Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.1013/2015
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

[8frIR2ALAGK1]     
{T 0/2}
                   
6B_1013/2015

Urteil vom 16. August 2016

Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Denys, Präsident,
Bundesrichter Oberholzer, Rüedi,
Gerichtsschreiber M. Widmer.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Christian Eggenberger,
Beschwerdeführer,

gegen

Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen, Schützengasse 1, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Mehrfache Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz; Widerhandlung gegen
das Waffengesetz; Willkür, rechtliches Gehör,

Beschwerde gegen den Entscheid des Kantonsgerichts St. Gallen, Strafkammer, vom
19. Mai 2015.

Sachverhalt:

A.
X.________ wird der Handel mit mehreren Kilogramm Marihuana im Zeitraum vom 1.
Juli 2012 bis 31. Juli 2013 sowie der Konsum von 720 bis 1'080 Gramm Marihuana
zwischen dem 11. März 2011 und dem 27. November 2013 vorgeworfen. Zudem soll er
im Wissen um seine fehlende Berechtigung im Besitz eines verbotenen
Schmetterlingsmessers gewesen sein.

B.
Am 11. Juni 2014 sprach das Kreisgericht See-Gaster X.________ des
vorsätzlichen Vergehens gegen das Waffengesetz (WG; SR 514.54) und der
mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes (BetmG; SR 812.121)
schuldig und verurteilte ihn unter Anrechnung der Untersuchungshaft von 2 Tagen
zu einer bedingten Geldstrafe von 5 Tagessätzen zu Fr. 120.-- sowie zu einer
Busse von Fr. 500.--. Vom Vorwurf des mehrfachen Vergehens gegen das
Betäubungsmittelgesetz (Erwerb und Verkauf von Marihuana) sprach es ihn frei.

C.
Auf Berufung von X.________ und Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft hin
verurteilte ihn das Kantonsgericht St. Gallen mit Entscheid vom 19. Mai 2015
zusätzlich wegen mehrfachen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz nach
Art. 19 Abs. 1 lit. c und d BetmG und bestrafte ihn mit einer bedingten
Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 120.-- und einer Busse von Fr. 500.--.

D.
X.________ beantragt mit Beschwerde in Strafsachen, das kantonsgerichtliche
Urteil sei aufzuheben und er sei wegen mehrfacher Übertretung des
Betäubungsmittelgesetzes zu einer Busse von Fr. 200.-- zu verurteilen;
eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an das Kantonsgericht
zurückzuweisen. Die beschlagnahmten Vermögenswerte seien ihm zurückzuerstatten
und von der Einziehung des Schmetterlingsmessers sei abzusehen.

Erwägungen:

1.

1.1. Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des Anklagegrundsatzes. Er macht
geltend, die Beschwerdegegnerin sei gestützt auf seine Aussage, das
Schmetterlingsmesser rechtmässig in einem Waffengeschäft gekauft zu haben, von
einem legalen Erwerb ausgegangen. Diese Annahme bilde Grundlage der Anklage.
Indem die Vorinstanz einen illegalen Erwerb annehme, verletze sie den
Anklagegrundsatz. Da sie die Verurteilung zudem auf eine andere Rechtsgrundlage
stütze als das erstinstanzliche Gericht, ohne ihn dazu angehört zu haben,
verletze sie seinen Anspruch auf rechtliches Gehör.

1.2. Nach dem aus Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV sowie Art. 6 Ziff. 1 und
Ziff. 3 lit. a und b EMRK abgeleiteten und nunmehr in Art. 9 Abs. 1 StPO
festgeschriebenen Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand
des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion). Die Anklage hat die der
beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise
zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und subjektiver Hinsicht
genügend konkretisiert sind. Zugleich bezweckt das Anklageprinzip den Schutz
der Verteidigungsrechte der beschuldigten Person und garantiert den Anspruch
auf rechtliches Gehör (Informationsfunktion). Gemäss Art. 325 Abs. 1 lit. f
StPO bezeichnet die Anklageschrift möglichst kurz, aber genau die der
beschuldigten Person vorgeworfenen Taten mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit,
Art und Folgen der Tatausführung (BGE 141 IV 132 E. 3.4.1 S. 142 f.; Urteil
6B_435/2015 vom 16. Dezember 2015 E. 1.2; je mit Hinweisen).

