Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.1247/2015
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

[8frIR2ALAGK1]     
{T 0/2}
                   
6B_1247/2015

Urteil vom 15. April 2016

Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Denys, Präsident,
Bundesrichter Rüedi,
nebenamtliche Bundesrichterin Viscione,
Gerichtsschreiber M. Widmer.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
Beschwerdeführerin,

gegen

Staatsanwaltschaft des Kantons Zug, Leitender Oberstaatsanwalt, An der Aa 4,
6300 Zug,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Kosten- und Entschädigungsfolgen bei Verfahrenseinstellung; Willkür;
rechtliches Gehör,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Zug, I.
Beschwerdeabteilung, vom 27. Oktober 2015.

Sachverhalt:

A.
Am 17. September 2007 errichtete der Bürgerrat von Baar als zuständige
Vormundschaftsbehörde für A.B.________ eine Beiratschaft gemäss aArt. 395 Abs.
1 und 2 ZGB. Als Beirätin wurde X.________ ernannt. Nebst dieser Mandatsführung
als Beirätin liess sich X.________ von A.B.________ für verschiedene weitere
Aufgaben mandatieren. Mit Beschluss vom 31. Mai 2011 enthob der Regierungsrat
des Kantons Zug X.________ ihres Amtes als Beirätin. Dieser Entscheid wurde vom
Verwaltungsgericht des Kantons Zug am 25. Oktober 2012 bestätigt. B.B.________
und C.B.________ reichten am 14. Mai 2012 Strafanzeige gegen X.________ wegen
Veruntreuung, ungetreuer Geschäftsbesorgung, Amtsanmassung und Hinderung einer
Amtshandlung ein.

B.
Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug stellte mit Verfügung vom 6. Mai 2015
das gegen X.________ geführte Verfahren ein. Sie auferlegte X.________ die
Kosten der Untersuchung von Fr. 3'020.-- und verpflichtete sie zur Rückzahlung
der Kosten für die amtliche Verteidigung von Fr. 6'717.30.

C.
Die gegen die Einstellungsverfügung im Kosten- und Entschädigungspunkt erhobene
Beschwerde von X.________ wies das Obergericht des Kantons Zug mit Urteil vom
27. Oktober 2015 ab.

D.
X.________ beantragt mit Beschwerde in Strafsachen, es sei das Urteil des
Obergerichts des Kantons Zug vom 27. Oktober 2015 vollumfänglich aufzuheben und
die Sache zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter
seien die Gerichtskosten des Verfahrens von Fr. 830.-- dem Kanton Zug
aufzuerlegen und dieser sei zu verpflichten, ihrer Rechtsvertreterin im
kantonalen Verfahren sowie ihr persönlich für ihre Umtriebe eine angemessene
Entschädigung auszurichten.

E.
Das Obergericht und die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug verzichten unter
Verweis auf das angefochtene Urteil auf eine Vernehmlassung und beantragen, die
Beschwerde sei abzuweisen.

Erwägungen:

1.

1.1. Die Beschwerdeführerin rügt eine offensichtlich unrichtige Feststellung
des Sachverhalts (Art. 97 Abs. 1 BGG i.V.m. Art. 9 BV), eine Verletzung von
Art. 426 Abs. 2 und Art. 430 Abs. 1 lit. a StPO, der Unschuldsvermutung (Art.
32 Abs. 1 BV sowie Art. 6 Ziff. 2 EMRK) sowie des Anspruchs auf rechtliches
Gehör (Art. 3 Abs. 2 lit. c und Art. 107 Abs. 1 lit. e StPO, Art. 29 Abs. 2 BV
sowie Art. 6 Ziff. 1 EMRK). Zur Begründung macht sie im Wesentlichen geltend,
die Vorinstanz stütze die Kostenauflage auf den Sachverhalt, der Gegenstand des
eingestellten Strafverfahrens gewesen sei, weshalb sie die Unschuldsvermutung
verletze.

