Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 5A.198/2010
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
5A_198/2010

Urteil vom 23. August 2010
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Hohl, Präsidentin,
Bundesrichterin Escher, Bundesrichter L. Meyer,
Bundesrichter Marazzi, Bundesrichter von Werdt,
Gerichtsschreiber Levante.

Verfahrensbeteiligte
1. X.________,
2. Y.________,
beide vertreten durch Fürsprecher Urs Lanz,
Beschwerdeführer,

gegen

Z.________,
vertreten durch Fürsprecher Lorenz Fellmann,
Beschwerdegegnerin,

Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion des Kantons Bern.

Gegenstand
Adoption,

Beschwerde gegen den Entscheid des Obergerichts des Kantons Bern,
Appellationshof, 2. Zivilkammer, vom 8. Februar 2010 (APH 09 653).

Sachverhalt:

A.
A.a A.________ wurde am 24. Januar 2000 als eheliches Kind von Z.________ und
B.________ geboren. Die Eltern trennten sich ein halbes Jahr nach der Geburt
und wurden mit Urteil des Gerichtskreises II Biel-Nidau vom 19. September 2006
geschieden. Dabei wurde die elterliche Sorge der Mutter (geboren 1982)
zugesprochen; der Vater verzichtete gemäss Scheidungskonvention auf ein
Besuchsrecht, währenddem die Mutter keine Unterhaltsansprüche stellte. Seit der
Trennung seiner Eltern wuchs A.________ bei den Grosseltern mütterlicherseits,
X.________ und Y.________ (geboren 1939 bzw. 1948), auf, die vollumfänglich für
seine Pflege und Erziehung sorgen. Das seit mehreren Jahren dauernde
Pflegeverhältnis hat nie zu Beanstandungen Anlass gegeben. Die Mutter von
A.________ wechselte nach der Trennung mehrmals den Wohnort. Im Jahre 2006
unternahm sie einen Selbstmordversuch; in der Folge konnte sie mit Hilfe ihrer
Eltern in deren Nähe ziehen und eine Lehre im elterlichen Unternehmen machen.
A.b Am 4. Mai 2007 stellten X.________ und Y.________ bei der Justiz-,
Gemeinde- und Kirchendirektion des Kantons Bern (abgekürzt: JGK) das Gesuch um
Adoption ihres Enkels A.________. Zur Begründung trugen sie vor, dass
A.________ seit der Trennung seiner Eltern bei ihnen aufgewachsen sei und sie
für ihn seither wie ein eigenes Kind gesorgt hätten. Die Eltern von A.________
erteilten die Zustimmung zur Adoption. In der Folge (gestützt auf ein
Rechtsmittelverfahren) wurde A.________ durch eine Fachperson angehört und eine
Stellungnahme der weiteren leiblichen Kinder der Gesuchsteller eingeholt. Mit
Entscheid vom 16. November 2009 wies die JGK das Adoptionsgesuch ab.

B.
Gegen den Entscheid der JGK appellierten X.________ und Y.________. Mit
Entscheid vom 8. Februar 2010 wies das Obergericht des Kantons Bern
(Appellationshof, 2. Zivilkammer) die Appellation und das Adoptionsgesuch ab.

C.
X.________ und Y.________ führen mit Eingabe vom 17. März 2010 Beschwerde in
Zivilsachen. Die Beschwerdeführer beantragen dem Bundesgericht, den
obergerichtlichen Entscheid aufzuheben und die Adoption ihres Enkels A.________
zu bewilligen. Eventuell sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und die
Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Die JGK als verfahrensbeteiligte Behörde schliesst auf Abweisung der Beschwerde
in Zivilsachen. Das Obergericht hat auf eine Vernehmlassung verzichtet. Die
Mutter von A.________ als Beschwerdegegnerin unterstützt (in einer
unaufgefordert eingereichten Mitteilung) das Adoptionsgesuch ihrer Eltern.
Weitere Vernehmlassungen (vom Rechtsvertreter der Mutter des Kindes bzw. Vater
des Kindes) sind nicht eingeholt worden.

