Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.621/2015
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

[8frIR2ALAGK1]     
{T 0/2}
                   
6B_621/2015

Urteil vom 14. Juli 2015

Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Denys, Präsident,
Bundesrichter Oberholzer, Rüedi,
Gerichtsschreiber Näf.

Verfahrensbeteiligte
Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau, Frey-Herosé-Strasse 20, Wielandhaus,
5001 Aarau,
Beschwerdeführerin,

gegen

X.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Stephan Weber,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Widerhandlungen gegen das Heilmittelgesetz; Strafzumessung,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau, Strafgericht,
1. Kammer, vom 7. Mai 2015.

Sachverhalt:

A.

A.a. Das Bezirksgericht Bremgarten sprach X.________ am 26. Juni 2014 der
mehrfachen Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über Arzneimittel und
Medizinprodukte (Heilmittelgesetz; SR 812.21) im Sinne von Art. 86 Abs. 1 HMG
schuldig und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten, bedingt
vollziehbar bei einer Probezeit von drei Jahren. Das Obergericht des Kantons
Aargau hob dieses Urteil am 25. September 2014 auf und wies die Sache zur neuen
Entscheidung an die Vorinstanz zurück.

A.b. Das Bezirksgericht Bremgarten sprach X.________ am 11. Dezember 2014
erneut der mehrfachen Widerhandlung gegen das Heilmittelgesetz im Sinne von
Art. 86 Abs. 1 HMG schuldig und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 360
Tagessätzen zu Fr. 100.--, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von drei
Jahren.

Gegen dieses Urteil erklärten sowohl X.________ als auch die
Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau Berufung. Die Oberstaatsanwaltschaft
beantragte, es sei an Stelle der Geldstrafe eine Freiheitsstrafe von 14 Monaten
auszufällen. X.________ stellte die Anträge, er sei lediglich der Übertretung
gegen das Heilmittelgesetz im Sinne von Art. 87 Abs. 1 lit. f HMG schuldig zu
sprechen und hiefür mit einer Busse von 2'000 Franken zu bestrafen. Soweit die
Handlungen vor dem 26. Juni 2011 ausgeführt wurden, sei das Verfahren zufolge
Verjährung einzustellen.

B. 
Das Obergericht des Kantons Aargau sprach X.________ am 7. Mai 2015 in
teilweiser Gutheissung von dessen Berufung der Übertretung gegen das
Heilmittelgesetz im Sinne von Art. 87 Abs. 1 lit. f HMG schuldig und bestrafte
ihn mit einer Busse von 15'000 Franken. In Bezug auf die Handlungen vor dem 26.
Juni 2009 wurde das Verfahren zufolge Verjährung eingestellt.

C. 
Die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau erhebt Beschwerde in Strafsachen.
Sie beantragt, das Urteil des Obergerichts vom 7. Mai 2015 sei vollumfänglich
aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen zur Verurteilung von
X.________ wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Heilmittelgesetz gemäss
Art. 86 Abs. 1 HMG und zur angemessenen Sanktionierung.

Erwägungen:

1. 
Umstritten ist, ob der Beschwerdegegner durch den ihm zur Last gelegten,
unbestrittenen Handel mit Potenzmitteln und Hormonpräparaten den
Vergehenstatbestand gemäss Art. 86 Abs. 1 HMG oder lediglich den
Übertretungstatbestand im Sinne von Art. 87 Abs. 1 lit. f HMG erfüllte.

