Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 5A.160/2011
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
5A_160/2011

Urteil vom 29. März 2011
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Hohl, Präsidentin,
Bundesrichter von Werdt, Herrmann,
Gerichtsschreiber Schwander.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Peter Krepper,

gegen

Y.________,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Besuchsrecht,

Beschwerde gegen den Entscheid des Kantonsgerichts St. Gallen, II. Zivilkammer,
vom 25. Januar 2011.

Sachverhalt:

A.
A.a Y.________ (geb. 1961) und X.________ (geb. 1962) sind die seit 2001
getrennten und seit dem 24. April 2003 geschiedenen Eltern des Sohnes
Z.________ (geb. 1997). Im Ehescheidungsurteil wurde Z.________ antragsgemäss
unter der gemeinsamen elterlichen Sorge belassen, aber in die Obhut des Vaters
gestellt. Gegenwärtig wohnt Z.________ beim Vater. Dieser ist seit mehreren
Jahren in zweiter Ehe verheiratet. Im gleichen Haushalt lebt der ungefähr
gleichaltrige Sohn der zweiten Ehefrau, der mit seinem eigenen Vater keinen
Umgang mehr pflegt. Die Mutter wohnt als unmittelbare Nachbarin zusammen mit
ihrer Lebenspartnerin und deren zwei wesentlich jüngeren Kindern.
A.b Im Sommer 2005 verlangte die Mutter beim zuständigen Gericht die
vorsorgliche Regelung des persönlichen Verkehrs zwischen ihr und ihrem Sohn. In
der Folge einigten sich die Eltern auf eine vorläufige Ordnung.
A.c Im November 2005 reichte die Mutter eine Klage auf Abänderung des
Scheidungsurteils ein, und der Vater erhob Widerklage. Mit Entscheid vom 12.
Februar 2008 änderte das Kantonsgericht St. Gallen das Scheidungsurteil ab und
gab das Kind in die alleinige elterliche Sorge des Vaters. Es räumte der Mutter
das Recht ein, mit Z.________ jedes zweite Wochenende von Freitag bis Sonntag,
jeden Montagabend, jährlich vier Wochen Ferien sowie die Hälfte der
Doppelfeiertage zu verbringen. Eine früher angeordnete
Besuchsrechtsbeistandschaft wurde beibehalten.
A.d Am 25. Juni 2009 verlangte der Vater die Abänderung des Besuchs- und
Ferienrechts. Mit Beschluss vom 10. Februar 2010 reduzierte die
Vormundschaftsbehörde See-Linth den Umfang des persönlichen Umgangs der Mutter
auf ein Treffen pro Monat, jeweils am zweiten Freitag des Monats, für
mindestens vier Stunden; das Umgangsrecht in den Ferien und an den Feiertagen
hob die Vormundschaftsbehörde auf. Zudem lehnte sie es ab, die Eltern zu einer
Mediation bzw. das Kind zu einer psychotherapeutischen Behandlung zu
verpflichten. Sodann hob sie mit Beschluss vom 30. Juni 2010 auch die
Besuchsrechtsbeistandschaft bedingungslos auf.

A.e Die von der Mutter gegen den Entscheid der Vormundschaftsbehörde vom 10.
Februar 2010 erhobene Beschwerde wies das Departement des Innern des Kantons
St. Gallen am 9. August 2010 ab.

B.
Daraufhin gelangte die Mutter mit Berufung an das Kantonsgericht St. Gallen und
beantragte, das Besuchsrecht sei wie im Entscheid des Kantonsgerichts St.
Gallen vom 12. Februar 2008 festzulegen, zwischen den Eltern sei eine Mediation
anzuordnen und eventuell sei ein neuer Besuchsrechtsbeistand einzusetzen. Mit
Entscheid vom 25. Januar 2011 wies das Kantonsgericht die Berufung ab, soweit
es darauf eintrat.

