Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 5A.1/2010
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
5A_1/2010

Urteil vom 26. Januar 2010
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Hohl, Präsidentin,
Bundesrichterin Escher, Bundesrichter Herrmann,
Gerichtsschreiber Gysel.

Parteien
X.________,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Roger Burges,
Beschwerdeführer,

gegen

Klinik A.________,
Verfahrensbeteiligte.

Gegenstand
fürsorgerische Freiheitsentziehung,

Beschwerde gegen den Beschluss des Ober-
gerichts (II. Zivilkammer) des Kantons Zürich vom 23. Dezember 2009.

Sachverhalt:

A.
Am 2. November 2009 wurde der 1969 geborene X.________ von C.________, Facharzt
FMH für Psychiatrie, im Sinne einer fürsorgerischen Freiheitsentziehung in die
Klinik A.________ eingewiesen. Er hatte sich schon zuvor verschiedentlich in
psychiatrischen Kliniken befunden. Noch am gleichen Tag ersuchte er mit einer
an das Bezirksgericht B.________ gerichteten Eingabe um Entlassung. Mit zwei
Eingaben vom 5. November 2009 stellten der Verein "Psychex" bzw. Rechtsanwalt
D.________ beim Bezirksgericht E.________ in seinem Namen ebenfalls ein Gesuch
um Entlassung aus der Klinik.

Mit Urteil vom 10. November 2009 wies der Einzelrichter für das Verfahren
betreffend fürsorgerische Freiheitsentziehung des Bezirks E.________ das
Entlassungsgesuch ab.

Diesen Entscheid bestätigte das Obergericht (II. Zivilkammer) des Kantons
Zürich durch Beschluss vom 23. Dezember 2009.

B.
Mit Beschwerde in Zivilsachen vom 2. Januar 2010 verlangt X.________, den
Entscheid des Obergerichts aufzuheben und seine Entlassung aus der Klinik
anzuordnen; allenfalls sei die Sache zur Neubeurteilung der Fremdgefährdung
(nach Beizug der Polizeirapporte) an die kantonale Instanz zurückzuweisen.
Ausserdem ersucht der Beschwerdeführer darum, ihm für das bundesgerichtliche
Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren.

Das Obergericht hat auf eine Vernehmlassung verzichtet. Mit Eingabe vom 5.
Januar 2010 hat die Klinik zur Beschwerde Stellung genommen. Der
Beschwerdeführer hat sich mit Eingabe vom 9. Januar 2010 zu dieser
Vernehmlassung geäussert.

Erwägungen:

1.
Als Entscheid auf dem Gebiet der fürsorgerischen Freiheitsentziehung unterliegt
der angefochtene Beschluss der Beschwerde in Zivilsachen (Art. 72 Abs. 2 Ziff.
6 BGG). Mit dieser kann unter anderem die Verletzung von Bundesrecht und von
Völkerrecht gerügt werden (Art. 95 lit. a und b BGG). Unter das Bundesrecht
fallen ebenfalls verfassungsmässige Rechte des Bundes (BGE 134 III 379 E. 1.2
S. 382 mit Hinweisen). In der Begründung der Beschwerde ist darzulegen,
inwiefern der angefochtene Entscheid Recht verletze (Art. 42 Abs. 2 BGG). Die
Verletzung von Grundrechten prüft das Bundesgericht nur insofern, als eine
solche Rüge in der Beschwerde vorgebracht und begründet wird (Art. 106 Abs. 2
BGG). Das bedeutet, dass klar und detailliert anhand der Erwägungen des
angefochtenen Entscheids darzulegen ist, inwiefern verfassungsmässige Rechte
verletzt worden sein sollen. Bei der Willkürrüge (Art. 9 BV) ist in der
erwähnten Form aufzuzeigen, inwiefern der kantonale Entscheid offensichtlich
unhaltbar sein, mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch stehen
bzw. eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass verletzen oder
sonst wie in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderlaufen soll
(BGE 134 II 244 E. 2.2 S. 246; 133 I 149 E. 3.1 S. 153; je mit Hinweisen). Auf
rein appellatorische Kritik, wie sie allenfalls in einem Berufungsverfahren
zulässig ist, wird nicht eingetreten (BGE 130 I 258 E. 1.3 S. 261 f. mit
Hinweisen).