1.3. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ist aus der Anklageschrift
resp. dem eine solche darstellenden Strafbefehl vom 11. März 2014 (Art. 356
Abs. 1 StPO) klar ersichtlich, dass auch die Beschwerdegegnerin von einer
strafbaren Handlung ausgeht. Sie wirft ihm den Besitz eines verbotenen
Schmetterlingsmessers vor und klagt dies als vorsätzliches Vergehen gegen das
Waffengesetz gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. a WG an. Zur Frage des Erwerbs enthält
die Anklage keine Angaben. Grundlage der Anklageschrift bildet allein der
hinreichend klar geschilderte Lebenssachverhalt. Die rechtliche Würdigung
dieses Sachverhalts, d.h. die Frage, ob der Besitz des Messers legal war oder
nicht, ist allein Sache der Gerichte. Diese haben das Recht von Amtes wegen
anzuwenden, wobei sie an die rechtliche Würdigung der Anklagebehörde nicht
gebunden sind (vgl. Art. 350 Abs. 1 StPO; Urteile 6B_1011/2014 vom 16. März
2015 E. 1.5.5; 6B_91/2014 vom 31. März 2015 E. 4.2). Es schadet daher nicht,
dass sich die Vorinstanzen hinsichtlich der rechtlichen Würdigung des
Sachverhalts nicht einig waren. Eine Verletzung des Anklagegrundsatzes liegt
nicht vor. Soweit der Beschwerdeführer eine unzulässige Erweiterung der Anklage
moniert, indem ihn das erstinstanzliche Gericht wegen Verletzung der
Anzeigepflicht nach Art. 42 Abs. 5 WG verurteilt habe, geht sein Einwand fehl.
Der hier angefochtene und massgebende vorinstanzliche Entscheid stützt sich in
Übereinstimmung mit der Anklageschrift auf Art. 33 Abs. 1 lit. a WG. Die
Verurteilung erfolgte damit nicht auf einer anderen Rechtsgrundlage als
angeklagt.

2.

2.1. Der Beschwerdeführer wendet sich gegen die Verurteilung wegen mehrfachen
Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz und rügt die vorinstanzliche
Sachverhaltsfeststellung.
Er macht geltend, die Vorinstanz stelle bezüglich des von ihm bestrittenen
Erwerbs von mehreren Kilogramm Marihuana trotz Fehlens objektiver Beweise zu
Unrecht auf die Angaben des Verkäufers A.________ ab. Dessen Aussagen, dem
Beschwerdeführer fünf bis zehn Kilogramm Marihuana verkauft zu haben, seien
ungenau, inkonsistent und widersprüchlich. Der angenommene Deliktszeitraum von
einem Jahr sei dem Zeugen zudem von der Beschwerdegegnerin in den Mund gelegt
worden. Auch für den Verkauf von angeblich mindestens vier Kilogramm Marihuana
gebe es nicht genügend Beweise. Hierfür lägen bloss drei mehrdeutige
Textnachrichten (SMS) vor, deren Inhalt der Beschwerdeführer nachvollziehbar
erklärt habe. Im Zweifel sei weder der Erwerb noch der Verkauf von Marihuana
(abgesehen vom nicht mehr streitigen Erwerb zum Eigenkonsum) erwiesen, zumal
auch keine Verkaufsutensilien wie eine Waage oder Verpackungsmaterial gefunden
worden seien.

