Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 5A.354/2010
Zurück zum Index II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 2010
Retour à l'indice II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 2010


Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
5A_354/2010

Urteil vom 6. April 2011
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Hohl, Präsidentin,
Bundesrichter Marazzi, von Werdt,
Gerichtsschreiber Schwander.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
vertreten durch Rechtsanwältin HSG Nicole Nobs,
Beschwerdeführerin,

gegen

Y.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Mattias Dolder,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Eheschutz,

Beschwerde gegen den Entscheid des Kantonsgerichts St. Gallen, Einzelrichter im
Familienrecht, vom 31. März 2010.

Sachverhalt:

A.
X.________ (Jahrgang 1967) und Y.________ (Jahrgang 1968) heirateten am 9. März
2000. Sie sind die Eltern der zwei unmündigen Kinder A.________ (geboren 2000)
sowie B.________ (geboren 2001).
Die Ehefrau widmete sich vorwiegend der Kinderbetreuung, während der Ehemann in
einem Vollzeitpensum erwerbstätig war. Am 6. Mai 2008 erfolgte die Trennung.
Mit dringlicher Anordnung vom 7. Mai 2008 stellte die Eheschutzrichterin des
Kreisgerichts St. Gallen die beiden Kinder in die Obhut des Ehemannes, da die
Ehefrau zusammen mit ihrem damaligen neuen Freund anscheinend einen Wegzug nach
Frankreich plante (in der Folge aber nie vollzog). Mit Entscheid vom 4. März
2009 wurden die familiären Verhältnisse abschliessend geregelt: Gestützt auf
einen eingeholten Sozialbericht beliess die Eheschutzrichterin die Kinder in
der Obhut des Ehemannes. Sie anerkannte zwar die "grundsätzlich nicht
umstrittenen Erziehungsfähigkeiten" der Mutter, stellte aber entscheidend
darauf ab, dass der Vater weniger dazu neige, um die Kinder zu kämpfen und sie
für sich zu vereinnahmen. Sodann regelte die Eheschutzrichterin insbesondere
das Recht der Ehefrau auf Kontakt mit den Kindern, ordnete in diesem
Zusammenhang eine Beistandschaft an, wies das eheliche Einfamilienhaus dem
Ehemann und den Kindern zur alleinigen Nutzung zu und verpflichtete den Ehemann
zu folgenden Unterhaltszahlungen: Fr. 3'125.-- vom 1. Mai 2008 bis zum 30.
April 2009; Fr. 1'455.-- vom 1. Mai 2009 bis zum 30. April 2010 sowie Fr.
255.-- ab 1. Mai 2010.

B.
Gegen diesen Entscheid rekurrierten beide Ehegatten an das Kantonsgericht St.
Gallen. Mit Zwischenentscheid vom 16. April 2009 regelte der Einzelrichter das
Kontaktrecht der Ehefrau neu und ordnete seinerseits eine Beistandschaft zwecks
Kinderübergabe sowie zur Vermittlung an. Im Mai 2009 wurde beim Kinder- und
Jungendpsychiatrischen Dienst des Kantons Zürich (Dienststelle C.________) ein
Gutachten zur Obhutsfrage in Auftrag gegeben. Anfangs Februar 2010 lag dieses
vor. Das von einer Oberärztin und zwei Psychologinnen erstellte Gutachten kam
zum Schluss, dass die beiden Kinder in die Obhut der Mutter zu stellen seien.
Mit Entscheid vom 31. März 2010 stellte der Einzelrichter im Familienrecht des
Kantonsgerichts St. Gallen die beiden Kinder - entgegen der gutachterlichen
Empfehlung - in die Obhut des Ehemannes, regelte das Besuchs- und Ferienrecht
der Ehefrau und verpflichtete den Ehemann, der Ehefrau monatlich im Voraus
folgende Ehegattenunterhaltsbeiträge zu bezahlen: Fr. 3'000.-- ab 7. Mai 2008,
Fr. 2'350.-- ab 1. Januar 2010 sowie Fr. 1'600.-- ab 1. Juli 2010; im Übrigen
bestätigte er den vorinstanzlichen Entscheid (betreffend Beistandschaft,
Wohnungszuweisung sowie Kostenverlegung).