Erwägungen:

1.
1.1 Angefochten ist ein Entscheid über die Bewilligung zur Adoption, welcher
eine Zivilsache im Sinne von Art. 72 Abs. 1 BGG darstellt. Das Obergericht hat
in dieser nicht vermögensrechtlichen Angelegenheit als letzte kantonale Instanz
entschieden (Art. 75 Abs. 1 und 2 erster Satz BGG). Die Beschwerdeführer, deren
Adoptionsgesuch durch die Vorinstanz abgewiesen wurde, haben ein (nach Art. 264
ZGB) rechtlich geschütztes Interesse an der Änderung des angefochtenen
Entscheides und sind zur Beschwerde berechtigt (Art. 76 Abs. 1 BGG). Die
rechtzeitig (Art. 100 Abs. 1 BBGG) erhobene Beschwerde in Zivilsachen gegen den
verfahrensabschliessenden Entscheid (Art. 90 BGG) ist grundsätzlich zulässig.

1.2 Mit vorliegender Beschwerde kann die Verletzung von u.a. Bundesrecht gerügt
werden (Art. 95 lit. a BGG). In der Beschwerdeschrift ist in gedrängter Form
darzulegen, inwiefern der angefochtene Akt Recht verletzt (Art. 42 Abs. 2 BGG).
Die Verletzung von verfassungsmässigen Rechten ist in der Beschwerdeschrift
vorzubringen und zu begründen (Art. 106 Abs. 2 BGG), wobei das Rügeprinzip gilt
(BGE 133 III 589 E. 2 S. 591). Unbeachtlich sind die blossen Verweisungen der
Beschwerdeführer auf Akten und Rechtsschriften; inwiefern das angefochtene
Urteil Bundesrecht verletzt, ist in der Beschwerdeschrift selber darzulegen
(vgl. BGE 126 III 198 E. 1d).

1.3 Das Bundesgericht ist an den vorinstanzlich festgestellten Sachverhalt
gebunden (Art. 105 Abs. 1 BGG). Zulässig ist einzig die Rüge, dass eine
Tatsachenfeststellung auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG
beruhe oder eine Tatsache offensichtlich unrichtig festgestellt worden sei
(Art. 97 Abs. 1 BGG), wobei "offensichtlich unrichtig" mit "willkürlich"
gleichzusetzen ist (BGE 133 III 393 E. 7.1 S. 398 mit Hinweisen). Soweit die
Beschwerdeführer neue Tatsachen (bzw. "neueste Entwicklungen" wie der Wegzug
ihrer Tochter bzw. der Mutter des zu adoptierenden Kindes nach C.________/BE)
vorbringen oder die Feststellung von Tatsachen durch das Bundesgericht
verlangen, kann auf die Beschwerde nicht eingetreten werden.

2.
Das Obergericht hat (unter Hinweis auf die Erwägungen der JGK) in der Sache
festgehalten, dass die Enkeladoption ausnahmsweise zulässig sei, namentlich um
eine rechtliche und soziale Isolation des Kindes zu verhindern. Der
Altersunterschied zwischen den Gesuchstellern und dem Kind betrage 61 bzw. 52
Jahre. Wohl seien diese bei guter Gesundheit und vital genug, um für das Kind
zu sorgen. Allerdings falle es schwer, sich vorzustellen, wie die künftigen
Adoptiveltern bei diesem Altersunterschied auf die Dauer mit den Problemen des
heranwachsenden Kindes fertig werden wollen. Dies könne nicht durch eine
reichere Lebenserfahrung aufgewogen werden. Sodann lägen keine Anhaltspunkte
für eine gravierende psychische Abnormität der Mutter des Kindes (bzw. Tochter
der Gesuchsteller) vor, zumal sich diese im Berufsalltag behaupte und normale
soziale Kontakte pflege. Anlässlich der Anhörung habe A.________ zu verstehen
gegeben, dass er mit seiner Mutter ("Mama") gut auskomme. Die bestehende
Beziehung zwischen Kind und Mutter spreche gegen die Adoption. Ferner sei nicht
ausgeschlossen, dass die Mutter vielleicht eines Tages das Bedürfnis verspüre,
sich intensiver um ihren Sohn zu kümmern. Es bestehe kein hinreichender Grund,
um im Interesse des Kindes die Verwandtschaftsverhältnisse zu verschieben,
zumal die leibliche Mutter nicht aus dem Leben des Kindes verschwunden sei.

