Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 5A.684/2011
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
5A_684/2011

Urteil vom 31. Mai 2012
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Hohl, Präsidentin,
Bundesrichterin Escher,
Bundesrichter L. Meyer, Marazzi, von Werdt,
Gerichtsschreiber V. Monn.

Verfahrensbeteiligte
X.________ (Ehemann),
vertreten durch Fürsprecher Dieter Caliezi,
Beschwerdeführer,

gegen

Z.________ (Ehefrau),
vertreten durch Fürsprecherin Barbara Stauffacher,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Eheschutz,

Beschwerde gegen den Entscheid des Obergerichts des Kantons Bern,
Zivilabteilung, 1. Zivilkammer, vom 29. August 2011.

Sachverhalt:

A.
X.________ (geb. 1967; kanadischer Staatsangehöriger) und Z.________ (geb.
1977) haben am 13. September 1997 in Toronto (Kanada) geheiratet. Sie sind die
Eltern der Söhne S.________ (geb. 1999) und T.________ (geb. 2002). Die
Eheleute lebten seit ihrer Heirat teils in der Schweiz, teils in Kanada und
haben sich über die Jahre zweimal vorübergehend getrennt. Zuletzt verliess
Z.________ mit den Kindern Kanada und kehrte im Jahr 2008 in die Schweiz
zurück.

B.
Am 3. November 2009 ersuchte X.________ das zuständige Gericht um Regelung des
Getrenntlebens. Mit Entscheid vom 28. März 2011 hielt der Gerichtspräsident des
Regionalgerichts Emmental-Oberaargau fest, der gemeinsame Haushalt der Eheleute
sei seit dem 28. Juli 2008 aufgehoben. Er stellte die gemeinsamen Kinder unter
die Obhut ihrer Mutter und traf Anordnungen betreffend den persönlichen Verkehr
zwischen den Kindern und ihrem Vater. Soweit vor Bundesgericht noch von
Interesse, verurteilte der Gerichtspräsident X.________ überdies, seiner
Ehefrau für die Dauer der Aufhebung des gemeinsamen Haushalts an den Unterhalt
jedes Kindes monatlich Fr. 650.-- zu bezahlen. Beide Parteien hatten für das
Eheschutzverfahren um unentgeltliche Rechtspflege ersucht. Der Ehefrau wurde
diese gewährt, dem Ehemann aber verweigert.

C.
C.a Hierauf gelangte X.________ an das Obergericht des Kantons Bern. Er
beantragte, die monatlichen Unterhaltsbeiträge auf höchstens Fr. 150.-- pro
Kind ab Einreichung der Stellungnahme seiner Ehefrau festzusetzen, und ersuchte
für das oberinstanzliche Verfahren um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung. In einer gesonderten Eingabe beschwerte sich der Ehemann über
die Verweigerung des Armenrechts für das erstinstanzliche Verfahren. Das
Obergericht nahm diese Eingabe als separaten "uP-Rekurs" entgegen.
C.b Mit Entscheid vom 5. Juli 2011 hiess das Obergericht den uP-Rekurs gut und
gewährte X.________ für das Eheschutzverfahren vor erster Instanz sowie für das
uP-Rekursverfahren die unentgeltliche Rechtspflege. Die tatsächliche
Liquidation der Parteikosten verwies es in das Hauptverfahren. Am 8. August
2011 gewährte es das Armenrecht beiden Parteien auch für das
Berufungsverfahren.
C.c In der Hauptsache bestätigte das Obergericht mit Urteil vom 29. August 2011
die Höhe der Unterhaltsbeiträge mit je Fr. 650.--. Es befand jedoch, X.________
habe diese Beiträge nicht für die gesamte Dauer der Aufhebung des gemeinsamen
Haushalts, sondern erst ab 4. November 2008 zu bezahlen.

