Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 4A.598/2010
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
4A_598/2010

Urteil vom 11. April 2011
I. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Klett, Präsidentin,
Bundesrichter Corboz,
Bundesrichterin Rottenberg Liatowitsch,
Gerichtsschreiber Leemann.

Verfahrensbeteiligte
Gemeinsame Einrichtung KVG,
vertreten durch Rechtsanwälte Dr. Jürg Rieben und Viviane Gehri-Burkhardt,
Beschwerdeführerin,

gegen

1. A.________,
vertreten durch Rechsanwalt Arthur Zeller,
2. B.________,
vertreten durch Fürsprecher
Dr. Urs Oswald und Andreas Edelmann,
3. C.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Stephan Stulz,
4. D.________,
5. E.________,
6. F.________,
7. G.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Markus Schmid,
8. Y.________ AG,
vertreten durch Rechtsanwalt Prof. Dr. Lukas Handschin,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Organhaftung,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau, Zivilgericht,
2. Kammer, vom 19. August 2010.
Sachverhalt:

A.
Die Gemeinsame Einrichtung KVG (Beschwerdeführerin) ist eine Stiftung mit Sitz
in Solothurn. Sie bezweckt die Erfüllung der ihr durch das Bundesgesetz vom 18.
März 1994 über die Krankenversicherung (KVG; SR 832.10) zugewiesenen Aufgaben.
Sie übernimmt unter anderem die Kosten für die gesetzlichen Leistungen anstelle
von zahlungsunfähigen Versicherern.
Die Z.________ war ebenfalls als Stiftung organisiert. A.________
(Beschwerdegegner 1), B.________ (Beschwerdegegner 2), C.________
(Beschwerdegegnerin 3), D.________ (Beschwerdegegner 4), E.________
(Beschwerdegegner 5) sowie F.________ (Beschwerdegegner 6) waren als
Stiftungsräte der Z.________ tätig. G.________ (Beschwerdegegner 7) war
Geschäftsführer, die Y.________ AG (Beschwerdegegnerin 8), die Revisionsstelle
der Z.________.
Am 13. Oktober 2003 wurde über die Z.________ der Konkurs eröffnet. Im
Konkursverfahren liess sich die Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 260 SchKG
die Verantwortlichkeitsansprüche gegen die ehemaligen Organe der Z.________
abtreten.

B.
B.a Am 27. Juni 2007 erhob die Beschwerdeführerin Klage beim Bezirksgericht
Zurzach mit dem Antrag, es seien die Beschwerdegegner unter solidarischer
Haftung zur Zahlung von Fr. 10 Mio. zu verurteilen, zuzüglich Zins zu 5 % seit
dem 15. November 2003. Sie machte insbesondere geltend, der behauptete Schaden
sei auf eine unkontrollierte Expansionsstrategie zurückzuführen, die zum
Niedergang der Z.________ geführt habe.
Mit Entscheid vom 24. September 2007 hiess das Obergericht des Kantons Aargau
ein Ausstandsbegehren des Bezirksgerichts Zurzach gut und überwies das
Verfahren zur Beurteilung an das Bezirksgericht Laufenburg. Mit Urteil vom 27.
März 2009 wies das Bezirksgericht Laufenburg die Klage ab.
B.b Mit Urteil vom 19. August 2010 wies das Obergericht des Kantons Aargau eine
von der Beschwerdeführerin gegen das Urteil des Bezirksgerichts Laufenburg vom
27. März 2009 erhobene Appellation mangels rechtsgenüglicher Substantiierung
des durch die kritisierte Expansionsstrategie entstandenen Schadens ab.

C.
Mit Beschwerde in Zivilsachen beantragt die Beschwerdeführerin dem
Bundesgericht, es sei der Entscheid des Obergerichts des Kantons Aargau vom 19.
August 2010 aufzuheben und die Beschwerdegegner seien unter solidarischer
Haftung zur Zahlung von Fr. 10 Mio., zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 15.
November 2003, zu verurteilen. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung
bzw. mit Bezug auf den Beschwerdegegner 7 "zur Klärung der Zuständigkeit und
gegebenenfalls zur Weiterleitung an das zuständige Gericht" an die Vorinstanz
zurückzuweisen.
Die Beschwerdegegner beantragen die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf
einzutreten sei. Die Vorinstanz hat auf eine Vernehmlassung verzichtet.