3.
Anlass zur Beschwerde gibt die Verweigerung der Adoption des Kindes A.________
durch seine Grosseltern bzw. die Beschwerdeführer. Nach Art. 264 ZGB darf ein
Kind adoptiert werden, wenn ihm die künftigen Adoptiveltern während wenigstens
eines Jahres Pflege und Erziehung erwiesen haben und nach den gesamten
Umständen zu erwarten ist, die Begründung eines Kindesverhältnisses diene
seinem Wohl, ohne andere Kinder der Adoptiveltern in unbilliger Weise
zurückzusetzen. Vorliegend steht fest, dass die Beschwerdeführer dem Kind
bereits während mehrerer Jahre klaglose Pflege und Erziehung erwiesen haben,
die anderen leiblichen Kinder der Beschwerdeführer (d.h. nebst der Mutter des
Kindes eine weitere Tochter und zwei Söhne) das Adoptionsgesuch unterstützen
und die leiblichen Eltern des Kindes mit der Adoption einverstanden sind. Die
beschwerdeführenden Grosseltern werfen der Vorinstanz im Wesentlichen vor, die
Adoption zu Unrecht mit dem Argument verweigert zu haben, dass der
Altersunterschied zu A.________ zu gross sei und die leibliche Mutter eine
sozial-psychische Bindung zum Kind habe.

3.1 Zu Recht haben die kantonalen Instanzen angenommen, dass die Adoption eines
Kindes durch seine Grosseltern erlaubt ist. Bei der Adoption eines verwandten
Kindes liegen allerdings ausserordentliche Umstände vor. Für deren Würdigung
ist ausschliesslich das Kindeswohl massgebend (BGE 135 III 80 E. 3.3 S. 84),
und ein entsprechendes Adoptionsgesuch ist mit besonderer Aufmerksamkeit zu
prüfen (BGE 119 II 1 E. 3b S. 3; Meier/Stettler, Droit de filiation, 4. Aufl.
2009, Rz 273, S. 135). Es ist anerkannt, dass eine derartige Adoption mit
besonderen Risiken behaftet ist (vgl. Lammerant, L'adoption et les droits de
l'homme en droit comparé, Brüssel 2001, S. 238 Rz 195). Das Bundesgericht
schreitet mit Bezug auf die Würdigung des Kindeswohls (vgl. Art. 4 ZGB) durch
die kantonalen Instanzen nur dann ein, wenn grundlos von den in Lehre und
Rechtsprechung entwickelten Grundsätzen abgegangen wird, wenn Tatsachen
berücksichtigt werden, die keine Rolle hätten spielen dürfen, oder wenn
umgekehrt Umstände ausser Betracht geblieben sind, die hätten beachtet werden
müssen (Urteil 5A_619/2008 vom 16. Dezember 2008 E. 5.1, in: FamPra.ch 2009 S.
499; vgl. BGE 126 III 223 E. 4a S. 227/228).

3.2 Die Beschwerdeführer machen geltend, die Vorinstanz habe unrichtig bzw.
unzureichend berücksichtigt, dass die Kindsmutter von ihren Eltern (den
Beschwerdeführern) abhängig und nach wie vor nicht in der Lage sei, für das
Kind "zu sorgen" oder die "Erziehung zu übernehmen"; sie verfüge nicht über die
"charakterlichen Voraussetzungen zur Erziehung", sondern lebe in einer
unstabilen Lebenssituation, welche unter anderem im Jahre 2006 zu einem
Selbstmordversuch geführt habe. Sodann sei "erstaunlich", dass sich das
Gemeinwesen der Adoption widersetzen könne, obwohl alle Beteiligten - gerade
auch die Mutter - mit der Adoption einverstanden seien. Diese Vorbringen sind
unbehelflich. Vorliegend geht es nicht um die Erziehungsfähigkeiten der Mutter.
Sie wird in der Ausübung ihrer elterlichen Sorge seit langem durch die
Beschwerdeführer als Pflegeeltern vertreten (vgl. Art. 300 ZGB). Es ist auch
nicht über die Entziehung der elterlichen Sorge von der Mutter von A.________
(vgl. Art. 311 und Art. 312 ZGB) und die Übertragung auf die Grosseltern (vgl.
zum Vorrecht der Verwandten Art. 380 ZGB) zu entscheiden. Diese Massnahmen
bleiben bis zur Mündigkeit von A.________ möglich. Wenn die Beschwerdeführer
geltend machen, A.________ müsste "im Heim aufwachsen", wenn sie als
Grosseltern nicht für ihn sorgen würden, so blenden sie aus, dass mit der
Adoption die rechtliche Beziehung zu seiner leiblichen Mutter gerade endgültig
aufgehoben wird. Ebenso wenig kann der grosse Einsatz der Grosseltern - wie sie
ausführen - eine "Legitimierung" für die Adoption darstellen. Dieser liegt zwar
im Interesse des Kindes und kann (wie beschrieben) zu familienrechtlichen
Massnahmen führen. Entscheidend ist im vorliegenden Zusammenhang aber allein,
ob es im Interesse des Kindes liegt, das rechtliche Band zu den leiblichen
Eltern zu durchtrennen und durch ein solches zu den Grosseltern zu ersetzen
(vgl. Hegnauer, Berner Kommentar, N. 15 zu Art. 264 ZGB).

