Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.1056/2015
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

[8frIR2ALAGK1]     
{T 0/2}
                   
6B_1056/2015

Urteil vom 4. Dezember 2015

Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Denys, Präsident,
Bundesrichter Oberholzer,
Bundesrichterin Jametti,
Gerichtsschreiber Näf.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. David Gibor,
Beschwerdeführer,

gegen

Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich, Florhofgasse 2, 8090 Zürich,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Raufhandel; Teileinstellung; ne bis in idem, Willkür,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich, I.
Strafkammer, vom 18. Juni 2015.

Sachverhalt:

A.

A.a. Die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat stellte mit Verfügung vom 26.
September 2012 das Strafverfahren gegen X.________ hinsichtlich der Vorwürfe
der mehrfachen versuchten schweren Körperverletzung, des Angriffs und der
mehrfachen einfachen Körperverletzung ein. Die Staatsanwaltschaft kam in der
Einstellungsverfügung zum Schluss, es könne nicht rechtsgenügend nachgewiesen
werden, dass X.________ mit seinen Schlägen gegen A.________ und weitere
Mitglieder des "A.________-Clans" versucht habe, diese Personen im Sinne von
Art. 122 StGB (in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB) schwer zu verletzen. Eine
genaue Zuordnung der auf Seiten des "A.________-Clans" erlittenen Verletzungen
auf X.________ sei nicht möglich, so dass auch keine Verurteilung wegen
einfacher Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 und Ziff. 2 Abs. 2
StGB erfolgen könne. Schliesslich sei festzuhalten, dass wegen der
nachgewiesenen Wechselseitigkeit der Gewalttätigkeiten nicht von einem Angriff
im Sinne von Art. 134 StGB gesprochen werden könne, sondern dass X.________
wegen Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB zur Rechenschaft gezogen
werden müsse. Die Staatsanwaltschaft erliess gleichentags einen Strafbefehl,
mit welchem sie X.________ des Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB
schuldig sprach und mit einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 150
Tagessätzen zu Fr. 70.-- bestrafte, wobei 42 Tagessätze durch Untersuchungshaft
erstanden sind. X.________ erhob gegen den Strafbefehl Einsprache. Der
Strafbefehl galt daher als Anklage.

A.b. Das Obergericht des Kantons Zürich, I. Strafkammer, verurteilte X.________
am 18. Juni 2015 in Bestätigung des Entscheids des Bezirksgerichts Dietikon,
Einzelgericht, vom 30. April 2014 wegen Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs.
1 StGB zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu Fr.
70.--, wovon 42 Tagessätze als durch Untersuchungshaft geleistet gelten.

B. 
X.________ erhebt Beschwerde in Strafsachen. Er beantragt, das Urteil des
Obergerichts sei aufzuheben und das Strafverfahren gegen ihn einzustellen.
Eventualiter sei er freizusprechen. Allenfalls sei die Sache zur neuen
Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen.

Die Oberstaatsanwaltschaft und das Obergericht des Kantons Zürich haben auf
Vernehmlassung verzichtet.

Erwägungen:

1.

1.1. Der Beschwerdeführer macht wie im kantonalen Verfahren geltend, die
Sperrwirkung der Verfügung der Staatsanwaltschaft betreffend teilweise
Einstellung des Verfahrens hinsichtlich der Vorwürfe der mehrfachen versuchten
schweren Körperverletzung, des Angriffs und der mehrfachen einfachen
Körperverletzung stehe einer Verurteilung wegen Raufhandels entgegen. Das
Verfahren wegen Raufhandels sei daher gestützt auf den Grundsatz "ne bis in
idem" einzustellen. Der Einstellung des Verfahrens wegen mehrfacher versuchter
schwerer Körperverletzung, Angriffs und mehrfacher einfacher Körperverletzung
liege der gleiche Lebensvorgang und damit dieselbe Tat im prozessualen Sinne
zugrunde wie dem nach der Verfahrenseinstellung ergangenen Strafbefehl wegen
Raufhandels, weshalb dieser den Grundsatz "ne bis in idem" verletze. Zur
Begründung beruft er sich unter anderem auf das Bundesgerichtsurteil 6B_653/
2013 vom 20. März 2014 und auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) Nr. 14939/03 vom 10. Februar 2009 in Sachen Zolotukhin v.
Russia.

