Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 4A.575/2010
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
4A_575/2010

Urteil vom 8. Februar 2011
I. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Klett, Präsidentin,
Bundesrichter Corboz,
Bundesrichterin Rottenberg Liatowitsch,
Bundesrichter Kolly,
Bundesrichterin Kiss,
Gerichtsschreiber Luczak.

Verfahrensbeteiligte
X.________ AG,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Peter Ochsner,
Beschwerdeführerin,

gegen

A.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Hans Ulrich Würgler,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Arbeitsvertrag,

Beschwerde gegen den Entscheid des Obergerichts des Kantons Thurgau vom 30.
August 2010.
Sachverhalt:

A.
A.________ (Beschwerdegegner) war von 1992 bis Ende März 2000 als
Verkaufsingenieur bzw. Aussendienstmitarbeiter bei der Y.________ AG
angestellt. Zu seinen Aufgaben gehörte die Mitarbeit bei der technischen
Entwicklung von Produkten. In diesem Rahmen war er an der im Februar 1996
lancierten Entwicklung des Projekts "Q.________" beteiligt. Dabei handelt sich
um eine durch Drehen in der Höhe verstellbare Strassenkappe und um die
Herstellung eines Drehwerkzeuges, mit welchem die Strassenkappe gelöst und
gedreht werden kann. Das Drehwerkzeug wurde nachträglich konstruiert, da sich
herausgestellt hatte, dass Pickel für das Verstellen der Strassenkappe zu
schwach waren. Der Beschwerdegegner hatte für dessen Konstruktion und
Herstellung nach den Plänen und Vorgaben des Ingenieurbüros Z.________ AG die
Werkstattzeichnungen zu erstellen. Die Y.________ AG fertigte Ende 1999 eine
Serie von 110 Drehwerkzeugen an.

B.
Im Herbst 2000 soll es wegen der Verformung von Drehwerkzeugen zu Reklamationen
gekommen sein. 110 Garnituren (Rohre mit Zubehör) seien nicht funktionstüchtig
gewesen. Nach Angaben der Y.________ AG hat ein Test ergeben, dass die Kraft
zweier Männer bei genügend Drehwiderstand ausreicht, um die Teleskop-Rohre der
Drehwerkzeuge zu verbiegen. Diesen Mangel führte die Y.________ AG darauf
zurück, dass der Beschwerdegegner bei der Erstellung der Werkstattzeichnungen
für die Rohre der Drehwerkzeuge eigenmächtig von den Berechnungen des
Ingenieurs abgewichen ist. Den Gesamtschaden bezifferte die Y.________ AG mit
Fr. 27'522.-- (Fr. 250.20 [Fr. 367.70 für Material und Arbeitsaufwand pro
Garnitur abzüglich Wert der noch brauchbaren Teile von je Fr. 117.50] x 110).

C.
Mit Klage vom 21. April 2001 beantragte die Y.________ AG der
bezirksgerichtlichen Kommission Weinfelden, den Beschwerdegegner gestützt auf
Art. 321 e OR zu verpflichten, ihr Fr. 27'522.-- nebst Zins zu bezahlen. Diese
und das anschliessend angerufene Obergericht des Kantons Thurgau wiesen die
Klage bzw. die Berufung der Y.________ AG ab. Die Y.________ AG zog die Sache
an das Bundesgericht weiter, worauf dieses am 24. Juni 2003 das
obergerichtliche Urteil vom 15. August 2002 aufhob, weil die darin enthaltenen
tatsächlichen Feststellungen für die Beurteilung der Klage nicht ausreichten
(Urteile des Bundesgerichts 4P.10/2003 und 4C.16/2003 vom 24. Juni 2006). Nach
erneuter erstinstanzlicher Abweisung der Klage und Rückweisung durch das
Obergericht zur Ergänzung des Sachverhalts wies das Bezirksgericht Weinfelden
nach Durchführung eines Beweisverfahrens schliesslich die Klage am 22. Juni
2007 erneut ab.

