Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Öffentlich-rechtliche Abteilung, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 2C.586/2015
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

[8frIR2ALAGK1]     
{T 0/2}
                   
2C_586/2015

Urteil vom 9. Mai 2016

II. öffentlich-rechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Seiler, Präsident,
Bundesrichter Zünd,
Bundesrichterin Aubry Girardin,
Bundesrichter Donzallaz,
Bundesrichter Haag,
Gerichtsschreiberin Mayhall.

Verfahrensbeteiligte
Dr. A.________,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Herrn Dr. B.________,

gegen

Dr. C.________,
Willensvollstrecker im Nachlass des
Dr. D.________ sel.,
Beschwerdegegner,
vertreten durch Rechtsanwältin
MLaw Jovanka Jordanoska,

Aufsichtskommission über die Rechts-
anwälte des Kantons Zug.

Gegenstand
Entbindung vom Anwaltsgeheimnis,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts
des Kantons Zug, II. Beschwerdeabteilung,
vom 2. Juni 2015.

Sachverhalt:

A.
Mit Eingabe von anfangs November 2014 reichte Dr. C.________, Rechtsanwalt, in
seiner Eigenschaft als Willensvollstrecker im Nachlass von Dr. D.________ sel.
(Erblasser), Rechtsanwalt, bei der Aufsichtskommission über die Rechtsanwälte
des Kantons Zug ein Gesuch um Entbindung vom Anwaltsgeheimnis ein. Zur
Begründung machte der Willensvollstrecker C.________ geltend, der Erblasser
habe zu Lebzeiten für Dr. A.________ Beratungsdienstleistungen erbracht, deren
Honorierung in der Höhe von Fr. 2'497.80 noch ausstehe. Zur Einforderung dieser
ausstehenden Honorarforderungen in seiner Eigenschaft als Willensvollstrecker
im Nachlass des Erblassers ersuche er um Entbindung vom Anwaltsgeheimnis.
Der Präsident der kantonalen Aufsichtskommission hiess das Gesuch des
Willensvollstreckers um Entbindung vom Anwaltsgeheimnis mit Verfügung vom 12.
März 2015 soweit gut, als dessen Offenbarung für die Durchsetzung dieser im
Nachlass des Erblassers befindlichen Forderung im geltend gemachten Umfang
nebst Zins und weiteren Kosten erforderlich sei.

B.
Mit Urteil vom 2. Juni 2015 wies das Obergericht des Kantons Zug eine von Dr.
A.________ gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde ab.

C.
Dr. A.________ gelangt mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten
vom 8. Juli 2015 gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Zug vom 2. Juni
2015 an das Bundesgericht und beantragt, das angefochtene Urteil sei
kostenfällig aufzuheben und die Streitsache sei an die Vorinstanz
zurückzuweisen; eventualiter sei das Gesuch des Willensvollstreckers C.________
abzulehnen und dieser nicht vom Berufsgeheimnis zu entbinden.
Willensvollstrecker C.________, der Präsident der kantonalen
Aufsichtskommission und die Vorinstanz schliessen auf Abweisung der Beschwerde.
Mit Verfügung vom 7. September 2015 hat der Präsident der II.
öffentlich-rechtlichen Abteilung des Bundesgerichts der Beschwerde
aufschiebende Wirkung zuerkannt.

Erwägungen:

1.

1.1. Gegen letztinstanzliche kantonale Endentscheide auf dem Gebiet der
Entbindung vom Anwaltsgeheimnis steht die Beschwerde an das Bundesgericht offen
(Art. 82 lit. a, Art. 83 e contrario, Art. 86 Abs. 1 lit. d, Art. 90 BGG;
Urteil 2C_1127/2013 E. 1 vom 7. April 2014 E. 1.1).

1.2. Zur Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten ist berechtigt,
wer vor der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen hat, durch den angefochtenen
Entscheid besonders berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an dessen
Aufhebung oder Änderung hat (Art. 89 Abs. 1 lit. b und c BGG). Der
Beschwerdeführer, der im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträgen
unterlegen ist (Art. 89 Abs. 1 lit. a BGG), ist zur Beschwerdeführung
legitimiert. Auf die frist- und formgerecht (Art. 100 Abs. 1, Art. 42 Abs. 1
BGG) eingereichte Eingabe ist einzutreten.

1.3. Das Bundesgericht prüft frei und von Amtes wegen die Anwendung und
Auslegung von Bundesrecht (Art. 95 lit. a, Art. 106 Abs. 1 BGG). Die Verletzung
von Grundrechten untersucht es in jedem Fall nur insoweit, als eine solche Rüge
in der Beschwerde präzise vorgebracht und begründet worden ist (Art. 106 Abs. 2
BGG; BGE 139 I 229 E. 2.2 S. 232; 134 II 244 E. 2.2 S. 246). Es legt seinem
Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105
Abs. 1 BGG). Die Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz kann von Amtes wegen
oder auf Rüge hin berichtigt oder ergänzt werden, wenn sie offensichtlich
unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht
und wenn die Behebung des Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend
sein kann (Art. 97 Abs. 1, Art. 105 Abs. 2 BGG). Offensichtlich unrichtig
festgestellt ist ein Sachverhalt, wenn er willkürliche Feststellungen
beinhaltet (BGE 137 I 58 E. 4.1.2 S. 62); dieses Vorbringen unterliegt der
qualifizierten Rügepflicht (Art. 97 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 106 Abs. 2
BGG).

1.4. Von Amtes wegen zu berichtigen ist die unrichtige Bezeichnung der
natürlichen Person, welche das Verfahren vor der kantonalen Aufsichtskommission
über die Rechtsanwälte durch ihr Gesuch um Entbindung eingeleitet, im
vorinstanzlichen Verfahren obsiegt hat und im vorliegenden bundesgerichtlichen
Beschwerdeverfahren als Beschwerdegegnerin auftritt. Aus dem angefochtenen
Urteil des Obergerichts des Kantons Zug vom 2. Juni 2015 wie auch aus der durch
dieses Urteil ersetzten und inhaltlich mitangefochtenen (Devolutiveffekt; BGE
134 II 142 E. 1.4 S. 144) erstinstanzlichen Verfügung des Präsidenten der
kantonalen Aufsichtskommission über die Rechtsanwälte vom 12. März 2015 geht
zweifelsfrei hervor, dass Rechtsanwalt Dr. C.________ in diesen Verfahren
gestützt auf einen Ausweis   für Willensvollstrecker vom 17. Juli 2014 des
Erbschaftsamtes der Stadt U.________ in dieser Eigenschaft als
Willensvollstrecker im Nachlass D.________ sel. aufgetreten ist. Die
Bezeichnung "RA Dr. C.________" im Rubrum des angefochtenen Urteils   ist
demnach dahingehend zu präzisieren, dass Rechtsanwalt C.________ in eigenem
Namen, aber als Willensvollstrecker im Nachlass von Dr. D.________ sel. den
Prozess führt (BGE 116 II 131 E. 3a S. 133 f.).

