Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 5A.645/2010
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
5A_645/2010

Urteil vom 27. Dezember 2010
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Hohl, Präsidentin,
Bundesrichterin Escher,
Bundesrichter Marazzi, von Werdt, Herrmann,
Gerichtsschreiber Zingg.

Verfahrensbeteiligte
Bank X.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Urs Leu,
Beschwerdeführerin,

gegen

Erwachsenen- und Kindesschutzkommission der Stadt Bern.

Gegenstand
Legitimation zur Vormundschaftsbeschwerde (Art. 420 ZGB),

Beschwerde gegen den Entscheid des Obergerichts des Kantons Bern,
Appellationshof, 1. Zivilkammer, vom 5. August 2010.

Sachverhalt:

A.
Die Bank X.________ verwahrt Vermögenswerte von A.________. Am 27. Januar 2009
errichtete die Erwachsenen- und Kindesschutzkommission der Stadt Bern über
A.________ eine Beistandschaft auf eigenes Begehren und ernannte B.________ zum
Beistand.
Mit Saldierungsauftrag vom 7. Juli 2009 wies der Beistand die Bank X.________
an, sämtliche Konti und Depots von A.________ zu saldieren und das Guthaben auf
ein Konto bei der Bank C.________ zu übertragen.

B.
Gegen diese Handlung des Beistands erhob die Bank X.________ am 20. Juli 2009
Beschwerde im Sinne von Art. 420 Abs. 1 ZGB. Die Erwachsenen- und
Kindesschutzkommission der Stadt Bern beschloss am 22. September 2009, auf die
Beschwerde nicht einzutreten.

C.
Am 5. Oktober 2009 erhob die Bank X.________ gegen diesen Beschluss Beschwerde
gemäss Art. 420 Abs. 2 ZGB an das Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland,
welche am 12. April 2010 abgewiesen wurde.

D.
Die Bank X.________ erklärte am 23. April 2010 die Weiterziehung an das
Obergericht des Kantons Bern. Am 5. August 2010 wies das Obergericht das
Rechtsmittel ab.

E.
Dagegen hat die Bank X.________ (Beschwerdeführerin) am 14. September 2010
Beschwerde in Zivilsachen und - eventualiter - subsidiäre Verfassungsbeschwerde
erhoben. Sie beantragt die Aufhebung des angefochtenen Entscheides und die
Rückweisung der Sache zur materiellen Beurteilung an das Obergericht, eventuell
an die Erwachsenen- und Kindesschutzkommission der Stadt Bern. Subeventualiter
sei der Saldierungsauftrag des Beistandes zu widerrufen und dieser anzuweisen,
die bestehenden Konti und Depots von A.________ bei der Beschwerdeführerin
aufrecht zu erhalten.
Die Erwachsenen- und Kindesschutzkommission ersucht um Abweisung der
Beschwerde. Das Obergericht hat sich nicht vernehmen lassen. Aufgrund einer
verfrühten Aktenrücksendung durch die Vorinstanz standen dem Bundesgericht
nicht alle in der Angelegenheit ergangenen Akten zur Verfügung (vgl. unten E.
2).

Erwägungen:

1.
Der angefochtene Entscheid betrifft die Aufsicht über die
Vormundschaftsbehörden und damit eine der Beschwerde in Zivilsachen
unterliegende Angelegenheit (Art. 72 Abs. 2 lit. b Ziff. 5 BGG) ohne
vermögensrechtlichen Charakter (Urteil 5A_532/2007 vom 8. April 2008 E. 1). Er
ist kantonal letztinstanzlich (Art. 75 Abs. 1 BGG) und schliesst das Verfahren
ab (Art. 90 BGG). Die Beschwerdeführerin hat ein rechtlich geschütztes
Interesse an der Klärung der Frage, ob die Vormundschaftsbehörde zu Recht nicht
auf ihre Beschwerde eingetreten ist (Art. 76 Abs. 1 lit. b BGG). Auf die
rechtzeitig erhobene Beschwerde in Zivilsachen (Art. 100 Abs. 1 i.V.m. Art. 46
Abs. 1 lit. b BGG) ist somit grundsätzlich einzutreten. Für die subsidiäre
Verfassungsbeschwerde, die für den Fall der Unzulässigkeit der Beschwerde in
Zivilsachen erhoben wurde, bleibt demnach kein Raum (Art. 113 BGG).
Mit Beschwerde in Zivilsachen können Rechtsverletzungen gemäss Art. 95 f. BGG
geltend gemacht werden. Die Feststellung des Sachverhalts kann hingegen nur
gerügt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig - d.h. willkürlich (BGE 135
III 127 E. 1.5 S. 130) - ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art.
95 BGG beruht und die Behebung des Mangels für den Ausgang des Verfahrens
entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1 BGG). Ansonsten ist der vorinstanzlich
festgestellte Sachverhalt für das Bundesgericht verbindlich (Art. 105 Abs. 1
BGG).

