Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.578/2010
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
6B_578/2010

Urteil vom 19. August 2010
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Favre, Präsident,
Bundesrichter Schneider, Mathys,
Gerichtsschreiberin Häne.

Verfahrensbeteiligte
X._______, vertreten durch Rechtsanwalt David Husmann,
Beschwerdeführer,

gegen

1. Staatsanwaltschaft des Kantons Graubünden, Sennhofstrasse 17, 7001 Chur,
Beschwerdegegnerin 1,
2. A._______, vertreten durch Rechtsanwalt Manfred Dähler,
Beschwerdegegnerin 2.

Gegenstand
Fahrlässige Körperverletzung; Einstellungsverfügung; willkürliche
Beweiswürdigung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Kantonsgerichts von Graubünden, II.
Strafkammer, vom 10. Februar 2010.

Sachverhalt:

A.
Am 1. Januar 2008 um ca. 10.10 Uhr ereignete sich auf der Tälipiste im
Skigebiet Stätz im Gemeindegebiet Churwalden zwischen den Masten Nr. 9 und Nr.
10 eine Kollision zwischen X._______ und A._______. Dabei erlitt A._______ eine
komplette Berstungsfraktur des sechsten Halswirbels mit abschliessender Lähmung
der oberen und unteren Extremitäten, ein Thoraxtrauma mit Lungenblutungen sowie
Frakturen des ersten Hals- und des zweiten Brustwirbelkörpers. Bei X._______
kam es zu einer Schlüsselbeinfraktur links mit einem Nervenabriss im Bereich
des Rückenmarks. Dies führte zu bleibenden Funktionseinschränkungen des linken
Arms und der linken Hand sowie starken Schulterschmerzen links.

B.
Die Staatsanwaltschaft des Kantons Graubünden stellte am 21. Oktober 2009 die
Strafverfahren gegen A._______ (Ziff. 1) und X._______ (Ziff. 2) ein. Die
Verfahrenskosten wurden X._______ überbunden (Ziff. 3).
Betreffend A._______ hielt die Staatsanwaltschaft fest, dass ihr kein
strafrechtlich vorwerfbares Verhalten zur Last gelegt werden könne. Es könne
ihr keine Verletzung der FIS-Regeln vorgeworfen werden. X._______ hingegen sei
seinen Vorsichtspflichten nicht im erforderlichen Mass nachgekommen und habe
insbesondere die FIS-Regeln Nr. 1 und 2 missachtet. Er habe sich der
fahrlässigen Körperverletzung nach Art. 125 Abs. 2 StGB schuldig gemacht.
Aufgrund seiner eigenen Verletzungen sei er aber gemessen an seinem Verschulden
bereits derart schwer betroffen, dass eine weitere Strafverfolgung unangemessen
wäre. Daher werde nach Art. 54 StGB von einer Überweisung des Verfahrens an das
Gericht abgesehen (vorinstanzliche Akten, Dossier 1, Bel. 31).

C.
X._______ erhob am 16. November 2009 Beschwerde gegen diese
Einstellungsverfügung beim Kantonsgericht von Graubünden.
Das Kantonsgericht wies diese Beschwerde am 10. Februar 2010 ab.
Es hält in seinen Erwägungen fest, die Staatsanwaltschaft sei hinsichtlich
A._______ zu Recht zum Schluss gekommen, dass keine Anhaltspunkte für ein
strafrechtlich vorwerfbares Verhalten beständen (angefochtenes Urteil S. 12).
Bezüglich der Beurteilung des Verhaltens von X._______ habe die
Staatsanwaltschaft unzulässigerweise eine formelle Schuldfeststellung
vorgenommen, indem sie zum Ergebnis gelangt sei, dieser habe sich einer
fahrlässigen Körperverletzung nach Art. 125 Abs. 2 StGB schuldig gemacht. Es
sei lediglich von einem Tatverdacht, aber nicht von einer Schuldfeststellung
auszugehen (angefochtenes Urteil S. 14 f.).