2.
Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz habe in willkürlicher Anwendung und
Auslegung von kantonalem Recht und in Verletzung des Grundrechts auf
persönliche Freiheit gemäss Art. 10 Abs. 2 BV eine Zuständigkeit des
Präsidenten der kantonalen Aufsichtskommission zur Entbindung vom
Anwaltsgeheimnis angenommen, weshalb die erteilte Entbindung nicht rechtmässig
sei. Die Entbindung beruhe zudem auf einer unzutreffenden Güterabwägung,
vertrete Willensvollstrecker C.________ doch im vorliegenden Fall nicht die
Interessen eines eigenen Mandanten, sondern diejenigen der Erben und sei an der
ausstehenden Honorarforderung somit nicht persönlich berechtigt, weshalb er
auch kein persönliches, überwiegendes Interesse an einer Entbindung vom
Anwaltsgeheimnis habe. Die Vorinstanz habe schlicht aktenwidrig und willkürlich
die gegenwärtige Auseinandersetzung zwischen Willensvollstrecker C.________ und
ihm betreffend eine sich im Nachlass eines verstorbenen Anwalts befindliche
Honorarforderung wie einen normalen Honorarstreit zwischen einem Anwalt und
seinem Klienten behandelt.

2.1. Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte unterstehen in zeitlicher Hinsicht
unbegrenzt und gegenüber jedermann dem Berufsgeheimnis über alles, was ihnen
infolge ihres Berufes von ihrer Klientschaft anvertraut worden ist (Art. 13
Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 23. Juni 2000 über die Freizügigkeit der
Anwältinnen und Anwälte [BGFA; SR 935.61]). Diese Berufspflicht wurde
anlässlich der Einführung des BGFA vereinheitlicht (zur Qualifikation als
Berufspflicht vgl. BGE 123 I 193 E. 4a S. 195; MICHAEL PFEIFER, Das
Berufsgeheimnis, in: Das Anwaltsrecht nach dem BGFA, 2003, S. 113; NATER/
ZINDEL, Kommentar zum Anwaltsgesetz, 2. Aufl. 2011, N. 14 zu Art. 13 BGFA). Als
Vorbild diente dem historischen Gesetzgeber auch das Standesrecht der
europäischen Anwältinnen und Anwälte, die Richtlinien des Schweizerischen
Anwaltsverbandes, der Ethik-Kode der International Bar Association und die
Grundsätze für den Anwaltsberuf der Union Internationale des avocats
orientierte (Botschaft vom 28. April 1999 zum Bundesgesetz über die
Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte, BBl 1999 6033). Der anwaltlichen
Berufspflicht kommt eine herausragende Bedeutung zu. Das anwaltliche
Berufsgeheimnis als ein im  öffentlichen Interesse geschaffenes, für einen
funktionierenden und den Zugang zur Justiz garantierenden Rechtsstaat 
unerlässliches Institut (BGE 135 III 597 E. 3.4 S. 602; NATER/ZINDEL, a.a.O.,
N. 2 zu Art. 13 BGFA; WALTER FELLMANN, Anwaltsrecht, 2010, N. 458; LEA UNSELD,
Internationale Rechtshilfe im Steuerrecht, Diss. Zürich 2011, S. 43 ff.)
garantiert die Vertraulichkeit sämtlicher Einblicke, welche der Klient im
Rahmen einer berufsspezifischen Tätigkeit der Anwältin oder dem Anwalt in seine
Verhältnisse gewährt hat. Nach einhelligem europäischem Rechtsverständnis
(grundlegend DIRK VAN GERVEN, Professional secrecy in Europe, in: Professional
secrecy of lawyers in Europe [zit. Secrecy], 2013, S. 2; vgl. zu Ziff. 2.3 der
dieses Rechtsverständnis rezipierenden Berufsregeln der europäischen Anwälte
GEORGES-ALBERT DAL, The CCBE rules on professional secrecy, in: Secrecy, S.
26), welches angesichts seiner Vorbildfunktion für den Gesetzgeber namentlich
bei der historischen Auslegung mitberücksichtigt werden kann (BGE 133 III 180
E. 3.5 S. 184; BERNHARD RÜTSCHE, Rechtsvergleichung im öffentlichen Recht:
Auslegungsmethode oder blosse Inspirationsquelle?, in: Die Rechtsvergleichung
in der Rechtsprechung: Praxis, Legitimität und Methodik - Referate und
Diskussionen der Tagung vom 12. September 2013 in Luzern, 2014, S. 139),
ermöglicht erst die  Vertraulichkeit dem Rechtssuchenden, der Anwältin oder dem
Anwalt die für eine zutreffende Beratung und wirksame Rechtsvertretung
notwendigen Grundlagen vorbehaltslos zu offenbaren, weshalb sie unerlässliche
Grundlage für deren Berufsausübung und damit für eine rechtsstaatlichen
Anforderungen genügende Justiz bildet. Die mit der Vertraulichkeit
einhergehenden Schwierigkeiten bei der Wahrheitsfindung sind in einem
Rechtsstaat hinzunehmen (BGE 112 Ib 606 E. 2b S. 607; NIKLAUS OBERHOLZER, in:
Basler Kommentar zum Strafrecht II, 2. Aufl. 2007, N. 19 zu Art. 321 StGB).