2.
Die Beschwerdeführerin rügt eine aktenwidrige und offensichtlich unrichtige
Tatsachenfeststellung der Vorinstanz bei der Wiedergabe der Anweisung des
Beistands zur Überweisung der Vermögenswerte von A.________. Offenbar geht es
einzig um die genaue Umschreibung der betroffenen Konti und Depots. Inwieweit
eine Korrektur dieser Umschreibung Auswirkungen auf das Verfahren haben könnte,
ist weder dargetan noch ersichtlich (Art. 97 Abs. 1 BGG), weshalb darauf nicht
einzutreten ist. Trotz Verletzung von Art. 102 Abs. 2 BGG erübrigt es sich
deshalb auch, die Vorinstanz nochmals zur Akteneinreichung aufzufordern, um zu
überprüfen, ob die Feststellung der Vorinstanz tatsächlich aktenwidrig ist.

3.
Gegenstand des Verfahrens bildet die Frage, ob die Beschwerdeführerin zur
Erhebung einer Beschwerde gemäss Art. 420 ZGB gegen die fragliche Handlung des
Beistandes legitimiert ist. Dabei ist vorauszuschicken, dass sich diese
Beschwerde über den Wortlaut der Norm hinaus nicht nur gegen Handlungen eines
Vormundes, sondern auch eines Beistandes richten kann (Art. 367 Abs. 3 ZGB).

3.1 In analoger Anwendung von Art. 420 Abs. 1 ZGB können somit gegen Handlungen
des Beistandes der urteilsfähige Verbeiständete sowie jedermann, der ein
Interesse hat, Beschwerde führen. Das Recht des Dritten zur Beschwerdeführung
ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung eingeschränkt. Demnach ist ein
Dritter zur Beschwerdeführung gemäss Art. 420 ZGB legitimiert, wenn er sich auf
Interessen der schutzbedürftigen Person beruft oder die Verletzung eigener
Rechte oder Interessen geltend macht (BGE 121 III 1 E. 2a S. 3). Wie sich der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung entnehmen lässt, wird die Verfolgung eigener
Interessen aber nur insofern zugelassen, als bei der angefochtenen Handlung die
geltend gemachten Rechte oder Interessen des Beschwerdeführers überhaupt
berücksichtigt werden müssen (BGE 121 III 1 E. 2b S. 4; Urteil 5C.242/2005 vom
17. Januar 2006 E. 2.2; THOMAS GEISER, in: Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch,
3. Aufl. 2006, N. 31 zu Art. 420 ZGB).

3.2 Die Vorinstanz hat die Legitimation der Beschwerdeführerin einzig unter dem
Aspekt der Wahrung von Interessen der schutzbedürftigen Person geprüft. Sie hat
angenommen, das Beschwerderecht stehe in diesem Fall nicht beliebigen Dritten
zu, sondern erforderlich sei ein besonderes Näheverhältnis zur
schutzbedürftigen Person, und hat hiezu auf eine Analogie zu Art. 397d Abs. 1
ZGB abgestellt. Die angebliche Beziehung zwischen A.________ und der
Beschwerdeführerin bzw. der zuständigen Bankangestellten sei dazu nicht
genügend eng. Ob die Beschwerdeführerin zur Wahrung eigener Rechte oder
Interessen Vormundschaftsbeschwerde erheben könne, hat das Obergericht mangels
ausdrücklicher Geltendmachung nicht geprüft.

