Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.1302/2015
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

[8frIR2ALAGK1]     
{T 0/2}
                   
6B_1302/2015

Urteil vom 28. Dezember 2016

Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Denys, Präsident,
Bundesrichterin Jacquemoud-Rossari,
Bundesrichter Oberholzer, Rüedi,
Bundesrichterin Jametti,
Gerichtsschreiber Held.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Christoph Hohler,
Beschwerdeführer,

gegen

Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Schwyz, Postfach 1201, 6431 Schwyz,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Rechtskraft nach Rückweisung durch das Bundesgericht; Willkür; rechtliches
Gehör (mehrfache Vergewaltigung),

Beschwerde gegen den Beschluss des Kantonsgerichts Schwyz vom 23. November
2015.

Sachverhalt:

A.
Die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Schwyz erhob gegen X.________ am 27. Mai
2013 Anklage wegen mehrfacher Vergewaltigung (angeblich begangen je einmal zum
Nachteil von A.________ und B.________), sexueller Nötigung und mehrfacher
sexueller Belästigung.
Das Strafgericht Schwyz erkannte mit Urteil vom 8. Oktober 2013:

"1.       X.________ wird schuldig gesprochen
a)       der mehrfachen Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB gemäss
Sachverhalt Ziff. 1.1 und 1.2 der Anklageziffer 1
b)       der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB gemäss
Sachverhalt der Anklageziffer 2
c)       der mehrfachen sexuellen Belästigung im Sinne von Art. 198 Abs. 2 StGB
gemäss Sachverhalt Ziff. 3.1 (ab 19. April 2011), 3.2 (ab 19. April 2011) und
3.6 der Anklageziffer 3.
2.       X.________ wird mit einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten und einer
Busse von Fr. 1'000.-- bestraft.
(...)
5.       Die Genugtuungsforderung von A.________ im Betrag von mindestens Fr.
15'000.-- zuzüglich Zins von 5 % seit 24. Mai 2011 wird in einem Betrag von Fr.
15'000.-- nebst 5 % Zins seit 24. Mai 2011 gutgeheissen und X.________ wird
verpflichtet, A.________ diesen Betrag nebst 5 % Zins seit 24. Mai 2011 zu
bezahlen."

B.
Das Kantonsgericht Schwyz erkannte am 7. Oktober 2014 auf die von X.________
erhobene Berufung:

"1.       In teilweiser Gutheissung der Berufung werden die Dispositivziffern
2, 3 und 5 des Urteils des Strafgerichts Schwyz vom 8. Oktober 2013 aufgehoben
und wie folgt ersetzt:

2.       X.________ wird mit einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten und einer
Busse von Fr. 1'000.00 bestraft.
3.       Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit
auf 2 Jahre festgesetzt.
5.       Die Genugtuungsforderung von A.________ im Betrag von mindestens Fr.
15'000.00 zuzüglich Zins von 5 % wird in einem Betrag von Fr. 8'000.00 nebst
Zins von 5 % seit 24. Mai 2011 gutgeheissen und X.________ wird verpflichtet,
A.________ diesen Betrag nebst 5 % Zins seit 24. Mai 2011 zu bezahlen.
Im Übrigen wird die Berufung abgewiesen.
(...)
3.       Der Beschuldigte hat die Privatklägerin A.________ für das
Berufungsverfahren reduziert mit Fr. 3'600.00 (inkl. Auslagen und 8 % MWST) zu
entschädigen. (...) "

C.
Das Bundesgericht hiess die von X.________ erhobene Beschwerde in Strafsachen
mit Urteil vom 28. Oktober 2015 teilweise gut, hob das Urteil des
Kantonsgerichts vom 7. Oktober 2014 auf und wies die Sache zur neuen
Entscheidung an dieses zurück. Im Übrigen wies es die Beschwerde ab, soweit es
auf diese eintrat (6B_318/2015).