C.
Mit Beschwerde in Zivilsachen vom 6. Mai 2010 gelangt die Ehefrau (nachfolgend
Beschwerdeführerin) an das Bundesgericht und verlangt im Wesentlichen, die
Zuteilung der Obhut über die beiden Kinder unter gleichzeitiger Regelung des
Besuchs- und Ferienrechts des Beschwerdegegners (Ziff. 1), einen
Ehegattenunterhaltsbeitrag von monatlich Fr. 4'300.-- sowie einen
Kinderunterhaltsbeitrag von Fr. 800.-- pro Kind (Ziff. 2), die Zuweisung des
ehelichen Einfamilienhauses (Ziff. 3), die vorinstanzliche Kostentragung gemäss
Verfahrensausgang (Ziff. 4), die aufschiebende Wirkung (Ziff. 5), einen
Prozesskostenvorschuss für das bundesgerichtliche Verfahren von Fr. 6'000.--
(Ziff. 6) sowie eventualiter die unentgeltliche Rechtspflege unter Beiordnung
ihrer Rechtsvertreterin (Ziff. 7).
Mit Verfügung vom 11. Mai 2010 wies die Präsidentin der II. zivilrechtlichen
Abteilung die Gesuche um aufschiebende Wirkung sowie um vorsorgliche Massnahmen
ab, sistierte das Verfahren bis zum Entscheid über den Prozesskostenvorschuss,
für den der kantonale Massnahmerichter zuständig ist, und hielt fest, dass über
das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gegebenenfalls später entschieden
werde. Mit Entscheid vom 25. Oktober 2010 verpflichtete das Kantonsgericht St.
Gallen, den Beschwerdegegner zur Leistung eines Prozesskostenvorschusses von
Fr. 6'000.-- für das Verfahren vor Bundesgericht.
Mit Eingabe vom 14. Dezember 2010 unterbreitete die Beschwerdeführerin dem
Bundesgericht neue Tatsachenbehauptungen und Beweismittel.
Es wurden die Akten, aber keine Vernehmlassungen eingeholt.

Erwägungen:

1.
1.1 Angefochten ist ein letztinstanzlicher Entscheid über die Anordnung von
Massnahmen zum Schutz der ehelichen Gemeinschaft (Art. 172 ff. ZGB). Es handelt
sich dabei um einen Endentscheid in Zivilsachen (Art. 72 Abs. 1 BGG und Art. 90
BGG; BGE 133 III 393 E. 4 S. 395 f.). Erst als Folge der Kinderzuteilung geht
es auch um die Unterhaltsbeiträge. Familienrechtliche Klagen mit finanziellen
Nebenfolgen gelten als nicht vermögensrechtliche Streitigkeiten, wenn die
Regelung dieser Folgen notwendiger Bestandteil des Entscheides über die nicht
vermögensrechtliche Streitigkeit ist (Urteil 5A_108/2007 vom 11. Mai 2007 E.
1.2). Damit sind die Voraussetzungen für die Beschwerde in Zivilsachen gegeben.

