Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 4A.576/2010
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
4A_576/2010

Urteil vom 7. Juni 2011
I. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Klett, Präsidentin,
Bundesrichter Corboz,
Bundesrichter Kolly,
Bundesrichterin Kiss,
nebenamtlicher Bundesrichter Al. Brunner,
Gerichtsschreiber Widmer.

Verfahrensbeteiligte
A.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Andreas Steiner,
Beschwerdeführer,

gegen

1. X.________ Versicherung AG,
2. X.________ Kranken-Versicherung AG,
beide vertreten durch Rechtsanwalt Christian Thöny,
Beschwerdegegnerinnen.

Gegenstand
Verjährung, Regressrecht,

Beschwerde gegen das Urteil des Kantonsgerichts von Graubünden, II.
Zivilkammer,
vom 9. Februar 2010.
Sachverhalt:

A.
Am 9. Dezember 2001 verunfallte B.________ (Geschädigter) im Café M.________ an
der N.________gasse in Zürich. Als er seinen Mantel an der Garderobe aufhängen
wollte, stolperte er und fiel dabei gegen die Kellertüre. Diese öffnete sich
und der Geschädigte stürzte über die Treppe in den Keller, wobei er sich an
beiden Beinen schwer verletzte. In der Folge waren eine achteinhalbstündige
Operation sowie ein mehrwöchiger Spitalaufenthalt und anschliessend ein
mehrwöchiger Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik erforderlich. Danach
benötigte der Geschädigte noch über längere Zeit eine Physiotherapie.

Der Geschädigte ist bei der X.________ Versicherung AG (Beschwerdegegnerin 1)
nach dem Versicherungsvertragsgesetz vom 2. April 1908 (VVG; SR 221.229.1) und
bei der X.________ Kranken-Versicherung AG (Beschwerdegegnerin 2) nach dem
Bundesgesetz vom 18. März 1994 über die Krankenversicherung (KVG; SR 832.10)
gegen Unfall versichert. Er meldete der X.________ den Unfall am 19. Dezember
2001 und trat ihr gleichzeitig seine allfälligen Haftpflichtansprüche ab. In
der Folge erbrachte diese Leistungen von Fr. 94'129.10 (VVG-Ansprüche) und von
Fr. 29'735.35 (KVG-Ansprüche).

A.________ (Beschwerdeführer) ist Miteigentümer zur Hälfte an der Liegenschaft
N.________gasse in Zürich. Die Versicherungen und der Beschwerdeführer konnten
sich nicht darüber einigen, wer die Kosten der Heilbehandlung zu tragen habe.

B.
Die Beschwerdegegnerinnen gelangten am 27. März 2007 je an den Vermittler des
Kreises Oberengadin und stellten die Rechtsbegehren, der Beschwerdeführer sei
zu verpflichten, ihnen die Beträge von Fr. 94'129.10 (Beschwerdegegnerin 1)
bzw. von Fr. 29'735.35 (Beschwerdegegnerin 2), je nebst Zins zu bezahlen. Am
28./29. August 2007 prosequierten die Beschwerdegegnerinnen die Klagen mit
unveränderten Rechtsbegehren an das Bezirksgericht Maloja. Dieses hiess die
Klagen mit Urteil vom 5. Mai 2009 gut.

Am 9. Februar 2010 wies das Kantonsgericht von Graubünden eine vom
Beschwerdeführer gegen dieses Urteil erhobene Berufung ab.

C.
Der Beschwerdeführer beantragt mit Eingabe vom 14. Oktober 2010, das Urteil des
Kantonsgerichts vom 9. Februar 2010 aufzuheben und die Klage der
Beschwerdegegnerinnen abzuweisen.

Die Vorinstanz und die Beschwerdegegnerinnen schliessen auf Abweisung der
Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei.

Mit Präsidialverfügung vom 3. November 2010 wurde ein Gesuch des
Beschwerdeführers um Sistierung des Verfahrens abgewiesen.

Erwägungen:

1.
Die Beschwerdegegnerinnen machten im kantonalen Verfahren
Schadenersatzansprüche des Geschädigten gegen den Beschwerdeführer geltend, in
die sie, was die VVG-Ansprüche belangt, nach Art. 72 Abs. 1 VVG oder wahlweise
nach Art. 51 Abs. 2 (und Art. 149 Abs. 1) OR bzw., was die KVG-Ansprüche
angeht, nach Art. 79 aKVG subrogiert seien.
Die Vorinstanz bejahte die Haftbarkeit des Beschwerdeführers als Werkeigentümer
im Sinne von Art. 58 OR, insbesondere das Vorliegen eines für den Schaden des
Geschädigten in der von den Beschwerdegegnerinnen geltend gemachten Höhe
adäquat-kausalen Werkmangels. Diese Punkte sind im vorliegenden
Beschwerdeverfahren nicht mehr strittig.
Der Beschwerdeführer rügt hingegen, die Vorinstanz habe unter Verletzung der
Art. 42, 60 und 135 OR entschieden, dass die Ansprüche im Zeitpunkt der
Stellung des Vermittlungsbegehrens am 27. März 2007 nicht verjährt seien.
Ferner habe sie Art. 72 VVG und Art. 51 OR verletzt, indem sie hinsichtlich der
VVG-Ansprüche ein integrales (umfassendes) Regressrecht zu Gunsten der
Beschwerdegegnerin 1 als Privatversicherer bejaht und die Klage insoweit nicht
schon mangels eines solchen abgewiesen habe. Da kein integrales Regressrecht
der Beschwerdegegnerin 1 bestehe, sei auch eine solidarische Haftung unter den
aus Regress in Anspruch genommenen zu verneinen. Jeder hafte daher nur für
seinen Anteil.
Der Streit beschlägt damit zivilrechtliche Verhältnisse und mithin eine
Zivilsache im Sinne von Art. 72 Abs. 1 BGG. Er unterliegt der Beurteilung im
Verfahren der Beschwerde in Zivilsachen. - Dass der Beschwerdegegnerin 2 für
die KVG-Ansprüche ein Regressrecht zusteht, war bereits im kantonalen Verfahren
unbestritten (vgl. dazu Urteil K 43/03 vom 5. April 2004 E. 2; BGE 129 V 396).
Auf die Beschwerde, deren übrige Sachurteilsvoraussetzungen erfüllt sind, ist
unter Vorbehalt ihrer rechtsgenüglichen Begründung (Art. 42 Abs. 2 und Art. 106
Abs. 2 BGG) einzutreten.

2.
Mit Beschwerde in Zivilsachen können Rechtsverletzungen nach Art. 95 und 96 BGG
gerügt werden. Die Beschwerde ist hinreichend zu begründen, andernfalls wird
darauf nicht eingetreten. In der Beschwerdeschrift ist in gedrängter Form
darzulegen, inwiefern der angefochtene Akt Recht verletzt (Art. 42 Abs. 2 BGG).
Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die
Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Das Bundesgericht kann die
Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz nur berichtigen oder ergänzen, wenn sie
offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art.
95 BGG beruht (Art. 105 Abs. 2 BGG). "Offensichtlich unrichtig" bedeutet dabei
"willkürlich" (BGE 135 III 397 E. 1.5). Überdies muss die Behebung des Mangels
für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein (Art. 97 Abs. 1 BGG), was in
der Beschwerde darzutun ist (BGE 135 I 19 E. 2.2.2).
Der Beschwerdeführer, der die Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz
anfechten will, kann sich nicht damit begnügen, den bestrittenen Feststellungen
eigene tatsächliche Behauptungen gegenüberzustellen oder darzulegen, wie die
Beweise seiner Ansicht nach zu würdigen gewesen wären. Vielmehr hat er klar und
substanziiert aufzuzeigen, inwiefern die gerügten Feststellungen bzw. die
Unterlassung von Feststellungen offensichtlich unrichtig sind oder auf einer
Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruhen (vgl. BGE 133 II 249 E.
1.4.3; 133 III 350 E. 1.3, 393 E. 7.1, 462 E. 2.4). Soweit der Beschwerdeführer
den Sachverhalt ergänzen will, hat er zudem mit Aktenhinweisen darzulegen, dass
er entsprechende rechtsrelevante Tatsachen und taugliche Beweismittel bereits
bei den Vorinstanzen prozesskonform eingebracht hat (Urteile 4A_214/2008 vom 9.
Juli 2008 E. 1.2, nicht publ. in: BGE 134 III 570; 4A_470/2009 vom 18. Februar
2010 E. 1.2). Auf eine Kritik an den tatsächlichen Feststellungen der
Vorinstanz, die diesen Anforderungen nicht genügt, ist nicht einzutreten (BGE
133 II 249 E. 1.4.3) und ebensowenig auf Vorbringen, die in den tatsächlichen
Feststellungen der Vorinstanz keine Stütze finden, ohne dass dazu eine
taugliche Sachverhaltsrüge im vorstehenden Sinne substanziiert wird, oder auf
Rügen, die auf solchen Vorbringen aufbauen.
Wie sich aus den nachfolgenden Erwägungen ergibt, genügt die vorliegende
Beschwerdeschrift diesen Anforderungen in verschiedener Hinsicht nicht.

