Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.115/2015
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

[8frIR2ALAGK1]     
{T 0/2}
                   
6B_115/2015

Urteil vom 22. April 2015

Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Denys, Präsident,
Bundesrichterin Jacquemoud-Rossari,
Bundesrichter Oberholzer, Rüedi,
Bundesrichterin Jametti,
Gerichtsschreiberin Arquint Hill.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
vertreten durch Fürsprecher Lukas Bürge,
Beschwerdeführer,

gegen

Jugendanwaltschaft des Kantons Bern, Amthaus, Hodlerstrasse 7, 3011 Bern,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Anordnung einer vorsorglichen Schutzmassnahme in einer offenen
Erziehungseinrichtung,

Beschwerde gegen den Beschluss des Obergerichts des Kantons Bern,
Strafabteilung, Beschwerdekammer in Strafsachen, vom 9. Januar 2015.

Sachverhalt:

A. 
X.________ wurde mit Strafbefehl vom 18. März 2014 wegen Diebstahls,
mehrfachen, teilweise versuchten Betrugs sowie Erwerbs, Besitzes und Konsums
von Cannabis und Veräusserns von Marihuana zu einem bedingten Freiheitsentzug
von 5 Tagen verurteilt. Es wurde zudem die Schutzmassnahme der persönlichen
Betreuung angeordnet. Mit zwei weiteren Strafbefehlen vom 13. und 26. Mai 2014
wurde er wegen Erwerbs, Besitzes und Konsums von Cannabis sowie wegen Besitzes
und Tragens einer Waffe ohne Berechtigung bzw. wegen Erwerbs, Besitzes und
Konsums von Cannabis schuldig gesprochen und mit einer persönlichen Leistung
von einem Tag bzw. von zwei Halbtagen bestraft.
Die Jugendanwaltschaft Emmental-Oberaargau leitete am 26. November 2014 ein
nachträgliches Verfahren zwecks Massnahmenänderung ein. Am 3. Dezember 2014
ordnete sie die vorsorgliche Unterbringung von X.________ in die offene
Erziehungseinrichtung Stiftung Z.________ an. Die dagegen gerichtete Beschwerde
wies das Obergericht des Kantons Bern am 9. Januar 2015 ab.

B. 
Mit Beschwerde in Strafsachen vom 30. Januar 2015 beantragt X.________, es sei
der Beschluss des Obergerichts aufzuheben und er unverzüglich aus der
vorsorglichen Unterbringung zu entlassen. Eventualiter sei der Beschluss des
Obergerichts aufzuheben und die Sache zwecks Neubeurteilung an die Vorinstanz
zurückzuweisen. X.________ ersucht um unentgeltliche Rechtspflege und
Verbeiständung.

C. 
Das Obergericht verzichtet auf eine Vernehmlassung. Die Jugendanwaltschaft des
Kantons Bern beantragt, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf
einzutreten sei. X.________ repliziert innert Frist.

Erwägungen:

1. 
Gemäss Art. 78 Abs. 2 lit. b BGG beurteilt das Bundesgericht Beschwerden in
Straf- und Massnahmenvollzugssachen. Beim Beschluss der Vorinstanz handelt es
sich um einen selbstständig eröffneten Zwischenentscheid, der einen nicht
wieder gutzumachenden Nachteil bewirken kann (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG).
Streitgegenstand im Verfahren vor Bundesgericht bildet die vorsorgliche
Unterbringung des Beschwerdeführers in die offene Erziehungseinrichtung
Stiftung Z.________.   Dagegen ist die Beschwerde in Strafsachen grundsätzlich
zulässig (vgl. Urteil 6B_85/2014 vom 18. Februar 2014 E. 2, Urteil 1B_437/ 2011
vom 14. September 2011 E. 2 und Urteil 1B_32/2011 vom 15. September 2011 E. 1).
Das Bundesgericht hat entschieden, dass die Untersuchungshaft keine
vorsorgliche Massnahme im Sinne von Art. 98 BGG (beschränkte Beschwerdegründe)
darstellt und demnach im Rahmen der Beschwerde in Strafsachen keine
Kognitionsbeschränkung gemäss dieser Bestimmung erfolgt (vgl. BGE 140 IV 57 E.
2.2; 138 IV 186 E. 1.2; 127 IV 122 E. 2; siehe namentlich auch Urteil 1B_222/
2014 vom 8. Juli 2014 E. 1.3). Die Frage, ob dies auch für die vorsorgliche
Unterbringung im Jugendstrafverfahren gelten muss, kann hier offenbleiben, da
der vorliegenden Beschwerde kein Erfolg beschieden ist.