1.2 Eheschutzentscheide sind Entscheide über vorsorgliche Massnahmen (BGE 133
III 393 E. 5 S. 396 f.). Nach Art. 98 BGG kann demnach nur die Verletzung
verfassungsmässiger Rechte gerügt werden. Zur Anwendung gelangt das strenge
Rügeprinzip (Art. 106 Abs. 2 BGG). Es muss klar und detailliert anhand der
Erwägungen des angefochtenen Entscheides dargelegt werden, inwiefern
verfassungsmässige Rechte verletzt worden sein sollen. Auf rein appellatorische
Kritik am angefochtenen Entscheid tritt das Bundesgericht nicht ein (BGE 133 II
396 E. 3.1 S. 399 f.; 133 III 589 E. 2 S. 591 f.).
Wird eine Verletzung des Willkürverbots geltend gemacht, muss im Einzelnen
aufgezeigt werden, in welcher Hinsicht der Entscheid an einem qualifizierten
und offensichtlichen Mangel leidet. Es reicht nicht aus, die Rechtslage aus
Sicht des Beschwerdeführers darzulegen und den davon abweichenden angefochtenen
Entscheid als willkürlich zu bezeichnen (BGE 130 I 258 E. 1.3 S. 261 f.; 134 II
244 E. 2.2 S. 246).
1.3
Es ist nicht Aufgabe des Bundesgerichts, Beweise abzunehmen und Tatsachen
festzustellen, über die sich das kantonale Sachgericht nicht ausgesprochen hat
(BGE 136 III 209 E. 6.1 S. 214). Neue Beweismittel dürfen vor Bundesgericht
einzig soweit vorgebracht werden, als erst der Entscheid der Vorinstanz dazu
Anlass gab (Art. 99 Abs. 1 BGG). In der Beschwerde ist darzulegen, inwiefern
diese Voraussetzungen für die Abnahme neuer Beweismittel erfüllt sind (BGE 133
III 393 E. 3 S. 395; 134 V 223 E. 2.2.1 S. 226 f.).
Echte Noven, d.h. Tatsachen, die sich erst nach dem Zeitpunkt zugetragen haben,
nachdem vor der Vorinstanz keine neuen Tatsachen (mehr) vorgetragen werden
durften, sind vor Bundesgericht - jedenfalls soweit sie den angefochtenen
Entscheid in der Sache betreffen - unbeachtlich (BGE 133 IV 342 E. 2.1 S. 344;
135 I 221 E. 5.2.4 S. 229).
Soweit die Beschwerdeführerin im bundesgerichtlichen Verfahren neue
Behauptungen aufgestellt bzw. Beweismittel eingereicht hat, ist darauf nicht
einzutreten.

2.
2.1 Strittig ist im vorliegenden Fall primär die Obhut über die beiden
gemeinsamen Kinder. Mangels entsprechender Eventualanträge sind alle weiteren
vorliegend strittigen Punkte (Besuchsrecht, Ferienrecht, Ehegattenunterhalt,
Kinderunterhalt, Zuweisung des Einfamilienhauses sowie Verteilung der
vorinstanzlichen Kosten) nur unter der Voraussetzung zu prüfen, dass die
Beschwerdeführerin in der Obhutsfrage obsiegt.

2.2 Das mit der "Regelung des Getrenntlebens" (Marginalie zu Art. 176 ZGB)
befasste Eheschutzgericht trifft nach den Bestimmungen über die Wirkungen des
Kindesverhältnisses die nötigen Massnahmen, wenn die Ehegatten unmündige Kinder
haben (Art. 176 Abs. 3 ZGB). Für die Zuteilung der Obhut an einen Elternteil
gelten grundsätzlich die gleichen Kriterien wie im Scheidungsfall. Nach der
Rechtsprechung hat das Wohl des Kindes Vorrang vor allen anderen Überlegungen,
insbesondere vor den Wünschen der Eltern.
Vorab muss die Erziehungsfähigkeit der Eltern geklärt werden. Ist diese bei
beiden Elternteilen gegeben, sind vor allem Kleinkinder und
grundschulpflichtige Kinder demjenigen Elternteil zuzuteilen, der die
Möglichkeit hat und dazu bereit ist, sie persönlich zu betreuen. Erfüllen beide
Elternteile diese Voraussetzung ungefähr in gleicher Weise, kann die Stabilität
der örtlichen und familiären Verhältnisse ausschlaggebend sein. Unter Umständen
kann die Möglichkeit der persönlichen Betreuung auch dahinter zurücktreten
(Urteil 5C.212/2005 vom 25. Januar 2006 E. 4.2 und 4.4.1, in: FamPra.ch 2006 S.
753 ff.). Schliesslich ist - je nach Alter der Kinder - ihrem eindeutigen
Wunsch Rechnung zu tragen. Diesen Kriterien lassen sich die weiteren
Gesichtspunkte zuordnen, namentlich die Bereitschaft eines Elternteils, mit dem
anderen in Kinderbelangen zusammenzuarbeiten oder die Forderung, dass eine
Zuteilung der Obhut von einer persönlichen Bindung und echter Zuneigung
getragen sein sollte (vgl. BGE 115 II 206 E. 4a S. 209; 115 II 317 E. 2 und 3
S. 319 ff.; 117 II 353 E. 3 S. 354 f.; BGE 5A_798/2009 vom 4. März 2010 E.
5.3).
Bei der Beurteilung der für die Obhutszuteilung massgebenden Kriterien verfügt
das Sachgericht über grosses Ermessen (vgl. alle soeben zitierten Urteile). Auf
Willkürbeschwerde hin kann das Bundesgericht deshalb nur eingreifen, wenn das
Sachgericht grundlos von in Lehre und Rechtsprechung anerkannten Grundsätzen
abgewichen ist, wenn es Gesichtspunkte berücksichtigt hat, die keine Rolle
hätten spielen dürfen, oder wenn es umgekehrt rechtserhebliche Umstände ausser
Acht gelassen hat. Der Ermessensentscheid muss sich als im Ergebnis
offensichtlich unbillig, als in stossender Weise ungerecht erweisen (BGE 109 la
107 E. 2c S. 109; 128 III 4 E. 4b S. 6 f.; 132 III 97 E. 1 S. 99).

