Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.65/2015
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

[8frIR2ALAGK1]     
{T 0/2}
                   
6B_65/2015

Urteil vom 25. März 2015

Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Denys, Präsident,
Bundesrichterin Jacquemoud-Rossari,
Bundesrichter Rüedi,
Gerichtsschreiber Näf.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
vertreten durch Advokat Marco Albrecht,
Beschwerdeführer,

gegen

1. Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Maulbeerstrasse 10, 3011 Bern,
2. A.________ AG,
vertreten durch Rechtsanwalt Oliver Krüger,
Beschwerdegegnerinnen.

Gegenstand
Verletzung von Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnissen durch Ausnützen von
Verrat (Art. 162 Abs. 2 StGB), Verleitung von Arbeitnehmern zum Verrat von
Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnissen (Art. 23 Abs. 1 i.V.m. Art. 4 lit. c
UWG); Anklagegrundsatz; Strafantrag; Verjährung etc.,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Bern, Strafabteilung,
2. Strafkammer, vom 15. April 2014.

Sachverhalt:

A. 

 Die A.________ AG ist spezialisiert auf die Herstellung von chemischen
Produkten insbesondere für die Fahrzeugpflege, wie Motorreiniger,
Scheibenreiniger, Rostentferner etc. B.________ war von 2004 bis 2008 als
Chemiker und Leiter "Labor und Produktion" bei der A.________ AG angestellt. Er
war arbeitsvertraglich verpflichtet, über alle Fabrikations- und
Geschäftsgeheimnisse strenge Verschwiegenheit zu bewahren, dies auch nach
Beendigung des Arbeitsverhältnisses, und er durfte in keinem Unternehmen tätig
sein, das Produkte für die Fahrzeugreinigung für gewerbliche und private
Anwender entwickelt und herstellt. B.________ wurde das Arbeitsverhältnis am
11./12. Februar 2008 per 12. April 2008 gekündigt, und er wurde sofort
freigestellt.

 X.________ war von 1990 bis 2000 und dann wiederum 2003/2004 als
Aussendienstmitarbeiter bei der A.________ AG tätig. Nach einer Anstellung bei
einem anderen Unternehmen beschloss er im Jahre 2006, sich selbstständig zu
machen. Im November 2006 gründete er das Einzelunternehmen C.________. Das
Unternehmen bezweckt die Produktion von und den Handel mit
Autoreinigungsprodukten.

 X.________ und B.________ waren seit dem Jahr 2000 miteinander bekannt. Gegen
Ende 2006 fragte X.________ B.________ an, ob dieser ihm beim Schritt in die
Selbstständigkeit behilflich sein könne. B.________ versprach zu helfen, so gut
es gehe. Er erwartete und erhielt für seine Ratschläge von X.________ keine
Entschädigung, zumal dessen Unternehmen am Anfang nicht besonders gut lief.

B. 

 Das Obergericht des Kantons Bern, Strafabteilung, 2. Strafkammer, verurteilte
B.________ am 15. April 2014 in Bestätigung des Entscheids des Regionalgerichts
Bern-Mittelland, Einzelgericht, vom 29. April 2013 wegen Verletzung von
Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnissen, begangen in der Zeit ab ca. Oktober
2006 bis ins Jahr 2007 zum Nachteil der Firma A.________ AG durch Verrat, zu
einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 50.--, bedingt vollziehbar bei einer
Probezeit von zwei Jahren.

 Es sprach X.________ in Bestätigung des erstinstanzlichen Entscheids der
Verletzung von Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnissen, begangen in der Zeit
ab ca. Oktober 2006 bis ins Jahr 2007 in Zollikofen, Binningen, Muttenz und
eventuell anderswo zum Nachteil der Firma A.________ AG durch Ausnützen eines
Verrats, sowie der Widerhandlung gegen das UWG, begangen in der Zeit ab Oktober
2006 bis ins Jahr 2007 zum Nachteil der Firma A.________ AG durch Verleitung zu
Vertragsverletzung, schuldig und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 120
Tagessätzen zu Fr. 80.--, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von zwei
Jahren.

C. 

 X.________ führt Beschwerde in Strafsachen mit dem Antrag, der Entscheid des
Obergerichts vom 15. April 2014 sei aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung
an die Vorinstanz zurückzuweisen.

Erwägungen:

1. 

