Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 5A.848/2010
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
5A_848/2010

Urteil vom 4. April 2011
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Hohl, Präsidentin,
Bundesrichter Marazzi, von Werdt,
Gerichtsschreiber Schwander.

Verfahrensbeteiligte
X.________ (Ehefrau),
vertreten durch Rechtsanwalt Rolf Bühler,
Beschwerdeführerin,

gegen

Z.________ (Ehemann),
vertreten durch Rechtsanwalt Beat Gachnang,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Vorsorgliche Massnahmen nach Art. 137 ZGB,

Beschwerde gegen den Entscheid des Obergerichts des Kantons Luzern, II. Kammer,
vom 12. Oktober 2010.

Sachverhalt:

A.
X.________ (Ehefrau; Jahrgang 1957) und Z.________ (Ehemann; Jahrgang 1936)
heirateten 1987. Im Jahr danach wurde die gemeinsame Tochter Y.________
geboren, die heute erwachsen und wirtschaftlich selbständig ist. Seit 1991/1992
arbeitete die Ehefrau in einem Teilzeitpensum (50%) für die Firma ihres
Ehemannes. Ende 2003 hoben die Ehegatten den gemeinsamen Haushalt auf. Trotz
der Trennung setzte die Ehefrau ihre Erwerbstätigkeit in der Firma des
Ehemannes fort und verdiente monatlich netto Fr. 2'717.--; das
Arbeitsverhältnis endete am 30. Juni 2008. Der Ehemann bezahlte, ohne dass es
hiefür einer gerichtlichen Anordnung bedurfte, für Frau und Kind zunächst
monatlich Fr. 5'500.--. Nachdem die Tochter mündig geworden war, überwies er
der Ehefrau bis Mai 2008 monatlich Fr. 4'800.-- an deren Unterhalt, danach noch
Fr. 4'000.-- und ab April 2009 nichts mehr.
Seit dem 26. Oktober 2007 ist beim Amtsgericht Luzern-Stadt der
Ehescheidungsprozess hängig. Mit Gesuch vom 9. September 2008 verlangte die
Ehefrau für die Dauer des Scheidungsverfahrens gestützt auf Art. 137 Abs. 2 ZGB
monatliche Unterhaltsbeiträge von Fr. 10'000.--. Am 16. März 2009 wies das
Amtsgericht Luzern-Stadt dieses Begehren vollumfänglich ab, da die Ehefrau mit
einem neuen Partner (S.________) in einem qualifizierten Konkubinat lebe. Die
Ehefrau rekurrierte hiergegen und erreichte, dass das Obergericht den Entscheid
aufhob und die Sache zur Neubeurteilung an das Amtsgericht zurückwies. Dieses
verpflichtete den Ehemann mit Entscheid vom 14. Juli 2010 zur Zahlung folgender
vorsorglicher Unterhaltsbeiträge: Fr. 5'874.-- (vom 1. Juli 2008 bis 31.
Oktober 2010) bzw. Fr. 2'365.-- (ab 1. Oktober [recte 1. November] 2010).

B.
Gegen diesen Entscheid rekurrierte der Ehemann an das Obergericht des Kantons
Luzern. Dieses hiess den Rekurs mit Entscheid vom 12. Oktober 2010 teilweise
gut und setzte die Unterhaltsbeiträge wie folgt fest: Fr. 3'000.-- (vom 1. Juli
2008 bis 31. Mai 2009), Fr. 3'800.-- (vom 1. Juni 2009 bis 31. Oktober 2010)
bzw. Fr. 1'850.-- (ab 1. November 2010).

C.
Mit Beschwerde in Zivilsachen vom 2. Dezember 2010 gelangt die Ehefrau
(nachfolgend Beschwerdeführerin) an das Bundesgericht und verlangt, der
vorinstanzliche Entscheid sei aufzuheben, "der Rekurs des Beschwerdegegners"
sei "abzuweisen" und der erstinstanzliche Entscheid zu "bestätigen"; eventuell
sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die
Beschwerdeführerin hat für das Verfahren vor Bundesgericht einen Antrag auf
unentgeltliche Rechtspflege gestellt.
Es wurden die Akten, aber keine Vernehmlassungen eingeholt.