3.3 Die Beschwerdeführerin behauptet nach wie vor, die Beschwerde im Interesse
der verbeiständeten A.________ zu erheben, um ihr die Mühe einer eigenen
Prozessführung zu ersparen. Die Beschwerdeführerin ist zwar Adressatin des
Saldierungsauftrags des Beistands, womit die Anrufung von Eigeninteressen nahe
liegen würde. Sie bringt denn auch vor, hinter dem angeblich systematischen
Transfer von vormundschaftlichen Geldern an die Bank C.________ würden nicht
vormundschaftliche Interessen stehen, sondern die entsprechenden Anweisungen
erfolgten aus protektionistischen Gründen. Dies ändert aber nichts daran, dass
sie sich zur Begründung ihrer Legitimation einzig auf die Wahrung von
Fremdinteressen beruft und sie sich auch nicht gegen die vorinstanzliche
Feststellung wendet, dass sie schon vor Obergericht keine Eigeninteressen
geltend gemacht habe. Mithin ist ihre Beschwerde einzig unter dem Gesichtspunkt
der Wahrung von Interessen des Schutzbedürftigen (Mündelinteressen) zu prüfen.

3.4 Zu untersuchen ist, welcher Personenkreis zur Beschwerde gemäss Art. 420
Abs. 1 ZGB im Interesse des Schutzbedürftigen legitimiert ist.
3.4.1 Gemäss dem Wortlaut von Art. 420 Abs. 1 ZGB kann der urteilsfähige
Bevormundete sowie "jedermann, der ein Interesse hat" bei der
Vormundschaftsbehörde Beschwerde führen. Die französische Fassung spricht von
"tout intéressé", die italienische von "ogni interessato". Der Wortlaut der
Norm kennt somit in keiner Version eine über das Interessenerfordernis
hinausgehende Einschränkung der Legitimation. Insbesondere findet sich keine
ausdrückliche Einschränkung auf nahestehende Personen.
Weitere Bestimmungen des Vormundschaftsrechts, welche sich zur Legitimation
Dritter äussern und sie mit der Formel "jedermann, der ein Interesse hat"
umschreiben, sind Art. 388 Abs. 2 ZGB (Anfechtung der Wahl eines Vormundes),
Art. 433 Abs. 3 ZGB (Antragstellung zur Aufhebung der Vormundschaft) und Art.
446 Abs. 1 ZGB (Antrag auf Amtsenthebung des Vormundes). Sie werfen alle
dasselbe Problem auf, wie weit der Kreis der interessierten Personen gezogen
werden soll (vgl. für einen Überblick Bernhard Schnyder, "...jedermann, der ein
Interesse hat", in: Festschrift für Cyril Hegnauer [...], 1986, S. 457 ff.).
Der Begriff der nahestehenden Person wird in Art. 397d Abs. 1 ZGB verwendet, um
den Kreis der Dritten zu umschreiben, die einen Entscheid über die
fürsorgerische Freiheitsentziehung in eigenem Namen anfechten können. Unter
Nahestehenden versteht das Bundesgericht jene Personen, die den Betroffenen
zufolge Verwandtschaft oder Freundschaft oder wegen ihrer Funktion oder
beruflichen Tätigkeit (Arzt, Sozialhelfer, Priester oder Pfarrer etc.) gut
kennen und die deshalb geeignet erscheinen, die Interessen der betroffenen
Person wahrzunehmen (BGE 122 I 18 E. 2c/bb S. 30; 114 II 213 E. 3 S. 217;
Urteil 5A_837/2008 vom 25. März 2009 E. 5.2).
3.4.2 Den Materialien zu Art. 420 ZGB lässt sich entnehmen, dass Eugen Huber
von einer weiten Konzeption der Legitimation ausgegangen ist: In den
Erläuterungen zum Vorentwurf nennt er als Beispiele für Legitimierte nicht nur
Verwandte und den Ehegatten, sondern ausdrücklich auch "in Geschäftsbeziehungen
befindliche Personen" (Eugen Huber, Schweizerisches Zivilgesetzbuch,
Erläuterungen zum Vorentwurf des Eidgenössischen Justiz- und