3.
Die Vorinstanz verneinte den Eintritt der Verjährung im Zeitpunkt der Stellung
des Vermittlungsbegehrens am 27. März 2007 mit folgender Begründung: Die
Verjährungsfrist habe frühestens am 7. März 2006 zu laufen begonnen, als die
letzte aktenkundige Rechnung der Physiotherapie für den Zeitraum vom 19.
Dezember 2005 bis zum 16. Februar 2006 eingegangen sei, und nicht bereits im
Juni 2005, wie der Beschwerdeführer geltend mache. Die Forderungen seien
deshalb (schon insoweit) frühestens am 7. März 2007 verjährt. Der Lauf der
Verjährung sei indes bereits vorher mit einem Vermittlungsbegehren vom 17. Juli
2006 unterbrochen worden, ungeachtet des Umstandes, dass dieses mit einer
unrichtigen Parteibezeichnung für die Gläubigerinnen, im Namen des "Vereins
X.________" gestellt worden sei. Selbst wenn die Verjährung bereits im Juni
2005 zu laufen begonnen hätte, wäre sie frühestens am 19. August 2006 - mithin
erst nach deren Unterbrechung mit dem Vermittlungsbegehren vom 17. Juli 2006 -
abgelaufen, weil der Beschwerdeführer gegenüber der "X.________" wirksame
Verjährungsverzichtserklärungen abgegeben habe, die den Zeitraum vom 28. August
2003 bis zum 19. August 2006 abdeckten.
Voraussetzung, dass die Verjährung am 27. März 2007 noch nicht eingetreten ist,
bildet demnach einerseits, dass dem Vermittlungsbegehren vom 17. Juli 2006
verjährungsunterbrechende Wirkung zukommt und anderseits (alternativ) dass die
Verjährungsfrist erst am 7. März 2006, und nicht im Juni 2005, zu laufen begann
oder dass der Beschwerdeführer bis zum 19. August 2006 gültig auf die Einrede
der Verjährung verzichtet hat.
Der Beschwerdeführer bestreitet, dass er gegenüber den Beschwerdegegnerinnen
wirksame Verjährungsverzichterklärungen abgegeben habe, dass der Stellung des
Vermittlungsbegehrens vom 17. Juli 2006 verjährungsunterbrechende Wirkung zukam
und dass die Verjährung - wie von der Vorinstanz angenommen - erst am 7. März
2006 zu laufen begann.

