Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.1180/2015
Zurück zum Index Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 2015
Retour à l'indice Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 2015


Wichtiger Hinweis:
Diese Website wird in älteren Versionen von Netscape ohne graphische Elemente
dargestellt. Die Funktionalität der Website ist aber trotzdem gewährleistet.
Wenn Sie diese Website regelmässig benutzen, empfehlen wir Ihnen, auf Ihrem
Computer einen aktuellen Browser zu installieren.
Zurück zur Einstiegsseite Drucken
                                                               Grössere Schrift

Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

[8frIR2ALAGK1]     
{T 0/2}
                   
6B_1180/2015

Urteil vom 13. Mai 2016

Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Denys, Präsident,
Bundesrichter Oberholzer, Rüedi,
Gerichtsschreiber Boog.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Matthias Brunner,
Beschwerdeführer,

gegen

Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Versuchte schwere Körperverletzung (Eventualvorsatz); Verletzung des
Anklagegrundsatzes,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich, I.
Strafkammer, vom 3. September 2015.

Sachverhalt:

A.
X.________ rannte am Donnerstag, 4. Oktober 2012, gegen 21.00 Uhr, in
Turbenthal von hinten auf die auf dem Trottoir dorfauswärts gehende A.________
zu und griff sie an, indem er ihr mit beiden Händen von hinten auf den Kopf
presste und sie in seitlicher Drehung zu Boden drückte. Als sie auf dem Rücken
auf dem Boden lag, zerrte er sie am Handgelenk zwei bis vier Meter zum neben
der Strasse gelegenen Holzhäuschen, warf sich im Bereich der Hausecke auf sie,
zerrte zwei bis drei Mal heftig an ihrer Gurtschnalle und hielt ihr den Mund
zu, als sie zu schreien begann. A.________ setzte sich durch die Annahme, er
wolle den Gurt öffnen und sie vergewaltigen, in Panik versetzt, mit Händen und
Füssen zur Wehr und biss X.________ in die Hand, mit welcher er ihr den Mund
zuhielt. X.________ stellte sich daraufhin auf der Höhe ihres Kopfes neben die
am Boden liegende Frau und trat ihr mit dem Fuss mindestens zwei Mal sowie
mehrfach, mindestens zwei Mal, mit dem Knie gegen den Kopf, insbesondere auch
gegen das Gesicht. Ehe er von A.________ abliess, presste er sie mit beiden
Händen auf Brusthöhe kräftig gegen den Oberkörper zu Boden. A.________ erlitt
durch die Gewalteinwirkung eine leichte Gehirnerschütterung mit starken
Kopfschmerzen, mehrere Blutergüsse an der linken Schläfe, an der linken Wange,
an der Oberlippe sowie an der Bindehaut des linken Auges sowie am Hinterkopf,
am linken Unterarm und am linken Knie. Sie war während einer Woche
arbeitsunfähig.
Am 29. Juni 2013 und am 21. März 2013 griff X.________ in gleicher Weise zwei
weitere Frauen an, indem er sie zu Boden drückte, sich mit seinem ganzen
Körpergewicht auf sie warf und sie schlug oder zumindest zu schlagen versuchte.
Beide Opfer erlitten einfache Körperverletzungen.

B.
Das Bezirksgericht Winterthur erklärte X.________ mit Urteil vom 20. August
2014 der versuchten schweren Körperverletzung sowie der mehrfachen einfachen
Körperverletzung schuldig und verurteilte ihn zu 4 Jahren Freiheitsstrafe,
wobei es 126 Tage Haft anrechnete und vormerkte, dass sich X.________ seit dem
28. November 2013 im vorzeitigen Strafvollzug befand. Ferner ordnete es eine
stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB (Behandlung von
psychischen Störungen) an. Im Weiteren stellte es die grundsätzliche
Schadenersatzpflicht des Beurteilten gegenüber den drei Opfern fest und verwies
die Begehren zur genauen Festsetzung des Umfangs auf den Weg des
Zivilprozesses. Schliesslich verpflichtete es X.________ zur Zahlung von
Genugtuungen.
Auf Berufung des Beurteilten und Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft
sprach das Obergericht des Kantons Zürich am 3. September 2015 X.________ der
versuchten schweren Körperverletzung schuldig und bestrafte ihn mit 4 Jahren
Freiheitsstrafe, unter Anrechnung von 473 Tagen Untersuchungs- und
Sicherheitshaft sowie des vorzeitigen Strafvollzuges. Ferner ordnete es eine
stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB an und merkte
vor, dass sich X.________ seit dem 11. November 2014 im vorzeitigen
Massnahmevollzug befand. In den übrigen Punkten stellte es fest, dass das
erstinstanzliche Urteil in Rechtskraft erwachsen war.

C.
X.________ führt Beschwerde in Strafsachen. Er beantragt, das angefochtene
Urteil sei aufzuheben, er sei der mehrfachen einfachen Körperverletzung
schuldig zu sprechen und zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten, unter
Anrechnung der ausgestandenen Haft, zu verurteilen. Überdies ersucht er um
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege.

Erwägungen:

1.