2.2. Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die
Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Die Sachverhaltsfeststellung
kann nur gerügt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig, das heisst
willkürlich im Sinne von Art. 9 BV ist (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1 S. 253; 139 II
404 E. 10.1 S. 445 mit Hinweisen; zum Begriff der Willkür BGE 140 III 16 E. 2.1
S. 18 f.; 139 III 334 E. 3.2.5 S. 339; je mit Hinweisen) oder wenn sie auf
einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht und wenn die Behebung
des Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs.
1 BGG).
Für die Anfechtung des Sachverhalts gelten qualifizierte
Begründungsanforderungen (Art. 42 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 97 Abs. 1 und
Art. 106 Abs. 2 BGG). Die beschwerdeführende Person hat genau darzulegen,
inwiefern die vorinstanzliche Beweiswürdigung willkürlich sein soll. Dazu
genügt es nicht, einen von den tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz
abweichenden Sachverhalt zu behaupten oder die eigene Beweiswürdigung zu
erläutern (BGE 137 II 353 E. 5.1 S. 356; Urteil 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E.
1.2; je mit Hinweisen). Dass die von den Sachgerichten gezogenen Schlüsse nicht
mit der Darstellung der beschwerdeführenden Partei übereinstimmen, belegt keine
Willkür. Auf ungenügend begründete Rügen oder bloss allgemein gehaltene
appellatorische Kritik am angefochtenen Entscheid tritt das Bundesgericht nicht
ein (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1 S. 253; 140 III 264 E. 2.3 S. 266 mit Hinweisen).
Dem Grundsatz "in dubio pro reo" kommt als Beweiswürdigungsregel im Verfahren
vor Bundesgericht keine über das Willkürverbot von Art. 9 BV hinausgehende
Bedeutung zu (BGE 138 V 74 E. 7 S. 82 mit Hinweisen).

2.3. Was der Beschwerdeführer gegen die vorinstanzliche
Sachverhaltsfeststellung einwendet, ist nicht geeignet, Willkür darzutun. Mit
Bezug auf den Erwerb von Marihuana verkennt er, dass die Beweiswürdigung der
Vorinstanz nicht bereits deshalb offensichtlich unhaltbar ist, weil sie
wesentlich auf einer Zeugenaussage beruht, die seinen eigenen Angaben
widerspricht. Zwar weist er zutreffend auf das Vorgehen bei der
Glaubhaftigkeitsbeurteilung von Zeugenaussagen hin. Dabei wird zunächst davon
ausgegangen, dass die Aussage gerade nicht realitätsbegründet ist, und erst
dann, wenn sich diese Annahme (sog. Nullhypothese) aufgrund der festgestellten
Realitätskriterien nicht mehr halten lässt, wird geschlossen, dass die Aussage
einem wirklichen Erleben entspricht und wahr ist (vgl. BGE 133 I 33 E. 4.3 S.
45 mit Hinweis). Er bringt jedoch nichts vor, was bei der Vorinstanz Zweifel an
der Glaubhaftigkeit der Zeugenaussage von A.________ hätte hervorrufen müssen.
Es ist nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz erwägt, die Aussagen des
Belastungszeugen seien im Wesentlichen konstant ausgefallen. Dieser hat
wiederholt angegeben, er habe aus dem Betrieb einer Hanfplantage sowie aus
Zukäufen Marihuana in Kilogrammportionen an eine Handvoll Abnehmer verkauft,
davon fünf bis zehn Kilogramm an den Beschwerdeführer. Angesichts der
geschilderten Produktions- und Verkaufstätigkeit von A.________ sowie der
Tatsache, dass der Beschwerdeführer zugegeben hat, von jenem Marihuana erworben
zu haben, ist es nachvollziehbar, wenn die Vorinstanz als erstellt erachtet,
A.________ habe auch dem Beschwerdeführer, entsprechend der üblichen
Vorgehensweise, Portionen zu rund einem Kilogramm verkauft. Dieser Schluss ist
weder willkürlich, noch verletzt er den Anspruch des Beschwerdeführers auf ein
faires Verfahren oder auf rechtliches Gehör. Wenn die Vorinstanz nicht auf
dessen Angaben, höchstens 20 bis 30 Gramm Marihuana pro Monat gekauft zu haben,
abstellt, verletzt sie auch nicht die Unschuldsvermutung. Daran ändert nichts,
dass der Belastungszeuge im vorinstanzlichen Verfahren auch ausgesagt hat, er
habe dem Beschwerdeführer am Anfang vielleicht nur 500 Gramm Marihuana, sicher
aber nicht weniger verkauft. Die verkaufte Gesamtmenge von fünf bis zehn
Kilogramm Marihuana hat er weiterhin bestätigt. Die Vorinstanz ist zu Recht von
der kleinsten vom Zeugen genannten Menge von fünf Kilogramm ausgegangen. Soweit
der Beschwerdeführer den Zeitraum des Verkaufs zwischen Juli 2012 und Juli 2013
beanstandet und geltend macht, dieser sei dem Zeugen von der Beschwerdegegnerin
in den Mund gelegt worden, ist festzuhalten, dass der Zeuge die Dauer von rund
einem Jahr von sich aus genannt hat. Zudem deckt sich die vorinstanzliche
Annahme bezüglich des Zeitraums mit den Angaben des Beschwerdeführers selbst.
Von einer aktenwidrigen Feststellung kann keine Rede sein.
Die Vorinstanz verfällt nicht in Willkür, wenn sie keine Anzeichen für eine
Falschbelastung durch A.________ erkennt, zumal auch der Beschwerdeführer
selber keine solchen geltend macht. Es ist unerfindlich, weshalb die
Schlussfolgerung der Vorinstanz, wonach es nicht einleuchte, dass A.________
die an den Beschwerdeführer veräusserte Menge bewusst zu hoch hätte angeben
sollen, willkürlich sein soll. Fehl geht im weiteren sein Einwand, der Erwerb
des Marihuanas könne nur dann als erwiesen gelten, wenn es auch der Verkauf
sei. Es kann selbst auf ein einziges Beweismittel abgestellt werden, sofern
dieses glaubhaft ist (vgl. BGE 137 IV 122 E. 3.3 S. 127). Der Beschwerdeführer
scheint im Übrigen zu verkennen, dass im inkriminierten Tatzeitraum auch
Verbindungsnachweise zwischen ihm und A.________ vorliegen (vgl. Urteil, S. 7).
Die vorinstanzliche Annahme, er habe von diesem mindestens fünf Kilogramm
Marihuana erworben, hält vor dem Willkürverbot stand.