1.1. Das Bundesgesetz vom 15. Dezember 2000 über Arzneimittel und
Medizinprodukte (Heilmittelgesetz, HMG; SR 812.21), in Kraft seit 1. Januar
2002, unterscheidet zwischen Vergehen (Art. 86 HMG) und Übertretungen (Art. 87
HMG). Sofern keine schwerere strafbare Handlung nach dem Strafgesetzbuch oder
dem Betäubungsmittelgesetz vorliegt, wird gemäss Art. 86 Abs. 1 HMG mit
Gefängnis oder mit Busse bis zu 200'000 Franken bestraft, wer die Gesundheit
von Menschen gefährdet, indem er vorsätzlich eine der in lit. a bis g genannten
Handlungen vornimmt, etwa Arzneimittel ohne Zulassung, ohne Bewilligung oder
entgegen anderen Bestimmungen dieses Gesetzes herstellt, in Verkehr bringt,
verschreibt, einführt, ausführt oder damit im Ausland handelt (lit. b) oder
Heilmittel abgibt, ohne dazu berechtigt zu sein (lit. c). Wer gewerbsmässig
handelt, wird mit Gefängnis bis zu fünf Jahren und mit Busse bis zu 500'000
Franken bestraft (Art. 86 Abs. 2 HMG). Wer fahrlässig handelt, wird mit
Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Busse bis zu 100'000 Franken bestraft
(Art. 86 Abs. 3 HMG). Mit Haft oder mit Busse bis zu 50'000 Franken wird nach
Art. 87 Abs. 1 HMG unter anderen bestraft, wer vorsätzlich die Tatbestände nach
Art. 86 Abs. 1 HMG erfüllt, ohne dass dadurch die Gesundheit von Menschen
gefährdet wird (lit. f). Wer in den Fällen nach Abs. 1 lit. a, b, g oder f
gewerbsmässig handelt, wird mit Gefängnis bis zu sechs Monaten und mit Busse
bis zu 100'000 Franken bestraft (Art. 87 Abs. 2 HMG). Wer fahrlässig handelt,
wird mit Busse bis zu 10'000 Franken bestraft (Art. 87 Abs. 3 HMG).

Ob das vorschriftswidrige Inverkehrbringen von Heilmitteln als Vergehen (Art.
86 HMG) oder als Übertretung (Art. 87 HMG) zu qualifizieren ist, hängt
entscheidend davon ab, ob dadurch die Gesundheit von Menschen gefährdet wurde.

1.2.

1.2.1. Die in Art. 86 HMG aufgeführten Vergehenstatbestände sind gemäss den
Ausführungen in der Botschaft des Bundesrates zum Heilmittelgesetz als
Gefährdungsdelikte zu qualifizieren, und zwar als konkrete Gefährdungsdelikte.
Im Gegensatz zum Verletzungsdelikt, bei welchem die Schädigung eines
Rechtsgutes vorliegen muss, genügt beim konkreten Gefährdungsdelikt, dass das
geschützte Rechtsgut gefährdet, d.h. die Wahrscheinlichkeit einer Verletzung
geschaffen oder erhöht wird. Gemäss den weiteren Ausführungen in der Botschaft
bildet also die Gefährdung zusammen mit den einzelnen Tatbestandsvarianten von
Art. 86 Abs. 1 lit. a - g HMG den objektiven Tatbestand dieser Bestimmung.
Falls eine der in Absatz 1 genannten Tatbestandsvarianten erfüllt ist, ohne
dass die Gesundheit von Menschen gefährdet wird, kommt Art. 87 Abs. 1 lit. f
HMG zur Anwendung (Botschaft des Bundesrates zum Heilmittelgesetz, BBl 1999
3453 ff., 3562). Wird durch die Vornahme einer der in Art. 86 Abs. 1 HMG
genannten Handlungen nicht die Gesundheit von Menschen gefährdet, dann ist
lediglich der objektive Tatbestand einer Übertretung gemäss Art. 87 Abs. 1 lit.
f HMG erfüllt ( BENEDIKT F. SUTER, in: Basler Kommentar, Heilmittelgesetz,
2006, N. 4, 8 zu Art. 86 HMG). Den objektiven Vergehenstatbestand von Art. 86
Abs. 1 HMG erfüllt nicht schon, wer unter Missachtung von Bestimmungen
Arzneimittel abgibt, die geeignet sind, Menschen allgemein oder Angehörige von
bestimmten Risikogruppen in ihrer Gesundheit zu gefährden. Erforderlich ist
vielmehr, dass durch die vorschriftswidrige Abgabe von Arzneimitteln
tatsächlich Menschen konkret in ihrer Gesundheit gefährdet werden (BGE 135 IV
37 E. 2.4.1). Zur Erfüllung des Tatbestands von Art. 86 Abs. 1 HMG genügt es
mithin nicht, dass die Möglichkeit, Wahrscheinlichkeit oder das Risiko
respektive die Gefahr besteht, dass die Gesundheit von Menschen gefährdet wird.
Eine abstrakte respektive erhöht abstrakte Gefährdung reicht nicht aus. Es ist
eine konkrete Gefährdung erforderlich. Das bedeutet, dass durch das Verhalten
tatsächlich Menschen gefährdet worden sein müssen. Durch dieses Erfordernis,
das sich aus dem Gesetzeswortlaut ergibt (".... wer die Gesundheit von Menschen
gefährdet, indem er ..."), wird der Anwendungsbereich des Vergehenstatbestands
im Sinne von Art. 86 HMG erheblich eingeschränkt (Urteil 6B_374/2008 vom 27.
November 2008 E. 3.3.2).