2.
Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, es könne gegen ihn keine
jugendstrafrechtliche Untersuchung mehr eröffnet werden, weil er volljährig sei
und es an einem dringenden Tatverdacht fehle. Die Eröffnung der Untersuchung
widerspreche daher dem Legalitätsprinzip. Davon abgesehen befinde er sich in
einem jugendstrafrechtlichen Vollzugsverfahren, das bis zum 22. Altersjahr
dauern könne. Mangels gesetzlicher Grundlage sei die Anordnung einer
vorsorglichen Massnahme im Massnahmenabänderungsverfahren nicht zulässig. Die
durch die angeordnete vorsorgliche Unterbringung bewirkte Freiheitsentziehung
halte vor dem Legalitätsprinzip nicht stand und bilde einen unzulässigen
Eingriff in das Grundrecht der persönlichen Freiheit nach Art. 10 BV. Die
vorsorgliche Unterbringung in die Stiftung Z.________ sei auch mit Art. 5 EMRK
nicht vereinbar. Die damit einhergehende Freiheitsbeschränkung werde nicht vom
ursprünglichen Zweck der Verurteilung getragen. Im Übrigen sei seine Einweisung
auch nicht verhältnismässig. Sein Lebensplan - er wolle arbeiten und Geld
verdienen, derzeit aber nicht "die Schulbank drücken" - entspreche zwar
möglicherweise nicht den traditionellen Vorstellungen der Gesellschaft, deute
aber für sich nicht darauf hin, dass er in seiner Entwicklung gefährdet sei.
Seine derzeitige Arbeitslosigkeit und sein angeblicher Marihuanakonsum
begründeten per se weder eine Verwahrlosung noch eine Rauschgiftsucht. Der
Lebensstil einer volljährigen Person, welcher nicht den Vorstellungen der
Eltern und dem Durchschnitt der Bevölkerung entspreche, rechtfertige keine
Unterbringung. Sein Selbstbestimmungsrecht sei höher zu gewichten als die
vermeintlich wohlwollenden Interessen Dritter. Die mit der vorsorglichen
Unterbringung einhergehenden Freiheitsbeschränkungen seien ihm daher unter dem
Gesichtspunkt der Verhältnismässigkeit nicht zuzumuten.

3.

3.1. Das Jugendstrafrecht strebt die täterorientierte Sanktionierung
minderjähriger Straftäter an. Die Sanktionen verfolgen das Ziel, den zu
beurteilenden Jugendlichen von der Begehung weiterer Straftaten abzuhalten und
dessen Weiterentwicklung zu fördern und günstig zu beeinflussen ( GÜRBER/HUG/
SCHLÄFLI, in: Basler Kommentar, Strafrecht, Band I, 3. Aufl. 2013, Rz. 9 vor
Art. 1 JStG; CHRISTOF RIEDO, Jugendstrafrecht und Jugendstrafprozessrecht,
Basel 2013 S. 66 N. 311). Neben Strafen (Art. 22-25 JStG) kennt das
Jugendstrafrecht namentlich Schutzmassnahmen. Dazu gehören die Aufsicht (Art.
12 JStG), die persönliche Betreuung (Art. 13 JStG), die ambulante Behandlung
(Art. 14 JStG) sowie die offene und geschlossene Unterbringung (Art. 15 JStG).
Strafen und Schutzmassnahmen können bzw. müssen miteinander kombiniert werden,
wobei regelmässig zunächst die Massnahme und dann allenfalls die Strafe
vollzogen wird ( RIEDO, a.a.O., S. 92 N. 571).