2.4. Hinsichtlich des umstrittenen Verkaufs von Marihuana ist dem
Beschwerdeführer zwar zuzustimmen, dass sich die Vorinstanz im Wesentlichen auf
drei SMS-Textnachrichten stützt und dass diese Anzahl angesichts der ihm
vorgeworfenen Verkaufsmenge von knapp vier Kilogramm Marihuana relativ gering
ist. Dies spricht jedoch nicht gegen den Verkauf einer grösseren Menge. Als
unbegründet erweist sich sein Einwand, wonach die Textnachrichten nicht
verwendet werden dürften, weil es die Vorinstanz unterlassen habe, die Absender
zu deren Inhalt zu befragen. Darin liegt keine Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes. Es ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz
selber eine Interpretation dieser Nachrichten vornahm und gestützt darauf in
antizipierter Beweiswürdigung auf die Einvernahmen der Absender verzichtete,
zumal ihre Würdigung der Textnachrichten nachvollziehbar ist. Darin ist von
"Rasen-Ziegel", resp. von "Gmües" die Rede. Die Vorinstanz verfällt nicht in
Willkür, wenn sie erwägt, diese Bezeichnungen seien für Marihuana gebräuchlich
und wenn sie von entsprechenden Bestellungen ausgeht. Der Beschwerdeführer hat
eingeräumt, dass es sich bei der Textnachricht "Gmües" um eine Anfrage für
Marihuana gehandelt hat. Die Vorinstanz begründet plausibel, weshalb seine
Erklärung bezüglich der "Rasen-Ziegel" nicht überzeugt. Er räumt im Übrigen
selber ein, dass der Erwerb von Marihuana in der strittigen Grössenordnung nur
bei einem Weiterverkauf Sinn macht. Es verstösst deshalb weder gegen das
Willkürverbot noch gegen die Unschuldsvermutung, wenn die Vorinstanz den
Verkauf von Marihuana als erwiesen erachtet.
Auch die angenommene Verkaufsmenge von knapp vier Kilogramm Marihuana ist
nachvollziehbar: Nachdem der Erwerb von mindestens fünf Kilogramm Marihuana
erwiesen und der Konsum von 720 bis 1'080 Gramm Marihuana unbestritten sind,
liegt der Schluss nahe, der im Marihuanaverkauf tätige Beschwerdeführer habe
den Rest veräussert. Diese Annahme ist jedenfalls nicht schlechterdings
unhaltbar. Daran ändert nichts, dass beim Beschwerdeführer keine
Portionierungs- oder Verpackungsutensilien sichergestellt werden konnten. Die
Vorinstanz begründet dies plausibel damit, dass er um die Verhaftung seines
Lieferanten gewusst habe und die Utensilien rechtzeitig habe verschwinden
lassen können. Entgegen seiner Auffassung trifft es nicht zu, dass die
Vorinstanz das Fehlen von Portionierungs- und Verpackungsutensilien als Indiz
für den Verkauf von Marihuana wertet. Sie führt lediglich aus, der Handel in
der vorgeworfenen Grössenordnung sei auch ohne Utensilien möglich. Dies ist
zutreffend. Eine Verletzung der Unschuldsvermutung liegt auch insoweit nicht
vor.