1.2.2. Der Gesetzgeber sieht im Rahmen der Teilrevision des Heilmittelgesetzes
auch eine Änderung der Strafbestimmungen vor. Gemäss Art. 86a des Vorentwurfs
von 2009 sollte mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe
bestraft werden, wer vorsätzlich eine Widerhandlung nach Art. 86 Abs. 1 lit. a
HMG begeht - d.h. Arzneimittel ohne Zulassung oder Bewilligung etc. in Verkehr
bringt usw. - , ohne die Gesundheit von Menschen konkret zu gefährden, sofern
dabei verschreibungspflichtige Arzneimittel betroffen sind oder solche, die im
Fall ihrer Zulassung als verschreibungspflichtig gelten würden. Zur Begründung
wurde im Erläuternden Bericht ausgeführt, aufgrund der in der Praxis
aufgetretenen Beweisschwierigkeiten erscheine die Schaffung eines neuen
Straftatbestandes für angezeigt. Mit Art. 86a sollen neu Gesetzesverstösse
geahndet werden, die zwar zu keiner nachweislich konkreten Gefährdung der
Gesundheit von Menschen führten, von denen aber aufgrund der betroffenen
Heilmittel ein erhöhtes abstraktes Gefährdungspotential ausgehe (Erläuternder
Bericht zum Vorentwurf von 2009, S. 88 ff.). Nach Art. 86 des bundesrätlichen
Entwurfs von 2012 soll mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit
Geldstrafe bestraft werden, wer Arzneimittel ohne die erforderliche Zulassung
oder Bewilligung etc. in Verkehr bringt usw. Der Vergehenstatbestand gemäss dem
bundesrätlichen Entwurf setzt mithin im Unterschied zum geltenden Recht (Art.
86 Abs. 1 HMG) nicht mehr voraus, dass die Gesundheit von Menschen konkret
gefährdet wird. Gemäss den Ausführungen in der Botschaft wird Art. 86 Abs. 1
HMG neu als abstraktes Gefährdungsdelikt ausgestaltet (Botschaft des
Bundesrates vom 7. November 2012 zur Änderung des Heilmittelgesetzes, BBl 2013
1 ff, 106). Wenn aber durch die Tathandlung die Gesundheit von Menschen konkret
gefährdet wird und der Täter dies weiss oder annehmen muss, liegt nach dem
bundesrätlichen Entwurf (Art. 86 Abs. 2 lit. a) ein qualifizierter Fall vor,
für welchen Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren angedroht wird, womit eine
Geldstrafe verbunden wird. Mit diesen geplanten Änderungen der
Strafbestimmungen reagiert der Gesetzgeber auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung, wonach gemäss dem geltenden Gesetz der Vergehenstatbestand von
Art. 86 Abs. 1 HMG nur erfüllt ist, wenn durch die Tathandlung nachweislich
tatsächlich ein Mensch konkret gefährdet wurde, welcher Nachweis schwierig zu
erbringen ist (siehe Erläuternder Bericht S. 89 mit Hinweis auf BGE 135 IV 37
und Urteil 6B_374/2008 vom 27. November 2008).

1.3. Der Beschwerdegegner gab Hormonpräparate (Anabolika) und Potenzmittel
(Erektionsförderer) vorwiegend an Personen aus Bodybuilder-Kreisen ab.