1.2. Der Grundsatz "ne bis in idem" ist in Art. 4 des Protokolls Nr. 7 zur EMRK
(SR 0.101.07) und in Art. 14 Abs. 7 UNO-Pakt II (SR 0.103.2) sowie auch in Art.
11 Abs. 1 StPO verankert. Wer in der Schweiz rechtskräftig verurteilt oder
freigesprochen worden ist, darf gemäss Art. 11 Abs. 1 StPO wegen der gleichen
Tat (pour la même infraction, per lo stesso reato) nicht erneut verfolgt
werden. Erforderlich für die Anwendung des Grundsatzes sind Tat- und
Täteridentität.

Das Kriterium der Tatidentität bereitet Schwierigkeiten. "Der genaue Umfang der
Tatidentiät ist auf dem Wege der Rechtsfindung weiter zu präzisieren"
(Botschaft zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts, BBl 2006 1085 ff,
1133). Tatidentität kann nach der einen Ansicht angenommen werden, wenn die zu
beurteilenden  Lebenssachverhalte gleich sind. Tatidentität kann nach der
andern Auffassung angenommen werden, wenn zusätzlich zu den Lebenssachverhalten
auch die angewandten  Normen identisch sind. Im ersten Fall spricht man von
einfacher, im zweiten Fall von doppelter Identität. Gemäss BGE 122 I 257 E. 6d
und 7 verstösst ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung nach einem Verfahren
wegen Steuerbetrugs nicht gegen den Grundsatz "ne bis in idem", da zwischen
diesen beiden Tatbeständen echte Konkurrenz (Idealkonkurrenz) bestehe. Damit
ging das Bundesgericht im zitierten Entscheid davon aus, dass nur bei Vorliegen
doppelter Identität eine erneute Verfolgung ausgeschlossen sei (Urteil 6P.51/
2003 vom 10. September 2003 E. 10.2). Eine ähnliche Auffassung vertrat der EGMR
im Urteil Nr. 84/1997/868/1080 vom 30. Juli 1998 in Sachen Oliveira c. Suisse.
Demgegenüber vertrat der EGMR im Urteil Nr. 14939/03 vom 10. Februar 2009 in
Sachen Zolotukhin v. Russia die Ansicht, dass der Grundsatz "ne bis in idem"
schon bei gleichem beziehungsweise im Wesentlichen gleichen Sachverhalt -
"identical facts or facts which are substantially the same" (Rz. 82) - zur
Anwendung gelange (siehe dazu , forumpoenale 2009 S. 258 ff., 261 f.; BGE 137 I
363 E. 2.4). Jürg-Beat Ackermann

1.3. In dem im Entscheid 6B_653/2013 beurteilten Fall wurde am 14. Mai 2012
eine Strafuntersuchung wegen versuchter Vergewaltigung, eventualiter sexueller
Belästigung eröffnet. Die Staatsanwaltschaft erliess am 30. August 2012 einen
Strafbefehl wegen sexueller Belästigung. Gegen diesen erhob das Opfer
Einsprache. Hierauf stellte die Staatsanwaltschaft am 15. Februar 2013 das
Verfahren wegen sexueller Nötigung und wegen versuchter Vergewaltigung ein. Sie
ordnete an, dass nach Eintritt der Rechtskraft dieser Teileinstellungsverfügung
das Strafverfahren wegen sexueller Belästigung weitergeführt werde. Gegen die
Teileinstellungsverfügung erhob das Opfer erfolglos Beschwerde an die kantonale
Rechtsmittelinstanz. Gegen deren Entscheid reichte das Opfer Beschwerde in
Strafsachen an das Bundesgericht ein, welches die Beschwerde guthiess.