C.
Mit Beschwerde vom 2. März 2011 gelangt X.________ (nachfolgend
Beschwerdeführerin) an das Bundesgericht und beantragt, das Besuchsrecht sei
gemäss dem früheren Entscheid des Kantonsgerichts vom 12. Februar 2008 zu
bestätigen, eventuell durch das Bundesgericht in angemessenem Umfang
festzulegen. Ferner seien die Parteien zur konkreten Durchsetzung der
mütterlichen Besuchsrechte unter Androhung der Straffolgen nach Art. 292 StGB
zu einer Mediation zu verpflichten.

Mit Verfügung vom 4. März 2011 wurde das Gesuch um Gewährung der aufschiebenden
Wirkung und den Erlass vorsorglicher Massnahmen abgewiesen.

In der Sache selbst wurden die Akten, aber keine Vernehmlassungen eingeholt.

Erwägungen:

1.
1.1 Angefochten ist ein kantonal letztinstanzlicher Endentscheid in einer nicht
vermögensrechtlichen Zivilsache, wogegen die Beschwerde in Zivilsachen offen
steht (Art. 72 Abs. 1, Art. 75 Abs. 1 und Art. 90 BGG). Nicht näher einzugehen
ist daher auf die Ausführungen der Beschwerdeführerin, aus denen sie eine
Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung im Sinne von Art. 74 Abs. 2 lit. a
BGG ableitet.

1.2 Bei der Beschwerde in Zivilsachen sind in rechtlicher Hinsicht alle Rügen
gemäss Art. 95 f. BGG zulässig, und das Bundesgericht wendet in diesem Bereich
das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1 BGG), was heisst, dass es
behauptete Rechtsverletzungen (Art. 42 Abs. 2 BGG) mit freier Kognition prüft.

Auf die blosse Anregung der Beschwerdeführerin, das Bundesgericht möge von
Amtes wegen prüfen, inwiefern direkt anwendbare Bestimmungen des Völkerrechts
(namentlich Art. 6 Ziff. 1 EMRK, Art. 12 ff. UNO-Kinderrechtskonvention) durch
das Vorgehen der Vorinstanzen und den angefochtenen Entscheid verletzt worden
seien, ist mangels Begründung (Art. 42 Abs. 2 BGG) von vornherein nicht
einzutreten.

1.3 Die Verletzung von Grundrechten prüft das Bundesgericht nur insofern, als
eine solche Rüge in der Beschwerde vorgebracht und begründet worden ist (Art.
106 Abs. 2 BGG). Das bedeutet, dass klar und detailliert anhand der Erwägungen
des angefochtenen Entscheids darzulegen ist, inwiefern verfassungsmässige
Rechte verletzt worden sein sollen (BGE 133 III 393 E. 6 S. 397; 133 II 249 E.
1.4.2 S. 254).

Nicht einzutreten ist daher auf die behaupteten Verstösse gegen Art. 10 Abs. 2
und Art. 14 BV, denn die Beschwerdeführerin hat nicht im Einzelnen aufgezeigt,
welche Ansprüche sie aus welcher Bestimmung ableitet und inwiefern diese
verletzt sein sollen.

1.4 Nach Art. 105 Abs. 1 BGG legt das Bundesgericht seinem Urteil den
Sachverhalt zugrunde, den die Vorinstanz festgestellt hat. Die Feststellung des
Sachverhalts kann nur gerügt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig, d.h.
willkürlich (BGE 133 II 249 E. 1.2.2 S. 252) ist oder auf einer
Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht und wenn die Behebung des
Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1
BGG; BGE 135 I 19 E. 2.2.2 S. 22). Wird eine willkürliche Feststellung von
Tatsachen geltend gemacht, ist - neben der Erheblichkeit der gerügten
Tatsachenfeststellung für den Verfahrensausgang - klar und detailliert
darzutun, inwiefern diese Feststellung offensichtlich unhaltbar sein soll, d.h.
mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch stehe, auf einem
offenkundigen Versehen beruhe oder sich sachlich in keiner Weise rechtfertigen
lasse und der angefochtene Entscheid deshalb an einem qualifizierten und
offensichtlichen Mangel leidet (BGE 133 III 393 E. 7.1 S. 398; 134 II 244 E.
2.2 S. 246).