Erwägungen:

1.
1.1 Gemäss Art. 75 Abs. 1 BGG ist die Beschwerde nur zulässig gegen Entscheide
letzter kantonaler Instanzen und des Bundesverwaltungsgerichts.
Letztinstanzlichkeit im Sinne dieser Bestimmung bedeutet, dass der kantonale
Instanzenzug für die Rügen, die dem Bundesgericht vorgetragen werden,
ausgeschöpft sein muss (BGE 134 III 524 E. 1.3 S. 527 mit Hinweisen). Auf
Rügen, die der Beschwerdeführer vor der Vorinstanz nicht den prozessualen
Anforderungen entsprechend erhoben hat, obwohl ihm dies möglich gewesen wäre,
tritt das Bundesgericht nicht ein.

1.2 Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1
BGG). Es ist somit weder an die in der Beschwerde geltend gemachten Argumente
noch an die Erwägungen der Vorinstanz gebunden; es kann eine Beschwerde aus
einem anderen als dem angerufenen Grund gutheissen und es kann eine Beschwerde
mit einer von der Argumentation der Vorinstanz abweichenden Begründung abweisen
(vgl. BGE 134 II 235 E. 4.3.4 S. 241). Immerhin prüft das Bundesgericht, unter
Berücksichtigung der allgemeinen Begründungspflicht der Beschwerde (Art. 42
Abs. 1 und 2 BGG), grundsätzlich nur die geltend gemachten Rügen, sofern die
rechtlichen Mängel nicht geradezu offensichtlich sind. Es ist jedenfalls nicht
gehalten, wie eine erstinstanzliche Behörde alle sich stellenden rechtlichen
Fragen zu untersuchen, wenn diese vor Bundesgericht nicht mehr vorgetragen
werden (BGE 135 II 384 E. 2.2.1 S. 389; 134 III 102 E. 1.1 S. 104 f.; 133 III
545 E. 2.2 S. 550). Eine qualifizierte Rügepflicht gilt hinsichtlich der
Verletzung von Grundrechten und von kantonalem und interkantonalem Recht. Das
Bundesgericht prüft eine solche Rüge nur insofern, als sie in der Beschwerde
präzise vorgebracht und begründet worden ist (Art. 106 Abs. 2 BGG).
Macht der Beschwerdeführer eine Verletzung von Art. 9 BV geltend, genügt es
nicht, wenn er einfach behauptet, der angefochtene Entscheid sei willkürlich;
er hat vielmehr im Einzelnen zu zeigen, inwiefern der angefochtene Entscheid
offensichtlich unhaltbar ist (BGE 134 II 349 E. 3 S. 352; 133 I 1 E. 5.5 S. 5;
130 I 258 E. 1.3 S. 262).
Unerlässlich ist im Hinblick auf Art. 42 Abs. 2 sowie Art. 106 Abs. 2 BGG, dass
die Beschwerde auf die Begründung des angefochtenen Entscheids eingeht und im
Einzelnen aufzeigt, worin eine Rechtsverletzung liegt. Der Beschwerdeführer
soll in der Beschwerdeschrift nicht bloss die Rechtsstandpunkte, die er im
kantonalen Verfahren eingenommen hat, erneut bekräftigen, sondern mit seiner
Kritik an den als rechtsfehlerhaft erachteten Erwägungen der Vorinstanz
ansetzen (vgl. BGE 134 II 244 E. 2.1 S. 245 f.; 121 III 397 E. 2a S. 400; 116
II 745 E. 3 S. 749). Ferner hat die Begründung in der Beschwerdeschrift selbst
zu erfolgen und der blosse Verweis auf Ausführungen in anderen Rechtsschriften
oder auf die Akten reicht nicht aus (BGE 133 II 396 E. 3.1 S. 399 f.; 131 III
384 E. 2.3 S. 387 f.; je mit Hinweisen).

1.3 Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die
Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Es kann die
Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz nur berichtigen oder ergänzen, wenn sie
offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art.
95 BGG beruht (Art. 105 Abs. 2 BGG) und die Behebung des Mangels für den
Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1 BGG). Neue
Tatsachen und Beweismittel dürfen nur soweit vorgebracht werden, als der
Entscheid der Vorinstanz dazu Anlass gibt (Art. 99 Abs. 1 BGG).
Der Beschwerdeführer, der die Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz
anfechten will, muss substantiiert darlegen, inwiefern die Voraussetzungen
einer Ausnahme gemäss Art. 105 Abs. 2 BGG gegeben sind und das Verfahren bei
rechtskonformer Ermittlung des Sachverhalts anders ausgegangen wäre;
andernfalls kann ein Sachverhalt, der vom im angefochtenen Entscheid
festgestellten abweicht, nicht berücksichtigt werden. Auf eine Kritik an den
tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz, die diesen Anforderungen nicht
genügt, ist nicht einzutreten (BGE 133 II 249 E. 1.4.3 S. 254 f.).

