 S. 718; 128 III 180 E. 2d S. 184 mit Hinweisen), d.h. das fragliche
Verhalten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch der eingetretene Erfolg
entfiele bzw. nicht als in gleicher Weise bzw. zur gleichen Zeit als
eingetreten gedacht werden könnte. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die
Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein
Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist;
es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die
körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt
hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch
die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181
mit Hinweisen). Soweit der Kausalzusammenhang nicht mit wissenschaftlicher
Genauigkeit nachgewiesen werden kann, genügt, dass er als überwiegend
wahrscheinlich erscheint (BGE 107 II 269 E. 1b S. 272 f.; 128 III 271 E. 2b/aa
S. 275 f.; je mit Hinweisen). Dies ist zu verneinen, wenn nach den besonderen
Umständen des Falles neben den behaupteten weitere Ursachen ebenso ernst in
Frage kommen oder sogar näher liegen (BGE 107 II 269 E. 1b S. 273; vgl. auch
BGE 130 III 321 E. 3.3 S. 325).

1.2 Eine Wertungsgesichtspunkten unterliegende Rechtsfrage ist demgegenüber, ob
zwischen der Ursache und dem Schadenseintritt ein adäquater Kausalzusammenhang
besteht (BGE 132 III 715 E. 2.2 S. 718 mit Hinweisen). Ein Ereignis gilt als
adäquate Ursache eines Erfolgs, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge
und der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der
Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt des Erfolgs also durch das
Ereignis als allgemein begünstigt erscheint. Rechtspolitischer Zweck der
Adäquanz bildet die Begrenzung der Haftung; es soll aufgrund sämtlicher
Umstände im Einzelfall (Art. 4 ZGB) entschieden werden, ob eine Schädigung
billigerweise noch dem Haftpflichtigen zugerechnet werden kann (BGE 123 III 110
E. 3a S. 112 mit Hinweisen). Dabei genügt haftpflichtrechtlich, dass der
Schädiger eine Ursache gesetzt hat, die nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge
geeignet war den Schaden herbeizuführen und ohne die es nicht zum Schaden
gekommen wäre, während Mitursachen wie etwa die konstitutionelle Prädisposition
der geschädigten Person den adäquaten Kausalzusammenhang in der Regel weder zu
unterbrechen noch auszuschliessen vermögen (BGE 123 III 110 E. 3c S. 114 f.;
113 II 86 E. 1b S. 89 f.).

1.3 Nach der allgemeinen Regel des Art. 8 ZGB liegt die Beweislast für den
natürlichen Kausalzusammenhang beim Geschädigten (BGE 107 II 269 E. 1b S. 272
f. mit Hinweisen). Die Vorinstanz erachtete es im Entscheid vom 23. November
2006 als möglich, dass ein Kausalzusammenhang zwischen den Beschwerden und dem
Unfallereignis bestand, war davon aber nicht überzeugt und ordnete die
Einholung eines unfalltechnisch-biomechanischen Gutachtens an.
1.3.1 Für den Bereich des Haftpflichtrechts sehen weder Gesetz noch
Rechtsprechung eine Beschränkung der Beweismittel vor. Vielmehr hat das
Bundesgericht stets erkannt, die Beweiskraft eines Beweismittels sei eine Frage
der kantonalrechtlich geregelten Beweiswürdigung (so schon BGE 75 II 102 E. 1
S. 103; Urteil des Bundesgerichts 4C.225/2002 vom 7. Februar 2003 E. 2.1, publ.
in: Pra 92/2003 Nr. 146 S. 786 f.; je mit Hinweisen). Diese kann vom
Bundesgericht nur im Rahmen von Art. 97 Abs. 1 und 105 Abs. 2 BGG überprüft
werden.
1.3.2 Unfallanalytische und biomechanische Gutachten stellen nach der
Rechtsprechung der sozialrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts klassische
Beweismittel dar, die gewichtige Anhaltspunkte zur - mit Blick auf die
Adäquanzprüfung - relevanten Schwere des Unfallereignisses zu liefern vermögen,
für sich allein jedoch in keinem Fall eine hinreichende Grundlage für die
Kausalitätsbeurteilung bilden (Urteil des Bundesgerichts 8C_590/2007 vom 6.
Oktober 2008 E. 6.1 mit Hinweisen, publ. in: SVR 2009 UV Nr. 13 S. 52). Dass
derartige Expertisen aus Sicht des Sozialversicherungsrechts im Rahmen der
rechtlichen Beurteilung der Adäquanz bei erstellter natürlicher Kausalität
relevant werden, bedeutet nicht, dass entsprechenden Gutachten ausschliesslich
zur Bereitstellung der tatsächlichen Grundlagen im Hinblick auf die Rechtsfrage
der Adäquanz Beweiswert zuerkannt werden darf. Dies liefe auf die Einführung
einer bundesrechtlich nicht statuierten Beweismittelbeschränkung hinaus und
liesse sich beweisrechtlich nicht begründen (so auch Max Berger, Unfallanalytik
und Biomechanik - beweisrechtliche Bedeutung, SJZ 102/2006 S. 25 ff., S. 31;
Bühler, Beweismass und Beweiswürdigung bei Gerichtsgutachten - unter
Berücksichtigung der jüngsten Lehre und Rechtsprechung, in: Jusletter vom 21.
Juni 2010 S. 17). Das Bundesgericht selbst erachtete in einem Haftpflicht-Fall,
dem wie hier ein Streit über die Ursache des auf ein HWS-Trauma hindeutenden
Beschwerdebildes nach einer Auffahrkollision zugrunde lag und in dem die
Diagnose eines Schleudertraumas und seiner Folgen nicht durch zuverlässige
ärztliche Angaben gesichert war, die Mitberücksichtigung der Ergebnisse eines
biomechanischen Gutachtens zur Ermittlung der natürlichen Kausalität implizit
für zulässig (Urteil des Bundesgerichts 4A_494/2009 vom 17. November 2009 E.
2.2 f. und E. 2.9). Die Mitberücksichtigung des biomechanischen Gutachtens
verstösst mithin nicht gegen Bundesrecht.