Polizeidepartements, 1. Band, 2. Ausgabe 1914, S. 307). In den
parlamentarischen Beratungen war einfach von "tout interessé" (Berichterstatter
Rossel, Sten.Bull. 1905 N 1296) bzw. von jedem Dritten, der Interesse hat, als
Aktivlegitimierten (Berichterstatter Hoffmann, Sten.Bull. 1906 S 85) die Rede.
3.4.3 In der Lehre lassen in der Folge auch ROSSEL/MENTHA Geschäftsbeziehungen
zur Legitimation ausdrücklich genügen (ROSSEL/MENTHA, Manuel du droit civil
suisse, Band 1, 2. Aufl. 1922, Ziff. 861). Keine Einschränkung macht KAUFMANN,
der jeden, der im Interesse des Bevormundeten handelt, als legitimiert ansieht.
Er erwähnt allerdings in seinen Beispielen die Geschäftsbeziehung nicht, aber
dafür unter anderen Geistliche, Lehrer, öffentliche Organe und Beamte,
Fürsorgestellen und -vereine (Joseph Kaufmann, Berner Kommentar, 2. Aufl. 1924,
N. 14 zu Art. 420 ZGB). Roos hält die gesellschaftlichen Anschauungen für
massgeblich, wobei Engherzigkeit in der Bestimmung der Beschwerdeberechtigten
nicht am Platz sei, da es darum gehe, eine möglichst gute Vormundschaftspflege
zu gewährleisten (Gottfried Roos, Die Legitimation zur
Vormundschaftsbeschwerde, ZVW 1955, S. 48). Schwarz verlangt "eine gewisse
Beziehung rechtlicher, moralischer, amtlicher oder wenigstens tatsächlicher
Natur" des Dritten zum Schutzbedürftigen (Andreas Schwarz, Die
Vormundschaftsbeschwerde, Art. 420 ZGB, 1968, S. 81). In der neueren Literatur
sprechen sich Deschenaux/ Steinauer für ein sehr weites Verständnis des
genügenden Interesses aus (DESCHENAUX/STEINAUER, Personnes physiques et
tutelle, 4. Aufl. 2001, Rz. 1014). SCHNYDER verlangt zur Vermeidung einer
Popularbeschwerde eine besondere Nähe des Dritten, der nur Mündelinteressen
wahren will, zum Schutzbedürftigen, analog der nahestehenden Person gemäss Art.
397d Abs. 1 ZGB (Bernhard Schnyder, Zur Vormundschaftsbeschwerde nach Art. 420
ZGB, ZVW 2002, S. 79 f.; vgl. auch dens., "...jedermann, der ein Interesse
hat", a.a.O., S. 459, 462). Eine enge Beziehung rechtlicher, amtlicher,
moralischer oder tatsächlicher Natur verlangt auch Meier (Philippe Meier, La
position des tiers en droit de la tutelle, ZVW 1996, S. 89 f.). Die
erforderliche Nähe entspreche der in Art. 397d Abs. 1 ZGB vorgesehenen (ders.,
Le consentement des autorités de tutelle aux actes du tuteur, 1994, S. 196).
Schnyder/ Murer weisen darauf hin, dass die Formulierung "jedermann, der ein
Interesse hat" im ZGB des öfteren vorkomme, aber funktionalisiert, d.h. im
Zusammenhang mit der jeweiligen Norm, auszulegen sei. Bei Art. 420 und Art.
397d Abs. 1 ZGB dränge sich jedoch eine gleichartige Auslegung auf, da es in
beiden Fällen um vormundschaftliche Massnahmen gehe (Schnyder/Murer, Berner
Kommentar, 3. Aufl. 1984, N. 19 zu Art. 388 ZGB).
3.4.4 Was den von der Vorinstanz und neueren Autoren herangezogenen Vergleich
der Legitimationsvoraussetzungen in Art. 420 Abs. 1 ZGB mit denjenigen von Art.
397d Abs. 1 ZGB betrifft, ist ein Blick in die Entstehungsgeschichte der
letztgenannten Norm angebracht. Die bundesrätliche Botschaft vertritt die
Auffassung, dass der Begriff "nahestehende Person" dem Sinne nach der in Art.
420 ZGB verwendeten Umschreibung "jedermann, der ein Interesse hat" entspreche
(Botschaft über die Änderung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches
[Fürsorgerische Freiheitsentziehung] [...] vom 17. August 1977, BBl 1977 III 37
Ziff. 241.2). Die Botschaft führt weiter aus: "Dieser Ausdruck [jedermann, der
ein Interesse hat] ist aber unbefriedigend; denn nach Lehre und Praxis hat nur
derjenige ein Interesse im Sinne des Gesetzes, welcher Mündelinteressen wahren
will. Es drängt sich deshalb eine Formulierung auf, die den wahren Gehalt
besser wiedergibt." Dies kann dahingehend interpretiert werden, dass dem
Gesetzgeber für Art. 397d Abs. 1 ZGB dieselbe Legitimationsbestimmung
vorschwebte wie für Art. 420 Abs. 1 ZGB, und zwar im Sinne einer Beschränkung
auf die Wahrung von Mündelinteressen. Die Differenz im Wortlaut wäre mithin
keine Differenz im Inhalt. Allerdings erscheint es wenig zweckmässig, das
Kriterium der Verfolgung von Mündelinteressen mit demjenigen der Nähebeziehung
zwischen Schutzbedürftigem und Beschwerdeführer umschreiben zu wollen: Weder
nimmt ein Nahestehender zwingend Mündelinteressen wahr, noch handelt ein
Aussenstehender in jedem Fall aus Eigeninteresse. Das Bundesgericht hat die
Botschaft denn auch dahingehend gedeutet, dass der Gesetzgeber die Legitimation
gemäss Art. 397d Abs. 1 ZGB nicht auf den Kreis der Interessierten nach Art.
420 Abs. 1 ZGB beschränken wollte (BGE 114 II 213 E. 3 S. 217; vgl. BGE 122 I
18 E. 2c/bb S. 30; kritisch Meier, consentement, a.a.O., S. 196 Fn. 262).
Gemäss dieser Lesart findet gegenüber Art. 420 ZGB insofern eine Ausweitung der
Legitimation statt, als im Rahmen von Art. 397d Abs. 1 ZGB nicht erforderlich
ist, Interessen der betroffenen Person wahrzunehmen (Thomas Geiser, in: Basler
Kommentar, a.a.O., N. 13 zu Art. 397d ZGB; vgl. auch Eugen Spirig, Zürcher
Kommentar, 3. Aufl. 1995, N. 24 zu Art. 397d ZGB). Soweit die bundesrätliche
Botschaft davon auszugehen scheint, dass im Rahmen von Art. 420 ZGB einzig
Mündelinteressen wahrgenommen werden können, ist anzumerken, dass das
Bundesgericht für die Legitimation gemäss Art. 420 ZGB in der neueren
Rechtsprechung auch die Verfolgung von Eigeninteressen unter bestimmten
Voraussetzungen genügen lässt (oben E. 3.1; BGE 121 III 1 E. 2a S. 3; vgl. auch
BGE 113 II 232 E. 2a S. 234). Wie auch immer es sich mit der Absicht des
Gesetzgebers bei der Regelung der fürsorgerischen Freiheitsentziehung genau
verhalten haben mag, so können die Gesetzgebungsmaterialien zu Art. 397d ZGB
doch nicht entscheidend zur Auslegung von Art. 420 ZGB beitragen, weil die
letztgenannte Norm nicht Gegenstand der damaligen Reform des Zivilgesetzbuches
war.
3.4.5 Der Zweck der Vormundschaftsbeschwerde liegt nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung in erster Linie darin, die vormundschaftlichen Behörden zu einem
gesetzmässigen Verhalten und zur Wahrung der Interessen derjenigen, für die sie
tätig werden müssen, anzuhalten (BGE 121 III 1 E. 2a S. 3; 103 II 170 E. 2 S.
174). Die Popularbeschwerde würde diesem Ziel am umfassendsten Rechnung tragen.
Dass eine solche aber nicht gewollt gewesen ist, sondern der Interessennachweis
eine gewisse Einschränkung mit sich bringen sollte, ist unbestritten (SCHWARZ,
a.a.O., S. 71; ROOS, a.a.O., S. 42; SCHNYDEr, "...jedermann, der ein Interesse
hat", a.a.O., S. 461). Somit kann der Zweck der Vormundschaftsbeschwerde zur
Umschreibung der Beschwerdelegitimation jedenfalls nicht alleine massgeblich
sein.