1.2. Die Vorinstanz erwägt, die Pflichtverletzungen der Beschwerdeführerin als
Beirätin von A.B.________ hätten Anlass zur Einreichung der Strafanzeige gegen
sie gegeben. Darin sei in erster Linie beanstandet worden, dass sich die
Beschwerdeführerin von A.B.________ privat habe mandatieren lassen, obwohl sie
als deren Beirätin bestellt gewesen sei. Hätte die Beschwerdeführerin
pflichtgemäss ihr privates Mandat von der Beiratschaft abgegrenzt und gemäss
aArt. 422 Ziff. 7 ZGB zur Genehmigung unterbreitet, hätten sich die Vorhalte
der Anzeigeerstatter ohne Weiteres widerlegen lassen und eine Strafuntersuchung
wäre gar nicht erst eröffnet worden.

1.3. Die beschuldigte Person trägt die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt
wird (Art. 426 Abs. 1 Satz 1 StPO). Wird das Verfahren eingestellt oder die
beschuldigte Person freigesprochen, so können ihr die Verfahrenskosten ganz
oder teilweise auferlegt werden, wenn sie rechtswidrig und schuldhaft die
Einleitung des Verfahrens bewirkt oder dessen Durchführung erschwert hat (Art.
426 Abs. 2 StPO).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts verstösst eine Kostenauflage bei
Freispruch oder Einstellung des Verfahrens gegen die Unschuldsvermutung (Art.
10 Abs. 1 StPO, Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK), wenn der
beschuldigten Person in der Begründung des Kostenentscheids direkt oder
indirekt vorgeworfen wird, es treffe sie ein strafrechtliches Verschulden.
Damit käme die Kostenauflage einer Verdachtsstrafe gleich. Dagegen ist es mit
Verfassung und Konvention vereinbar, einer nicht verurteilten beschuldigten
Person die Kosten zu überbinden, wenn sie in zivilrechtlich vorwerfbarer Weise,
d.h. im Sinne einer analogen Anwendung der sich aus Art. 41 OR ergebenden
Grundsätze, eine geschriebene oder ungeschriebene Verhaltensnorm, die sich aus
der Gesamtheit der schweizerischen Rechtsordnung ergeben kann, klar verletzt
und dadurch das Strafverfahren veranlasst oder dessen Durchführung erschwert
hat. In tatsächlicher Hinsicht darf sich die Kostenauflage nur auf
unbestrittene oder bereits klar nachgewiesene Umstände stützen (BGE 120 Ia 147
E. 3b; 119 Ia 332 E. 1b; 112 Ia 371 E. 2a; Urteil 6B_241/2015 vom 26. Januar
2016 E. 1.3.1; je mit Hinweisen).
Zwischen dem zivilrechtlich vorwerfbaren Verhalten und den durch die
Untersuchung entstandenen Kosten muss ein adäquater Kausalzusammenhang bestehen
(BGE 116 Ia 162 E. 2c S. 170; Urteil 6B_835/2009 vom 21. Dezember 2009 E. 1.2),
und das Sachgericht muss darlegen, inwiefern die beschuldigte Person durch ihr
Handeln in zivilrechtlich vorwerfbarer Weise gegen eine Verhaltensnorm klar
verstossen hat (Urteile 6B_1126/2014 vom 21. April 2015 E. 1.3 mit Hinweis;
1P.164/2002 vom 25. Juni 2002, in: Pra 2002 Nr. 203 S. 1067).
Diese Grundsätze gelten auch bei der Beurteilung, ob eine Entschädigung oder
Genugtuung im Sinne von Art. 430 Abs. 1 lit. a StPO herabzusetzen oder zu
verweigern ist. Der Kostenentscheid präjudiziert die Entschädigungsfrage. Bei
Auferlegung der Kosten ist grundsätzlich keine Entschädigung auszurichten
(Urteil 6B_876/2014 vom 5. Februar 2015 E. 1.3 mit Hinweisen).

1.4.

1.4.1. Die Beschwerdeführerin rügt, die Sachverhaltsfeststellung der
Vorinstanz, wonach sie sich ohne Zustimmung des Bürgerrates von Baar von
A.B.________ habe mandatieren lassen, stehe im klaren Widerspruch mit der
tatsächlichen Situation und sei somit willkürlich.