D.
D.a Mit Beschwerde in Zivilsachen vom 30. September 2011 wendet sich X.________
(nachfolgend Beschwerdeführer) an das Bundesgericht. In Ziffer 3 der
Rechtsbegehren beantragt er, die Unterhaltsbeiträge, die er seiner Ehefrau
Z.________ (nachfolgend Beschwerdegegnerin) für seine beiden Kinder zu bezahlen
hat, "auf CHF 150.00 monatlich pro Kind nicht übersteigend ab 16. Dezember 2009
(Einreichung der Vernehmlassung im Eheschutzverfahren durch die
Beschwerdegegnerin) festzusetzen". In der gleichen Eingabe wie X.________ tritt
auch dessen Anwalt Y.________ selbständig als Partei auf. Er verlangt, seine
Parteientschädigung für das erstinstanzliche Verfahren (inkl.
uP-Rekursverfahren) gestützt auf die am 23. Januar 2011 bei der ersten Instanz
eingereichte Kostennote neu festzulegen. Eventualiter wird die Rückweisung zur
neuen Beurteilung an die Vorinstanz beantragt. In einem separaten Schriftsatz
ersucht der Beschwerdeführer für das Verfahren vor Bundesgericht überdies um
unentgeltliche Rechtspflege.
D.b Das Bundesgericht hat die verbundenen Streitsachen von X.________ und
Y.________ getrennt und Y.________s Beschwerde gegen die Festsetzung seiner
amtlichen Entschädigung am 7. März 2012 in das separate Verfahren 5A_199/2012
verwiesen.
D.c In der Hauptsache hat das Bundesgericht Vernehmlassungen eingeholt. Die
Beschwerdegegnerin beantragt die Abweisung der Beschwerde; zugleich stellt sie
ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (Eingaben vom 16. April 2012). Das
Obergericht hat auf eine Vernehmlassung verzichtet.

Erwägungen:

1.
1.1 Soweit sie den Streit um die Unterhaltsbeiträge betrifft, richtet sich die
binnen Frist eingereichte Beschwerde gegen den Endentscheid einer letzten
kantonalen Instanz in einer Zivilsache, deren Streitwert Fr. 30'000.--
übersteigt (Art. 72 Abs. 1, 74 Abs. 1 lit. b, 75, 90, 100 Abs. 1 BGG). Auf die
Beschwerde in Zivilsachen ist somit einzutreten.

1.2 Weil Eheschutzentscheide der in Art. 98 BGG enthaltenen Vorschrift
unterstehen (BGE 133 III 393 E. 5.1 und 5.2 S. 397 f.), kann einzig die
Verletzung verfassungsmässiger Rechte gerügt werden. Hierfür gilt das strenge
Rügeprinzip (Art. 106 Abs. 2 BGG). Das bedeutet, dass das Bundesgericht nur
klar und detailliert erhobene und soweit möglich belegte Rügen prüft, während
es auf ungenügend begründete Rügen und rein appellatorische Kritik am
angefochtenen Entscheid nicht eintritt. Wird die Verletzung des Willkürverbots
gerügt, reicht es demnach nicht aus, wenn der Beschwerdeführer die Sach- oder
Rechtslage aus seiner Sicht darlegt und den davon abweichenden angefochtenen
Entscheid als willkürlich bezeichnet. Vielmehr ist im Einzelnen darzulegen,
inwiefern das kantonale Gericht willkürlich entschieden haben soll und der
angefochtene Entscheid deshalb an einem qualifizierten und offensichtlichen
Mangel leidet (BGE 134 II 244 E. 2.2 S. 246). Das Bundesgericht hebt einen
Entscheid jedoch nur dann als willkürlich auf, wenn er nicht bloss in der
Begründung, sondern auch im Ergebnis unhaltbar ist; dass eine andere Lösung
ebenfalls als vertretbar oder zutreffender scheint oder sogar vorzuziehen wäre,
genügt nicht (BGE 134 II 124 E. 4.1 S. 133).