1.1. Der Beschwerdeführer rügt zunächst eine Verletzung des Anklagegrundsatzes.
Die Anklageschrift lege ihm zur Last, er habe der Privatklägerin die im
Einzelnen umschriebenen einfachen Körperverletzungen zugefügt. Im
Eventualstandpunkt werfe sie ihm vor, er habe in Kauf genommen, dass die
Privatklägerin durch die Fusstritte und Kniestösse gegen den Kopf und das
Gesicht Verletzungen mit lebensgefährlichen Folgen oder bleibenden Schäden
hätte erleiden können. Die Informationsfunktion der Anklageschrift erfordere,
dass der Vorwurf der eventualvorsätzlichen schweren Körperverletzung unter
genauer Beschreibung aller Umstände und unter Aufführung der massgebenden
Erfahrungssätze und der Grösse des dem Angeschuldigten bekannten Risikos der
Tatbestandsverwirklichung konkretisiert werde, aus welchen auf das Vorliegen
des Eventualvorsatzes geschlossen werde. Der Beschuldigte müsse der
Anklageschrift entnehmen können, aufgrund welcher tatsächlicher Umstände ihm
ein Straftatbestand vorgeworfen werde und aufgrund welcher Umstände auf das
Vorliegen des Eventualvorsatzes geschlossen werde. Diesen Anforderungen werde
die Anklageschrift im zu beurteilenden Fall nicht gerecht. Es genüge nicht,
dass die Anklageschrift im Eventualstandpunkt lediglich das äussere Geschehen
sowie die erlittenen Verletzungen umschreibe und um den Wortlaut von Art. 12
StGB ergänze. Sie hätte vielmehr umschreiben müssen, welche Tatbestandsvariante
von Art. 122 StGB ihm vorgeworfen werde. Der Vorwurf, er hätte der
Privatklägerin Verletzungen zufügen können, welche zu lebensgefährlichen Folgen
oder bleibenden Schäden führen könnten, sei zu ungenau. Zudem sei eine
Verletzung, die zu lebensgefährlichen Folgen führen könne, keine gesetzliche
Tatbestandsvariante und mithin auch keine Konkretisierung einer solchen. Sowohl
das Kriterium der Unmittelbarkeit der Lebensgefahr als auch dasjenige der
ernstlichen und dringlichen Wahrscheinlichkeit eines Todeseintritts im Sinne
von Art. 122 Abs. 1 StGB seien etwas anderes als die angeklagte blosse
Möglichkeit lebensgefährlicher Folgen. Zudem konkretisiere die Anklageschrift
auch nicht ansatzweise, inwiefern durch die Fusstritte und Kniestösse eine
Lebensgefahr hätte entstehen können. Auch die weitere Umschreibung des
Anklageschrift, dass die Schläge zu bleibenden Schäden hätten führen können,
entspreche augenscheinlich nicht den Tatbestandserfordernissen von Art. 122
StGB. Der in der Anklageschrift umschriebene Vorwurf genüge für eine
Verurteilung wegen versuchter schwerer Körperverletzung nicht (Beschwerde S. 4
ff.).
Der Beschwerdeführer rügt im Weiteren eine Verletzung des Anklagegrundsatzes
auch unter dem Gesichtspunkt der Umgrenzungsfunktion.
Die Vorinstanz lege ihrem Urteil verschiedene Sachverhaltselemente zugrunde,
welche in der Anklageschrift nicht umschrieben seien. Dies gelte etwa für den
Umstand, dass sich die Privatklägerin erfolglos gewehrt und dies seine Wut noch
gesteigert habe, sowie für den emotionalen Ausnahmezustand, in welchem sich die
Privatklägerin befunden haben müsse, was eine wirksame Abwehr zusätzlich
erschwert habe. Die Vorinstanz gehe auch davon aus, dass die Fusstritte mit
einer gewissen Wucht bzw. mit einem nicht unerheblichen Kraftaufwand erfolgt
seien, obwohl sich weder den Akten noch der Anklageschrift etwas über die
Heftigkeit der Fusstritte entnehmen lasse. Diese Annahmen seien von der
Anklageschrift nicht umfasst. Ebenfalls nicht umschrieben sei der emotionale
Zustand, in welchem er sich während der Tatbegehung befunden habe, der nach
Auffassung der Vorinstanz dagegen spreche, dass er die Intensität seiner Tritte
und Kniestösse habe steuern und den Eintritt schwerer Verletzungen
ausschliessen können. Die Anklageschrift verletze damit auch das
Immutabilitätsprinzip (Beschwerde S. 8 ff.).

1.2. Die Vorinstanz verneint eine Verletzung des Anklageprinzips. Es treffe
zwar zu, dass die Anklageschrift nicht explizit umschreibe, welche Verletzungen
mit lebensgefährlichen Folgen der Beschwerdeführer mit seinem im
Hauptanklagepunkt umschriebenen Verhalten in Kauf genommen habe. Die
Anklageschrift sei aber nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck der
Umgrenzung des Prozessgegenstandes und der Information der beschuldigten
Person. Dem Beschwerdeführer werde im Eventualstandpunkt eine
eventualvorsätzlich begangene versuchte schwere Körperverletzung vorgeworfen.
Damit bleibe der Anklagevorwurf hinsichtlich des äusseren Sachverhalts gleich,
entsprechend sei auch die entsprechende Umschreibung in der Anklageschrift
identisch. Da beim Versuch nicht alle objektiven Tatbestandsmerkmale erfüllt
seien, genüge es, wenn in der Eventualanklage der Vorwurf hinsichtlich des
subjektiven Tatbestandes hinreichend umschrieben sei. Dies sei hier der Fall.
Es sei völlig klar, was dem Beschwerdeführer im Eventualstandpunkt sowohl in
objektiver als auch in subjektiver Hinsicht vorgeworfen werde. Es gehöre zum
Allgemeinwissen, dass Tritte gegen den Kopf unter Umständen zu
lebensgefährlichen Verletzungen führen könnten. Zur Wahrung der
Verteidigungsrechte sei es nicht nötig, die einer möglichen Lebensgefahr
zugrunde liegenden medizinischen Vorgänge zu nennen, zumal sich der Erfolg bei
einer versuchten Tatbegehung ja gerade nicht verwirkliche (angefochtenes Urteil
S. 11 f.).

1.3.