3.5 Wie dieser Überblick über die verschiedenen für die Auslegung massgeblichen
Elemente (BGE 135 III 112 E. 3.3.2 S. 116 mit Hinweisen) und über die
Standpunkte der Doktrin zeigt, lassen sich sowohl für eine eingrenzende wie
eine grosszügigere Interpretation von Art. 420 ZGB Argumente finden. Aus den
nachfolgenden Gründen ist die Beschwerdelegitimation im Rahmen von Art. 420 ZGB
allerdings auf nahestehende Personen zu beschränken, sofern der
Drittbeschwerdeführer die Wahrung von Interessen des Schutzbedürftigen geltend
macht.
Zunächst erscheint es sinnvoll, die Legitimation im Rahmen
vormundschaftsrechtlicher Anordnungen unabhängig vom Zusammenhang grundsätzlich
gleich zu umschreiben. Sachliche Gründe für eine Differenzierung sind nicht
auszumachen. Die Angleichung von Art. 420 und Art. 397d Abs. 1 ZGB kann in zwei
Richtungen erfolgen: Entweder ist unter dem "Interessierten" gemäss Art. 420
ZGB, der Mündelinteressen wahrnimmt, ein "Nahestehender" im Sinne von Art. 397d
Abs. 1 ZGB zu verstehen oder es werden umgekehrt im Rahmen von Art. 397d Abs. 1
ZGB über dessen Wortlaut hinaus auch weitere Interessierte zur Beschwerde
zugelassen. Für die erstere Lösung spricht sich nicht nur der überwiegende Teil
der neueren Lehre aus, sondern es sprechen auch die nachfolgend darzustellenden
Sachargumente dafür.
Dass ein Dritter im Interesse einer anderen Person überhaupt ein Rechtsmittel
ergreifen kann, ist nicht selbstverständlich. Vielmehr wird grundsätzlich
sowohl im Privatrecht wie auch im öffentlichen Recht, zu welchem das
Vormundschaftsrecht materiell gehört, ein - wie auch immer geartetes -
besonderes eigenes Berührtsein von Dritten verlangt, die den Rechtsweg
einschlagen wollen (vgl. BGE 122 III 279 E. 3a S. 282 zur aktienrechtlichen
Anfechtungsklage; BGE 130 V 560 E. 3.5 S. 564 f. zur sog. Drittbeschwerde pro
Adressat). In der Regel ist jedes Rechtssubjekt gehalten, seine eigenen
Interessen selber wahrzunehmen. Auch im Vormundschaftsrecht kann der
urteilsfähige Schutzbedürftige seine Interessen mit einer Beschwerde
grundsätzlich selber wahren. Die Drittbeschwerde im Interesse des
Schutzbedürftigen ist aber dadurch gerechtfertigt, dass dieser von ihr unter
Umständen keinen Gebrauch machen kann oder will. Die Gründe hiefür können
vielfältig sein: Beispielsweise ist die betroffene Person hinsichtlich der
anzufechtenden Handlung nicht urteilsfähig oder sie überblickt zumindest ihre
volle Tragweite nicht oder sie will ihre Beziehung zum Beistand etc. nicht
gefährden. Insoweit erscheint sinnvoll, dass ein Aussenstehender an ihrer
Stelle, aber in ihrem Interesse, Beschwerde führen kann. Zugleich rechtfertigt
es sich aber, die Legitimation auf Personen einzuschränken, welche den
Schutzbedürftigen gut kennen und die sich damit in berechtigter Weise für
dessen Wohl verantwortlich fühlen dürfen und besonders geeignet erscheinen,
seine Bedürfnisse und Wünsche auszudrücken. Nur sie verfolgen denn auch in der
Regel den Gang der vormundschaftlichen Handlungen näher und geraten nicht bloss
zufällig oder im Einzelfall mit ihnen in Berührung. Gegen die Beschränkung der
Beschwerdebefugnis auf Nahestehende könnte einzig sprechen, dass Nahestehende
entweder nicht vorhanden sind oder auf eine Beschwerde verzichten, was durchaus
auch aus egoistischen Motiven geschehen kann. Der Schutzbedürftige könnte
insofern schutzlos bleiben, wenn kein Aussenstehender seine Interessen
verteidigen darf. Nur ist die Vormundschaftsbeschwerde keine Popularbeschwerde
für jedermann, der Interessen des Schutzbedürftigen oder am richtigen Vollzug
des Bundesrechts wahren möchte (oben E. 3.4.5). Muss aber eine Beschränkung der
Beschwerdeberechtigung für die Geltendmachung von Mündelinteressen vorgenommen
werden, so verspricht die Eingrenzung auf Nahestehende eine gewisse Legitimität
für den Übergriff in die fremde Rechtssphäre.
Personen, die nicht als nahestehend qualifiziert werden können, bleiben jedoch
nicht machtlos und die schutzbedürftige Person ohne Nahestehende auch nicht
völlig schutzlos. Jedermann steht die Möglichkeit einer allgemeinen
Aufsichtsbeschwerde zu (Schwarz, a.a.O., S. 33). Mit der
Vormundschaftsbeschwerde können zudem nicht nur Mündelinteressen, sondern auch
Eigeninteressen des Drittbeschwerdeführers gewahrt werden (oben E. 3.1). Hier
genügt die Berufung auf Interessen, die im Rahmen der umstrittenen
vormundschaftlichen Handlung hätten berücksichtigt werden müssen und insoweit
schutzwürdig sind. Solche Interessen können auch Personen geltend machen, die
dem Schutzbedürftigen nicht nahestehen.