Soweit die Beschwerdeführerin in Ziff. 49 der Beschwerde behauptet, die
Feststellung, wonach die beschränkte Besuchszeit Mutter und Kind nicht daran
hindere, eine lebendige und positive Beziehung aufzubauen, sei nicht
nachvollziehbar und deshalb willkürlich, belässt sie es bei einer
appellatorischen Kritik, auf welche nicht eingetreten werden kann. Ebenfalls
rein appellatorischer Natur sind die Ausführungen der Beschwerdeführerin
hinsichtlich der Auslegung des Kindeswillens (Ziff. 65-71 der Beschwerde), denn
sie begnügt sich damit, ihre eigene Sicht der Dinge darzulegen. Nicht
einzutreten ist sodann auf die Rüge, das Kantonsgericht sei in Willkür
verfallen (Ziff. 72 der Beschwerde), indem es A.________ fälschlicherweise als
Familientherapeuten bezeichnet habe, weil dieser in Tat und Wahrheit
Sozialarbeiter FH/Systemischer Berater im Regionalen Beratungszentrum
Rapperswil-Jona sei, denn die Beschwerdeführerin zeigt nicht auf, inwiefern
jener nicht qualifiziert sein soll, Empfehlungen hinsichtlich der Ausgestaltung
des Besuchsrechts abzugeben (s. dazu auch E. 5.2.2 hiernach). Nicht einzutreten
ist schliesslich auf die in den Ziff. 80-85 der Beschwerde enthaltenen Vorwürfe
der unrichtigen Sachverhaltsfeststellungen bzw. Beweiswürdigungen, denn die
Beschwerdeführerin zeigt nicht klar und detailliert auf, worin der Einfluss auf
den Ausgang des Verfahrens bestünde.

2.
In verschiedener Hinsicht wird dem Kantonsgericht in der Beschwerde eine
Verletzung des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV) vorgeworfen; diese Rüge
ist wegen der formellen Natur des Gehörsanspruchs (BGE 135 I 187 E. 2.2 S. 190)
vorweg zu prüfen.

2.1 Zunächst rügt die Beschwerdeführerin, die Vormundschaftsbehörde habe ihr
die Akten zur Anhörung des Sohnes vom 9. und 14. September 2009 gar nie zur
Kenntnis gebracht. Sie habe das entsprechende Protokoll erst am 17. März 2010
vom Departement des Innern zur Kenntnis erhalten. Sodann sei ihr am 26.
November 2010 vom Kantonsgericht die Stellungnahme der Vormundschaftsbehörde
vom 23. November 2010 samt Beilagen zugestellt worden. Darunter habe sich ein
Bericht "Z.________" vom 4. Juli 2009 (ein von Z.________ handschriftlich
verfasster Bericht über den Ablauf eines Besuchsrechtswochenendes bei der
Mutter) befunden. Von diesem habe sie erst nach dem Entscheid des Departements
des Innern Kenntnis erhalten. Trotzdem habe das Kantonsgericht darin keine
Verletzung des rechtlichen Gehörs zu erblicken vermocht.

Die Beschwerdeführerin hat die Verletzung des rechtlichen Gehörs durch die
Vormundschaftsbehörde bereits vor dem Departement des Innern geltend gemacht.
Dieses bejahte eine Verletzung, erachtete sie indes als geheilt. Gegebenenfalls
hätte die Beschwerdeführerin dieses Ergebnis vor dem Kantonsgericht beanstanden
müssen. Dass sie das getan hätte, behauptet sie indessen nicht, und ist auch
nicht ersichtlich. Mangels Ausschöpfung des Instanzenzuges kann auf diese Rüge
nicht eingetreten werden (BGE 133 III 638 E. 2 S. 640).