3.2. Schutzmassnahmen nach Art. 12 ff. JStG sollen den Bedürfnissen des
jugendlichen Rechtsbrechers nach Erziehung und Schutz Rechnung tragen. Sie sind
daher periodisch auf ihre Wirkungen in Bezug auf die Persönlichkeit und
Entwicklung des Jugendlichen und damit auf ihre Zweckmässigkeit zu überprüfen
und bei Bedarf anzupassen. Im Verlaufe des Vollzugs kann sich zeigen, dass die
ursprünglich angeordnete Schutzmassnahme ihren Zweck aufgrund geänderter
Verhältnisse nicht mehr erreicht und eine andere Schutzmassnahme als
erforderlich oder jedenfalls als zweckmässiger erscheint. Art. 18 Abs. 1 Satz 1
JStG erlaubt daher eine Massnahme nachträglich zu ändern, d.h. durch eine
andere zu ersetzen, wenn sich die Verhältnisse geändert haben (vgl. Botschaft
zur Änderung des Schweizerischen Strafgesetzbuches und des Militärstrafgesetzes
sowie zu einem Bundesgesetz über das Jugendstrafrecht vom 21. September 1998,
BBl 1999 Ziff. 423.26 S. 2238), wobei die Änderung in der Anordnung einer im
Verhältnis zur bisherigen mehr oder weniger eingreifenden Massnahme bestehen
kann (so schon unter dem alten Recht: BGE 113 IV 17 E. 2; 80 IV 149). Die in
Art. 18 JStG geregelte Massnahmenabänderbarkeit bildet Wesensmerkmal des
jugendstrafrechtlichen Massnahmenrechts. Es gilt dabei der Grundsatz der
jederzeitigen Abänderbarkeit der Massnahme bis zur Vollendung des 22.
Altersjahrs eines Jugendlichen (siehe Art. 19 Abs. 2 JStG; so schon für das
alte Recht: BGE 113 IV 17 E. 2; GÜRBER/HUG/SCHLÄFLI, a.a.O., Rz. 3 und 4 zu
Art. 18 JStG; RIEDO, a.a.O., S. 120 f. N. 798-802; NICOLE HOLDEREGGER, Die
Schutzmassnahmen des Jugendstrafgesetzes unter besonderer Berücksichtigung der
Praxis in den Kantonen Schaffhausen und Zürich, Diss. Zürich 2009, S. 409 ff.
N. 790 ff. sowie S. 425 ff. N. 826 ff; s.a. MICHAEL STUDER, Jugendliche
Intensivtäter in der Schweiz, Diss. Zürich 2013, S. 210 ff., N. 547 ff.; MARIE
BÖHLEN, Kommentar zum Schweizerischen Jugendstrafrecht, Bern 1975, S. 85 f.).
Die Zustimmung eines mündigen Betroffenen braucht es dabei nur für die
Schutzmassnahmen der Aufsicht (Art. 12 Abs. 3 JStG) und der persönlichen
Betreuung (Art. 13 Abs. 4 JStG), nicht aber für eine Unterbringung (Art. 15
JStG), welche über die Mündigkeit des Jugendlichen hinaus auch ohne dessen
Einverständnis angeordnet und vollzogen werden kann ( GÜRBER/HUG/SCHLÄFLI,
a.a.O., Rz. 16 zu Art. 18 JStG; MARCEL R IESEN-KUPPER, in: Donatsch et al
[Hrsg.], Kommentar Schweizerisches Strafgesetzbuch, 19. Aufl. 2013, Rz. 8 zu
Art. 18 JStG).