3.
3.1 Im Zusammenhang mit der Obhutsfrage stellte die Vorinstanz in tatsächlicher
Hinsicht Folgendes fest:
Im Mai 2009 wurde beim Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst des Kantons
Zürich (Dienststelle C.________) ein Gutachten zur Beziehung zwischen Eltern
und Kindern in Auftrag gegeben. Mitte 2009 berief die Vorinstanz einen runden
Tisch ein, an dem sich die Eltern, deren Vertreter, die Gutachterin sowie der
Beistand unter der Leitung des Kantonsgerichts beteiligten. Dabei trafen die
Parteien mehrere Abmachungen zur Verbesserung der Verhältnisse. Wenige Stunden
später verängstigte die Mutter die Kinder mit einem dramatischen Auftritt vor
dem Haus des Vaters. Aufgrund dieses Ereignisses wurde der Kontakt mit der
Mutter einstweilen sistiert und erst mit einzelrichterlicher Verfügung vom 29.
September 2009 wieder aufgenommen.
Anfangs Februar 2010 lag das Gutachten vor; es empfahl, die Kinder in die Obhut
der Mutter zu stellen, da sie eher für eine persönliche Betreuung sorgen könne
und mehr Toleranz gegenüber dem anderen Elternteil aufbringe. Weiter wurde die
Aufnahme einer Elternberatung und die Weiterführung der Beistandschaft
vorgeschlagen. Etwa zur selben Zeit verbrachten die Kinder mit der Mutter
Ferien in einem Wintersportort. Der Ferienaufenthalt musste auf dringenden
Wunsch der Kinder vorzeitig abgebrochen werden. Seither will der Knabe der
Mutter nicht mehr begegnen, und das Mädchen besucht sie nach einem Unterbruch
von mehreren Wochen nur noch tageweise. Die Gutachterin hat diesen Vorfall
nicht mehr untersuchen und keine Schlüsse daraus ziehen können.
Zum Zeitpunkt des vorinstanzlichen Entscheids (d.h. am 31. März 2010) lebten
die Kinder bereits seit rund 23 Monaten beim Beschwerdegegner. Während dieser
Zeit erschwerten mehrere Zwischenfälle die Wiederannäherung der Kinder an die
Mutter. Beide Seiten haben in individueller Weise auf den fortgesetzten
Partnerkonflikt reagiert, was ihre Erziehungsfähigkeiten in unterschiedlicher
Art beeinträchtigt hat. Gemäss den von der Vorinstanz für zutreffend erachteten
Feststellungen der Gutachterin hat sich die Ehefrau unter dem Einfluss der
erlittenen Kränkungen und dem dadurch ausgelösten emotionalen Stress zu
mitunter spektakulären Angriffen auf den Ehemann hinreissen lassen, wobei die
Kinder einzelne Szenen miterlebten. Der Ehemann seinerseits hat die Kinder in
den Partnerschaftskonflikt einbezogen. Er hat mit Unterstützung seines Umfelds
die Mutter und ihre Verhaltensweisen abgewertet und den Kindern so ein
negatives Elternbild vermittelt. Beide Kindern äussern den Wunsch, beim Vater
bleiben zu können, und sind derzeit nicht oder nur schwer dazu zu bewegen,
Kontakt mit der Mutter zu halten.
Das Gutachten wollte indes auf diesen klar geäusserten Kindeswillen nicht
abstellen, da die damals acht bzw. neun Jahre alten Kinder damit nur die vom
Vater induzierte Meinung ausdrücken würden und sich kein eigenes Urteil bilden
könnten. Folglich seien die Kinder bei der Mutter zu platzieren, denn diese
würde ihnen wohl eine ungehinderte Beziehung zu beiden Eltern ermöglichen,
während der Vater sie vermutlich negativ gegen den anderen Elternteil
beeinflusse.