1.4 Die Beschwerdeführerin verkennt diese Grundsätze über weite Strecken.
1.4.1 Der Beschwerdegegner 7 hatte in seiner Klageantwort zunächst die Einrede
der sachlichen Unzuständigkeit des Bezirksgerichts erhoben und sich auf den
Standpunkt gestellt, dass die Beurteilung der auf einem Arbeitsvertrag
beruhenden Klage gegen ihn in die sachliche Kompetenz des Arbeitsgerichts
falle, was die Beschwerdeführerin bestritt. In seiner Appellationsantwort vom
15. Juni 2009 führte der Beschwerdegegner 7 aus, dass er an seiner Einrede der
sachlichen Zuständigkeit nicht mehr festhalte. Auf die nunmehr erstmals vor
Bundesgericht erhobene Rüge der Beschwerdeführerin, nicht das von ihr selbst
angerufene Bezirksgericht, sondern das Arbeitsgericht sei für die Beurteilung
ihrer Klage gegen den Beschwerdegegner 7 zuständig, ist mangels Ausschöpfung
des kantonalen Instanzenzugs (vgl. Art. 75 BGG) nicht einzutreten. Die
Beschwerdeführerin hatte vor der Vorinstanz die angeblich nicht gegebene
sachliche Zuständigkeit der Erstinstanz nicht in Frage gestellt, sondern in der
Appellationsbegründung im Gegenteil vorgebracht, das Bezirksgericht Laufenburg
habe die sachliche Zuständigkeit auch in Bezug auf den Beschwerdegegner 7 zu
Recht bejaht.
Abgesehen davon verhält sich die Beschwerdeführerin widersprüchlich und
treuwidrig (Art. 2 ZGB), wenn sie zunächst selbst mit einer Klage an das
Bezirksgericht gelangt, die Unzuständigkeitseinrede des Beschwerdegegners 7 im
erstinstanzlichen Verfahren bestreitet und sich auch in ihrer
Appellationsbegründung vor der Vorinstanz ausdrücklich auf den Standpunkt
stellt, das Bezirksgericht Laufenburg habe die sachliche Zuständigkeit in Bezug
auf den Beschwerdegegner 7 zu Recht bejaht, und sich daraufhin nach
abgewiesener Appellation vor Bundesgericht darauf beruft, der Entscheid über
die sachliche Zuständigkeit sei willkürlich. Wie der Beschwerdegegner 7 zu
Recht vorbringt, kommt das widersprüchliche Prozessverhalten der
Beschwerdeführerin in der Beschwerde selbst ebenfalls zum Ausdruck, beantragt
sie doch in erster Linie auch gegenüber ihm die Gutheissung der Klage und
begehrt lediglich eventualiter die Rückweisung an die Vorinstanz zur
Weiterleitung an das zuständige Gericht. Ohnehin wurde Letzteres erstmals vor
Bundesgericht beantragt, weshalb das Eventualbegehren als neues Begehren
insoweit unzulässig ist (Art. 99 Abs. 2 BGG).
1.4.2 Die Beschwerdeführerin stellt ihren rechtlichen Ausführungen eine
mehrseitige Sachverhaltsdarstellung voran, in der sie die Entwicklung der
Geschäftstätigkeit der Z.________ sowie die Hintergründe des Konkurses aus
eigener Sicht schildert. Sie weicht darin verschiedentlich von den
tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz ab oder erweitert diese, ohne eine
hinreichend begründete Sachverhaltsrüge zu erheben.
Auch in ihrer weiteren Beschwerdebegründung setzt sich die Beschwerdeführerin
wiederholt in unzulässiger Weise über den von der Vorinstanz verbindlich
festgestellten Sachverhalt hinweg. So trägt sie dem Bundesgericht insbesondere
hinsichtlich der Frage der Substantiierung des Schadens unter Verweis auf
zahlreiche Akten des kantonalen Verfahrens einen vom angefochtenen Entscheid
abweichenden Sachverhalt vor, und schliesst ihre Teilausführungen jeweils
damit, dass ihre Vorbringen im kantonalen Verfahren den bundesrechtlichen
Anforderungen an die Substantiierung genügt hätten. Sie kritisiert die
vorinstanzlichen Feststellungen vereinzelt als unzutreffend, erhebt jedoch
keine hinreichend begründete Sachverhaltsrüge. Es geht nicht an, in einer
Beschwerde in Zivilsachen appellatorische Kritik am angefochtenen Entscheid zu
üben und Ergänzungen bezüglich der tatsächlichen Feststellungen vorzunehmen,
als ob das Bundesgericht im Beschwerdeverfahren die Verantwortlichkeitsklage
von Grund auf neu beurteilen könnte.
Auf die tatsächlichen Vorbringen der Beschwerdeführerin ist daher nicht
abzustellen, soweit diese im angefochtenen Urteil keine Stütze finden. Da die
Rechtsschrift in unzulässiger Weise tatsächliche und rechtliche Vorbringen
vermengt, ist kaum mehr erkennbar, welche Bundesrechtssätze und inwiefern sie
durch den angefochtenen Entscheid verletzt sein sollen, wenn die verbindlichen
Feststellungen im angefochtenen Entscheid zugrunde gelegt werden (Art. 105 Abs.
1 BGG). Überhaupt setzt sich die Beschwerdeführerin kaum konkret mit den
vorinstanzlichen Erwägungen zur Frage der Substantiierung des Schadens
auseinander und verfehlt auch in dieser Hinsicht weitgehend die gesetzlichen
Begründungsanforderungen (Art. 42 Abs. 2 BGG).

