Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 5A.550/2011
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
5A_550/2011

Urteil vom 24. Oktober 2011
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Hohl, Präsidentin,
Bundesrichter L. Meyer, von Werdt,
Gerichtsschreiber von Roten.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Werner Marti,
Beschwerdeführer,

gegen

Gemeinde G.________,
vertreten durch Rechtsanwältin Susanne Jenny Wiederkehr,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Notwegrecht,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Glarus vom 24. Juni
2011.

Sachverhalt:

A.
X.________ (Beschwerdeführer) erwarb Ende 2007 das Grundstück Nr. aaa in der
Gemeinde T.________. Die Gemeinde T.________ (Orts- und Schulgemeinde sowie
Tagwen) bildet mit weiteren Gemeinden seit dem 1. Januar 2011 die Gemeinde
G.________ (Beschwerdegegnerin).

B.
Das Grundstück des Beschwerdeführers Nr. aaa ist mit einem Mehrfamilienhaus
überbaut. Ab der öffentlichen S.________strasse kann über die Parzellen Nrn.
bbb und ccc bis zum Hauseingang und zu den dort gelegenen Einzelgaragen
gefahren werden. Die Parzelle Nr. bbb steht im Eigentum der E.________. Sie ist
mit einer im Grundbuch als "Fuss- und Fahrwegrecht zugunsten Ortsgemeinde
T.________, T.________" eingetragenen Dienstbarkeit belastet. Bei der Parzelle
Nr. ccc handelt es sich um eine Strassenparzelle von 30 m2 (ca. 3 m x 10 m) im
Eigentum des Beschwerdeführers.

C.
Im September 2008 stellte der Beschwerdeführer ein Baugesuch für eine
Tiefgarage auf seinem Grundstück Nr. aaa. Der Ein- und Ausgang der Tiefgarage
war hinter dem Mehrfamilienhaus geplant. Von dort sollte über die
Nachbarparzelle Nr. ddd in den öffentlichen W.________weg (Parzelle Nr. eee)
und weiter in die V.________-strasse gefahren werden können. Auf der Parzelle
Nr. ddd besteht bereits eine asphaltierte Privatstrasse entlang der gemeinsamen
Grenze mit dem Grundstück Nr. aaa. Sie ist die unmittelbare Verlängerung des
öffentlichen W.________wegs und dient dem Mehrfamilienhaus auf der Parzelle Nr.
ddd als Zufahrt mit Autoabstellplätzen. Die Parzellen Nrn. ddd und eee sind
Eigentum des Tagwens T.________ und heute der Beschwerdegegnerin. Der Tagwen
T.________ bestätigte, dass der W.________weg (Parzelle Nr. eee) eine
öffentliche Gemeindestrasse ist, lehnte es hingegen ab, dem Beschwerdeführer
ein Zufahrtsrecht über seine Parzelle Nr. ddd einzuräumen. Mangels
hinreichender Zufahrt zur Tiefgarage wurde das Baugesuch des Beschwerdeführers
abgewiesen. Die kantonalen Rechtsmittel blieben erfolglos (Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons Glarus vom 29. September 2010).

D.
Während des Baubewilligungsverfahrens leitete der Beschwerdeführer gegen den
Tagwen T.________ bzw. gegen die Beschwerdegegnerin einen Notwegrechtsprozess
ein. Er beantragte, zugunsten des Grundstücks Nr. aaa ein Notwegrecht im Sinne
eines unbeschränkten Fuss- und Fahrwegrechts zulasten der Parzellen Nrn. ddd
und eee einzuräumen, eine angemessene Entschädigung für die Einräumung des
Notwegrechts festzulegen und ihn als berechtigt zu erklären, das Notwegrecht
gegen Nachweis der Zahlung der Entschädigung zur Eintragung im Grundbuch
anzumelden. Die Beschwerdegegnerin schloss auf Abweisung. Das Kantonsgericht
Glarus und auf Berufung des Beschwerdeführers hin das Obergericht des Kantons
Glarus wiesen die Klagebegehren ab (Urteile vom 23. März 2010 und vom 24. Juni
2011).

