Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.55/2015
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

[8frIR2ALAGK1]     
{T 0/2}
                   
6B_55/2015

Urteil 7. April 2015

Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Denys, Präsident,
Bundesrichter Oberholzer,
Bundesrichterin Jametti,
Gerichtsschreiberin Schär.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Thomas Lämmli,
Beschwerdeführerin,

gegen

Staatsanwaltschaft des Kantons Schaffhausen, Bahnhofstrasse 29, 8200
Schaffhausen,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Mord und versuchter Mord; Strafzumessung,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Schaffhausen vom 22.
Mai 2014.

Sachverhalt:

A.

 Bereits Ende 2010 fasste X.________ den Entschluss, ihre Eltern zu töten und
überlegte sich drei konkrete Tötungsszenarien. Am 26. Juli 2011 verliess sie um
ca. 03.00 Uhr ihren Wohnort in U.________ unter Mitnahme von zwei
Küchenmessern, in der Absicht, damit ihre Eltern umzubringen. Mit dem Fahrrad
begab sie sich an den Wohnort der Eltern. Kurz nach 04.00 Uhr verschaffte sie
sich mit dem Schlüssel, welchen ihr die Eltern überlassen hatten, Zutritt zur
elterlichen Wohnung. Ihr Vater A.________ lag zu jener Zeit schlafend auf dem
Sofa. Sie stach ihm mit einem der mitgebrachten Messer gezielt in den Hals und
stach weiter auf ihn ein, als dieser sich wehrte. Nachdem die Mutter B.________
und später auch noch der Bruder C.________ dazugekommen waren, konnten sie ihr
das Messer entreissen. Während C.________ im Büro die Notrufnummer wählte,
griff X.________ erneut zum Messer und stach B.________ ebenfalls in den Hals.
A.________ verstarb noch am Tatort durch Verbluten in Kombination mit massivem
Einatmen von Blut. B.________ überlebte. Sie erlitt am Hals eine tiefe Wunde
und Schnittverletzungen an den Händen.

B.

 Das Kantonsgericht Schaffhausen sprach X.________ am 20. Dezember 2012 des
Mordes und des versuchten Mordes schuldig und bestrafte sie mit einer
Freiheitsstrafe von 18 Jahren, unter Anrechnung von 148 Tagen
Untersuchungshaft. Zudem ordnete es eine vollzugsbegleitende ambulante
therapeutische Massnahme an und stellte fest, dass X.________ die
Schadenersatzforderung von B.________ anerkannt hat. X.________ wurde zur
Zahlung von Genugtuungen an ihre Mutter sowie die Geschwister C.________ und
D.________ verpflichtet.

C.

 X.________ und die Staatsanwaltschaft erhoben Berufung an das Obergericht des
Kantons Schaffhausen. Dieses bestätigte den Schuldspruch und verurteilte
X.________ zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe. Es ordnete eine
stationäre therapeutische Massnahme an und schob den Strafvollzug zugunsten der
Massnahme auf. Bezüglich der Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen
bestätigte es das erstinstanzliche Urteil.

D.

 X.________ führt Beschwerde in Strafsachen. Sie beantragt, es seien die
Ziffern 1., 2. und 3. (Schuldspruch und Strafmass) des angefochtenen Urteils
aufzuheben. Sie sei wegen vorsätzlicher sowie versuchter vorsätzlicher Tötung
schuldig zu sprechen und mit einer Freiheitsstrafe von 10 Jahren zu bestrafen.
Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Für das bundesgerichtliche Verfahren ersucht X.________ um unentgeltliche
Rechtspflege und Verbeiständung.

Erwägungen:

1.

 Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die
Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Die vorinstanzliche
Sachverhaltsfeststellung kann nur gerügt werden, wenn sie offensichtlich
unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht
und wenn die Behebung des Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend
sein kann (Art. 97 Abs. 1 BGG; vgl. auch Art. 105 Abs. 1 und 2 BGG).
Offensichtlich unrichtig im Sinne von Art. 97 Abs. 1 BGG ist die
Sachverhaltsfeststellung, wenn sie willkürlich ist (BGE 139 II 404 E. 10.1 S.
445 mit Hinweisen; vgl. zum Begriff der Willkür BGE 139 III 334 E. 3.2.5 S.
339; 138 I 305 E. 4.3 S. 319; 138 I 49 E. 7.1 S. 51; je mit Hinweisen).