D.
Am 27. Januar 2006 hatte die Y.________ AG die strittige Forderung der
X.________ AG (Beschwerdeführerin) zediert, welche an Stelle der Y.________ AG
als Klägerin in den Prozess eintrat. Mit Urteil vom 30. August 2010 schützte
das Obergericht des Kantons Thurgau auf Berufung der Beschwerdeführerin die
Klage teilweise und verpflichtete den Beschwerdegegner, der Beschwerdeführerin
Fr. 9'174.-- zuzüglich 5 % Zins seit 5. April 2001 zu bezahlen. Für das
erstinstanzliche Verfahren sprach das Obergericht dem Beschwerdegegner eine
Parteientschädigung von Fr. 6'592.35 einschliesslich 7.6 % MWST zu und für das
Berufungsverfahren eine solche von Fr. 1'715.-- zuzüglich 7.6 % MWST.

E.
Die Beschwerdeführerin beantragt dem Bundesgericht mit Beschwerde in
Zivilsachen, es sei das Urteil des Obergerichts des Kantons Thurgau vom 30.
August 2010 aufzuheben und der Sachverhalt "durch das Bundesgericht,
schlimmstenfalls durch die Vorinstanz" zu ergänzen. Der Beschwerdegegner sei zu
verpflichten, der Beschwerdeführerin Fr. 27'522.-- nebst 5 % Zins seit 5. April
2001 zu bezahlen und die Beschwerdeführerin für das kantonale Verfahren mit
insgesamt Fr. 18'502.15 zuzüglich 7.6 % MWST zu entschädigen. Der
Beschwerdegegner schliesst auf kostenfällige Abweisung der Beschwerde, soweit
darauf eingetreten werden kann, und auf Bestätigung des angefochtenen Urteils.
Die Vorinstanz beantragt die Abweisung der Beschwerde und verzichtet im Übrigen
auf Vernehmlassung. Der Fall wurde am 8. Februar 2011 öffentlich beraten.

Erwägungen:

1.
Die Beschwerdeführerin beantragt dem Bundesgericht zur Hauptsache, den ihrer
Ansicht nach zufolge Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör (Art. 29
Abs. 2 BV) von der Vorinstanz ungenügend festgestellten Sachverhalt nach Art.
97 Abs. 1 BGG zu ergänzen.

1.1 Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die
Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Grundsätzlich unzulässig
sind Rügen, die sich gegen die tatsächlichen Feststellungen des angefochtenen
Entscheides richten, sofern diese nicht offensichtlich unrichtig sind oder auf
einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruhen und wenn die Behebung
des Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs.
1 und 105 Abs. 2 BGG), was im einzelnen aufzuzeigen ist (BGE 133 II 249 E.
1.2.2 und 1.4.3 S. 254 f.). "Offensichtlich unrichtig" bedeutet dabei
"willkürlich" (BGE 135 III 127 E. 1.5 S. 130, 397 E. 1.5 S. 401).

1.2 Das Bundesgericht ist keine letzte Appellationsinstanz, die von den
Parteien mit vollkommenen Rechtsmitteln angerufen werden könnte (vgl. Botschaft
vom 28. Februar 2001 zur Totalrevision der Bundesrechtspflege, BBl 2001 4342
Ziff. 4.1.4.5 zu Art. 97 E-BGG). Es genügt nicht, dem Bundesgericht, ohne eine
substanziierte Sachverhaltsrüge zu erheben, unter gelegentlichem Hinweis auf
die Akten einfach einen über die tatsächlichen Feststellungen im angefochtenen
Entscheid hinausgehenden Sachverhalt zu unterbreiten, daraus vom angefochtenen
Urteil abweichende Schlüsse zu ziehen und dieses als willkürlich zu bezeichnen
oder eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör zu rügen. Ein
derartiges Vorgehen verkennt die grundsätzliche Bindung des Bundesgerichts an
die tatsächlichen Feststellungen im angefochtenen Entscheid (Art. 97 und 105
BGG). Es geht nicht an, in einer Beschwerde in Zivilsachen appellatorische
Kritik an der Beweiswürdigung des kantonalen Gerichts zu üben und Ergänzungen
bezüglich der tatsächlichen Feststellungen vorzunehmen, als ob dem
Bundesgericht im Beschwerdeverfahren die freie Prüfung aller Tatfragen zukäme
(BGE 134 II 244 E. 2.2 S. 246; 133 II 249 E. 1.4.3 S. 254 f.; je mit
Hinweisen). Dies verkennt die Beschwerdeführerin, soweit sie einfach Umstände
auflistet, welche die Vorinstanz nach ihrer Meinung hätte feststellen und
berücksichtigen sollen, und teilweise Aktenhinweise anbringt. Insoweit ist
mangels hinreichender Begründung nicht auf die Beschwerde einzutreten.