D.
Das Kantonsgericht beschloss im Rückweisungsverfahren am 23. November 2015
u.a.:

"1.       Es wird festgestellt, dass Dispositivziffern 1.a, betreffend
Anklageziffer 1.2, 1.b, 1.c, betreffend Busse, 4, 6 und 8 des Urteils des
Strafgerichts vom 8. Oktober 2013 sowie Dispositivziffern 1.5 und 3 des
Kantonsgerichts vom 7. Oktober 2014 in Rechtskraft erwachsen sind.
2.       In teilweiser Gutheissung der Berufung werden die Dispositivziffern
1.a betreffend Anklageziffer 1.1 sowie 2 betreffend Freiheitsstrafe, 3 und 7
des Urteils des Strafgerichts vom 8. Oktober 2013 aufgehoben und das Verfahren
im Sinne der Erwägung [zwecks Einvernahme von B.________] an die Vorinstanz
[Strafgericht] zurückgewiesen.
(...) "

E.
Sowohl X.________ als auch A.________ (separates Verfahren 6B_16/2016) führen
gegen den Beschluss des Kantonsgerichts Beschwerde in Strafsachen. X.________
beantragt, der Beschluss des Kantonsgerichts sei aufzuheben und die Sache an
das Kantonsgericht zurückzuweisen, damit sich dieses gemäss den Vorgaben des
Bundesgerichts im Urteil vom 28. Oktober 2015 mit dem Vorwurf der
Vergewaltigung zum Nachteil von B.________ neu befasse und ein Berufungsurteil
in der Sache fälle.
Der Instruktionsrichter der Strafrechtlichen Abteilung sistierte am 18. Januar
2016 beide Beschwerdeverfahren bis zum Entscheid des Kantonsgerichts über ein
von A.________ gestelltes Gesuch um Erläuterung und Berichtigung des
Beschlusses vom 23. November 2015.
Das Kantonsgericht beschloss am 10. Februar 2016 u.a.:

"1.       Auf das Gesuch der Privatklägerin (A.________) um Erläuterung und
Berichtigung vom 2. Dezember 2015 wird nicht eingetreten.
2.        Ziffer 1 des Beschlusses vom 23. November 2015 wird dahingehend
präzisiert, dass Dispositivziffer 1.a des Urteils des Strafgerichts Schwyz vom
8. Oktober 2013 wegen einer einfachen Vergewaltigung betreffend Anklageziffer
1.2 in Rechtskraft erwachsen ist.
(...) "

F.
Das Kantonsgericht und die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Schwyz verzichten
ebenso wie A.________ auf eine Vernehmlassung.

Erwägungen:

1.

1.1. Der Beschwerdeführer bringt vor, beim angefochtenen Beschluss vom 23.
November 2015 handle es sich um einen verfahrensabschliessenden,
letztinstanzlichen Endentscheid im Sinne von Art. 80 und Art. 90 BGG, soweit
die Vorinstanz feststelle, dass verschiedene Dispositivziffern des
erstinstanzlichen und des (vom Bundesgericht aufgehobenen) Berufungsurteils vom
7. Oktober 2014 in Rechtskraft erwachsen seien (Dispositivziffer 1 des
angefochtenen Entscheids). Das unübersichtliche Dispositiv bewirke, dass er der
mehrfachen Vergewaltigung rechtskräftig schuldig gesprochen werde, obwohl
hinsichtlich A.________ nur eine einfache Vergewaltigung angeklagt worden sei.
Hinsichtlich der Rückweisung an das Strafgericht handle es sich um einen
Zwischenentscheid (Dispositivziffer 2 des angefochtenen Entscheids). Die
Vorinstanz verletze seinen Anspruch auf rechtliches Gehör, da sie die Parteien
nach der Rückweisung durch das Bundesgericht vor dem Erlass ihres Beschlusses
nicht angehört habe. Zudem verstosse die Überweisung an das Strafgericht gegen
Art. 409 Abs. 1 StPO und die Vorgaben im bundesgerichtlichen
Rückweisungsurteil, wonach die Vorinstanz sich mit dem Vergewaltigungsvorwurf
zum Nachteil von B.________ zu befassen und diese einzuvernehmen habe. Die
Rückweisung an das erstinstanzliche Gericht habe eine weitere Verzögerung des
seit Jahren dauernden Strafverfahrens zur Folge.