3.3 Einem Adoptionsgesuch der Grosseltern ist in der Regel nicht zu
entsprechen, wenn die leibliche Mutter bzw. der leibliche Vater im Haushalt der
Grosseltern oder in deren Nähe wohnt und sie oft besucht (BGE 119 II 1 E. 4b S.
4). Der Abbruch persönlicher Beziehungen ist zwar keine förmliche
Adoptionsvoraussetzung (BIDERBOST, in: Handkommentar zum Schweizerischen
Privatrecht, 2007, N. 17 zu Art. 264 ZGB), aber eine Familiengemeinschaft, in
der die leiblichen Eltern auch nach der Adoption ihres Kindes tatsächlich
dessen Entwicklung mitverfolgen können, ist in hohem Masse konfliktgefährdet
(FRANK, Grenzen der Adoption, Rechtsvergleichende Untersuchung zur
Schutzbedürftigkeit faktischer Eltern-Kind-Verhältnisse, 1978, S. 136;
MEULDERS-KLEIN, Le printemps des grands-parents et le droit, in: Mélanges
Grossen, 1992, S. 178). Das Bundesgericht hat - gestützt auf die in BGE 119 II
1 ff. festgelegten Grundsätze - in einem Urteil aus dem Jahre 1998 betreffend
eine Enkeladoption betont, dass die Qualifikation der bestehenden Beziehung
(partnerschaftlich, autoritär, etc.) zwischen dem zu Adoptierenden und seiner
Mutter nicht ausschlaggebend sei (Urteil 5C.146/1998 vom 27. Juli 1998 E. 4).
Ebenso wurden die Adoption eines Bruders (Urteil 5A_619/2008 vom 16. Dezember
2008 E. 5.3, in: FamPra.ch 2009 S. 500) oder die Nichtbewilligung des
Adoptionspflegeverhältnisses für einen Neffen verweigert (Urteil 5A_35/2004 vom
4. Februar 2005 E. 4.2, in: FamPra.ch 2005 S. 949), weil ein Bestehen bzw.
Fortdauern wesentlicher Beziehungen zu den leiblichen Eltern bzw. zu einem
Elternteil feststanden.
3.3.1 Im angefochtenen Urteil wird nichts über das Bestehen einer Beziehung von
A.________ zu seinem leiblichen Vater erwähnt. Nach den Ausführungen der
Beschwerdeführer sollen keine entsprechenden persönlichen Beziehungen bestehen
und gehe aus den Akten hervor, dass die leibliche Mutter keine
Mutter-Kind-Beziehung aufgebaut habe. Was die Beziehung zwischen A.________ und
seiner Mutter anbelangt, so hat das Obergericht - für das Bundesgericht
verbindlich - festgestellt, dass die beiden sich regelmässig sehen, die Mutter
in der Nähe wohnt und diese immer wieder, wenn auch vielleicht nur zum Essen,
Kontakt mit A.________ hat. Anlässlich der Anhörung hat A.________ zu verstehen
gegeben, dass er mit seiner leiblichen Mutter ("Mama") gut auskomme. Wenn das
Obergericht gestützt auf diese tatsächlichen Umstände auf das Bestehen einer
gelebten sozial-psychischen Beziehung zwischen A.________ und seiner Mutter
geschlossen und gefolgert hat, diese Beziehung spreche gegen die Annahme, dass
die Adoption durch die Grosseltern im Interesse des Kindes liegt, kann insoweit
nicht von einer Rechtsverletzung gesprochen werden.
3.3.2 Nach Lehre und Rechtsprechung kann sich eine Adoption als im Interesse
des Kindes erweisen, wenn die leibliche Mutter bzw. der leibliche Vater
angesichts des jugendlichen Alters oder des geistigen Zustandes überhaupt nicht
fähig ist, eine normale soziale und psychische Beziehung zum Kind aufzubauen
(BGE 119 II 1 E. 4b S. 4; HEGNAUER, a.a.O., N. 17 zu Art. 264 ZGB). Darauf
berufen sich die Beschwerdeführer und machen geltend, die Mutter von A.________
sei bei der Geburt äusserst jung (knapp 18 Jahre alt) gewesen, sei dies auch
heute noch und in erster Linie mit sich selbst beschäftigt. Die Vorinstanz hat
indessen festgestellt, dass keine Anhaltspunkte für eine gravierende psychische
Abnormität der Mutter vorlägen. Sie habe ein Handelsdiplom erworben, mache eine
Weiterbildung und arbeite im Betrieb der Eltern; sie könne sich (mit 28 Jahren)
im Berufsalltag behaupten und normale soziale Kontakte pflegen. Unter diesen
Umständen geht der Vorwurf, das Obergericht habe eine grundsätzliche
Beziehungsunfähigkeit der Mutter zu ihrem Kind übergangen, fehl. Insoweit
besteht kein Anlass, in das Ermessen des kantonalen Gerichts einzugreifen, wenn
dieses erwogen hat, die bestehende Beziehung zwischen A.________ und seiner
leiblichen Mutter spreche gegen die Adoption.