2.2. Eine nähere strukturelle Betrachtung von Art. 13 BGFA zeigt, dass das
anwaltliche Berufsgeheimnis über den institutionellen Teilgehalt hinaus auf
einer  individualrechtlichen Ebene die  Verpflichtung und das Recht einer
Anwältin oder eines Anwalts begründet, sämtliche Informationen, die ihnen
infolge ihres Berufes von Klienten anvertraut worden sind, geheim zu behalten
(SCHILLER, Schweizerisches Anwaltsrecht, 2009, N. 530; NATER/ZINDEL, a.a.O., N.
2, N. 4 zu Art. 13 BGFA; vgl. auch ERNST STAEHELIN, Die Entbindung vom
Berufsgeheimnis darf nicht zur Preisgabe eines Geheimnisses verpflichten, in:
Anwaltsrevue 2016, S. 7; HIRSIG-VOUILLOZ, Intimidation des témoins et mesures
de protection en procédure pénale suisse, in: AJP 2011 S. 1626 f.; HANS NATER/
MARTIN RAUBER, Berufsgeheimnis in Anwaltsgemeinschaften, in: SJZ 107/2011 S.
11), und andererseits ein  Recht der Klienten auf Vertraulichkeit dieser
Informationen (SCHILLER, a.a.O., N. 386; FELLMANN, a.a.O., N. 457; CLAUDIO
BAZZANI/ROMAN RICHERS, Switzerland, in: Secrecy, S. 564 f.) beinhaltet. Die
Auffassung, das anwaltliche Berufsgeheimnis weise sowohl einen institutionellen
wie auch - aus Sicht der Anwältinnen und Anwälte sowie der Klienten - einen
individual-rechtlichen Normgehalt auf, entspricht dem für die Auslegung
ebenfalls massgeblichen (oben, E. 2.1) vorherrschenden europäischen
Rechtsverständnis (vgl. die einzelnen Beiträge in: Secrecy, S. 29 ff.), wie es
auch in den Prinzipien I/6, III/2 und III/4 der unverbindlichen Empfehlungen
Nr. R (2000) 21 des Ministerkomitees des Europarates über die Grundfreiheiten
der anwaltlichen Berufsausübung vom 25. Oktober 2000 zum Ausdruck kommt (zur
Unverbindlichkeit der Empfehlungen BGE 139 I 180 E. 2.5 S. 186; 122 I 222 E.
2aa S. 226; 118 Ia 64 E. 2a S. 69 f.). Diese Empfehlungen beruhen ihrerseits
insbesondere auf den UN-Grundprinzipien über die Rolle der Anwältinnen und
Anwälte (angenommen vom Achten Kongress [27. August bis zum 7. September 1990
in Havanna, Kuba] der Vereinten Nationen für Verbrechensverhütung und die
Behandlung Straffälliger, gebilligt von der Generalversammlung durch Resolution
45/120 vom 14. Dezember 1990 [UN-Grundprinzipien Anwälte]), wonach die Staaten
in mittelbar verpflichtender Weise (vgl. Einleitungsbestimmungen
UN-Grundprinzipien Anwälte) dazu angehalten werden, die Vertraulichkeit
jeglicher in Berufsausübung erfolgten Kommunikation zwischen Anwälten und ihren
Klienten sowie jeglicher Beratung anzuerkennen und zu achten (Art. 22
UN-Grundprinzipien Anwälte).

2.3. Der  anspruchsbegründende individual-rechtliche Teilgehalt des
anwaltlichen Berufsgeheimnisses wird in grundrechtlicher Hinsicht denn auch als
ein  zentraler Wert der Europäischen Konvention über die Menschenrechte (Urteil
des EGMR  Yuditskaya et al gegen Russland vom 12. Februar 2015 [Nr. 5678/06],
N. 27) in Art. 8 EMRK (zit. Urteil  Yuditskaya, N. 25; Urteil des EGMR 
Niemietz gegen Deutschland vom 16. Dezember 1992 [Nr. 13710/88], N. 27 ff.)
garantiert; die institutionelle Dimension, welche der Berufsausübung der
Anwältin oder des Anwalts in einem Rechtsstaat inhärent ist, wird durch Art. 6
Ziff. 3 lit. c EMRK (zit. Urteil  Niemietz, N. 37;  Campbell gegen
Grossbritannien vom 25. März 1992 [Nr. 13590/88], N. 46) und im Zusammenhang
mit einem Freiheitsentzug vorab durch Art. 5 Ziff. 4 EMRK (Urteile des EGMR 
Castravet gegen Moldavien vom 13. März 2007 [Nr. 23393/05], N. 45 ff.; 
Khodorkovskiy gegen Russland vom 31. Mai 2011 [Nr. 5829/04], N. 232) geschützt
(zusammenfassend zit. Urteil  Khodorkovskiy, N. 198).

3.

3.1. Der Beschwerdegegner hat im vorinstanzlichen Verfahren als von einem
verstorbenen Anwalt als Willensvollstrecker eingesetzter Anwalt um Entbindung
des Anwaltsgeheimnisses zur Durchsetzung einer aus dem anwaltlichen Nachlass
stammenden Honorarforderung ersucht. Das vorliegende Beschwerdeverfahren bietet
Anlass zur Klärung der Frage, inwiefern die Identität des Schuldners dieser
Forderung und weitere Informationen das inzwischen beendete Mandatsverhältnis
betreffend dem Anwaltsgeheimnis unterstehen und gegebenenfalls, ob der
Beschwerdegegner davon entbunden werden kann.