1.3.1. In der Anklageschrift wird ausgeführt, dass die vom Beschwerdegegner
ohne Zulassung importierten und vertriebenen Medikamente die Gesundheit von
Menschen gefährdeten. Einerseits seien die Medikamente, welche durch Injizieren
konsumiert würden, nicht steril gewesen, weshalb die Gefahr von Infektionen
bestanden habe. Andererseits hätten diese Medikamente zahlreiche
gesundheitsgefährdende Nebenwirkungen (die in der Anklageschrift im Einzelnen
aufgeführt werden), welche bei Überdosierungen oder Kombination von Präparaten
noch verstärkt würden. Da es auch für einen Laien aufgrund der Verpackung,
Beschriftung, Vertrieb ohne Beipackzettel etc. offensichtlich gewesen sei, dass
die fraglichen Medikamente illegal und nicht von bekannten Pharmafirmen
hergestellt worden seien, habe der Beschwerdegegner klar davon ausgehen müssen
oder zumindest in Kauf genommen, dass die Medikamente nicht den Anforderungen
und den geltenden Standards entsprächen, was Sterilität und Qualität betreffe.

1.3.2. Die erste Instanz führt zur Gefährdung im konkreten Fall unter Hinweis
auf ein Gutachten Folgendes aus. Bei den anabolwirksamen Substanzen könnten
Nebenwirkungen wie Blutdruckerhöhung, Wassereinlagerungen, Schädigungen des
Herz-Kreislaufsystems, Herzhypertrophie, Veränderung des Fettstoffwechsels,
Leberschäden, Schädigung des Immunsystems, Blutgerinnsel und Schlaganfall
auftreten. Es gebe auch psychische Nebenwirkungen wie Depressionen,
Selbstüberschätzung ("Supermann-Syndrom") sowie Agressionen bis hin zu
Persönlichkeitsveränderungen. Weiter könnten geschlechterspezifische
Veränderungen auftreten: Bei Frauen eine Vermännlichung mit Stimmbruch,
Klitorisvergrösserung, männlicher Behaarung und Zyklusstörungen; bei Männern
Schrumpfen der Hoden, Verminderung der Spermienzahl, Impotenz, Prostataprobleme
und Brustwachstum. Auch bei den Erektionsförderern seien schwerwiegende
Nebenwirkungen wie beispielsweise plötzlicher Herztod, Schlaganfall,
plötzlicher Sehverlust und akute Hörminderung bis hin zu Taubheit möglich. Bei
Mischkonsum, wie er in Bodybuilder-Kreisen regelmässig der Fall sei, seien die
Nebenwirkungen stärker ausgeprägt und häufiger. Auch könne Mischkonsum zu
bleibenden Organschäden führen. Im Weiteren sei bekannt, dass bei Bodybuildern
die Tendenz bestehe, die betreffenden Substanzen überzudosieren und sie auch
über eine längere Zeitspanne einzunehmen, um möglichst schnell ein sichtbares
und spürbares Resultat zu erzielen. Der Beschwerdegegner habe denn auch seinen
Kunden immer wieder geraten, weniger zu nehmen. Abnehmer aus
Bodybuilder-Kreisen seien aufgrund ihrer Neigung zu Mischkonsum sowie der
Tendenz zur Überdosierung und Langzeiteinnahme zu einer Risikogruppe zu zählen.
Die Gesundheitsgefährdung werde weiter vergrössert durch die Tatsache, dass die
Produkte teilweise illegal hergestellt worden seien und somit die Gefahr
bestehe, dass die Vorschriften über die Sterilität nicht vollumfänglich
eingehalten worden seien; dadurch bestehe ein erhöhtes Infektionsrisiko. Weiter
enthielten die Verpackungen teilweise keine Beschriftung beziehungsweise keine
Beipackzettel und somit keine Angaben zu den Inhaltsstoffen und zur Dosierung,
womit die Gefahr einer Beeinträchtigung der Gesundheit durch eine Verwechslung
der Medikamente oder eine Falsch- bzw. Überdosierung erhöht sei. Abschliessend
hält es die erste Instanz zudem für relevant, dass der Beschwerdegegner
zusammen mit den anabolen Substanzen auch Erektionsförderer verkaufte. Es sei
somit davon auszugehen, dass zumindest ein Teil der Abnehmer durch die Einnahme
von anabolen Substanzen Potenzschwierigkeiten bekommen und deshalb die
Erektionsförderer benötigt hätten. Nach der Auffassung der ersten Instanz
stellten die aufgelisteten Nebenwirkungen nicht bloss eine abstrakte Gefahr
dar. Vielmehr sei erwiesen, dass die anabolen Substanzen, welche der
Beschwerdegegner selber konsumiert und weitergegeben habe, auch konkret zu
Beeinträchtigungen der Gesundheit (Potenz) geführt hätten. Gestützt auf die
genannten Tatsachen sei es als erstellt anzusehen, dass die betreffenden
Substanzen insbesondere in der Bodybuilder-Szene, welche zur Risikogruppe
zähle, zumindest als konkret gesundheitsgefährdend einzustufen seien
(erstinstanzliches Urteil S. 18 f.).