Erwägungen:

1.
1.1 Angefochten ist ein kantonal letztinstanzlicher Entscheid in einer
Zivilsache mit einem Fr. 30'000.-- übersteigenden Streitwert (Art. 72 Abs. 1,
Art. 74 Abs. 1 lit. a und Art. 75 Abs. 1 BGG). Ein auf Art. 137 ZGB gestützter
Entscheid schliesst das betreffende Massnahmeverfahren ab, weshalb er als
Endentscheid im Sinn von Art. 90 BGG gilt (BGE 134 III 426 E. 2.2 S. 431; mit
ausführlicher Begründung: Urteil 5A_9/2007 vom 20. April 2007 E. 1.2). Die
Beschwerde in Zivilsachen ist somit im Grundsatz gegeben.

1.2 Da die Beschwerde in Zivilsachen ein reformatorisches Rechtsmittel ist
(Art. 107 Abs. 2 BGG), darf sich der Beschwerdeführer grundsätzlich nicht
darauf beschränken, die Aufhebung des angefochtenen Entscheids zu beantragen,
sondern muss einen Antrag in der Sache, einen sog. materiellen Antrag stellen.
Auf eine Beschwerde mit formell mangelhaftem Rechtsbegehren kann das
Bundesgericht ausnahmsweise dann eintreten, wenn sich aus der
Beschwerdebegründung, allenfalls in Verbindung mit dem angefochtenen Entscheid,
"zweifelsfrei" bzw. "ohne weiteres" ergibt, was der Beschwerdeführer in der
Sache verlangt (BGE 133 II 409 E. 1.4 S. 414 f.; 134 V 208 E. 1 S. 210) oder -
im Falle zu beziffernder Rechtsbegehren - welcher Geldbetrag zuzusprechen ist
(BGE 134 III 235 E. 2 S. 236 f.).
Vorliegend beantragt die Beschwerdeführerin die Aufhebung des vorinstanzlichen
Entscheids, die Abweisung des Rekurses des Beschwerdegegners sowie die
Bestätigung des erstinstanzlichen Entscheids vom 14. Juli 2010. Das
Bundesgericht kann einen von der Vorinstanz gutgeheissenen Rekurs nicht
abweisen, sondern höchstens den vorinstanzlichen Entscheid betreffend diesen
Rekurs aufheben und so den erstinstanzlichen Entscheid gegebenenfalls
bestätigen. In diesem Sinne ist der Antrag der Beschwerdeführerin denn auch zu
verstehen. Dass sie in ihrem Antrag keine Geldbeträge nennt, schadet ihr
insofern nicht, denn diese ergeben sich ohne weiteres aus dem angefochtenen
Entscheid.

1.3 Da es sich bei einem gestützt auf Art. 137 ZGB ergangenen Entscheid um eine
vorsorgliche Massnahme im Sinn von Art. 98 BGG handelt (BGE 133 III 393 E. 5.1
S. 397), kann vorliegend nur die Verletzung verfassungsmässiger Rechte gerügt
werden. Hierfür gilt das strenge Rügeprinzip gemäss Art. 106 Abs. 2 BGG.
Das bedeutet, dass das Bundesgericht nur klar und detailliert erhobene und,
soweit möglich, belegte Rügen prüft, während es auf ungenügend begründete Rügen
und rein appellatorische Kritik am angefochtenen Entscheid nicht eintritt. Wird
die Verletzung des Willkürverbots gerügt, reicht es zudem nicht aus, die
Rechtslage aus Sicht des Beschwerdeführers darzulegen und den davon
abweichenden angefochtenen Entscheid als willkürlich zu bezeichnen; vielmehr
ist im Einzelnen darzulegen, inwiefern das kantonale Gericht willkürlich
entschieden haben soll und der angefochtene Entscheid deshalb an einem
qualifizierten und offensichtlichen Mangel leidet (BGE 134 II 244 E. 2.2 S.
246).
Da gegen den angefochtenen Entscheid nur die Verletzung verfassungsmässiger
Rechte geltend gemacht werden kann, gelangen Art. 97 BGG und Art. 105 Abs. 2
BGG nicht (unmittelbar) zur Anwendung. Die hier gegebenen Verhältnisse
entsprechen denjenigen bei der subsidiären Verfassungsbeschwerde (Art. 113 ff.
BGG). Wie dort (Art. 118 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 116 BGG) kommt eine
Berichtigung oder Ergänzung der Sachverhaltsfeststellungen ebenfalls hier nur
dann in Frage, wenn die kantonale Instanz verfassungsmässige Rechte verletzt
hat (BGE 133 III 393 E. 7.1 S. 398; 133 III 585 E. 4.1 S. 588; je mit
Hinweisen).