2.
Der Beschwerdeführer wirft dem Obergericht zunächst Willkür bei der Ermittlung
des für die Bemessung der Unterhaltsbeiträge massgeblichen Einkommens vor. Er
rügt, das Obergericht berechne sein Einkommen offensichtlich falsch, wenn es
für das erste Halbjahr 2011 ein Einkommen von 25'352.96 kanadischen Dollar
("CAD") errechne, diese Summe aber anstatt durch sechs nur durch fünf Monate
teile. Als "Hauptanfechtungspunkt" macht der Beschwerdeführer geltend, das
Obergericht hätte bei der Ermittlung des Einkommens nicht die - falsch
berechneten - provisorischen Halbjahreszahlen des Jahres 2011 berücksichtigen
dürfen, sondern auf seine definitiv feststehenden Einkünfte der Jahre 2005 bis
2010 abstellen müssen. Entgegen der höchstrichterlichen Rechtsprechung zur
Bemessung des Einkommens selbständig Erwerbender ermittle es nicht das
Durchschnittseinkommen mehrerer Jahre; allein die letzten sechs Monate
heranzuziehen, lasse sich sachlich in keiner Weise rechtfertigen. Willkür
erblickt der Beschwerdeführer schliesslich darin, dass das Obergericht das im
Jahr 2011 erzielte Einkommen auch rückwirkend den Unterhaltsberechnungen für
die Jahre 2009 und 2010 zugrunde lege. Dies stehe mit der tatsächlichen
Situation in klarem Widerspruch, da er in dieser Zeit den Feststellungen des
Obergerichts zufolge lediglich CAD 1'983.-- bzw. 2'077.-- verdient habe.

2.1 Unbegründet ist der Vorwurf, das durchschnittliche Monatseinkommen des
ersten Halbjahres 2011 sei falsch berechnet worden. Das Obergericht hält als
Resultat seiner Berechnungen fest, in der Zeit von Januar bis Mai 2011 habe das
Nettoeinkommen des Beschwerdeführers insgesamt CAD 25'352.96 (rund CAD 5'070.--
bzw. Fr. 4'056.-- pro Monat) betragen. Entsprechend ist im angefochtenen
Entscheid gar nicht von "Halbjahreszahlen" die Rede. Dazu bestand auch
keinerlei Anlass. Denn die Excel-Tabelle "Personal budget", auf die sich das
Obergericht stützt, hat der Beschwerdeführer seinen eigenen Angaben zufolge am
14. Juni 2011 erstellt. Zu Recht weist die Beschwerdegegnerin darauf hin, dass
darin nur für die Monate Januar, März, April und Mai 2011 Einkünfte ausgewiesen
sind. Von einem Rechnungsfehler kann unter diesen Umständen keine Rede sein.

2.2 Mit Bezug auf die Frage, warum es für die Unterhaltsbemessung nur das
Einkommen im Jahr 2011 herangezogen habe, führt das Obergericht lediglich aus,
das im Jahr 2011 erzielte Einkommen liege weit über demjenigen in früheren
Jahren, was nicht erstaunlich sei, denn die Rezession in Kanada sei vorbei und
die Immobilienbranche floriere. Hierzu beruft es sich auf einen Artikel der
Basler Zeitung vom 22. Juni 2010 und auf eine Veröffentlichung der Bank of
Canada. Zutreffend weist der Beschwerdeführer darauf hin, dass die Vorinstanz
nicht weiter darauf eingeht, warum sie sein in den früheren Jahren erzieltes
Einkommen nicht in die Berechnung einbezieht. Seine Befürchtung, die
Vorgehensweise der Vorinstanz sei als solche verfassungswidrig, ist jedoch
unbegründet.