Nach Art. 105 Abs. 1 BGG legt das Bundesgericht seinem Urteil den Sachverhalt
zugrunde, den die Vorinstanz festgestellt hat. Die Feststellung des
Sachverhalts kann nur gerügt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig, d.h.
willkürlich ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht
(Art. 105 Abs. 2 BGG) und wenn die Behebung des Mangels für den Ausgang des
Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1 BGG). Wird eine willkürliche
Feststellung von Tatsachen geltend gemacht, ist neben der Erheblichkeit der
gerügten Tatsachenfeststellung für den Ausgang des Verfahrens klar und
detailliert darzutun, inwiefern diese offensichtlich unhaltbar sein soll, d.h.
mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch stehe, auf einem
offenkundigen Versehen beruhe oder sich sachlich in keiner Weise rechtfertigen
lasse (BGE 133 II 249 E. 1.2.2 S. 252; 133 III 393 E. 7.1 S. 398 mit
Hinweisen).

2.
Eine mündige oder entmündigte Person darf wegen Geisteskrankheit,
Geistesschwäche, Trunksucht, anderen Suchterkrankungen oder schwerer
Verwahrlosung in einer geeigneten Anstalt untergebracht oder zurückbehalten
werden, wenn ihr die nötige persönliche Fürsorge nicht anders erwiesen werden
kann (Art. 397a Abs. 1 ZGB). Wie bei der Einweisung in eine Anstalt ist auch
bei der Zurückbehaltung des Betroffenen das Prinzip der Verhältnismässigkeit zu
wahren; erforderlich ist, dass die betroffene Person infolge eines der im
Gesetz umschriebenen Schwächezustände persönlicher Fürsorge bedarf und diese
ihr nur in einer Anstalt geboten werden kann. In Betracht zu ziehen ist ferner
auch die Belastung, die die Person für ihre Umgebung bedeutet (Art. 397a Abs. 2
ZGB). Nach der ausdrücklichen Vorschrift von Art. 397a Abs. 3 ZGB muss die von
der fürsorgerischen Freiheitsentziehung betroffene Person entlassen werden,
sobald ihr Zustand es erlaubt (zum Ganzen: BGE 134 III 289 E. 4 S. 292 mit
Hinweisen).