D.
X._______ führt Beschwerde in Strafsachen und beantragt, der Entscheid des
Kantonsgerichts sei aufzuheben. Das Verfahren sei zur weiteren Beweiserhebung
an die Staatsanwaltschaft zurückzuweisen. Diese sei anzuweisen, B._______ und
C._______ als Zeugen einzuvernehmen. Zudem sei sie anzuweisen, einen
Augenschein vorzunehmen sowie ein Wahrnehmbarkeitsgutachten für die Position
des Zeugen D._______ und ein unfallanalytisches/biomechanisches Gutachten zu
den gefahrenen Geschwindigkeiten einzuholen. Eventualiter sei die
Einstellungsverfügung hinsichtlich von A._______ infolge einer bereits heute
manifesten Regelverletzung ihrerseits aufzuheben und das Strafverfahren zur
Fortführung an die Staatsanwaltschaft zurückzuweisen. Alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten der Staatsanwaltschaft.

E.
Vernehmlassungen wurden keine eingeholt.

Erwägungen:

1.
Gegenstand des Verfahrens ist die Einstellung der Untersuchung gegen die
Beschwerdegegnerin 2.

Die Vorinstanz kommt in Übereinstimmung mit der Staatsanwaltschaft zum Schluss,
dass kurz vor der Kollision der Beschwerdeführer mit einer Geschwindigkeit von
50 bis 60 km/h fuhr und die Beschwerdegegnerin 2 stillstand bzw. sich nur sehr
langsam fortbewegte. Diese Feststellungen stützt sie im Wesentlichen auf die
Aussagen des Zeugen D._______ und auf das vom Beschwerdeführer eingereichte
Gutachten der Arbeitsgruppe für Unfallmechanik (AGU) vom 17. Juni 2009. Die
Beweisanträge des Beschwerdeführers auf Einvernahme von B._______ und C._______
als Zeugen, auf Durchführung eines Augenscheins und auf Rekonstruktion des
Unfalls mit Figuranten sowie auf Einholung weiterer Gutachten weist sie ab.
Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches
Gehör sowie eine willkürliche Beweiswürdigung.

2.
2.1 Art. 9 BV gewährleistet den Anspruch darauf, von den staatlichen Organen
ohne Willkür behandelt zu werden. Willkürlich ist ein Entscheid nicht schon,
wenn eine andere Lösung ebenfalls vertretbar erscheint oder gar vorzuziehen
wäre, sondern erst, wenn er offensichtlich unhaltbar ist, zur tatsächlichen
Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen
Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem
Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft. Willkür liegt nur vor, wenn nicht bloss
die Begründung eines Entscheids, sondern auch das Ergebnis unhaltbar ist (BGE
135 V 2 E. 1.3 S. 4 f. mit Hinweisen).

2.2 Der in Art. 29 Abs. 2 BV gewährleistete Anspruch auf rechtliches Gehör
verlangt, dass die Behörden die Vorbringen des vom Entscheid in seiner
Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hören, prüfen und in der
Entscheidfindung berücksichtigen (BGE 134 I 83 E. 4.1 S. 88 mit Hinweisen).
Keine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt vor, wenn eine Behörde auf die
Abnahme beantragter Beweismittel verzichtet, weil sie aufgrund der bereits
abgenommenen Beweise ihre Überzeugung gebildet hat und ohne Willkür in
vorweggenommener Beweiswürdigung annehmen kann, dass ihre Überzeugung durch
weitere Beweiserhebungen nicht geändert würde (BGE 134 I 140 E. 5.3 S. 148 mit
Hinweis).
Aus dem in Art. 29 Abs. 2 BV enthaltenen Gehörsanspruch ergibt sich für die
Behörde die Pflicht, ihren Entscheid zu begründen. Sie muss wenigstens kurz die
wesentlichen Überlegungen nennen, von denen sie sich hat leiten lassen und auf
welche sich ihr Entscheid stützt, sodass der Betroffene den Entscheid in voller
Kenntnis der Sache anfechten kann (BGE 134 I 83 E. 4.1 S. 88 mit Hinweisen).

2.3 Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die
Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Die Feststellung des
Sachverhalts kann nur gerügt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder
auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht und wenn die
Behebung des Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann
(Art. 97 Abs. 1 BGG, vgl. auch Art. 105 Abs. 2 BGG). Offensichtlich unrichtig
im Sinne von Art. 97 Abs. 1 BGG ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn sie
willkürlich ist (BGE 134 IV 36 E. 1.4.1 S. 39 mit Hinweis).