1.1. Die Beschwerde richtet sich in erster Linie gegen die Qualifikation der
Tat als Mord respektive versuchter Mord und gegen die Strafzumessung. In ihren
rechtlichen Ausführungen weicht die Beschwerdeführerin indessen mehrfach vom
vorinstanzlichen Sachverhalt ab, ohne diesen als willkürlich anzufechten (vgl.
Beschwerde S. 5 Ziff. 1.2, S. 9 Ziff. 1.4 und 1.5, S. 10 Ziff. 2.2 und S. 12 f.
Ziff. 2.6). Darauf ist nicht einzutreten (Art. 97 Abs. 1 und Art. 106 Abs. 2
BGG).

1.2. Konkrete Ausführungen macht die Beschwerdeführerin lediglich in Bezug auf
die familiäre Situation. Die Vorinstanz bagatellisiere die schwierigen
familiären Verhältnisse und die lebenslange, dauernde und schwere Verletzung
einer Kinderseele in schwer erträglicher Weise. Durch die Schläge des Vaters
und sein jahrelanges, ständiges Heruntermachen, Kritisieren und Entmutigen sei
sie depressiv geworden und habe die Informatikerschule nicht abschliessen
können. Sie habe sich in einer ausweglosen Situation gewähnt und aus tiefer
innerer Not heraus gehandelt. Die Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz in
diesem Zusammenhang seien offensichtlich unrichtig.

 Die Vorinstanz setzt sich ausführlich mit den Aussagen sämtlicher Beteiligter
auseinander. Gestützt darauf sei davon auszugehen, dass in der Familie ein
rauer und teilweise unangemessener Umgangston geherrscht habe. Das
Familienleben sei durch die autoritäre Person des Vaters geprägt gewesen. Die
Eltern hätten wenig familiäre Geborgenheit vermittelt und seien mit der
Erziehung der Beschwerdeführerin überfordert gewesen. Aufgrund dessen sei es zu
einer Fremdplatzierung gekommen. Die Vorinstanz erwähnt auch, dass die
Beschwerdeführerin mehrmals die Polizei gerufen hatte. Gelegentlich seien die
Kinder mit Ohrfeigen gemassregelt worden. In Bezug auf die Beschwerdeführerin
handle es sich jedoch lediglich um drei konkrete Vorfälle physischer Gewalt.
Einmal habe der Vater ihr mit der Hand die Kehle zugedrückt, was als
gravierendster Vorfall zu bezeichnen sei. Atemnot habe sie dabei nicht
verspürt. Zudem sei dies bereits viereinhalb Jahre vor der Tat geschehen. Von
regelmässigen Schlägen oder schweren Beleidigungen sowie systematischen
Blossstellungen könne keine Rede sein. Trotz der Schwierigkeiten habe sich der
Vater um die Beschwerdeführerin gekümmert. Er habe sie unterstützt.
Beispielsweise habe er einen Schulwechsel veranlasst und sie bei der
Informatikerschule angemeldet. Zudem hätten die Eltern für die
Beschwerdeführerin eine Wohnung gemietet.

 Die familiären Verhältnisse werden im vorinstanzlichen Entscheid umfassend
dargestellt. Erwähnt werden insbesondere auch die Schwierigkeiten innerhalb der
Familie. Die Aussagen der Beteiligten werden in den Gesamtkontext gesetzt und
in vertretbarer Weise gewürdigt. Die Vorinstanz durfte willkürfrei zum Schluss
gelangen, dass die Konflikte und Gewalt innerhalb der Familie bei weitem nicht
das von der Beschwerdeführerin behauptete Ausmass erreichten.

2.

 Die Beschwerdeführerin wendet sich gegen die rechtliche Würdigung ihrer Taten
als Mord und versuchter Mord. Diese seien als vorsätzliche Tötung bzw.
versuchte vorsätzliche Tötung zu qualifizieren.