3.
3.1 Unter Hinweis auf das Urteil des erstinstanzlichen Richters sowie auf die
von diesem angerufenen Diagnosen der Klinik A.________ und des Gutachters Dr.
med. Z.________ hält das Obergericht fest, beim Beschwerdeführer zeige sich ein
psychotisches Zustandsbild bei Verdacht auf Erkrankung aus dem schizophrenen
Formenkreis. Der Beschwerdeführer leide an einer organischen
Persönlichkeitsstörung, sei bei ihm eine Politoxikomanie bekannt und bestehe
der Verdacht auf Erwachsenen-ADHS. Zur Zeit sei der Beschwerdeführer nicht
zurechnungsfähig und sein Handeln aufgrund eines diffusen paranoiden
Wahnsystems nicht voraussehbar. Sein Zustand äussere sich in formalen
Denkstörungen sowie in einem auffälligen und deutlich wahnhaften Verhalten. Der
Beschwerdeführer decke beispielsweise den in der Klinik zur Verfügung stehenden
Computer mit Alufolie ab und vermute, das Mineralwasser auf der Station
enthalte einen Stoff, der ihn impotent mache; er fühle sich verfolgt und
bedroht und habe deshalb zu seiner Verteidigung seiner Ex-Freundin anlässlich
ihres Besuchs ein Sackmesser, das an ihrem Schlüsselbund gehangen habe,
entwendet; er habe es dem Personal nur unter grossem Druck ausgehändigt. Die
grosse Anspannung des Beschwerdeführers habe sich im Verlauf des
Klinikaufenthalts vermehrt in deutlich ausgeprägter Aggressivität geäussert;
wegen verbaler Drohungen sowohl gegen eine Mitpatientin als auch gegen das
Personal habe er zeitweise isoliert werden müssen. Trotz des massiven
Krankheitsbildes liege derzeit weder eine akute Fremd- noch eine
Selbstgefährdung im engeren Sinne vor, doch sei zu berücksichtigen, dass der
Beschwerdeführer auch ausserhalb der Klinik wiederholt ein aggressives
Verhalten an den Tag gelegt habe, was unter anderem zu den beiden letzten
Hospitalisierungen geführt habe. So sei der Klinikeinweisung vom 22. Oktober
2009 ein - von ihm allerdings bestrittener - Angriff mit einem Messer auf
Polizeibeamte vorangegangen und zum jüngsten Klinikaufenthalt sei es wegen
einer verbalen und leichten körperlichen Auseinandersetzung mit seinem Vater
gekommen, nachdem der Beschwerdeführer vom Beifahrersitz aus die Handbremse des
fahrenden Autos angezogen habe. In der Verhandlung auf diesen Vorfall
angesprochen habe er erklärt, sie seien mit einer Geschwindigkeit von nur vier
bis fünf Stundenkilometern gefahren. Diese Bagatellisierung des
Beschwerdeführers zeige seine mitunter realitätsfremde Wahrnehmung. Selbst ohne
Vorliegen der Polizeirapporte über den Vorfall mit dem Messer und entgegen
seiner Selbsteinschätzung sei von einem nicht zu unterschätzenden
Aggressionspotential des Beschwerdeführers auszugehen. Angesichts seines
bedrohlichen Verhaltens sowohl dem Pflegepersonal als auch anderen
Drittpersonen gegenüber könne eine Fremdgefährdung nicht ausgeschlossen werden.
Es sei zu befürchten, dass der Beschwerdeführer im Falle einer Entlassung
gegenüber seinem Vater und anderen Personen erneut unkontrolliert oder gar
gewalttätig reagiere und sich so in eine ernsthafte, eine Eigengefährdung
darstellende Konfliktsituation begebe. Gegenwärtig weniger akut scheine die
Politoxikomanie zu sein; ausser dem gelegentlichen Cannabiskonsum lasse sich
den Akten hierzu nichts entnehmen; immerhin nehme der Beschwerdeführer nach
eigenen Angaben kleine Dosen Methadon, die er brauche. Das Obergericht hält
dafür, der Einzelrichter habe angesichts der festgehaltenen Gegebenheiten zu
Recht das Vorliegen einer nach dem Gesetz die Zwangseinweisung bzw.
Zurückbehaltung rechtfertigenden Geistesstörung bejaht.