Zwar ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Vorinstanz das für die
Unterhaltsberechnung massgebliche Einkommen des Beschwerdeführers nicht nach
derjenigen Methode ermittelt hat, die in solchen Fällen normalerweise Anwendung
findet. Weil sich die Bestimmung der Leistungskraft eines
Selbständigerwerbenden mitunter als schwierig erweist, sollte für deren
Bestimmung nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nämlich auf das
Durchschnittseinkommen mehrerer - in der Regel der letzten drei - Jahre
abgestellt werden, wobei auffällige, das heisst besonders gute oder besonders
schlechte Geschäftsjahre unter Umständen ausser Betracht bleiben können.
Allerdings hat das Bundesgericht diese Praxis durch einen Vorbehalt ergänzt:
Bei stetig sinkenden oder steigenden Erträgen kann der Gewinn des letzten
Jahres allein als massgebendes Einkommen betrachtet werden (Urteil 5D_167/2008
vom 13. Januar 2009 E. 2, in: FamPra.ch 2009 S. 465; s. auch Urteile 5A_790/
2008 vom 16. Januar 2009 E. 2.1.2 und 5P.342/2001 vom 20. Dezember 2001 E. 3a
mit Hinweisen). Mit diesem Vorbehalt setzt sich der Beschwerdeführer nicht
auseinander. Namentlich tut er nicht dar, warum das Obergericht trotz dieses
Vorbehalts gerade in seinem Fall nicht befugt gewesen wäre, seine
wirtschaftliche Leistungskraft allein anhand seiner höheren Einkünfte in den
ersten Monaten des Jahres 2011 zu ermitteln. Dass er in dieser Zeit insgesamt
CAD 25'352.96 verdient hat, bestreitet er nicht in einer Weise, die den
Anforderungen des strengen Rügeprinzips (E. 1.2) genügen würde; nur zu
behaupten, die von ihm deklarierten Einkünfte seien lediglich "provisorisch",
reicht hierzu nicht aus. Sodann macht der Beschwerdeführer nicht in
substantiierter Weise geltend, dass die seit Anfang 2011 im Vergleich zu den
Vorjahren eingetretene Einkommenserhöhung um mehr als das Doppelte lediglich
von vorübergehender Natur und in Zukunft wieder mit einem erheblichen Rückgang
seines Einkommens zu rechnen wäre. Auch gegen die vorinstanzliche Beurteilung
der kanadischen Immobilienbranche vermag er nichts Substantielles einzuwenden.
Insbesondere zeigt er nicht auf, inwiefern sich die Wirtschaftslage wieder
verschlechtert hätte. Schliesslich legt die Vorinstanz ihrem Entscheid -
gestützt auf die Schweizerische Lohnstrukturerhebung und unter Berücksichtigung
des in Kanada im Vergleich zur Schweiz um 35.2 Prozent tieferen Lohnniveaus -
die weitere Erkenntnis zugrunde, dass der Beschwerdeführer in Toronto als
Immobilienfachmann selbst "bei höchst anspruchsvollen und schwierigen bzw.
selbständigen und qualifizierten Arbeiten" ein monatliches Bruttoeinkommen von
rund Fr. 5'184.-- erzielen könne; damit liege das errechnete Nettoeinkommen von
Fr. 4'056.-- "absolut im Rahmen". Warum es trotz dieser Kontrollrechnung auch
im Ergebnis willkürlich sein soll, für die Unterhaltsberechnung das im Jahr
2011 erzielte Durchschnittseinkommen zu berücksichtigen, tut der
Beschwerdeführer nicht dar. Allein dadurch, dass es der Unterhaltsberechnung
nur die von Januar bis Mai 2011 erzielten Einkünfte zugrunde gelegt hat, ist
das Obergericht also nicht in Willkür verfallen.

2.3 Anders verhält es sich mit dem Vorwurf, das Obergericht habe das ab 2011
erzielte Nettoeinkommen des Beschwerdeführers von monatlich CAD 5'070.-- bzw.
Fr. 4'056.-- auch für die Bemessung derjenigen Unterhaltsbeiträge herangezogen,
die dem angefochtenen Entscheid zufolge vom 4. November 2008 - dem Zeitpunkt
ein Jahr vor Einreichung des Eheschutzgesuches - bis Ende 2010 geschuldet sind.

Das Obergericht stellt zunächst fest, der Beschwerdeführer habe in den Jahren
2005 bis 2009 ein durchschnittliches Nettoeinkommen von CAD 1'983.25 pro Monat
erzielt; für das Jahr 2010 ergebe sich aus der Steuererklärung ein
Monatseinkommen von CAD 2'077.--. Weiter befindet es, der Umzug nach Kanada
könne dem Beschwerdeführer nicht vorgeworfen werden, da er nicht in der Absicht
erfolgt sei, familiären Verpflichtungen zu entgehen; dementsprechend sei auf
die Einkommensmöglichkeiten in Kanada abzustellen. Ohne jede Rücksicht auf
diese Erkenntnisse verurteilt das Obergericht den Beschwerdeführer in der Folge
auch für die Zeit vor 2011 zu den Unterhaltsbeiträgen von je Fr. 650.--, die es
gestützt auf sein Einkommen ab Januar 2011 errechnet hat (s. oben E. 2.2). Im
Ergebnis berücksichtigt das Obergericht also für einen Zeitraum von über zwei
Jahren rückwirkend ein hypothetisches Einkommen. Dieser Entscheid muss nicht
zwangsläufig willkürlich sein. Willkür beurteilt sich vielmehr aufgrund der
konkreten Umstände des jeweiligen Einzelfalls (Urteil 5P.388/2003 vom 7. Januar
2004 E. 1.2). Im vorliegenden Fall lassen sich dem angefochtenen Entscheid für
die angeordnete Rückwirkung jedoch überhaupt keine Gründe entnehmen. Weder
äussert sich das Obergericht zur Frage, warum für den fraglichen Zeitraum nicht
die ermittelten tatsächlichen Einkünfte massgeblich sein sollen, noch liefert
es eine Erklärung dafür, weshalb sich der Beschwerdeführer stattdessen
rückwirkend über mehr als zwei Jahre ein hypothetisches Einkommen anrechnen
lassen muss, das seine tatsächlichen Einkünfte um mehr als das Doppelte
übersteigt. In dieser Hinsicht ist der angefochtene Entscheid mit anderen
Worten schlechterdings nicht nachvollziehbar. Er steht, wie der
Beschwerdeführer zu Recht rügt, mit der tatsächlichen Situation in einem
offensichtlichen Widerspruch. Die Beschwerde erweist sich insofern als
begründet.