3.4 Die Beschwerdeführer bezeichnen die Überlegung der Vorinstanz, die
leibliche Mutter verspüre vielleicht eines Tages doch das Bedürfnis, sich
intensiver um ihren Sohn zu kümmern, als reine Spekulation.
3.4.1 Im Falle einer Verwandtenadoption zu Lebzeiten der leiblichen Eltern ist
eine Prognose über die Entwicklung des persönlichen Kontaktes zwischen Mutter
und Kind in der Tat kaum möglich (vgl. FRANK, a.a.O., S. 137, 173). Zu Recht
haben daher die kantonalen Behörden untersucht, welche äusseren Umstände die
Adoption von A.________ durch seine Grosseltern wirklich notwendig machen, denn
je mehr die Freigabe eines Kindes von äusseren Umständen erzwungen war, umso
eher kann sie vom - grösser werdenden - Kind verstanden werden und desto
weniger beeinträchtigt sie das Selbstwertgefühl des Adoptierten (DETTENBORN/
WALTER, Familienrechtspsychologie, 2002, S. 275). Auf diese entscheidende
Überlegung des Obergerichts gehen die Beschwerdeführer nicht ein. Ihr Hinweis,
die Beziehung der leiblichen Mutter zu A.________ sei "äusserst locker",
währenddem die Beziehung zu ihnen als Grosseltern "viel enger" sei, ist
unbehelflich. Damit ist nicht dargetan, dass das Obergericht mit Blick auf
mögliche zukünftige Entwicklungen das Interesse von A.________, das
Kindesverhältnis zu seiner Mutter aufzuheben und durch ein solches zu den
Grosseltern zu ersetzen bzw. seine Mutter rechtlich zur Schwester werden zu
lassen, missachtet habe.
3.4.2 Die Beschwerdeführer kritisieren in diesem Zusammenhang, dass die
Vorinstanz den Äusserungen der Mutter nicht allzu grosses Gewicht beigemessen
habe. Das Obergericht habe nicht beachtet, dass die Mutter die Verantwortung
für ein Kind gar nicht suche und (im Schreiben vom 17. Dezember 2009 an die
JKG) darauf hingewiesen habe, dass "die Eltern an ihre Stelle" getreten seien.
Die Beschwerdeführer übergehen allerdings, dass die Benennung der eigentlichen
Motive zur Freigabe des Kindes schwierig zu ergründen sind, wie oft in Fällen
psychischer Überforderung, oder wenn das Elternhaus der Mutter die
erzieherischen Kompetenzen abspricht (DETTENBORN/WALTER, a.a.O., S. 269).
Darauf hat die Erstinstanz für den konkreten Fall hingewiesen. Auch die
Vorinstanz durfte dies berücksichtigen, zumal der Beschwerdeführer 1 in der
Appellationsschrift erklärt, bereits seine Mutter habe sich nicht um ihn
(Beschwerdeführer 1) gekümmert und seine Tochter, die Mutter von A.________,
habe den "gleichen Charakter", insbesondere was die Beziehungsprobleme mit
Männern betreffe, obwohl sie in einer intakten Familie aufgewachsen sei. Sodann
wird im angefochtenen Entscheid eine gewisse Abhängigkeit von der Mutter von
A.________ von ihren Eltern, den Beschwerdeführern festgestellt und hat die
Mutter (jedenfalls mit dem Selbstmordversuch im Jahre 2006) psychische Probleme
zum Ausdruck gebracht. Ferner schliesst die Mutter (im erwähnten Schreiben vom
17. Dezember 2009) nicht aus, "für A.________ da zu sein, wenn meinen Eltern
etwas zustossen würde". Wenn das Obergericht demnach eine vorsichtige Würdigung
der Äusserungen der leiblichen Mutter vorgenommen und miterwogen hat, dass sie
sich später vielleicht wieder vermehrt um A.________ kümmern will, hält sich
dies im Rahmen des Ermessens, über welches die Vorinstanz verfügt.