2.4 Die Verletzung von Grundrechten (einschliesslich der willkürlichen
Anwendung von kantonalem Recht und Willkür bei der Sachverhaltsfeststellung)
prüft das Bundesgericht nur insoweit, als eine solche Rüge in der Beschwerde
vorgebracht und begründet worden ist (Art. 106 Abs. 2 BGG; BGE 134 II 244 E.
2.2 S. 246 mit Hinweis). Die Beschwerdeschrift muss die wesentlichen Tatsachen
und eine kurz gefasste Darlegung darüber enthalten, welche verfassungsmässigen
Rechte bzw. welche Rechtssätze inwiefern durch den angefochtenen Erlass oder
Entscheid verletzt worden sind. Das Bundesgericht prüft nur klar und
detailliert erhobene und, soweit möglich, belegte Rügen. Auf rein
appellatorische Kritik am angefochtenen Entscheid tritt es nicht ein. Wird eine
Verletzung des Willkürverbots geltend gemacht, muss anhand der angefochtenen
Subsumtion im Einzelnen dargelegt werden, inwiefern der Entscheid an einem
qualifizierten und offensichtlichen Mangel leidet (BGE 134 II 244 E. 2.2 S. 246
mit Hinweis).

3.
Soweit der Beschwerdeführer der vorinstanzlichen Beweiswürdigung lediglich
seine eigene Sicht der Dinge gegenüberstellt, ohne näher zu erörtern, inwiefern
der Entscheid (auch) im Ergebnis schlechterdings unhaltbar sein sollte,
erschöpfen sich seine Ausführungen in einer unzulässigen appellatorischen
Kritik. Darauf ist nicht einzutreten.

4.
4.1 Der Zeuge D._______ sagte gemäss den Feststellungen der Vorinstanz aus, er
habe die Fahrt der beiden Unfallbeteiligten bereits gesehen, als diese noch 15
bis 20 Meter voneinander entfernt gewesen seien, und den ganzen Unfallhergang
beobachten können. Anlässlich seiner polizeilichen Befragung hatte er zu
Protokoll gegeben, der von links kommende Skifahrer sei aus seiner Sicht sehr,
sehr schnell unterwegs gewesen. Die Skifahrerin sei demgegenüber beinahe still
gestanden. Im Gutachten der AGU vom 17. Juni 2009 wird gemäss den
Feststellungen der Vorinstanz festgehalten, dass die Aussagen des
Beschwerdeführers, wonach er 50 bis 60 km/h gefahren sei, sowie die Angaben des
Zeugen D._______, wonach die Beschwerdegegnerin 2 nur langsam gefahren sei, aus
biomechanischer Sicht als realistisch erachtet würden (angefochtenes Urteil S.
5).

Gestützt darauf darf die Vorinstanz ohne Willkür zum Schluss gelangen, dass
unmittelbar vor der Kollision der Beschwerdeführer mit einer Geschwindigkeit
von 50 bis 60 km/h und die Beschwerdegegnerin 2 höchstens sehr langsam fuhren.
Was der Beschwerdeführer dagegen vorbringt, stellt teilweise unzulässige
appellatorische Kritik dar und ist im Übrigen unbegründet.