1.3.3. Die Vorinstanz erwägt, nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
genüge die blosse, wenn auch stark erhöhte abstrakte Gefährdung nicht. Der
Subsumtion der ersten Instanz sei deshalb nicht zu folgen. Es habe wohl eine
stark erhöhte abstrakte Gesundheitsgefährdung bestanden, doch habe der
Beschwerdegegner keine konkrete Gefahr geschaffen beziehungsweise werde ihm
solches weder in der Anklage vorgeworfen noch in den Untersuchungsakten
nachgewiesen. Die Anklage führe lediglich aus, dass der Beschwerdegegner die
Gesundheit von Menschen deshalb gefährdet habe, weil die Medikamente, welche
durch Injizieren konsumiert würden, nicht steril gewesen seien und weil sie
diverse gesundheitsgefährdende Nebenwirkungen zeitigten. Dass die Substanzen
gesundheitsgefährdend sein können und der Beschwerdegegner diese an weitere
Personen, in casu Bodybuilder, verkauft habe, vermöge noch keine konkrete
Gefährdung im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu begründen. Die
pauschale Behauptung, dass Bodybuilder zu Überdosierung, Misch- und
Langzeitkonsum neigten, sei nicht erwiesen beziehungsweise es sei aus den Akten
und der Anklage kein Misch-, Langzeit- oder Überkonsum von Abnehmern des
Beschwerdegegners ersichtlich. Es wäre Sache der Anklage gewesen, eine konkrete
Gesundheitsgefährdung nachzuweisen, zum Beispiel indem die Substanzen an einen
Kunden einer Risikogruppe geliefert worden seien. Dem Beschwerdegegner sei
somit keine konkrete Gesundheitsgefährdung von Menschen vorzuwerfen, weshalb
Art. 86 HMG nicht anwendbar sei (angefochtener Entscheid S. 22 f.).

1.3.4. Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Vorinstanz lasse ausser Acht,
dass es sich beim grössten Teil der vom Beschwerdegegner abgegebenen Präparate
nicht um Potenzförderer, sondern um Anabolika gehandelt habe. Diese müssten als
generell gesundheitsgefährdend angesehen werden, da sie immer starke
Nebenwirkungen mit sich brächten und bei längerem Konsum unter anderem die in
der Anklageschrift genannten geschlechtsspezifischen körperlichen Veränderungen
nach sich zögen, so dass bei den Langzeitkunden des Beschwerdegegners aus den
Bodybuilder-Kreisen davon ausgegangen werden müsse, dass ihre Gesundheit
konkret gefährdet und, soweit sie zusätzlich Erektionsförderer benötigten,
bezüglich der Sexualpotenz sogar auch tatsächlich beeinträchtigt worden sei.
Das Erfordernis einer konkreten Gefährdung sei vorliegend jedenfalls bei einer
dauernden Abgabe von Anabolika erfüllt, und der Beschwerdegegner müsse
dementsprechend für diese Handlungen wegen des Vergehenstatbestands und nicht
bloss wegen des Übertretungstatbestands schuldig gesprochen werden.

1.4.