E.
Mit Eingabe vom 22. August 2011 erneuert der Beschwerdeführer seine
Klagebegehren vor Bundesgericht mit der Verdeutlichung, dass sich der
beanspruchte Notweg allein auf die Parzelle Nr. ddd im Eigentum der
Beschwerdegegnerin beziehe. Im Eventualstandpunkt beantragt er, die Sache zur
Festlegung einer angemessenen Entschädigung für die Einräumung des Notwegrechts
an das Obergericht zurückzuweisen. Es sind die kantonalen Akten, hingegen keine
Vernehmlassungen eingeholt worden.

Erwägungen:

1.
Der Streit über den Anspruch auf Einräumung eines Notweges gemäss Art. 694 ZGB
betrifft eine Zivilsache (Art. 72 Abs. 1 BGG) in einer vermögensrechtlichen
Angelegenheit mit einem - obergerichtlich festgestellten (E. V/2 S. 9) -
Streitwert von mehr als Fr. 30'000.-- (Art. 74 Abs. 1 lit. b BGG; vgl. BGE 80
II 311 E. 1 S. 314 f.; 92 II 62). Angefochten ist ein kantonal
letztinstanzliches Urteil (Art. 75 BGG), das gegen den Beschwerdeführer lautet
(Art. 76 Abs. 1 BGG) und das Verfahren abschliesst (Art. 90 BGG). Auf die - im
Weiteren fristgerecht erhobene (Art. 100 Abs. 1 i.V.m. Art. 46 Abs. 1 lit. b
BGG) - Beschwerde kann grundsätzlich eingetreten werden.

2.
Der Beschwerdeführer hat auf Einräumung eines Notweges im Sinne von Art. 694
ZGB zulasten der Parzellen Nrn. eee und ddd geklagt. Die Grundstücke stehen im
Eigentum des Tagwens T.________ und seit dessen Zusammenschluss mit weiteren
Gemeinden im Eigentum der Beschwerdegegnerin (vgl. E. III S. 5 des
angefochtenen Urteils). Der Notweg kann regelmässig beansprucht werden, wenn
das zu belastende Grundstück dem Finanzvermögen der Gemeinde angehört.
Grundstücke im Verwaltungsvermögen der Gemeinde kommen für einen Notweg
hingegen nur in Betracht, wenn das konkret anwendbare öffentliche Recht die
entsprechende Belastung zulässt (vgl. zum Ganzen: REY, Basler Kommentar, 2007,
N. 67 zu Art. 656, N. 22 zu Art. 665 und N. 4 zu Art. 694 ZGB). Das mit einem
Mehrfamilienhaus überbaute Grundstück Nr. ddd im Eigentum der
Beschwerdegegnerin steht unstreitig in deren Finanzvermögen (vgl. S. 3/4 Ziff.
1 der Beschwerdeschrift) und kann deshalb mit einem Notwegrecht belastet
werden. Wie es sich mit der Strassenparzelle Nr. eee verhält, kann
dahingestellt bleiben. Nach Bestätigung der Beschwerdegegnerin, beim
W.________weg auf der Parzelle Nr. eee handle es sich um eine öffentliche
Gemeindestrasse, hat der Beschwerdeführer sein ursprüngliches Klagebegehren,
auch zulasten der Parzelle Nr. eee ein Notwegrecht im Grundbuch einzutragen,
nicht aufrecht erhalten.

3.
Der Anspruch auf Einräumung eines Notweges steht gemäss Art. 694 Abs. 1 ZGB dem
Grundeigentümer zu, der keinen genügenden Weg von seinem Grundstück auf eine
öffentliche Strasse hat. Die kantonalen Gerichte haben die Voraussetzung als
nicht erfüllt betrachtet und angenommen, das Grundstück des Beschwerdeführers
verfüge über eine genügende Zufahrt ab der öffentlichen S.________strasse bis
vor die Haustür des Mehrfamilienhauses und zu den dort gelegenen Einzelgaragen.

3.1 Das Notwegrecht bedeutet wie andere mittelbare gesetzliche
Eigentumsbeschränkungen (z.B. Durchleitungen, Notbrunnen u.ä.) eine
"privatrechtliche Enteignung" (BGE 114 II 230 E. 4a S. 236). Das Bundesgericht
hat die Gewährung eines Notwegrechts deshalb von strengen Voraussetzungen
abhängig gemacht. Es hat aus der Entstehungsgeschichte des Art. 694 ZGB
abgeleitet, dass der nachbarrechtliche Anspruch auf die Gewährung eines
Wegrechts nur in einer eigentlichen Notlage geltend gemacht werden kann (BGE
105 II 178 E. 3b S. 180 f.). Eine Wegenot liegt vor, wenn einem Grundeigentümer
die zur bestimmungsgemässen Benutzung seines Grundstücks erforderliche
Verbindung zur öffentlichen Strasse überhaupt fehlt oder der vorhandene Weg
sich als ungenügend erweist (BGE 117 II 35 E. 2 S. 36 f.; 136 III 130 E. 3.1 S.
133 f.).