2.1. Eine vorsätzliche Tötung ist als Mord zu qualifizieren, wenn der Täter
besonders skrupellos handelt, namentlich wenn sein Beweggrund, der Zweck der
Tat oder die Art der Ausführung besonders verwerflich sind (Art. 112 StGB).
Mord zeichnet sich nach der Rechtsprechung durch eine aussergewöhnlich krasse
Missachtung fremden Lebens bei der Durchsetzung eigener Absichten aus. Es geht
um die besonders verwerfliche Auslöschung eines Menschenlebens. Für die
Qualifikation verweist das Gesetz in nicht abschliessender Aufzählung auf
äussere (Ausführung) und innere Merkmale (Beweggrund, Zweck). Diese müssen
nicht alle erfüllt sein, um Mord anzunehmen. Entscheidend ist eine
Gesamtwürdigung der äusseren und inneren Umstände der Tat. Eine besondere
Skrupellosigkeit kann beispielsweise entfallen, wenn das Tatmotiv einfühlbar
und nicht krass egoistisch war, so etwa wenn die Tat durch eine schwere
Konfliktsituation ausgelöst wurde. Für Mord typische Fälle sind die Tötung
eines Menschen zum Zwecke des Raubes, Tötungen aus religiösem oder politischem
Fanatismus oder aus Geringschätzung. Die für eine Mordqualifikation
konstitutiven Elemente sind jene der Tat selber, während Vorleben und Verhalten
nach der Tat nur heranzuziehen sind, soweit sie tatbezogen sind und ein Bild
der Täterpersönlichkeit geben (zur Publikation bestimmtes Urteil 6B_600/2014
vom 23. Januar 2015 E. 4.1; BGE 127 IV 10 E. 1a S. 13 f.; je mit Hinweisen).

 Die Vorinstanz bejaht insbesondere das Mordmerkmal der Heimtücke. Unter
Heimtücke fällt die Ausnutzung besonderer Arg- und Wehrlosigkeit, so etwa wenn
der Ehegatte oder nahe Blutsverwandte im Schlaf getötet werden oder wenn das
Opfer, zu dem der Täter eine Liebesbeziehung unterhalten hatte, unter bewusster
Ausnutzung seiner Arglosigkeit in einen Hinterhalt gelockt wird (Urteil 6S.216/
1991 vom 22. Mai 1992 E. 4c mit Hinweisen; vgl. TRECHSEL/FINGERHUTH,
Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 2. Aufl. 2013, N. 21 zu Art.
112 StGB; CHRISTIAN SCHWARZENEGGER, in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 3.
Aufl. 2013, N. 22 zu Art. 112 StGB; je mit Hinweisen).

2.2. Die Vorinstanz hat die Hintergründe der Tat und deren Ausführung eingehend
beleuchtet und zieht zutreffende Schlussfolgerungen. Darauf kann grundsätzlich
verwiesen werden. Fraglich ist einzig, ob der Umstand, dass die
Beschwerdeführerin mit dem ihr überlassenen Schlüssel in die Wohnung gelangte,
als heimtückisch bezeichnet werden kann. Jedenfalls ist nicht ersichtlich, dass
sich die Beschwerdeführerin diesbezüglich das Vertrauen der Eltern erschlichen
hätte. Jedoch liegen auch ohne diese Feststellung mehrere
Qualifikationsmerkmale von Art. 112 StGB vor.