1.3.1. Nach Art. 9 Abs. 1 StPO kann eine Straftat nur gerichtlich beurteilt
werden, wenn die Staatsanwaltschaft gegen eine bestimmte Person wegen eines
genau umschriebenen Sachverhalts beim zuständigen Gericht Anklage erhoben hat
(vgl. Art. 325 StPO). Der aus Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV abgeleitete
Anklagegrundsatz verlangt, dass die Anklage einerseits die Person bestimmt,
gegen die sich das Strafverfahren richtet, und andererseits den Sachverhalt
umreisst, der Gegenstand der gerichtlichen Beurteilung bildet
(Umgrenzungsfunktion; vgl. auch Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 lit. a und b EMRK).
Das Anklageprinzip bezweckt darüberhinaus den Schutz der Verteidigungsrechte
der beschuldigten Person (Informationsfunktion) und garantiert den Anspruch auf
rechtliches Gehör (BGE 140 IV 188 E. 1.3; 133 IV 235 E. 6.2 f.; 126 I 19 E. 2a
mit Hinweisen). Diese muss aus der Anklage ersehen können, was ihr konkret
vorgeworfen wird, damit sie ihre Verteidigungsrechte angemessen ausüben kann.
Sie darf nicht Gefahr laufen, erst an der Gerichtsverhandlung mit neuen
Anschuldigungen konfrontiert zu werden (vgl. Urteile 6B_492/2015 vom 2.
Dezember 2015 E. 2.2, nicht publ. in: BGE 141 IV 437; 6B_1079/2015 vom 29.
Februar 2016 E. 1.1; 6B_1073/2014 vom 7. Mai 2015 E. 1.2, je mit Hinweisen).
Dies bedingt eine zureichende, d.h. möglichst kurze, aber genaue (Art. 325 Abs.
1 lit. f StPO) Umschreibung der Sachverhaltselemente, die für eine Subsumtion
unter die anwendbaren Straftatbestände erforderlich sind. Ungenauigkeiten sind
solange nicht von entscheidender Bedeutung, als für die beschuldigte Person
keine Zweifel darüber bestehen, welches Verhalten ihr angelastet wird (Urteil
6B_100/2014 vom 18. Dezember 2014 E. 2.3.1 mit Hinweis). Überspitzt
formalistische Anforderungen dürfen an die Anklageschrift nicht gestellt werden
(vgl. Urteil 6B_966/2009 vom 25. März 2010 E.3.3).
Das Gericht ist an den in der Anklage wiedergegebenen Sachverhalt gebunden,
nicht aber an dessen rechtliche Würdigung durch die Anklagebehörde (Art. 350
StPO; BGE 133 IV 235 E. 6.3; 126 I 19 E. 2a). Die Feststellung des Sachverhalts
ist Aufgabe des Gerichts (6B_716/2014 vom 17. Oktober 2014 E. 2.3). Ergibt das
gerichtliche Beweisverfahren, dass sich das Tatgeschehen in einzelnen Punkten
anders abgespielt hat, als im Anklagesachverhalt dargestellt, so hindert der
Anklagegrundsatz das Gericht nicht, die beschuldigte Person aufgrund des
abgeänderten Sachverhaltes zu verurteilen, sofern die Änderungen für die
rechtliche Qualifikation des Sachverhalts nicht ausschlaggebende Punkte
betreffen und die beschuldigte Person Gelegenheit hatte, dazu Stellung zu
nehmen (Urteil des Bundesgerichts 6B_292/2009 vom 16. Oktober 2009 E. 1.2 mit
Hinweisen).

1.3.2. Gemäss Art. 325 Abs. 2 StPO kann die Staatsanwaltschaft eine
Alternativanklage oder für den Fall der Verwerfung ihrer Hauptanklage eine
Eventualanklage erheben, wenn eindeutige tatsächliche Feststellungen zwar nicht
möglich sind, aber doch feststeht, dass die beschuldigte Person sich in jeder
der in Betracht fallenden Sachverhaltsalternativen schuldig gemacht haben
könnte (Urteil 6B_604/2012 vom 16. Januar 2014 E. 2.3.1). Es ist Sache des
Gerichts, allenfalls widersrpüchliche Beweisergebnisse zu würdigen und den
Sachverhalt verbindlich festzustellen (NIKLAUS OBERHOLZER, a.a.O., 3. Aufl.
2012, N 626; zum Begriff der Eventualanklage vgl. FABBRI/NOTO, Die Eventual-
und Alternativanklage im Lichte des Akkusationsprinzips, AJP 2012, S. 899;
NIKLAUS SCHMID, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 2 Aufl.,
Art. 325 N 16; MARTIN SCHUBARTH, in: Commentaire Romand, Code de procédure
pénale suisse, 2011, Art. 325 N 39).

1.4.

1.4.1. Im Anklagepunkt der Körperverletzung zum Nachteil von A.________ führt
die Anklageschrift in Bezug auf den subjektiven Tatbestand aus:
Der Beschuldigte X.________ wusste anlässlich seines Handelns um die
Möglichkeit der hervorgerufenen Verletzungen, und er nahm diese in Kauf.

Eventualiter wusste er, dass er der Geschädigten A.________ mit den Fusstritten
und Kniekicken gegen den Kopf und das Gesicht Verletzungen hätte beifügen
können, welche für Letztere zu lebensgefährlichen Folgen oder bleibenden
Schäden hätten führen können, welcher der Beschuldigte durch sein Vorgehen
zumindest in Kauf nahm.

X.________ hat sich eventualiter der versuchten schweren Körperverletzung im
Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig
gemacht.

