Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 4A.553/2010
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
4A_553/2010

Urteil vom 24. März 2011
I. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Klett, Präsidentin,
Bundesrichter Kolly, Bundesrichterin Kiss,
Gerichtsschreiberin Schreier.

Verfahrensbeteiligte
A.________,
vertreten durch Advokaten Dr. Thomas Weibel und Sabina Nägeli,
Beschwerdeführerin,

gegen

B.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Olivier Vuillaume,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Wiederaufnahme,

Beschwerde gegen den Zirkulationsbeschluss des Obergerichts des Kantons Zug,
Zivilrechtliche Abteilung, vom 30. August 2010.
Sachverhalt:

A.
Mit Urteil vom 2. Juli 2009 wies das Kantonsgericht Zug eine von A.________
(Beschwerdeführerin) gegen B.________ (Beschwerdegegner) eingereichte Klage auf
Zahlung von EUR 919'922.28 ab. Die von der Beschwerdeführerin dagegen erhobene
Berufung wies das Obergericht des Kantons Zug mit Urteil vom 11. Juni 2010 ab.
Gegen dieses Urteil erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 19. August
2010 Beschwerde in Zivilsachen an das Bundesgericht (Verfahren 4A_439/2010).

B.
Mit Gesuch vom 19. August 2010 beantragte die Beschwerdeführerin gleichzeitig
dem Obergericht des Kantons Zug, es sei das Verfahren vor Obergericht wieder
aufzunehmen. Aus prozessökonomischen Gründen wurde daher das bundesgerichtliche
Beschwerdeverfahren (4A_439/2010) auf Antrag der Beschwerdeführerin bis zum
Entscheid des Obergerichts über das Wiederaufnahmegesuch sistiert. In ihrem
Gesuch machte die Beschwerdeführerin geltend, sie habe nach Erlass des
obergerichtlichen Urteils vom 11. Juni 2010 Kenntnis von einem
entscheidrelevanten Beweismittel erhalten. Mit Zirkulationsbeschluss vom 30.
August 2010 wies das Obergericht des Kantons Zug das Gesuch ab.

C.
Mit Beschwerde in Zivilsachen und subsidiärer Verfassungsbeschwerde vom 30.
September 2010 beantragt die Beschwerdeführerin dem Bundesgericht, es sei der
Zirkulationsbeschluss des Obergerichts des Kantons Zug vom 30. August 2010
aufzuheben und es sei das Obergericht anzuweisen, das mit Urteil vom 11. Juni
2010 erledigte Verfahren wieder aufzunehmen. Die Beschwerdeführerin beantragt
zudem, es sei im bundesgerichtlichen Urteil über die übliche Anonymisierung
hinausgehend der Sachverhalt dergestalt wiederzugeben, dass keine Rückschlüsse
auf die Involvierung der Beschwerdeführerin in den zu beurteilenden Sachverhalt
möglich seien.
Der Beschwerdegegner beantragt in seiner Vernehmlassung die Abweisung der
Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Die Vorinstanz beantragt die
Abweisung der Beschwerde.

D.
Das Verfahren 4A_439/2010 wurde auf Antrag der Beschwerdeführerin mit Verfügung
vom 7. Oktober 2010 bis zum Entscheid im vorliegenden Verfahren wiederum
sistiert.

Erwägungen:

1.
Das Bundesgericht prüft von Amtes wegen und mit freier Kognition, ob ein
Rechtsmittel zulässig ist (BGE 135 III 212 E. 1).