 Die Beschwerdeführerin verschaffte sich mitten in der Nacht Zutritt zur
elterlichen Wohnung, um ihren seit geraumer Zeit gereiften Plan, die Eltern
umzubringen, in die Tat umzusetzen. Unvermittelt stach sie auf den auf dem Sofa
schlafenden, ahnungs- und wehrlosen Vater ein. Sie stach ihm zuerst in den
Hals, da sie den Eintritt der Todesfolge auf diese Weise als am
wahrscheinlichsten einstufte. Auch als der Vater sich wehrte und zu schreien
begann, liess sie nicht von ihm ab. Weder während noch nach der Tat zeigte die
Beschwerdeführerin Gefühlsregungen. Nachdem sie die Eltern schwer verletzt
hatte, begab sie sich ins Badezimmer und legte sich ein Pflaster an den Finger.
Danach verliess sie die Wohnung, weil sie nicht mehr hören wollte, was der
Bruder und ihre Mutter sagten. Die Vorinstanz bezeichnet dieses Vorgehen zu
Recht als heimtückisch und kaltblütig. Zudem sind die Beweggründe der
Beschwerdeführerin in keiner Weise nachvollziehbar. Soweit sie in diesem Punkt
wiederum vom vorinstanzlichen Sachverhalt abweicht (Beschwerde S. 9 Ziff. 1.4),
sei auf die vorherigen Ausführungen (E. 1.1 f.) verwiesen. Die
Beschwerdeführerin wollte sich an ihren Eltern rächen, da sie diese für ihre
missliche persönliche Situation verantwortlich machte. Soweit die
Beschwerdeführerin mit Verweis auf BGE 104 IV 150 geltend macht, wenn der Tat
eine Konfliktsituation vorausgegangen sei, handle es sich in der Regel nicht um
Mord, sondern um eine vorsätzliche Tötung, kann ihr nicht gefolgt werden. Nicht
jede Konfliktsituation lässt die besondere Skrupellosigkeit im Sinne von Art.
112 StGB entfallen (vgl. Urteil 6B_734/2011 vom 3. April 2012 E. 7.3). Wie
ausgeführt (E. 1.2), gelangt die Vorinstanz willkürfrei zum Schluss, es habe
keine schwerwiegende familiäre Konfliktsituation vorgelegen. Jedenfalls habe
diese nicht ein derart gravierendes Ausmass angenommen, dass sie die Tat als
einfühlbar erscheinen lasse. Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin bereits
seit über vier Jahren nicht mehr zu Hause wohnte, weshalb nicht davon
auszugehen ist, dass sich die Konfliktsituation auf ihrem Höhepunkt befand. Die
Beschwerdeführerin setzte ihre eigenen Interessen über das Leben der Opfer
sowie diejenigen ihrer Geschwister. Angesichts der Tatumstände und des
Tatmotivs durfte die Vorinstanz in Bezug auf die Tötung des Vaters, ohne
Bundesrecht zu verletzen, die Skrupellosigkeit und damit den Tatbestand des
Mordes bejahen. Gleiches gilt für die versuchte Tötung der Mutter. Diese konnte
nicht ahnen, dass die Beschwerdeführerin, obwohl sie bereits überwältigt worden
war, an ihrem Tötungsvorsatz festhalten und erneut zum Messer greifen würde.
Die Mutter war auf den überraschenden Angriff nicht vorbereitet und diesem
daher schutzlos ausgeliefert. Der Beschwerdeführerin bereitete es sichtlich
keine grosse Mühe, dieselbe Tat innert weniger Minuten ein weiteres Mal zu
begehen. Auch bezüglich des Tötungsversuchs an der Mutter besteht ein
Missverhältnis zwischen Anlass und Tat. Die Beschwerdeführerin wirft ihrer
Mutter vor, den Vater all die Jahre geschützt und was die Beleidigungen angehe,
mitgemacht zu haben. Dass die familiären Konflikte und die behaupteten
Beleidigungen nicht ausserordentlich schwerwiegend waren, wurde bereits
mehrfach ausgeführt. Die Beschwerdeführerin wollte die Mutter aus einem
nichtigen Grund töten. Jedenfalls ist die Tat unter den erwähnten Umständen
sowie unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Mutter versuchte, der
Beschwerdeführerin auch nach deren Auszug in verschiedener Hinsicht zu helfen,
in keiner Weise nachvollziehbar. Die Verurteilung der Beschwerdeführerin wegen
Mordes respektive versuchten Mordes verletzt kein Bundesrecht.

3.

 Die Beschwerdeführerin wendet sich gegen die Strafzumessung.

3.1. Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung wiederholt
dargelegt. Darauf kann verwiesen werden (vgl. BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff. S. 59
ff. mit Hinweisen). Es liegt im Ermessen des Sachgerichts, in welchem Umfang es
die verschiedenen Strafzumessungsfaktoren berücksichtigt. Das Bundesgericht
greift nur ein, wenn die Vorinstanz den gesetzlichen Strafrahmen über- oder
unterschritten hat, wenn sie von rechtlich nicht massgebenden Kriterien
ausgegangen ist oder wesentliche Gesichtspunkte ausser Acht gelassen bzw. durch
Überschreitung oder Missbrauch ihres Ermessens falsch gewichtet hat (BGE 136 IV
55 E. 5.6 S. 61 mit Hinweis).