2.
Unbegründet ist zunächst die Rüge, die Vorinstanz habe den Gehörsanspruch (Art.
29 Abs. 2 BV) verletzt, indem sie davon ausgehe, die Beschwerdeführerin habe
einen Teil eines Schadens geltend gemacht, der auf verschiedene Ursachen
zurückzuführen sei.
Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht hat die Vorinstanz nicht
entscheiderheblich darauf abgestellt, dass sich die Verantwortlichkeitsklage
auf verschiedene Schadensursachen stütze. Vielmehr hat sie die Frage der
Anforderungen an eine Teilklage sowie der verfahrensrechtlichen Zulässigkeit
der entsprechenden Vorbringen im Appellationsverfahren ausdrücklich offen
gelassen, da die Appellation mangels rechtsgenüglicher Substantiierung des
durch die Expansionsstrategie entstandenen Schadens auch dann abzuweisen sei,
wenn einzig auf diese angebliche Schadensursache abgestellt werde. Die
Vorinstanz hat die Anforderungen an die Substantiierung des Schadens somit
ausschliesslich anhand der Vorbringen der Beschwerdeführerin geprüft, wonach
der haftungsbegründende Sachverhalt einzig in der verfolgten
Expansionsstrategie der Z.________ liege. Es kann demnach keine Rede davon
sein, die Vorinstanz hätte die Vorbringen der Beschwerdeführerin in Verletzung
des rechtlichen Gehörs übergangen.