3.2 Die Vorinstanz erachtete die gutachterliche Beurteilung der
Obhutsproblematik "als faktisch nicht ganz nachvollziehbar". Die Ehefrau habe
in periodischen Gefühlsausbrüchen mehrmals die Kontrolle über sich verloren und
vor den Kindern ihre Abneigung gegenüber dem Vater ausgedrückt. Des Weiteren
folge das Gutachten offensichtlich dem Konzept der sog. Eltern-Entfremdung
(Parental Alienation Syndrome; PAS) und schliesse kurzerhand auf eine
Obhutsumteilung. Dies entspreche nicht dem Kindeswohl. Schliesslich habe sich
die Situation nach Abschluss des Gutachtens bzw. in den mit der Mutter
verbrachten Wintersportferien 2010 insoweit zugespitzt, als der Knabe den
Kontakt zur Mutter verweigere und auch das Mädchen damit verstärkt Mühe
bekunde. Eine Umteilung liesse sich nur mit Zwang bewerkstelligen, wodurch das
Kindeswohl Schaden nähme.
Wenn Vorinstanz und Beschwerdeführerin vorliegend von einer Umteilung der Obhut
sprechen, meinen sie damit lediglich eine erstmalige definitive Zuteilung der
Obhut, die von der provisorischen abweicht. Auch diese Problematik ist indes
grundsätzlich nach den gleichen Kriterien zu beurteilen wie eine
Obhutsumteilung im eigentlichen Sinne.

4.
4.1 Die Beschwerdeführerin wirft der Vorinstanz vor, diese sei bei ihren
Ausführungen, wonach das gerichtliche Gutachten dem Konzept der sog.
Eltern-Entfremdung (Parental Alienation Syndrome; PAS) folge und deshalb
fachlich nicht überzeugend sei, nicht auf die Ausführungen der
Beschwerdeführerin eingegangen, wonach gar kein Fall von PAS vorliege und die
Gutachterinnen - entgegen der vorinstanzlichen Sichtweise - sehr wohl eine
individuelle Kindeswohlprüfung vorgenommen hätten.
Sodann erachtet es die Beschwerdeführerin als willkürlich, dass die Vorinstanz
- unter Hinweis auf ihre impulsiven Handlungen und Gefühlsausbrüche - das
Gutachten als "faktisch nicht ganz nachvollziehbar" bezeichnete und von ihm
abwich, denn im Gutachten seien ihre impulsiven Handlungen und Gefühlsausbrüche
sowie deren Auswirkungen auf die beiden Kinder bereits berücksichtigt.
In den Augen der Beschwerdeführerin verkennt die Vorinstanz schliesslich, dass
das Gutachten die Empfehlung auf Obhutszuteilung an sie insbesondere auch mit
ihrer besseren Eigenbetreuungskapazität begründet habe. Zudem habe die
Vorinstanz auch zur Frage der Betreuungskontinuität willkürliche Annahmen
getroffen. Sie gehe nämlich in keiner Weise auf den Umstand ein, dass der
Beschwerdegegner die beiden Kinder in Zukunft nicht mehr durch die beiden
Grosseltern, sondern durch seine neue Lebenspartnerin betreuen lassen wolle,
wie er dies im Rahmen der gutachterlichen Befragung zum Ausdruck gebracht habe.