2.
2.1 Mit Entscheid vom 12. Oktober 2010 hat die Vorinstanz der
Beschwerdeführerin ab 1. Juli 2008 (Ende ihres Arbeitsvertrages) bis Ende Mai
2009 ein Teilzeit-Einkommen von monatlich netto Fr. 1'000.-- angerechnet, ab 1.
Juni 2009 bis 31. Oktober 2010 sodann ein solches von monatlich netto Fr.
2'000.--, wobei der zeitliche Umfang des letzteren ihrer früheren
Teilzeittätigkeit entspricht. Ab 1. November 2010 veranschlagte die Vorinstanz
schliesslich ein Vollzeit-Einkommen im Betrage von monatlich netto Fr.
4'000.--.

2.2 Unter Berufung auf BGE 128 III 4 bestreitet die Beschwerdeführerin
vorliegend die Möglichkeit, das ihr angerechnete hypothetische Einkommen zu
erzielen. Dies begründet sie - mit Blick auf die von ihr gerügte Rückwirkung -
damit, dass Vergangenes naturgemäss nicht rückgängig gemacht werden kann.
2.3
2.3.1 Bei der Beurteilung des Unterhalts, insbesondere bei der Frage der
(Wieder-)Aufnahme oder Ausdehnung der Erwerbstätigkeit der Ehegatten, sind
rechtsprechungsgemäss die für den nachehelichen Unterhalt geltenden Kriterien
von Art. 125 ZGB miteinzubeziehen, falls mit einer Wiederaufnahme des
gemeinsamen Haushaltes nicht mehr ernsthaft zu rechnen ist (BGE 130 III 537 E.
3.2 S. 542; 128 III 65 E. 4a S. 68). Dies gilt namentlich in einem Verfahren um
vorsorgliche Massnahmen für die Dauer des Scheidungsverfahrens (Art. 137 ZGB;
Urteil 5P.279/2005 vom 10. November 2005 E. 5.3.2.1). Bei der Festsetzung von
Unterhaltsbeiträgen des einen Ehegatten an den andern hat der Richter - wie im
Übrigen auch im Eheschutzverfahren (s. Art. 163 Abs. 2 ZGB) - von den
bisherigen ausdrücklichen oder stillschweigenden Vereinbarungen der Ehegatten
über Aufgabenteilung und Geldleistungen auszugehen (Art. 125 Abs. 2 Ziff. 1
ZGB).
2.3.2 Nach den für das Bundesgericht verbindlichen Feststellungen des
Obergerichts (Art. 105 Abs. 1 BGG) absolvierte die Beschwerdeführerin von 1977
bis 1984 ein Jurastudium in Deutschland, ohne dieses abzuschliessen. 1986 zog
sie zum Beschwerdegegner in die Schweiz, wo sie ihr Studium fortsetzte. Nachdem
die Parteien 1987 geheiratet hatten, kam 1988 die Tochter Y.________ zur Welt.
Daraufhin brach die Beschwerdeführerin ihr Studium ab und ging in den folgenden
Jahren keiner Erwerbstätigkeit nach. 1991/1992 begann sie in einem
Teilzeitpensum (50%) für die Firma des Beschwerdegegners zu arbeiten (gesamte
Administration sowie Vorbereitung der Buchhaltung). Nach Aufhebung des
gemeinsamen Haushalts Ende August 2003 setzte sie ihre Tätigkeit für den
Beschwerdegegner fort. Ende September 2007 kündigte dieser ihr per 30. Juni
2008, wobei er sie mit Schreiben vom 3. Oktober 2007 von der Arbeitspflicht
freistellte. Er bot ihr gleichzeitig an, sie weiterhin zu beschäftigen,
allerdings in einer anderen Position (Buchhalterin bis zur Bilanzreife), wozu
sie vorgängig eine entsprechende Ausbildung absolvieren müsse. Ein neuer
Arbeitsvertrag kam in der Folge nicht zustande.
2.3.3 Damit steht zunächst einmal fest, dass die Beschwerdeführerin sowohl
während des Zusammenlebens aber auch nach der Auflösung des gemeinsamen
Haushalts einer Erwerbstätigkeit in der Grössenordnung eines 50%-Pensums
nachging und monatlich Fr. 2'717.-- verdiente. Unterhaltsrechtlich war sie -
jedenfalls nach der Trennung - grundsätzlich verpflichtet, ihre
Eigenversorgungskapazität zunächst aufrecht zu erhalten, und, sobald sie die
Tochter nicht mehr zu betreuen hatte, auszuweiten.