1.4.2. Das angefochtene Urteil verletzt kein Bundesrecht. Die Anklageschrift
umreisst das Prozessthema und ermöglicht eine angemessene Verteidigung. Sie
umschreibt den äusseren Tathergang und die einzelnen dem Beschwerdeführer
vorgeworfenen Handlungen hinreichend deutlich. Dies gilt, wie auch der
Beschwerdeführer anerkennt (Beschwerde S. 9), namentlich für die Zahl der
Tritte, den Ort der betroffenen Körperregion, die Position und das
Abwehrverhalten der Privatklägerin und die Art der erlittenen Verletzungen. Es
war für ihn mithin in klarer Weise erkennbar, durch welche Handlungen er den
Tatbestand der Körperverletzung erfüllt haben soll. Hiegegen erhebt der
Beschwerdeführer denn auch keine Einwände (Beschwerde S. 3). Er stellt sich
aber auf den Standpunkt, die eventualiter erhobene Anklage der versuchten
schweren Körperverletzung genüge den Anforderungen des Anklagegrundsatzes
nicht. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ist das Anklageprinzip in
seiner Informationsfunktion indes nicht verletzt. Wie die Vorinstanz zutreffend
erwägt, geht die Eventualanklage der versuchten schweren Körperverletzung vom
selben Tatablauf aus wie die Hauptanklage, so dass der äussere Lebensvorgang
der Körperverletzung unverändert bleibt. Eine Ergänzung erfolgt lediglich in
Bezug auf den subjektiven Tatbestand. Dieser ist, wie die Vorinstanz mit Recht
annimmt, genügend klar erkennbar. Auf die inneren Tatsachen wird in der
Eventualanklage aufgrund der konkreten äusseren Umstände geschlossen (vgl.
CHRISTIAN JOSI, "Kurz und klar, träf und wahr" - die Ausgestaltung des
Anklageprinzips in der Schweizerischen Strafprozessordnung, ZStrR 127/2009, S.
85). Diese ergeben sich aus dem in der Hauptanklage einlässlich geschilderten
Tatablauf. Ob der Tatbestand tatsächlich erfüllt ist, bestimmt sich nach dem
Ergebnis des Beweisverfahrens.
Aus der Anklageschrift wird auch hinreichend deutlich, unter welche
Tatvarianten die Anklageschrift das Verhalten des Beschwerdeführers subsumiert.
Aus der Formulierung, dem Beschwerdeführer sei bewusst gewesen, dass die
Fusstritte gegen den Kopf und das Gesicht der Privatklägerin Verletzungen mit
lebensgefährlichen Folgen oder bleibenden Schäden hätten bewirken können,
ergibt sich klar, dass die Tatvarianten der lebensgefährlichen Körperverletzung
gemäss Art. 122 Abs. 1 StGB bzw. der anderen schweren Körperverletzung im Sinne
der Generalklausel nach Art. 122 Abs. 3 StGB angesprochen sind. Die konkrete
Beschreibung des einer Lebensgefahr bzw. einer anderen schweren Schädigung des
Körpers oder der Gesundheit zugrunde liegenden möglichen medizinischen
Geschehens ist zur Wahrung der Verteidigungsrechte nicht notwendig. Die
Vorinstanz verletzt daher kein Bundesrecht, wenn sie zum Schluss gelangt, für
den Beschwerdeführer sei es völlig klar gewesen, was ihm in objektiver und
subjektiver Hinsicht vorgeworfen worden ist, und er habe sich angemessen
verteidigen können. Im Übrigen hat die Staatsanwaltschaft in der
Berufungsverhandlung auf Einladung der Vorinstanz ihre Anklage ergänzt
(angefochtenes Urteil S. 10; zweitinstanzliches Protokoll, act. 135A S. 14
ff.), so dass allfällige Unklarheiten spätestens in diesem Zeitpunkt beseitigt
waren.
Unbegründet ist die Beschwerde auch, soweit der Beschwerdeführer rügt, die
Vorinstanz habe ihrem Urteil Sachverhaltselemente zugrunde gelegt, welche in
der Anklageschrift nicht umschrieben seien. Es trifft zu, dass die
Anklageschrift nicht explizit ausführt, dass die erfolglose Abwehr der
Privatklägerin die Aggressionen und die Wut des Beschwerdeführers noch
gesteigert haben und dass die Fusstritte und Kniestösse mit einer gewissen
Wucht erfolgt sind. Doch lässt sich dies, wie auch der Beschwerdeführer
anerkennt (Beschwerde S. 9), aus der Anklageschrift jedenfalls herauslesen.
Wesentlich ist jedoch, dass diese Erwägungen der Vorinstanz Ergebnis ihrer
Beweiswürdigung sind, welche nicht in der Anklageschrift abzuhandeln ist,
sondern dem Gericht vorbehalten bleibt. Dies gilt auch, soweit die Vorinstanz
zum Schluss gelangt, der Beschwerdeführer sei bei dem Übergriff ausgerastet und
habe die Kontrolle vollständig verloren. Eine Verletzung des Anklagegrundsatzes
ist daher auch in seiner Umgrenzungsfunktion nicht ersichtlich.

2.

2.1. In der Sache nimmt die Vorinstanz in tatsächlicher Hinsicht zunächst an,
die mehrfachen Fusstritte und Kniestösse seien - zumindest nach der Wahrnehmung
der Privatklägerin - von erheblicher Intensität gewesen. So habe die
Privatklägerin anlässlich der polizeilichen Einvernahme erklärt, die Schläge
gegen ihren linken Vorderkopf hätten sehr stark geschmerzt und sie habe das
Gefühl gehabt, dass ihr Kopf davon "zerdrückt" würde; sie habe auch Angst vor
etwaigen Knochenbrüchen gehabt. Auch aufgrund des Verletzungsbildes (leichte
Hirnerschütterung sowie multiple Blutergüsse, insbesondere an der Bindehaut und
an der linken Schläfe) sei von einer nicht unerheblichen Einwirkung auf den
Kopfbereich der Privatklägerin auszugehen. Dies werde durch die Angaben des
Beschwerdeführers im Untersuchungsverfahren bestätigt, wonach die Tritte gegen
den Kopf der Privatklägerin völlig unkontrolliert gewesen seien. Im Einzelnen
habe er ausgesagt, er sei einfach unkontrolliert ausgerastet; sein Verstand
habe in diesem Moment ausgesetzt. Er habe nur gemerkt, dass sich die
Privatklägerin stark wehrte, was seine Wut noch gesteigert habe. Aufgrund der
vergleichsweise gering ausgefallenen (physischen) Verletzungen sei indes davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführer kein schweres Schuhwerk getragen habe. Da
im vorliegenden Fall der Vorwurf einer versuchten eventualvorsätzlichen
Tatbegehung im Vordergrund stehe, komme der Frage nach der tatsächlichen
Intensität der Tritte indes nur untergeordnete Bedeutung zu. Entscheidend sei
vielmehr, welche Folgen der Beschwerdeführer für möglich gehalten und in Kauf
genommen habe (angefochtenes Urteil S. 16 ff.).