1.4 Der Beschwerdeführer wendet ein, auf das unfalldynamische Gutachten dürfe
nicht abgestellt werden, da die tatsächliche Geschwindigkeitsveränderung nicht
immer zuverlässig ermittelbar sei, wie das Bundesgericht festgehalten habe (BGE
134 V 109 E. 8.3 S. 121). Daher sei auch dem darauf fussenden biomechanischen
Gutachten der Beweiswert entzogen. Nach dem vorliegenden verkehrstechnischen
Gutachten liess sich jedoch die Kollisionsgeschwindigkeit innerhalb einer
bestimmten Bandbreite (7,5 km/h - 13 km/h) eruieren, was der Beschwerdeführer
nicht in Frage stellt. Unter diesen Umständen erscheint keineswegs als
stossend, das unfalldynamische Gutachten in die Beweiswürdigung einzubeziehen,
zumal der Gutachter mit der Unterstellung der höchstmöglichen
Geschwindigkeitsveränderung den verbleibenden Unsicherheiten Rechnung trug und
diese mithin gehörig beachtete. Die Vorinstanz konnte daher das
verkehrstechnische Gutachten willkürfrei als taugliche Grundlage zur Erstellung
des biomechanischen Gutachtens betrachten.

1.5 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, die Vorinstanz hätte dem
unfallanalytischen Gutachten keinen Beweiswert zuerkennen dürfen, da keine
Fotos des Fahrzeugs der Unfallverursacherin vorgelegen hätten, setzt er sich
nicht hinreichend mit dem angefochtenen Entscheid auseinander. So trifft nicht
zu, dass sich der Gutachter einzig auf die Reparaturrechnungen gestützt hat.
Nach den unangefochtenen Feststellungen der Vorinstanz lagen ihm vielmehr das
Unfallprotokoll und die Beschreibung des Schadens in der Reparaturrechnung vor.
Ferner wurde ein typgleiches Fahrzeug besichtigt. Mangels hinreichender
Begründung ist auf die betreffende Rüge nicht einzutreten.

2.
Der Beschwerdeführer ist der Auffassung, die Vorinstanz hätte bei willkürfreier
Würdigung der Beweise auch unter Berücksichtigung des biomechanischen
Ergänzungsgutachtens den Nachweis des Kausalzusammenhangs für erbracht ansehen
müssen.