3.2 Das Obergericht hat die Wegenot verneint, weil der Beschwerdeführer über
die Parzellen Nrn. ccc und bbb auf die öffentliche S.________strasse zu fahren
berechtigt sei. Die Parzelle Nr. ccc - eine Strassenparzelle - stehe im
Eigentum des Beschwerdeführers und dürfe von ihm als Zufahrt benutzt werden.
Die Überquerung der Parzelle Nr. bbb sei durch das im Grundbuch eingetragene
"Fuss- und Fahrwegrecht zugunsten Ortsgemeinde T.________, T.________" bzw.
heute durch das Fuss- und Fahrwegrecht zugunsten der Beschwerdegegnerin
sichergestellt. Das Wegrecht bestehe zugunsten der Gemeinde. Es sei somit
öffentlich und folglich jedermann berechtigt, über das Grundstück Nr. bbb zu
gehen und zu fahren. Der Zugang von der S.________strasse her über die
Grundstücke Nrn. bbb und ccc zum Grundstück Nr. aaa sei ausreichend. Es könne
diesbezüglich auf die zutreffenden Erwägungen im vorinstanzlichen Entscheid
verwiesen werden (E. IV/5d S. 8 des angefochtenen Urteils). An der verwiesenen
Stelle hat das Kantonsgericht dafürgehalten, die Wegverbindung sei auch im
Bereich des Grundstücks Nr. ccc selbst für ein grosses Motorfahrzeug genug
breit und werde nicht dadurch beeinträchtigt, dass ein Kreuzen zweier Fahrzeuge
an dieser Stelle nicht möglich sei. Die Durchfahrt über das Grundstück Nr. bbb
werde von Lastwagen (Zulieferern) wohl für jeweils kurze Zeit behindert,
indessen nicht auf Dauer versperrt. Die Wegverbindung vom Grundstück Nr. aaa
zur S.________strasse sei damit zwar nicht vollkommen, aber als ausreichend zu
erachten (E. III/7 S. 8 f. des kantonsgerichtlichen Urteils).

3.3 Das Obergericht hat abschliessend allgemein auf die rundum zutreffenden
Ausführungen der Vorinstanz verwiesen (E. IV/6 S. 9 des angefochtenen Urteils).
Der Verweis betrifft namentlich die Feststellungen zum Erwerbsgrund und dessen
Auslegung, die der Beschwerdeführer vor Bundesgericht ebenfalls anficht (S. 10
ff. Ziff. 1 der Beschwerdeschrift). Gemäss Ziff. 8 der weiteren Bestimmungen im
Kaufvertrag zwischen der Ortsgemeinde und dem Tagwen T.________ mit der
E.________ vom 9. Juni 1997 besteht ein "Allgemeines Fuss- und Fahrwegrecht"
zugunsten der Ortsgemeinde T.________ und räumt der jeweilige Eigentümer der
Parzelle Nr. bbb der Ortsgemeinde T.________ das Fuss- und Fahrwegrecht ein,
"damit der Anschluss zu den Liegenschaften eidg. Nr. ccc und fff gewährleistet
bleibt" (Beleg Nr. rrrr). Das Kantonsgericht hat dafürgehalten, der Wortlaut
sei nur vordergründig klar. Danach sei jedermann berechtigt, von der
S.________strasse her über das Grundstück Nr. bbb bis zum Grundstück Nr. ccc zu
gelangen. Das Grundstück Nr. ccc sei jedoch laut Grundbuchauszug lediglich ein
"Fussweg/Radweg/Trottoir" von 30 m2 Fläche und diene seit je her allein dem
Zugang zum Grundstück Nr. aaa, was auch der Augenschein gezeigt habe. Die
alleinige Erschliessung dieses Fussweges/Radweges/Trottoirs von der
öffentlichen S.________strasse her ohne Möglichkeit, weiter auf das daran
unmittelbar angrenzende Grundstück Nr. aaa zu gelangen, ergebe keinen Sinn.
Lasse der Text des Grundbuchbelegs keine schlüssige Auslegung zu, sei auf den
Zweck der Dienstbarkeit abzustellen. Der Zweck des Fuss- und Fahrwegrechts
müsse bereits bei der Begründung gewesen sein, dem Grundstück Nr. aaa über das
Grundstück Nr. ccc und das Grundstück Nr. bbb den Zugang zur öffentlichen
S.________strasse zu sichern. Allein diesen Schluss lasse die Betrachtung der
Gegebenheiten im Jahre 1997, d.h. vor dem Neubau der E.________, zu. Das
Grundstück Nr. ccc, das damals im hälftigen Miteigentum je des Eigentümers des
Grundstücks Nr. aaa und der Beschwerdegegnerin gestanden habe, sei nämlich die
direkte Wegverbindung des Grundstücks Nr. aaa zur damals noch verlängerten
öffentlichen S.________strasse gewesen. Mit dem Verkauf des damaligen
Grundstücks alt-Nr. ggg und des südlich daran angrenzenden Bodens der
verlängerten S.________strasse an die E.________ sei die direkte Wegverbindung
des Grundstücks Nr. aaa über das Grundstück Nr. ccc zu einer öffentlichen
Strasse verloren gegangen, was die Ortsgemeinde T.________ mit der Errichtung
des vorgenannten öffentlichen Fuss- und Fahrwegrechtes zulasten des heutigen
Grundstücks Nr. bbb habe verhindern wollen. Das Fuss- und Fahrwegrecht sei
somit in Anbetracht aller Umstände als Wegrecht auch zugunsten des Grundstücks
Nr. aaa zu verstehen (E. III/8 S. 9 f. des kantonsgerichtlichen Urteils).