Eine rechtskräftige Einstellungsverfügung kommt einem freisprechenden
Endentscheid gleich (Art. 320 Abs. 4 StPO). Einer erneuten strafrechtlichen
Verfolgung wegen der gleichen Tat stehen deshalb grundsätzlich das Prinzip "ne
bis in idem" entgegen sowie das Institut der materiellen Rechtskraft, welches
bewirkt, dass eine formell rechtskräftig beurteilte Tat nicht mehr Gegenstand
eines späteren Verfahrens gegen dieselbe Person sein kann (Urteil 6B_653/2013
vom 20. März 2014 E. 3.1). Gemäss den weiteren Erwägungen im zitierten
Bundesgerichtsentscheid kommt eine Teileinstellung grundsätzlich nur in
Betracht, wenn mehrere Lebensvorgänge oder Taten im prozessualen Sinn zu
beurteilten sind (siehe dazu BGE 138 IV 241 E. 2.5). Soweit es sich hingegen
nur um eine andere rechtliche Würdigung ein- und desselben Lebensvorgangs
handelt, scheidet eine teilweise Verfahrenseinstellung aus. Wegen ein- und
derselben Tat im prozessualen Sinne kann nicht aus einem rechtlichen
Gesichtspunkt verurteilt und aus einem andern das Verfahren eingestellt werden
(Urteil 6B_653/2013 vom 20. März 2014 E. 3.2). Gemäss den weiteren Erwägungen
im zitierten Bundesgerichtsurteil lag der Teileinstellungsverfügung vom 15.
Februar 2013 derselbe Lebensvorgang zugrunde wie dem Strafbefehl vom 30. August
2012. Da es allein darum ging, wie der dem Beschuldigten zur Last gelegte
Lebensvorgang rechtlich zu würdigen war, bestand kein Raum für eine
Teileinstellung des Verfahrens. Würde anders entschieden, wäre es dem
Sachgericht verwehrt, nach Einsprache gegen den Strafbefehl den in Frage
stehenden Lebensvorgang statt als sexuelle Belästigung rechtlich als sexuelle
Nötigung oder versuchte Vergewaltigung zu qualifizieren und den Beschuldigten
deswegen zu verurteilen. Die Staatsanwaltschaft hätte es deshalb beim Erlass
des Strafbefehls vom 30. August 2012 wegen sexueller Belästigung bewenden
lassen müssen. Die Teileinstellung des Verfahrens wegen sexueller Nötigung und
versuchter Vergewaltigung durch Verfügung vom 15. Februar 2013 erwies sich als
bundesrechtswidrig und war in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben (Urteil
6B_653/2013 vom 20. März 2014 E. 3.3).

1.4. Werden diese Grundsätze auf den vorliegenden Sachverhalt angewendet, so
ergibt sich für den vom Beschwerdeführer behaupteten Fall, dass der Grundsatz
"ne bis in idem" schon bei einfacher Identität anwendbar sei, entgegen der
Meinung des Beschwerdeführers nicht, dass der Strafbefehl, der im vorliegenden
Fall zufolge Einsprache als Anklage gilt, rechtswidrig sei, da ihm die
vorgängig erlassene Einstellungsverfügung entgegenstehe. Vielmehr ergibt sich,
dass für die Einstellungsverfügung kein Raum blieb, diese daher nicht hätte
erlassen werden dürfen und deshalb dem Strafbefehl nicht entgegenstehen kann.

1.5. Unter diesen Umständen kann dahingestellt bleiben, ob entsprechend den
Behauptungen des Beschwerdeführers der Teileinstellungsverfügung vom 26.
September 2012 und dem Strafbefehl vom gleichen Tag ein und derselbe
Lebensvorgang zugrunde liege, was die Vorinstanz mit der ersten Instanz im
Wesentlichen mit der Begründung verneint, der Vorwurf des Raufhandels stütze
sich auf den Sachverhalt, dass sich der Beschwerdeführer aktiv an einer
wechselseitigen gewalttätigen Auseinandersetzung beteiligt habe, was sich vom
Sachverhalt unterscheide, welcher den Vorwürfen der Körperverletzung und des
Angriffs zugrunde liege.