4.2 Diese Einwendungen erweisen sich als unberechtigt, denn die Vorinstanz hat
eine eigene Kindeswohlprüfung vorgenommen und letztlich das Kriterium der
Stabilität der Verhältnisse in den Vordergrund gerückt, was zumindest im
Ergebnis bzw. insofern als dadurch vom Gutachten abgewichen wird, nicht
willkürlich ist (s. dazu E. 4.3 hiernach).
Die Vorinstanz hat festgestellt, dass sich die Kinder an den Vater "klammern"
und mit der Mutter "möglichst wenig zu tun haben möchten", wobei der Knabe seit
den Wintersportferien 2010 den Kontakt zur Mutter gänzlich verweigert. Beide
Kindern äusserten klar den Wunsch, beim Beschwerdegegner zu bleiben.
Das Gutachten erachtet diesen Kindeswillen nicht für massgebend, da er
lediglich vom Beschwerdegegner induziert sei. Diesbezüglich erwog die
Vorinstanz, der Ehemann habe zwar die Kinder in den ungelösten Partnerstreit
einbezogen und mit Unterstützung seines Umfeldes die Mutter und ihre
Verhaltensweisen abgewertet, so dass den Kindern ein negatives Elternbild
vermittelt worden sei. Andererseits hielt die Vorinstanz dem Beschwerdegegner
aber auch zugute, dass er in den Gerichtsverhandlungen ein gewisses Verständnis
für die schwierige Situation der Beschwerdeführerin ausgedrückt und wenigstens
ansatzweise Bereitschaft zur Versöhnung gezeigt hat.
Soweit die Beschwerdeführerin der Vorinstanz unter anderem auch vorwirft, die
negativen Beeinflussungen des Beschwerdegegners bzw. seines Umfelds gänzlich
übergangen zu haben, geht ihre Rüge offensichtlich fehl.
Zur Beschwerdeführerin erwog die Vorinstanz, diese habe in ihren periodischen
Gefühlsausbrüchen mehrmals die Kontrolle über sich verloren und vor den Kindern
ihre Abneigung gegenüber dem Vater ausgedrückt; dabei habe sie sich zu mitunter
spektakulären Angriffen auf den Ehemann hinreissen lassen, wobei sie dadurch
die Kinder verängstigte, die einzelne dieser Szenen miterleben mussten.
Daraus erhellt, dass sich beide Eltern mit Blick auf das Kindeswohl
unsachgemäss verhalten haben; andererseits hat die Vorinstanz festgestellt,
dass die Erziehungsfähigkeit beider Eltern - obschon beeinträchtigt - im
Grundsatz doch noch als gegeben zu betrachten sei.

4.3 Nicht nur eine Obhutsumteilung gegen den Kindeswillen, sondern auch ein -
vom Kind ausdrücklich gewollter - Verbleib in einem negativ geprägten Umfeld
kann das Kindeswohl beeinträchtigen (Harry Dettenborn, Kindeswohl und
Kindeswille, 3. Aufl., 2010, S. 129 und S. 132). Eine gegen den Kindeswillen
erfolgende Obhutsumteilung auf den nicht manipulativ-intriganten Elternteil ist
indes grundsätzlich nur dann in Betracht zu ziehen, wenn sich dieser Elternteil
in der Vergangenheit seinerseits nicht manipulativ-intrigant oder zumindest
(bezüglich der Kinder) verantwortungslos verhalten hat. Dies trifft vorliegend
auf die Beschwerdeführerin nicht zu, auch wenn ihr ein gewisses Verständnis für
ihre schwierige Lage als Mutter mit entzogener Obhut entgegengebracht wird.
In Fällen wie dem vorliegenden, in denen sich beide Elternteile in irgendeiner
Form mit Bezug auf die Kinder manipulativ-intrigant bzw. verantwortungslos
verhalten haben, erscheint ein Festhalten am Status Quo grundsätzlich
sachgerechter, zumal eine Umteilung der Obhut schon per se ein heikles
Unterfangen ist. Zudem fällt vorliegend auch der Faktor Zeit ins Gewicht: Je
länger ein Verfahren dauert, desto problematischer wird eine Obhutsumteilung
gegen den Kindeswillen und desto mehr gewinnt das Kriterium der Stabilität der
Verhältnisse an Bedeutung (Dettenborn, a.a.O., S. 133). Vorliegend befanden
sich die beiden Kinder bereits zum Zeitpunkt des vorinstanzlichen Entscheids
(31. März 2010) seit rund 23 Monaten in der väterlichen Obhut. In Anbetracht
dieser Umstände durfte die Vorinstanz, ohne in Willkür zu verfallen, das
Zuteilungskriterium der Stabilität der Verhältnisse so weit priorisieren, dass
auch die bessere Eigenbetreuungskapazität der Beschwerdeführerin sowie eine
allfällige personelle Änderung im väterlichen Betreuungsumfeld daran nichts zu
ändern vermögen (vgl. auch Urteil 5C.212/2005 vom 25. Januar 2008 E. 4.4.1, in:
FamPra.ch 2006 S. 753 ff.).