2.4 Nun behauptet die Beschwerdeführerin, gar nicht in der Lage gewesen zu
sein, das seinerzeitige Einkommen zu realisieren.
2.4.1 Sie führt aus, dass sie zwischen dem 28. April und dem 23. Mai 2008 acht
Bewerbungen getätigt habe und verweist auf entsprechende Urkunden, die sie als
"Diverse Bewerbungen und Absagen" sowie als "Nachweis Arbeitslosenversicherung"
vor Bundesgericht zum Beweis offeriert. Sodann behauptet sie, in der fraglichen
Zeit auch Weiterbildungsangebote geprüft zu haben. Im angefochtenen Entscheid
haben diese Urkunden bzw. Behauptungen allerdings keinen Niederschlag gefunden.
Ferner führt die Beschwerdeführerin aus, sie habe die entsprechenden Unterlagen
schon vorinstanzlich eingereicht bzw. diese würden bei den Akten liegen. Die
vorinstanzliche Feststellung, wonach sie sich weder um eine neue Stelle noch um
eine Weiterbildung bemüht habe, sei insofern "tatsachenwidrig und aktenwidrig".

Die Beschwerdeführerin legt indes nicht dar, wo in den Akten sich die
entsprechenden Unterlagen angeblich befinden bzw. in welcher Eingabe und an
welcher Stelle sie die erwähnte Behauptung bereits aufgestellt hat. Es ist
nicht Aufgabe des Bundesgerichts, die kantonalen Akten auf einzelne Dokumente
oder Behauptungen hin zu durchforsten. Aus diesem Grund kann von einer Akten-
bzw. Tatsachenwidrigkeit schon von vornherein nicht die Rede sein.
2.4.2 Ferner reichte die Beschwerdeführerin mit separater Eingabe vom 7.
Dezember 2010 dem Bundesgericht echte Noven ein, wonach sie sich für den
Weiterbildungsstudiengang "Master of Advanced Studies in Applied Ethics" der
Universität Zürich eingeschrieben habe. Derartige echte Noven sind im Verfahren
vor Bundesgericht unzulässig (Art. 99 Abs. 1 BGG).
2.4.3 Sodann wendet die Beschwerdeführerin ein, sie sei nach der Kündigung des
Arbeitsverhältnisses gar nicht freigestellt worden, sondern habe sich weiterhin
zur Verfügung des Beschwerdegegners halten müssen. Indes erhebt die
Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang keine Willkürrüge, sodass ihr Einwand
unbeachtlich bleibt.
2.4.4 Die Beschwerdeführerin verweist weiter darauf, sie sei finanziell nicht
in der Lage gewesen, sich weiterzubilden. Dieser Einwand trifft aus folgendem
Grund nicht zu: Nach Rechtshängigkeit der Scheidungsklage im Oktober 2007
erhielt die Beschwerdeführerin - bei vollständiger Freistellung von der
Arbeitspflicht - bis Juni 2008 den vollen bisherigen Lohn (monatlich netto Fr.
2'717.--) zuzüglich eines Unterhaltsbeitrages von monatlich Fr. 4'800.-- bis
Mai 2008 (bzw. von Fr. 4'000.-- ab Juni 2008). Mithin verfügte sie monatlich
über insgesamt Fr. 7'517.-- bzw. Fr. 6'717.--. Mit diesem monatlichen Einkommen
und einer gleichzeitigen, neun Monate dauernden vollständigen Freistellung von
jeglicher Arbeitspflicht erscheint die Zumutbarkeit (zumindest einer Aufnahme)
einer Weiterbildung jedenfalls nicht als willkürlich.
2.4.5 Auch die Behauptung, sie habe darauf vertrauen dürfen, wieder beim
Beschwerdegegner bzw. bei einer seiner Firmen angestellt zu werden, hilft der
Beschwerdeführerin nicht weiter. Wie vorstehend erwähnt, kündigte der
Beschwerdegegner bzw. dessen Firma der Beschwerdeführerin Ende September 2007
auf den 30. Juni 2008 unter vollständiger Freistellung von der Arbeitspflicht
ab 3. Oktober 2007. Zwar stellt das Kündigungsschreiben eine Neuanstellung in
Aussicht, aber nur unter der Voraussetzung einer erst noch zu absolvierenden
Weiterbildung. Die Beschwerdeführerin durfte somit von vornherein nur insofern
auf eine neue Anstellung vertrauen, als sie diese Weiterbildung auch
tatsächlich in Angriff nehmen würde. Die Vorinstanz hat indes festgestellt,
dass diesbezüglich keinerlei Schritte unternommen wurden. Die entsprechende
vorinstanzliche Beurteilung erweist sich damit nicht als willkürlich.
2.4.6 Die Beschwerdeführerin legt des Weiteren dar, bei ihrer Erwerbstätigkeit
in der Firma ihres Ehemannes, habe es sich um keinen eigentlichen "Brotjob"
gehandelt. Bei der Anrechnung eines hypothetischen Einkommens ist indes
grundsätzlich irrelevant, aus welchen Motiven eine während der Ehe praktizierte
Erwerbstätigkeit ausgeübt wurde. Wer angeblich einzig wegen des Ehegatten
erwerbstätig ist, dem ist es auch zuzumuten, im Falle einer Trennung bzw.
Scheidung zur Verbesserung seiner eigenen finanziellen Lage wiederum
erwerbstätig zu sein bzw. zu bleiben. Schliesslich kann sich ein Ehegatte
andererseits auch nicht darauf berufen, er habe während der Ehe einzig um des
anderen Ehegatten willen so viel gearbeitet bzw. verdient, es habe sich aber
eigentlich nicht um seinen "Traumjob" gehandelt, weshalb er diesen nunmehr
nicht mehr im gleichen Umfang auszuüben habe und das hypothetische Einkommen
entsprechend tiefer anzusetzen sei.