1.1. Der Beschwerdeführer macht geltend, die Anklageschrift sei in mehrfacher
Hinsicht mangelhaft und reiche daher als Urteilsgrundlage nicht aus. Die
Anklageschrift enthalte keine Angaben über den Ort und die Zeitdauer der
inkriminierten Taten, deren Folgen und den Deliktsbetrag. Die Tatzeit sei für
die Frage der Verjährung von Bedeutung. Der Deliktsbetrag sei im Zusammenhang
mit der Strafzumessung relevant. Die Anklageschrift stelle auch nicht dar, ab
welchem Zeitpunkt und durch welche Verhaltensweisen seine Handlungen die
Intensität eines Verleitens beziehungsweise einer Anstiftung erreicht hätten.
Aus der Anklageschrift gehe zudem nicht hervor, woraus sich ergibt, dass er
gewusst oder zumindest in Kauf genommen habe, dass die von ihm erfragten
Tatsachen Geheimnisse seien und der Adressat seiner Fragen Geheimnisträger sei.

1.2. Die Anklageschrift bezeichnet gemäss Art. 325 Abs. 1 StPO unter anderem
(f.) möglichst kurz, aber genau: die der beschuldigten Person vorgeworfenen
Taten mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung;
(g.) die nach Auffassung der Staatsanwaltschaft erfüllten Straftatbestände
unter Angabe der anwendbaren Gesetzesbestimmungen.

 In der Anklageschrift vom 17. Oktober 2011 werden dem Beschwerdeführer
Verletzung von Fabrikationsgeheimnissen (Art. 162 Abs. 2 StGB) sowie
Widerhandlungen gegen das Bundesgesetz über den unlauteren Wettbewerb durch
Verleitung zum Geheimnisverrat (Art. 4 lit. c i.V.m. Art. 23 Abs. 1 UWG) zur
Last gelegt. In der Anklageschrift wird dargestellt, dass der Beschwerdeführer,
Geschäftsführer und Geschäftsinhaber der Firma C.________, den Mitbeschuldigten
B.________, welcher bei der Konkurrenzfirma A.________ AG als Leiter "Labor und
Produktion" tätig gewesen sei, in der Zeit von ca. Oktober 2006 bis ins Jahr
2007 wiederholt und insistierend angefragt habe, ob dieser für die Firma
C.________, welche sich im Aufbau befinde, Informationen über Details von
chemischen Formeln und Rezepturen von Produkten der A.________ AG weitergeben
könne. In der Folge habe der Mitbeschuldigte B.________, welcher gemäss seinem
Arbeitsvertrag zur strengen Verschwiegenheit über alle Fabrikations- und
Geschäftsgeheimnisse der A.________ AG verpflichtet gewesen sei, in Zollikofen,
Binningen, Muttenz und eventuell anderswo dem Beschwerdeführer mündlich und
schriftlich Details von chemischen Formeln und Rezepturen einzelner Produkte
der A.________ AG, welche nicht allgemein bekannt und nur einem beschränkten
Personenkreis der A.________ AG zugänglich gewesen seien, übermittelt. Die auf
diese Weise erhaltenen Informationen habe der Beschwerdeführer anschliessend
verwendet, um sich für die Produkte der Firma C.________ auf dem Markt einen
Vorteil zu verschaffen.

1.3.

1.3.1. Die Vorinstanzen erachten die Anklageschrift entgegen der Behauptung des
Beschwerdeführers keineswegs allein mit der Begründung als ausreichend, "dem
Beschwerdeführer sei schlussendlich bekannt gewesen, was ihm vorgeworfen" werde
(Beschwerde S. 4). Die Vorinstanzen setzen sich vielmehr ausführlich mit den
vom Beschwerdeführer schon im kantonalen Verfahren erhobenen Rügen der
ungenügenden Anklageschrift beziehungsweise der Verletzung des
Anklagegrundsatzes auseinander (erstinstanzliches Urteil S. 28 f.;
angefochtener Entscheid S. 45 f.).

1.3.2. In der Anklageschrift werden Ort, Datum und Zeit der inkriminierten
Handlungen hinreichend klar genannt.

 Aus der Anklageschrift geht sodann klar hervor, worin die Anklagebehörde die
tatbestandsmässige Verleitung zum Verrat von Fabrikationsgeheimnissen erblickt,
nämlich darin, dass der Beschwerdeführer den Mitangeklagten "in der Zeit von
ca. Oktober 2006 bis ins Jahr 2007 wiederholt und insistierend" anfragte.
Entgegen den Andeutungen des Beschwerdeführers muss in der Anklageschrift nicht
dargestellt werden, in welchem Augenblick eine nach Auffassung der
Anklagebehörde noch nicht tatbestandsmässige Anfrage zu einem
tatbestandsmässigen Verleiten wurde.