2.2. Die Vorinstanz gelangt in rechtlicher Hinsicht zum Schluss, die
Vorgehensweise des Beschwerdeführers sei aufgrund der konkreten Tatumstände als
versuchte schwere Körperverletzung zu qualifizieren. Dies gelte auch, wenn der
Beschwerdeführer gemäss erstelltem Sachverhalt nicht "mit voller", sondern
lediglich "mit einer gewissen Wucht" zugetreten habe. Denn er sei nach seinen
eigenen Aussagen ausgerastet und der Übergriff sei in einer Kurzschlusshandlung
erfolgt. In diesem Gemütszustand habe er unmöglich in der Lage sein können, die
Intensität seiner wiederholten Tritte und Kniestösse derart zu steuern, dass er
den Eintritt schwerer Verletzungen hätte ausschliessen können. Der während des
gesamten Verfahrens vom Beschwerdeführer selbst beschriebene emotionale Zustand
während der Tatbegehung spreche eindeutig gegen einen bewusst gemässigten
Krafteinsatz. Dies werde auch durch die Aussage des Beschwerdeführers
bekräftigt, wonach die (versuchte) Gegenwehr der Privatklägerin noch mehr
Aggressionen in ihm ausgelöst habe. Er habe sich im Moment seines Handelns -
trotz vorhandenem Wissen über die Möglichkeit eines Erfolgseintritts einer
schweren Körperverletzung - offensichtlich überhaupt keine Gedanken über die
Folgen seines Angriffs und damit auch nicht über die Heftigkeit seiner Tritte
gegenüber der am Boden liegenden Privatklägerin gemacht. Es könne daher auch
nicht die Rede davon sein, dass der Beschwerdeführer hätte darauf vertrauen
können, dass sich die Gefahr lebensgefährlicher Verletzungen nicht
verwirklichen würde. Wer völlig unkontrolliert und ohne jegliche Zurückhaltung
- wenn auch mit leichtem Schuhwerk - mehrmals auf den Kopf einer am Boden
liegenden Person eintrete, ihr hernach in gleicher Art und Weise auch
Kniestösse versetze und sich durch ihre Gegenwehr noch provozieren lasse, könne
gar nicht anders, als den Deliktserfolg einer schweren Körperverletzung (z.B.
Lebensgefahr, Verstümmelung eines wichtigen Organs, arge und bleibende
Entstellung des Gesichts) ernstlich in Rechnung zu stellen, und lasse es
offensichtlich "drauf ankommen". Dem Beschwerdeführer habe sich die
Wahrscheinlichkeit des Erfolgseintritts als so gross aufdrängen müssen, dass
seine Vorgehensweise nicht anders denn als Inkaufnahme des als möglich
erkannten Erfolgs ausgelegt werden könne. Seine Vorgehensweise habe ihm
allenfalls noch die Hoffnung erlaubt, die Sache werde glimpflich ausgehen. Die
blosse Hoffnung auf das Ausbleiben des tatbestandsmässigen Erfolgs schliesse
eine Inkaufnahme im Sinne eventualvorsätzlicher Tatbegehung aber nicht aus
(angefochtenes Urteil S. 21 ff.).

2.3. Der Beschwerdeführer wendet sich gegen den Schuldspruch der versuchten
schweren Körperverletzung. Er bringt zunächst vor, nach den Feststellungen der
Vorinstanz sei weder von einer besonderen Heftigkeit der Tritte auszugehen,
noch sei das Opfer abwehrunfähig gewesen noch habe es signifikant schwere
Verletzungen erlitten. Angesichts der dokumentierten geringen Blessuren hätten
die Tritte nur gerade eine für Tätlichkeiten typische Intensität erreicht. Im
Rahmen der Strafzumessung habe die Vorinstanz dementsprechend angenommen, eine
schwerwiegende Beeinträchtigung der körperlichen Integrität der Privatklägerin
habe weit entfernt gelegen. Das aktenmässig belegte Verletzungsbild sowie die
medizinischen Befunde ergäben nicht die geringsten Hinweise darauf, dass das
effektive Tatgeschehen mit einem relevanten Risiko der Verwirklichung einer
Tatbestandsvariante von Art. 122 StGB einhergegangen wäre. Es lägen auch keine
aggravierenden Umstände vor, welche den Schluss auf eventualvorsätzliches
Handeln zuliessen. Die Vorinstanz wische die gegen eine schwere
Körperverletzung sprechenden Anhaltspunkte beiseite, indem sie von einer
Kurzschlusshandlung mit komplettem Kontrollverlust ausgehe, welche ihm eine
Steuerung der Intensität der Schläge verunmöglicht habe. Diese tatsächlichen
Elemente seien in der Anklageschrift jedoch nicht umschrieben, weshalb sie
einem Schuldspruch nicht zugrunde gelegt werden dürften. Ausserdem beträfen
diese Feststellungen inner-psychische Vorgänge, die den Beizug
forensisch-psychiatrischen Fachwissens erforderten. Dies gelte umso mehr, als
die Vorinstanz annehme, er leide an einer schweren psychischen Störung im Sinne
von Art. 59 StGB.
Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, die äusserlich feststellbaren
Indizien sprächen gegen den Schluss, dass er eine schwere Körperverletzung in
Kauf genommen habe. Er habe die Privatklägerin nur mit mässiger Wucht getreten
und sei damit entscheidend dafür verantwortlich gewesen, dass sie keine
schweren Verletzungen erlitten habe. Es müsse daher davon ausgegangen werden,
dass er die Intensität der Tritte habe steuern können und demzufolge bewusst
auf eine intensivere Gewalteinwirkung verzichtet habe. Es seien keine Umstände
ersichtlich, welche das unkalkulierbare Risiko einer schweren Körperverletzung
begründet hätten. Die Vorinstanz lege nicht dar, aus welchen Umständen sie auf
Eventualvorsatz für eine schwere Körperverletzung schliesse und in Bezug auf
welche Tatbestandsvariante von Art. 122 StGB ein Risiko der Verwirklichung
gedroht haben solle.
Schliesslich rügt der Beschwerdeführer insofern eine Verletzung von
Bundesrecht, als die Vorinstanz lediglich eine bloss leichtgradige
Einschränkung der Schuldfähigkeit anerkenne, obwohl sie gleichzeitig davon
ausgehe, dass er bei seinem Übergriff vollständig die Kontrolle verloren habe
und nicht in der Lage gewesen sei, die Intensität seiner Schläge zu steuern. In
dieser Hinsicht weiche sie auch vom psychiatrischen Gutachten ab, welches ihm
lediglich eine leichtgradig eingeschränkte Steuerungsfähigkeit attestiere.
Soweit die Annahme der Vorinstanz in Bezug auf den Kontrollverlust und die
fehlende Steuerungsfähigkeit nicht als haltlos erschienen, wären jedenfalls die
vorinstanzlichen Erwägungen zur Schuldfähigkeit unhaltbar (Beschwerde S. 10
ff.).

3.