1.1 Die Beschwerde richtet sich gegen einen verfahrensabschliessenden Entscheid
einer letzten kantonalen Instanz (Art. 75 Abs. 1 i.V.m. Art. 90 BGG) in einer
Zivilsache (Art. 72 Abs. 1 BGG), die Rechtsbegehren der Beschwerdeführerin sind
im kantonalen Verfahren nicht geschützt worden (Art. 76 Abs. 1 BGG), der
massgebende Streitwert beträgt mehr als Fr. 30'000.-- (Art. 51 i.V.m. Art. 74
Abs. 1 lit. b BGG) und die Beschwerdefrist ist eingehalten (Art. 100 Abs. 1
BGG). Die Beschwerde in Zivilsachen ist daher zulässig. Auf die in der gleichen
Rechtsschrift erhobene subsidiäre Verfassungsbeschwerde ist somit nicht
einzutreten (Art. 113 BGG; BGE 135 III 397 E. 1.2 S. 400).

1.2 Die Beschwerde hat ein Rechtsbegehren zu enthalten (Art. 42 Abs. 1 BGG). Da
die Beschwerde an das Bundesgericht ein reformatorisches Rechtsmittel ist (Art.
117 i.V.m. Art. 107 Abs. 2 BGG), ist grundsätzlich ein materieller Antrag
erforderlich. Ein Rückweisungsantrag reicht aber ausnahmsweise aus, wenn das
Bundesgericht im Falle der Gutheissung die Sache ohnehin zurückweisen würde,
weil die erforderlichen Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz fehlen (BGE
134 III 379 E. 1.3 S. 383; 133 III 489 E. 3.1).
Die Beschwerdeführerin ist der Ansicht, die Vorinstanz hätte ihr Gesuch
gutheissen und das Verfahren unter Berücksichtigung der neuen Beweisurkunde
wieder aufnehmen sollen. Sollte sich diese Ansicht als zutreffend erweisen, so
wäre die Sache zur Ergänzung sowie gegebenenfalls neuer Feststellung des
Sachverhalts und zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der
Antrag auf Aufhebung des vorinstanzlichen Zirkulationsbeschlusses und auf
Anweisung der Vorinstanz, das mit Urteil vom 11. Juni 2010 erledigte Verfahren
wieder aufzunehmen, ist daher zulässig. Auf die Beschwerde ist somit unter
Vorbehalt einer rechtsgenüglichen Begründung (Art. 42 Abs. 2 und Art. 106 Abs.
2 BGG) einzutreten.