1.2.

1.2.1. Die Vorinstanz erwägt im angefochtenen Beschluss, das Bundesgericht habe
im Verfahren 6B_318/2015 die Beschwerde teilweise gutgeheissen, ihr Urteil vom
7. Oktober 2014 aufgehoben und die Sache zur neuen Entscheidung zurückgewiesen.
Im Übrigen sei die Beschwerde abgewiesen worden, soweit darauf eingetreten
worden sei. Das Bundesgericht habe nur den Schuldspruch wegen Vergewaltigung
zum Nachteil von B.________ beanstandet. Die Schuldsprüche wegen sexueller
Nötigung, mehrfacher sexueller Belästigung und Vergewaltigung zu Lasten von
A.________ seien mithin rechtskräftig.
Das Bundesgericht erachte die Aussagen von B.________ und deren gerichtliche
Einvernahme für den Verfahrensausgang als notwendig. Es gehe von einer
Fallkonstellation aus, in welcher sich schon die erste Instanz ein eigenes Bild
des Opfers und dessen Aussageverhalten hätte machen sollen, weshalb die
unterlassene gerichtliche Befragung einen wesentlichen Mangel im Sinne von Art.
409 Abs. 1 StPO darstelle. Die Sache sei in Aufhebung von Dispositivziffer 1.a
betreffend Anklageziffer 1.1, des Weiteren von Dispositivziffern 2 betreffend
die Freiheitsstrafe sowie 3 und 7 des Urteils des Strafgerichts vom 8. Oktober
2013 an dieses zur Durchführung einer neuen Hauptverhandlung mit Befragung von
B.________ und zur Neubeurteilung zurückzuweisen. Die Rückweisung rechtfertige
sich umso mehr, da dem Beschwerdeführer in beiden angeklagten
Vergewaltigungsfällen ähnliches Vorgehen vorgeworfen werde und nur das
Strafgericht, das schon eine Frau befragt hat, die Aussagen beider Opfer
aufgrund des unmittelbar wahrgenommenen persönlichen Eindrucks adäquat
vergleichen könne.

1.2.2. Die Vorinstanz führt im Entscheid vom 10. Februar 2016 über das
Erläuterungs- und Berichtigungsgesuch von A.________ aus, der Beschwerdeführer
rüge, das Beschlussdispositiv vom 23. November 2015 sei unübersichtlich und in
einem Punkt falsch, denn er sei zu Lasten von A.________ "nur" der einfachen
und nicht der mehrfachen Vergewaltigung schuldig gesprochen worden. Die
Vorinstanz erwägt, aus Dispositivziffer 1 des angefochtenen Beschlusses [vom
23. November 2015] ergebe sich aufgrund des Hinweises auf Anklageziffer 1.2,
die sachverhaltlich nur einen einfachen Vergewaltigungsvorwurf enthalte, dass
der Schuldspruch [des Strafgerichts] nur in einfacher und nicht in mehrfacher
Hinsicht rechtskräftig sei. Ziffer 1 des Beschlusses vom 23. November 2015
werde dahingehend erläutert, "dass Dispositivziffer 1.1 des Urteils des
Strafgerichts Schwyz vom 8. Oktober 2013 wegen einer einfachen Vergewaltigung
betreffend Anklageziffer 1.2 in Rechtskraft erwachsen ist".