3.1 Es ist unbestritten, dass die Stellung eines Vermittlungsbegehrens nach dem
Prozessrecht des Kantons Graubünden grundsätzlich geeignet ist, die
Verjährungsfrist zu unterbrechen (vgl. Art. 135 Ziff. 2 OR). Der
Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz habe zu Unrecht entschieden, dass das
Vermittlungsbegehren vom 17. Juli 2006 die Verjährung der von den
Beschwerdegegnerinnen erhobenen Forderungen unterbrochen haben soll, obwohl es
vom Verein X.________ Versicherung und nicht von den Beschwerdegegnerinnen
gestellt worden sei.
3.1.1 Die Verjährung hat neben dem Schutz der Rechtssicherheit und des
Rechtsfriedens den Zweck, Rechtsstreitigkeiten zu verhindern, in denen die
Beweislage auf Grund des Zeitablaufs undurchsichtig wird (BGE 137 III 16 E.
2.1; 90 II 428 E. 8 S. 437 f.). Ist der Gläubiger am Weiterbestand der
Forderung interessiert, muss er zur Unterbrechung der Verjährung ein
Rechtsschutzgesuch im Sinn von Art. 135 Ziff. 2 OR stellen. Sobald der
Schuldner über eine derartige Unterbrechungshandlung des Gläubigers orientiert
ist, kann er das zur Beweissicherung Nötige vorkehren und - falls die
Möglichkeit eines Rückgriffs auf einen Dritten besteht - die entsprechenden
Schritte einleiten. Damit die in Art. 135 Ziff. 2 OR aufgezählten Handlungen
die Verjährung unterbrechen, müssen sie, wie namentlich die französische
Fassung der Bestimmung deutlich macht, grundsätzlich vom Forderungsgläubiger
ausgehen (BGE 111 II 358 E. 4a S. 364 f.). Nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung tritt die Unterbrechungswirkung aber ebenfalls ein, wenn die
Handlung zwar nicht vom Gläubiger, sondern von einem nicht berechtigten Dritten
ausgeht, der Schuldner nach dem Vertrauensprinzip jedoch zweifelsfrei erkennt
oder erkennen kann, um welche Forderung es geht. Auch in diesem Fall hat der
Schuldner nämlich die Möglichkeit, sich auf die Situation einzustellen, so dass
er nicht in seinen schutzwürdigen Interessen verletzt wird, wenn trotz der
fehlenden Berechtigung des Dritten der Eintritt der Verjährungsunterbrechung
bejaht wird (BGE 136 III 545 E. 3.4.1 S. 551 mit Hinweis auf die Urteile 4C.363
/2006 vom 13. März 2007 E. 4.2 und 4C.185/2005 vom 19. Oktober 2006 E. 3.2;
Frage noch offen gelassen in BGE 114 II 335 E. 3c S. 339).
Für die erforderliche Annahme, der Schuldner habe nicht darüber im Zweifel sein
können, um welche Forderungen es ging, war im zitierten Urteil 4C.185/2005 und
in einem früheren, in die gleiche Richtung gehenden Urteil (C.77/1980 vom 24.
Juni 1980, E. 4c [in BGE 114 II 335 E. 3c S. 339 zitiert]) ausschlaggebend,
dass die Personen, die die Unterbrechungshandlungen vornahmen, mit den
(übrigen) Gläubigern durch ein Gemeinschaftsverhältnis (Interessengemeinschaft
bzw. Stockwerkeigentümergemeinschaft) verbunden waren und mit diesen gemeinsam
für die Schuldner erkennbar Schritte zur Durchsetzung bestimmter Ansprüche
unternahmen (Urteil 4C.363/2006 vom 13. März 2007 E. 4.2 in fine).
3.1.2 Die Vorinstanz ging von dieser Rechtsprechung aus und hielt zunächst
fest, der Verein X.________ Versicherung sei mit den Beschwerdegegnerinnen
durch ein Gemeinschaftsverhältnis verbunden, sei er doch Alleinaktionär der
X.________ Holding AG, der die Beschwerdegegnerinnen eingegliedert seien.
Sodann stellte sie aufgrund der Vorgeschichte des Prozesses fest, der
Beschwerdeführer habe zweifellos gewusst, welche Forderung der Verein
X.________ Versicherung mit seinem Vermittlungsbegehren geltend machte. An
diese Feststellung tatsächlicher Natur ist das Bundesgericht gebunden. Der
Beschwerdeführer bestreitet diese zwar, erhebt dagegen aber keine hinreichend
substanziierte Sachverhaltsrüge, legt insbesondere nicht rechtsgenüglich dar,
weshalb sie willkürlich sein soll. Er beschränkt sich vielmehr darauf, in
appellatorischer Weise und unter freier Ergänzung des im angefochtenen Urteil
festgestellten Sachverhalts seine eigene Sicht der Dinge darzulegen und zu
behaupten, er habe nicht wissen können, um welche Forderung genau es sich
gehandelt habe. Darauf kann nicht eingetreten werden (Erwägung 2 vorne).
Nach der vorstehend dargestellten Rechtsprechung ist es sodann für die Frage,
ob die Unterbrechungswirkung eintritt, unerheblich, dass der Verein X.________
Versicherung das Vermittlungsbegehren nicht als Vertreter der
Beschwerdegegnerinnen gestellt und auch nicht irrtümlich eine falsche
Parteibezeichnung gewählt habe, wie der Beschwerdeführer weiter geltend macht.
Entscheidend ist allein, ob der Beschwerdeführer wusste, um welche Forderung es
dabei ging bzw. aufgrund welcher Ereignisse eine Forderung gegen ihn erhoben
wurde und dass die "X.________" an dieser festhielt. Dies war nach den
vorinstanzlichen Feststellungen der Fall, habe er doch vorhergehend gegenüber
der "X.________" bzw. gegenüber der "Krankenkasse X.________" unter Bezugnahme
auf den Schadenfall des Geschädigten B.________ Verjährungsverzichtserklärungen
abgegeben. Damit war er veranlasst, das zur Wahrung seiner Interessen
Erforderliche vorzukehren.
Daran ändert nichts, wenn für den Beschwerdeführer damals noch nicht erkennbar
gewesen sein mag, welcher juristischen Person innerhalb der Struktur des
Vereins X.________ Versicherung die geltend gemachte Forderung streng rechtlich
zustand bzw. welche Rechtsperson sie geltend machte. Denn dies war für die
rechtliche Situation des Beschwerdeführers im damaligen Zeitpunkt unerheblich,
wäre es den Beschwerdegegnerinnen doch möglich gewesen, die Forderungen in die
sie (behauptetermassen) subrogiert waren, nachträglich an den Verein X.________
Versicherung abzutreten, worauf dieser das Verfahren hätte prosequieren können.
Das Bundesgericht hat denn auch schon in einem vor längerer Zeit beurteilten
Fall eine Ladung zu einem Aussöhnungsversuch betreffend Forderungen von
Gläubigern, die auch die Ansprüche von weiteren, mit ihnen gemeinschaftlich
verbundenen Gläubigern geltend machten, die ihnen im betreffenden Zeitpunkt
noch nicht zediert worden waren, als für sämtliche Ansprüche
verjährungsunterbrechend anerkannt (Urteil C.77/1980 vom 24. Juni 1980 E. 4).
Entsprechend schloss die Vorinstanz in anderem Zusammenhang zu Recht, es sei
für den Beschwerdeführer nicht darauf angekommen, welcher der mehreren
juristischen Personen der X.________ Gruppe die Forderungen streng rechtlich
zustanden.
An der einmal eingetretenen Unterbrechungswirkung, dass die Verjährungsfrist
von neuem beginnt (Art. 137 Abs. 1 OR), ändert es selbstredend nichts, wenn der
Verein X.________ Versicherung den Leitschein nachfolgend verfallen und die
Beschwerdegegnerinnen vor Ablauf der Verjährungsfrist ein neues
Vermittlungsbegehren stellen liess. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht,
er habe aus dem Verfall des Leitscheins schliessen dürfen, dass die Forderung
nicht mehr durchgesetzt werden sollte, weshalb die Unterbrechungswirkung
nachträglich wieder aufgehoben worden sei, kann ihm nicht gefolgt werden. Die
Verjährung wurde mit dem Vermittlungsbegehren vom 17. Juli 2006 unterbrochen
und die Verjährungsfrist begann neu zu laufen. Vor Ablauf dieser Frist durfte
der Beschwerdeführer allein aus dem Verfall des ersten Leitscheins nicht
annehmen, dass die Forderung nicht mehr weiterverfolgt werden sollte.
Die Vorinstanz hat demnach kein Bundesrecht verletzt, indem sie dem
Vermittlungsbegehren vom 17. Juli 2006 verjährungsunterbrechende Wirkung
beimass. Die Beschwerde erweist sich in diesem Punkt als unbegründet, soweit
darauf einzutreten ist.