3.2. Die Beschwerdeführerin beanstandet das methodische Vorgehen der
Vorinstanz. Das Asperationsprinzip (Art. 49 Abs. 1 StGB) gelange vorliegend
nicht zur Anwendung, denn es handle sich nicht um zwei verschiedene Taten.
Vielmehr seien die Taten auf denselben Vorsatz und dieselbe Handlung
zurückzuführen. Sie bildeten somit einen Deliktskomplex. Die Beschwerdeführerin
verweist zur Begründung auf das Urteil 6B_496/2011 vom 19. November 2011. Aus
dem zitierten Entscheid kann sie jedoch nichts zu ihren Gunsten ableiten. Im
erwähnten Fall fuhr der Täter mit seinem Personenwagen in eine dicht gedrängte
Menschenmenge, wobei er in Kauf nahm, Personen auf diese oder jene Art zu
erfassen und ihnen tödliche Verletzungen zuzufügen. Das Bundesgericht hielt
fest, die Tat bilde zeitlich, sachlich und situativ eine Einheit. Der Taterfolg
zum Nachteil von vier Opfern sei durch ein und dieselbe Handlung aufgrund
desselben Tatentschlusses verwirklicht worden. Wenn die Vorinstanz die
Einsatzstrafe unter diesen Umständen anhand des Deliktskomplexes der mehrfachen
versuchten Tötung bilde bzw. diese als Grundlage für die Bildung der
Einsatzstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB heranziehe, widerspreche dieses Vorgehen
nicht den Regeln der Methodik bei der Strafzumessung. Der vorliegende Fall
unterscheidet sich davon insofern, dass die Taten nicht durch eine einzige
Handlung verwirklicht wurden. Vielmehr wurden sie nacheinander verübt und
richteten sich gezielt gegen zwei unterschiedliche Rechtsgutträger. Es kann
daher nicht von einem Deliktskomplex gesprochen werden (vgl. dazu DONATSCH/TAG,
Strafrecht I, Verbrechenslehre, 9. Aufl. 2013, S. 412 f.).

3.3. Die Beschwerdeführerin rügt, die Vorinstanz verletze das
Doppelverwertungsverbot, indem sie die mordqualifizierenden Merkmale beim
Tatverschulden erneut berücksichtige.

 Das Doppelverwertungsverbot bedeutet, dass Umstände, die zur Anwendung eines
höheren oder tieferen Strafrahmens führen, innerhalb des geänderten
Strafrahmens nicht noch einmal als Straferhöhungs- oder Strafminderungsgrund
berücksichtigt werden dürfen. Sonst würde dem Täter der gleiche Umstand zweimal
zur Last gelegt oder zugutegehalten (BGE 118 IV 342 E. 2b S. 347 mit
Hinweisen).

 Die Vorinstanz war sich der Bedeutung des Doppelverwertungsverbots bewusst und
hat zutreffend ausgeführt, dass der Richter bei der Strafzumessung innerhalb
des durch einen Qualifikationsgrund erhöhten Strafrahmens zu berücksichtigen
hat, in welchem Ausmass dieser Qualifikationsgrund im konkreten Fall gegeben
ist (angefochtener Entscheid S. 39 f.; BGE 120 IV 67 E. 2b S. 72; 118 IV 342 E.
2b S. 347 f.; je mit Hinweisen). Es liegt auf der Hand, dass die Bemessung der
konkreten Strafe innerhalb des weiten Strafrahmens für Mord gerade auch vom
Ausmass der besonderen Skrupellosigkeit abhängt, welches die Schwere des
Verschuldens wesentlich mitbestimmt. Dass die Vorinstanz im vorliegenden Fall
dieses Ausmass als derart erheblich einstuft, dass sie die Höchststrafe als
angemessen erachtet, ist nicht zu beanstanden.

3.4. Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Vorinstanz hätte die schwierigen
familiären Verhältnisse, ihre Geständigkeit sowie die verminderte
Schuldfähigkeit stärker zu ihren Gunsten berücksichtigen müssen. Die Vorinstanz
berücksichtigt sämtliche erwähnten Faktoren leicht strafmindernd. Sie hält der
Beschwerdeführerin zwar zugute, dass sie sich in Bezug auf den Mordversuch an
der Mutter selbst belastete. Der Sachverhalt sei jedoch bereits durch andere
Strafuntersuchungshandlungen erstellt gewesen. Zudem zeige die
Beschwerdeführerin keinerlei Reue und Einsicht in das begangene Unrecht.
Insgesamt berücksichtigt sie die Kooperationsbereitschaft leicht strafmindernd.
Die vorinstanzlichen Erwägungen sind nicht zu beanstanden. Dass sie die
einzelnen Strafzumessungsfaktoren weniger stark gewichtet als es die
Beschwerdeführerin für richtig hält, stellt für sich allein keine Verletzung
von Bundesrecht dar.