5.
5.1 Die Beschwerdeführerin rügt überdies, die Vorinstanz habe weder Dr. med.
D.________ noch Dr. E.________ als Zeuginnen bzw. Expertinnen zur Situation der
Kinder befragt und dadurch das rechtliche Gehör verletzt.
Bei der Erstgenannten handelt es sich um eine Beraterin der Beschwerdeführerin,
bei der Zweitgenannten um eine Beraterin des Beschwerdegegners. Da die
Vorinstanz zur Situation der Kinder ein Gutachten angeordnet hatte, durfte sie
auf die Befragung der vorgenannten beiden Personen verzichten, und zwar
namentlich auch mit Blick auf die summarische Natur des vorliegenden
Verfahrens. Dass diese Befragung verlangt wurde, um abzuklären, in welchem
Zustand sich die Kinder nach Abbruch der Wintersportferien bzw. nach Beendigung
des Gutachtens befanden, ändert daran nichts. Denn die Vorinstanz befand
implizit, sie sei selbst in der Lage, sich über die Auswirkungen dieser
jüngsten Ereignisse auf die Kinder ein Bild zu machen. Es liegt insofern keine
Verletzung des rechtlichen Gehörs vor.

5.2 Die Beschwerdeführerin beanstandet weiter, die Vorinstanz habe nicht
begründet, wie sie - ohne die Kinder je gesehen oder angehört zu haben - zum
Schluss kommt, ein Obhutswechsel lasse sich nur mit eigentlichem Zwang
bewerkstelligen, und es müsse zunächst die Mutter-Kind-Beziehung wieder
aufgebaut werden (dies obwohl die Gutachterinnen festgestellt hätten, dass die
Kinder eine gute, liebe und vertrauensvolle Beziehung zu beiden Elternteilen
haben).
Die Vorinstanz hat unter anderem festgestellt, dass der Knabe seit Abbruch der
mit der Mutter verbrachten Wintersportferien dieser nicht mehr begegnen will,
das Mädchen die Mutter - nach einem Unterbruch von mehreren Wochen - nur noch
tageweise besucht und die Gutachterinnen diesen jüngsten Vorfall bzw. seine
Auswirkungen nicht mehr untersuchen konnten. Aufgrund dieser erst nach
Vorliegen des Gutachtens eingetretenen veränderten Sachlage kann der Vorinstanz
keine Willkür vorgeworfen werden. Im Übrigen ist die von der Beschwerdeführerin
betonte gutachterliche Aussage, wonach beide Kinder eine gute, liebe und
vertrauensvolle Beziehung zu beiden Elternteilen haben, aus dem Zusammenhang
gerissen und verschweigt die ebenfalls bereits im Gutachten thematisierten
Probleme in der Eltern-Kind-Beziehung, so dass sich allein damit keine Rüge
begründen lässt.

5.3 Sodann wirft die Beschwerdeführerin der Vorinstanz vor, sie habe ihr
Abweichen vom Gutachten namentlich damit begründet, dass sich die Lage seit dem
Gutachten bzw. seit den Sportferien weiter zugespitzt habe. Seither würden sich
die Kinder an den Vater "klammern", während sie mit der Mutter möglichst wenig
zu tun haben möchten. Die Beschwerdeführerin macht geltend, es ergebe sich aus
den Akten, dass die Gutachterinnen noch vor Ablieferung des Gutachtens über
diese jüngsten Entwicklungen im Bild gewesen seien, dennoch aber die Zuteilung
der Obhut an die Beschwerdeführerin empfohlen hätten.
Die Beschwerdeführerin legt nicht dar, wo die erwähnten Entwicklungen im
Gutachten selbst thematisiert oder auch nur vermerkt sind. Entscheidend ist
nicht die Kenntnis der Gutachterinnen, sondern das, was im Gutachten zum
Ausdruck kommt. Wussten die Gutachterinnen zwar von den Ereignissen, wie dies
die Beschwerdeführerin unter Verweis auf die Akten geltend macht, erwähnten sie
diese Ereignisse indes mit keinem Wort, durfte die Vorinstanz insofern vom
Gutachten abweichen, als sie diesen Ereignissen eine wesentliche Bedeutung
zumass. Dass die Vorinstanz in diesem Zusammenhang auf Weiterungen wie die
Zulassung von Ergänzungsfragen an die Gutachterinnen verzichtet hat, kann ihr -
mit Blick auf die summarische Natur des vorliegenden Verfahrens - nicht als
Willkür angelastet werden.