3.2 Nach Art. 60 Abs. 1 OR verjährt der Anspruch auf Schadenersatz oder
Genugtuung in einem Jahre von dem Tage hinweg, wo der Geschädigte Kenntnis vom
Schaden und von der Person des Ersatzpflichtigen erlangt hat, jedenfalls aber
mit dem Ablaufe von zehn Jahren, vom Tage der schädigenden Handlung an
gerechnet. Im vorliegenden Fall ist umstritten, in welchem Zeitpunkt der
Geschädigte, B.________, im Sinne von Art. 60 Abs. 1 OR Kenntnis vom Schaden
erlangte.
Nach der Rechtsprechung hat der Geschädigte genügende Kenntnis vom Schaden,
wenn er den Schadenseintritt, die Art und den ungefähren Umfang der Schädigung
kennt und zur Formulierung einer Klage mit Begehren und Begründung in der Lage
ist (BGE 136 III 322 E. 4.1 S. 229 f.; 131 III 61 E. 3.1.1 S. 68; 114 II 253 E.
2a S. 256; 112 II 118 E. 4 S. 123; 111 II 55 E. 3a S. 57 f.). Massgebend ist
die tatsächliche Kenntnis des Schadens und nicht der Zeitpunkt, in dem der
Geschädigte bei gehöriger Aufmerksamkeit davon hätte Kenntnis erlangen können
(BGE 136 III 322 E. 4.1 S. 330; 111 II 55 E. 3a S. 57 f.). Dieser braucht nicht
genau zu wissen, wie hoch der Schaden ziffernmässig ist, zumal auch künftiger
Schaden eingeklagt werden und dieser nötigenfalls nach Art. 42 Abs. 2 OR
geschätzt werden kann (BGE 131 III 61 E. 3.1.1 S. 68; 114 II 253 E. 2a S. 256).
Kennt der Geschädigte die wesentlichen Elemente des Schadens, so kann von ihm
erwartet werden, dass er sich die weiteren Informationen beschafft, die für die
Erhebung einer Klage notwendig sind (BGE 109 II 433 E. 2 S. 435). Im Falle von
Personenschäden kann in der Regel der Schaden noch nicht hinreichend bekannt
sein, wenn noch ungewiss ist, wie sich die gesundheitliche Situation entwickelt
und ob ein Dauerschaden zurückbleibt (BGE 112 II 118 E. 4 S. 123; 74 II 30 E.
1b S. 35 f.; ROLAND BREHM, Berner Kommentar, 3. Aufl. 2006, N. 29 zu Art. 60 OR
mit Hinweisen). Hingegen liegt genügende Kenntnis vor, wenn die medizinischen
Folgen der schädigenden Handlung abzusehen und mit grosser Wahrscheinlichkeit
zu bestimmen sind, wenn sich der gesundheitliche Zustand stabilisiert hat (BGE
114 II 253 E. 2b S. 257; Urteil 4A_647/2010 vom 4. April 2011 E. 3.1). In
Anbetracht der Kürze der Verjährungsfrist dürfen bezüglich der Möglichkeit der
Abschätzung des Schadensumfanges an den Geschädigten allerdings keine strengen
Anforderungen gestellt werden; es ist ihm je nach den konkreten Umständen eine
angemessene Zeitspanne zuzugestehen, in der er selber oder mit Hilfe eines
Dritten das Ausmass des Schadens abklären kann (BGE 111 II 55 E. 3a S. 57; 96
II 39 E. 2a). Wenn ein Forderungsübergang durch Subrogation stattfindet (vgl.
dazu die nachfolgende Erwägung 4) hat dies auf den Beginn und den Lauf der
Verjährungsfrist keinen Einfluss, da der Anspruch des Geschädigten so auf die
Versicherung übergeht, wie er dem Geschädigten gegenüber dem Schädiger
zugestanden hätte (BGE 120 II 58 E. 4 S. 63; vgl. auch OFTINGER/STARK,
Schweizerisches Haftpflichtrecht, Allgemeiner Teil, Bd. I, 5. Aufl. 1995, § 11
Rz. 35; ALEXANDER MÜLLER, Besonderheiten beim Regress des Privatversicherers,
in HAVE Personen-Schaden-Forum 2010, S. 49 ff., 66 f.).
Die Vorinstanz entschied, der Schaden sei dem Geschädigten mit dem Erhalt der
letzten aktenkundigen Rechnung der Physiotherapie am 6. März 2006, die vom 4.
März 2006 datiere und den Zeitraum vom 19. Dezember 2005 bis zum 16. Februar
2006 umfasse, ohne weiteres in seinen wesentlichen Elementen bekannt gewesen
(vgl. dazu BREHM, a.a.O., N. 36 zu Art. 60 OR; HEINZ REY, Ausservertragliches
Haftpflichtrecht, 4. Aufl. 2008, S. 376 Rz. 1623; WERNER SCHWANDER, Die
Verjährung ausservertraglicher und vertraglicher Schadenersatzforderungen,
1963, S. 17). Die Verjährungsfrist habe deshalb am 7. März 2006 zu laufen
begonnen. Den Zeitpunkt der Kenntnis des Schadens wegen behaupteter späterer
ärztlicher Nachkontrollen auf später festzulegen, wie die Beschwerdegegnerinnen
befürworteten, lehnte sie ab.
Der Beschwerdeführer wirft der Vorinstanz vor, mit der Festlegung des Beginns
der Verjährungsfrist auf den 7. März 2006 Bundesrecht verletzt zu haben. So
habe die Verjährung bereits im Juni 2005 zu laufen begonnen. Er führt dazu aus,
dass der Geschädigte in diesem Zeitpunkt den medizinischen Endzustand, d.h.
einen stabilen Zustand erreicht gehabt habe, was ihm bekannt gewesen sei. In
diesem Zeitpunkt wäre die gerichtliche Einforderung des Schadens möglich
gewesen, da der Schaden genügend abschätzbar gewesen sei. Diese Vorbringen und
die weiteren Ausführungen des Beschwerdeführers in diesem Zusammenhang finden
aber in den vorinstanzlichen Feststellungen keine Stütze und der
Beschwerdeführer erhebt dazu keine Sachverhaltsrüge, die es dem Bundesgericht
gegebenenfalls erlauben könnte, den Sachverhalt zu ergänzen oder ergänzen zu
lassen. So zitierte die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid zwar ein
Gutachten aus dem Jahre 2008, laut dem sich der Geschädigte bereits im Jahre
2005 in einem sehr guten Zustand befunden habe und die aktuell (d.h. im Jahre
2008) noch vorhandenen Beschwerden keiner physiotherapeutischen Behandlung
bedürften. Sie stellte aber entgegen den Behauptungen des Beschwerdeführers
nicht fest, dass sich der Geschädigte schon ab Juni 2005, ihm bekannt, in einem
stabilen Zustand befand bzw. dass der medizinische Endzustand erreicht gewesen
sei oder dass dem Verunfallten im Mai 2005 klar war, dass keine weitere
Verbesserung oder Verschlechterung zu erwarten war.
Fehlt es damit an tatsächlichen Feststellungen, aus denen rechtlich geschlossen
werden könnte, der Geschädigte habe vor dem 6. März 2006 im Sinne von Art. 60
OR Kenntnis des Schadens gehabt, bleibt es beim seitens der Vorinstanz
festgestellten frühesten Beginn der Verjährungsfrist am 7. März 2006 (vgl. dazu
BGE 111 II 55 E. 3a S. 58 oben).

3.3 Begann nach dem Ausgeführten die einjährige Verjährungsfrist nach Art. 60
OR am 7. März 2006 zu laufen (Erwägung 3.2) und wurde sie durch das
Vermittlungsbegehren vom 17. Juli 2006 unterbrochen (Erwägung 3.1), waren die
von den Beschwerdegegnerinnen geltend gemachten Ansprüche am Tag der
Einreichung des prosequierten Vermittlungsbegehrens vom 27. März 2007 nicht
verjährt. Es kann damit offen bleiben, ob die Vorinstanz überdies zu Recht
angenommen hat, die vom Beschwerdeführer abgegebenen
Verjährungsverzichtserklärungen hätten gegenüber den Beschwerdegegnerinnen
Wirkung entfaltet.

4.
Was die strittigen VVG-Ansprüche anbelangt, herrscht Einigkeit darüber, dass
die Schadensdeckung seitens der Beschwerdegegnerin 1 gegenüber dem Geschädigten
aufgrund einer (freiwilligen) Zusatzversicherung zur obligatorischen
Krankenversicherung erfolgte, die eine dem VVG unterstellte Schadenversicherung
ist, und dass das Bestehen eines Regressanspruchs der Beschwerdegegnerin 1
(Schadenversicherer) gegenüber dem Beschwerdeführer (Werkeigentümer) durch die
Art. 72 VVG und Art. 51 OR bestimmt wird (vgl. dazu BREHM, a.a.O., N. 68 zu
Art. 51 OR). Ebensowenig wird vorliegend in Frage gestellt, dass von der
Regressordnung nach Art. 51 OR wegen ihrer zwingenden Natur nicht abgewichen
werden kann, weshalb jede Abtretung von Ansprüchen des Geschädigten an einen
Haftpflichtigen unwirksam ist (vgl. Bst. A vorne; BGE 132 III 321 E. 2.3.2.2 S.
327, 626 E. 5.1 S. 639; 115 II 24 E. 2b S. 27). Strittig ist aber, ob der
Beschwerdegegnerin 1 hinsichtlich der VVG-Ansprüche gestützt auf Art. 51 Abs. 2
OR und Art. 72 VVG ein Regressrecht gegen den als Werkeigentümer, d.h. kausal
haftenden Beschwerdeführer zusteht.