Sodann erklärt die Vorinstanz, der Beschwerdeführer sei in seinem aktuellen
Zustand kaum in der Lage, adäquat für sich selbst zu sorgen. Wie sowohl der
Gutachter als auch die Klinik bestätigten, könne ihm die erforderliche
ärztliche und soziale Hilfe derzeit nur im Rahmen einer stationären Behandlung
in der Klinik erwiesen werden, zumal es ihm trotz einer leichten Verbesserung
seines Befindens gänzlich an Krankheitseinsicht fehle und er - abgesehen vom
erwähnten Methadon und dem Ritalin wegen seines ADHS - die Einnahme von
Medikamenten verweigere. Auch wenn der Beschwerdeführer im Falle einer
Entlassung in seine Einzimmerwohnung zurückkehren könnte, sei zu bedenken, dass
er sich in einer schwierigen sozialen Situation befinde, lebe er doch seit über
fünf Jahren von Sozialhilfe; sein Standpunkt, er könne mit der Unterstützung
seiner Bezugspersonen für sich sorgen, sei gegenwärtig wenig realistisch, zumal
er selbst angebe, sein Beziehungsnetz sei zerstört. Das Verhältnis zur Familie
erscheine als ambivalent: Einerseits bringe der Beschwerdeführer vor, sie liege
ihm am Herzen, andererseits erkläre er jedoch, er fühle sich insbesondere von
seinem Vater in seinem Fortkommen behindert, bevormundet und missbraucht. In
einem E-Mail an den Beschwerdeführer wie auch vor der Verhandlung habe der
Vater erklärt, sie, die Eltern, wollten ihm helfen, da er es alleine nicht
schaffe, doch seien sie gesundheitlich angeschlagen und könnten sie nicht mehr.
Diese Erklärungen zeigten deutlich, dass der Beschwerdeführer von Seiten der
Eltern nur beschränkt Hilfeleistung erwarten könne und seine Nachbetreuung
alles andere als sichergestellt sei. Im Falle einer Entlassung dürfte er mithin
auf sich selbst gestellt sein, was einer weiteren Stabilisierung seines
Zustandes abträglich wäre. Auch der Gutachter rechne mit einer Überforderung
des Beschwerdeführers bei der Bewältigung seiner Tagesgeschäfte. Der
Beschwerdeführer scheine sich durchaus bewusst zu sein, dass er der
Unterstützung bedürfe. So ziehe er anstelle einer Rückkehr in seine Wohnung das
Kriseninterventionszentrum in Betracht, wo er etwas betreut würde. Die
Aussichten, dass es bald wieder zu einer Hospitalisierung komme, erachtet die
Vorinstanz angesichts der gegebenen Umstände als gross. Immerhin sei es nur
gerade eine Woche, nachdem der Beschwerdeführer - offenbar gegen ärztliche
Empfehlung - zum letzten Mal aus der Klinik ausgetreten sei, zu der hier in
Frage stehenden Einweisung gekommen. Während des aktuellen Aufenthalts sei der
Beschwerdeführer zweimal entwichen und habe jeweils durch die Polizei
zurückgeführt werden müssen.

Zusammenfassend hält das Obergericht unter Hinweis auf seine Feststellungen
dafür, die Voraussetzungen der fürsorgerischen Freiheitsentziehung seien beim
Beschwerdeführer nach wie vor gegeben. Ausserdem sei die Klinik A.________ auch
nach Ansicht des Gutachters geeignet, ihm die notwendige medizinische und
soziale Hilfe zu geben.

3.2 In ihrer Vernehmlassung vom 5. Januar 2010 weist die Klinik ausdrücklich
darauf hin, dass der Beschwerdeführer an einer paranoiden Schizophrenie leide.
Er sei aufgrund dieser Krankheit der festen Überzeugung, dass ihn seine Familie
mit religiösen Führern aus den USA bedrohe; er glaube, dass der 3. Weltkrieg
bevorstehe, nehme Bombenexplosionen wahr und glaube Opfer einer Vergewaltigung
zu werden, was bei ihm grosse existentielle Ängste auslöse, die ihrerseits zu
nicht oder wenig nachvollziehbaren Handlungen führten. An Schizophrenie
erkrankte Menschen fühlten sich auch ausserhalb der Klinik von allen möglichen
Mitmenschen bedroht, was zu inadäquaten Notwehrreaktionen und damit zu einer
Gefahr für Dritte führen könne. Der Beschwerdeführer habe sich aufgrund seiner
ausgeprägten krankheitsbedingten Angst sodann wiederholt selbst gefährdet. So
sei er nach der Verhandlung beim erstinstanzlichen Richter aus der Klinik
entwichen, indem er über ein Dach geklettert sei, und habe sich dabei unnötig
gefährdet. Dass die krankheitsbedingten Ängste den Beschwerdeführer davon
abhielten, sich selbst um seine eigene Gesundheit zu kümmern, habe sich auch in
einer Entweichung aus dem Kantonsspital geäussert, wohin er zur Abklärung von
ernsthaften körperlichen Symptomen verbracht worden sei. Wegen der beim
Beschwerdeführer fehlenden Krankheitseinsicht würde sich dieser der Behandlung,
die erfahrungsgemäss eine Verbesserung der Symptome bringen könnte, in einem
ambulanten Setting nicht unterziehen.