1.4.2. Die Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz kann vor Bundesgericht nur
gerügt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer
Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht und wenn die Behebung des
Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1
BGG). Offensichtlich unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn sie
willkürlich ist (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1 mit Hinweis; vgl. zum Begriff der
Willkür BGE 140 III 16 E. 2.1; 139 III 334 E. 3.2.5; 138 I 49 E. 7.1; je mit
Hinweisen). Eine entsprechende Rüge muss klar vorgebracht und substanziiert
begründet werden (Art. 106 Abs. 2 BGG; BGE 138 I 225 E. 3.2 mit Hinweis). Auf
rein appellatorische Kritik am angefochtenen Urteil tritt das Bundesgericht
nicht ein (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1; 139 II 404 E. 10.1, 137 IV 1 E. 4.2.3; je
mit Hinweisen).

1.4.3. Die Vorinstanz erwägt, eine formelle Genehmigung des zwischen der
Beschwerdeführerin und A.B.________ bestehenden privaten Mandatsverhältnisses
gemäss aArt. 422 Ziff. 7 ZGB sei aus den Akten nicht ersichtlich. Die
Genehmigung wäre vor Abschluss des Mandatsvertrags einzuholen gewesen, welcher
gemäss eigenen Angaben der Beschwerdeführerin auf mündlicher Basis lange vor
Mai 2011 vereinbart worden sei. Zwar könne der Beschwerdeführerin unter den
gegebenen Umständen nicht vorgeworfen werden, versucht zu haben, ihr privates
Mandatsverhältnis mit A.B.________ vor dem Bürgerrat von Baar zu verheimlichen.
Von einer pflichtgemässen Abgrenzung des privaten Auftrags zu ihrem Mandat als
Beirätin könne aber nicht die Rede sein. Hierzu wäre zumindest eine
schriftliche Umschreibung ihrer Aufgaben als privat Beauftragte und die
Abgrenzung ihrer Pflichten als Beirätin erforderlich gewesen.

1.4.4.

1.4.4.1. Die Beschwerdeführerin beschränkt sich weitgehend darauf, der
vorinstanzlichen Beweiswürdigung ihre eigene Sicht der Dinge
gegenüberzustellen. Dies genügt nicht, um Willkür darzutun. Soweit die
Vorbringen der Beschwerdeführerin über eine unzulässige appellatorische Kritik
hinausgehen, sind sie nicht geeignet, die vorinstanzliche Beweiswürdigung
willkürlich erscheinen zu lassen. In der polizeilichen Einvernahme vom 9. Juli
2013 gab die Beschwerdeführerin an, sie habe das private Mandat für
A.B.________ ab 1. März 2005 namens der D.________Rechtsanwälte ausgeübt. Seit
1. Februar 2008 führe sie das Mandat als Selbstständigerwerbende aus. Zu Beginn
habe nur eine mündliche Mandatsvereinbarung mit A.B.________ bestanden. Später
habe sie eine schriftliche Mandatsvereinbarung erstellt, welche mit dem
Bürgerrat von Baar ausgearbeitet worden sei. Auf den Vorhalt, dass der
Mandatsvertrag vom 15. Juni 2011 datiere, hielt die Beschwerdeführerin fest, es
habe immer ein mündlicher Mandatsvertrag bestanden. Im Rahmen des
Amtsenthebungsverfahrens habe sie den bestehenden mündlichen Vertrag
schriftlich abgefasst. Der Mandatsvertrag sei somit nicht nachträglich
erstellt, sondern ergänzend noch schriftlich verfasst worden. In
Übereinstimmung mit diesen Ausführungen wird in der Mandatsvereinbarung vom 15.
Juni 2011 festgehalten, dass die Parteien die bisherige mündliche Abmachung für
die zusätzlichen Aufgaben der Beschwerdeführerin im Auftragsverhältnis
schriftlich festhielten. Die Mandatsvereinbarung war sehr weitreichend, da sie
praktisch alle Lebensbereiche von A.B.________ umfasste.