3.3. Schutzmassnahmen gemäss Art. 12 ff. JStG können nicht nur in einem
Endentscheid, sondern auch schon während des Verfahrens und insofern
"vorsorglich" angeordnet werden (vgl. Art. 5 JStG). Das Gesetz trägt damit der
Tatsache Rechnung, dass der Schutz und die Erziehung des Jugendlichen unter
Umständen rasches Eingreifen gebieten. Bei vorsorglichen Schutzmassnahmen
handelt es sich mit andern Worten um provisorische Sofortmassnahmen zur
umgehenden Gewährleistung des Schutzes und der Erziehung des Jugendlichen. Es
geht um eine Krisenintervention. Voraussetzung dafür sind namentlich ein
dringliches Schutzbedürfnis auf Seiten des Jugendlichen im Sinne einer
psychischen, physischen oder erzieherischen Gefährdungslage sowie die
Notwendigkeit einer unverzüglichen Intervention zur Gefahrenabwehr und
-verhinderung. Überdies muss jede vorsorgliche Schutzmassnahme den
Verfassungsgrundsatz der Verhältnismässigkeit wahren; das heisst, die
vorsorgliche Massnahme muss zur Zielerreichung geeignet und erforderlich sein,
und es muss eine vernünftige Relation zwischen dem Eingriff und dem
angestrebten Ziel bestehen ( GÜRBER/HUG/SCHLÄFLI, a.a.O., Rz. 20 vor Art. 1 und
Rz. 5 zu Art. 10 JStG; STUDER, a.a.O., S. 164 ff., N 426 ff.; HOLDEREGGER,
a.a.O., S. 391 ff.; s.a. RIEDO, a.a.O., S. 98 N. 629 ff. und S. 273 N. 2065
f.).

3.4. Der das Jugendstrafrecht beherrschende Schutz- und Erziehungsgedanke soll
frühestmöglich zum Tragen kommen. Schutzmassnahmen im Sinne von Art. 12 ff.
StGB können daher gemäss Art. 5 JStG bereits während der Untersuchung, also vor
einer allfälligen Hauptverhandlung und Verurteilung, vorsorglich angeordnet
werden (siehe Botschaft, a.a.O., Ziff. 422.1 S. 2223; HOLDEREGGER, a.a.O., S.
392 N. 759). Das Rechtsinstitut der vorsorglichen Anordnung von
Schutzmassnahmen soll aber nicht auf das Untersuchungsverfahren beschränkt
bleiben, sondern muss - über den Wortlaut von Art. 5 JStG hinaus - erst recht
auch während des Massnahmenvollzugs im Hinblick auf eine Änderung der Massnahme
Anwendung finden. So kann aus Sorge um die gedeihliche Entwicklung des
Jugendlichen - wenn die bestehende Massnahme ihren Zweck nicht erreicht und
Gefahr im Verzuge ist - auch im Massnahmenänderungsverfahren unter Umständen
nicht zugewartet werden, bis die ursprüngliche Schutzmassnahme durch die neue
erforderliche und zweckmässige Massnahme definitiv ersetzt wird. Wenn es das
Wohl des Jugendlichen oder allenfalls Dritter gebietet, muss es daher vielmehr
auch im Verfahren nach Art. 18 JStG betreffend Änderung einer Massnahme möglich
und zulässig sein, sofort im Sinne einer Krisenintervention vorsorglich
einzuschreiten. Die Frage nach der Gewährleistung des Jugendschutzes stellt
sich hier nicht anders als im Untersuchungsverfahren. Wegleitend für die
Anwendung des Gesetzes müssen stets die Prinzipien des Schutzes und der
Erziehung des Jugendlichen sein (Art. 2 Abs. 1 JStG). Vorsorgliche
Schutzmassnahmen im Massnahmenvollzug nicht zulassen zu wollen, widerspräche
dem Sinn und Zweck des Jugendstrafrechts. Sofern das Verfahren auf
Massnahmenänderung nach Art. 18 JStG eingeleitet ist, muss die zuständige
Behörde daher in sinngemässer Anwendung von Art. 5 JStG die neue
Schutzmassnahme vorsorglich anordnen können, wenn der Jugendliche in seiner
bisherigen Umgebung einer ernsthaften Gefahr ausgesetzt ist oder er selber eine
Gefahr für seine Umgebung bzw. die Öffentlichkeit darstellt (so ausdrücklich
RIESEN-KUPPER, a.a.O., Rz. 6 zu Art. 18 JStG, s.a. RIEDO, a.a.O., S. 114 N. 747
Fn 134, welcher offenkundig davon ausgeht, vorsorgliche Einweisungen seien auch
im Vollzug möglich). Der Umstand, dass der Jugendliche volljährig geworden ist,
steht einem Verfahren nach Art. 18 JStG und einer damit allfällig
einhergehenden vorsorglichen Unterbringung gemäss Art. 5 i.V.m. Art. 15 JStG
nicht entgegen (so schon für das alte Recht BGE 113 IV 17 E. 2; s.a. GÜRBER/HUG
/ SCHLÄFLI, a.a.O., Rz. 3 zu Art. 5 sowie Rz. 16 zu Art. 18 JStG; vgl. auch
RIEDO, a.a.O., S. 113 N. 745).