4.
Der Beschwerdeführer erblickt darin, dass die Vorinstanz seinem Antrag, die
Rapporte über die von ihr erwähnte Auseinandersetzung mit der Polizei
beizuziehen, nicht entsprach, einen Verstoss gegen Art. 5 Ziff. 4 EMRK sowie
Art. 31 Abs. 4 und Art. 29 Abs. 2 BV.

4.1 Der Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV hindert den
Richter nicht daran, einem beantragten Beweismittel aufgrund einer
vorweggenommenen Beweiswürdigung, weil er seine Überzeugung bereits aus anderen
Beweisen gewonnen hat und davon ausgeht, dass weitere Abklärungen am
massgeblichen Beweisergebnis nichts mehr zu ändern vermöchten, die Tauglichkeit
abzusprechen. Als verfassungswidrig zu beanstanden ist das Übergehen des
Beweisantrags in einem solchen Fall einzig dann, wenn die Annahme der
Untauglichkeit des Beweismittels bzw. die vorweggenommene Beweiswürdigung
willkürlich ist (dazu BGE 134 I 140 E. 5.3 S. 148 mit Hinweis). Anderes ergibt
sich auch nicht aus den die gerichtliche Überprüfung eines Freiheitsentzugs
garantierenden Bestimmungen von Art. 5 Ziff. 4 EMRK und Art. 31 Abs. 4 BV.

4.2 Der Beschwerdeführer bringt nichts vor, was die Annahme des Obergerichts,
es sei ungeachtet der von ihm angerufenen Polizeirapporte von einem nicht zu
unterschätzenden Aggressionspotential auszugehen, vollkommen unhaltbar
erscheinen liesse. Die gegen die Unterlassung des Beizugs der Rapporte
gerichtete Rüge stösst daher ins Leere.

5.
Gerügt wird ausserdem in verschiedener Hinsicht eine Verletzung von Art. 397a
ZGB und Art. 5 Ziff. 1 EMRK.

5.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, dem angefochtenen Entscheid mangle es
an einer sorgfältigen Begründung; insbesondere werde nicht hinreichend
dargelegt, dass ihm die persönliche Fürsorge nicht anders als in einer
psychiatrischen Klinik erbracht werden könne. Soweit dieses Vorbringen die Rüge
enthält, der obergerichtliche Beschluss genüge den nach Art. 112 Abs. 1 BGG an
die Begründung des kantonalen Entscheids gestellten Anforderungen nicht, ist
sie unbegründet: Den dargelegten Ausführungen des Obergerichts ist hinreichend
klar zu entnehmen, von welchem Krankheitsbild und von welchen Auswirkungen die
Vorinstanz ausgegangen ist. Dass er an einer paranoiden Schizophrenie leidet,
wie in der Vernehmlassung der Klinik vom 5. Januar 2010 festgehalten wird,
zieht der Beschwerdeführer in seiner Eingabe vom 9. Januar 2010 nicht in
Zweifel. Von Geisteskrankheit im Sinne von Art. 397a Abs. 1 ZGB - wie sie vom
Obergericht unter Hinweis auf den Entscheid des erstinstanzlichen Richters beim
Beschwerdeführer bejaht wurde - ist im Übrigen zu sprechen, wenn auf Dauer
psychische Symptome oder Verlaufsweisen auftreten, die einen stark auffallenden
Charakter haben und einem besonnenen Laien nach hinreichender Bekanntschaft mit
der betroffenen Person den Eindruck völlig uneinfühlbarer, qualitativ
tiefgehend abwegiger, grob befremdender Störungszeichen machen (vgl. BGE 118 II
254 E. 4a S. 261 mit Hinweis; EUGEN SPIRIG, Zürcher Kommentar, N. 27 zu Art.
397a ZGB). Wenn das Obergericht in Würdigung der von ihm angeführten Merkmale
dafür hält, diese erfüllten gesamthaft gesehen diese Voraussetzungen, hat es
kein Bundesrecht verletzt.