1.4.4.2. Die Ernennung der Beschwerdeführerin als Beirätin von A.B.________
erfolgte am 17. September 2007. Die Beschwerdeführerin erkundigte sich am 6.
Mai 2008 nach Kenntnisnahme der Einleitung des Amtsenthebungsverfahrens beim
Bürgerrat von Baar, ob etwas dagegen einzuwenden sei, dass sie weiterhin die
Interessen von A.B.________ in Rechts- und Steuerfragen wahre. Mit E-Mail vom
7. August 2008 ersuchte sie den Bürgerrat von Baar um die Zustimmung gemäss
aArt. 422 Ziff. 7 ZGB und bei positivem Entscheid auch um die Zustimmung der
Aufsichtsbehörde.

1.4.4.3. Abgesehen davon, dass die Mandatsvereinbarung zwischen der
Beschwerdeführerin und A.B.________ weit über die von der Beschwerdeführerin in
ihrer E-Mail vom 6. Mai 2008 an den Bürgerrat von Baar erwähnte Beratung in
Rechts- und Steuerfragen hinausging und bereits lange Zeit vor Einleitung des
Genehmigungsverfahrens abgeschlossen worden war (vgl. oben E. 1.4.4.1), lagen
eine Beschlussfassung der Vormundschaftsbehörde und eine Zustimmung der
Aufsichtsbehörde gemäss aArt. 422 Ziff. 7 ZGB zu keinem Zeitpunkt vor. Aus der
von der Beschwerdeführerin eingereichten Gesprächsnotiz des Bürgerrates von
Baar vom 20. Mai 2011 geht lediglich hervor, dass der Bürgerrat den
Mandatsvertrag genehmigen und danach den Beschluss an die Direktion des Innern
zur Zustimmung gemäss aArt. 422 Ziff. 7 ZGB weiterleiten würde, nicht aber,
dass diese Zustimmungen in der Folge auch erteilt wurden. Demnach erweist sich
die vorinstanzliche Feststellung, wonach die Zustimmungen gemäss aArt. 422
Ziff. 7 ZGB nicht vorgelegen hätten, als zutreffend und nicht als willkürlich.
Inwiefern im Umstand, dass die Vorinstanz eine formelle Genehmigung des
Mandatsvertrags als notwendig erachtet, ein überspitzter Formalismus zu
erblicken sein soll, vermag die Beschwerdeführerin nicht aufzuzeigen und ist
auch nicht ersichtlich (vgl. zum Begriff des überspitzten Formalismus Urteil
6B_218/2015 vom 16. Dezember 2015 E. 2.4.2 mit Hinweisen, zur Publikation
vorgesehen).

1.5.

1.5.1. Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt, dass für die
Mandatierung durch A.B.________ eine Zustimmung gemäss aArt. 422 Ziff. 7 ZGB
nicht erforderlich gewesen sei.

1.5.2. Die Vorinstanz begründet die Kostenauflage mit der Verletzung der
Bestimmung von aArt. 422 Ziff. 7 ZGB, wonach Verträge zwischen Mündel und
Vormund nach vorgängiger Beschlussfassung durch die Vormundschaftsbehörde der
Aufsichtsbehörde zur Zustimmung vorzulegen waren. Sie stützt sich dabei
insbesondere auf die Erwägungen des Urteils des Verwaltungsgerichts des Kantons
Zug vom 25. Oktober 2012. Sie führt dazu aus, das Verwaltungsgericht habe in
seinem Urteil erhebliche Pflichtverletzungen der Beschwerdeführerin bei der
Ausübung ihres Mandates als Beirätin von A.B.________ festgestellt. Namentlich
habe es mit überzeugender Begründung den Verzicht der Beschwerdeführerin, das
ihr von A.B.________ erteilte privatrechtliche Mandat durch die
Aufsichtsbehörde genehmigen zu lassen, als wesentliche Pflichtverletzung
beanstandet. Die Kombination der Beiratschaft mit dem privaten Beratungs- und
Einkommensverwaltungsmandat habe sich im Ergebnis wie eine Bevormundung
ausgewirkt. Es gehe keinesfalls an, dass die Beschwerdeführerin, anstatt
aufgrund der Schutzbedürftigkeit eine Ausdehnung der vormundschaftlichen
Massnahmen zu beantragen, sich privatrechtlich mandatieren lasse, um faktisch
dasselbe Resultat für die Verbeiratete zu erreichen und sich gleichzeitig jeder
Kontrolle der Vormundschaftsbehörde über ihre Tätigkeit ausserhalb der
Beiratschaft im eigentlichen Sinne zu entziehen. Diesen Ausführungen des
Verwaltungsgerichts sei uneingeschränkt beizupflichten. Aufgrund der konkreten
Verhältnisse wäre die Beschwerdeführerin fraglos verpflichtet gewesen, für den
Abschluss eines umfassenden Mandatsvertrages zwischen ihr und der von ihr
verbeirateten Person entweder die Genehmigung der Aufsichtsbehörde einzuholen
oder gegebenenfalls die Umwandlung der Beiratschaft in eine Vormundschaft zu
beantragen.