3.1. Gemäss Art. 122 StGB macht sich der schweren Körperverletzung schuldig,
wer einen Menschen lebensgefährlich verletzt (Abs. 1); wer den Körper, ein
wichtiges Organ oder Glied eines Menschen verstümmelt oder ein wichtiges Organ
oder Glied unbrauchbar macht, einen Menschen bleibend arbeitsunfähig,
gebrechlich oder geisteskrank macht, das Gesicht eines Menschen arg und
bleibend entstellt (Abs. 2); oder wer eine andere schwere Schädigung des
Körpers oder der körperlichen oder geistigen Gesundheit eines Menschen
verursacht (Abs. 3). Nach Art. 123 StGB wird wegen einfacher Körperverletzung
bestraft, wer einen Menschen in anderer Weise an Körper oder Gesundheit
schädigt.
Das Bundesgericht hat sich in seiner jüngeren Rechtsprechung verschiedentlich
mit Körperverletzungen in Folge von Fusstritten gegen den Kopf des Opfers zu
befassen gehabt, wobei teils die Abgrenzung der einfachen zur versuchten
schweren Körperverletzung teils die Abgrenzung der Körperverletzungsdelikte zur
versuchten eventualvorsätzlichen Tötung zur Beurteilung stand (vgl. Urteile
6B_181/2015 vom 23. Juni 2015; 6B_1250/2013 vom 24. April 2015; 6B_839/2014 vom
21. April 2015; 6B_901/2014 vom 27. Februar 2015; 6B_222/2014 vom 15. Juli
2014; 6B_222/2014 vom 15. Juli 2014; 6B_370/2013 vom 16. Januar 2014; 6B_45/
3013 vom 18. Juli 2013; 6B_954/2010 vom 10. März 2011; 6P.184-188 und 6S.418/
2006 vom 21. Februar 2007).

3.2. Gemäss Art. 12 Abs. 2 StGB begeht ein Verbrechen oder Vergehen
vorsätzlich, wer die Tat mit Wissen und Willen ausführt. Nach derselben
Bestimmung handelt bereits vorsätzlich, wer die Verwirklichung der Tat für
möglich hält und in Kauf nimmt. Der eventualvorsätzlich handelnde Täter nimmt
den Eintritt des als möglich erkannten Erfolgs ernst, rechnet mit ihm und
findet sich mit ihm ab, mag er ihm auch unerwünscht sein. Dass er den Erfolg
"billigt", ist nicht erforderlich (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3; 133 IV 9 E. 4.1 und
222 E. 5.3, je mit Hinweisen).
Ob der Täter die Tatbestandsverwirklichung in diesem Sinne in Kauf genommen
hat, muss das Gericht bei Fehlen eines Geständnisses des Beschuldigten aufgrund
der Umstände entscheiden. Dazu gehören die Grösse des dem Täter bekannten
Risikos der Tatbestandsverwirklichung, die Schwere der
Sorgfaltspflichtverletzung, die Beweggründe des Täters und die Art der
Tathandlung. Je grösser die Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsverwirklichung
ist und je schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, desto eher darf
gefolgert werden, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen
(BGE 135 IV 12 E. 2.3.2 S. 17; 134 IV 26 E. 3.2.2 S. 28 f.; 133 IV 9 E. 4.1 S.
16; je mit Hinweisen). Das Gericht darf vom Wissen des Täters auf den Willen
schliessen, wenn sich dem Täter der Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich
aufdrängte, dass die Bereitschaft, ihn als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise
nur als Inkaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden kann (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3;
133 IV 222 E. 5.3, je mit Hinweisen). Je grösser die Wahrscheinlichkeit der
Tatbestandsverwirklichung ist und je schwerer die Rechtsgutsverletzung wiegt,
desto näher liegt die Schlussfolgerung, der Täter habe die
Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen (BGE 135 IV 12 E. 2.3.2; 133 IV 222
E. 5.3). Eventualvorsatz kann indessen auch vorliegen, wenn der Eintritt des
tatbestandsmässigen Erfolgs nicht in diesem Sinne sehr wahrscheinlich, sondern
bloss möglich war. Doch darf nicht allein aus dem Wissen des Täters um die
Möglichkeit des Erfolgseintritts auf dessen Inkaufnahme geschlossen werden (BGE
133 IV 9 E. 4.1; 131 IV 1 E. 2.2;, je mit Hinweisen).
Was der Täter wusste, wollte und in Kauf nahm, betrifft innere Tatsachen und
ist Tatfrage, welche im Verfahren vor Bundesgericht nur im Rahmen von Art. 97
Abs. 1 BGG gerügt werden können (vgl. auch Art. 106 Abs. 2 BGG). Rechtsfrage
ist hingegen, ob im Lichte der festgestellten Tatsachen der Schluss auf
Eventualvorsatz begründet ist (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3; 135 IV 152 E. 2.3.2, je
mit Hinweisen). Das Sachgericht hat die in diesem Zusammenhang relevanten
Tatsachen möglichst erschöpfend darzustellen, damit erkennbar wird, aus welchen
Umständen es auf Eventualvorsatz geschlossen hat (BGE 134 IV 189 E. 1.3; 133 IV
1 E. 4.1, 9 E. 4.1; je mit Hinweisen).

4.