2.
Während die bezirksgerichtliche Kommission Weinfelden eine Haftung des
Beschwerdegegners verneinte, weil die Y.________ AG bzw. deren
Geschäftsführungsmitlied B.________ wusste, dass der Beschwerdegegner bei der
Erstellung der Werkstattzeichnungen von den Ingenieurplänen abgewichen ist und
dies widerspruchslos duldete, hielt die Vorinstanz für unbewiesen, dass die
Arbeitgeberin des Beschwerdegegners von dessen erwähntem Vorgehen Kenntnis
hatte. B.________, der allein für eine Genehmigung zuständig gewesen wäre, habe
eine solche nicht erteilt, geschweige denn die Änderung der Planvorgaben
angeordnet. Die Vorinstanz erachtete die Verletzung der Sorgfaltspflicht durch
den Beschwerdegegner für nachgewiesen und dessen Haftung im Grundsatz für
gegeben. Immerhin hielt sie fest, die Ingenieurpläne hätten neben
problematischen Details auch Widersprüche zwischen den Zahlenwerten und der
zeichnerischen Darstellung der Konstruktion aufgewiesen. Darüber hinaus hätten
die festgelegten Parameter die Optimierungsmöglichkeiten der Konstruktion
teilweise stark eingeengt. So hätte etwa das übermässige Fassungsspiel der
zusammengesteckten Rohre keine adäquate Schweissnahtqualität erlaubt. Gestützt
auf ein Gutachten ging die Vorinstanz indessen davon aus, es sei eher
wahrscheinlich, die bislang nicht festgelegten Parameter der Konstruktion
könnten so optimiert werden, dass dadurch die Brauchbarkeit des Drehwerkzeugs
gewährleistet werde. Daher ging die Vorinstanz davon aus, auch nach den
mangelhaften Plänen hätte sich ein brauchbares Drehwerkzeug konstruieren
lassen. Den geltend gemachten Schaden erachtete sie als betragsmässig
ausgewiesen.

2.1 In der Folge legte die Vorinstanz die Haftungsquote des Beschwerdegegners
fest und bemass diese auf einen Drittel.
2.1.1 Zum Verschulden des Beschwerdegegners mit Bezug auf das Abweichen von den
Ingenieurplänen ohne Wissen der Geschäftsleitung erwog die Vorinstanz, dieses
werde dadurch herabgesetzt, dass der Beschwerdegegner wegen der Mängel, welche
die Ingenieurpläne aufgewiesen hätten, gute Gründe hatte, davon abzuweichen und
damit für seine Arbeitgeberin ein besseres Ergebnis zu erzielen beabsichtigte.
Hierfür habe er auch über eine zumindest konkludente Genehmigung seines
Vorgesetzten verfügt, der allerdings für das Projekt "Q.________" nicht
zuständig gewesen sei. Zudem habe der Beschwerdegegner mit einem Prototyp
erfolgreich Feldversuche unternommen, wobei sich jedoch nachträglich
herausgestellt habe, dass die Tests ungenügend angelegt gewesen seien, da sie
Extremsituationen nicht einbezogen hätten. Zwar führen nach Einschätzung der
Vorinstanz die Mängel in den Konstruktionsplänen des Ingenieurs zu einer
Herabsetzung des Verschuldens des Beschwerdegegners, nicht aber zum Ausschluss
seiner Haftung, denn der Beschwerdegegner hätte die Problemlagen erkennen
können und entsprechend dem gängigen Verfahren diesbezüglich mit dem Ingenieur
Rücksprache nehmen müssen. Insgesamt sei das Verschulden des Beschwerdegegners
weit von Grobfahrlässigkeit entfernt.