2.
Die Beschwerde ist zulässig gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen
(Art. 90 BGG); Zwischenentscheide sind hingegen nur unter den besonderen
Voraussetzungen gemäss gemäss Art. 92 und Art. 93 BGG mit Beschwerde ans
Bundesgericht anfechtbar.
Für die verfahrensrechtliche Qualifizierung des angefochtenen Entscheids ist
nicht dessen formelle Bezeichnung entscheidend, sondern sein materieller
Inhalt, d.h. die darin explizit abgehandelten Rechtsfragen (vgl. BGE 136 III
200 E. 2.3.3 S. 205, 597 E. 4; vgl. auch BGE 138 III 190 E. 5).

3.

3.1. Soweit die Vorinstanz die Rechtskraft gewisser Ziffern des
erstinstanzlichen Urteils des Strafgerichts vom 8. Oktober 2013 sowie des vom
Bundesgericht aufgehobenen Berufungsurteils vom 7. Oktober 2014 feststellt
(Dispositivziffer 1), handelt es sich um einen verfahrensabschliessenden
Endentscheid (Art. 90 BGG) einer letzten kantonalen Instanz (Art. 80 BGG) in
einer Strafsache (Art. 78 Abs. 1 BGG).

3.2. Dispositivziffer 1 des angefochtenen Beschlusses erweist sich in
mehrfacher Hinsicht als bundesrechtswidrig. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz
sind weder einzelne Dispositivziffern des erstinstanzlichen Urteils des
Strafgerichts vom 8. Oktober 2013 noch des vom Bundesgericht aufgehobenen
Berufungsurteils vom 7. Oktober 2014 in Rechtskraft erwachsen.

3.2.1. Die Vorinstanz verkennt den reformatorischen Charakter der Berufung
(vgl. Botschaft vom 21. Dezember 2005 zur Vereinheitlichung des
Strafprozessrechts, BBl 2006 1318 Ziff. 2.9.3.3). Tritt das Berufungsgericht
auf die Berufung ein, fällt es ein neues, den erstinstanzlichen Entscheid
ersetzendes Urteil (Art. 408 StPO; BGE 141 IV 244 E. 1.3.3; Urteil 6B_466/2015
vom 28. September 2016 E. 2; je mit Hinweisen). Das erstinstanzliche Urteil
erwächst nur in dem Umfang in Rechtskraft, in dem es nicht angefochten ist und/
oder das Berufungsgericht auf die Berufung materiell nicht eintritt (vgl.
LUZIUS EUGSTER, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2.
Aufl. 2014, N. 1 ff. zu Art. 408 StPO). Der Beschwerdeführer hatte das
erstinstanzliche Urteil des Strafgerichts vollumfänglich angefochten und die
Vorinstanz ist uneingeschränkt auf die Berufung eingetreten. Sie hatte
sämtliche Anklagevorwürfe eigenständig zu beurteilen und hat in allen Punkten
ein das erstinstanzliche ersetzendes, neues Urteil gefällt (vgl. HUG/
SCHEIDEGGER, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl.
2014, N. 1 zu Art. 408 StPO). Das Urteil des Strafgerichts ist demnach auch
nicht in einzelnen Punkten in Rechtskraft erwachsen. Dass die Vorinstanz die
Tatvorwürfe ebenfalls als erstellt erachtet hat, ändert hieran nichts, denn sie
fällt unabhängig vom Ausgang des Berufungsverfahrens hinsichtlich der ihr zur
Entscheidung vorgelegten Punkte ein neues Urteil und nimmt nicht bloss eine
Sach- oder Rechtsprüfung des erstinstanzlichen Urteils vor. Entgegen der
Vorinstanz bedurfte es im bundesgerichtlichen Rückweisungsurteil (6B_318/2015)
somit auch keiner (förmlichen) Aufhebung des bereits durch das Berufungsurteil
ersetzten erstinstanzlichen Urteils respektive war eine solche gar nicht mehr
möglich, zumal das Urteil des Strafgerichts auch nicht Anfechtungsobjekt im
bundesgerichtlichen Verfahren war (vgl. Art. 80 Abs. 1 BGG; Urteil 6B_688/2015
vom 19. Mai 2016 E. 1.5.2).