4.
Hauptstreitpunkt im Notwegrechtsprozess bilden Inhalt und Umfang der
Dienstbarkeit, die im Grundbuch als "Fuss- und Fahrwegrecht zugunsten
Ortsgemeinde T.________, T.________" eingetragen ist.

4.1 Das Fuss- und Fahrwegrecht lautet zugunsten einer Person (Art. 781 Abs. 1
ZGB), nämlich der Ortsgemeinde T.________, deren Rechtsnachfolgerin seit 1.
Januar 2011 die Beschwerdegegnerin ist. Die Personaldienstbarkeit besteht heute
somit zugunsten der Beschwerdegegnerin (vgl. zur Eingemeindung: LEEMANN, Berner
Kommentar, 1925, N. 57 zu Art. 781 ZGB; für ähnliche Tatbestände: PETITPIERRE,
Basler Kommentar, 2007, N. 6 zu Art. 781 ZGB).

4.2 Inhalt und Umfang der Personaldienstbarkeit bestimmen sich nach den für die
Grunddienstbarkeiten geltenden Regeln (Art. 781 Abs. 3 ZGB; vgl. BGE 132 III
651 E. 8 S. 655). Ausgangspunkt ist der Grundbucheintrag. Soweit sich Rechte
und Pflichten aus dem Eintrag deutlich ergeben, ist dieser für den Inhalt der
Dienstbarkeit massgebend (Art. 738 Abs. 1 ZGB). Nur wenn sein Wortlaut unklar
ist, darf im Rahmen des Eintrags auf den Erwerbsgrund zurückgegriffen werden.
Ist auch der Erwerbsgrund nicht schlüssig, kann sich der Inhalt der
Dienstbarkeit - im Rahmen des Eintrags - aus der Art ergeben, wie sie während
längerer Zeit unangefochten und in gutem Glauben ausgeübt worden ist (Art. 738
Abs. 2 ZGB; vgl. BGE 137 III 145 E. 3.1 S. 147 f.). Ist der Eintrag nicht klar
und muss auf den Erwerbsgrund abgestellt werden, bestimmt sich gemäss Art. 781
Abs. 2 ZGB der Inhalt der Personaldienstbarkeit, soweit es nicht anders
vereinbart wird, nach den gewöhnlichen Bedürfnissen der Berechtigten.
Massgebend sind dabei die Bedürfnisse im Zeitpunkt der Begründung der
Dienstbarkeit (vgl. BGE 132 III 651 E. 8.1 S. 656).