1.3.3. Richtig ist, dass die Folgen der inkriminierten Taten, wozu unter
anderem der Schaden beziehungsweise der Deliktsbetrag zählt, in der
vorliegenden Anklageschrift nicht genannt werden. Dies schadet jedoch nicht.
Der Deliktsbetrag ist nur anzugeben, wenn und soweit er für den Tatbestand,
welchen die Anklagebehörde als erfüllt erachtet, relevant ist (Heimgartner/
Niggli, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl.
2014, Art. 325 StPO N. 21; Landshut/Bosshard, in: Kommentar zur Schweizerischen
Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, Art 325 N. 16). Dies trifft in Bezug auf
die vorliegend zur Diskussion stehenden Straftatbestände (Art. 162 Abs. 2 StGB;
Art. 23 Abs. 1 i.V.m. Art. 4 lit. c UWG) nicht zu. Der Straftatbestand von Art.
162 StGB erfordert insoweit allein, dass das Geheimnis eine gewisse
wirtschaftliche Relevanz hat (siehe BGE 118 Ib 547 E. 5a; 109 Ib 47 E. 5c;
Urteile 6B_496/2007 vom 9. April 2008 E. 5.1; 6B_56/2014 vom 16. Dezember 2014
E. 8.1). Auch beim Tatbestand gemäss Art. 23 Abs. 1 i.V.m. Art. 4 lit. c UWG
ist insoweit jedenfalls nicht mehr erforderlich. Dass die wirtschaftliche
Relevanz gegeben ist, wird in der Anklageschrift dadurch zum Ausdruck gebracht,
dass der Beschwerdeführer einen Vorteil auf dem Markt angestrebt habe.

 Der Deliktsbetrag kann allerdings für die Strafzumessung von Bedeutung sein.
In der Anklageschrift müssen indessen die Umstände, die allein für die
Strafzumessung relevant sind, nicht angegeben werden. Im Übrigen ist bei den
vorliegend inkriminierten Straftaten der Verleitung zur Verletzung von
Fabrikationsgeheimnissen und der Ausnützung von Geheimnisverrat die Bestimmung
eines Deliktsbetrags oft nicht möglich. Die Vorinstanz hält in ihren
Strafzumessungserwägungen ausdrücklich fest, das Ausmass des verschuldeten
Erfolgs beziehungsweise des Schadens für die Konkurrenz und des eigenen
Vorteils bleibe offen (angefochtenes Urteil S. 56).

1.3.4. Richtig ist auch, dass dem Beschwerdeführer in der Anklageschrift nicht
ausdrücklich Vorsatz vorgeworfen wird. Das schadet jedoch nicht. Die
eingeklagten Straftatbestände (Art. 162 Abs. 2 StGB; Art. 23 Abs. 1 i.Vm. Art.
4 lit. c UWG) sind nur bei Vorsatz strafbar. Dass die vom Beschwerdeführer
erfragten Tatsachen Fabrikationsgeheimnisse der Beschwerdegegnerin 2 waren,
welche der Mitangeklagte als Leiter "Labor und Produktion" der
Beschwerdegegnerin 2 bewahren sollte, liegt auf der Hand, war deshalb
offensichtlich auch dem Beschwerdeführer bekannt und musste daher in der
Anklageschrift nicht ausdrücklich erwähnt werden.

2. 

2.1. Der Beschwerdeführer macht geltend, die Beschwerdegegnerin 2 habe in ihrem
Strafantrag seine Bestrafung wegen Verletzung von Art. 162 StGB, nicht auch
seine Bestrafung wegen Widerhandlung gegen das UWG im Sinne von Art. 4 lit. c
UWG verlangt. Sie habe damit ihren Strafantrag bewusst sachlich beschränkt. Die
Anklagebehörde habe in Missachtung dieser Beschränkung auch Anklage wegen
unlauteren Wettbewerbs im Sinne von Art. 4 lit. c UWG erhoben. Er habe bereits
im kantonalen Verfahren vorgetragen, dass eine derartige Ausdehnung der Anklage
im Rahmen eines Privatklageverfahrens unzulässig sei. Die Vorinstanz sei auf
diesen Einwand nicht eingegangen. Damit habe sie auch ihre Begründungspflicht
verletzt.