3.6 Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie stehe der verbeiständeten
A.________ nahe, so dass sie ihre Interessen im Rahmen von Art. 420 ZGB selbst
dann wahren könne, wenn zu dieser Beschwerde nur Nahestehende legitimiert
seien.
Im vorinstanzlichen Urteil finden sich keine Feststellungen zur genauen
Beziehungsqualität zwischen der verbeiständeten A.________ und der
Beschwerdeführerin bzw. der zuständigen Kundenberaterin. Vielmehr hat das
Obergericht die diesbezüglichen Ausführungen der Beschwerdeführerin über die
Langjährigkeit der Kundenbeziehung und das Vertrauensverhältnis als
unsubstantiiert bezeichnet. Darauf geht die Beschwerdeführerin nicht ein. Sie
erachtet gegenteils ihre Sachverhaltsdarstellung als durch die Vorinstanz nicht
in Frage gestellt. Eine in willkürlicher Weise erfolgte
Sachverhaltsfeststellung durch die Vorinstanz behauptet sie nicht, so dass für
das Bundesgericht das Bestehen eines langjährigen Vertrauensverhältnisses nicht
als nachgewiesen gelten kann.
Es ist nicht undenkbar, dass eine Bank bzw. der zuständige Bankangestellte je
nach Konstellation eine nahestehende und damit beschwerdelegitimierte Person
ist. Das Näheverhältnis kann auch über den Beruf derjenigen Person vermittelt
werden, welche Vormundschaftsbeschwerde führen will (oben E. 3.4.1). Eine
genügende Nähebeziehung wird bei einer blossen Konto- und Depotführung ohne
besonders engen Kontakt allerdings nicht angenommen werden dürfen. Hingegen
kommen Fälle intensiverer Begleitung vor, bei denen die Qualifikation der Bank
bzw. des zuständigen Bankangestellten als nahestehende Person nicht von
vornherein ausgeschlossen erscheint. Dies kann etwa der Fall sein bei einer
langjährigen und umfassenden Finanzplanung für die betroffene Person und ihre
Angehörigen (z.B. Nachfolgeregelung). Diese Frage braucht jedoch nicht
abschliessend geklärt zu werden, da die Beschwerdeführerin keine entsprechenden
Umstände namhaft macht. Zu beachten ist des Weiteren, dass die Beziehung in der
Regel über einen bestimmten Bankangestellten vermittelt wird. Ob sich die Bank
diese Beziehung zurechnen lassen kann, um selber Beschwerde führen zu können,
braucht an dieser Stelle jedoch ebenfalls nicht entschieden zu werden.

3.7 Die Beschwerdeführerin kann somit nicht als der verbeiständeten A.________
nahestehende Person gelten. Sie ist nicht zur Vormundschaftsbeschwerde
legitimiert, wenn sie auf diesem Wege Interessen der Verbeiständeten wahren
will. Ihre allfälligen Eigeninteressen an der Beschwerdeführung können im
vorliegenden Verfahren nicht beurteilt werden (oben E. 3.3). Folglich ist die
Beschwerde abzuweisen, soweit auf sie eingetreten werden kann.

4.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens trägt die Beschwerdeführerin die
Gerichtskosten (Art. 66 Abs. 1 BGG). Parteientschädigungen sind keine zu
sprechen (Art. 68 Abs. 3 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 2'500.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird der Beschwerdeführerin, der Erwachsenen- und
Kindesschutzkommission der Stadt Bern und dem Obergericht des Kantons Bern,
Appellationshof, 1. Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 27. Dezember 2010
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Hohl Zingg