2.1.2 Der Y.________ AG als Arbeitgeberin lastete die Vorinstanz ein
erhebliches Mitverschulden an, darin bestehend, dass deren Geschäftsleitung
ihrer Verantwortung und ihren Pflichten gemäss ihren eigenen Vorgaben nicht
nachgekommen sei. Die einschlägigen Vorschriften fänden sich im
Qualitätsmanagement-Handbuch (QM-Handbuch), welches nach den Feststellungen im
erstinstanzlichen Urteil, auf welches die Vorinstanz verweist, integrierenden
Bestandteil des Arbeitsvertrages bildete. Daran sei auch die Geschäftsleitung
gebunden. Die Verantwortung für die Entwicklung eines Produkts liege nicht beim
Projektleiter allein, sondern die Geschäftsleitung sei von Anfang an
eingebunden und müsse insbesondere jeden einzelnen Projektschritt freigeben.
Auch wenn der Beschwerdegegner sich als zusätzliches Verschulden anrechnen
lassen müsse, dass er diese im Handbuch vorgesehene Kontrolle und Freigabe
nicht verlangt habe, führe dies nicht dazu, dass sich die Geschäftsleitung nach
Auslösung eines Auftrags oder Projekts zurücklehnen oder gar völlig ausklinken
könne, um im Falle eines missglückten Ergebnisses vom Arbeitnehmer
Schadenersatz zu fordern. Im internen Verhältnis zwischen Arbeitnehmer und
Arbeitgeberin habe vielmehr letztere die Mängel der Pläne zu vertreten, was
sich auf die Haftungsquote mindernd auswirke. Wenn sich die Beschwerdeführerin
durch die Anordnung eines "ad hoc"-Projekts nicht an das QM-Handbuch halte und
insbesondere keine Freigaben erfolgten, müsse sich die Y.________ AG die Folgen
entsprechend anrechnen lassen.

2.2 Die Vorinstanz hat bei der Beurteilung des Verschuldens der Arbeitgeberin
auf das QM-Handbuch abgestellt, obwohl nach ihren Feststellungen ein ad hoc
Verfahren angeordnet worden war.
2.2.1 Dass das QM-Handbuch integrierenden Bestandteil des Arbeitsvertrages
bildete, bedeutet nicht zwingend, dass die Arbeitgeberin kein abweichendes
Verfahren anordnen durfte. Im Normalfall dient das Qualitätsmanagement im
Wesentlichen dem Eigeninteresse des Arbeitgebers an einem qualitativ
hochwertigen Endprodukt. Dieser kann daher auf die Einhaltung des QM-Handbuchs
verzichten, auch wenn dieses zum Vertragsbestandteil gemacht wurde. Zwar sind
Fälle denkbar, in denen nach dem Willen der Parteien ein Abweichen nur mit
Zustimmung des Arbeitnehmers zulässig sein soll, namentlich wenn der
Arbeitnehmer an der Einhaltung hoher Qualitätsstandards ein direktes
Eingeninteresse hat. Davon ist nach Treu und Glauben aber nicht auszugehen,
wenn keinerlei Hinweise auf ein entsprechendes Interesse des Arbeitnehmers
bestehen.
2.2.2 Dass die Parteien den Vertrag tatsächlich im Sinne eines Verbots der
einseitigen Anordnung eines abweichendes Verfahrens verstanden hätten, ist
nicht festgestellt, ebenso wenig wie Umstände, die ein entsprechendes
Verständnis nahelegen würden. Nach Treu und Glauben musste sich der
Beschwerdegegner damit bewusst sein, dass die Arbeitgeberin trotz der Übernahme
in den Vertrag ein abweichendes ad hoc Verfahren anordnen durfte.