3.2.2. Soweit die Vorinstanz in Ziffer 1 des angefochtenen Beschlusses die
Rechtskraft der Dispositivziffern 1.5 und 3 seines Berufungsurteils vom 7.
Oktober 2014 feststellt, ist darauf hinzuweisen, dass dies aufgrund des
vollumfänglichen kassatorischen Rückweisungsurteils des Bundesgerichts formell
nicht mehr existiert. Im Falle einer (teilweisen) Gutheissung einer Beschwerde
bringt lediglich ein reformatorischer Entscheid die Angelegenheit zum
endgültigen Verfahrensabschluss (vgl. Botschaft vom 28. Februar 2001 zur
Totalrevision der Bundesrechtspflege, BBl 2001 4345 f. Ziff. 4.1.4.5). Wird das
angefochtene Urteil aufgehoben und die Sache an die Vorinstanz zurückgewiesen,
erwächst aufgrund der kassatorischen Wirkung der angefochtene Entscheid nicht
in Rechtskraft bzw. die Rechtskraft wird aufgehoben (vgl. hierzu
Parallelverfahren 6B_12/2016 vom 8. Dezember 2016 E. 2.3.2 mit Hinweisen).

3.3. Dass die Vorinstanz den angefochtenen Entscheid mit Beschluss vom 10.
Februar 2016 "erläutert" hat und dieser unangefochten blieb, ist für den
vorliegenden Verfahrensausgang unerheblich. Mit der Aufhebung des Beschlusses
fällt auch dessen Erläuterung dahin, weshalb sich Ausführungen dazu erübrigen.

3.4. Soweit die Vorinstanz das Strafverfahren gegen den Beschwerdeführer
hinsichtlich der Punkte, die im bundesgerichtlichen Rückweisungsurteil nicht
beanstandet wurden, zum Abschluss bringen will, hat sie diesbezüglich ein Teil 
urteil zu fällen, da formell noch kein materieller Entscheid über Straf- oder
Zivilfragen vorliegt (vgl. Art. 80 Abs. 1 Satz 1 StPO).
In formeller Hinsicht ist darauf hinzuweisen, dass ein gemäss Art. 408 StPO zu
fällendes Berufungsurteil den Formerfordernissen von Art. 81 StPO genügen muss
(Urteil 6B_99/2012 vom 14. November 2012 E. 5.4). Auch im Rahmen einer
beschränkten Berufung drängt es sich aufgrund des Wortlauts von Art. 81 Abs. 4
StPO auf, nicht die Rechtskraft einzelner Dispositivziffern des
erstinstanzlichen Urteils, sondern des Entscheidergebnisses, d.h. der Anordnung
der Rechtsfolgen (über Schuld und Sanktion, Kosten- und Entschädigungsfolgen)
unter Nennung der angewandten Gesetzesbestimmungen festzuhalten.

4.