4.3 Die im Grundbuch als berechtigte Person eingetragene Beschwerdegegnerin ist
eine Gemeinde. Wie der Beschwerdeführer zutreffend einwendet (S. 9 f. Ziff. 1),
ist nicht jedes Wegrecht zugunsten einer Gemeinde zwangsläufig öffentlich und
von jedermann benutzbar. Die Bestimmung von Inhalt und Umfang der Dienstbarkeit
hat vielmehr die Frage zu beantworten, ob die Gemeinde mit ihren Organen selbst
berechtigt ist oder ob im Sinne einer sog. Gemeindeservitut die Allgemeinheit,
die Angehörigen der Gemeinde oder ein bestimmter Personenkreis die
Dienstbarkeit ausüben dürfen. Aufgrund des Eintrags im Grundbuch steht
lediglich fest, dass aus der Dienstbarkeit die Beschwerdegegnerin als Gemeinde
berechtigt ist. Wer das der Gemeinde zustehende Fuss- und Fahrwegrecht
auszuüben befugt ist, muss deshalb zunächst anhand des Erwerbsgrundes beurteilt
werden (vgl. LEEMANN, a.a.O., N. 17 ff. zu Art. 781 ZGB; STEINAUER, Les droits
réels, 3. Auf. 2003, N. 2575a S. 119).