2.

2.1. Der Beschwerdeführer macht wie im Berufungsverfahren geltend, das Delikt
des Raufhandels sei ihm in den staatsanwaltlichen Einvernahmen in tatsächlicher
Hinsicht nur ungenügend und in rechtlicher Hinsicht überhaupt nicht vorgehalten
worden. Damit sei die Orientierungspflicht gemäss Art. 158 Abs. 1 lit. a StPO
verletzt worden. Dies habe nach Art. 158 Abs. 2 StPO die Unverwertbarkeit der
Einvernahme zur Folge.

2.2. Zu Beginn der Einvernahme wird die einzuvernehmende Person in einer ihr
verständlichen Sprache unter anderem über den Gegenstand des Strafverfahrens
und die Eigenschaft, in der sie einvernommen wird, informiert (Art. 143 Abs. 1
lit. b StPO). Polizei oder Staatsanwaltschaft weisen die beschuldigte Person zu
Beginn der ersten Einvernahme in einer ihr verständlichen Sprache darauf hin,
dass gegen sie ein Vorverfahren eingeleitet worden ist und welche Straftaten
Gegenstand des Verfahrens bilden (Art. 158 Abs. 1 lit. a StPO). Vorzuhalten ist
im Rahmen von Art. 158 Abs. 1 lit. a StPO - nach dem aktuellen Verfahrensstand
- ein möglichst präziser Lebenssachverhalt und der daran geknüpfte
Deliktsvorwurf, nicht aber bereits die genaue rechtliche Würdigung (Urteile
6B_518/2014 vom 4. Dezember 2014 E. 1.2; 6B_1191/2013 vom 28. August 2014 E.
3.4; Botschaft zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts, BBl 2006 1085 ff.,
1192 f.; NIKLAUS SCHMID, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 2.
Aufl. 2013, N 860). Der Vorhalt muss so konkret sein, dass die beschuldigte
Person den gegen sie gerichteten Vorwurf erfassen und sich entsprechend
verteidigen kann (Urteile 6B_518/2014 vom 4. Dezember 2014 E. 1.2; 6B_1021/2013
vom 29. September 2014; NIKLAUS RUCKSTUHL, in: Basler Kommentar, Schweizerische
Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, Art. 158 StPO N. 22, 22b).

In seiner Hafteinvernahme beziehungsweise ersten Einvernahme als Beschuldigter
vom 9. Februar 2011 wurde der Beschwerdeführer darüber belehrt, dass er als
beschuldigte Person einvernommen werde und gegen ihn ein Vorverfahren "wegen
Angriff und einfacher Körperverletzung" eingeleitet worden sei. Es wurde ihm
vorgehalten, er stehe in dringendem Verdacht, am 6. Februar 2011, ca. 03.50
Uhr, zusammen mit mindestens noch einer weiteren, unbekannten Person vor einem
Club "mehrere Personen angegriffen, geschlagen und verletzt zu haben" (kant.
Akten HD 4/2 S. 1, 2). In den zitierten Vorhalten ist weder rechtlich von
Raufhandel noch in tatsächlicher Hinsicht von einer tätlichen, wechselseitigen
Auseinandersetzung die Rede. Dass der Beschwerdeführer die ihm vorgeworfenen
Handlungen im Rahmen einer wechselseitigen Auseinandersetzung begangen haben
soll, ergab sich aber offensichtlich und für ihn erkennbar daraus, dass die
Staatsanwaltschaft ihm unmittelbar im Anschluss an die Belehrung, es sei gegen
ihn ein Vorverfahren wegen Angriffs und einfacher Körperverletzung eingeleitet
worden, die Frage stellte, welche Verletzungen er beim Vorfall vom 6. Februar
2011, ca. 03.50 Uhr, erlitten habe (kant. Akten HD 4/2 S. 1). Damit war für den
Beschwerdeführer klar, dass ihm Handlungen vorgeworfen wurden, die er beim
Vorfall ausgeführt habe, bei dem er selber verletzt worden sei. Dies ergab sich
auch aus diversen Fragen und Antworten in der Einvernahme. Auf die Frage, ob er
niemanden geschlagen oder verletzt habe, antwortete er, nachdem er angegriffen
worden sei, habe er versucht, sich zu wehren. Auf die Frage, ob mehrere
Personen auf ihn eingeschlagen hätten oder nur eine Person, antwortete er,
gestochen habe nur einer, doch andere hätten auf ihn eingeschlagen und er habe
versucht, sich vor den Schlägen zu schützen (kant. Akten HD 4/2 S. 2, 3).