1.3 Die Beschwerdeführerin hat den Verfahrensantrag gestellt, im
bundesgerichtlichen Urteil sei über die übliche Anonymisierung hinausgehend der
Sachverhalt dergestalt wiederzugeben, dass keine Rückschlüsse auf die
Involvierung der Beschwerdeführerin in den zu beurteilenden Sachverhalt möglich
seien. Die Anonymisierung der Parteien ist bei der Veröffentlichung der Urteile
die Regel, soweit wie hier die Kenntnis der Namen für die Verständlichkeit der
Tragweite des Urteils nicht erforderlich ist (Art. 27 Abs. 2 BGG). Eine
weitergehende Anonymisierung kommt etwa im Interesse des Jugendschutzes oder
bei Sexualdelikten aus Gründen des Opferschutzes in Frage (BGE 133 I 106 E.
8.4). Ist ein solches Interesse hingegen wie vorliegend nicht ersichtlich, so
rechtfertigt der Umstand, dass allenfalls aus entscheidwesentlichen Umständen
Rückschlüsse auf die Identität der Parteien möglich sind, keinen
grundsätzlichen Verzicht auf derartige Angaben (BGE 133 I 106 E. 8.3 S. 109).
Soweit der Verfahrensantrag nicht ohnehin gegenstandslos ist, ist er somit
abzuweisen.
1.4
1.4.1 Nach Art. 42 Abs. 2 BGG ist in der Beschwerdeschrift in gedrängter Form
darzulegen, inwiefern der angefochtene Akt Recht verletzt. Soweit das
Bundesgericht das Recht von Amtes wegen anwendet (Art. 106 BGG), ist zwar eine
ausdrückliche Nennung bestimmter Gesetzesartikel nicht erforderlich, falls aus
den Vorbringen hervorgeht, gegen welche Regeln des Bundesrechts die Vorinstanz
verstossen haben soll. Unerlässlich ist aber, dass auf die Begründung des
angefochtenen Urteils eingegangen und im Einzelnen dargetan wird, worin eine
Verletzung von Bundesrecht liegen soll (BGE 134 V 53 E. 3.3 S. 60; 133 IV 286
E. 1.4; vgl. BGE 121 III 397 E. 2a S. 400). Eine qualifizierte Rügepflicht gilt
hinsichtlich der Verletzung von Grundrechten und von kantonalem und
interkantonalem Recht. Das Bundesgericht prüft eine solche Rüge nur insofern,
als sie in der Beschwerde präzise vorgebracht und begründet worden ist (Art.
106 Abs. 2 BGG). Auf rein appellatorische Kritik am angefochtenen Entscheid
tritt es nicht ein (BGE 133 II 396 E. 3.1 S. 399).
1.4.2 Diese Grundsätze verkennt die Beschwerdeführerin, wenn sie rügt, die
Vorinstanz habe überspitzt formalistisch gehandelt, die Verwirklichung des
materiellen Rechts in unhaltbarer Weise verhindert sowie das aus Art. 9 und
Art. 29 Abs. 1 BV abgeleitete Rechtsverweigerungsverbot verletzt, indem diese
die Voraussetzungen der "erforderlichen Sorgfalt" gemäss § 215 Ziff. 3 der
Zivilprozessordnung für den Kanton Zug vom 3. Oktober 1940 (ZPO/ZG) mit einer
rigorosen Strenge handhabe. Abgesehen von der Aneinanderreihung der behaupteten
Rechtsverletzungen lässt sich der Beschwerde nichts weiter darüber entnehmen,
inwiefern eine rigorose Strenge der Vorinstanz vorliege und inwiefern eine
solche die einzelnen Rechtsverletzungen zu begründen vermöge. Eine
diesbezügliche Auseinandersetzung mit der Begründung im angefochtenen Urteil
erfolgt nicht. Damit genügt die Beschwerdeführerin den Begründungsanforderungen
nicht, womit auf die Beschwerde in diesen Punkten nicht einzutreten ist.

2.
Die Beschwerdeführerin rügt, die Vorinstanz habe § 215 Ziff. 3 ZPO/ZG
willkürlich ausgelegt und das in Art. 8 ZGB statuierte Recht auf Beweis
vereitelt, indem sie zum Schluss gekommen sei, die Beschwerdeführerin sei ihrer
prozessualen Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen, womit die Voraussetzungen für
eine Wiederaufnahme des Verfahrens nicht erfüllt seien.

2.1 Mit der Beschwerde in Zivilsachen kann eine Verletzung von Bundesrecht
gerügt werden (Art. 95 lit. a BGG), zu dem laut der Begriffsbestimmung des BGG
auch das Verfassungsrecht gehört. Nicht gerügt werden kann hingegen die
Verletzung von kantonalem Recht, abgesehen von hier nicht einschlägigen
Ausnahmen (Art. 95 lit. c und d BGG). Die Anwendung und Auslegung des
kantonalen Zivilprozessrechts kann vom Bundesgericht daher einzig unter dem
Blickwinkel eines Verstosses gegen Bundesrecht bzw. gegen
Bundesverfassungsrecht überprüft werden (Art. 95 BGG; BGE 136 I 241 E. 2.4; 134
III 379 E. 1.2 S. 382 f.). Es kann namentlich gerügt werden, das kantonale
Recht sei willkürlich angewendet worden (Art. 9 BV).
Willkür im Sinne von Art. 9 BV liegt nach ständiger Rechtsprechung nicht schon
dann vor, wenn eine andere Lösung ebenfalls vertretbar erscheint oder gar
vorzuziehen wäre. Das Bundesgericht hebt einen kantonalen Entscheid wegen
Willkür nur auf, wenn er offensichtlich unhaltbar ist, zur tatsächlichen
Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen
Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem
Gerechtigkeitsgrundsatz zuwiderläuft. Willkür liegt zudem nur vor, wenn nicht
bloss die Begründung eines Entscheids, sondern auch das Ergebnis unhaltbar ist
(BGE 136 I 316 E. 2.2.2 S. 319 mit Hinweisen).