3.5. Die zuständige Behörde kann somit Schutzmassnahmen auch während des
Massnahmenvollzugs im Verfahren betreffend Änderung einer Massnahme im Sinne
von Art. 18 sinngemäss gestützt auf Art. 5 JStG vorsorglich anordnen. Ob auch
Art. 9 JStG, welcher u.a. die vorsorgliche stationäre Beobachtung eines
Jugendlichen im Hinblick auf die allfällige Anordnung einer Massnahme regelt,
als gesetzliche Grundlage zur vorsorglichen Unterbringung im Rahmen eines
Massnahmenänderungsverfahrens herangezogen werden könnte, liegt nahe, braucht
im vorliegenden Zusammenhang aber nicht beantwortet zu werden.

4.

4.1. Aus dem Beschluss der Vorinstanz geht hervor, dass der Beschwerdeführer im
Jahr 2014 mehrfach straffällig geworden ist. Am 18. März 2014 wurde er mit
Strafbefehl wegen Diebstahls, mehrfachen, teilweise versuchten Betrugs sowie
Erwerbs, Besitzes und Konsums von Cannabis und Veräusserns von Marihuana mit
einem bedingten Freiheitsentzug von 5 Tagen bestraft und zusätzlich mit der
Schutzmassnahme der persönlichen Betreuung belegt. Mit zwei weiteren
Strafbefehlen vom 13. und 26. Mai 2014 wurde er wegen Erwerbs, Besitzes und
Konsums von Cannabis sowie wegen Besitzes und Tragens einer Waffe ohne
Berechtigung bzw. wegen Erwerbs, Besitzes und Konsums von Cannabis zu einer
persönlichen Leistung von einem Tag bzw. von zwei Halbtagen verurteilt.

4.2. Im Verlaufe der angeordneten Massnahme zeigte sich, dass es nicht möglich
war, dem Beschwerdeführer mit der persönlichen Betreuung die notwendige
Unterstützung zu bieten, eine Stabilisierung zu erreichen und entsprechende
Fortschritte zu erzielen. Wie sich aus dem vorinstanzlichen Beschluss ergibt,
konnten die festgelegten Ziele, u.a. betreffend Weiterführung der Lehre,
genügende Schulleistungen und namentlich Abstinenz von Drogen, nicht erreicht
werden. Der Beschwerdeführer hielt sich nicht an Abmachungen, konsumierte
Suchtmittel in entwicklungsgefährdendem Ausmass und verfügte über keine
Tagesstruktur mehr. Er wurde von der Schule gewiesen. Das Lehrverhältnis wurde
ihm fristlos gekündigt, da sein Verhalten eine Weiterbeschäftigung nicht
zuliess. Ein angemessenes familiäres Zusammenleben war nicht mehr möglich (
Beschluss, S. 8; siehe kantonale Akten, Betreuungsjournal, S. 7 f.).