3.
Als willkürlich bezeichnet der Beschwerdeführer auch die Ermittlung seines
notwendigen Bedarfs.

3.1 Zur Hauptsache bemängelt der Beschwerdeführer, das Obergericht habe die
Steuern für das Jahr 2010 von CAD 5'278.30 gemäss der Veranlagung der
kanadischen Steuerbehörde vom 2. Mai 2011 nicht berücksichtigt, obwohl es
darauf hingewiesen habe, diese Einkommenssteuern seien nicht
einkommensmindernd, sondern im Bedarf anzurechnen. In die Bedarfsberechnung
habe das Obergericht dann aber nicht den genannten Steuerbetrag aufgenommen,
sondern lediglich den Schlusssaldo der Steuerveranlagung 2009 in der Höhe von
CAD 1'131.54; dabei handle es sich überdies nicht um die ganze Steuerschuld für
das Jahr 2009, sondern um den noch nicht bezahlten Steuerbetrag. Der Vorwurf
trifft zu. Der angefochtene Entscheid krankt in der Tat an einem unauflösbaren
Widerspruch, wenn das Obergericht zuerst ausführt, "die Bezahlung der Steuern
(income tax 2010: CAD 5'278.30)" sei im Bedarf zu berücksichtigen, bei der
Bedarfsermittlung aber ohne jede Erklärung auf das Jahr 2009 abstellt. Zu Recht
legt der Beschwerdeführer den Finger auch auf den Umstand, dass es sich beim
berücksichtigten Betrag von CAD 1'131.54 nicht um den ganzen Steuerbetrag 2009,
sondern lediglich um den Schlusssaldo handelt. Die Beschwerde erweist sich auch
insofern als begründet.

3.2 Der Beschwerdeführer stützt seine Angaben zur Bedarfsberechnung auf einen
Wechselkurs von neu CAD 1.15/Fr. 1.--. Warum bei der Berechnung seines Bedarfs
in Schweizer Franken aber ein anderer als der vom Obergericht verwendete
Wechselkurs von CAD 1.25/Fr. 1.-- anzuwenden wäre, zeigt der Beschwerdeführer
nicht auf. Darauf ist nicht einzutreten.

3.3 Das soeben Gesagte gilt auch mit Bezug auf die geltend gemachten Kosten für
auswärtige Verpflegung von Fr. 165.--. Nachdem nicht nur das Obergericht,
sondern bereits die erste Instanz von einem Betrag von Fr. 100.-- ausgegangen
war, ist der Instanzenzug diesbezüglich materiell nicht ausgeschöpft, denn der
Beschwerdeführer hat den entsprechenden Vorwurf vor Obergericht nicht erhoben
(ausführlich BGE 133 III 638 E. 2 S. 640 mit Hinweisen).

4.
4.1 Die Beschwerde ist im Sinne der vorstehenden Erwägungen gutzuheissen,
soweit darauf eingetreten werden kann. Antragsgemäss sind die Ziffern 2, 7 und
8 des obergerichtlichen Urteilsspruches aufzuheben; die Liquidation der
erstinstanzlichen Gerichts- und Parteikosten blieb unangefochten. Die Sache ist
zu neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückzuweisen (Art. 107 Abs. 2 BGG). Bei
diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten der Beschwerdegegnerin
als unterliegender Partei aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG); diese hat überdies
eine Parteientschädigung zu bezahlen (Art. 68 Abs. 2 BGG).