4.2 Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz stütze sich in willkürlicher
Weise allein auf die Angaben des Zeugen D._______ (Beschwerde S. 9 f.). Dieser
habe hinsichtlich seines Standorts, der Distanz zwischen den beiden Skifahrern,
als er diese erblickte, und deren Bewegung unterschiedliche Angaben gemacht. Es
sei aktenkundig, dass der Zeuge den Vorfall nicht gut habe verfolgen können,
was aufgrund der Sichtdistanz, der bewegten Bilder, des Gegenlichts und des
kurzen Wahrnehmungsintervalls nicht erstaune (Beschwerde S. 12). Die Vorinstanz
habe zudem ihre Begründungspflicht verletzt, indem sie das kurze
Beobachtungszeitintervall des Zeugen D._______ nicht berücksichtigt habe.
Dieser habe die Skifahrer maximal in einer Distanz von 15 bis 20 Metern
zueinander gesehen, bevor es zum Zusammenstoss gekommen sei. Das Sichtintervall
habe - bei einer von ihm gefahrenen Geschwindigkeit von 60 km/h oder 30 km/h
und unter Berücksichtigung allfälliger entsprechender Geschwindigkeiten der
Beschwerdegegnerin 2 - lediglich zwischen 0,6 und 2,4 Sekunden betragen. Die
Vorinstanz habe sich mit diesem Argument nicht auseinandergesetzt (Beschwerde
S. 10 f.). Zudem gehe sie zu Unrecht davon aus, das Gutachten der AGU habe den
Unfallverlauf klären können. Eine erhebliche Differenzgeschwindigkeit hätte
auch vorgelegen, wenn die Beschwerdegegnerin 2 schneller als er unterwegs
gewesen wäre, oder wenn diese mit einer Geschwindigkeit von 30 km/h gefahren
wäre. Da die Gutachter der AGU nicht von der korrekten Sichtdistanz ausgegangen
seien, seien ihre Erkenntnisse hinsichtlich der Aussagen des Zeugen D._______
nicht zu hören bzw. erheblich zu relativieren (Beschwerde S. 8 ff.).

4.3 Gemäss den Ausführungen der Vorinstanz handelt es sich bei D._______ um
einen unabhängigen Zeugen, der klare Aussagen qualitativer Natur gemacht habe.
Es beständen keine Anhaltspunkte dafür, dass er den Unfallhergang nicht habe
wahrnehmen können. Am Unfalltag hätten gute Sichtverhältnisse geherrscht. Der
Zeuge habe das Geschehen von seinem Standort aus gut beobachten können. Seine
Angaben würden sowohl durch die Aussagen des Beschwerdeführers als auch durch
das Gutachten der AGU bestätigt. Hinsichtlich der nicht identischen Angaben des
Zeugen D._______ bezüglich der Distanz zwischen den beiden Skifahrern in dem
Moment, als er diese erblickte, verneint die Vorinstanz einen Widerspruch. Sie
führt aus, der Zeuge D._______ habe anlässlich der polizeilichen Einvernahme
angegeben, er habe die beiden Skifahrer bereits beobachten können, als diese
noch 15 bis 20 Meter voneinander entfernt gewesen seien. Er habe das Ganze gut
verfolgen können. Bei der untersuchungsrichterlichen Einvernahme habe er
ausgesagt, er habe die Unfallbeteiligten "kurz" vor dem Zusammenstoss
wahrgenommen. Diese beiden Angaben würden keinen Widerspruch darstellen und
seien im jeweiligen Kontext der gesamten Aussage zu verstehen. Die Vorinstanz
hält zudem fest, der Zeuge habe ausgesagt, dass ihm der Unfallhergang bei der
polizeilichen Befragung viel präsenter gewesen sei und die zu jenem Zeitpunkt
geschilderten Details präziser gewesen seien. Es bestehe kein Anlass, an seinen
Angaben zu zweifeln. Hinsichtlich der Sichtdistanz von D._______ hält die
Vorinstanz fest, auch aus einer Distanz von 139 Metern - entsprechend der