4.1 Nach der Regressordnung von Art. 51 Abs. 2 OR hat im Innenverhältnis von
mehreren Ersatzpflichtigen in der Regel derjenige in erster Linie den Schaden
zu tragen, der ihn durch unerlaubte Handlung verschuldet hat, und in letzter
Linie derjenige, der ohne eigene Schuld und ohne vertragliche Verpflichtung
nach Gesetzesvorschrift (kausal) haftet. Nach herrschender Lehre und
Rechtsprechung ist der Versicherer, der den Ersatz des Schadens aus Vertrag
übernommen hat, ein aus Vertrag Haft- bzw. Ersatzpflichtiger im Sinne von Art.
51 Abs. 2 OR und steht somit auf der zweiten Stufe der Regressordnung. Er kann
somit gegenüber demjenigen, der für den Schaden ohne Verschulden aufgrund einer
Gesetzesvorschrift (kausal) haftet, keinen Rückgriff nehmen bzw. muss sich
selber einem allfälligen Rückgriff durch den kausal Haftenden, der
Entschädigung geleistet hat, stellen (BGE 120 II 191 E. 4c; 107 II 489 E. 5a S.
495; 80 II 247 E. 5 S. 254 ff.; vgl. auch BGE 118 II 502 E. 2b S. 505 und E. 3;
114 II 342 E. 3; BREHM, a.a.O., N. 60 f., 82b ff. zu Art. 51 OR; CHRISTOPH
GRABER, in: Basler Kommentar, Versicherungsvertragsgesetz, 2001, N. 7/9 zu Art.
72 VVG; ANTON K. SCHNYDER, in: Basler Kommentar, Obligationenrecht, Bd. I, 4.
Aufl. 2007, N. 22 zu Art. 51 OR; FRANZ WERRO, in: Commentaire Romand, Code des
obligations, Bd. I, 2003, N. 15 ff. zu Art. 51 OR; STEPHAN MAZAN, in:
Handkommentar zum Schweizer Privatrecht, 2007, N. 24 f. zu Art. 51 OR; MORITZ
W. KUHN, Privatversicherungsrecht, 3. Aufl. 2010, S. 312 ff.; PIERRE ENGEL,
Traité des obligations en droit suisse, 2. Aufl. 1997, S. 569 f.; INGEBORG
SCHWENZER, Schweizerisches Obligationenrecht, Allgemeiner Teil, 5. Aufl. 2009,
Rz. 88.33; REY, a.a.O., Rz. 1574; VITO ROBERTO, Schweizerisches
Haftpflichtrecht, 2002, S. 158; YAEL STRUB, Der Regress des
Schadensversicherers de lege lata - de lege ferenda, 2011, S. 67 f., 77).
Der Rückgriff des Versicherers wird zudem spezialgesetzlich in der bereits in
einem früheren Zeitpunkt erlassenen Bestimmung von Art. 72 VVG geregelt. Danach
geht der Ersatzanspruch, der dem Anspruchsberechtigten gegenüber Dritten aus
unerlaubter Handlung zusteht, insoweit auf den Versicherer über, als er
Entschädigung geleistet hat. Nach der Rechtsprechung und herrschenden Lehre
steht diese Bestimmung selbständig neben Art. 51 OR und ist kumulativ zu dieser
anwendbar, wobei es allerdings, um sie mit dem später erlassenen Art. 51 Abs. 2
OR in Einklang zu bringen, nötig ist, die Worte "unerlaubte Handlung" in Art.
72 Abs. 1 VVG mit "schuldhaft" zu ergänzen. Dies führt dazu, dass der
Versicherer gestützt auf diese Bestimmung nur auf einen ausservertraglich
Haftpflichtigen Regress nehmen kann, den ein Verschulden trifft, nicht aber auf
einen allein aus gesetzlicher Vorschrift, d.h. kausal Haftpflichtigen (vgl.
dazu die vorstehend zitierte Rechtsprechung und Literatur).
Die dargestellte herrschende Lehre und Rechtsprechung berücksichtigt
insbesondere, dass Art. 51 OR vom historischen Gesetzgeber gerade im Hinblick
auf Versicherungsgesellschaften ins Gesetz aufgenommen wurde; es erschien
diesem unbillig, dass die Versicherungen Schäden auf Ersatzpflichtige abwälzen
können, die bloss aufgrund einer Gesetzesvorschrift und ohne eigenes
Verschulden haften, während sie selbst die Schadensmöglichkeiten in ihre
Prämien einkalkulieren und sich auf diese Weise bis zu einem gewissen Grade zum
Voraus für künftige Schäden bezahlt machen können; der Gesetzgeber wollte daher
den Versicherer den Schaden vor dem kausal, ohne Verschulden Haftenden tragen
lassen (vgl. dazu BGE 80 II 247 E. 5 S. 255; 63 II 143 E. 7 S. 155; 47 II 408
E. 4 S. 415 f.; 45 II 638 E. 4; BREHM, a.a.O., N. 82d zu Art. 51 OR; GRABER,
a.a.O., N. 6 zu Art. 72 VVG; HONSELL, Schweizerisches Haftpflichtrecht, 4.
Aufl. 2005, § 11 Rz. 42).
Dass den Beschwerdeführer vorliegend ein Verschulden am Unfall des Geschädigten
treffe, und er daher ausser als Werkeigentümer auch als
Verschuldenshaftpflichtiger herangezogen werden könnte, ist den
vorinstanzlichen Feststellungen nicht zu entnehmen (vgl. dazu BGE 107 II 489 E.
5b S. 496; 77 II 243 E. 2 S. 248). Ebensowenig sind besondere Umstände
festgestellt, die ein Abweichen von der bloss "in der Regel" geltenden
Regressordnung nach Art. 51 Abs. 2 OR rechtfertigen könnten (vgl. dazu BGE 76
II 387 E. 4 S. 392 f.; 47 II 408 E. 4; 45 II 638 E. 4 S. 649; BREHM, a.a.O., N.
80 ff., 84 zu Art. 51 OR; STRUB, a.a.O., S. 82). Nach der Rechtsprechung und
herrschenden Lehre kommt daher der Beschwerdegegnerin 1 gegenüber dem
Beschwerdegegner kein Regressanspruch zu.