4.3. Weil der negativen Entwicklung des Beschwerdeführers mit der
Schutzmassnahme der persönlichen Betreuung nicht beizukommen war, eröffnete die
zuständige Jugendanwaltschaft am 26. November 2014 ein
Massnahmenänderungsverfahren im Sinne von Art. 18 JStG, in dessen Rahmen sie
den Beschwerdeführer zu dessen Schutz vorsorglich in die offene Einrichtung
Stiftung Z.________ einwies. Ein Zuwarten bis zum Erlass eines nachträglichen
richterlichen Entscheids war nicht möglich. Es kann auf die zutreffenden
Ausführungen im angefochtenen Beschluss (S. 4) verwiesen werden. Die
vorsorgliche Anordnung der offenen Unterbringung lässt sich, wie die Erwägungen
unter E. 3 zeigen, auf Art. 5 JStG und damit auf eine hinreichende gesetzliche
Grundlage stützen. Eine Verletzung des Legalitätsprinzips im Zusammenhang mit
dem Grundrecht der persönlichen Freiheit ist unter diesen Umständen nicht
ersichtlich. Die Vorbringen in der Beschwerde sind unbehelflich. Im
Massnahmenänderungsverfahren gemäss Art. 18 JStG geht es nicht um die Eröffnung
einer (neuen) Strafuntersuchung. Es liegt bereits ein rechtskräftiges Urteil
vor. Vielmehr geht es um die Überprüfung der Zweckmässigkeit der ursprünglich
angeordneten Schutzmassnahme und deren allfällige Ersetzung durch die
zweckmässige Massnahme gemäss den gesetzlichen Bestimmungen. Dass der
Beschwerdeführer während der laufenden Schutzmassnahme der persönlichen
Betreuung volljährig geworden ist, steht einem Verfahren nach Art. 18 JStG und
einer damit einhergehenden vorsorglichen Unterbringung gemäss Art. 5 i.V.m.
Art. 15 JStG nicht entgegen.