2.2 Nach § 215 ZPO/ZG kann u.a. gegenüber im ordentlichen Verfahren erlassenen
und in Rechtskraft erwachsenen Urteilen unter bestimmten Umständen durch die
Wiederaufnahme des Verfahrens die Änderung durch neue Beurteilung des
Streitfalles nachgesucht werden. Dies ist gemäss Ziff. 3 dieser Bestimmung
namentlich dann möglich, wenn der Gesuchsteller erhebliche Tatsachen oder
Beweismittel entdeckt, deren Geltendmachung vor Eintritt der Rechtskraft des
angefochtenen Entscheides trotz Aufwendung der erforderlichen Sorgfalt nicht
möglich gewesen wäre.

2.3 Im ursprünglichen Verfahren hatte die Beschwerdeführerin mit ihrer Klage
beantragt, der Beschwerdegegner sei zur Rückzahlung eines ihm überwiesenen
Betrags von insgesamt EUR 919'922.28 zu verurteilen. Sie machte geltend, sie
habe diesen Betrag dem Beschwerdegegner einzig aufgrund einer Drohung
überwiesen, welche dieser gegenüber ihrem ehemaligen Mitarbeiter C.________
anlässlich eines Telefongesprächs vom 25. Oktober 2005 ausgesprochen habe.
C.________ sagte als Zeuge vor dem Kantonsgericht Zug aus, er habe von diesem
Gespräch eine Aktennotiz angefertigt. Eine solche Aktennotiz wurde jedoch weder
im erst- noch im zweitinstanzlichen Verfahren ins Recht gelegt. Dieser Umstand
veranlasste die Vorinstanz in ihrem ursprünglichen Urteil vom 11. Juni 2010 zur
Annahme, ein solches Dokument existiere nicht, was sie im Rahmen einer
Eventualbegründung in die Beurteilung der Glaubwürdigkeit des Zeugen C.________
einbezog.
Im vorinstanzlichen Verfahren betreffend die Wiederaufnahme des Verfahrens
stützte sich die Beschwerdeführerin auf § 215 Ziff. 3 ZPO/ZG und machte
geltend, sie sei überraschend in den Besitz der erwähnten Aktennotiz gekommen.
Die Vorinstanz erachtete die Voraussetzungen für eine Wiederaufnahme des
Verfahrens jedoch als nicht erfüllt, da die Beschwerdeführerin nicht die
erforderliche Sorgfalt aufgewendet habe. Die Vorinstanz führte aus, die
Beschwerdeführerin habe an der Hauptverhandlung vor dem Kantonsgericht Zug
aufgrund der Aussage des Zeugen C.________ gewusst, dass dieser eine Aktennotiz
über das mit dem Beschwerdegegner geführte Telefongespräch angefertigt hatte.
Die Beschwerdeführerin hätte daher noch an dieser Hauptverhandlung die
Möglichkeit gehabt, die gerichtliche Verpflichtung des Zeugen C.________ zur
Edition des Beweismittels zu beantragen. Da sie dies nicht getan habe, müsse
ihr zur Last gelegt werden, sie habe nicht die erforderliche Sorgfalt zur
Beibringung dieses Beweismittels aufgewendet. Hätte sie nämlich rechtzeitig
einen diesbezüglichen Editionsantrag gestellt, so hätte der Zeuge C.________
mit den zur Verfügung stehenden prozessrechtlichen Zwangsmitteln nach §§ 161
ff. ZPO/ZG zur Herausgabe des Dokumentes verpflichtet werden können.