Sodann erwog das Kantonsgericht, die Mutter habe wohl eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs geltend gemacht, aber darauf verzichtet, gestützt auf diese
Vorbringen Anträge zu stellen und letztlich bloss einen richterlichen Rüffel
erwartet; das Kantonsgericht habe keinen erzieherischen Auftrag und sei nicht
Aufsichtsbehörde, weshalb darauf nicht einzutreten sei. Die Beschwerdeführerin
setzt sich nicht mit diesen Erwägungen auseinander und behauptet nichts, woraus
auf das Gegenteil geschlossen werden müsste. Ebenso wenig zeigt sie auf, dass
der fragliche Bericht bereits zu den Akten des Departements des Innern gehörte
und damit Grundlage für dessen Entscheid war. Mithin kommt sie den
Begründungsanforderungen nicht nach (E. 1.3 hiervor), weshalb nicht darauf
einzutreten ist.

2.2 Weiter beanstandet die Beschwerdeführerin eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs, indem das Kantonsgericht für seinen Entscheid vom 25. Januar 2011 nicht
mehr auf ihre Eingabe vom 10. Januar 2011 abgestellt habe, worin sie sich zu
den mit Schreiben vom 26. November 2010 zugestellten Unterlagen geäussert habe.

Es trifft zwar zu, dass das Kantonsgericht die Eingabe der Beschwerdeführerin
vom 10. Januar 2011 im schriftlich begründeten Entscheid nicht ausdrücklich
erwähnt. Die Eingabe befindet sich allerdings als act. B/15 bei den Akten des
Kantonsgerichts, und es hat jene am 11. Januar 2011 dem Vater und dem Sohn zur
Kenntnis gebracht (kant. act. B/16). Mit Schreiben vom 14. Januar 2011 teilte
das Kantonsgericht schliesslich mit, es erachte die Sache als spruchreif (kant.
act. B/17). Mithin gibt es keine Anzeichen dafür, dass es die fragliche Eingabe
unberücksichtigt gelassen hat. Vielmehr läuft der Vorwurf, das Kantonsgericht
habe nicht auf die Eingabe vom 10. Januar 2011 abgestellt, auf eine Rüge der
Verletzung der Begründungspflicht als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs hinaus,
was sogleich zu prüfen ist:

Die Begründung eines Entscheides muss so abgefasst sein, dass der Betroffene
ihn gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Dies ist nur möglich, wenn
sowohl er wie auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des
Entscheides ein Bild machen können. In diesem Sinn müssen wenigstens kurz die
Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und
auf welche sich ihr Entscheid stützt. Es ist jedoch nicht nötig, dass sich die
Behörde mit jeder tatsächlichen Behauptung und mit jedem rechtlichen Einwand
auseinandersetzt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen
Gesichtspunkte beschränken (BGE 129 I 232 E. 3.2 S. 236; 133 III 439 E. 3.3 S.
445; 134 I 83 E. 4.1 S. 88).

Entgegen dem Tenor der Ausführungen in der Beschwerde ergibt sich eine
Verletzung der Begründungspflicht nicht bereits daraus, dass das Kantonsgericht
nicht den Argumenten der Mutter gefolgt ist. Im angefochtenen Entscheid werden
die zentralen Überlegungen, von denen das Kantonsgericht ausgegangen ist,
genannt und in jeder Hinsicht verständlich und nachvollziehbar ausgeführt. Wie
ihre 33-seitige Beschwerde zeigt, war die Beschwerdeführerin denn auch in der
Lage, den Entscheid in allen Teilen sachgerecht anzufechten. Die Rüge der
Verletzung der Begründungspflicht ist demnach unbegründet.