4.1. Der Aufhebungs- und Rückweisungsbeschluss an die erste Instanz
(Dispositivziffer 2) stellt einen selbstständig eröffneten Zwischenentscheid
dar, denn er schliesst den Prozess nicht ab.
Ob die Vorinstanz mit dem Aufhebungs- und Rückweisungsentscheid gemäss Art. 409
Abs. 1 StPO, wonach die Rückweisung an das erstinstanzliche Gericht
grundsätzlich ausgeschlossen und nur bei Vorliegen wesentlicher
Verfahrensmängel vorgesehen ist, (implizit) einen selbstständigen Entscheid
über die (funktionale) Zuständigkeit im Sinne von Art. 92 BGG gefällt hat (vgl.
BGE 138 III 558 E. 1.3; 136 III 597 E. 4.2 S. 600; Urteil 4A_217/2012 vom 9.
Oktober 2012 E. 4.2, nicht publ. in: BGE 138 I 406), kann vorliegend
offenbleiben. Auch wenn der Aufhebungs- und Rückweisungsentscheid rechtlich als
"anderer" Zwischenentscheid i.S.v. Art. 93 BGG zu qualifizieren ist (vgl. BGE
135 III 329 E. 1.2; 133 IV 288 E. 2 f.), ist auf die Beschwerde einzutreten.
Rügt die beschwerdeführende Partei - wie vorliegend - mit hinreichender
Begründung eine Rechtsverweigerung und -verzögerung, wird praxisgemäss auf das
Erfordernis des nicht wieder gutzumachenden Nachteils verzichtet (BGE 138 IV
258 E. 1.1; 138 III 190 E. 6 S. 191 f.; 134 IV 43 E. 2.5, je mit Hinweisen).
Vorliegend könnte im Falle einer rechtswidrigen Rückweisung des Verfahrens an
das erstinstanzliche Gericht in Anbetracht der Natur des betroffenen Prozesses
nicht innerhalb angemessener Frist mit einem Urteil gerechnet werden, was eine
Verletzung des Beschleunigungsgebots zur Folge hätte. Der Beschwerdeführer wäre
trotz des seiner Ansicht nach unter Verletzung von Art. 409 Abs. 1 StPO zu
Stande gekommenen Entscheids zur Weiterführung des Prozesses bis zum Endurteil
gezwungen und könnte erst im bundesgerichtlichen Verfahren geltend machen, die
gesetzlich nur ausnahmsweise vorgesehene erneute Durchführung eines
erstinstanzlichen Hauptverfahrens sei rechtswidrig erfolgt. Dies würde sowohl
dem Zweck von Art. 92 BGG, gerichtsorganisatorische Fragen in jedem Verfahren
frühstmöglich zu bereinigen (Urteil 4A_217/2012 vom 9. Oktober 2012 E. 4.2,
nicht publ. in: BGE 138 I 406), als auch der Natur der Berufung als
grundsätzlich reformatorisches Rechtsmittel (Art. 398, Art. 408 StPO; BBl 2006
1318 Ziff. 2.9.3.3; BGE 141 IV 244 E. 1.3.3) widersprechen und wäre mit dem im
Strafverfahren besondere Bedeutung zukommenden Beschleunigungsgebot (Art. 5
Abs. 1 StPO; Art. 6 Ziff. 1 EMRK) nicht zu vereinbaren (vgl. BGE 136 II 165 E.
1.2.1 S. 171; Urteil 1C_256/2014 vom 17. März 2016 E. 1.1, nicht publ. in BGE
142 II 136).

4.2.