2.4 Die Beschwerdeführerin erachtet diese vorinstanzlichen Ausführungen aus
mehreren Gründen als willkürlich. Erstens habe der Zeuge C.________ ihr
gegenüber mehrfach darauf beharrt, er könne die Aktennotiz nicht mehr
auffinden. Daran hätte nach Ansicht der Beschwerdeführerin auch eine
gerichtliche Editionsverfügung nichts geändert, womit es an der Kausalität
zwischen der Nichtstellung des Editionsantrags und der unterbliebenen
Produktion des Beweismittels fehle. Zweitens habe die Beschwerdeführerin in
guten Treuen davon ausgehen müssen, dass die Aktennotiz nicht oder nicht mehr
existiere, da der Zeuge C.________ sich vor seiner Zeugenaussage nie klar habe
festlegen wollen, ob er eine Aktennotiz angefertigt habe und er nach seiner
Zeugenaussage darauf beharrt habe, er könne die Aktennotiz nicht mehr
auffinden. In dieser Situation habe sich die Beschwerdeführerin gezwungen
gefühlt, auf einen Editionsantrag zu verzichten. Ansonsten hätte sie eine
Schwächung der Beweiskraft der Zeugenaussage von C.________ dadurch riskiert,
dass dieser allenfalls hätte einräumen müssen, die Aktennotiz existiere doch
nicht oder sei nicht mehr vorhanden. Drittens sei der Beschwerdeführerin im
Zeitpunkt der erstinstanzlichen Hauptverhandlung nicht im Traum in den Sinn
gekommen, dass das Kantonsgericht der fehlenden Aktennotiz trotz ansonsten
klaren Nachweises der Drohung eine derartige Bedeutung zumessen würde.
Schliesslich habe die Vorinstanz verkannt, dass sich die von § 215 Ziff. 3 ZPO/
ZG geforderte Sorgfalt am Verhalten einer durchschnittlich sorgfältigen
Prozesspartei zu messen habe. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz habe die
Beschwerdeführerin mehr als nur ein durchschnittlich sorgfältiges
Prozessverhalten an den Tag gelegt, indem sie ausserhalb des Gerichtsverfahrens
zahlreiche Versuche unternommen habe, die Aktennotiz von C.________ erhältlich
zu machen.