4.4. Offene Unterbringungen haben in der Regel eher geringfügigere
Freiheitsbeschränkungen zur Folge, die gewöhnlich nicht über das Ausmass und
die Intensität von Beschränkungen hinausgehen, welchen auch Jugendliche
unterliegen, die in einer Familie aufwachsen. Insofern haben vorsorgliche
offene Heimeinweisungen nicht stets und in jedem Fall freiheitsentziehende
Wirkung (vgl. KERSTIN SCHRÖDER, Freiheitsentzug im Jugendstrafverfahren, Diss.
Zürich 2011, S. 13 f. mit Hinweisen). Wird eine vorsorgliche offene
Unterbringung allerdings vorübergehend geschlossen vollzogen, liegt ein
Freiheitsentzug im Sinne von Art. 5 EMRK vor. Die vorsorgliche Einweisung des
Beschwerdeführers in die offene Einrichtung der Stiftung Z.________ erfolgte
während der Eintrittsphase für die Dauer von maximal drei Monaten geschlossen
und war insofern freiheitsentziehend. Entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers ist eine Verletzung von Art. 5 EMRK jedoch nicht erkennbar.
Zwar kann seine mit der vorsorglichen Unterbringung einhergehende
Freiheitsentziehung aufgrund seiner Volljährigkeit nicht auf Art. 5 Abs. 1 lit.
d EMRK (überwachter Erziehungsaufenthalt Minderjähriger) gestützt werden. Den
Ausführungen in der Beschwerde ist insofern zuzustimmen. Wie die Vorinstanz
indes richtig erkennt, lässt sich die vorsorgliche Anordnung der Unterbringung
auf Art. 5 Abs. 1 lit. a EMRK stützen. Nach dieser Konventionsbestimmung muss
die spätere Sanktion vom ursprünglichen Zweck der ersten Verurteilung
inhaltlich noch getragen werden (BGE 136 IV 156 E. 3.2 und 3.3. S. 161 f.). Der
Beschwerdeführer wurde mit Strafbefehl vom 18. März 2014 rechtskräftig
verurteilt. Nach ständiger Rechtsprechung genügt das Strafbefehlsverfahren
grundsätzlich den Anforderungen von Art. 5 Abs. 1 lit. a EMRK (Urteil des EGMR
vom 23. November 2010, Wenner vs. Slovakia, Nr. 14579/05 Ziff. 1; MICHAEL
DAPHINOFF, Das Strafbefehlsverfahren in der Schweizerischen
Strafprozessordnung, Diss. 2012 Zürich, S. 90). Im Strafbefehl wurde neben
einer Strafe die Schutzmassnahme der persönlichen Betreuung angeordnet. Der
Strafbefehl und die darin angeordnete Massnahme bilden Rechtsgrund für die
nachträgliche vorsorgliche Unterbringung des Beschwerdeführers (vgl. dazu
MEYER-LADEWIG, Europäische Menschenrechtskonvention, Handkommentar, 3. Aufl.
2011, N. 25 und 26 zu Art. 5 EMRK; GRABENWARTER/PABEL, Europäische
Menschenrechtskonvention, 5. Aufl. 2012, § 21 N. 12). Denn mit der Anordnung
der persönlichen Betreuung im Strafbefehl wurde die in Art. 18 JStG vorgesehene
spätere Abänderung dieser Schutzmassnahme und deren Ersetzung durch eine andere
Massnahme, namentlich eine Unterbringung, vorbehalten. Das entspricht dem im
Jugendstrafrecht geltenden System der jederzeitigen Massnahmenabänderbarkeit
(vgl. E. 3.2; vgl. auch Urteil 6B_135/2012 vom 18. April 2012 E. 1.3 und 1.4).
Die Anordnung einer Massnahme impliziert spätere Anpassungen im Verlaufe des
Vollzugs. Die vom EGMR geforderte "sufficient causal connection" im Sinne von
Art. 5 Abs. 1 lit. a EMRK zwischen dem Haupturteil und der vorsorglichen
Anordnung der Schutzmassnahme ist gegeben. Die durch die vorsorgliche
Unterbringung bewirkte Freiheitsbeschränkung bzw. -entziehung bewegt sich
folglich noch innerhalb des durch den Strafbefehl gezogenen Rahmens und hält
mithin vor der EMRK stand (vgl. BGE 121 IV 308 E. 3a-c; siehe auch Botschaft,
a.a.O., Ziff. 423.27 S. 2240; HOLDEREGGER, a.a.O., S. 306 N. 580). Ob die
Freiheitsentziehung des Beschwerdeführers auch auf Art. 5 Abs. 1 lit. e EMRK
(Freiheitsentziehung u.a. bei psychischer Krankheit oder Rauschgiftsucht)
gestützt werden könnte, kann unter diesen Umständen offen bleiben. Auf die
diesbezüglichen Ausführungen des Beschwerdeführers braucht nicht eingegangen zu
werden.