3.5. Die Beschwerdeführerin ist der Ansicht, ihr jugendliches Alter sei
strafmindernd zu berücksichtigen. Entscheidend ist, ob die Beschwerdeführerin
volle Einsicht in das Unrecht ihrer Tat besass (vgl. Urteile 6B_32/2008 vom 13.
Mai 2008 E. 1.2; 6S.84/2005 vom 20. Oktober 2005 E. 3.4). Die Vorinstanz
erwägt, es sei kein Zusammenhang zwischen der Tat und dem jugendlichen Alter
der Beschwerdeführerin erkennbar. Sie habe die Tat nicht aus jugendlichem
Leichtsinn begangen. Aus den Akten ergibt sich nichts Gegenteiliges. Es sei
noch auf das psychiatrische Gutachten von Dr. med. Dieter Böhm vom 9. Februar
2012 hingewiesen. Demnach wurde bei der Beschwerdeführerin zwar eine
Persönlichkeitsstörung mit unreifen Zügen diagnostiziert. Ihre
Einsichtsfähigkeit sei deswegen jedoch nicht aufgehoben (act. 425 ff.; act.
435).

3.6. Schliesslich bemängelt die Beschwerdeführerin, die Vorinstanz hätte die
Tatsache, dass sie im Vorfeld der Tat sämtliche Hilfsangebote ausgeschlagen
habe, nicht straferhöhend berücksichtigen dürfen. Es handle sich dabei um eine
Folge ihrer Persönlichkeitsstörung. Vielmehr hätte dieser Umstand
verschuldensmindernd berücksichtigt werden müssen. Der Beschwerdeführerin kann
nicht gefolgt werden. Die verminderte Schuldfähigkeit, welche mit ihrer
psychischen Erkrankung einhergeht, wurde bereits leicht strafmindernd
berücksichtigt. Eine weitere Reduktion ist nicht angezeigt. Die Vorinstanz
wirft der Beschwerdeführerin vor, sämtliche Hilfsangebote und Therapien
abgelehnt und sich nicht ernsthaft um eine Praktikumsstelle bemüht zu haben. Im
weitesten Sinne zielen die vorinstanzlichen Erwägungen darauf ab, der
Beschwerdeführerin eine allgemeine Lebensführungsschuld vorzuwerfen, was
zumindest in der Lehre für unzulässig befunden wird ( WIPRÄCHTIGER/KELLER, in:
Basler Kommentar, Strafrecht I, 3. Aufl. 2013, N. 123 zu Art. 47 StGB mit
Hinweisen). Im Ergebnis ist die Strafzumessung der Vorinstanz allerdings,
selbst wenn die ablehnende Haltung gegenüber Hilfsangeboten nicht straferhöhend
berücksichtigt werden dürfte, nicht zu beanstanden. Die Vorinstanz
berücksichtigt sämtliche relevanten Strafzumessungskriterien. Ihre Erwägungen
und die daraus gezogenen Schlüsse sind nachvollziehbar. Sie verletzt das ihr
bei der Strafzumessung zustehende Ermessen nicht.

4.

 Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann. Bei
diesem Ausgang des Verfahrens wird die Beschwerdeführerin grundsätzlich
kostenpflichtig (Art. 66 Abs. 1 BGG). Ihr Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege
und Verbeiständung ist gutzuheissen, da von ihrer Bedürftigkeit auszugehen ist
und ihre Rechtsbegehren nicht von vornherein aussichtslos waren. Es sind keine
Kosten zu erheben. Ihrem Rechtsvertreter ist eine Entschädigung aus der
Bundesgerichtskasse auszurichten (Art. 64 Abs. 1 und 2 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.

 Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.

 Das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtspflege und
Verbeiständung wird gutgeheissen.

3.

 Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

4.

 Dem Anwalt der Beschwerdeführerin, Rechtsanwalt Thomas Lämmli, wird aus der
Bundesgerichtskasse eine Entschädigung von Fr. 3'000.-- ausgerichtet.

5.

 Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Schaffhausen
sowie B.________, C.________ und D.________ schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 7. April 2015

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Denys

Die Gerichtsschreiberin: Schär

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