2.5 Mit diesen Ausführungen begnügt sich die Beschwerdeführerin grösstenteils
mit der Darstellung ihrer eigenen Sichtweise, ohne dass eine eingehende
Auseinandersetzung mit der vorinstanzlichen Argumentation erfolgt, wonach die
Beschwerdeführerin nach der Einvernahme des Zeugen C.________ noch an der
Hauptverhandlung vor dem Kantonsgericht Zug ein Begehren auf Edition der
Aktennotiz hätte stellen können. Insofern ist zweifelhaft, wie weit die
Beschwerdeführerin damit den Begründungsanforderungen zu genügen vermag (E.
1.4.1).
Die Vorbringen der Beschwerdeführerin vermögen aber ohnehin nicht zu
überzeugen. Die Beschwerdeführerin stützt sich bei ihrer Behauptung, sie habe
die erforderliche Sorgfalt aufgewendet, hauptsächlich auf das Verhalten des
Zeugen C.________. Einerseits bringt die Beschwerdeführerin vor, dieser habe
darauf beharrt, die Aktennotiz nicht mehr auffinden zu können, womit eine
gerichtliche Editionsverfügung keinen Erfolg gehabt hätte. Andererseits führt
sie aus, der Zeuge C.________ habe sich vor seiner Einvernahme nie klar
festlegen wollen, ob er eine Aktennotiz angefertigt habe. Abgesehen davon, dass
diese Vorbringen widersprüchlich sind, geht die Beschwerdeführerin mit keinem
Wort auf die Argumentation der Vorinstanz ein, wonach die Beschwerdeführerin an
der erstinstanzlichen Hauptverhandlung aufgrund der Aussage des Zeugen
C.________ gewusst habe, dass dieser eine Aktennotiz über das mit dem
Beschwerdegegner geführte Telefongespräch angefertigt hatte. Die
Beschwerdeführerin erklärt auch nicht, wieso der Zeuge C.________ anlässlich
einer gerichtlichen Einvernahme fälschlicherweise hätte angeben sollen, er habe
eine Aktennotiz verfasst, wenn dem nicht so wäre. Die Vorbringen der
Beschwerdeführerin, sie sei über die Existenz oder Auffindbarkeit der
Aktennotiz im Ungewissen gewesen, sind damit in Bezug auf den Zeitpunkt der
erstinstanzlichen Hauptverhandlung nicht stichhaltig. Damit bestand an der
erstinstanzlichen Hauptverhandlung auch kein Anlass für prozesstaktische
Überlegungen wegen diesbezüglichem Zweifel, zumal die Beschwerdeführerin auch
selber ausführt, dass der Zeuge C.________ in diesem Zeitpunkt noch nie
behauptet habe, er könne die Aktennotiz nicht auffinden. Die Beschwerdeführerin
vermag somit keine Gründe vorzubringen, welche sie bei Aufwendung der
erforderlichen Sorgfalt gehindert hätten, noch an der Hauptverhandlung vor dem
Kantonsgericht Zug die gerichtliche Edition der Aktennotiz zu beantragen. Wenn
die Beschwerdeführerin bewusst auf einen solchen Antrag verzichtet hat, sei es
aus taktischen Überlegungen oder weil sie den Eindruck hatte, ein solcher
Antrag sei für die Beweisführung nicht erforderlich, so muss sie sich ihre
Prozessführung anrechnen lassen. Die Beschwerdeführerin vermag somit nicht
darzutun, inwiefern die Vorinstanz in Willkür verfallen sein soll, wenn sie die
Aufwendung der erforderlichen Sorgfalt verneint hat. Die Rüge erweist sich als
unbegründet.

2.6 Was die ebenfalls gerügte Verletzung von Art. 8 ZGB wegen Vereitelung des
Rechts auf Beweis angeht, so kann offen bleiben, ob die Beschwerdeführerin mit
diesem Vorbringen den Anforderungen an die Begründungspflicht genügt, da die
Rüge ohnehin fehl geht. Der aus Art. 8 ZGB fliessende Anspruch der
beweisbelasteten Partei, zum ihr obliegenden Beweis zugelassen zu werden,
besteht nur, soweit entsprechende Anträge im kantonalen Verfahren form- und
fristgerecht gestellt worden sind (BGE 129 III 18 E. 2.6 S. 25; 126 III 315 E.
4a; 122 III 219 E. 3c). Die Beschwerdeführerin hat im ursprünglichen kantonalen
Verfahren unbestrittenermassen nie einen Beweisantrag betreffend die Aktennotiz
gestellt. Wenn sie die Abnahme dieses Beweismittels im Rahmen eines wieder
aufgenommenen Verfahrens beantragen will, so hat sie zuerst darzutun, dass die
Voraussetzungen für die Wiederaufnahme des Verfahrens erfüllt sind. Von diesem
Nachweis entbindet Art. 8 ZGB nicht, da sich aus dieser Bestimmung mithin kein
allgemeiner Anspruch auf Wiederaufnahme des Verfahrens ableiten lässt. Das
Recht auf Beweis ist somit nicht verletzt.

3.
Die Beschwerdeführerin rügt weiter eine Verletzung des rechtlichen Gehörs nach
Art. 29 Abs. 2 BV, da sich die Vorinstanz in keiner Weise mit der ausführlichen
Begründung ihres Gesuchs auseinandergesetzt habe. Die Beschwerdeführerin habe
sowohl die zahlreichen Versuche, die Aktennotiz bei C.________ erhältlich zu
machen, dargelegt als auch ausführlich begründet, weshalb sie auf einen
Editionsantrag habe verzichten müssen.