4.4 Erwerbsgrund ist der Kaufvertrag von 1997. Darin wird die
Personaldienstbarkeit als "Allgemeines Fuss- und Fahrwegrecht" bezeichnet. Sie
wird begründet, "damit der Anschluss zu den Liegenschaften eidg. Nr. ccc und
fff gewährleistet bleibt".
4.4.1 Da ein wirklicher Parteiwille hier offenbar nicht festgestellt werden
konnte, war der Erwerbsgrund so auszulegen, wie er nach seinem Wortlaut und
Zusammenhang sowie namentlich aufgrund der Bedürfnisse des herrschenden
Grundstücks - bzw. der Berechtigten aus der Personaldienstbarkeit (E. 4.2
soeben) - und mit Rücksicht auf Sinn und Zweck der Dienstbarkeit verstanden
werden durfte und musste (vgl. BGE 131 III bbb E. 1.2 S. 347). Ein lückenhafter
Erwerbsgrund darf dabei - im Gegensatz zur lückenhaften Eintragung im Grundbuch
- gerichtlich ergänzt werden. Es ist zu fragen, wie die Parteien, wenn sie
damals den heute vorliegenden Tatbestand ins Auge gefasst hätten, ihren Vertrag
vernünftigerweise präzisierend ergänzt hätten (vgl. BGE 131 III bbb E. 2.2.1 S.
351).
4.4.2 Aufgrund des Wortlautes ergibt sich vorweg, wie das auch der
Beschwerdeführer einräumt (S. 10/11), eine nähere Umschreibung des
Berechtigtenkreises. Es handelt sich um ein "Allgemeines" Fuss- und
Fahrwegrecht. Die Frage, ob das Wegrecht nur zugunsten der Gemeinde und ihrer
Organe bestehe (vgl. E. 4.3 soeben), ist damit beantwortet. Das Wegrecht darf
von der Allgemeinheit ausgeübt werden und nicht bloss von den öffentlichen
Diensten der Gemeinde (z.B. Feuerwehr usw.), die im Übrigen bereits aufgrund
des öffentlichen Rechts über entsprechende Zugangsrechte verfügen.
4.4.3 Der Wortlaut des Erwerbsgrundes schränkt die Allgemeinheit insofern ein,
als das Wegrecht zugunsten der Beschwerdegegnerin begründet wird, "damit der
Anschluss zu den Liegenschaften eidg. Nr. ccc und fff gewährleistet bleibt".
Der Beschwerdeführer hebt deshalb zutreffend hervor, dass nicht "von einem
generellen, der Öffentlichkeit zustehenden Fahrwegrecht" gesprochen werden kann
(S. 8 Ziff. 4 der Beschwerdeschrift). Der Kreis der Personen, die den Weg zu
benutzen berechtigt sind, wird durch den genannten Zweck des Wegrechts
beschränkt.
4.4.4 Dass das Wegrecht den Anschluss der mit einem Mehrfamilienhaus überbauten
Liegenschaft Nr. fff an die S.________strasse bezweckt hat, ist - auch aus der
Sicht des Beschwerdeführers (S. 12) - verständlich, weil über den Boden, der an
die E.________ verkauft wurde, eine Zufahrt zur öffentlichen S.________strasse
bestanden hat. Der im Urteil des Kantonsgerichts (S. 8) abgedruckte und mit
Ortsangaben ergänzte Situationsplan von 1936 (act. 13/2) belegt, dass die
Parzelle Nr. fff unmittelbar an die "verlängerte S.________strasse" angegrenzt
hat. Diese Verlängerung ist mit dem Verkauf von Bauland an die E.________ im
Jahre 1997 weggefallen, so dass die S.________strasse nur mehr über die
Parzelle Nr. bbb erreicht werden konnte (vgl. den auf S. 5 des
kantonsgerichtlichen Urteils abgedruckten und mit Ortsangaben ergänzten
Situationsplan von 2009, act. 13/1). Um den bisherigen Anschluss des
Grundstücks Nr. fff an die S.________strasse zu gewährleisten, wurde das
streitige Wegrecht zugunsten der Beschwerdegegnerin begründet. Wer die
öffentliche S.________strasse von der Liegenschaft Nr. fff her erreichen muss,
darf somit das Fuss- und Fahrwegrecht über die Parzelle Nr. bbb benutzen.
4.4.5 Welchen Sinn es gehabt haben soll, auch den Anschluss zur Parzelle Nr.
ccc, einem Platz von 30 m2 (ca. 3 m x 10 m), durch das Wegrecht
sicherzustellen, begründet der Beschwerdeführer nicht näher und kann ohne
Berücksichtigung der gewöhnlichen Bedürfnisse der Berechtigten im Zeitpunkt der
Begründung der Dienstbarkeit nicht nachvollziehbar begründet werden. Von
letzteren Bedürfnissen bzw. vom Zweck der Dienstbarkeit ist das Kantonsgericht
ausgegangen, auf dessen Begründung das Obergericht verwiesen hat (vgl. E. 3.3
hiervor). Die Parzelle Nr. ccc ist aufgrund der Fläche und der Form sowie der
Beschreibung im Grundbuch als "Fussweg/Radweg/Trottoir" eine Strassenparzelle.
Sie ist im Miteigentum der Beschwerdegegnerin und des damaligen Eigentümers des
Grundstücks Nr. aaa gestanden. Ihr Zweck hat bei dieser Ausgangslage eigentlich
nur darin bestehen können, der mit einem Mehrfamilienhaus überbauten
Liegenschaft Nr. aaa als Verbindungsstück zur verlängerten S.________strasse zu
dienen, wie das auch der Situationsplan von 1936 zeigt (S. 8 des
kantonsgerichtlichen Urteils, act. 13/2). Da die Verlängerung der
S.________strasse mit dem Verkauf des Bodens an die E.________ im Jahre 1997
entfallen sollte, musste der bisherige Zugang, d.h. der Zugang der überbauten
Liegenschaft Nr. aaa über die Strassenparzelle Nr. ccc zur öffentlichen
S.________strasse, durch die Begründung eines Wegrechts sichergestellt werden.
Ein Anschluss der Strassenparzelle Nr. ccc an die S.________strasse für sich
allein hätte keinen Sinn gehabt, so dass anzunehmen ist, die damaligen Parteien
hätten das Wegrecht begründet, um das Grundstück Nr. aaa über die
Strassenparzelle Nr. ccc an die S.________strasse anzuschliessen, auch wenn sie
das Grundstück Nr. aaa im Erwerbsgrund nicht eigens genannt haben.

4.5 Aus den dargelegten Gründen kann zwar von einem generellen, der
Öffentlichkeit zustehenden Fuss- und Fahrwegrecht zulasten der Parzelle Nr. bbb
nicht gesprochen werden. Nicht zu beanstanden und hier entscheidend ist jedoch
das Auslegungsergebnis der kantonalen Gerichte, dass das Fuss- und Fahrwegrecht
zulasten der Parzelle Nr. bbb das Grundstück Nr. aaa - über die
Strassenparzelle Nr. ccc - an die S.________strasse anschliesst. Da die
Strassenparzelle Nr. ccc wie auch das Grundstück Nr. aaa heute im Eigentum des
Beschwerdeführers stehen, darf das Fuss- und Fahrwegrecht über die Parzelle Nr.
bbb benutzen, wer von der Liegenschaft Nr. aaa aus die öffentliche
S.________strasse erreichen muss.