1.5.3. Die vorinstanzlichen Ausführungen sind nicht zu beanstanden. Das
Verwaltungsgericht des Kantons Zug legte in seinem Entscheid vom 25. Oktober
2012 eingehend und schlüssig dar, weshalb die Beschwerdeführerin im konkreten
Fall das private Mandat gestützt auf die Bestimmung von aArt. 422 Ziff. 7 ZGB
nach vorgängiger Beschlussfassung durch die Vormundschaftsbehörde der
Aufsichtsbehörde zur Zustimmung hätte vorlegen müssen respektive weshalb der
Regierungsrat die unterlassene bzw. verspätete Einreichung des Gesuches um
Zustimmung zutreffend als Sorgfaltspflichtverletzung qualifiziert hatte. Die
Vorinstanz stützt sich zu Recht auf dieses rechtskräftige Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons Zug, das im Rahmen des Amtsenthebungsverfahrens
prüfen musste, ob die Beschwerdeführerin ihre Pflichten als Beirätin verletzt
hatte. Dass die Beschwerdeführerin in Bezug auf die Genehmigungspflicht eine
anderslautende behördliche Auskunft erhalten hätte, auf die sie sich nach Treu
und Glauben hätte verlassen dürfen (vgl. dazu BGE 137 II 182 E. 3.6.2 mit
Hinweisen), legt sie nicht rechtsgenüglich dar.

1.6.

1.6.1. Entgegen den Vorbringen der Beschwerdeführerin wird ihr in der
Begründung des Kostenentscheids weder direkt noch indirekt angelastet, dass sie
ein strafrechtliches Verschulden treffe. Wie dargelegt geht die Vorinstanz von
einem zivilrechtlich vorwerfbaren Verhalten der Beschwerdeführerin aus, indem
sie ihr eine Verletzung der Bestimmung von aArt. 422 Ziff. 7 ZGB vorwirft. Sie
qualifiziert das Verhalten der Beschwerdeführerin somit allein unter
zivilrechtlichen Gesichtspunkten als Verstoss gegen deren Pflichten als
Beirätin. Der vorinstanzlichen Begründung lässt sich kein Verdacht auf ein
strafrechtliches Verhalten der Beschwerdeführerin entnehmen. Die Kostenauflage
verstösst daher nicht gegen die Unschuldsvermutung.

1.6.2. Die der Beschwerdeführerin von der Vorinstanz vorgeworfene
Pflichtverletzung als Beirätin war nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge
geeignet, den Verdacht einer strafbaren Handlung zu erwecken, und adäquat
kausal für die Einleitung der strafrechtlichen Untersuchung. Wenn die
Beschwerdeführerin vorbringt, dass im Zeitpunkt der Anzeigeerstattung am 14.
Mai 2012 das Urteil des Verwaltungsgerichts, auf welches sich die
Staatsanwaltschaft und die Vorinstanz stützen, noch gar nicht vorgelegen habe,
ist dem entgegenzuhalten, dass eine Verletzung der Bestimmung von aArt. 422
Ziff. 7 ZGB bereits im Beschluss des Regierungsrates des Kantons Zug vom 31.
Mai 2011 betreffend Amtsenthebung festgestellt worden war.