4.2 Gegen die herrschende Auffassung ist allerdings in der Literatur Kritik
erwachsen, die sich auf beachtliche Argumente zu stützen vermag. So führte
ANDREAS VON THUR bereits im Jahre 1922 aus, es sei Zweck der Versicherung, dem
Versicherten einen Schaden zu ersetzen, und zwar auch dann, wenn ihm für diesen
Schaden ein Dritter nach gesetzlicher Vorschrift hafte. Denn dem Versicherten
solle die Mühe und das Risiko eines Prozesses gegen den Dritten erspart
bleiben. Dagegen habe die Versicherung nicht den Zweck, den Dritten von der
Haftung zu entlasten, die ihm das Gesetz auferlege; es sei nicht einzusehen,
weshalb eine vom Gesetz als angemessen erachtete Haftung durch den Umstand
ausgeschlossen sein solle, dass der Geschädigte einen Versicherungsvertrag
abgeschlossen und Prämien bezahlt habe. Eine solche Entlastung des nur durch
Gesetzesvorschrift Haftenden könnte diesen überdies dazu verleiten, Massregeln
zu unterlassen, durch die eine Schädigung des Versicherten vermieden werden
könnten (ANDREAS VON THUR, Rückgriff des Versicherers nach Art. 51 OR und Art.
72 VVG, SJZ 1922 S. 233 ff., 235).
Dieser Kritik ist das Bundesgericht in einem einzelnen, vor längerer Zeit
ergangen Urteil offenbar gefolgt, indem es ausführte, es sei nicht einzusehen,
wieso ein Dritter, nach Gesetz Haftender davon profitieren dürfen sollte, dass
der Geschädigte oder sein Arbeitgeber Versicherungsprämien bezahlt habe (BGE 63
II 143 E. 7 S. 156; dazu STRUB, a.a.O., S. 81 f.). Daran wurde aber in späteren
Entscheiden unter Nachachtung des historisch-gesetzgeberischen Willens nicht
festgehalten (vgl. BGE 76 II 387 E. 2 S. 390 f.; 77 II 243 E. 2 S. 247 f.; 80
II 247 E. 5 S. 255; 103 II 330 E. 4b/dd S. 337).
Der vorstehend dargestellten Kritik VON THURS an der herrschenden Auffassung
bzw. an der de lege lata bestehenden Rechtslage haben sich im Laufe der Zeit
verschiedene Autoren angeschlossen. Es wird von ihnen namentlich als eine
Fehlentscheidung des Gesetzgebers bezeichnet, dem Versicherer durch die
Einreihung in die zweite Stufe der Regressordnung nach Art. 51 Abs. 2 OR den
Rückgriff auf kausal Haftpflichtige zu nehmen. Der Versicherer werde zu Unrecht
als Haftpflichtiger im Sinne von Art. 50 f. OR behandelt, obwohl er den Schaden
in Erfüllung seiner primären Leistungspflicht aus dem Versicherungsvertrag
decke und nicht (sekundären) Schadenersatz aus Nicht- oder Schlechterfüllung
des Vertrages leiste. Dem Versicherer den Rückgriff auf Kausalhaftpflichtige zu
verwehren, führe auch zu einer falschen Kostenverteilung, weil die Zahlung von
Schäden die vertragliche Gegenleistung zum Einkassieren von Prämien sei, die
nicht bezahlt würden, um Kausalhaftpflichtige zu entlasten, und die, da
aufgrund von Statistiken berechnet, reduziert werden könnten, wenn dem
Versicherer der Rückgriff auf kausal Haftpflichtige erlaubt würde. Ein
Abweichen von der bestehenden Praxis bzw. eine Änderung de lege ferenda sei
auch geboten, weil sich die Verhältnisse mit der Einführung zahlreicher Kausal-
und Gefährdungshaftungstatbestände stark geändert hätten; die bestehende Praxis
bzw. Rechtslage sei nicht mehr zeitgemäss und führe auch zu unverständlichen
Unterschieden zur Regelung im Sozialversicherungsrecht, wo den Versicherern vom
Gesetz (Art. 72 Abs. 1 ATSG; SR 830.1) ein integrales Regressrecht zuerkannt
werde (vgl. OFTINGER/STARK, a.a.O., § 11 Rz. 31 ff., 65 ff.; HONSELL, 2005,
a.a.O., § 11 Rz. 40 f.; derselbe, Der Regress des Versicherers im
schweizerischen Recht, in: Mélanges en l'honneur du Professeur Bruno Schmidlin,
1998, S. 279 ff.; ALFRED KOLLER, Schweizerisches Obligationenrecht, Allgemeiner
Teil, 3. Aufl. 2009, § 75 Rz. 186/191; HÜRZELER/TAMM/BIAGGI,
Personenschadensrecht, 2010, S. 262 f.; MÜLLER, 2010, a.a.O., S. 49 ff.;
ALEXANDRA RUMO-JUNGO, Zusammenspiel zwischen Haftpflicht und beruflicher
Vorsorge, in: Festschrift für Heinz Hausheer, 2002, S. 611 ff., 620 f.; vgl.
auch die Wiedergabe der Kritik in BGE 132 III 321 E. 2.3.2.3 S. 328 mit
weiteren Literaturhinweisen sowie die Kritik an der bestehenden Rechtslage und
die Anregung einer Gesetzesänderung bei STRUB, a.a.O., S. 77 ff., 81 ff., 86
f.; ferner: BREHM, a.a.O., N. 121 ff. zu Art. 51 OR). Die geltende Praxis
betone das Verschuldensprinzip zu stark und berücksichtige nicht, dass sich
eine Heranziehung des kausal Haftenden zur Schadensdeckung rechtfertige, weil
er von einer Tätigkeit, einem Werk oder dem Betrieb einer Anlage profitiere
(STRUB, a.a.O., S. 89 f.). Überdies führe die geltende, für die Versicherer
ungünstige Regressordnung zu Präventivmassnahmen derselben in Form von
Deckungsausschluss- und Subsidiaritätsklauseln in den AVB (ALEXANDER MÜLLER,
Regress im Schadensausgleichsrecht unter besonderer Berücksichtigung des
Privatversicherers, 2006, S. 99 f.; derselbe, 2010, a.a.O., S. 50 f.; STRUB,
a.a.O., S. 79 ).

4.3 Die dargestellte Kritik fand bei jüngeren Gesetzgebungsarbeiten
Berücksichtigung.
So wurde im Rahmen der einst geplanten, vom Bundesrat aber aufgegebenen (vgl.
die Medienmitteilung des Eidg. Justiz- und Polizeidepartements vom 21. Januar
2009 in: www.bj.admin.ch/bj/de/home/ themen/wirtschaft/rechtsetzung/
abgeschlossene_rechtsetzungsprojekte/haftplicht.html) Gesamtrevision und
Vereinheitlichung des Haftpflichtrechts ein integrales Regressrecht des
Versicherers ins Auge gefasst, das diesem einen Rückgriff auf einen Dritten
unabhängig davon erlauben sollte, auf welcher Grundlage dieser ersatzpflichtig
ist (vgl. dazu WERRO, a.a.O., N. 25 zu Art. 51 OR). Diese unbeschränkte
Subrogation wurde allerdings wieder relativiert, indem das Rückgriffsrecht bzw.
dessen Umfang von der Würdigung "aller Umstände" abhängig gemacht und damit dem
richterlichen Ermessen unterstellt wurde (HAUSHEER/JAUN, Regress, ZBJV 2000 S.
927 ff., 929; STRUB, a.a.O., S. 94 f.; RUMO-JUNGO, a.a.O., S. 624 f.).
Ein integrales Regressrecht des Versicherers wird auch in der laufenden
Revision des VVG vorgeschlagen. So sehen sowohl der Art. 63 Abs. 2 VE-VVG vom
31. Juli 2006 der Expertenkommission Totalrevision VVG als auch der Art. 76
Abs. 2 VE-VVG vom 21. Januar 2009 des Eidg. Finanzdepartements (EFD;
Vernehmlassungsvorlage) ohne weitere Einschränkung vor, dass der
Schadenversicherer für die von ihm gedeckten gleichartigen Schadensposten im
Umfang und zum Zeitpunkt seiner Leistung in die Rechte der versicherten Person
eintritt. Im Erläuternden Bericht der Expertenkommission zum Vorentwurf vom 31.
Juli 2006 (S. 60) und im Erläuternden Bericht des EFD vom 24. Februar 2009 zur
Vernehmlassungsvorlage (S. 69 f.) wird dazu u.a. folgendes ausgeführt:
"Der Geschädigte wird in aller Regel darauf verzichten, den beschwerlichen Weg
der Anspruchsdurchsetzung gegenüber einem Ersatzpflichtigen zu beschreiten,
wenn er seinen Anspruch auch gegenüber einem Versicherungsunternehmen geltend
machen kann. Artikel 76 Absatz 2 E-VVG übernimmt deshalb den Grundgedanken von
Artikel 72 Absatz 1 VVG und führt diesen den praktischen Bedürfnissen
entsprechend weiter, indem er im Rahmen der vom leistenden
Versicherungsunternehmen gedeckten gleichartigen Kategorien von Schadensposten
den Eintritt (Subrogation) in die Rechte des Versicherten statuiert. Damit soll
im Gegensatz zum geltenden Recht (Art. 72 Abs. 1 VVG: Rückgriff grundsätzlich
nur auf den aus unerlaubter Handlung [Verschulden] Haftpflichtigen) das
Versicherungsunternehmen gegen sämtliche Ersatzpflichtige vorgehen können -
unabhängig davon, ob diese aus unerlaubter Handlung, Vertragsverletzung oder
aus einer Kausalhaftung zum Ersatz verpflichtet sind. Ähnlich wie dem
Sozialversicherer (Art. 72 Abs. 1 ATSG) soll auch dem privaten
Schadensversicherungsunternehmen ein umfassendes (integrales) Regressrecht
gegen sämtliche Haftpflichtige eingeräumt werden. Es gibt keine Gründe, weshalb
gewisse Haftungskategorien vom Regress ausgeschlossen werden sollten, vielmehr
führt die Belastung der Risikogemeinschaft des Schadensverursachers auch zu
einer sinnvollen Kostenverteilung. Zudem wird mit einer Ausweitung des
Regressrechts die Regressabwicklung wesentlich vereinfacht. Artikel 76 Absatz 2
E-VVG geht den allgemeinen Bestimmungen von Artikel 50 f. OR vor und lässt, im
Gegensatz zum dispositiven Artikel 72 Absatz 1 VVG, aufgrund seiner zwingenden
Ausgestaltung keinen Raum für Abreden, die den Versicherungsnehmer
benachteiligen könnten (so ist beispielsweise die Zession zukünftiger
Haftpflichtansprüche an das Versicherungsunternehmen nicht mehr zulässig)".
Der vorgeschlagenen Regelung ist im Vernehmlassungsverfahren keine Opposition
erwachsen (vgl. Bericht des EFD vom Oktober 2009 über die
Vernehmlassungsergebnisse zur Revision des VVG, S. 42).

