Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 5A.439/2015
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

[8frIR2ALAGK1]     
{T 0/2}
                   
5A_439/2015

Urteil vom 17. Juni 2015

II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter von Werdt, Präsident,
Gerichtsschreiber Zbinden.

Verfahrensbeteiligte
A.A.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Remo Gilomen,
Beschwerdeführer,

gegen

B.B.________,
vertreten durch Rechtsanwältin Stefanie Wagner,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Kindesanhörung (Ehescheidung),

Beschwerde gegen die Verfügung des Obergerichts des Kantons Bern,
Zivilabteilung, 2. Zivilkammer, vom 6. Mai 2015.

Sachverhalt:

A. 
Mit Entscheid vom 27. November 2014 hat das Regionalgericht Oberland die Ehe
zwischen A.A.________ (geb. 1969) und B.A.________ (geb. 1981) geschieden und
die Nebenfolgen der Scheidung geregelt. Soweit vorliegend von Bedeutung hat das
Gericht die gemeinsamen Kinder C.A.________ (geb. 2008) und D.A.________ (geb.
2010) unter der gemeinsamen elterlichen Sorge beider Eltern belassen, die
zwischen den Eltern vereinbarte alternierende Obhut genehmigt und den Wohnsitz
der Kinder in Steffisburg bei der Mutter festgelegt.

B. 
Der Vater führte beim Obergericht des Kantons Bern Berufung gegen die
Bestimmung des Wohnsitzes der Kinder. Dessen Antrag, die Kinder seien durch das
Obergericht anzuhören, wies dieses mit selbständig eröffneten Zwischenentscheid
vom 6. Mai 2015 ab.

C. 
Mit Beschwerde vom 26. Mai 2015 gelangt A.A.________ (Beschwerdeführer) an das
Bundesgericht, dem er beantragt, das Obergericht sei anzuweisen, unverzüglich
eine Anhörung der Kinder durchzuführen.

 Das Bundesgericht hat die Akten, aber keine Vernehmlassungen eingeholt.

Erwägungen:

1. 
Die Beschwerde richtet sich gegen einen selbständig eröffneten
Zwischenentscheid einer letzten kantonalen Instanz (Art. 75 BGG), mit dem diese
einen Antrag des Beschwerdeführers auf Anhörung seiner Kinder abgewiesen hat.
Gegen Vor- und Zwischenentscheide, die weder die Zuständigkeit noch den
Ausstand betreffen (Art. 92 BGG), ist die Beschwerde an das Bundesgericht
gemäss Art. 93 Abs. 1 BGG zulässig, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden
Nachteil bewirken können (lit. a) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde
sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeutenden Aufwand an
Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde (lit. b).
Der nicht wieder gutzumachende Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG
muss rechtlicher Natur sein. Das setzt voraus, dass er sich auch mit einem
späteren günstigen Endentscheid nicht oder nicht gänzlich beseitigen lässt. Die
blosse Möglichkeit eines nicht wieder gutzumachenden Nachteils rechtlicher
Natur genügt. Dagegen reichen rein tatsächliche Nachteile wie die
Verfahrensverlängerung oder -verteuerung nicht aus (BGE 137 III 380 E. 1.2.1 S.
382; 138 III 190 E. 6 S. 192; je mit Hinweisen).

 Im Zusammenhang mit dem Kriterium des nicht wieder gutzumachenden Nachteils
führt der Beschwerdeführer aus, das Regionalgericht Oberland habe den Wohnsitz
der beiden Kinder in U.________ bei der Mutter festgelegt. Er habe indes
dargelegt, dass die Tochter C.A.________ es vorziehen würde, in V.________ in
die Basisstufe und nicht länger in Steffisburg in den Kindergarten zu gehen.
Damit sie und auch ihr Bruder für das Schuljahr 2015/2016 die Schule in
V.________ besuchen können, müsse ihr Wohnsitz nach V.________ verlegt werden.
Die Anhörung der Kinder habe noch vor dem Schuljahreswechsel stattzufinden, da
C.A.________ ansonsten weiterhin in U.________ zur Schule gehen müsste. Würde
die Vorinstanz später zum Schluss kommen, dass ein Schulwechsel dem Kindswohl
zuträglich ist, müsste C.A.________ im laufenden Schuljahr die Schule wechseln,
was bekanntermassen mit Nachteilen verbunden sei, die nicht ohne weiteres
wieder gutzumachen seien, denn C.A.________ müsste in der Basisstufe einen
sachlichen und sozialen Rückstand aufholen. Dieser Nachteil könne ohne weiteres
vermieden werden, wenn ein Entscheid über die Anhörung von C.A.________ zeitig
gefasst werde und die Vorinstanz verpflichtet werde, C.A.________ noch vor den
Sommerferien anzuhören. Äussere sich C.A.________ dahingehend, dass sie lieber
in V.________ in die Basisstufe möchte, so könnte die Vorinstanz vorsorglich
einen Wohnsitzwechsel vollziehen und C.A.________ könnte zu Beginn des
Schuljahres 2015/2016 in V.________ die Basisstufe beginnen. Dasselbe gelte für
D.A.________, auch wenn er wohl eher dazu zu befragen sein werde, ob er in
dieselbe Schule gehen möchte wie seine Schwester und seine zahlreichen Freunde.

 Der Beschwerdeführer verkennt das System der Eintretensvoraussetzungen im
Verfahren vor Bundesgericht. Er geht offensichtlich davon aus, dass das
Obergericht als Berufungsinstanz seinem Antrag auf Festlegung des Wohnsitzes
der Kinder in V.________ allein wegen der Anhörung der Tochter (und eventuell
des Sohnes) folgen würde. Dies ist offensichtlich nicht der Fall. Damit fällt
die Argumentation des Beschwerdeführers in sich zusammen. Ausserdem gilt der
behauptete Nachteil, die Tochter müsse - allenfalls vorübergehend - eine
mindere Schule besuchen bzw. im Falle eines Schulwechsels einen sachlichen und
sozialen Rückstand aufholen, so es sich überhaupt um einen Nachteil handeln
sollte, nicht als rechtlicher, sondern als faktischer Nachteil, der als
Eintretensvoraussetzung nicht genügt. Die Frage, ob die Kinder des
Beschwerdeführers von der Berufungsinstanz anzuhören gewesen wären, kann dem
Bundesgericht auch mit der Beschwerde gegen den Endentscheid unterbreitet
werden. Damit lässt sich der gerügte Nachteil mit einem späteren günstigen
Endentscheid beseitigen, und der angefochtene Zwischenentscheid vermag keinen
nicht wiedergutzumachenden Nachteil rechtlicher Natur zu bewirken.

2. 
Auf die offensichtlich unzulässige Beschwerde ist im vereinfachten Verfahren
(Art. 108 Abs. 1 lit. a BGG) durch den Präsidenten der Abteilung unter
Kostenfolge für den Beschwerdeführer (Art. 66 Abs. 1 BGG) nicht einzutreten.
Der Gegenpartei ist kein entschädigungspflichtiger Aufwand entstanden (Art. 68
Abs. 2 BGG).

Demnach erkennt der Präsident:

1. 
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2. 
Die Gerichtskosten von Fr. 1'000.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

3. 
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Bern,
Zivilabteilung, 2. Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 17. Juni 2015
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: von Werdt

Der Gerichtsschreiber: Zbinden

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