3.
Das Kantonsgericht hat im Wesentlichen folgenden Sachverhalt festgestellt: Die
Eltern hätten es seit der Trennung bis 2005 geschafft, einträchtig
zusammenzuwirken und sich in Kinderbelangen abzusprechen. Seither führten sie
einen eigentlichen Kampf um das Kind und liessen den Konflikt immer wieder
eskalieren, indem sie Strafklagen erheben und sich ständig gegenseitig Vorwürfe
machten. Im Mai 2008 hätten die Eltern versucht, mit einer Familienberatung
eine Entlastung zu bewirken. Die Therapeutin habe schliesslich allerdings
abgesagt, so dass die Beratung nur vorübergehend zu einer Beruhigung der
Situation geführt habe. Folge dieser ständigen Konflikte sei eine zunehmende
Einschränkung des Besuchsrechts der Mutter gewesen. Seit Herbst 2009 dürfe die
Mutter den Jungen nur noch jeden zweiten Freitagabend im Monat für einige
Stunden treffen. Diese Treffen fänden entgegen den Behauptungen der Mutter
regelmässig und pünktlich statt. Hinzu komme, dass das frühere Besuchsrecht
trotz klarer Regelungen nie unbeschwert habe ausgeübt werden können, sondern
stets Schwierigkeiten bereitet habe. Termine seien nicht eingehalten oder
kurzfristig verschoben worden, Besuchswochenenden übermässig verplant,
Versprechen nicht eingehalten, jede Verspätung kleinlich gerügt und dem anderen
Elternteil als Charakterfehler vorgehalten worden. Der Vater stehe der
Lebensform der Mutter nicht unbefangen gegenüber. Im Gegenzug werfe die Mutter
dem Vater vor, er entfremde das Kind. Auch das Verhältnis der Mutter zum
Besuchsrechtsbeistand sei von Beginn weg belastet gewesen. Dieser habe zwar
sorgfältige Besuchsrechtsregelungen ausgearbeitet und rasch das Vertrauen des
Kindes gewonnen. Die Mutter habe sich aber vom Beistand in ihrer Lebensweise
nicht akzeptiert gefühlt und ihr sei wiederholt allein die Rolle des Stör- oder
Belastungsfaktors zugeschrieben worden.

Die langjährigen, belastenden Umstände seien für Z.________ nicht ohne Folgen
geblieben. Während er im Jahr 2005 noch einen ausgewogenen Kontakt zu beiden
Eltern gewünscht habe, werde ein Jahr später beschrieben, dass er sich bei
beiden Eltern wohl fühle, aber eine ansteigende Zerrissenheit zu spüren sei.
Z.________ habe immer mehr Mühe bekundet, die Lebensform der Mutter neben der
des Vaters zu akzeptieren und zunehmend gewünscht, nur noch einer Familie,
nämlich der des Vaters, anzugehören. Er habe wiederholt zum Ausdruck gebracht,
das Besuchsrecht sei möglichst so zu belassen wie es heute sei, und es sei
sicher nicht auszuweiten. Er könne den Besuchen bei der Mutter wenig Positives
abgewinnen. Seine Ausführungen seien klar, nachvollziehbar, konstant,
altersentsprechend und basierten auf seiner eigenen Erfahrungswelt. Die Besuche
am Freitagabend würden von allen Beteiligten als rundum unbefriedigend erlebt.
Und trotzdem schienen die seit Herbst 2009 reduzierten Besuche das Wohlbefinden
von Z.________ spürbar gefördert zu haben.

4.
In rechtlicher Hinsicht ist vom Grundsatz auszugehen, wonach Eltern, denen die
persönliche Sorge oder Obhut nicht zusteht, und unmündige Kinder gegenseitig
Anspruch auf angemessenen persönlichen Verkehr haben (Art. 273 Abs. 1 ZGB).
Dieser ist zwar als sog. Pflichtrecht ausgestaltet, dient aber in erster Linie
dem Interesse des Kindes; oberste Richtschnur für die Ausgestaltung des
persönlichen Verkehrs ist deshalb stets das Kindeswohl, das anhand der Umstände
des konkreten Einzelfalles zu beurteilen ist (BGE 123 III 445 E. 3b S. 451; 130
III 585 E. 2.1 S. 587 f.; 131 III 209 E. 5 S. 212).

Auszugehen ist dabei von der kinderpsychologischen Erkenntnis, dass in der
Regel eine Beziehung zu beiden Elternteilen wichtig ist, da sie bei der
Entwicklung und Identitätsfindung des Kindes eine wichtige Rolle spielen kann
(BGE 122 III 404 E. 3a S. 407; 127 III 295 E. 4a S. 298; 130 III 585 E. 2.2.2
S. 590). Wird jedoch das Wohl des Kindes durch den persönlichen Verkehr
gefährdet, indem seine ungestörte körperliche, seelische oder sittliche
Entfaltung bedroht ist, kann das Besuchsrecht beschränkt oder aufgehoben werden
(Art. 274 Abs. 2 ZGB), wobei die gänzliche Aufhebung stets die ultima ratio
bleiben muss (BGE 122 III 404 E. 3b S. 407).