Die Rüge der Verletzung der Orientierungspflicht ist somit unbegründet.

3.

3.1. Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des Anklagegrundsatzes. Die
Vorinstanz werfe ihm vor, dass er mit einem Schlaginstrument zur gegnerischen
Gruppe "gerannt" sei (angefochtener Entscheid S. 27) und nach den erlittenen
Messerstichen die gegnerischen Personen "verfolgt" habe (angefochtener
Entscheid S. 32). Diese beiden Handlungen, mit welchen die Vorinstanz seine
Verurteilung wegen Raufhandels im Wesentlichen begründe, seien im
Anklagesachverhalt nicht erwähnt.

3.2. Im Strafbefehl, der vorliegend als Anklage gilt, wird dem Beschwerdeführer
vorgeworfen, er habe sich an einer gewaltsamen, wechselseitigen
Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen beteiligt. Er habe aktiv Gewalt
ausgeübt. Er habe mehrfach mit einer Eisenstange oder einem Holzstock oder
einem ähnlichen Schlaginstrument auf die Gegnerschaft eingeschlagen,
insbesondere mehrfach gegen die Köpfe der Gegner.

Die Vorinstanz hält in ihren Ausführungen zum Sachverhalt fest, den diversen
Aussagen gemeinsam sei auf jeden Fall, dass es zu einer Rauferei gekommen sei,
bei welcher der Beschwerdeführer entgegen seiner Behauptung nicht nur
abgewehrt, sondern sich vielmehr aktiv beteiligt habe. Wie insbesondere
B.________ detailliert geschildert habe, sei der Beschwerdeführer mit einem
Schlaginstrument bewaffnet und von anderen Personen aus seiner Gruppe begleitet
nach unten zur A.________-Gruppe gerannt. Der mit Wut erfüllte Beschwerdeführer
habe durch diese aufgebrachte Vorgehensweise signalisiert, dass er jederzeit
bereit gewesen wäre, das Schlaginstrument auch einzusetzen. Seine Haltung sei
demnach provozierend und keineswegs defensiv gewesen. Ob er dann, wie von
A.________ geschildert, mit dem Schlaginstrument in der danach erfolgten
Rauferei auch tatsächlich zugeschlagen habe, sei nicht nachgewiesen, aber auch
nicht vorausgesetzt (angefochtener Entscheid S. 27 f.). In ihrer rechtlichen
Würdigung erwägt die Vorinstanz, durch zahlreiche Aussagen sei erstellt, dass
der Beschwerdeführer anlässlich der folgenden wechselseitigen
Auseinandersetzung nicht nur eine defensive oder trennende Haltung eingenommen
habe. Vielmehr habe er sich aktiv an der gewaltsamen wechselseitigen
Auseinandersetzung beteiligt und Personen der A.________-Gruppe sogar noch nach
der erlittenen Stichverletzung verfolgt, was nicht auf eine trennende, sondern
auf eine provozierende Haltung deute (angefochtener Entscheid S. 32).