3.1 Der Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) verlangt, dass die
Gerichte die rechtserheblichen Vorbringen der Parteien anhören und bei der
Entscheidfindung berücksichtigen (BGE 124 I 241 E. 2 S. 242). Aus Art. 29 Abs.
2 BV wird zudem die Pflicht der Behörden abgeleitet, ihre Entscheide zu
begründen. Die Begründung muss kurz die Überlegungen nennen, von denen sich das
Gericht hat leiten lassen und auf die sich sein Entscheid stützt. Nicht
erforderlich ist hingegen, dass sich der Entscheid mit allen Parteistandpunkten
einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich
widerlegt (BGE 134 I 83 E. 4.1 S. 88; 133 III 439 E. 3.3 S. 445; 129 I 232 E.
3.2; je mit Hinweisen). Es genügt, wenn der Entscheid gegebenenfalls
sachgerecht angefochten werden kann (BGE 136 I 184 E. 2.2.1 S. 188; 133 III 439
E. 3.3 S. 445; 129 I 232 E. 3.2 S. 236).

3.2 Diesen Anforderungen genügt der vorinstanzliche Entscheid. Die Vorinstanz
hat dargelegt, dass die Beschwerdeführerin nicht die erforderliche Sorgfalt zur
Beibringung der Aktennotiz als Beweismittel aufgewendet habe, da sie noch an
der Hauptverhandlung vor Kantonsgericht Zug die gerichtliche Edition hätte
beantragen können. Daraus ergibt sich, dass die Vorinstanz die
aussergerichtlichen Bemühungen der Beschwerdeführerin, an die Aktennotiz zu
gelangen, als nicht genügend erachtete. Die Vorinstanz hat sich auch mit der
Argumentation der Beschwerdeführerin auseinandergesetzt, wonach diese aus
prozesstaktischen Gründen auf einen Editionsantrag habe verzichten müssen, da
sie die Beweiskraft der Aussage des Zeugen C.________ nicht dadurch habe
gefährden wollen, dass sich bei einer Edition herausstellen würde, die
Aktennotiz existiere nicht oder nicht mehr. Diese Argumentation hat die
Vorinstanz implizit verworfen, indem sie feststellte, die Beschwerdeführerin
habe aufgrund der Aussage des Zeugen C.________ gewusst, dass dieser eine
Aktennotiz angefertigt habe. Eine weitergehende Auseinandersetzung mit dem
Standpunkt der Beschwerdeführerin ist unter dem Gesichtspunkt des Anspruchs auf
rechtliches Gehör nicht erforderlich. Die Rüge erweist sich damit als
unbegründet.

4.
Nach dem Gesagten erweisen sich sämtliche Rügen betreffend die vorinstanzliche
Verneinung der Aufwendung der erforderlichen Sorgfalt als unbegründet, soweit
auf sie einzutreten ist. Damit brauchen die Rügen betreffend die
Eventualbegründung der Vorinstanz, es sei ohnehin auch die nach § 215 Ziff. 3
ZPO/ZG erforderliche Erheblichkeit eines neu entdeckten Beweismittels zu
verneinen, nicht mehr geprüft werden.

5.
Auf die subsidiäre Verfassungsbeschwerde ist nicht einzutreten. Die Beschwerde
in Zivilsachen ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Bei diesem
Verfahrensausgang wird die Beschwerdeführerin kosten- und
entschädigungspflichtig (Art. 66 Abs. 1 sowie Art. 68 Abs. 2 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Auf die subsidiäre Verfassungsbeschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Die Beschwerde in Zivilsachen wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 10'000.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

4.
Die Beschwerdeführerin hat den Beschwerdegegner für das bundesgerichtliche
Verfahren mit Fr. 12'000.-- zu entschädigen.

5.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Zug,
Zivilrechtliche Abteilung, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 24. März 2011

Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin:

Klett Schreier