2.5 Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass das Obergericht in
seiner Beurteilung nicht in Willkür verfallen ist. Die unterlassenen Bemühungen
um eine Erwerbstätigkeit hat sich die Beschwerdeführerin selbst zuzuschreiben,
ebenso wie die Konsequenz, dass ihr bei der Berechnung des Unterhaltsbeitrags
unter den gegebenen Umständen dasjenige Einkommen angerechnet werden darf, das
zu verdienen sie in der Lage gewesen wäre, aber zu verdienen unterlassen hat.

All dies steht - entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin - nicht im
Widerspruch zu BGE 128 III 4. Dort ging es nicht um die rückwirkende Anrechnung
eines tatsächlich nicht erzielten Einkommens, sondern um die Frage, ob die aus
einer freiwilligen Stellenaufgabe des Unterhaltsschuldners resultierende
Einkommenseinbusse irreversibel sei, und zwar mit Blick auf die Zukunft.

3.
3.1 Nach Ansicht der Beschwerdeführerin "ist es willkürlich, wenn vorliegend
nur ein Teil der bundesgerichtlichen Rechtsprechung wiedergegeben wird, der
andere ebenfalls wesentliche Teil einfach ausgelassen oder vergessen wird." Die
Vorinstanzen des Bundesgerichts trifft keine Pflicht, bundesgerichtliche
Präjudizien zu benennen. Abgesehen von den Minimalanforderungen gemäss Art. 112
BGG (insb. Abs. 1 lit. b) ist einzig massgebend, ob der gefällte Entscheid
bundesrechts- bzw. - im vorliegenden Fall - verfassungskonform ist. Vor diesem
Hintergrund zielt die Rüge der Beschwerdeführerin, die Vorinstanz habe "nur
einen Teil der bundesgerichtlichen Rechtsprechung wiedergegeben" ins Leere.