2.5. Soweit die wiederholt erhobene Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs
überhaupt den qualifizierten Begründungsanforderungen genügt (vgl. Art. 106
Abs. 2 BGG), ist sie unbegründet.
Aufgrund der aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 3 Abs. 2 lit. c und
Art. 107 StPO sowie Art. 29 Abs. 2 BV) fliessenden Begründungspflicht (Art. 81
Abs. 3 StPO) ist das Gericht gehalten, sein Urteil zu begründen. Dabei ist es
nicht erforderlich, dass es sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich
auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr
kann es sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken, muss
jedoch wenigstens kurz die Überlegungen nennen, von denen es sich hat leiten
lassen und auf die sich sein Urteil stützt. Die Begründung muss so abgefasst
sein, dass der Betroffene in voller Kenntnis der Tragweite des Entscheids die
Sache weiterziehen kann und der Rechtsmittelinstanz die Überprüfung der
Rechtsanwendung möglich ist (vgl. BGE 141 III 28 E. 3.2.4 S. 41; 139 IV 179 E.
2.2 S. 183; Urteile 6B_1029/2015 vom 22. Juni 2016 E. 2.6.1; 6B_1001/2015 vom
29. Dezember 2015 E. 13.2; je mit Hinweisen).
Der angefochtene Entscheid genügt diesen Anforderungen. Die Vorinstanz befasst
sich mit allen wesentlichen Gesichtspunkten. Ihre Erwägungen sind hinreichend
klar und vollständig, um eine sachgerechte Anfechtung zu ermöglichen. Der
Beschwerdeführer verkennt, dass sich die Behörden beziehungsweise Gerichte
nicht mit allen Parteistandpunkten auseinandersetzen und nicht jedes Vorbringen
explizit widerlegen müssen.

3.

3.1. Der Beschwerdeführer bestreitet die Widerhandlung gegen das Waffengesetz.
Er macht geltend, der Besitz des Schmetterlingsmessers sei erlaubt, da er
dieses legal erworben habe. Die Vorinstanz verletze den Untersuchungsgrundsatz
und die Unschuldsvermutung, wenn sie von einem illegalen Erwerb ausgehe, dessen
Umstände aber nicht abkläre. Sie verletze sein rechtliches Gehör, weil er zu
den Umständen des Erwerbs nie befragt worden sei, da sich diese Frage während
der Untersuchung nicht gestellt habe.