5.
Streitig ist im Notwegrechtsprozess weiter, ob die - soeben festgestellte (E.
4) - Zufahrt ab dem Grundstück Nr. aaa über die Strassenparzelle Nr. ccc und
über das Wegrecht zulasten der Parzelle Nr. bbb zur öffentlichen
S.________strasse als genügender Weg im Sinne von Art. 694 ZGB gelten kann.

5.1 Ein als Dienstbarkeit begründetes und damit dinglich wirkendes Recht, über
fremde Grundstücke zu einer öffentlichen Strasse zu gelangen, ist nach der
Rechtsprechung ein genügender Weg und schliesst eine Wegenot grundsätzlich aus
(vgl. Urteile 5C.40/2006 vom 18. April 2006 E. 3.1 und 5A_410/2008 vom 9.
September 2008 E. 4.1, in: ZBGR 88/2007 S. 471 und 92/2011 S. 157). Freilich
handelt es sich dabei stets um eine Momentaufnahme im Notwegrechtsprozess. Der
einmal bestehende genügende Weg kann nachträglich wegfallen, sei es hier, weil
die Beschwerdegegnerin das zu ihren Gunsten bestehende Wegrecht über die
Parzelle Nr. bbb löschen lässt, oder sei es, weil der Beschwerdeführer die
Strassenparzelle Nr. ccc veräussert. Diesen und ähnlichen Tatbeständen trägt
die Rechtsprechung insofern Rechnung, als eine nachträgliche Änderung der
Verhältnisse zur Entstehung eines bisher nicht vorhandenen Notwegrechts Anlass
geben kann, sofern sie auf objektiven Gründen und nicht einfach auf
persönlichen Wünschen oder Liebhabereien des Eigentümers beruht (vgl. BGE 107
II 323 E. 3 S. 329; 136 III 130 E. 5.3 S. 139). Für heute ist indessen davon
auszugehen, dass im Grundsatz ein genügender Weg vom Grundstück Nr. aaa über
die Strassenparzelle Nr. ccc und die Parzelle Nr. bbb zur öffentlichen
S.________strasse besteht.

5.2 Der Beschwerdeführer wendet ein, die Durchfahrt über die Parzelle Nr. bbb
sei nicht ohne Beeinträchtigung möglich. Er bringt vor, dass der Platz auf der
Parzelle Nr. bbb, der mit dem Wegrecht belastet ist, zur Bedienung der
Lagerräume im Einkaufscenter benutzt werde und keine freie Verkehrsfläche
darstelle (S. 5 Ziff. 2 und S. 8 Ziff. 4 der Beschwerdeschrift mit Hinweis auf
Fotografien act. 20-23 und die Aussage des E.________-Filialleiters). Das
Kantonsgericht, auf dessen Ausführungen das Obergericht verwiesen hat, ist
davon ausgegangen, die Wegverbindung sei zwar nicht vollkommen, aber als
ausreichend zu erachten. Es hat gestützt auf die Fotografien (act. 19/20-23)
festgestellt, die Durchfahrt werde für jeweils kurze Zeit von Lastwagen
behindert (vgl. E. 3.2 hiervor). Gegenteiliges ergibt sich aus der angerufenen
Aussage des Filialleiters offenkundig nicht (vgl. S. 3 des obergerichtlichen
Augenscheinprotokolls, act. 56). Soweit der Beschwerdeführer eine unrichtige
Sachverhaltsfeststellung hat geltend machen wollen, erweist sich seine Rüge als
unbegründet.