1.6.3. Die Vorinstanz verletzt weder Bundes- noch Konventionsrecht, indem sie
die Kostenauflage der Einstellungsverfügung schützt. Sie durfte daher auch die
von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Entschädigung für das Vorverfahren
gestützt auf Art. 430 Abs. 1 lit. a StPO verweigern (vgl. vorne E. 1.3), so
dass auf die Ausführungen der Beschwerdeführerin betreffend Entschädigungshöhe
nicht einzugehen ist.

2.

2.1. Die Beschwerdeführerin wirft der Vorinstanz eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs vor. Ihr seien im Vorfeld zur Parteimitteilung betreffend
Einstellung des Verfahrens weder die Kostenauflage im Grundsatz noch die
entsprechende Begründung dazu mitgeteilt worden. Sie habe zur behaupteten
angeblichen schlechten Amtsführung weder Stellung nehmen noch entsprechende
Beweisanträge nach Art. 107 Abs. 1 lit. e StPO stellen können.
Die Vorinstanz erwägt, eine Verletzung des rechtlichen Gehörs durch den
fehlenden Hinweis auf die beabsichtigte Kostenauflage in der Anzeige der
Verfahrenseinstellung liege nicht vor. Die beabsichtigte Kostenverlegung sei
nicht Gegenstand der Parteimitteilung gemäss Art. 318 StPO. Die
Beschwerdeführerin habe ausserdem hinreichende Gelegenheit gehabt, sich im
Beschwerdeverfahren, in welchem die Beschwerdeinstanz volle Kognition habe,
dazu zu äussern.

2.2.
Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das
rechtliche Gehör dient der Sachaufklärung und stellt ein
persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar,
welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreift. Dazu gehört insbesondere
das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass eines solchen Entscheids zur Sache
zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen,
mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung
wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum
Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu
beeinflussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht
somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem
Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (BGE 135 II 286 E.
5.1 mit Hinweisen; Urteile 6B_415/2014 vom 27. Oktober 2014 E. 1.3.3; 6B_815/
2013 vom 22. April 2014 E. 2.2).

2.3. Die Rüge der Beschwerdeführerin betreffend Verletzung des rechtlichen
Gehörs ist begründet. Zwar erliess die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug am 7.
April 2015 eine Mitteilung gemäss Art. 318 Abs. 1 StPO, worin sie die
Einstellung des Verfahrens ankündigte und den Parteien gleichzeitig eine Frist
von 7 Tagen ansetzte, um Beweisanträge zu stellen. Sie unterliess es indessen,
der Beschwerdeführerin nebst der vorgesehenen Verfahrenseinstellung auch die
beabsichtigte Kostenauflage anzukündigen. Die Staatsanwaltschaft verpflichtete
die Beschwerdeführerin in ihrer Einstellungsverfügung vom 6. Mai 2015 zur
Bezahlung der Verfahrenskosten sowie zur Rückzahlung der Kosten für die
amtliche Verteidigung, ohne ihr zuvor die Möglichkeit einer diesbezüglichen
Stellungnahme gewährt zu haben. Auch bei der Kostenauflage gemäss Art. 426 Abs.
2 StPO hat die Strafbehörde der beschuldigten Person das rechtliche Gehör zu
gewähren (THOMAS DOMEISEN, in: Basler Kommentar, Schweizerische
Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 33 zu Art. 426 StPO). Das Gebot der
prozessualen Fairness gebietet es in solchen Fällen, die beabsichtigte
Kostenauflage anzukündigen, da die beschuldigte Person bei
Verfahrenseinstellung oder Freispruch grundsätzlich von der Kostentragung
befreit wird und deshalb nicht ohne Weiteres mit einer Kostenauflage rechnen
muss. Die Beschwerdeführerin hatte keine Gelegenheit, zur beabsichtigten
Kostenauflage Stellung zu nehmen. Damit verletzte die Staatsanwaltschaft ihren
Anspruch auf rechtliches Gehör.

2.4.