4.1. Der Schuldspruch wegen versuchter schwerer Körperverletzung im Sinne von
Art. 122 StGB (i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB) verletzt kein Bundesrecht. Es ist
unbestritten, dass der Beschwerdeführer in einem emotionalen Ausnahmezustand
der am Boden liegenden Privatklägerin mehrere Fusstritte sowie und Kniestösse
gegen den Kopf zugefügt hat, wobei die Fusstritte "mit einer gewissen Wucht"
bzw. "mit einem nicht unerheblichen Kraftaufwand" erfolgt sind. Unbestritten
ist ferner, dass der Beschwerdeführer kein schweres Schuhwerk trug und dass die
vom Opfer erlittenen Körperverletzungen von "vergleichsweise geringer" Schwere
waren (vgl. Beschwerde S. 11).
Die Vorinstanz nimmt zutreffend an (angefochtenes Urteil S. 22, 28), dass es
sich bei der Kopfregion um einen besonders sensiblen Bereich des menschlichen
Körpers handelt und dass Kopfverletzungen, insbesondere Verletzungen der
Hirnregion gravierende Folgen nach sich ziehen können. Dies stimmt überein mit
der Rechtsprechung des Bundesgerichts, das mehrfach festgehalten hat, es
entspreche der allgemeinen Lebenserfahrung, dass Fusstritte und Faustschläge in
den Kopfbereich eines am Boden liegenden Opfers - selbst wenn dieses sich
zusammenrollt und den Kopf mit den Händen zu schützen versucht - zu
schwerwiegenden Beeinträchtigungen der körperlichen Integrität führen können
(Urteile 6B_208/2015 vom 24. August 2015 E. 12.4; 6B_181/2015 vom 23. Juni 2015
E. 2.3; vgl. auch die Urteile 6B_132/2015 vom 21. April 2015 E. 2.3.2; 6B_222/
2014 vom 15. Juli 2014 E. 1.4; ferner 6B_901/2014 vom 27. Februar 2015 E.
2.7.3).
Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers setzt die bundesgerichtliche
Rechtsprechung für die Erfüllung des Tatbestandes der versuchen schweren
Körperverletzung nicht voraus, dass neben den eigentlichen Fusstritten oder
Schlägen an den Kopf ein aggravierendes Moment, etwa eine besondere Heftigkeit
der Tritte, die Wehrlosigkeit des Opfers, die Traktierung mit weiteren
Gegenständen oder die Einwirkung mehrerer Personen, hinzutreten muss
(Beschwerde S. 12 f.). Es trifft lediglich zu, dass in den vom Beschwerdeführer
im vorinstanzlichen Verfahren zitierten Entscheiden derartige erschwerende
Umstände tatsächlich vorgelegen haben (angefochtenes Urteil S. 22 mit Hinweis
auf die Urteile 6B_954/2010 vom 10. März 2011; 6B_45/2013 vom 18.07.2013;
6B_222/2014 vom 15. Juli 2014). Die dem Bundesgericht zur Entscheidung
unterbreiteten Fälle unterscheiden sich in Bezug auf den Sachverhalt indes zum
Teil erheblich, wobei darauf hinzuweisen ist, dass in denjenigen Fällen, in
denen erheblich aggravierende Umstände vorlagen, verschiedentlich auch
Schuldsprüche wegen versuchter eventualvorsätzlicher Tötung zu beurteilen
waren.
Für die rechtliche Würdigung ist auch ohne Bedeutung, dass die Privatklägerin
im zu beurteilenden Fall keine schweren Verletzungen erlitt. Denn dem
Beschwerdeführer wird nicht eine vollendete, sondern lediglich eine versuchte
eventualvorsätzliche schwere Körperverletzung vorgeworfen. Es liegt in der
Natur der versuchten Tatbegehung, dass der Erfolg nicht eintritt. Entscheidend
ist demnach nicht, wie intensiv die Tritte tatsächlich waren, sondern was für
Folgen der Beschwerdeführer aufgrund seiner Tritte für möglich gehalten und in
Kauf genommen hat (vgl. Urteil 6B_1250/2013 vom 24. April 2015 E. 1.4.1, mit
Hinweis). In diesem Kontext nimmt die Vorinstanz an, der Übergriff sei eine Art
Kurzschlusshandlung gewesen, bei welcher der Beschwerdeführer komplett die
Kontrolle verloren habe, so dass er die Intensität der Stösse unmöglich habe
steuern können. Inwiefern dieser Schluss unhaltbar sein soll, ist nicht
ersichtlich. Die Vorinstanz stützt sich in diesem Punkt allein auf die
Schilderung des Beschwerdeführers selbst, der ausführte, er sei ausgerastet,
habe die Kontrolle verloren, nur noch im Affekt gehandelt und wohl einfach
seinen Verstand abgeschaltet; er habe nur noch gemerkt, dass sich die Person
stark gewehrt habe, was seine Wut noch gesteigert habe (angefochtenes Urteil S.
17). Auch in seiner Beschwerde räumt der Beschwerdeführer ein, er habe sich
beim Übergriff in einem emotionalen Ausnahmezustand befunden (Beschwerde S.
11). Bei dieser Sachlage ist die Annahme der Vorinstanz, der Beschwerdeführer
habe die Intensität der Schläge nicht bewusst dosieren können, nicht
willkürlich. Denn die Möglichkeit einer bewussten Kontrolle der Intensität der
Tritte liegt beim Handeln in einer emotionalen Aufwallung offensichtlich nicht
nahe. Im Übrigen ergibt sich aus dem Verhalten des Beschwerdeführers auch
nichts, was die Annahme rechtfertigen würde, dass sich sein Vorsatz auf die
Zufügung lediglich einfacher Verletzungen beschränkt bzw. dass er sich bewusst
zurückgehalten und die Kraft seiner Schläge dosiert hat. Dem Beschwerdeführer
musste sich bei seiner Vorgehensweise das Risiko einer schweren
Körperverletzung als derart wahrscheinlich aufdrängen, dass sein Verhalten
vernünftigerweise nur als Inkaufnahme einer schweren Körperverletzung gewertet
werden kann, falls eine solche eingetreten wäre (vgl. 6B_132/2015 vom 21. April
2015 E. 2.3.2). Damit ist der Schluss der Vorinstanz nicht zu beanstanden,
wonach der Beschwerdeführer, indem er mehrmals auf den Kopf der am Boden
liegenden Privatklägerin eintrat und ihr hernach noch Kniestösse versetzte, gar
nicht anders konnte, als den Deliktserfolg einer schweren Körperverletzung
ernstlich in Rechnung zu stellen. Der Beschwerdeführer hat es letztlich Glück
und Zufall überlassen, ob sich die Gefahr verwirklichen würde oder nicht
(angefochtenes Urteil S. 24).