3.
Die Beschwerdeführerin wirft der Vorinstanz vor, sie habe überhöhte
Anforderungen an die Substantiierung des Schadens gestellt.
3.1
3.1.1 Sie hatte vor der Vorinstanz geltend gemacht, aufgrund der
unkontrollierten Expansionsstrategie der Organe der Z.________ sei der
Versichertenbestand von 1998 bis 2001 von 13'865 auf 30'692 gestiegen. Dabei
habe sich insbesondere die Zahl der jungen Versicherten erhöht. Dies wiederum
habe - bedingt durch das System des Risikoausgleichs zwischen den
Krankenversicherern (Art. 105 KVG) - dazu geführt, dass die von der Z.________
anfänglich erhaltenen Ausgleichszahlungen zunächst zurückgegangen seien und
danach die Z.________ selbst habe Ausgleichszahlungen entrichten müssen. Der
aufgrund der Expansionspolitik entstandene Schaden berechne sich wie folgt: Bei
gleich bleibendem Versichertenbestand (per 1998) hätte die Z.________ in den
Jahren 1999-2002 Zahlungen aus dem Risikoausgleich im Umfang von insgesamt Fr.
20.035 Mio. erhalten. Stattdessen habe sich der Betrag für das Jahr 1999 um Fr.
3.049 Mio. reduziert und in den Jahren 2000-2002 habe die Z.________ Zahlungen
im Umfang von Fr. 4.239 Mio. leisten müssen. Die Differenz ergebe einen Schaden
in der Höhe von Fr. 24.237 Mio.
3.1.2 Die Vorinstanz erwog, die Beschwerdeführerin habe statt den
hypothetischen und tatsächlichen Vermögensstand der Z.________ infolge des
schädigenden Ereignisses zu eruieren, lediglich die hypothetische Entwicklung
einer Position, nämlich der Risikoausgleichszahlungen, aufgezeigt. Dabei stütze
sie diese Entwicklung auf einen sich hypothetisch nicht verändernden
Mitgliederbestand und errechne dabei, in welchem Umfang die Z.________
Mehrverpflichtungen in Form von (der Beschwerdeführerin) geschuldeten
Ausgleichszahlungen (Fr. 24.3 Mio.) generierte. Zu beurteilen sei aber, so die
Vorinstanz weiter, wie sich das Stiftungsvermögen aufgrund der als fehlerhaft
bezeichneten Expansionsstrategie insgesamt verändert habe, bzw. in welchem
Ausmass sich diese Mehrverpflichtungen im Umfang von Fr. 24.3 Mio. tatsächlich
schädigend in der Bilanz ausgewirkt hätten. Die Position der
Ausgleichszahlungen im Umfang von Fr. 24.3 Mio. könne nicht isoliert betrachtet
werden, da die von der Beschwerdeführerin als schadenskausal bezeichnete
Expansionsstrategie unbestrittenermassen nicht nur zu ansteigenden
Ausgleichszahlungen führte, sondern mit der Veränderung weiterer Posten
(Marketing-, Werbe- und Verwaltungskosten sowie Prämieneinnahmen) einherging,
die sich ebenfalls in der Bilanz widergespiegelt hätten. Überdies könne nicht
ausser Betracht gelassen werden, dass sich mit dem Anstieg des
Mitgliederbestands auch die Prämieneingänge positiv verändert hätten.
Bei der nach der Differenztheorie gebotenen hypothetischen Betrachtung des
Zustands der Z.________ ohne das schädigende Ereignis, d.h. unter Wegfall der
Expansionsstrategie, werde deutlich, dass in diesem Fall nicht nur die
veränderte Höhe der Ausgleichszahlungen (oder -empfänge) hätte betrachtet
werden dürfen, sondern dass damit einhergehend auch für die übrigen Positionen
eine hypothetische Annahme hätte getroffen werden müssen. Dabei wäre es nach
Ansicht der Vorinstanz an der Beschwerdeführerin gelegen, diesen hypothetischen
Zustand des Vermögens der Z.________ aufzuzeigen. Indem sich die
Beschwerdeführerin damit begnüge, als Schaden die hypothetische Entwicklung der
geschuldeten Risikoausgleichszahlungen nach Art. 105 KVG, und damit einer
einzelnen Aufwandposition, geltend zu machen, ohne diese in Bezug zu sämtlichen
mit der Expansionsstrategie einhergehenden Veränderungen zu stellen und es
überdies unterlasse, den Gesamtzustand der Z.________ mit und (hypothetisch)
ohne Auswirkungen der Expansionsstrategie darzustellen, blieben diese Umstände
gänzlich unberücksichtigt und die Differenztheorie unangewandt. Entsprechend
sei die Appellation mangels rechtsgenüglicher Substantiierung des behaupteten
Schadens abzuweisen.
3.2
3.2.1 Nach allgemeinen Grundsätzen hat die Schadenersatz beanspruchende Partei
den Schaden zu beweisen (vgl. Art. 8 ZGB und Art. 42 Abs. 1 OR). Wie weit die
anspruchsbegründenden Tatsachen dabei inhaltlich zu substantiieren sind, damit
sie unter die massgeblichen Bestimmungen des materiellen Rechts subsumiert
werden können, bestimmt das materielle Bundesrecht. Die jeweiligen
Anforderungen ergeben sich einerseits aus den Tatbestandsmerkmalen der
angerufenen Norm und anderseits aus dem prozessualen Verhalten der Gegenpartei.
Tatsachenbehauptungen müssen dabei so konkret formuliert sein, dass ein