3.2. Die Erben treten kraft Universalsukzession (Art. 560 Abs. 1 ZGB) zwar in
die Forderungen des Erblassers ein; die an den Berufsstand gebundenen und damit
untrennbar mit der Person verbundenen  höchstpersönlichen Rechte und Pflichten
einer Anwältin oder eines Anwalts gehen jedoch nicht auf sie über (zur
Unvererblichkeit höchstpersönlicher Rechtspositionen BGE 133 III 664 E. 2.5 S.
667; Urteil 5C.291/2006 vom 30. Mai 2008 E. 4.1; Urteil 2P.339/1994 vom 26.
April 1995 E. 2a; betreffend das anwaltliche Berufsgeheimnis ausdrücklich
CORBOZ, Le secret professionnel de l'avocat selon l'art. 321 CP, in: Semaine
Judiciaire 5/1993 S. 90; FAVRE/STOUDMANN, Le secret professionnel de l'avocat
et ses limites, in: L'avocat moderne, mélanges publiés par l'Ordre des Avocats
Vaudois à l'occasion de son centenaire, 1998, S. 304; zur Höchstpersönlichkeit
des Entscheids des Anwalts über die Entbindung vom Anwaltsgeheimnis SCHILLER,
Schweizerisches Anwaltsrecht, 2009, S. 143, und der Ausübung eines durch dieses
Berufsgeheimnis begründetes Zeugnisverweigerungsrechts [etwa gemäss Art. 171
StPO] DONATSCH, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO],
2. Aufl. 2014, N. 1 zu Art. 175 StPO; für eine Übersicht zu Berufsgeheimnissen
BRÜCKNER/WEIBEL, Die erbrechtlichen Klagen, 3. Aufl. 2012, N. 58 ff.). Anders
als bei rein auf vertraglicher Grundlage beruhenden höchstpersönlichen und
damit ebenfalls unvererblichen Rechten und Pflichten (GUHL/KOLLER/ SCHNYDER/
DRUEY, Das Schweizerische Obligationenrecht, 9. Aufl. 2000, S. 313 N. 40) führt
die durch den Tod verursachte Unmöglichkeit, weiterhin für die Wahrung der
Vertraulichkeit der dem Anwaltsgeheimnis unterliegenden Informationen besorgt
zu sein, nicht zu dessen Untergang. Das Anwaltsgeheimnis als ein im
öffentlichen Interesse geschaffenes, für einen funktionierenden und den Zugang
zur Justiz garantierenden Rechtsstaat unerlässliches Institut (oben, E. 2.1)
überdauert den Tod des Klienten und ist auch dessen Erben entgegen zu halten (
BGE 135 III 597 E. 3.2 S. 599, E. 3.3 S. 601; ANDREA DORJEE-GOOD, BGE 135 III
597 - Das Anwaltsgeheimnis ist auch gegenüber den Erben des Klienten zu wahren,
in: successio 2010 S. 299; PAUL EITEL, 1. Teil Privatrecht/Erbrecht, in:
Aktuelle Anwaltspraxis 2011, S. 171 f.; Entscheid vom 21. Februar 1986 der
Aufsichtskommission über die Rechtsanwälte des Kantons Zürich, in: Blätter für
die Zürcherische Rechtsprechung, 86. Band [1987] Nr. 22; FAVRE/ STOUDMANN,
a.a.O., S. 304). Ebenso schützt es den Klienten vor der Preisgabe vertraulicher
Informationen über den Tod der Anwältin oder des Anwalts hinaus, weshalb zeitig
die zu dessen Schutz notwendigen Vorkehrungen zu treffen sind (befürwortend
CORBOZ, a.a.O., S. 90; NATER/ZINDEL, a.a.O., N. 211 zu Art. 13 BGFA; ERNST
STAEHELIN/ CHRISTIAN OETIKER, in: Kommentar zum Anwaltsgesetz, 2. Aufl. 2011,
N. 16 zu Art. 9 BGFA [Fn. 24]; SCHILLER, a.a.O., S. 121; vgl. die ausdrückliche
Regelung in § 14 Abs. 2 des Einführungsgesetzes des Kantons Zug vom 25. April
2002 zum Bundesgesetz über die Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte [EG
BGFA/ZG]; zur allgemeinen, aus Art. 13 BGFA fliessenden Pflicht, die zum Schutz
des Anwaltsgeheimnisses notwendigen Massnahmen zu ergreifen, ausführlich BENOÎT
CHAPPUIS, La profession d'avocat - Tome II: La pratique du métier: De la
gestion d'une étude et la conduite des mandats à la responsabilité de l'avocat,
in: Quid iuris? volume 14, 2013, S. 13 ff.).

3.3. In der vorliegenden Ausgangslage hat ein mittlerweile verschiedener Anwalt
zu Lebzeiten testamentarisch einen Berufskollegen als Willensvollstrecker in
seinem Nachlass eingesetzt.

3.3.1. Der Willensvollstrecker hat gemäss Art. 518 Abs. 2 ZGB den Willen des
Erblassers zu vertreten und gilt insbesondere als beauftragt, die  Erbschaft zu
verwalten, die Schulden des Erblassers zu bezahlen die Vermächtnisse
auszurichten und die Teilung nach den vom Erblasser getroffenen Anordnungen
oder nach Vorschrift des Gesetzes auszuführen. Üblicherweise macht der
Willensvollstrecker somit  vererbliche Rechtspositionen des Erblassers geltend
(HANS RAINER KÜNZLE, Aktuelle Praxis zur Willensvollstreckung, [2012-2013],
successio 2014, S. 132); dabei ist er weder weisungsgebundener Vertreter noch
Treuhänder des Erblassers oder der Erbinnen, sondern hat eine objektive Aufgabe
zu erfüllen, die durch den rechtsgültigen Willen des Erblassers sowie die
Rechtsordnung insgesamt bestimmt ist (Urteil 6B_582/2014 vom 7. Januar 2015 E.
4). Prozessrechtlich kommt diese Stellung des Willensvollstreckers in
nicht-erbrechtlichen Prozessen um den Nachlass darin zum Ausdruck, dass der
Willensvollstrecker den Prozess nicht als (gesetzlicher) Stellvertreter der
Erben oder gleichsam als "Organ" der Erbengemeinschaft als Gesamthandschaft im
Sinne von Art. 602 Abs. 1 ZGB (sog. Vertreter- oder Organtheorie; vgl. dazu
MARKUS PICHLER, Die Stellung des Willensvollstreckers in "nichterbrechtlichen"
Zivilprozessen, Diss. 2011, S. 47 ff.) führt, sondern kraft seines Amtes zur
selbstständigen Prozessführung (als Prozessstandschafter)  in eigenem Namen,
aber auf Rechnung des Nachlasses befugt ist (BGE 129 V 113 E. 4.2 S. 116 ff.;
116 II 131 E. 3a S. 133 ff.; Urteile 4A_533/2013 vom 27. März 2014 E. 1.2;
5P.355/2006 vom 8. November 2006 E. 3.1).