Was das Kind anbelangt, so steht es nicht in dessen freiem Belieben, ob es
persönliche Kontakte wünscht oder nicht; dies gilt namentlich dort, wo die
ablehnende Haltung wesentlich durch die Einstellung der sorgeberechtigten
Partei geprägt ist (Urteil 5A_341/2008 vom 23. Dezember 2008 E. 4.3). Indes ist
der geäusserte Kindeswille in der Entscheidung zu berücksichtigen, und bei
älteren Kindern ist er ein massgebliches Kriterium bei der Festsetzung des
Besuchsrechts (Urteil 5C.250/2005 vom 3. Januar 2006 E. 3.2.1).

5.
5.1 Das Kantonsgericht erwog, die Beschränkung des Besuchsrechts sei nicht auf
ein Fehlverhalten der Mutter zurückzuführen. Ebenso wenig leide Z.________ an
einem Parental Alienation Syndrome. Seine Überlegungen schienen in Anbetracht
seines Alters und seiner Erlebniswelt nachvollziehbar. Seiner Denkweise sei zu
entnehmen, dass er zum Vater, der präsenter sei und dessen Lebenswelt er besser
verstehe, eine enge Vertrauensbeziehung aufgebaut habe, die ihm Schutz und
Unterstützung verspreche, wogegen ihm eine Bindung an die abwesende Mutter mit
ihrer eigenen Lebenswirklichkeit schwerer falle. Ohnehin sei zu
berücksichtigen, dass selbst ein beeinflusster Wille beachtlich sei, und zwar
schon deshalb, weil er für das Kind eine psychisch empfundene Realität bilde.
Kinder erreichten gewöhnlich zwischen dem zehnten und dem zwölften Lebensjahr
das Entwicklungsstadium der formallogischen Denkoperationen. Sie seien dann
nicht mehr allein der Gegenwart verhaftet, sondern vermöchten die Vor- und
Nachteile künftiger Lebenssituationen gegeneinander abzuwägen. Sie könnten es
auch hinnehmen, dass Erwachsene unterschiedliche Standpunkte bezögen, und
verstünden, dass es wichtig ist, sich dazu eine eigene Meinung zu bilden.
Urteilsfähige Kinder könnten erwarten, dass ein gefestigter und nicht nur aus
einer momentanen Laune heraus gefasster Entschluss als Ausfluss ihrer
Persönlichkeit respektiert und in der Entscheidfindung berücksichtigt werde.
Ihr Wille gelte als Akt beschränkter Eigenverantwortung, der zwar nicht allein
massgeblich und kritisch zu hinterfragen sei, aber auch nicht ganz unbedeutend
sein könne. Je älter und reifer die Kinder würden, je stabiler ihre Haltung sei
und je nachdrücklicher diese vertreten werde, desto mehr sei darauf zu achten,
bis schliesslich ein Besuchsrecht gegen ihren gefestigten Willen grundsätzlich
nicht mehr vertretbar und wohl auch nicht mehr durchsetzbar sei. Dies
widerspräche nämlich sowohl dem Zweck der Umgangsregelung als auch dem
Persönlichkeitsrecht des Kindes. Der Hinweis der Mutter, Z.________ könne sich
gar nicht unbefangen äussern, weshalb seine Stimme nicht zu hören sei, erweise
sich für Kinder in der Adoleszenz als sehr verletzend und sei eher geeignet,
ihre Abwehrhaltung zu verstärken, als sie zur Selbständigkeit anzuleiten. Eine
gerichtliche Verordnung gegen den Kindeswillen wirke sich im Übrigen auf das
Mutter-Kind-Verhältnis regelmässig negativ aus und leite meist den endgültigen
Abbruch der Beziehung ein. Viele Kinder, welche mit rigider gerichtlicher
Verfügung oder unflexibler Elternvereinbarung zu Besuchen genötigt würden,
brächen die Verbindung später ab. Ein Appell an die Selbstbestimmung könne dazu
führen, dass das Kind im Laufe der Adoleszenz sein Urteil über die Eltern
revidiere, die Parteinahme für einen Elternteil aufgebe und sich dem anderen
freiwillig zuwende. Z.________ habe mit seinen 13 bis 14 Jahren ein Alter
erreicht, in dem er sich grundsätzlich eine eigene Meinung bilden könne, und
die Folgen seines Entscheides für sich abzuschätzen vermöge. Es bestehe kein
Anlass, daran zu zweifeln, dass der Junge, der einen reifen und bestimmten
Eindruck mache, sich soweit entwickelt habe. Damit sei er im rechtlichen Sinne
urteilsfähig geworden und sein Wille daher grundsätzlich zu respektieren.
5.2
5.2.1 Unter dem Titel "Mangelhafte Ermittlung des Kindeswillens" wirft die
Beschwerdeführerin dem Kantonsgericht eine Verletzung der Art. 144 Abs. 2, Art.
145 und Art. 314 Ziff. 1 ZGB vor. Wohl hätten die Vormundschaftsbehörde und
nach dieser das Departement des Innern Z.________ persönlich angehört, sich
aber nicht ausreichend mit der tatsächlichen Situation befasst. Ein Abstützen
auf die Berichte des Beistandes sei unzulässig. Da die Parteien die fraglichen
Berichte unterschiedlich beurteilten, hätte das Kantonsgericht Z.________
selber anhören, zumindest aber ein externes Gutachten über die Frage des
Kindeswohls bei Beibehalt des bisherigen Besuchsrechts einholen müssen.