5.3 Da es sich um eine kurzzeitige und vorübergehende Behinderung und nicht um
eine dauerhafte Durchgangssperre handle, hat das Kantonsgericht angenommen, die
Wegverbindung sei gleichwohl als genügend zu betrachten. Diese rechtliche
Beurteilung wird vom Beschwerdeführer nicht beanstandet und lässt sich auf die
bundesgerichtliche Rechtsprechung stützen (vgl. BGE 105 II 178 E. 3b und E. 3c
S. 180 ff.). Die Beschwerde erweist sich auch in diesem Punkt als unbegründet.
Gegen eine unzulässige - selbst eine kurze und vorübergehende - Behinderung des
Fahrwegs könnte sich der Beschwerdeführer im Übrigen zur Wehr setzen (vgl. für
einen Anwendungsfall: Urteil 5C.137/2004 vom 17. März 2005 E. 3.3, in: ZBGR 87/
2006 S. 147 f.). Da die Personaldienstbarkeit im Grundbuch zugunsten der
Beschwerdegegnerin als Gemeinde eingetragen ist, steht dem Beschwerdeführer
zwar keine Klage aus dem Dienstbarkeitsrecht selber zu, wohl aber der
Besitzesschutz und damit eine Klage aus Besitzesstörung gegen die E.________
(vgl. LEEMANN, a.a.O., N. 20 f. zu Art. 781 ZGB; PAUL PIOTET, Dienstbarkeiten
und Grundlasten, SPR V/1, 1977, § 89/I S. 547 und § 93/VI S. 592). Überdies
könnte der Beschwerdeführer verlangen, dass die Beschwerdegegnerin ihm die
Ausübung der Dienstbarkeit gestattet und die Dienstbarkeit gegen allfällige
Störer geltend macht (vgl. STEINAUER, a.a.O., N. 2575a S. 119/120; TUOR/
SCHNYDER/ SCHMID, Das Schweizerische Zivilgesetzbuch, 13. Aufl. 2009, § 108 N.
42 S. 1064).

6.
Schliesslich betont der Beschwerdeführer, wie wenig belastend die begehrte
Einräumung einer Zufahrt über die Parzelle Nr. ddd für die Beschwerdegegnerin
wäre (S. 4 f. Ziff. 2) und wie wichtig es - auch aus öffentlich-rechtlicher
Sicht - wäre, ausreichend Abstell- oder Garagenplätze für das Mehrfamilienhaus
auf seinem Grundstück Nr. aaa zu schaffen (S. 5 f. Ziff. 3 der
Beschwerdeschrift). Es mag zutreffen, dass die Einräumung einer Zufahrt über
ihre Parzelle Nr. ddd für die Beschwerdegegnerin wohl keine grosse Belastung
bedeutete, besteht doch entlang der Grenze zum Grundstück Nr. aaa bereits eine
asphaltierte Privatstrasse, die die natürliche Verlängerung des öffentlichen
W.________wegs (Strassenparzelle Nr. eee) bildet. Für den Anspruch auf
Einräumung eines Notweges kommt es indessen nicht darauf an, dass der Notweg
als Last für die Beschwerdegegnerin nicht oder weniger ins Gewicht fällt
gegenüber den Nachteilen, die dem Beschwerdeführer aus einer Verweigerung
erwächst. Auf diese gegenseitigen Interessen ist nach Art. 694 Abs. 2 und 3 ZGB
erst bei der Festsetzung des Notweges Rücksicht zu nehmen, also dann, wenn zu
bestimmen ist, wo und wie der einzuräumende Notweg durchgehen soll (vgl. BGE
136 III 130 E. 5.5 S. 141 f.). Desgleichen nicht zu prüfen ist, ob die
Beschwerdegegnerin die Privatstrasse über ihre Parzelle Nr. ddd nicht für
öffentlich erklären müsste, weil sie die Verlängerung des öffentlichen
W.________wegs bildet und weil auch die Adresse der Mehrfamilienhäuser, die
nicht am öffentlichen W.________weg liegen, auf "W.________weg 1" bzw.
"W.________weg 2" lauten. Denn über eine Öffentlicherklärung ist von den
zuständigen Verwaltungsbehörden zu entscheiden (vgl. Art. 5 des
Strassengesetzes, GS/GL VII C/11/1), während die Zivilgerichte im vorliegenden
Notwegrechtsprozess davon auszugehen haben, dass die Strasse über die Parzelle
Nr. ddd nicht öffentlich, sondern privat ist (vgl. für einen umgekehrten Fall:
Urteil 5D_124/2010 vom 21. Dezember 2010 E. 4.1).

7.
Die Beschwerde muss insgesamt abgewiesen werden, soweit darauf einzutreten ist.
Der Beschwerdeführer wird damit kostenpflichtig (Art. 66 Abs. 1 BGG), hingegen
nicht entschädigungspflichtig, zumal keine Vernehmlassungen eingeholt worden
sind (Art. 68 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 3'500.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Glarus
schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 24. Oktober 2011
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Die Präsidentin: Hohl

Der Gerichtsschreiber: von Roten