3.2 Soweit die Beschwerdeführerin der Vorinstanz vorwirft, dass diese ihr ein
"unredliches Verhalten" unterstelle, verkennt sie, dass die Vorinstanz das
unredliche Verhalten bloss einleitend als eine von zwei Alternativen
bezeichnete, die ausnahmsweise zu einer rückwirkenden Anrechnung eines
hypothetischen Einkommens berechtigen können. Das Obergericht hat die
rückwirkende Anrechnung eines Einkommens im vorliegenden Fall letztlich aber
gar nicht mit einem unredlichen Verhalten der Beschwerdeführerin begründet,
womit auch der darauf gestützten Rüge die Grundlage entzogen ist.

3.3 Von vornherein als irrelevant erweisen sich daher im Lichte des vorstehend
Gesagten auch die weiteren Argumente, mit denen sich die Beschwerdeführerin
gegen den Vorwurf der Unredlichkeit zur Wehr setzt wie die (übrigens ohnehin
als unzulässiges Novum zu qualifizierende) Behauptung, wonach der
Beschwerdegegner seine finanziellen Verhältnisse beharrlich nicht offen lege
und welche Konsequenzen daraus zu ziehen seien.

3.4 Die Beschwerdeführerin wirft der Vorinstanz zudem vor, sie habe ohne
Vorliegen eines Beweisantrages auf die Lohnstrukturerhebungen des Bundesamtes
für Statistik abgestellt. Die fraglichen Lohnstrukturerhebungen gelten indes
als allgemein bekannt und gehören zum Wissen des Gerichts, selbst wenn das
Gericht sie ermitteln muss (BGE 128 III 4 E. 4c/bb S. 8); eines Antrages für
deren Beizug bedarf es somit nicht. Die Rüge erweist sich damit als
unbegründet.

3.5 Die Beschwerdeführerin kritisiert ferner, es gehe aus dem vorinstanzlichen
Entscheid nicht klar hervor, auf welche Arbeitstätigkeit bei der Ermittlung des
hypothetischen Einkommens abgestellt worden sei. Da sie über keinen
Berufsabschluss verfüge, dürfe ihr monatlich maximal netto Fr. 3'500.--
hypothetisch angerechnet werden. Auch mit Bezug auf diese Kritik rügt die
Beschwerdeführerin keine Verletzung eines verfassungsmässigen Rechts. Ihr
Vorbringen ist daher unbeachtlich (s. oben E. 1.3).

3.6 Soweit die Beschwerdeführerin behauptet, es sei "immer nur von einem
50%-Pensum die Rede gewesen", trägt sie unzulässige Noven vor, denn der
vorinstanzliche Entscheid stellt dies nicht fest.

4.
Schliesslich bezeichnet die Beschwerdeführerin die vorinstanzliche Feststellung
als "aktenwidrig und mithin willkürlich", wonach sie von Januar 2006 bis Mitte
Mai 2009 mit S.________ "in einer engen, ausschliesslichen, auf Dauer
ausgerichteten Beziehung", d.h. in einem sog. kostensenkenden Konkubinat,
zusammenlebte. Gestützt auf diese Beurteilung hatte die Vorinstanz - im Rahmen
der Ermittlung des Notbedarfs - einzelne Kosten halbiert (Ehegattengrundbetrag,
Mietzins sowie Hausratsversicherung).

Auf diese Rüge ist nicht einzutreten, denn die Beschwerdeführerin zeigt nicht
auf, welche Auswirkungen ihre Behauptung, so sie denn zuträfe, auf den Ausgang
des Verfahrens haben müsste. Insofern kommt sie ihrer Rügepflicht nicht nach
(s. oben E. 1.3).

5.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf eingetreten
werden kann. Die Beschwerdeführerin wird damit kostenpflichtig (Art. 66 Abs. 1
BGG). Da die Beschwerde als von Anfang an aussichtslos zu bezeichnen ist, fehlt
es an einer materiellen Voraussetzung der unentgeltlichen Rechtspflege (Art. 64
Abs. 1 BGG), so dass das entsprechende Gesuch abzuweisen ist. Dem
Beschwerdegegner ist keine Parteientschädigung zuzusprechen, da er nicht zur
Vernehmlassung eingeladen wurde und ihm kein entschädigungspflichtiger Aufwand
entstanden ist (Art. 68 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abgewiesen.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Luzern, II.
Kammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 4. April 2011
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Hohl Schwander