4.2
Beide Parteien ersuchen auch für das bundesgerichtliche Verfahren um
unentgeltliche Rechtspflege.
4.2.1 Im Falle des Beschwerdeführers sind die Voraussetzungen für das
Armenrecht erfüllt. Die in Art. 64 Abs. 1 BGG geforderte Bedürftigkeit ist
gegeben. Wie die vorstehenden Erwägungen zeigen, rechtfertigt die Komplexität
der sich stellenden Rechtsfrage auch den Beizug eines Anwalts. Das Gesuch des
Beschwerdeführers ist indessen gegenstandslos geworden, soweit es die Befreiung
von den Gerichtskosten betrifft, denn diese hat die Beschwerdegegnerin zu
bezahlen. Dagegen ist es nicht gegenstandslos geworden, soweit es die
Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands zum Gegenstand hat. Zwar wird
dem Rechtsanwalt des Beschwerdeführers eine Parteientschädigung zugesprochen.
Falls diese sich aber als uneinbringlich erweisen sollte, wäre der Rechtsanwalt
aus der Bundesgerichtskasse zu entschädigen (Art. 64 Abs. 2 BGG; BGE 122 I 322
E. 3d S. 326 f.). Unter dem Vorbehalt der Uneinbringlichkeit ist dem
unentgeltlichen Rechtsbeistand des Beschwerdeführers somit eine reduzierte
Entschädigung zuzusprechen (Art. 10 des Reglements vom 31. März 2006 über die
Parteientschädigung und die Entschädigung für die amtliche Vertretung im
Verfahren vor dem Bundesgericht [SR 173.110.210.3]).
4.2.2 Die Voraussetzungen gemäss Art. 64 BGG sind auch seitens der
Beschwerdegegnerin erfüllt. Zwar erscheint der geltend gemachte
zivilprozessuale Zwangsbedarf für sie und die zwei Söhne eher hoch. Allerdings
sind darin auch Abzahlungsraten für einen Bankkredit enthalten, den die
Beschwerdegegnerin aufnehmen musste, weil die Bevorschussung der Kinderalimente
zufolge der Interventionen des Beschwerdeführers eingestellt wurde. Insgesamt
kann die Beschwerdeführerin mithin als bedürftig im Sinne des Armenrechts
gelten. Nachdem sie über zwei Instanzen obsiegt hat, kann ihr Begehren auf
Abweisung der Beschwerde auch nicht als aussichtslos angesehen werden. Deshalb
ist auch der Beschwerdegegnerin das Armenrecht zu gewähren.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit darauf einzutreten ist. Die Ziffern 2,
7 und 8 des Entscheids der Zivilabteilung des Obergerichts des Kantons Bern, 1.
Zivilkammer, vom 29. August 2011 werden aufgehoben. Die Unterhaltssache wird zu
neuem Entscheid an das Obergericht zurückgewiesen.

2.
Das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege wird
gutgeheissen, soweit es nicht gegenstandslos geworden ist, und es wird ihm
Rechtsanwalt Y.________ als amtlicher Rechtsbeistand beigegeben.

3.
Das Gesuch der Beschwerdegegnerin um unentgeltliche Rechtspflege wird
gutgeheissen, und es wird ihr Fürsprecherin W.________ als amtliche
Rechtsbeiständin beigegeben.

4.
Die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt,
jedoch einstweilen auf die Bundesgerichtskasse genommen.

5.
Die Beschwerdegegnerin hat Rechtsanwalt Y.________ für das bundesgerichtliche
Verfahren mit Fr. 2'500.-- zu entschädigen. Für den Fall der Uneinbringlichkeit
der Parteientschädigung wird Rechtsanwalt Y.________ als amtlichem Vertreter
des Beschwerdeführers aus der Bundesgerichtskasse ein Honorar von Fr. 1'800.--
ausgerichtet.

6.
Fürsprecherin Barbara Stauffacher wird für ihre Bemühungen im
bundesgerichtlichen Verfahren ein reduziertes Honorar von Fr. 500.-- aus der
Bundesgerichtskasse entrichtet.

7.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Bern,
Zivilabteilung, 1. Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 31. Mai 2012
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Die Präsidentin: Hohl

Der Gerichtsschreiber: V. Monn