3.3.2. Im vorliegenden Beschwerdeverfahren macht der Beschwerdegegner (in
seiner Eigenschaft als Willensvollstrecker, der zwecks Durchsetzung einer sich
im Nachlass eines Anwaltes befindlichen Honorarforderung  um Entbindung vom
Anwaltsgeheimnis in dem Sinn ersucht, dass er den Namen des Klienten des
verstorbenen Anwalts preisgeben will) keine sich im Nachlass befindliche
vererbliche Rechtsposition des Erblassers geltend (vgl. oben, E. 3.2) und tritt
auch nicht als mandatierter Rechtsvertreter des verstorbenen Erblassers auf
(vgl. zum Ende der Persönlichkeit durch den Tod [Art. 31 ZGB] und die dadurch
begründete Unmöglichkeit, als Vertreter eines Verstorbenen einen Prozess
anzuheben, BGE 129 I 302 E. 1.2.3 S. 309 f.). Er handelt jedoch dennoch in den
Grenzen des ihm übertragenen Amtes. Gemäss der herrschenden Lehre kann der
Erblasser den Willensvollstrecker auch mit dem  Vollzug von Auflagen (Art. 482
ZGB) betrauen, die sich auf den  Tod des Erblassers überdauernde Wirkungen
persönlichkeitsbezogener Anliegen beziehen (HANS RAINER KÜNZLE, Digitaler
Nachlass nach schweizerischem Recht, in: successio 2015, S. 50; HANS RAINER
KÜNZLE, Berner Kommentar zum Schweizerischen Privatrecht, Bd. III, 1.
Abteilung: Das Erbrecht, 2. Teilband: Die Verfügung von Todes wegen, 2. Teil:
Die Willensvollstrecker, Art. 517-518 ZGB, 2011, N. 11 ff. zu Vorbemerkungen zu
Art. 517-518 ZGB, unter Verweis auf BGE 101 II 25 E. 2a S. 29; KARRER/VOGT/LEU,
in: Basler Kommentar zum ZGB II, 5. Aufl. 2015, N. 50a zu Art. 518 ZGB; PETER
BREITSCHMID, Vom Umgang des Willensvollstreckers mit Nachlassbeteiligten und
Behörden [sowie vom Umgang der Behörden mit den Willensvollstreckern], in:
Willensvollstreckung - Aktuelle Rechtsprobleme, 2004, S. 163; ausführlich und
mit zahlreichen Hinweisen zum postmortalen Persönlichkeitsschutz BGE 129 I 302
E. 1.2.3 S. 308 ff.; 118 IV 319 E. 3a S. 323 f.; zur Aktivlegitimation
insbesondere des Willensvollstreckers als eine "interessierte Person" für die
Klage auf Vollziehung erbrechtlicher Auflagen BRÜCKNER/WEIBEL, a.a.O., S. 156).
Setzt ein Anwalt zu Lebzeiten einen Berufskollegen testamentarisch als
Willensvollstrecker in seinem Nachlass ein, ist mit der Annahme dieses Amtes
implizit die Auflage verbunden, sämtliche in Ausübung dieses Amtes
wahrgenommenen Informationen, die in Zusammenhang mit der anwaltlichen
Tätigkeit (zur Unvererblichkeit dieser Rechtsposition oben, E. 3.2) des
Erblassers stehen, Dritten gegenüber vertraulich zu behandeln, zumal der
Erblasser ihm diese zu Lebzeiten vorbehältlich eines Rechtfertigungsgrundes
nicht hätte anvertrauen können (BGE 75 IV 71 E. 1 S. 74; STRATENWERTH/WOHLERS,
Handkommentar zum Schweizerischen Strafgesetzbuch, 3. Aufl. 2013, N. 4 zu Art.
321 StGB). Die Ausübung des Amtes als Willensvollstrecker im Nachlass eines
Anwaltes ist, ausgeübt durch einen Anwalt, demzufolge auch als eine
berufsspezifische anwaltliche Tätigkeit zu qualifizieren (PASCAL MAURER/
JEAN-PIERRE GROSS, in: Commentaire de la loi fédérale sur la libre circulation
des avocats, 2010, N. 199 zu Art. 13 BGFA; JEAN-CLAUDE WENGER, Der Anwalt als
Willensvollstrecker, in: Das Anwaltsgeheimnis, 1997, S. 71; differenzierend
REISER/VALTICOS, Les règles professionnelles et les activités atypiques de
l'avocat inscrit au barreau, in: SJ 2015 II S. 204 ff.; MARTIN RAUBER/HANS
NATER, Anwaltsrubrik, Bemerkungen zum Entscheid der Aufsichtskommission des
Kantons Zürich vom 3. April 2014, in: SJZ 110/2014 S. 557; vgl. zur Abgrenzung
der berufsspezifischen von den übrigen Tätigkeiten der Anwältin oder des
Anwalts BGE 114 III 105 E. 3a S. 107 f.), weshalb sämtliche in Ausübung des
Willensvollstreckeramtes  wahrgenommenen Informationen, welche in Zusammenhang
mit der anwaltlichen Tätigkeit des Erblassers stehen, vom Berufsgeheimnis des
als Willensvollstrecker tätigen Anwaltes (Art. 13 BGFA) erfasst werden.

4.
Zu prüfen ist, ob die Vorinstanz den Beschwerdegegner zu Recht von seinem
Berufsgeheimnis entbunden hat.

4.1. Die Verletzung des anwaltlichen Berufsgeheimnisses ist sowohl
strafrechtlich (Art. 321 Abs. 1 StGB) wie auch disziplinarrechtlich (Art. 17
BGFA) sanktionsbewehrt. Als Rechtfertigungsgründe, welche in strafrechtlicher
Hinsicht trotz erfülltem Straftatbestand zum Entfallen der Rechtswidrigkeit
führen, nennt Art. 321 Ziff. 2 StGB die  Einwilligung des am Geheimnis
Berechtigten oder eine auf Gesuch des Täters erteilte  schriftliche Bewilligung
der vorgesetzten Behörde oder der Aufsichtsbehörde.

4.2. Weder Art. 321 Ziff. 2 StGB noch Art. 13 BGFA - welcher als
bundesrechtliche Bestimmung in Abs. 1 Satz 2 die Entbindung voraussetzt -
nennen hingegen die Kriterien, welche die Aufsichtsbehörde beim Entscheid über
die Entbindung anzuwenden hat. Das Bundesgericht hat unter dem zeitlichen
Geltungsbereich der altrechtlichen kantonalen Vorschriften über den
Anwaltsberuf die Zulässigkeit einer kantonalen Rechtsetzung angesichts der
bundesrechtlichen Regelung der Rechtfertigungsgründe in Art. 321 Ziff. 2 StGB
unter dem Gesichtspunkt der derogatorischen Kraft des Bundesrechts in BGE 97 I
831 E. 2b S. 836 und im Urteil 2P.65/2003 vom 3. Oktober 2003 E. 2.1, noch
offen gelassen. Der vorliegende Entscheid bietet Anlass zu einer
höchstrichterlichen Klärung dieser Rechtsfrage unter Anwendung der seither in
Kraft getretenen bundesrechtlichen Vereinheitlichung der anwaltlichen
Berufsregeln.