4.2. Auch was der Beschwerdeführer weiter gegen das angefochtene Urteil
einwendet, führt zu keinem anderen Ergebnis. So verkennt die Vorinstanz etwa
keineswegs, dass sich der vorliegende Sachverhalt deutlich von demjenigen
unterscheidet, welcher dem Urteil 6B_954/2010 vom 18. Juli 2013 zugrunde lag.
Dass die vom Opfer in jenem Entscheid erlittenen Verletzungen ungleich
gravierender waren, als die von der Privatklägerin im vorliegenden Fall, ist
für sich allein noch kein stichhaltiges Argument gegen den Schuldspruch der
versuchten schweren Körperverletzung, zumal beim Versuch der zur Vollendung der
Tat gehörende Erfolg eben nicht eintritt. Im Übrigen nimmt die Vorinstanz den
vom Beschwerdeführer genannten Entscheid auch nicht zum Ausgangspunkt für die
Beurteilung des vorliegenden Falles (Beschwerde S. 14). Sie geht lediglich
davon aus, dass der Tatbestand der versuchten schweren Körperverletzung unter
anderem dann als erfüllt gelten kann, wenn jemand einem am Boden liegenden
Opfer mit voller Wucht mit dem Fuss gegen den Kopf tritt, wofür sie auf die
seitens der Verteidigung zitierte Rechtsprechung verweist (angefochtenes Urteil
S. 23).
Es trifft entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers auch nicht zu, dass die
Vorinstanz ihm, soweit sie in Bezug auf die Heftigkeit der Schläge von einer
aufgehobenen Steuerungsfähigkeit ausgehe, konsequenterweise hätte eine
vollumfängliche Schuldunfähigkeit attestieren müssen (Beschwerde S. 16, 21).
Die Beurteilung der Frage, ob er die Wucht der Fusstritte in seinem
aufgewühlten Zustand dosieren konnte, erfordert keinen Beizug einer
sachverständigen Person (Art. 182 StPO). Im Übrigen hat die Staatsanwaltschaft
am 10. Oktober 2012 ein forensisch-psychiatrisches Gutachten zu den Fragen des
Vorliegens einer psychischen Störung, zu einer Einschränkung der
Schuldfähigkeit, zur Rückfallgefahr und zur Notwendigkeit der Anordnung einer
Massnahme eingeholt. Der Gutachter gelangt zum Schluss, dass der
Beschwerdeführer aufgrund der ausgeprägten Impulsivität und der leichtgradigen
Alkoholwirkung am Tattag von einer leichtgradigen Minderung der
Steuerungsfähigkeit auszugehen sei (Gutachten vom 29. Juli 2013, act. 23/11 S.
46 f., 50; vgl. auch Ergänzungsgutachten vom 22. Januar 2014, act. 23/18 S. 13
f., 17). Gestützt hierauf haben die kantonalen Instanzen eine leichtgradig
eingeschränkte Schuldfähigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 2 StGB angenommen
(angefochtenes Urteil S. 28). Insofern ist die Vorinstanz nicht vom Gutachten
abgewichen. Die in Bezug auf die Begehung der Tat insgesamt anerkannte
leichtgradige Einschränkung der Schuldfähigkeit lässt sich nicht unbesehen auf
die Frage übertragen, ob der Beschwerdeführer in seinem emotionalen
Ausnahmezustand die Wucht, mit welcher er mit Füssen und Knien auf den Kopf der
Privatklägerin eingeschlagen hat, bewusst beherrschen konnte. Denn dass der
Täter im Augenblick der Tat den Kopf verloren hat, heisst noch nicht, dass ihm
damit auch die vom Recht vorausgesetzte Fähigkeit abhanden gekommen ist, diesen
zu bewahren (SCHÖNKE/SCHRÖDER-PERRON/WEISSER, Strafgesetzbuch, Kommentar, 29.
Aufl. 2014, § 20 N 15). Mit anderen Worten bedeutet die Annahme eines Handelns
im Affekt für sich allein noch nicht, dass diesem emotionalen Zustand in jedem
Fall auch schuldeinschränkende Wirkung zukommt (Impulstaten;
normalpsychologischer Affekt). Dass der Beschwerdeführer bewusst lediglich mit
einer moderaten Intensität auf die Privatklägerin eingetreten und demzufolge
willentlich auf intensivere Gewalteinwirkung verzichtet hätte (Beschwerde S. 17
f.), hat die Vorinstanz somit zu Recht verneint.
Unbehelflich ist schliesslich der Hinweis des Beschwerdeführers auf das Urteil
6B_1250/2013 vom 24. April 2015 E. 3.2 (Beschwerde S. 20). Der dem Entscheid
zugrunde liegende Fall unterscheidet sich von der vorliegenden Konstellation
insofern, als in jenem Entscheid ein Schuldspruch wegen eventualvorsätzlicher
Tötung zu beurteilen war. Diesen hat das Bundesgericht als bundesrechtswidrig
aufgehoben. Dass der Sachverhalt als eventualvorsätzliche schwere
Körperverletzung zu würdigen war, stand aber, obwohl das Opfer "keine
augescheinlichen Verletzungen aufwies", ausser Frage.
Insgesamt ist der Schluss der Vorinstanz, dass der Beschwerdeführer eine
schwere Körperverletzung in Kauf genommen hat, nicht zu beanstanden. Es liegt
auch keine Verletzung der Begründungspflicht vor, weil sich das angefochtene
Urteil nicht darüber auslässt, welche Tatvariante von Art. 122 StGB
gegebenenfalls erfüllt wäre.
Die Beschwerde erweist sich als unbegründet.

5.
Aus diesen Gründen ist die Beschwerde abzuweisen. Bei diesem Ausgang des
Verfahrens wird der Beschwerdeführer grundsätzlich kostenpflichtig (Art. 66
Abs. 1 BGG). Er stellt indes ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege. Dieses
kann bewilligt werden, da von seiner Bedürftigkeit auszugehen und diese
ausreichend belegt ist (vgl. BGE 125 IV 161 E. 4) und seine Beschwerde nicht
von vornherein aussichtslos war (vgl. BGE 138 III 217 E. 2.2.4). Dem
Beschwerdeführer sind deshalb keine Kosten aufzuerlegen. Seinem Vertreter ist
aus der Bundesgerichtskasse eine angemessene Entschädigung auszurichten (Art.
64 Abs. 2 BGG).

 Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird gutgeheissen.

3.
Es werden keine Kosten erhoben.

4.
Dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers wird für das bundesgerichtliche
Verfahren eine Entschädigung von Fr. 3'000.-- aus der Bundesgerichtskasse
ausgerichtet.

5.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Zürich, I.
Strafkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 13. Mai 2016

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Denys

Der Gerichtsschreiber: Boog

Navigation

Neue Suche

ähnliche Leitentscheide suchen
ähnliche Urteile ab 2000 suchen

Drucken nach oben