Behauptung des Beschwerdeführers - hätten Details wahrgenommen werden können.
Die Sicht- und Witterungsverhältnisse seien gemäss dessen Angaben gut gewesen,
was vom Polizeirapport bestätigt werde (angefochtenes Urteil S. 6 ff.).
4.4
4.4.1 Indem die Vorinstanz einen Widerspruch zwischen den Angaben von D._______
betreffend die Distanz zwischen den beiden Skifahrern, als er diese erblickte,
verneinte, verfiel sie nicht in Willkür. Es ist vertretbar, im vorliegenden
Kontext eine Distanzangabe von 15 bis 20 Metern mit der Aussage des Zeugen, er
habe die Skifahrer "kurz" vor deren Zusammenstoss wahrgenommen, als vereinbar
anzusehen. Der Beschwerdeführer legt nicht dar, welche Auswirkungen seine
zeitlichen Berechnungen auf die Beweiswürdigung der Vorinstanz hätten zeitigen
sollen. Zudem handelt es sich zu einem grossen Teil um spekulative
Berechnungen. Dass der Zeuge D._______ seine Beobachtungen in einem kleinen
Zeitfenster machte, ist der Vorinstanz nicht entgangen und spricht nicht gegen
die Glaubhaftigkeit seiner Angaben. Dem Beschwerdeführer war es aufgrund der
Begründung im angefochtenen Urteil ohne weiteres möglich, den Entscheid
sachgerecht anzufechten.
4.4.2 Es ist auch nicht zu beanstanden, dass sich die Vorinstanz unter anderem
auf das Gutachten der AGU stützt. Zwar weisen die Experten darauf hin, dass
eine Rekonstruktion des Kollisionsablaufs nicht mit rechtsgenüglicher
Sicherheit möglich sei. Sie kommen jedoch zum Schluss, die Annahme, dass kurz
vor der Kollision der Beschwerdeführer mit einer Geschwindigkeit von 50 bis 60
km/h und die Beschwerdegegnerin 2 nur langsam gefahren seien, sei aus
biomechanischer Sicht realistisch. Das Gutachten der AGU hält klar fest, dass
die Beteiligten mit einer erheblichen Differenzgeschwindigkeit zusammengeprallt
sein müssen (vorinstanzliche Akten, Dossier 2, Bel. 13 S. 3, 5). Für den
Einwand des Beschwerdeführers, dass die Beschwerdegegnerin 2 mit einer
Geschwindigkeit von 30 km/h bzw. schneller als er gefahren sein könnte, besteht
keine Grundlage. Auch der Beschwerdeführer nennt keine Anhaltspunkte, die diese
These untermauern. Die Angaben des Zeugen D._______ und die Schlussfolgerungen
der Gutachter zeichnen grundsätzlich ein einheitliches Bild des Ablaufs des
Geschehens. Dieses wird hinsichtlich der vom Beschwerdeführer gefahrenen
Geschwindigkeit von 50 bis 60 km/h auch von dessen eigenen Angaben gestützt.
4.4.3 Allerdings gehen die Gutachter der AGU gestützt auf die ersten Aussagen
von D._______ davon aus, dass dieser etwa 40 bis 50 Meter von den
Unfallbeteiligten entfernt gewesen sei. Die Sichtdistanz betrug indessen gemäss
den Feststellungen der Vorinstanz 139 Meter. Der Beschwerdeführer legt nicht
rechtsgenüglich dar, welche Schlüsse daraus in Bezug auf die Beweiswürdigung zu
ziehen seien. Er setzt sich insbesondere nicht mit den Erwägungen der
Vorinstanz auseinander, wonach auch bei einer Sichtdistanz von 139 Metern
Details auszumachen sind.
4.4.4 Der Beschwerdeführer weist darauf hin, dass die Wahrnehmungsmöglichkeit
des Zeugen eingeschränkt gewesen sei, da sich die Unfallbeteiligten bewegt und
sich im Gegenlicht befunden hätten (Beschwerde S. 12). Was er dazu vorbringt,
erschöpft sich in appellatorischer Kritik, worauf nicht einzutreten ist.