substantiiertes Bestreiten möglich ist oder der Gegenbeweis angetreten werden
kann. Bestreitet der Prozessgegner das an sich schlüssige Vorbringen der
behauptungsbelasteten Partei, kann diese gezwungen sein, die rechtserheblichen
Tatsachen nicht nur in den Grundzügen, sondern so umfassend und klar
darzulegen, dass darüber Beweis abgenommen werden kann (BGE 108 II 337 E. 2b S.
339; seither BGE 133 III 153 E. 3.3 S. 162; 127 III 365 E. 2b S. 368; 123 III
18 E. 3e S. 187 f.). Wird das Vorliegen eines vorerst nur pauschal behaupteten
Schadens vom Prozessgegner bestritten, hat der Ansprecher deshalb die einzelnen
konkreten Tatsachen vorzutragen, welche Grundlage für die Qualifizierung einer
Vermögenseinbusse als rechtlich relevanter Schaden bilden (BGE 127 III 365 E.
2b S. 368 mit Hinweisen).
3.2.2 Die Beschwerdeführerin bringt zu Unrecht vor, die Vorinstanz habe zu hohe
Anforderungen an die Substantiierung des Schadens gestellt. Die Vorinstanz hat
zutreffend erwogen, dass sich der Schaden im zu beurteilenden Fall nicht
einfach gestützt auf die Veränderung der beanspruchten bzw. geschuldeten
Risikoausgleichszahlungen beurteilen lässt. Sie weist zu Recht darauf hin, dass
für die Schadensberechnung grundsätzlich die gesamthafte Veränderung des
Vermögens der Z.________ zu berücksichtigen ist, und nicht bloss eine isolierte
Aufwandposition, nämlich die Ausgleichszahlungen nach Art. 105 KVG. Dass höhere
Ausgleichszahlungen nicht mit einer Vermögenseinbusse gleichgesetzt werden
können, leuchtet ohne weiteres ein, dienen die entsprechenden Zahlungen doch
dem Ausgleich zwischen Krankenkassen mit unterschiedlicher Risikostruktur,
indem Versicherer, die unter ihren Versicherten weniger Frauen und ältere
Personen haben als der Durchschnitt aller Versicherer, der gemeinsamen
Einrichtung (also der Beschwerdeführerin) zugunsten von Versicherern mit
überdurchschnittlich vielen Frauen und älteren Personen Abgaben entrichten
müssen, welche die durchschnittlichen Kostenunterschiede zwischen den
massgebenden Risikogruppen in vollem Umfang ausgleichen (Art. 105 Abs. 1 KVG).
Muss ein Versicherer, der zunächst Risikoausgleichszahlungen erhalten hat, im
Laufe der Zeit selber solche erbringen, so bedeutet dies zunächst, dass sich
seine Risikostruktur positiv verändert hat. Dies stellt nicht per se eine
Vermögenseinbusse dar; vielmehr sind neben den erhöhten Ausgleichszahlungen
auch die Veränderungen der übrigen Kosten und Erträge zu berücksichtigen, um
die Vermögensdifferenz infolge des Versichertenzuwachses zu bemessen.
Macht die Beschwerdeführerin einen Schadenersatzanspruch gestützt auf eine
angeblich verfehlte Expansionsstrategie geltend, die zu einem starken Zuwachs
an vorwiegend jungen Versicherten geführt habe, genügte es demnach nicht,
einfach die Auswirkungen der Zunahme der Versicherten auf die
Ausgleichszahlungen zulasten der Z.________ aufzuzeigen, zumal die Entwicklung
des Versichertenbestands auch zu insgesamt höheren Prämieneinnahmen und
unterschiedlichen Kosten der Z.________ führte. Eine hinreichende
Schadenssubstantiierung hätte mit Blick auf den Schadensbegriff einen Einbezug
dieser Posten in die Behauptungen der Beschwerdeführerin zur Schadensberechnung
vorausgesetzt. Indem sie sich darauf beschränkte, ihren Schaden isoliert anhand
der Veränderung der Ausgleichszahlungen - unter Ausblendung der übrigen
erfolgswirksamen Posten - geltend zu machen, verfehlte sie die
bundesrechtlichen Anforderungen an eine hinreichende Substantiierung des
Schadens.
Der Vorinstanz ist keine Bundesrechtsverletzung vorzuwerfen, wenn sie die
Appellation der Beschwerdeführerin mangels genügender Substantiierung des
behaupteten Schadens abwies.

4.
Die Beschwerde erweist sich als unbegründet und ist abzuweisen, soweit darauf
eingetreten werden kann. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wird die
Beschwerdeführerin kosten- und entschädigungspflichtig (Art. 66 Abs. 1 sowie
Art. 68 Abs. 2 BGG). Den nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdegegnern 4, 5
und 6 steht keine Parteientschädigung zu.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 30'000.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

3.
Die Beschwerdeführerin hat die Beschwerdegegner 1, 2, 3, 7 und 8 für das
bundesgerichtliche Verfahren mit je Fr. 35'000.-- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Aargau,
Zivilgericht, 2. Kammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 11. April 2011

Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Klett Leemann