2.2. Die Beschwerdegegnerin 2 reichte mit Eingabe vom 11. Juli 2008
Strafanzeige/Strafantrag/Privatklage gegen B.________ und gegen unbekannte
Täterschaft wegen Verletzung des Fabrikationsgeheimnisses (Art. 162 StGB) ein
(kant. Akten p. 34 ff.). In der Eingabe wird festgehalten, die Umstände der Tat
sowie die Frage, ob sich auch Mitarbeiter der Firma C.________ oder anderer
Konkurrenzunternehmen schuldig gemacht hätten (Anstiftung, Mittäterschaft,
Gehilfenschaft), könne nur im Strafverfahren geklärt werden (kant. Akten p.
41). Von Widerhandlungen gegen das UWG war in der Eingabe vom 11. Juli 2008
nicht die Rede. Mit Eingabe vom 9. Februar 2009 reichte die Beschwerdegegnerin
2 Strafanzeige/Strafantrag/Privatklage gegen den Beschwerdeführer wegen
Verletzung des Fabrikationsgeheimnisses (Art. 162 StGB) und unlauteren
Wettbewerbs (Art. 6 i.V.m. Art. 23 UWG) ein (kant. Akten p. 72 ff.). Von einer
Widerhandlung im Sinne von Art. 4 lit. c i.V.m. Art. 23 UWG war nicht die Rede.

2.3. Die Vorinstanz hält fest, es sei unerheblich, dass im Strafantrag nebst
Art. 162 StGB fälschlicherweise Art. 6 UWG statt, wie übrigens später richtig,
Art. 4 lit. c UWG angerufen werde (angefochtener Entscheid S. 23). Damit ist
die Rüge, die Vorinstanz habe ihre Begründungspflicht verletzt, unbegründet.

2.4. Der Strafantrag ist die Willenserklärung des Verletzten, dass gegen den -
bekannten oder noch unbekannten - Verdächtigen wegen eines bestimmten
Sachverhalts eine Strafverfolgung stattfinden soll. Der Antragsteller kann den
Strafantrag auf einen bestimmten Sachverhalt sachlich beschränken ( CHRISTOF
RIEDO, in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 3. Aufl. 2013, Art. 30 StGB N. 55).
Die rechtliche Würdigung des Sachverhalts, der Gegenstand des Strafantrags
bildet, ist indessen Sache der Strafbehörden. Der Strafantragsteller muss im
Strafantrag nicht angeben, welchen Straftatbestand der Gegenstand des Antrags
bildende Sachverhalt seines Erachtens erfüllt, und allfällige Ausführungen des
Strafantragstellers zur rechtlichen Subsumtion sind unerheblich. Nennt der
Strafantragsteller den Straftatbestand, der seines Erachtens erfüllt ist, so
ist die Strafbehörde an diese Qualifikation nicht gebunden (BGE 131 IV 97 E.
3.1; 115 IV 1 E. 2a). Es ist daher unerheblich, dass die Beschwerdegegnerin 2
in ihrem Strafantrag gegen den Beschwerdeführer nebst Art. 162 StGB noch Art. 6
UWG, nicht aber Art. 4 lit. c UWG erwähnte. Dies hinderte die Vorinstanz nicht
daran, den Beschwerdeführer auch wegen Widerhandlung im Sinne von Art. 23 Abs.
1 i.V.m. Art. 4 lit. c UWG zu verurteilen, falls der im Strafantrag
beschriebene Sachverhalt auch den Tatbestand der Verleitung zum Verrat von
Fabrikationsgeheimnissen erfüllt.

2.5. Gemäss Art. 6 UWG ("Verletzung von Fabrikations- und
Geschäftsgeheimnissen") handelt unlauter insbesondere, wer Fabrikations- oder
Geschäftsgeheimnisse, die er ausgekundschaftet oder sonst wie unrechtmässig
erfahren hat, verwertet oder andern mitteilt. Nach Art. 4 UWG ("Verleitung zu
Vertragsverletzung oder -auflösung") handelt unter anderem unlauter, wer (c.)
Arbeitnehmer, Beauftragte oder andere Hilfspersonen zum Verrat oder zur
Auskundschaftung von Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnissen ihres
Arbeitgebers oder Auftraggebers verleitet. Die Verurteilung des
Beschwerdeführers wegen Widerhandlung im Sinne von Art. 4 lit. c i.V.m. Art. 23
Abs. 1 UWG wird durch den Sachverhalt, der Gegenstand des Strafantrags bildet,
gedeckt. In der Eingabe vom 9. Februar 2009 wirft die Beschwerdegegnerin 2 dem
Beschwerdeführer in tatsächlicher Hinsicht vor, er habe B.________ "offenbar
'ein Loch in den Bauch gefragt', bis dieser nicht mehr Nein sagen konnte und
die Formeln verraten hat" (kant. Akten p. 76). Dieses inkriminierte Verhalten,
welches die Beschwerdegegnerin 2 in ihrem Strafantrag als Anstiftung zu
Verletzung des Fabrikationsgeheimnisses im Sinne von Art. 162 Abs. 1 StGB
qualifiziert (kant. Akten p. 77), erfüllt auch den Tatbestand der Verleitung
eines Arbeitnehmers zum Verrat von Fabrikationsgeheimnissen des Arbeitgebers im
Sinne von Art. 4 lit. c UWG.