5.
5.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, der Verzicht auf die beantragte
Zeugeneinvernahme von B._______ beruhe auf einer willkürlichen antizipierten
Beweiswürdigung.
B._______ habe in seiner polizeilichen Befragung ausgesagt, die beiden
Skifahrer seien waagrecht aufeinander zu gefahren und hätten sich beide
unmittelbar vor der Kollision noch in Fahrt befunden, wobei er eine
Geschwindigkeitsdifferenz nicht habe wahrnehmen können. Sowohl D._______ als
auch B._______ hätten angegeben, die Skifahrer erst unmittelbar vor der
Kollision gesehen zu haben. B._______ habe sich näher an der Unfallstelle
befunden. Unter diesen Umständen sei es nicht gerechtfertigt, zwar auf die
Aussagen des Zeugen D._______, nicht aber auf jene von B._______ abzustellen
(Beschwerde S. 4 ff.).

5.2 Die Vorinstanz führt aus, B._______ habe gemäss seinen Aussagen in der
polizeilichen Befragung nicht beobachten können, wie es zum Unfall gekommen
sei. Er habe die Skifahrer erst erblickt, als diese nur noch ungefähr vier
Meter voneinander entfernt gewesen seien. Beide Personen seien gemäss seinen
Angaben noch gefahren, als es zur Kollision gekommen sei, wobei er zu den
Fahrgeschwindigkeiten keine Angaben machen könne. Somit stehe aufgrund der
polizeilichen Befragung fest, dass B._______ nicht in der Lage sei, zum
Unfallhergang auszusagen. Es sei nicht ersichtlich, welche neuen Erkenntnisse
eine Zeugenbefragung von B._______ ergeben könnte (angefochtenes Urteil S. 5).

5.3 Der Beschwerdeführer setzt sich mit den vorinstanzlichen Erwägungen nicht
in rechtsgenüglicher Weise auseinander. Inwiefern die Beweiswürdigung der
Vorinstanz - auch im Ergebnis - willkürlich sein soll, legt er nicht dar. Die
Vorinstanz durfte willkürfrei in antizipierter Beweiswürdigung von einer
Einvernahme von B._______ als Zeuge absehen, da dieser gemäss seinen Aussagen
anlässlich der polizeilichen Befragung keine Angaben zu den
Fahrgeschwindigkeiten machen kann.

6.
6.1 Der Beschwerdeführer rügt, auch der Verzicht auf die beantragte Einvernahme
des mittelbaren Zeugen C._______ beruhe auf einer willkürlichen antizipierten
Beweiswürdigung.
C._______ habe angegeben, Augenzeugen des Unfalls hätten ihm gesagt, dass die
Skifahrer ungebremst ineinander gefahren seien. Da der Unfallhergang nicht
hinreichend erstellt sei, müsse der mittelbare Zeuge C._______ einvernommen
werden. Darauf dürfe auch nicht unter Hinweis auf den Zeitablauf verzichtet
werden. Der Beschwerdeführer habe die lange Verfahrensdauer nicht zu
verantworten. Entgegen den Spekulationen der Vorinstanz könne erst nach einer
Zeugenbefragung festgestellt werden, zu welchen Angaben C._______ in der Lage
sei (Beschwerde S. 6 ff.).

6.2 Die Vorinstanz hält zu Recht fest, dass der Beschwerdeführer anlässlich
seiner untersuchungsrichterlichen Einvernahme lediglich ausgesagt habe, gemäss
C._______ habe ein Augenzeuge des Unfalls gesagt, die Beschwerdegegnerin 2 habe
vor dem Unfall eine Rechtskurve gemacht und er (der Beschwerdeführer) eine
Linkskurve (vgl. vorinstanzliche Akten, Dossier 7, Beleg 7 S. 5). Es sei nicht
davon die Rede gewesen, dass die beiden Skifahrer ungebremst ineinander
gefahren seien (angefochtenes Urteil S. 10). Der Beschwerdeführer legt nicht
substantiiert dar, inwiefern die Feststellung der Vorinstanz willkürlich sein
soll, dass ein im Beschwerdeverfahren beantragter Zeuge nur einzuvernehmen sei,
wenn von diesem entscheidrelevante Wahrnehmungen zu erwarten seien, was
vorliegend nicht der Fall sei. Der Zeitablauf stellt im Übrigen lediglich eines
von mehreren Elementen dar, die zum Verzicht auf eine Einvernahme von C._______
führten, was unter den gegeben Umständen nicht zu beanstanden ist. Die
Vorinstanz durfte somit in willkürfreier antizipierter Beweiswürdigung von
einer Zeugeneinvernahme von C._______ absehen, da dieser keine Angaben zu den
Fahrgeschwindigkeiten der Unfallbeteiligten machen kann.

7.
7.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz habe zu Unrecht auf
einen Augenschein und ein Wahrnehmungsgutachten verzichtet. Sie verfalle in
Willkür, wenn sie die diesbezüglichen Beweisanträge mit dem Argument ablehne,
die Aussage des Zeugen D._______, er habe das Ganze gut verfolgen können, sei
glaubhaft (Beschwerde S. 12).

7.2 Da die Vorinstanz sich hinsichtlich des Unfallgeschehens willkürfrei auf
die Aussagen des Zeugen D._______ und das Gutachten der AGU vom 17. Juni 2009
stützen durfte, verletzte sie den Anspruch des Beschwerdeführers auf
rechtliches Gehör entgegen dessen nicht näher substantiierten Rügen nicht,
indem sie darauf verzichtete, einen Augenschein durchzuführen und eine
Expertise betreffend die Wahrnehmungsmöglichkeit unter Beizug von Figuranten
einzuholen.