2.3 Daraus, dass die Vorgaben des QM-Handbuches nicht eingehalten wurden, kann
mithin für ein allfälliges Verschulden der Arbeitgeberin nichts abgeleitet
werden. Vielmehr ist massgebend, ob das gewählte Verfahren objektiv
unzulänglich erscheint. Dies ist mit Blick auf den konkreten Einzelfall zu
entscheiden. Massgebend dafür sind, wie das Bundesgericht bereits entschieden
hat, einerseits der Überwachungsbedarf des Beschwerdegegners, der sich
namentlich aus dessen Pflichtenheft und dessen Qualifikationen ergibt, und
andererseits die weiteren Umstände, welche die Klägerin allenfalls zur
Kontrolle des Prototyps des Drehwerkzeugs hätten veranlassen sollen.
Schliesslich kann eine Rolle spielen, ob die Überwachung des Arbeitsergebnisses
der Branchenüblichkeit entsprach und der Beschwerdegegner deshalb darauf
vertraute, die Klägerin werde den Prototyp testen (zit. Urteil 4C.16/2003 E.
2.2 S. 5). Im Zeitpunkt dieses Entscheides stand indessen noch nicht fest,
inwieweit der Beschwerdegegner seine Arbeitgeberin über die vorgenommenen
Abänderungen informiert hatte. Diesem Aspekt kommt auch für die Beurteilung
eines allfälligen Mitverschuldens Bedeutung zu.
2.3.1 Da der für das Projekt zuständige Vorgesetzte nach den Feststellungen der
Vorinstanz nichts von den vorgenommenen Änderungen wusste, bestand für ihn kein
Anlass, das Verfahren entsprechend anzupassen. Aus Sicht der Arbeitgeberin
hatte der Beschwerdegegner lediglich Pläne umzusetzen, für deren Brauchbarkeit
ihr Dritte gerade standen. Daher kann der Beschwerdegegner aus den Tests, die
bei einer Eigenentwicklung vielleicht objektiv angezeigt oder branchenüblich
gewesen wären, nichts für seinen Standpunkt ableiten.
2.3.2 Dasselbe gilt für die Tatsache, dass sich die Umsetzung der Pläne
aufgrund der festgestellten Mängel nicht problemlos gestaltete. Die
Arbeitgeberin durfte davon ausgehen, der Beschwerdegegner werde bei Problemen
mit dem zuständigen Vorgesetzten oder direkt mit dem Ingenieur Rücksprache
nehmen. Dass der Beschwerdegegner grundsätzlich in der Lage war, aufgrund von
Ingenieurplänen Werkstattzeichnungen herzustellen, blieb nach den
Feststellungen der Vorinstanz unbestritten. Insoweit bestand für die
Arbeitgeberin kein Anlass zur Kontrolle des Arbeitsergebnisses. Der
Beschwerdegegner argumentiert, die Anfertigung der Werkstattzeichnungen habe
Berechnungen erfordert, zu denen er nicht in der Lage gewesen und mit denen er
nicht beauftragt worden sei. Er schliesst daraus auf die Notwendigkeit der
Prüfung des Arbeitsergebnisses durch die Arbeitgeberin. Da aber nicht
festgestellt ist, dass der zuständige Vorgesetzte vom Beschwerdegegner über die
Mängel der Pläne informiert worden war, geht diese Argumentation an der Sache
vorbei.

2.4 Soweit die Vorinstanz gestützt auf die Nichtbeachtung des QM-Handbuchs ein
Mitverschulden der Arbeitgeberin annahm, verletzt der angefochtene Entscheid
mithin im Ergebnis Bundesrecht. Zu prüfen bleibt, ob dies dazu führt, dass der
Beschwerdegegner für den gesamten Schaden in Anspruch genommen werden kann, wie
die Beschwerdeführerin verlangt.