4.3. Die für den Entscheid über die Entbindung anzuwendenden Kriterien sind
ausschliesslich dem Bundesrecht zu entnehmen.

4.3.1. Seit Inkrafttreten des BGFA sind die anwaltlichen Berufspflichten
abschliessend bundesrechtlich geregelt (BGE 136 III 296 E. 2.1, 2.2, 3.1 S. 300
ff.; 130 II 270 E. 3.1.1 S. 275; Botschaft des Bundesrates vom 28. April 1999
über die Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte, BBl 1999 6039; SPÜHLER,
Bedeutung, Anwendbarkeit und Anwendungsprobleme des BGFA, in: Das Anwaltsrecht
nach dem BGFA, 2003, S. 38). Der Umfang der aus Art. 13 BGFA fliessenden
beruflichen anwaltlichen Geheimhaltungspflicht ergibt sich demnach
ausschliesslich aus dem Bundesrecht und kann nicht von Kanton zu Kanton
variieren. Die Entbindung - als ein Begriff des Bundesrechts, vgl. Art. 13 Satz
2 BGFA - ist demnach nach bundesrechtlichen Kriterien zu erteilen.

4.3.2. Gestützt auf welche Kriterien die kantonale Aufsichtskommission die
Entbindung vom Anwaltsgeheimnis zu erteilen hat, wird nicht ausdrücklich in
Art. 13 BGFA geregelt. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass berufsrechtlich
nicht erlaubt sein kann, was strafrechtlich verboten ist (SCHILLER, a.a.O., N.
547). Obwohl das Strafrecht und das anwaltliche Berufsrecht durchaus zwei
voneinander unabhängige sachliche Anwendungsbereiche haben (zum Grundsatz der
Normenkonkurrenz zwischen StGB und dem altrechtlichen kantonalen Berufsrecht
BGE 97 I 831 E. 2b S. 836), kann eine im Sinne des Berufsrechts zulässige
Weitergabe von vertraulichen Klienteninformationen an grundsätzlich unbefugte
Dritte zum Vornherein nur vorliegen, wenn sie im Lichte des Strafrechts
rechtmässig ist. Der strafrechtliche Rechtfertigungsgrund stellt damit eine
Minimalvorgabe auch für das Berufsrecht dar; dies bedeutet jedoch nur, dass das
Berufsrecht den Tatbestand der Berufsgeheimnisverletzung nicht enger fassen
kann als das Strafrecht (anders FELLMANN, a.a.O., N. 547 ff.; vgl.
weiterführend GIOVANNI ANDREA TESTA, Die zivil- und standesrechtlichen
Pflichten des Rechtsanwaltes gegenüber dem Klienten, Diss. Zürich 2000, S.
140). Soll ein Entbindungsentscheid seinen Zweck - Ermöglichung der Preisgabe
einer dem Berufsgeheimnis unterliegenden Information ohne disziplinar- oder
strafrechtliche Sanktion (Urteil 2C_503/2011 vom 21. September 2011 E. 2.2) -
erfüllen, müssen somit mindestens die Kriterien für das Vorliegen des
strafrechtlichen Rechtfertigungsgrundes im Sinne von Art. 321 Ziff. 2 StGB
gegeben sein.

4.3.3. Ob die Bewilligung der Aufsichtsbehörde (Art. 321 Ziff. 2 StGB) zu
erteilen ist, beurteilt sich auf Grund einer  Abwägung sämtlicher auf dem Spiel
stehenden Interessen, wobei, angesichts der institutionellen (E. 2.1) und
individualrechtlichen (E. 2.2) Bedeutung des anwaltlichen Berufsgeheimnis nur
ein deutlich überwiegendes öffentliches oder privates Interesse eine Entbindung
als angemessen erscheinen lassen kann (OBERHOLZER, a.a.O., N. 19 zu Art. 321
StGB; TRECHSEL/VEST, in: Praxiskommentar zum Schweizerischen Strafrecht, 2.
Aufl. 2013, N. 34 zu Art. 321 StGB; MICHEL DUPUIS ET AL [Hrsg.], Petit
commentaire Code pénal, 2012, N. 48 zu Art. 321 StGB). Diese Interessenabwägung
entspricht auf Grund des Umstandes, dass sie auch regelmässig in den
(unselbstständigen, oben, E. 4.3.1) kantonalen Vorschriften über die Entbindung
erwähnt wird, ständiger Praxis sowie herrschender Lehre (CORBOZ, a.a.O., S. 95;
NATER/ZINDEL, a.a.O., N. 153 zu Art. 13 BGFA; SCHILLER, a.a.O., S. 152;
FELLMANN, a.a.O., S. 219; TESTA, a.a.O., S. 150 f.; CHRISTOF BERNHART, Die
professionellen Standards des Rechtsanwaltes, 2. Aufl. 2011, S. 167; JÜRG BOLL,
Die Entbindung vom Arzt- und Anwaltsgeheimnis, Diss. Zürich 1983, S. 57 f.) und
hat entsprechend in der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu keinen weiteren
Bemerkungen Anlass geboten (ausdrücklich Urteil 2C_661/2011 vom 17. März 2012
E. 3.1 in fine; vgl. auch Urteile 2C_1127/2013 vom 7. April 2014 E. 3.1; 2C_42/
2010 vom 28. April 2010 E. 3.1; 2P.313/1999 vom 8. März 2000 E. 2b). Für die
Interessenabwägung ist zu beachten, dass eine Anwältin oder ein Anwalt zwar
regelmässig über ein schutzwürdiges Interesse an der Entbindung zwecks
Eintreibung offener Honorarforderungen verfügt (Urteile 2C_1127/2013 vom 7.
April 2014 E. 3.1; 2C_661/2011 vom 17. März 2012 E. 3.1; 2C_508/2007 vom 27.
Mai 2008 E. 2.1; 1S.5/2006 vom 5. Mai 2006, in: SJ 2006 I S. 489, E. 5.3.1;
2P.313/1999 vom 8. März 2000, E. 2). Diesem Interesse steht grundsätzlich das
institutionell begründete Interesse an der Wahrung der Vertraulichkeit (E. 2.1)
wie auch, je nach Konstellation, das individual-rechtliche Interesse (E. 2.2)
des Klienten auf Geheimhaltung der Mandatsbeziehung sowie sämtlicher, damit in
Zusammenhang stehender Informationen entgegen, zumal Behörden und Gerichten
eine eigentliche Anzeigepflicht obliegen kann. An die Substantiierung des
Interesses des Klienten an einer Geheimhaltung dürfen im Verfahren auf
Entbindung keine allzu hohen Anforderungen gestellt werden, würde doch der in
Art. 321 Abs. 1 StGB verankerte Rechtsschutz durch eine eigentliche
Substantiierungspflicht geradezu unterlaufen. Bei der Abwägung der sich
entgegenstehenden Interessen im Zusammenhang mit einer offenen Honorarforderung
ist auch dem Umstand Rechnung zu tragen, dass eine Anwältin oder ein Anwalt vom
Klienten grundsätzlich einen Vorschuss verlangen kann, welcher die
voraussichtlichen Kosten ihrer oder seiner Tätigkeit deckt, und, sofern das
Mandat für sie oder ihn eine wichtige wirtschaftliche Bedeutung hat (zur
wirtschaftlichen Unabhängigkeit der Anwältin oder des Anwalts vom Klienten
Urteil 2A.293/2003 vom 9. März 2004 E. 4; VALTICOS, in: Commentaire de la loi
sur la libre circulation des avocats, 2010, N. 110 zu Art. 12 BGFA; BERNHART,
a.a.O., S. 121 ff.), zur Erhebung eines solchen Vorschusses unter dem
Gesichtspunkt des Unabhängigkeitserfordernisses von Art. 12 lit. b BGFA sogar
gehalten sein kann (a.M. betreffend Art. 12 lit. i BGFA FELLMANN, a.a.O., S.
190). Abgesehen von Konstellationen, in welchen dem Anwalt die Erhebung eines
Kostenvorschusses zum Vornherein verwehrt ist - wie etwa, wenn und soweit die
Anwältin oder der Anwalt dem Klienten als unentgeltlicher Rechtsbeistand
beigegeben worden ist (BGE 132 V 200 E. 5.1.4 S. 205 f.) - hat ein zwecks
Eintreibung einer offenen Honorarforderung um Entbindung ersuchender Anwalt
darzulegen, weshalb ihm eine Kostendeckung über die Erhebung eines
Kostenvorschusses nicht möglich war.