3.3. Ob die Vorinstanz mit ihren Ausführungen zur Begründung der Verurteilung
des Beschwerdeführers wegen Raufhandels in Verletzung des Anklagegrundsatzes
vom Anklagesachverhalt abgewichen ist, kann hier dahingestellt bleiben. Die
Verurteilung des Beschwerdeführers wegen Raufhandels ist gemäss den
zutreffenden weiteren Einwänden des Beschwerdeführers jedenfalls aus
nachstehenden Gründen aufzuheben.

4. 
Der Beschwerdeführer macht geltend, seine von der Vorinstanz festgestellten
Handlungen erfüllten den Tatbestand des Raufhandels nicht. Er habe sich weder
tätlich noch psychisch unterstützend beteiligt.

4.1. Wer sich an einem Raufhandel beteiligt, der den Tod oder die
Körperverletzung eines Menschen zur Folge hat, wird mit Freiheitsstrafe bis zu
drei Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 133 Abs. 1 StGB). Nicht strafbar
ist, wer ausschliesslich abwehrt oder die Streitenden scheidet (Art. 133 Abs. 2
StGB). Raufhandel ist die tätliche, wechselseitige Auseinandersetzung zwischen
mindestens drei Personen (BGE 104 IV 53 E. 2b; 137 IV 1 E. 4.2.2; STRATENWERTH/
JENNY/BOMMER, Schweizerisches Strafrecht, Bes. Teil I, Straftaten gegen
Individualinteressen, 7. Aufl. 2010, § 4 N. 20). Die Beteiligung muss eine
aktive sein; das passive Einstecken von Schlägen genügt nicht (BGE 70 IV 126 E.
1; 131 IV 150 E. 2.1). Wenn mindestens zwei Personen auf eine dritte Person
einschlagen, die passiv die Schläge einsteckt, ohne sich aktiv tätlich zu
wehren, kann neben allfälligen Körperverletzungsdelikten nicht Raufhandel
(siehe BGE 137 IV 1 E. 4.2.2; 106 IV 246 E. 3e), sondern allenfalls Angriff
(Art. 134 StGB) vorliegen. Wer aber tätlich ausschliesslich abwehrt oder die
Streitenden scheidet, beteiligt sich an einem Raufhandel, weil er tätlich ist,
doch ist er gemäss Art. 133 Abs. 2 StGB nicht strafbar, da er ausschliesslich
abwehrt oder die Streitenden scheidet ( TRECHSEL/FINGERHUTH, Schweizerisches
Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 2. Aufl. 2013, Art. 133 StGB N. 2;
STRATENWERTH/JENNY/BOMMER, a.a.O., § 4 N. 20). Das tätliche Verhalten kann
nicht nur in Schlägen bestehen, sondern beispielsweise auch in Würgen, Stossen,
Ringen, Messerstechen, Bewerfen mit Gegenständen oder gar Schiessen (
STRATENWERTH/JENNY/BOMMER, a.a.O., § 4 N. 20; STEFAN MAEDER, in: Basler
Kommentar, Strafrecht II, 3. Aufl. 2013, Art. 133 StGB N. 12). Nach der
herrschenden Lehre kann auch eine psychische Mitwirkung etwa durch Anfeuern,
Ratschläge eine tatbestandsmässige Beteiligung am Raufhandel sein,
vorausgesetzt, dass mindestens drei Personen wechselseitig tätlich kämpfen (
STEFAN MAEDER, a.a.O., Art. 133 StGB N. 13; TRECHSEL/FINGERHUTH, a.a.O., Art.
133 StGB N. 3; STRATENWERTH/JENNY/BOMMER, a.a.O., § 4 N. 21;  anderer
Auffassung BERNARD CORBOZ, Les infractions en droit suisse, Vol. 1, 2002, art.
133 CP n. 6).