3.2. Entgegen seiner Auffassung kann der Beschwerdeführer aus der Behauptung,
das Messer legal erworben zu haben, nichts zu seinen Gunsten ableiten. Wie
dargelegt, ist das Gericht an die Rechtsauffassung der Vorinstanzen oder der
Parteien nicht gebunden (oben E. 1.3). Zum Erwerb des Messers hat der
Beschwerdeführer stets ausgesagt, dieses sicher schon seit seinem 14.
Lebensjahr zu besitzen und es in einem Waffenladen gekauft zu haben. Es ist
nicht ersichtlich, inwiefern die Umstände des Erwerbs näher hätten abgeklärt
werden können. Insbesondere ist nicht anzunehmen, dass der Verkäufer nach über
20 Jahren noch über zweckdienliche Unterlagen zu einem Messer verfügen würde.
Im Übrigen ist dem Beschwerdeführer entgegen zu halten, dass die beschuldigte
Person den Behörden grundsätzlich nicht vorwerfen kann, gewissen Beweisen nicht
nachgegangen zu sein, wenn sie es unterlässt, rechtzeitig und formgerecht
entsprechende Beweisanträge zu stellen (vgl. Urteil 6B_288/2015 vom 12. Oktober
2015 E. 1.3.2 mit Hinweisen). Der Untersuchungsgrundsatz verpflichtet das
Gericht nicht, von Amtes wegen Beweiserhebungen vorzunehmen, wenn es sich
aufgrund der bereits erhobenen Beweise seine Überzeugung gebildet hat und in
vorweggenommener Beweiswürdigung annehmen darf, dass die zusätzlichen Beweise
nichts an seiner Überzeugung zu ändern vermöchten (vgl. BGE 136 I 229 E. 5.3 S.
236 f.; Urteil 6B_859/2013 vom 2. Oktober 2014 E. 2.1; je mit Hinweisen). Die
Vorinstanz durfte angesichts der Angaben des Beschwerdeführers in willkürfreier
antizipierter Würdigung der bereits abgenommenen Beweise zur Überzeugung
gelangen, der rechtlich erhebliche Sachverhalt sei genügend abgeklärt (vgl.
auch Art. 139 Abs. 2 StPO). Eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes liegt
nicht vor.
Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers hat die Vorinstanz auch seinen
Anspruch auf rechtliches Gehör nicht verletzt. Es trifft nicht zu, dass sich
die Frage, ob er das Messer legal erworben habe, während des Verfahrens nicht
gestellt hätte und er dazu nicht befragt worden wäre. Er hat selber ausgesagt,
wann und wo er das Messer erworben haben will. Der Erwerb war somit Thema des
Verfahrens. Die rechtliche Würdigung dieses Sachverhalts obliegt wie dargelegt
den Gerichten. Die Vorinstanz hatte somit ausgehend vom festgestellten
Sachverhalt zu prüfen, ob er zum Besitz des Messers berechtigt war (vgl. BGE
141 IV 132 E. 2.6 S. 139). Dem anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer musste
ohne Weiteres klar sein, dass der rechtmässige Besitz einer Waffe nach
geltendem Recht deren rechtmässigen Erwerb voraussetzt, zumal er selber auf den
einschlägigen Art. 12 WG verweist. Der Beschwerdeführer macht nicht geltend,
die Vorinstanz habe die massgebende Rechtslage falsch dargestellt. Dies ist
auch nicht ersichtlich. Es ist unerfindlich, inwiefern die Vorinstanz gegen die
Unschuldsvermutung verstossen sollte, wenn sie annimmt, der Beschwerdeführer
könne das Messer nicht legal erworben haben. Sie legt nachvollziehbar dar, dass
dies gestützt auf seine eigene Sachverhaltsdarstellung nicht möglich ist und er
weder unter altem noch nach geltendem Recht zum Besitz des
Schmetterlingsmessers berechtigt war. Die vorinstanzliche Verurteilung wegen
vorsätzlichen Vergehens gegen das Waffengesetz verstösst nicht gegen
Bundesrecht.

4.
Der Beschwerdeführer begründet seinen Antrag, die Busse für die mehrfache
Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes sei auf Fr. 200.-- festzusetzen,
nicht. Darauf ist nicht einzugehen. Gleiches gilt für seine Anträge zu den
beschlagnahmten Vermögenswerten, zur Einziehung des Schmetterlingsmessers sowie
zu den Kostenfolgen, welche er ebenfalls nicht bzw. einzig mit den beantragten
Freisprüchen begründet.

5.
Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann. Bei
diesem Ausgang trägt der Beschwerdeführer die Kosten des bundesgerichtlichen
Verfahrens (Art. 66 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2. 
Die Gerichtskosten von Fr. 4'000.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

3. 
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht St. Gallen, Strafkammer,
schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 16. August 2016

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Denys

Der Gerichtsschreiber: M. Widmer

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