4.4. Die vorinstanzliche Interessenabwägung ist nicht zu beanstanden. Als
Willensvollstrecker ist der Beschwerdegegner verpflichtet, in Ausübung seines
Amtes sich im Nachlass befindliche offene Forderungen einzutreiben (Art. 518
Abs. 2 ZGB; Urteil 5A_111/2011 vom 20. April 2011 E. 2.1.2; KARRER/VOGT/LEU,
in: Basler Kommentar zum ZGB II, 5. Aufl. 2015, N. 29, N. 35a zu Art. 518 ZGB),
was ein eigenes Interesse an seiner Entbindung vom Berufsgeheimnis begründet
(oben, E. 3.3.2); dass die Entbindung der Durchsetzung einer Forderung aus dem
Nachlass und nicht einer eigenen Honorarforderung dient, ist deswegen im
vorliegenden Zusammenhang irrelevant. Der Erblasser hatte zu Lebzeiten vom
Beschwerdeführer einen Kostenvorschuss einverlangt, der die Honorarforderung
teilweise abdeckte, weshalb sich der Erblasser bzw. sein Nachlass den Ausstand
der Forderung nicht ausschliesslich selbst zuzuschreiben hat. Der
Beschwerdeführer hatte zudem im vorinstanzlichen Verfahren nicht ansatzweise
geltend gemacht, einer solchen Entbindung würden irgendwie geartete berechtigte
Geheimhaltungsinteressen seinerseits entgegen stehen. Wie die Vorinstanz des
Weiteren zutreffend erkannte, ist eine allfällige Weigerung des
Willensvollstreckers, dem Beistand des Beschwerdeführers Einblicke in
allenfalls die höchstpersönliche Rechtssphäre des Beschwerdeführers tangierende
Unterlagen zu gewähren, für die im Rahmen des Entbindungsentscheides
vorzunehmende Güterabwägung (vgl. zu den Kriterien oben, E. 4.3.3)
bedeutungslos. Auch der Umstand, dass der Beistand des Beschwerdeführers
verrechnungsweise Unterlagen in einen allfälligen Honorarforderungsprozess
einzubringen gedenkt, welche Informationen zum Mandatsverhältnis zwischen dem
Beschwerdeführer und dem Erblasser enthalten, beschlagen vorab die Frage der
Zulässigkeit eines allfälligen Eingriffs des Beistandes selbst in die
höchstpersönliche Rechtssphäre des Beschwerdeführers und nicht einen in der
Güterabwägung zu berücksichtigenden Interessengegensatz zwischen dem
Willensvollstrecker und dem Beschwerdeführer (als vormaliger Klient des
Erblassers). Die Beschwerde erweist sich in diesem Punkt als unbegründet und
ist abzuweisen.

5.
Materiell nicht begründet ist die Rüge des Beschwerdeführers, die
Aufsichtskommission über die Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte des Kantons
Zug habe mit der Entbindung unrechtmässig in seine grundrechtlich geschützte
persönliche Freiheit (Art. 10 Abs. 2, Art. 13 Abs. 1 BV; Art. 8 Ziff. 1 EMRK)
eingegriffen. Selbst wenn die Preisgabe der vertraulichen Informationen durch
den Willensvollstrecker zwecks Eintreibung einer ausstehenden Forderung auf
Grund der erfolgten Entbindung als ein dem Staat zurechenbarer Eingriff
qualifiziert werden kann (vgl. zum Begriff des mittelbaren Eingriffs SCHWEIZER,
in: St. Galler Kommentar zur Schweizerischen Bundesverfassung, 3. Aufl. 2014,
N. 2 zu Art. 36 BV; TSCHANNEN, Staatsrecht der Schweizerischen
Eidgenossenschaft, 3. Aufl. 2011, § 7 N. 84; für einen direkten
Grundrechtseingriff hingegen BGE 117 Ia 341 E. 4 S. 345 f.), wäre dieser
Eingriff als rechtmässig anzusehen, beruht er doch auf einer gesetzlichen
Grundlage, dient der Wahrung überwiegender privater Drittinteressen, beachtet
das Verhältnismässigkeitsprinzip und lässt den Kerngehalt unangetastet (Art. 36
BV; Art. 8 Ziff. 2 EMRK). Die Entbindung vom Anwaltsgeheimnis als
Rechtfertigung einer Preisgabe von vertraulichen Informationen wird im
Bundesrecht ausdrücklich vorgesehen (Art. 13 Satz 2 BGFA; Art. 321 Ziff. 2
StGB). Die Entbindung wurde nur insoweit erteilt, als eine Offenbarung von
vertraulichen Informationen für die Durchsetzung der im Nachlass des Erblassers
befindlichen Forderung von Fr. 2'497.80 nebst Zins und weiteren Kosten
erforderlich ist, womit das für einen Eingriff vorausgesetzte überwiegende
private Drittinteresse vorliegt und das Verhältnismässigkeitsprinzip gewahrt
wurde. Eine vollständige Entleerung des Gehalts der verfassungs- und
konventionsrechtlich verankerten persönlichen Freiheit des Beschwerdeführers
wurde nicht geltend gemacht. Angesichts der Rechtmässigkeit eines Eingriffs
(Art. 36 BV; Art. 8 Ziff. 2 EMRK) in die persönliche Freiheit des
Beschwerdeführers erweist sich die Beschwerde in diesem Punkt ebenfalls als
unbegründet.