5.2 Das Obergericht hält fest, mit Handlungen wie das Betätigen der Handbremse
als Beifahrer im fahrenden Auto seines Vaters bringe der Beschwerdeführer auch
sich selbst in erhebliche Gefahr. Ausserdem sei zu befürchten, dass er im Falle
einer (sofortigen) Entlassung erneut gegenüber seinem Vater oder anderen
Personen unkontrolliert oder gar gewalttätig reagiere und sich damit in
ernsthafte Konfliktsituationen begebe, was wiederum eine Eigengefährdung
darstelle. Bei diesen Ausführungen ging es der Vorinstanz offensichtlich darum,
auf die Gefahr hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer durch sein Verhalten mit
Dritten in Konflikt geraten könnte und bei diesen ihn schädigende Reaktionen
auslösen könnte. Insofern ist entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers
nicht zu beanstanden, nicht nur von einer Fremdgefährdung, sondern auch von
einer (indirekten) Selbstgefährdung zu sprechen.

Zu den Vorbringen des Beschwerdeführers betreffend Fremdgefährdung ist vorab zu
bemerken, dass eine solche einerseits für sich allein eine fürsorgerische
Freiheitsentziehung bzw. deren Aufrechterhaltung zwar nicht zu rechtfertigen
vermag (dazu THOMAS GEISER, Basler Kommentar, 3. Auflage, N. 26 zu Art. 397a
ZGB), andererseits aber auch nicht ohne Bedeutung ist (vgl. BGE 134 III 289 E.
4.2 S. 293). Die Erklärung, es sei fraglich, ob ein Vorfall mit der Polizei,
wie er im angefochtenen Entscheid erwähnt wird, sich je zugetragen habe, ist
sodann rein appellatorischer Natur und deshalb nicht geeignet, die
entsprechende Feststellung der Vorinstanz als willkürlich erscheinen zu lassen.
Dass der Beschwerdeführer die Klinik, in die er nach jenem Vorfall eingewiesen
worden war, vor der neuerlichen Hospitalisierung verlassen hatte, ist
unerheblich und steht einer Aufrechterhaltung der gegenwärtigen fürsorgerischen
Freiheitsenziehung nicht entgegen. Ebenso wenig ist mit dem Vorbringen,
Verletzungsfolgen der Auseinandersetzung mit dem Vater nach dem Betätigen der
Handbremse seien nicht bekannt und es sei auch nicht bekannt, ob der
Beschwerdeführer den Vorfall bagatellisiere, Willkür bezüglich des
vorinstanzlichen Schlusses auf eine realitätsfremde Wahrnehmung des
Beschwerdeführers dargetan.

5.3 Der Beschwerdeführer weist darauf hin, dass er mit der Einzimmerwohnung, in
die er zurückkehren könne, ein Dach über dem Kopf habe, ihm ein solches somit
nicht in der psychiatrischen Klinik zu gewähren sei. Die Wohnverhältnisse hält
auch die Vorinstanz für geregelt. Indessen ist sie der Ansicht, dies reiche
angesichts der im Übrigen schwierigen sozialen Situation des Beschwerdeführers,
der seit über fünf Jahren von Sozialhilfe lebe, für eine Entlassung nicht aus.