5.4 Die Beschwerdeführerin rügt weiter eine Verletzung des rechtlichen Gehörs,
da E-Mails oder Telefongespräche, mit denen die Vorinstanz auf E-Mails des
Beschwerdegegners betreffend die Ereignisse in den Wintersportferien
geantwortet habe, nicht in den Akten dokumentiert seien. Die Beschwerdeführerin
verweist namentlich auf ein vom Beschwerdegegner in Form eines Papierausdrucks
eingereichtes E-Mail vom 3. Februar 2010, 23:08 Uhr, das dieser dem Beistand
F.________ betreffend den damals aktuellen Wintersportferienvorfall gesendet
hatte. Diese E-Mail ging "CC" auch an den vorinstanzlichen Einzelrichter. Im
E-Mail-Text schreibt der Beschwerdegegner nebenbei: "Hier: Besten Dank für die
guten Ratschläge von Frau G.________." Bei der Genannten handelt es sich um die
Gerichtsschreiberin, die den vorinstanzlichen Entscheid mitunterzeichnet hat.
Die Beschwerdeführerin rügt, die Gerichtsakten enthielten keine Aktennotiz über
den in der genannten E-Mail erwähnten Kontakt zwischen Gericht und Gegenpartei.
Sie verweist zudem auf zwei weitere bei den Akten liegende E-Mail-Ausdrucke,
aus denen sich ergibt, dass der Beschwerdegegner das Gericht kurze Zeit vor dem
erwähnten E-Mail kontaktiert und um Rat gefragt hat, wie er sich mit Blick auf
die damals in Gang befindlichen Ereignisse in den Wintersportferien 2010
verhalten solle.
Von diesen E-Mails bzw. E-Mail-Ausdrucken erfuhr die Beschwerdeführerin, als
ihr das Kantonsgericht mit Schreiben vom 3. März 2010 die Stellungnahme des
Beschwerdegegners zum eingeholten Gutachten sowie weitere Unterlagen zustellte.
Mit Schreiben vom 9. März 2010 wandte sich die Beschwerdeführerin in der Folge
wiederum an die Vorinstanz, allerdings ohne die unterlassene Protokollierung zu
beanstanden oder sich nach entsprechenden Aktennotizen zu erkundigen. Die
Beschwerdeführerin legt auch nicht dar, die unterlassene Protokollierung in
einer anderen Eingabe vor Erlass des vorinstanzlichen Urteils beanstandet zu
haben. Infolgedessen bleibt es ihr nach Ergehen des vorinstanzlichen Urteils
verwehrt, diesen Umstand vor Bundesgericht als Verletzung des rechtlichen
Gehörs zu rügen, zumal sich die Beschwerdeführerin vor Erlass des
vorinstanzlichen Urteils bewusst sein musste, dass die mit dem erwähnten
Kontakt zusammenhängenden Umstände (betreffend Vorfall in den Wintersportferien
2010) im Hinblick auf die Urteilsfällung jedenfalls nicht offensichtlich
belanglos sein würden.

6.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf eingetreten
werden kann. Die Beschwerdeführerin unterliegt und wird kostenpflichtig (Art.
66 Abs. 1 BGG). Dem Beschwerdegegner ist hingegen kein
entschädigungspflichtiger Aufwand entstanden (Art. 68 Abs. 1 BGG). Nachdem der
Beschwerdegegner verpflichtet wurde, der Beschwerdeführerin einen
Prozesskostenvorschuss von Fr. 6'000.-- zu bezahlen, wird das Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege für das Verfahren vor Bundesgericht
gegenstandslos.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann.

2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird als gegenstandslos
abgeschrieben.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 3'000.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht St. Gallen,
Einzelrichter im Familienrecht, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 6. April 2011
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Hohl Schwander