Weil es hier nicht um die Verletzung des verfassungsrechtlichen Anspruchs auf
rechtliches Gehör, sondern um die Verletzung von Bestimmungen eines
Bundesgesetzes geht, stellt die materielle Ausschöpfung des Instanzenzuges
keine Zulässigkeitsvoraussetzung dar, weshalb die Rüge auch erstmals vor
Bundesgericht vorgebracht werden kann.

Art. 144 Abs. 2 ZGB bestimmt, dass bei Anordnungen über Kinder diese in
geeigneter Weise durch das Gericht oder durch eine beauftragte Drittperson
persönlich anzuhören sind, soweit nicht ihr Alter oder andere wichtige Gründe
dagegen sprechen. Diese Norm findet auf alle gerichtlichen Verfahren Anwendung,
in denen Kinderbelange zu regeln sind (vgl. auch Art. 314 Ziff. 1 ZGB bezüglich
Kindesschutzmassnahmen); sie gilt deshalb nicht nur im Scheidungs-, sondern
auch im Eheschutzverfahren, bei vorsorglichen Massnahmen im Sinn von Art. 137
ZGB und im Abänderungsverfahren nach Art. 134 ZGB (vgl. BGE 131 III 553 E.
1.1). Sind die Voraussetzungen für die Anhörung des Kindes gegeben, lässt sie
sich nicht durch antizipierte Beweiswürdigung umgehen (Urteil 5A_536/2007 vom
24. Januar 2008 E. 2.1). Selbst wenn der Anhörung des Kindes durch den Richter
der Vorzug der Unmittelbarkeit innewohnt, besteht diesbezüglich indes keine
absolute Pflicht (vgl. BGE 133 III 553 E. 4 S. 554), und schon gar nicht eine,
die sich an alle Instanzen richtet; entscheidend ist vielmehr, dass die einmal
vorgenommene Anhörung bzw. deren Ergebnis im Zeitpunkt der Verwertung noch
aktuell ist (BGE 133 III 553 E. 4 S. 555). Dies ist Ausdruck des Gedankens,
dass eine Anhörung um der Anhörung willen zu vermeiden ist und von wiederholten
Anhörungen abgesehen werden kann, wo neue Erkenntnisse nicht zu erwarten sind
(s. auch Urteil 5A_388/2008 vom 22. August 2008 E. 3, publ. in: FamPra.ch 2009
S. 249).