Nach den Darlegungen des Obergerichts geht auch der Beschwerdeführer selbst
davon aus, nur mit Unterstützung von Bezugspersonen für sich sorgen zu können.
Die Vorinstanz bezeichnet es als unrealistisch, im gegenwärtigen Zeitpunkt von
einer solchen Hilfe auszugehen, da das Beziehungsnetz nach den eigenen Angaben
des Beschwerdeführers zur Zeit zerstört sei. Letzteres wird nicht in Abrede
gestellt. Wenn der Beschwerdeführer der vorinstanzlichen Feststellung, er könne
von Seiten seiner Eltern angesichts ihres prekären Gesundheitszustandes nur
beschränkt Hilfeleistung erwarten, entgegenhält, es frage sich, ob er für den
Vater oder dieser für ihn die grössere Belastung darstelle, ist darin nichts zu
erblicken, was die Annahme, er sei auf Hilfe angewiesen und diese sei zur Zeit
ausserhalb der Klinik nicht gewährleistet, als willkürlich erscheinen liesse.
Unbehelflich ist ebenso der gegen die obergerichtliche Feststellung, der
Beschwerdeführer sei bei der Bewältigung seiner Tagesgeschäfte überfordert,
erhobene Einwand, es stelle sich in einer solchen Situation allenfalls die
Frage einer Beistandschaft: Wie den Ausführungen der Vorinstanz zu entnehmen
ist, geht diese von einem Bedürfnis des Beschwerdeführers nach persönlicher
Fürsorge aus, und eine solche wird von einem Beistand, dessen Tätigkeit auf den
Rechtsverkehr ausgerichtet ist, nicht erbracht (GEISER, a.a.O. N. 3 zu Art.
397a ZGB). Zum Vorbringen des Beschwerdeführers, er brauche keine
Krankheitseinsicht zu zeigen und die Medikamente nicht einzunehmen, zumal das
ZGB keinen Behandlungsauftrag enthalte und deshalb auch nicht gesagt werden
könne, die erforderliche ärztliche und soziale Hilfe könne derzeit nur im
Rahmen einer stationären Behandlung in der Klinik erwiesen werden, ist zu
bemerken, dass eine Weigerung der betroffenen Person, sich behandeln zu lassen,
einer Aufrechterhaltung der fürsorgerischen Freiheitsentziehung nicht
entgegensteht (dazu BGE 134 III 289 E. 4.2 S. 294).

6.
Dass das Obergericht erklärt hätte, er habe sich (im Zusammenhang mit der
Auseinandersetzung mit Polizeibeamten) eine strafbare Handlung zuschulden
kommen lassen, macht der Beschwerdeführer selbst nicht geltend. Ob das von der
Vorinstanz festgestellte Verhalten einen Straftatbestand erfüllt, wäre
gegebenenfalls von der zuständigen Untersuchungsbehörde bzw. vom Strafrichter
zu prüfen. Im vorliegenden Verfahren stösst die Rüge der Missachtung der
Unschuldsvermutung nach Art. 6 Ziff. 2 EMRK und Art. 32 Abs. 1 BV ins Leere.

7.
Nach dem Gesagten ist nicht dargetan, dass der obergerichtliche Entscheid gegen
Bundesrecht verstosse. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten
ist. So, wie sie - von dem durch einen Rechtsanwalt vertretenen
Beschwerdeführer - begründet worden ist, erschien sie von vornherein als
aussichtslos. Das Gesuch des Beschwerdeführers, ihm für das bundesgerichtliche
Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren, ist daher abzuweisen
(vgl. Art. 64 Abs. 1 BGG). Angesichts der prekären finanziellen Verhältnisse
des Beschwerdeführers ist von der Erhebung von Gerichtskosten jedoch abzusehen
(Art. 65 Abs. 2 und Art. 66 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Das Gesuch des Beschwerdeführers, ihm für das bundesgerichtliche Verfahren die
unentgeltliche Rechtspfege zu gewähren, wird abgewiesen.

3.
Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

4.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer, der Klinik A.________ und dem
Obergericht (II. Zivilkammer) des Kantons Zürich schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 26. Januar 2010
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Hohl Gysel