2.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, mit der im Obergerichtsurteil vom 23.
November 2006 festgehaltenen Diagnose des Y.________-Gutachtens, "Status nach
Distorsionstrauma der HWS am 28. Mai 1991 mit Zervikalsyndrom, Kopfschmerzen
und neuropsychologischen Defiziten" sei der Zusammenhang dieser Beschwerden mit
dem Unfallereignis vom 28. Mai 1991 klar bestätigt worden. Hätten die
Y.________-Gutachter keinen Kausalzusammenhang mit dem Unfallereignis gesehen,
hätten sie nicht "Status nach Distorsionstrauma der HWS" diagnostiziert. An
diesem Gutachten habe der Sachverständige Dr. E.________ als Zeuge in Kenntnis
der vom Beschwerdeführer nach dem Unfall entwickelten Aktivitäten (Lenken eines
schweren Motorrades, Servicearbeiten, Schweissarbeiten, Pneuwechseln etc. auf
dem Geschäftsgelände an eigenen Fahrzeugen oder solchen von Kollegen)
festgehalten und nur das Zervikalsyndrom und die Zervikobrachialgien anders
beurteilt, woraus namentlich eine Arbeitsunfähigkeit von lediglich 35 % statt
der früher festgestellten höheren resultiert habe. Mit dieser Diagnose "Status
nach Distorsionstrauma der HWS am 28. Mai 1991 ..." sei der Kausalzusammenhang
mit dem Unfallereignis klar aufgezeigt worden, was die Vorinstanz willkürlich
verkannt habe. Zudem habe das Obergericht Dr. E.________ nicht als IV-Arzt,
sondern eigens für den Haftpflichtprozess als sachverständigen Zeugen befragt.
Dieser habe in seinen vom Obergericht als schlüssig und nachvollziehbar
bezeichneten Aussagen die Diagnose "Status nach Distorsionstrauma" auch in
Kenntnis des am 18. August 1992 abgegebenen biomechanischen
Ergänzungsgutachtens von Prof. Dr. med. F.________, gemäss welchem die
Beschwerden durch den Unfall nicht erklärbar seien, bestätigt. Die Vorinstanz
habe in willkürlicher Weise verkannt, dass mit der Aussage des sachverständigen
Zeugen auch eine Kausalitätsbeurteilung einhergehe, wenngleich die Y.________
keine expliziten Angaben zur Kausalität habe machen müssen. Indem die
Vorinstanz ausschliesslich gestützt auf das Gutachten F.________ jegliche
Unfallfolgen ausschliesse, würdige sie die Beweise willkürlich und verstosse
gegen die Schleudertraumapraxis des Bundesgerichts.

2.2 Die Vorinstanz hat nicht ausschliesslich auf das biomechanische Gutachten
abgestellt, sondern die Beweismittel einer Gesamtwürdigung unterzogen. Der
Beschwerdeführer erachtet den Nachweis des Kausalzusammenhangs durch das
Y.________-Gutachten und die Aussage von Dr. E.________ als erbracht. Nach den
Feststellungen der Vorinstanz hat dieser indessen bestätigt, dass im Gutachten
keine Aussagen zur Kausalität der Beschwerden gemacht worden seien. Es ist
nicht willkürlich, wenn die Vorinstanz vor diesem Hintergrund keine impliziten
Aussagen zum Kausalzusammenhang in das Gutachten oder die Aussage des Zeugen
hineininterpretiert und den Nachweis der Kausalität gestützt auf das Gutachten
nicht für erbracht hält. Da das biomechanische Gutachten die Beschwerden nicht
durch die Kollisionswirkung zu erklären vermag, ist es nicht geeignet, die
Zweifel am Bestehen des Kausalzusammenhangs zu beseitigen. Damit bleibt es
dabei, dass die Vorinstanz ohne Willkür davon ausgehen konnte, der Nachweis der
natürlichen Kausalität des Unfalls für die heutigen Beschwerden sei misslungen.

2.3 Der Beschwerdeführer macht allerdings mit Aktenhinweis geltend, er habe
bereits in der Appellationsbegründung vom 22. November 2005 nebst der
Einvernahme der Ärzte als Sachverständige Zeugen vorsorglich ein
polydisziplinäres medizinisches Gutachten beantragt, und rügt eine Verletzung
seines Beweisführungsanspruchs (Art. 8 ZGB). Ein Anspruch auf Beweisabnahme
besteht indessen nur für prozesskonform beantragte Beweismittel (BGE 133 III
295 E. 7.1 S. 299 mit Hinweisen). Die Vorinstanz hielt in ihrem Entscheid vom
23. November 2006 fest, das Amtsgericht werde je nach Ausgang des Gutachtens
über weitere Beweismassnahmen zu entscheiden haben. Dass der Beschwerdeführer
in der Folge vor Amtsgericht einen entsprechenden Beweisantrag gestellt oder
zumindest vor Vorinstanz in seiner erneuten Appellation die unterlassene
Beweisabnahme gerügt hätte, legt er nicht dar und geht aus dem angefochtenen
Urteil nicht hervor. Wurde die Beweisabnahme nicht prozesskonform zum Thema der
Appellation gemacht, was gemäss dem Entscheid vom 23. November 2006 eine
hinreichende Auseinandersetzung mit dem angefochtenen Entscheid voraussetzt,
verletzt die Vorinstanz kein Recht (Art. 42 Abs. 2 BGG), wenn sie allfällige in
der ersten Appellation vorsorglich gestellte Beweisanträge nicht mehr
berücksichtigt.

3.
Aus den dargelegten Gründen erweist sich die Beschwerde als unbegründet. Sie
ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Bei diesem Ausgang des
Verfahrens wird der Beschwerdeführer für das bundesgerichtliche Verfahren
kosten- und entschädigungspflichtig.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 10'000.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

3.
Der Beschwerdeführer hat die Beschwerdegegnerinnen für das bundesgerichtliche
Verfahren mit insgesamt Fr. 12'000.-- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Luzern, I.
Kammer als Appellationsinstanz, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 8. Februar 2011

Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Klett Luczak