8.
8.1 Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz stütze sich hinsichtlich des
Unfallhergangs in willkürlicher Weise auf Ermittlungsfotografien ab. Diese
würden indessen nicht den tatsächlichen Unfallhergang bzw. die Endlagen der
Verletzten zeigen. Es sei nicht bekannt, wann die betreffenden Fotografien
gemacht worden seien. Der Polizist, der an der Unfallstelle erschienen sei,
räume ein, dass keine Fahrspuren der Unfallbeteiligten vorhanden gewesen seien
und deren Endlagen noch einigermassen hätten ermittelt werden können. Die
Würdigung der Fotografien sei willkürlich, da der Aufenthaltsort bzw. das
Sichtfeld des Beschwerdeführers daraus nicht ersichtlich sei (Beschwerde S.
13).

8.2 Die Vorinstanz führt aus, die Fotografien würden zeigen, dass die fragliche
Örtlichkeit inklusive Unfallstelle vom Standort des Zeugen gut überblickbar
gewesen sei. Dieser habe sich unterhalb des Mastes Nr. 10 aufgehalten
(angefochtenes Urteil S. 6).

8.3 Die Fotografien von der Unfallstelle enthalten verschiedene
Übersichtsaufnahmen, unter anderem mehrere talwärts und eine bergwärts in
Richtung des Mastes 10 gerichtete (vorinstanzliche Akten, Dossier 6, Beleg 2).
Auch wenn nicht bekannt ist, an welchem Tag die Fotografien aufgenommen wurden,
können aus diesen willkürfrei Erkenntnisse betreffend die örtlichen
Verhältnisse und die ungefähren Endlagen der Verunfallten gewonnen werden.
Insbesondere ist ersichtlich, wo der Aufenthaltsort des Zeugen D._______ war,
nämlich unterhalb des Mastes 10. Die Einwände des Beschwerdeführers erweisen
sich als unbehelflich.

9.
9.1 Schliesslich macht der Beschwerdeführer geltend, die Vorinstanz verfalle in
Willkür, indem sie eine Sorgfaltspflichtverletzung der Beschwerdegegnerin 2
verneine. Diese habe sich auch einer Regelverletzung schuldig gemacht, wenn sie
langsamer gefahren sei als er selbst. Denn sie hätte ihn rechtzeitig sehen und
ihm ausweichen können. Sie habe dies unterlassen, da sie bergwärts nach ihrer
Kollegin Ausschau gehalten habe. Dadurch habe sie die FIS-Regeln 1 und 2
verletzt (Beschwerde S. 14).

9.2 Die Vorinstanz führt aus, dass die Beschwerdegegnerin 2 die FIS-Regeln 1
und 2 auch nicht verletzt habe, wenn sie bei der Kollision noch mit geringer
Geschwindigkeit gefahren sei. Es lasse sich kein Regelverstoss daraus ableiten,
dass sie bergwärts geschaut habe. Es beständen konkrete Anhaltspunkte dafür,
dass der Beschwerdeführer mit hohem Tempo in die beinahe stillstehende
Beschwerdegegnerin 2 hineingefahren sei. Die Schlussfolgerung der
Staatsanwaltschaft, dass keine Anhaltspunkte für ein strafrechtlich relevantes
Verhalten der Beschwerdegegnerin 2 vorlägen, sei nicht zu beanstanden
(angefochtenes Urteil S. 11 f.).

9.3 Da gemäss den willkürfreien Feststellungen der Vorinstanz der
Beschwerdeführer mit einer Geschwindigkeit von 50 bis 60 km/h fuhr und die
Beschwerdegegnerin 2 beinahe still stand, ist die Argumention des
Beschwerdeführers, die Beschwerdegegnerin 2 hätte ausweichen müssen,
unbehelflich.

10.
Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.

Bei diesem Verfahrensausgang sind die bundesgerichtlichen Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht von Graubünden, II.
Strafkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 19. August 2010

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:

Favre Häne