3.
Art und Grösse des Ersatzes für den eingetretenen Schaden bestimmt der Richter,
der hiebei sowohl die Umstände als die Grösse des Verschuldens zu würdigen hat
(Art. 43 Abs. 1 OR). Die Vorinstanz hat das Verschulden des Beschwerdegegners
zu Recht nicht als grob eingestuft. Zwar hätte ein vernünftiger Arbeitnehmer
den zuständigen Ingenieur oder Vorgesetzten auf die Probleme aufmerksam
gemacht, statt selbst eine Problemlösung zu suchen, für die es ihm an der
nötigen fachlichen Qualifikation mangelte. Daran ändern auch die vom
Beschwerdegegner selbst durchgeführten Feldversuche nichts, die sich ebenfalls
als ungenügend erwiesen. Immerhin dokumentieren die Tests das Bemühen des
Beschwerdegegners, eine taugliche Lösung zu finden. Zu seinen Gunsten ist zu
berücksichtigen, dass das Abweichen von den Plänen nicht völlig eigenmächtig
erfolgte. Der Beschwerdegegner verfügte zumindest über die konkludente
Zustimmung eines Vorgesetzten, der für das Projekt allerdings nicht zuständig
war. Die Abänderungen erfolgten mit Blick auf die dem Beschwerdegegner zur
Verfügung gestellten Pläne, die objektiv zwar nicht unbrauchbar, aber
optimierungsbedürftig waren und so erst Anlass für das pflichtwidrige Verhalten
des Beschwerdegegners gaben. Zudem fällt ins Gewicht, dass es dem
Beschwerdegegner darum ging, für seine Arbeitgeberin ein besseres Resultat zu
erreichen, wovon diese profitiert hätte, wenn seine Initiative von Erfolg
gekrönt gewesen wäre. Mit Blick darauf erscheint es nicht angemessen, den
Beschwerdegegner den vollen Schadenersatz tragen zu lassen. Sein Haftungsquote
ist vielmehr auf 2/3 des geltend gemachten Schadens festzusetzen.

4.
Die Beschwerdeführerin beanstandet schliesslich noch die im kantonalen
Verfahren festgesetzten Prozessentschädigungen. Sie ist der Auffassung, die
kantonalen Instanzen hätten zu Unrecht den Betrag für die Kosten des Verfahrens
vor Bundesgericht berücksichtigt. Die Rüge ist an sich nicht zu hören, da die
Beschwerdeführerin gemäss dem angefochtenen Entscheid gegen die
Berücksichtigung der Kosten des bundesgerichtlichen Verfahrens durch die erste
Instanz keine Einwendungen erhoben hat. Diese Feststellung gibt die
Beschwerdeführerin nicht als willkürlich aus, womit es bezüglich der
Kostenfrage an der materiellen Ausschöpfung des Instanzenzuges fehlt, und auf
die Rüge nicht einzutreten ist (BGE 134 III 524 E. 1.3 S. 527 mit Hinweisen).
Angesichts des Ausgangs des Verfahrens wird die Vorinstanz indessen den
Entscheid über die Kostenverteilung für das kantonale Verfahren ohnehin neu zu
treffen haben. Mit dem Kostenentscheid in den zit. Verfahren 4P.10/2003 und
4C.16/2003 hat das Bundesgericht allerdings die Kosten- und
Entschädigungsfolgen für die damaligen Verfahren vor Bundesgericht bereits
definitiv geregelt, so dass darüber nicht mehr zu entscheiden ist. Die Kosten-
und Entschädigungsregelung für das jetzige Verfahren vor Bundesgericht erfolgt
mit dem vorliegenden Urteil. Bei der neuen Entscheidung über die
Kostenverteilung wird die Vorinstanz daher ausschliesslich die Kosten der
kantonalen Verfahren zu berücksichtigen haben.

5.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und der
Beschwerdegegner zu verpflichten, der Beschwerdeführerin Fr. 18'348.-- nebst
Zins zu 5 % seit 5. April 2001 zu bezahlen. Die Beschwerdeführerin obsiegt mit
ihren Anträgen nur teilweise. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens erscheint
es gerechtfertigt, die Kosten des bundesgerichtlichen Verfahrens den Parteien
je zur Hälfte aufzuerlegen und die Parteientschädigungen wettzuschlagen.
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin ist das arbeitsrechtliche
Verfahren vor Bundesgericht nicht kostenlos. Liegt der Streitwert aber - wie
hier - unter Fr. 30'000.--, so sind nur reduzierte Gerichtskosten zu erheben
(Art. 65 Abs. 4 lit. c BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen, das angefochtene Urteil wird
aufgehoben und der Beklagte wird in teilweiser Gutheissung der Klage
verpflichtet, der Klägerin Fr. 18'348.-- nebst Zins zu 5 % seit 5. April 2001
zu bezahlen.

2.
Die Sache wird zur Neuverlegung der Kosten des kantonalen Verfahrens an die
Vorinstanz zurückgewiesen.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 600.-- werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt.

4.
Es werden keine Entschädigungen für das bundesgerichtliche Verfahren
zugesprochen.

5.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Thurgau
schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 8. Februar 2011

Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Klett Luczak