4.2.1. Die Rügen des Beschwerdeführers erweisen sich als begründet. Die
kassatorische Erledigung durch Rückweisung ist im Berufungsverfahren die
Ausnahme und kommt nur bei derart schwerwiegenden Mängeln des erstinstanzlichen
Verfahrens in Betracht, dass die Rückweisung zur Wahrung der Parteirechte
unumgänglich ist (Urteil 6B_794/2014 vom 9. Februar 2015 E. 8.2; MARKUS HUG,
in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO], 2. Aufl. 2014, N.
1 ff. zu Art. 409 StPO; je mit Hinweisen). Dass im Berufungsverfahren
zusätzliche Beweiserhebungen erforderlich sind, stellt grundsätzlich keinen
schwerwiegenden Verfahrensmangel im Sinne von Art. 409 Abs. 1 StPO dar, der
eine Rückweisung an das erstinstanzliche Gericht rechtfertigt. Die Berufung
dient dazu, allfällige Fehler des erstinstanzlichen Gerichts zu beheben, und
bringt es mit sich, dass sich die Berufungsinstanz unter Umständen mit neuen
Behauptungen und Beweisen zu Tat- und Rechtsfragen auseinandersetzen muss, für
deren Beurteilung alsdann nur eine Instanz zur Verfügung steht (Urteil 6B_20/
2014 vom 14. November 2014 E. 2.2). Das Berufungsgericht verfügt über
umfassende Kognition in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht (Art. 398 Abs. 2
und 3 StPO). Es kann den Sachverhalt neu feststellen und erhebt gemäss Art. 389
Abs. 3 StPO die dazu erforderlichen zusätzlichen Beweise von Amtes wegen oder
auf Antrag einer Partei (vgl. auch Art. 343 i.V.m. 405 Abs. 1 StPO; Urteil
6B_362/2012 vom 29. Oktober 2012 E. 8.4.2). Eine unmittelbare Beweisabnahme hat
im Rechtsmittelverfahren gestützt auf Art. 343 Abs. 3 i.V.m. Art. 405 Abs. 1
StPO auch dann zu erfolgen, wenn - wie bei "Aussage gegen Aussage"
Konstellationen - die unmittelbare Kenntnis des Beweismittels für die
Urteilsfällung notwendig erscheint (BGE 140 IV 196 E. 4.4.1; Urteil 6B_70/2015
vom 20. April 2016 E. 1.3). Ist die unmittelbare Kenntnis des Beweismittels für
die Urteilsfällung notwendig i.S.v. Art. 343 Abs. 3 StPO, hat das Gericht den
Beweis zwingend abzunehmen, andernfalls beruht die Aussagewürdigung auf einer
unvollständigen Grundlage. Dies gilt sowohl für das erstinstanzliche als auch
für das Berufungsverfahren, denn die Beweiserhebung durch das Erstgericht kann
die erforderliche unmittelbare Kenntnis des Berufungsgerichts nicht ersetzen
(Urteile 6B_70/2015 vom 20. April 2016 E. 1.4.2; 6B_1319/2015 vom 26. Mai 2016
E. 2.4).

4.2.2. Die Vorinstanz hätte das Berufungsverfahren fortführen und die
erforderliche Einvernahme der Auskunftsperson B.________ in Anwendung von Art.
389 Abs. 2 und 3 StPO (vgl. Urteil 6B_630/2012 vom 15. Juli 2013 E. 2.5 mit
Hinweisen) selber vornehmen müssen. Mangels gravierender Verfahrensfehler war
insbesondere in Beachtung des Beschleunigungsgebots (Art. 5 Abs. 1 StPO) kein
Raum für eine Rückweisung an die erste Instanz. Der vom Beschwerdeführer
gerügten Verletzung des rechtlichen Gehörs (vgl. hierzu: NIKLAUS SCHMID,
Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 2. Aufl. 2013, N. 4 zu
Art. 409 StPO; LUZIUS EUGSTER, a.a.O., N. 2 zu Art. 409 StPO; MARKUS HUG,
a.a.O., N. 1 ff. zu Art. 409 StPO) kommt vorliegend keine über Art. 409 Abs. 1
StPO hinausgehende eigenständige Bedeutung.

5.
Die Beschwerde erweist sich als begründet. Die Sache ist zur Durchführung einer
mündlichen Berufungsverhandlung mit Einvernahme von B.________ an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Der Kanton Schwyz hat den Beschwerdeführer für das
bundesgerichtliche Verfahren angemessen zu entschädigen (Art. 68 Abs. 2 BGG).

 Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen, der Beschluss des Kantonsgerichts Schwyz vom
23. November 2015 aufgehoben und die Sache zur Durchführung einer mündlichen
Berufungsverhandlung sowie Beurteilung durch die Vorinstanz an diese
zurückgewiesen.

2.
Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

3.
Der Kanton Schwyz hat den Beschwerdeführer für das bundesgerichtliche Verfahren
mit Fr. 3'000.- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht Schwyz schriftlich
mitgeteilt.

Lausanne, 28. Dezember 2016

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Denys

Der Gerichtsschreiber: Held

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