4.2. Dem angefochtenen Entscheid lässt sich nicht entnehmen, dass und inwiefern
der Beschwerdeführer im Rahmen der Auseinandersetzung  tätlich geworden sei.
Die Vorinstanz erwägt, dass der Beschwerdeführer sich "aktiv beteiligt" habe
(angefochtener Entscheid S. 27). Worin diese aktive Beteiligung bestanden habe,
stellt sie gemäss den zutreffenden Einwänden des Beschwerdeführers jedoch nicht
fest. Sie sieht eine aktive Beteiligung möglicherweise darin, dass der
Beschwerdeführer mit einem Schlaginstrument bewaffnet und von anderen Personen
aus seiner Gruppe begleitet nach unten zur A.________-Gruppe "rannte". In jener
Phase des Geschehens fand indessen noch kein Raufhandel zwischen der Gruppe des
Beschwerdeführers und der A.________-Gruppe statt. Das "Hinunterrennen" zur
A.________-Gruppe ist allenfalls eine straflose Vorbereitungshandlung zum
anschliessenden Raufhandel. Davon scheint auch die Vorinstanz auszugehen, wenn
sie ausführt, es sei unerheblich, ob der Beschwerdeführer "in der danach
erfolgten Rauferei" tatsächlich zugeschlagen habe (angefochtener Entscheid S.
28). Eine weitere Tathandlung sieht die Vorinstanz darin, dass der
Beschwerdeführer sogar noch nach den erlittenen Messerstichverletzungen
Personen der A.________-Gruppe "verfolgte", was nicht auf eine trennende,
sondern eine provozierende Haltung deute (angefochtener Entscheid S. 32).
Dieses "Verfolgen", also Nachrennen, ist als solches keine  tätliche
 Beteiligung an einem Raufhandel. Im "Hinunterrennen" und "Verfolgen"
manifestierte sich unter den gegebenen Umständen allenfalls eine  psychische
 Mitwirkung des Beschwerdeführers, was die Vorinstanz möglicherweise mit der
Erwägung zum Ausdruck bringt, dass der Beschwerdeführer eine "provozierende
Haltung" eingenommen habe (angefochtener Entscheid S. 28, 32). Ob eine
psychische Mitwirkung unter der genannten Voraussetzung, dass mindestens drei
Personen wechselseitig tätlich kämpfen, eine tatbestandsmässige Beteiligung im
Sinne von Art. 133 StGB oder nicht eher bloss Gehilfenschaft (Art. 25 StGB) zu
Raufhandel darstellt und ob der Beschwerdeführer psychisch mitgewirkt habe,
kann hier dahingestellt bleiben. Eine Verurteilung des Beschwerdeführers wegen
Beteiligung an einem Raufhandel durch psychische Mitwirkung kommt jedenfalls
deshalb nicht in Betracht, weil eine solche Tat vom Anklagesachverhalt
offensichtlich nicht erfasst wird und daher eine entsprechend begründete
Verurteilung gegen den Anklagegrundsatz verstiesse.

5.
Bei diesem Ergebnis kann dahingestellt bleiben, ob die weiteren Rügen des
Beschwerdeführers, verschiedene tatsächliche Feststellungen der Vorinstanz
seien aktenwidrig, widersprüchlich und willkürlich, begründet sind.

6. 
Die Beschwerde ist wegen Verletzung von Art. 133 StGB gutzuheissen, das Urteil
des Obergerichts des Kantons Zürich vom 18. Juni 2015 aufzuheben und die Sache
zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Bei diesem Ausgang des
Verfahrens sind keine Kosten zu erheben und hat der Kanton Zürich dem
Beschwerdeführer eine Entschädigung zu zahlen.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1. 
Die Beschwerde wird gutgeheissen, das Urteil des Obergerichts des Kantons
Zürich, I. Strafkammer, vom 18. Juni 2015 aufgehoben und die Sache zur neuen
Entscheidung an die Vorinstanz zurückgewiesen.

2. 
Es werden keine Kosten erhoben.

3. 
Der Kanton Zürich hat dem Beschwerdeführer eine Entschädigung von Fr. 3'000.--
zu zahlen.

4. 
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Zürich, I.
Strafkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 4. Dezember 2015

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Denys

Der Gerichtsschreiber: Näf

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