3.5 Sodann hat das Obergericht - entgegen der Darstellung der Beschwerdeführer
- die Bewilligung zur Adoption nicht allein wegen des Altersunterschiedes
verweigert. Es hat zum Altersunterschied von 61 bzw. 52 Jahren jedoch seine
Bedenken zum Ausdruck gebracht ("es drängt sich die Frage auf ..."). Dies ist
nicht zu beanstanden. Hegnauer hat bei einer Enkeladoption den
Altersunterschied von 53 und 49 Jahren als gross, aber gerechtfertigt
bezeichnet, weil das Kind im betreffenden Fall rechtlich vaterlos und die
Mutter früh gestorben war und sich in einer ungesicherten Situation befand (ZVW
1994 S. 123). Wenn hier das Obergericht den Altersunterschied für die Adoption
als eher problematisch erachtet hat, ist dieses Kriterium - gerade vor dem
Hintergrund der bestehenden Beziehung zwischen der Mutter und dem Kind - nicht
in sachwidriger Weise gewürdigt worden. Die Beschwerdeführer bringen weiter
vergeblich vor, die Vorinstanz habe die durch die Adoption bessere finanzielle
Absicherung von A.________ nicht berücksichtigt. Aus den Erwägungen der JGK -
auf welche das Obergericht verwiesen hat - geht hervor, dass finanzielle bzw.
erbrechtliche Wirkungen der Adoption des Kindes nur sekundäre Bedeutung haben
(vgl. HEGNAUER, a.a.O., N. 60 zu Art. 264 ZGB). Sodann sei die Befürchtung,
dass die leiblichen Eltern sich bei frühem Versterben der Grosseltern "Zugang
zu den (dem Grosskind vererbten) Vermögenswerten verschaffen", unbegründet,
zumal entsprechende Massnahmen zum Schutz des Kindesvermögen (Art. 324 f. ZGB)
angeordnet werden könnten. Dies lassen die Beschwerdeführer bei Seite; sie
legen nicht dar, inwiefern das Obergericht hier für das Kindeswohl wesentliche
Gesichtspunkte übergangen habe.