4.5. Dass und inwiefern die vorsorglich angeordnete offene Unterbringung des
Beschwerdeführers gegen das Verhältnismässigkeitsprinzip verstossen könnte, ist
unter den gegebenen Umständen ebenfalls nicht ersichtlich. Aufgrund der
Erfahrungen im Rahmen der persönlichen Betreuung des Beschwerdeführers ist
nicht davon auszugehen, dass die vorsorgliche Anordnung weniger weitgehender
Schutzmassnahmen ebenso geeignet gewesen wäre wie die Unterbringung. Mit
ambulanten Massnahmen war der akuten Entwicklungsgefährdung des
Beschwerdeführers offenkundig nicht (mehr) beizukommen. Die vorsorgliche
Unterbringung erweist sich unter diesen Umständen als notwendig. Sie eröffnet
dem Beschwerdeführer überdies eine Perspektive insbesondere im Hinblick auf die
Stabilisierung seiner Lebenssituation mit Erarbeitung einer Anschlusslösung,
Verhinderung weiteren Suchtmittelkonsums und Vermeidung einer chronischen
Abhängigkeit. Die vorsorgliche Unterbringung ist damit auch geeignet, der
Gefährdung des Beschwerdeführers entgegenzuwirken. Seine dagegen vorgebrachten
Einwände ändern an dieser Einschätzung nichts. Er übersieht, dass ihm nicht
vorgeworfen wird, sein Leben nicht traditionell gemäss den Wünschen und
Vorstellungen seiner Eltern und den Zielen der Jugendanwaltschaft zu gestalten.
Vielmehr ging und geht es darum, seiner akuten Entwicklungsgefährdung adäquat
und nachhaltig zu begegnen. Soweit er in dieser Hinsicht bagatellisierend nur
von einer "derzeitigen Arbeitslosigkeit" und lediglich "angeblichem
Marihuanakonsum" spricht, entfernt er sich, ohne Willkür geltend zu machen, in
unzulässiger Weise vom vorinstanzlich festgestellten Sachverhalt zur
Gefährdungslage (Art. 106 Abs. 2 BGG). Ergänzend ist an dieser Stelle darauf
hinzuweisen, dass der Therapeut der Stiftung Z.________ die Auffassung vertrat,
der Beschwerdeführer laufe Gefahr, aufgrund seines Suchtmittelkonsums an einer
Psychose zu erkranken (kantonale Akten, Betreuungsjournal, S. 10). Nicht
ersichtlich ist, dass und weshalb die vorsorgliche Unterbringung infolge
Volljährigkeit des urteilsfähigen Beschwerdeführers sachlich nicht
gerechtfertigt sein könnte. Aus Art. 19 Abs. 2 JStG geht hervor, dass die vom
Gesetz vorgesehenen Massnahmen im Sinne von Art. 15 JStG über die Mündigkeit
hinaus bis zur Vollendung des 22. Altersjahrs andauern können.

5. 
Die Vorinstanz befasst sich im angefochtenen Entscheid mit allen wesentlichen
Gesichtspunkten. Ihre Erwägungen sind hinreichend klar und vollständig, um eine
sachgerechte Anfechtung zu ermöglichen. Der Beschwerdeführer verkennt, dass
sich die zuständigen Behörden bzw. Gerichte nicht mit allen Parteistandpunkten
auseinandersetzen und nicht jedes Vorbringen explizit widerlegen müssen (BGE
139 IV 179 E. 2.2; 138 IV 81 E. 2.2; 138 I 232 E. 5.1; je mit Hinweisen). Dass
die Vorinstanz einen Entscheid des Obergerichts des Kantons Zürich nicht als
einschlägig erachtete, ist nicht willkürlich. Von einer Verletzung des
rechtlichen Gehörs oder von Willkür kann daher nicht gesprochen werden, soweit
auf die Beschwerde mangels diesbezüglich genügender Begründung überhaupt
einzutreten ist (Art. 42 Abs. 2 und Art. 106 Abs. 2 BGG).

6. 
Der angefochtene Entscheid ist unter keinem Gesichtspunkt zu beanstanden. Die
Beschwerde ist aus den dargelegten Gründen abzuweisen, soweit darauf
eingetreten werden kann. Der Beschwerdeführer ersucht um unentgeltliche
Prozessführung und Verbeiständung. Da die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt
sind, kann dem Gesuch entsprochen werden (Art. 64 BGG). Es sind keine Kosten zu
erheben (Art. 66 Abs. 1 und 4 BGG). Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
ist angemessen zu entschädigen.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2. 
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung wird gutgeheissen.

3. 
Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

4. 
Rechtsanwalt Lukas Bürge wird für das bundesgerichtliche Verfahren aus der
Bundesgerichtskasse mit Fr. 3'000.-- entschädigt.

5. 
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Bern,
Strafabteilung, Beschwerdekammer in Strafsachen, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 22. April 2015

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Denys

Die Gerichtsschreiberin: Arquint Hill

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