4.4 In einem vor einigen Jahren ergangenen Urteil (BGE 126 III 521 E. 2b S. 522
f.) hatte das Bundesgericht darüber zu entscheiden, ob dem Arbeitgeber für die
Lohnfortzahlungen an einen verunfallten Arbeitnehmer ein Regressrecht gegen den
Unfallverursacher zustehe. Es bejahte dies, wobei es sich auf eine
Argumentation stützte, die sich teilweise derjenigen annähert, welche zur
Begründung der Kritik an der Praxis zum Regressrecht der Schadenversicherer
angeführt wird (vgl. Erwägung 4.2 vorne). Das Bundesgericht nahm mangels
gesetzlicher Regelung bezüglich des Regressanspruchs des Arbeitgebers eine
Gesetzeslücke an, die in analoger Anwendung von Art. 51 Abs. 2 OR zu schliessen
sei. Eine unmittelbare Anwendung dieser Bestimmung falle, wie das Bundesgericht
ausführte, ausser Betracht, da der Arbeitgeber nicht zum Kreis der gemäss Art.
51 OR Haftpflichtigen zähle, sondern mit der Lohnzahlung unabhängig vom
schädigenden Ereignis seine gesetzliche oder vertragliche Leistungspflicht
erfülle. Da der Arbeitgeber seinen Vertrag erfülle und nicht aus
Schlechterfüllung für den entstandenen Schaden hafte, könne die in Art. 51 Abs.
2 OR vorgesehene Abstufung nach der Haftung aus unerlaubter Handlung, Vertrag
oder Gesetz nicht auf die Lohnfortzahlung des Arbeitgebers übertragen werden.
Der Regress stehe dem Arbeitgeber auch gegenüber einem kausal Haftenden zu, da
sich die Lohnfortzahlungspflicht nicht zu dessen Gunsten auswirken solle. Der
Arbeitgeber sei diesbezüglich den subrogierenden Sozial- und
Schadensversicherern gleichzustellen, auch wenn diese ihre Rechtsstellung
bereits im Unfallzeitpunkt erlangt hätten.
In der Lehre wird dieses Urteil teilweise als Anzeichen eines
"Gesinnungswandels" des Bundesgerichts verstanden, der "Hoffnungen" auf eine
Praxisänderung im Sinne der Einräumung eines integralen Regresses zu Gunsten
des Schadensversicherers aufkommen lasse; indem das Bundesgericht für die
Auslegung auf die Subrogation des Sozial- und Schadensversicherers zurückgreife
und diese Versicherer gleich behandle, gestehe es Letzterem implizit ein
Regressrecht ein (so MÜLLER, 2010, a.a.O., S. 54; derselbe, 2006, a.a.O., S. 97
f.). Andere Autoren bezweifeln zwar, ob allein der Umstand, dass die Situation
des Arbeitgebers vom Bundesgericht auch mit der des Schadensversicherers
verglichen wird, für eine Praxisänderung spreche, und vermuten, es könnte sich
dabei um ein redaktionelles Versehen handeln (HAUSHEER/JAUN, a.a.O., S. 929; so
sinngemäss auch WOLFGANG PORTMANN, Die Ersatzpflicht des Schädigers eines
Arbeitnehmers für Lohnfortzahlungen und Nebenleistungen des Arbeitnehmers, ARV
2001 S. 110 ff., 113; vgl. auch KOLLER, a.a.O., § 75 Rz. 190). Es wird aber von
ihnen, wie auch von weiteren Autoren, betont, dass die Argumentation des
Bundesgerichts für den integralen Regress des Arbeitgebers, um Widersprüche zu
vermeiden, auch bei der Beurteilung der Frage, ob dem Schadensversicherer ein
integraler Regress einzuräumen sei, Geltung beanspruchen können müsse (ROLAND
SCHAER, Modernes Versicherungsrecht, 2007, § 22 Rz. 7 ff., 85 ff.; HAUSHEER/
JAUN, a.a.O., S. 929; RUMO-JUNGO, a.a.O., S. 621; STRUB, a.a.O., S. 91 f.).

4.5 Die Vorinstanz berücksichtigte bei ihrem Entscheid, der Beschwerdegegnerin
1 ein Regressrecht auf den Beschwerdeführer zuzugestehen, im Wesentlichen die
vorstehend erwähnte Kritik in der Lehre am Ausschluss eines Rückgriffsrechts
des Schadensversicherers auf Kausalhaftpflichtige (Erwägung 4.2 vorne), die
Gesetzgebungsarbeiten zur Revision des VVG (Erwägung 4.3 vorne) und die
Ausführungen des Bundesgerichts in BGE 126 III 521 (Erwägung 4.4 vorne) und in
BGE 63 II 521 E. 7 (Erwägung 4.2 vorne). Sie kam in ihren sorgfältig
begründeten Erwägungen zum Schluss, die allgemeinen Rechtsanschauungen und die
Rahmenbedingungen hätten sich seit Erlass der Bestimmung von Art. 51 Abs. 2 OR
wesentlich geändert, indem sich ein fein abgestimmtes und ausgewogenes System
von Privat- und Sozialversicherungen entwickelt und das Verschuldensprinzip
durch die Einführung von immer mehr Kausalhaftungstatbeständen infolge der
technischen Entwicklung in den Hintergrund getreten sei. Dementsprechend sei
der Wille des historischen Gesetzgebers zu relativieren und eine von der
herrschenden Lehre und Rechtsprechung abweichende Auslegung von Art. 51 Abs. 2
OR und Art. 72 VVG angebracht, der auch der Wortlaut und die systematische
Stellung der Bestimmungen im Gesetz nicht entgegenstünden.