2.4.1. Angesichts der formellen Natur des Anspruchs auf rechtliches Gehör kann
die materielle Rechtmässigkeit eines Entscheides eine Gehörsverletzung nicht
beseitigen. Indessen kann eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des
rechtlichen Gehörs gemäss ständiger Rechtsprechung ausnahmsweise als geheilt
gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer
Rechtsmittelinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie auch die
Rechtslage frei überprüfen kann. Unter dieser Voraussetzung ist selbst bei
einer schwerwiegenden Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör von einer
Heilung des Mangels auszugehen, wenn die Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen
Verzögerungen führen würde, die mit dem Interesse der betroffenen Partei an
einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 137
I 195 E. 2.3.2; 136 V 117 E. 4.2.2.2; Urteile 6B_178/2015 vom 26. August 2015
E. 1.3.2; 6B_492/2012 vom 22. Februar 2013 E. 2.4.3; je mit Hinweisen).

2.4.2. Nach Art. 428 Abs. 1 Satz 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des
Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Der
Fall, dass ein Beschwerdeführer unterliegt, weil ein Verfahrensfehler im
Rechtsmittelverfahren geheilt worden ist, ist in Art. 428 Abs. 1 StPO nicht
ausdrücklich geregelt. Nach der Rechtsprechung ist dem jedoch bei der Verlegung
der Kosten des Rechtsmittelverfahrens Rechnung zu tragen. Dies kann durch eine
angemessene Reduktion der Gerichtskosten oder allenfalls durch den Verzicht auf
die Erhebung von Kosten geschehen (Urteil 6B_192/2015 vom 9. September 2015 E.
2.3 mit Hinweisen).

2.4.3. Vorliegend konnte sich die Beschwerdeführerin zur Kostenauflage erstmals
im Beschwerdeverfahren äussern. Zwar konnte die Vorinstanz den Mangel der
Gehörsverletzung heilen, da sie im Beschwerdeverfahren über eine volle
Kognition hinsichtlich aller Sach- und Rechtsfragen verfügt. Dies wäre aber bei
der Kostenauflage zu berücksichtigen gewesen. Die Beschwerde ist daher in
diesem Punkt gutzuheissen. Ziff. 2 des Dispositivs des angefochtenen Urteils
ist aufzuheben und die Sache insoweit zu neuer Entscheidung zurückzuweisen. Die
Vorinstanz wird sich nach Neufestsetzung der Verfahrenskosten auch mit der von
der Beschwerdeführerin geforderten Entschädigung für ihre Verteidigung und die
persönlichen Umtriebe im Beschwerdeverfahren auseinanderzusetzen haben.

3.
Die Beschwerde ist insofern teilweise gutzuheissen, als das angefochtene Urteil
bezüglich der Kostenverlegung für das vorinstanzliche Verfahren aufzuheben und
die Sache zur Neuregelung dieser Kosten und dem Entscheid über die
Entschädigung an die Vorinstanz zurückzuweisen ist. Im Übrigen ist die
Beschwerde abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann. Die
Beschwerdeführerin wird im Umfang ihres Unterliegens kostenpflichtig (Art. 66
Abs. 1 BGG). Eine Parteientschädigung ist ihr nicht zuzusprechen, weil sie
nicht anwaltlich vertreten ist und besondere Umstände, welche die Vergütung
eigener Auslagen rechtfertigen könnten, nicht vorliegen (Art. 68 Abs. 1 BGG;
Art. 11 des Reglements über die Parteientschädigung und die Entschädigung für
die amtliche Vertretung im Verfahren vor dem Bundesgericht vom 31. März 2006
[SR 173.110.210.3]).

 Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen, Ziff. 2 des Urteils des
Obergerichts des Kantons Zug, I. Beschwerdeabteilung, vom 27. Oktober 2015 wird
aufgehoben und die Sache zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz
zurückgewiesen. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen, soweit darauf
einzutreten ist.

2.
Der Beschwerdeführerin werden Gerichtskosten von Fr. 1'500.-- auferlegt.

3.
Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Zug, I.
Beschwerdeabteilung, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 15. April 2016

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Denys

Der Gerichtsschreiber: M. Widmer

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