1.4.1. Die Abgabe von Erektionsförderern kann eine konkrete Gefährdung der
Gesundheit von Menschen begründen, soweit das Produkt an Personen abgegeben
wird, die einer Risikogruppe (z.B. Personen mit Herz-/Kreislaufproblemen)
angehören (siehe BGE 135 IV 37 E. 2.4). Die Anklageschrift wirft dem
Beschwerdegegner nicht vor, dass er auch solchen Personen Erektionsförderer
abgegeben habe, und die erste Instanz stellt solches nicht fest.

1.4.2. Anabolika können nicht nur bei bestimmten Risikogruppen, sondern im
Prinzip bei jedermann Nebenwirkungen unterschiedlicher Art hervorrufen. Eine
Gefährdung der Gesundheit von Menschen im Sinne des Vergehenstatbestands von
Art. 86 Abs. 1 HMG ist indessen nur gegeben, wenn die Wahrscheinlichkeit von
Beeinträchtigungen der Gesundheit von einer gewissen Schwere besteht. Diese
Voraussetzung ist bei Anabolika nicht ohne Weiteres, sondern nur bei
Hinzukommen bestimmter Umstände erfüllt, insbesondere bei Langzeitkonsum. Es
mag zutreffen, dass in Bodybuilder-Kreisen Anabolika langfristig konsumiert
werden. Der Beschwerdegegner gefährdete aber nicht schon dadurch im Sinne von
Art. 86 Abs. 1 HMG die Gesundheit von Menschen, dass er Anabolika auch an
Bodybuilder abgab. Erforderlich ist vielmehr, dass er Bodybuilder langfristig
mit Anabolika versorgte. Erst dadurch und also nicht schon durch eine einmalige
oder gelegentliche Abgabe von Anabolika gefährdete er konkret die Gesundheit
der Abnehmer. Die erste Instanz hält fest, es sei erstellt, dass die Abnehmer
des Beschwerdegegners aus Bodybuilder-Kreisen stammten, wobei diese Kreise
aufgrund der Neigung zum Mischkonsum sowie der Tendenz zu Überdosierung und
Langzeiteinnahme zu einer Risikogruppe zu zählen seien (erstinstanzliches
Urteil S. 19). Damit stellt die erste Instanz nach der zutreffenden Würdigung
der Vorinstanz indessen nicht fest, es sei erwiesen, dass auch die konkreten
Abnehmer des Beschwerdegegners, entsprechend den Neigungen und Tendenzen in
Bodybuilder-Kreisen, in dieser Art Anabolika konsumierten.

1.4.3. Soweit die erste Instanz die konkrete Gesundheitsgefährdung auch damit
begründet, zufolge teilweiser illegaler Herstellung der Arzneimittel habe die
Gefahr bestanden, dass die Vorschriften betreffend Sterilität nicht
vollumfänglich eingehalten worden seien, stützt sie sich auf blosse Vermutungen
und bejaht sie eine abstrakte Gefahr, die zur Anwendung von Art. 86 HMG nicht
genügt. Soweit sie die konkrete Gesundheitsgefährdung damit begründet, dass die
Verpackungen der Medikamente teilweise keine Beschriftung und teilweise keine
Beipackzettel enthalten hätten und daher die Gefahr der Verwechslung respektive
Falsch- oder Überdosierung bestanden habe, stellt sie auf Umstände ab, die dem
Beschwerdegegner in der Anklageschrift nicht zur Last gelegt werden. Daher kann
dahingestellt bleiben, ob eine aus solchen Umständen resultierende Gefahr unter
dem Gesichtspunkt von Art. 86 Abs. 1 HMG überhaupt relevant sein kann.

1.5. Die tatsächlichen Voraussetzungen für die Bejahung einer konkreten
Gefährdung von Menschen durch das Verhalten des Beschwerdegegners sind daher
nach der willkürfreien Auffassung der Vorinstanz nicht erstellt.

2. 
Die Beschwerde ist somit abzuweisen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind
keine Kosten zu erheben. Dem Beschwerdegegner ist keine Entschädigung
zuzusprechen, da ihm im bundesgerichtlichen Verfahren keine Umtriebe entstanden
sind.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Es werden keine Kosten erhoben.

3. 
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Aargau,
Strafgericht, 1. Kammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 14. Juli 2015

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Denys

Der Gerichtsschreiber: Näf

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