4.6 Eine Änderung der Praxis lässt sich regelmässig nur begründen, wenn die
neue Lösung besserer Erkenntnis der ratio legis, veränderten äusseren
Verhältnissen oder gewandelter Rechtsanschauung entspricht; andernfalls ist die
bisherige Praxis beizubehalten. Eine Praxisänderung muss sich deshalb auf
ernsthafte sachliche Gründe stützen können, die - vor allem im Interesse der
Rechtssicherheit - umso gewichtiger sein müssen, je länger die als falsch oder
nicht mehr zeitgemäss erachtete Rechtsanwendung gehandhabt worden ist (BGE 136
V 313 E. 5.3.1; 136 III 6 E. 3 mit Hinweisen).
Unter den im heutigen Zeitpunkt gegebenen Umständen rechtfertigt sich
vorliegend keine Praxisänderung. Dass dem Schadensversicherer kein
Rückgriffsrecht gegen Kausalhaftpflichtige zusteht, entspricht der wohl nach
wie vor herrschenden Lehre und der jahrzehntealten konstanten Praxis des
Bundesgerichts. Das Bundesgericht ist von dieser trotz der bereits seit dem
Jahre 1922 geübten Kritik, die im Laufe der Jahre auch dogmatisch weiter
untermauert wurde, nur in einem isolierten, vor langer Zeit beurteilten Fall
(BGE 63 II 143 E. 7; vorstehende Erwägung 4.2) abgewichen. Unter diesen
Umständen ist davon auszugehen, dass sich die Versicherungspraxis auf die
entsprechende Rechtslage eingestellt hat, so dass eine Änderung der
Rechtsprechung im heutigen Zeitpunkt aus Rechtssicherheitsgründen besonders
gewichtige Gründe voraussetzt (vgl. dazu BREHM, a.a.O., N. 80c zu Art. 51 OR).
Mit der konstanten Rechtsprechung wird dem eindeutigen Willen des historischen
Gesetzgebers nachgelebt, dass der Versicherer, der sich durch die Prämien für
mögliche Schadenfälle bezahlt macht, den Schaden in der Regel vor einem ohne
sein Verschulden Haftenden tragen soll. Auch wenn dieser klare gesetzgeberische
Entscheid zu einer diskussionswürdigen Kostenverteilung für Schadensereignisse
führen mag, ist es nicht ohne weiteres Sache der Rechtsprechung, diesen zu
ändern, auch wenn seither einige Zeit verflossen ist. Dies umso weniger, wenn
sich - wie im vorliegenden Fall - der Gesetzgeber selber im Rahmen einer
umfassenden Gesetzesrevision der Frage angenommen hat. In diesem Fall
rechtfertigt es sich nicht, der Revision vorzugreifen, auch wenn diese im
fraglichen Punkt in die von der Vorinstanz eingeschlagene Richtung geht und
sich vorliegend das Bestehen von geänderten Auffassungen und Verhältnissen im
Gesetzgebungsverfahren erhärtet zu haben scheint (vgl. Erwägung 4.3 vorne in
fine). Vielmehr ist das Inkrafttreten der Revision abzuwarten, in deren Rahmen
auch allenfalls erforderliche Abstimmungen mit anderen Vorschriften vorgenommen
werden können.
Die vorgesehene Revision zielt zudem auf eine Änderung des bisherigen Rechts
ab, gehen doch auch die Expertenkommission und das EFD hinsichtlich der
heutigen Rechtslage von der bestehenden Praxis aus (Erwägung 4.3). Unter diesen
Umständen kann die Revision weder bei der Auslegung des geltenden Rechts
berücksichtigt werden noch die verlangte Praxisänderung rechtfertigen (vgl. in
diesem Sinn auch BGE 136 III 6 E. 6 in fine).
Eine Praxisänderung lässt sich auch aufgrund des in den Erwägungen von BGE 126
III 521 Ausgeführten nicht begründen. Zunächst ist es offensichtlich, dass das
Bundesgericht mit der blossen Erwähnung der Schadensversicherer neben den
subrogierenden Sozialversicherern nicht von der bestehenden Praxis zum
Regressrecht der Schadenversicherer abweichen wollte; hierzu hätte es einer
eingehenden Begründung bedurft. Nach der - wohl diskutablen, aber von der
konstanten Praxis und herrschenden Lehre beachteten - Logik und Wertung des
historischen Gesetzgebers drängt sich sodann eine Gleichbehandlung des
Arbeitgebers, der dem verunfallten Arbeitnehmer den Lohn fortzahlt, mit dem
Schadenversicherer nicht auf. So erbringt der Versicherer seine Leistung an den
Geschädigten aufgrund einer vertraglichen Verpflichtung, für die er eine
Gegenleistung in Form von Versicherungsprämien erhalten hat, während der
Arbeitgeber im Krankheitsfall von Gesetzes wegen zur Lohnfortzahlung
verpflichtet ist, ohne dass er dafür die Arbeitsleistung oder eine andere
spezifische Gegenleistung erhält (so auch MÜLLER, 2006, a.a.O., S. 98). Zudem
erbringt der Versicherer seine Leistung im Gegensatz zum Arbeitgeber nicht
unabhängig von einem schädigenden Ereignis. Entsprechend wurde der Entscheid in
der Lehre denn auch zu Recht nicht als klare Ankündigung einer
Rechtsprechungsänderung verstanden (Erwägung 4.4 vorne).

4.7 Nach dem Gesagten ist die von der Vorinstanz vorgeschlagene Praxisänderung
abzulehnen. Demzufolge gestand die Vorinstanz der Beschwerdegegnerin 1 zu
Unrecht ein Regressrecht gegenüber dem Beschwerdeführer für die VVG-Ansprüche
in der Höhe von Fr. 94'129.10 nebst Zins zu. Insoweit ist die Beschwerde
gutzuheissen und die Klage der Beschwerdegegnerin 1 ist unter teilweiser
Aufhebung des angefochtenen Entscheids abzuweisen.
Bei dieser Sachlage stellt sich die Frage nicht mehr, ob der Beschwerdeführer
als Miteigentümer an der Liegenschaft N.________gasse gegenüber der auf ihn
regressierenden Beschwerdegegnerin 1 solidarisch für den ganzen Schaden bzw.
alle Miteigentumsanteile haftbar wäre oder nur für den auf seinen
Miteigentumsanteil entfallenden Teil des Schadens.

5.
Die Beschwerde ist demnach teilweise gutzuheissen und das angefochtene Urteil
aufzuheben, soweit es den Beschwerdeführer in Bestätigung des Urteils des
Bezirksgerichts Maloja vom 5. Mai 2009 verpflichtet, der Beschwerdegegnerin 1
Fr. 94'129.10 zuzüglich Zins ab 28. März 2007 zu bezahlen. Die Klage der
Beschwerdegegnerin 1 ist abzuweisen. Im Mehrumfang, d.h. soweit sie sich gegen
die Gutheissung der Klage der Beschwerdegegnerin 2 richtet, ist die Beschwerde
abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann. Ferner ist die Sache zur
Neuregelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen des kantonalen Verfahrens an
die Vorinstanz zurückzuweisen.
Bezogen auf den strittigen Gesamtbetrag von Fr. 123'866.45 unterliegt der
Beschwerdeführer zu rund einem Viertel und die Beschwerdegegnerin 1 zu rund
drei Vierteln. Die Gerichtskosten von Fr. 5'000.-- sind demnach zu einem
Viertel dem Beschwerdeführer und zu drei Vierteln der Beschwerdegegnerin 1
aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG). Nach Massgabe des Obsiegens und Unterliegens
hat die Beschwerdegegnerin 1 den Beschwerdeführer für das bundesgerichtliche
Verfahren mit Fr. 4'500.-- und der Beschwerdeführer die Beschwerdegegnerin 2
mit Fr. 1'500.-- zu entschädigen (Art. 68 Abs. 1 und 2 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen und das angefochtene Urteil des
Kantonsgerichts Graubünden vom 9. Februar 2010 aufgehoben, soweit darin der
Beschwerdeführer in Bestätigung des Urteils des Bezirksgerichts Maloja vom 5.
Mai 2009 verpflichtet wird, der Beschwerdegegnerin 1 Fr. 94'129.10 zuzüglich 5
% Zins ab 28. März 2007 zu bezahlen. Die Klage der Beschwerdegegnerin 1 wird
abgewiesen.

Im Mehrumfang, d.h. soweit sie sich gegen die Gutheissung der Klage der
Beschwerdegegnerin 2 richtet, wird die Beschwerde abgewiesen, soweit darauf
einzutreten ist.

2.
Die Sache wird zur Neuregelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen des
kantonalen Verfahrens an die Vorinstanz zurückgewiesen.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 5'000.-- werden im Umfang von Fr. 1'250.-- dem
Beschwerdeführer und im Umfang von Fr. 3'750.-- der Beschwerdegegnerin 1
auferlegt.

4.
Die Beschwerdegegnerin 1 hat den Beschwerdeführer für das bundesgerichtliche
Verfahren mit Fr. 4'500.-- zu entschädigen.

5.
Der Beschwerdeführer hat die Beschwerdegegnerin 2 für das bundesgerichtliche
Verfahren mit Fr. 1'500.-- zu entschädigen.

6.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht von Graubünden, II.
Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 7. Juni 2011
Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Klett Widmer