3.6 Schliesslich werfen die Beschwerdeführer dem Obergericht eine Verletzung
des Willkürverbotes und Gehörsanspruches (Art. 9 bzw. Art. 29 Abs. BV) vor,
u.a. weil es den Antrag auf ihre persönliche Anhörung, eine persönliche
Anhörung der leiblichen Mutter und eine zweite Anhörung von A.________
abgewiesen habe.
3.6.1 Die Beschwerdeführer machen geltend, ihre persönliche Anhörung könne
aufzeigen, dass sie in der Lage seien, A.________ zu erziehen, und die zweite
Anhörung des Kindes könne belegen, dass die Beziehung während der Dauer des
Verfahrens zwischen ihnen und A.________ noch tiefer geworden sei und wie sich
das Kind entwickelt habe. Die Vorbringen gehen fehl. Die Vorinstanz hat die
Beweisanträge mit der Begründung abgewiesen, dass die Erziehungsfähigkeit der
Beschwerdeführer nicht in Frage stehe und unbestritten sei, dass sie
vollumfänglich in der Lage seien, für das Kind zu sorgen, und dass A.________
eine enge und gute Bindung zu ihnen habe. Die Beschwerdeführer übergehen, dass
der Sachverhalt insoweit als abgeklärt betrachtet wurde, und legen nicht dar,
inwiefern es für die Nichtabnahme weiterer Beweismittel durch das Obergericht
an einer sachlichen Begründung fehle (vgl. BGE 114 II 291 E. 2a S. 291).
3.6.2 Sodann hat bereits die JGK festgehalten, dass Gegenstand des Berichts
("Abklärungsbericht Familienpflegeplätze") des Regionalen Sozialdienstes Büren
vom 12. Februar 2008 die Eignung der Beschwerdeführer als Pflegeeltern gewesen
sei, und nichts enthalte, was den Schluss zulasse, A.________ ginge es mit
einer Adoption besser als ohne. Inwiefern die Würdigung dieses Berichts, welche
das Obergericht zu seiner eigenen gemacht hat, in tatsächlicher Hinsicht
offensichtlich unhaltbar bzw. willkürlich sei (vgl. BGE 128 I 81 E. 2 S. 86),
legen die Beschwerdeführer nicht dar. Entgegen ihrer Darstellung hat das
Obergericht den Wunsch der Mutter, A.________ zur Adoption freizugeben,
berücksichtigt. Es hat festgehalten, dass beide Eltern die Zustimmung zur
Adoption gegeben haben, so dass von willkürlicher Sachverhaltsfeststellung
nicht gesprochen werden kann.

3.7 Zusammenfassend ergibt sich, dass dem Obergericht keine schematische
Entscheidfindung vorgeworfen werden kann. Seine Würdigung der konkreten
Verhältnisse (vgl. Art. 268a ZGB) mit Blick auf das Kindeswohl hält vor den
bundesrechtlichen Voraussetzungen zur Adoption (Art. 264 ZGB) stand. Das
kantonale Gericht hat sein Ermessen nicht verletzt, wenn es keine hinreichenden
Umstände erblickt hat, welche das Interesse von A.________ am Erlöschen des
Kindesverhältnisses zur leiblichen Mutter an der Begründung eines neuen
Kindesverhältnisses zu den Grosseltern überwiegen lassen. Andere
Rechtsverletzungen werden nicht hinreichend begründet, im Übrigen auch nicht,
inwiefern die EMRK den Beschwerdeführern ein Recht auf Adoption eines Kindes
garantiere und dieses Recht verletzt worden sei.

4.
Nach dem Dargelegten ist der Beschwerde in Zivilsachen kein Erfolg beschieden.
Bei diesem Verfahrensausgang werden die Beschwerdeführer zu gleichen Teilen
unter solidarischer Haftung kostenpflichtig (Art. 66 Abs. 1 und 5 BGG). Eine
Parteientschädigung ist nicht geschuldet, da von der Beschwerdegegnerin keine
Vernehmlassung eingeholt worden ist (vgl. Art. 68 Abs. 1 BGG) und der Kanton im
amtlichen Wirkungskreis entschieden hat (Art. 68 Abs. 3 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde in Zivilsachen wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- werden den Beschwerdeführern zu gleichen
Teilen und unter solidarischer Haftung auferlegt.

3.
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien, der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion
des Kantons Bern und dem Obergericht des Kantons Bern, Appellationshof, 2.
Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 23. August 2010
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Hohl Levante