Die Beschwerdeführerin behauptet nicht, seit der Anhörung durch die
Vormundschaftsbehörde bzw. durch das Departement des Innern hätten sich die
Verhältnisse in einer Art verändert, welche eine erneute Anhörung (oder
Begutachtung) erforderlich gemacht hätte. Ebenso wenig führt sie aus, inwiefern
eine erneute Anhörung (oder Begutachtung) neue Erkenntnisse zu Tage fördern
könnte. Schliesslich bestreitet sie den Inhalt von Z.________
Willenskundgebungen nicht. Unter diesen Umständen kann dem Kantonsgericht keine
Bundesrechtsverletzung vorgeworfen werden; die Rüge ist unbegründet.
5.2.2 Ausserdem beanstandet die Beschwerdeführerin, dass das Kantonsgericht
allein auf den Kindeswillen abgestellt und dabei das Kindeswohl missachtet
habe.

Dies trifft nicht zu. Das Kantonsgericht hat seinen Entscheid sowohl in
tatsächlicher (s. E. 3 hiervor) als auch in rechtlicher Hinsicht (s. E. 5.1
hiervor) umfassend abgeklärt und begründet. In sorgfältiger Abwägung aller
relevanten Kriterien ist es zum Schluss gekommen, dass es im Interesse nicht
nur des Sohnes, sondern auch der Mutter sei, im gegenwärtigen Zeitpunkt das
Besuchsrecht nicht wieder zu erweitern. Die von der Vormundschaftsbehörde
festgelegte Besuchszeit entspreche einerseits dem Wunsch des Kindes und erlaube
es ihm andererseits, das aktuell eher negative Mutterbild mit der Realität zu
vergleichen sowie einen Kontakt zur Mutter zu pflegen. Das Umgangsrecht an
einem Abend im Monat biete dem Jugendlichen Z.________ genügend Zeit für eigene
Pläne, für Schulaufgaben sowie Freizeitaktivitäten und festige dadurch seine
Autonomie und Persönlichkeitsentwicklung. Ein solcher Besuchsrhythmus
entspreche im Übrigen auch den Empfehlungen des Familientherapeuten, der
mehrmals mit Eltern und Kind gesprochen habe. Ohnehin müssten es Mutter und
Kind schaffen, die gemeinsamen vier Stunden im Monat befriedigend zu gestalten,
bevor es ihnen zugemutet werden dürfe, noch mehr Zeit miteinander zu
verbringen. Die von der Vormundschaftsbehörde festgelegten Besuchszeiten
hinderten die Mutter und das Kind nicht daran, eine lebendige und positive
Beziehung aufzubauen und schienen insgesamt angemessen, wobei es ausdrücklich
erwünscht und für die Entwicklung des Kindes positiv sei, wenn Z.________ seine
Mutter zusätzlich freiwillig besuche. Davon, dass das Kantonsgericht
ausschliesslich auf den Willen von Z.________ abgestellt und das Kindeswohl
missachtet hat, kann keine Rede sein; die Rüge ist unbegründet.

Bei diesem Ausgang erübrigt sich, auf die Ausführungen hinsichtlich der
Wiederherstellung des Besuchsrechts gemäss dem früheren Entscheid des
Kantonsgerichts vom 12. Februar 2008 einzugehen.

6.
Den Antrag auf Anordnung einer Zwangsmediation zwischen den Eltern stellt die
Beschwerdeführerin ausdrücklich in den Zusammenhang mit der Wiederherstellung
der Besuchsrechtszeiten gemäss dem Entscheid des Kantonsgerichts vom 12.
Februar 2008. Da der angefochtene Entscheid aus den in E. 2-5 dargelegten
Gründen vor Verfassung und Gesetz standhält und die früheren
Besuchsrechtszeiten nicht wiederhergestellt werden, erübrigen sich
weitergehende Erörterungen zu diesem Begehren.

7.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf eingetreten
werden kann. Die Beschwerdeführerin unterliegt und wird kostenpflichtig (Art.
66 Abs. 1 BGG). Dem Beschwerdegegner ist kein entschädigungspflichtiger Aufwand
entstanden (Art. 68 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 2'500.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht St. Gallen, II.
Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 29. März 2011

Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Hohl Schwander