6.
Unbegründet ist auch die Rüge der Verletzung des Legalitätsprinzips (Art. 5
Abs. 1 BV) und des Willkürverbots (Art. 9 BV) im Zusammenhang mit der vom
Beschwerdeführer bestrittenen Zuständigkeit des Präsidenten der
Aufsichtskommission.

6.1. Das Legalitätsprinzip gilt - ausserhalb des Abgaberecht gemäss Art. 127
Abs. 1 BV und im Strafrecht - nicht als selbstständiges verfassungsmässiges
Recht, sondern als verfassungsmässiges Prinzip, welches im Zusammenhang mit
kantonalem Recht nur auf Willkür (Art. 9 BV) hin überprüft wird (BGE 140 I 381
E. 4.4 S. 386; Urteil 2C_18/2012 vom 17. Oktober 2012 E. 2.1; TSCHANNEN/
ZIMMERLI/ MÜLLER, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, S. 153 ff.).
Eine willkürliche Anwendung kantonalen Rechts liegt vor, wenn der angefochtene
Entscheid offensichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächlichen Situation in
klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz
krass verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken
zuwiderläuft. Das Bundesgericht hebt einen Entscheid jedoch nur auf, wenn nicht
bloss die Begründung, sondern auch dessen Ergebnis unhaltbar ist. Dass eine
andere Lösung ebenfalls als vertretbar oder gar als zutreffender erscheinen
mag, genügt nicht (BGE 141 I 70 E. 2.2 S. 72; 132 I 13 E. 5.1 S. 17; 125 V 408
E. 3a S. 409).

6.2. Mit seiner Rüge der Verletzung des Legalitätsprinzips im Zusammenhang mit
der Übertragung von Aufgaben einer Kollegialbehörde an deren Präsidenten
verkennt der Beschwerdeführer dessen Natur, welche aus der Bindung staatlichen
Handelns an das Recht und dem Schutz der staatlichen  Rechtsetzungs
 zuständigkeitsordnung besteht. Eine Aufgabendelegation innerhalb desselben
Aufgabenträgers setzt im Lichte des Legalitätsprinzips nicht zwingend eine
(formell) gesetzliche Rechtsgrundlage voraus. Die Delegation einer 
Aufgabenerfüllung innerhalb desselben staatlichen Aufgabenträgers könnte -
anders als die Delegation von  Rechtsetzungsbefugnissen von der Legislative an
die Exekutive, welche die für das Legalitätsprinzip relevante Frage der
Gewaltenteilung aufwerfen kann (  TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, a.a.O., S. 149) -
das Legalitätsprinzip allenfalls tangieren, wenn es sich um eine dem
Gesetzesvorbehalt unterstehende wichtige organisationsrechtliche Rechtsfrage
handelt (für die Bundesebene Art. 164 Abs. 2 lit. g BV, Art. 178 Abs. 3 BV),
was vorliegend nicht thematisiert wurde. Die Ausführungen des Beschwerdeführers
gehen denn letztlich auch darin auf zu monieren, die Vorinstanz habe § 14 Abs.
1 lit. e EG BGFA/ZG betreffend die Zuständigkeit der kantonalen
Aufsichtskommission offensichtlich unzutreffend ausgelegt, ohne auszuführen,
inwiefern eine solche Auslegung und Anwendung kantonalen Rechts im Sinne einer
Delegation an den Präsidenten auch im Ergebnis unhaltbar sein sollte und damit
als willkürlich zu qualifizieren wäre (vgl. dazu oben, E. 6.1). Diese Rüge
erweist sich bereits aus diesem Grund nicht als zielführend. Mangels eines
unrechtmässigen Eingriffs in die persönliche Freiheit des Beschwerdeführers
(Art. 10 Abs. 2 BV; Art. 8 Ziff. 1 EMRK; zur Rechtmässigkeit des Eingriffs
oben, E. 5) ist auch auf die Rüge, die kantonale Aufsichtskommission habe auf
Grund einer nicht gesetzlich abgestützten Delegation ohne genügende gesetzliche
Grundlage (Art. 36 Abs. 1 BV) in seine Grundrechte eingegriffen, nicht weiter
einzugehen.

7.
Die Beschwerde erweist sich als unbegründet und ist abzuweisen. Bei diesem
Verfahrensausgang sind die Kosten des bundesgerichtlichen Verfahrens dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG). Dem anwaltlich vertretenen
Beschwerdegegner ist für die im Zusammenhang mit seiner Vernehmlassung
entstandenen Aufwendungen eine Entschädigung von Fr. 1'000.-- zuzusprechen
(Art. 68 Abs. 1 BGG).

 Demnach erkennt das Bundesgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2. 
Die Gerichtskosten des bundesgerichtlichen Verfahrens von Fr. 2'000.-- werden
dem Beschwerdeführer auferlegt.

3. 
Der Beschwerdeführer hat dem Beschwerdegegner eine Parteientschädigung von Fr.
1'000.-- auszurichten.

4. 
Dieses Urteil wird den Verfahrensbeteiligten und dem Obergericht des Kantons
Zug schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 9. Mai 2016

Im Namen der II. öffentlich-rechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Seiler

Die Gerichtsschreiberin: Mayhall

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