3. 

3.1. Der Beschwerdeführer macht geltend, der Strafantrag vom 9. Februar 2009
sei verspätet. Spätestens als die Beschwerdegegnerin 2 am 11. Juli 2008 gegen
den Mitangeklagten B.________ Strafantrag einreichte, hätte sie auch gegen ihn
Strafantrag stellen müssen. Aus den Ausführungen in der Eingabe vom 11. Juli
2008 gehe hervor, dass der Beschwerdegegnerin 2 bereits damals hinreichend
bekannt war, dass das Unternehmen des Beschwerdeführers von den inkriminierten
Fabrikationsgeheimnisverletzungen durch den Mitangeklagten profitiert und dass
der Beschwerdeführer durch Geldzahlungen zum Geheimnisverrat angestiftet habe.
Da die Sachlage bereits spätestens am 11. Juli 2008 klar gewesen sei, habe die
Beschwerdegegnerin 2 nicht das Vorliegen weiterer Beweismittel gegen den
Beschwerdeführer abwarten dürfen.

3.2. Das Antragsrecht erlischt nach Ablauf von drei Monaten. Die Frist beginnt
mit dem Tag, an welchem der antragsberechtigten Person der Täter bekannt wird
(Art. 31 StGB). Die Kenntnis des Täters setzt begrifflich die Kenntnis der Tat
voraus (BGE 126 IV 130 E. 2a; CHRISTOF RIEDO, a.a.O., Art. 31 StGB N. 6).
Bekannt ist dem Verletzten der Täter nicht schon, wenn er eine bestimmte Person
in Verdacht hat, sondern erst, wenn er so gewichtige Anhaltspunkte für deren
Täterschaft hat, dass er davon überzeugt sein und in guten Treuen Strafantrag
stellen darf, ohne selbst Bestrafung etwa wegen übler Nachrede gewärtigen zu
müssen (BGE 74 IV 72, 75; T RECHSEL/JEAN-RICHARD, Schweizerisches
Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 2. Aufl. 2013, Art. 31 StGB N. 5). Der
Strafantrag kann auch gegen unbekannt und somit vor dem Beginn des Fristenlaufs
eingereicht werden. In diesem Fall ist eine Erneuerung des Strafantrags nach
dem Bekanntwerden des Täters nicht erforderlich (BGE 92 IV 75).

3.3. Die Beschwerdegegnerin 2 reichte mit Eingabe vom 11. Juli 2008
Strafanzeige/Strafantrag/Privatklage gegen B.________ sowie unbekannte
Täterschaft wegen Verletzung des Fabrikationsgeheimnisses (Art. 162 StGB) ein
(kant. Akten p. 34 ff.). Darin warf sie B.________ vor, Fabrikationsgeheimnisse
von ihr an direkte Konkurrenten verraten zu haben. Im Jahr 2007 hätten sich die
Anhaltspunkte dafür gehäuft, dass die Konkurrenz Produkte der
Beschwerdegegnerin 2 mit unlauteren Methoden kopiere (kant. Akten p. 38).
B.________ habe mutmasslich von einem gewissen D.________ Lohnzahlungen
erhalten; der Geschäftsführer der Firma C.________ heisse X.________ (kant.
Akten p. 40). Derzeit noch unbekannte Täter, die Informationen von B.________
erhalten und verwendet hätten, könnten sich auch nach Art. 162 Abs. 2 StGB
strafbar gemacht haben (kant. Akten p. 42). Damit wird nach den zutreffenden
Erwägungen im angefochtenen Entscheid (S. 49) einer damals noch unbekannten
Täterschaft, welche sich später als der Beschwerdeführer entpuppte, in
tatsächlicher Hinsicht ein Verhalten zur Last gelegt, welches in rechtlicher
Hinsicht als Ausnützung eines Geheimnisverrats im Sinne von Art. 162 Abs. 2
StGB qualifiziert werden kann. Ob die Eingabe vom 11. Juli 2008 hinreichend
klar auch einen Sachverhalt umschreibt, der als Verleitung zum Geheimnisverrat
zu qualifizieren ist, kann mit der Vorinstanz dahingestellt bleiben. Erst
nachdem der Vertreter der Beschwerdegegnerin 2 in der Zeit vom 18. Dezember
2008 bis zum 14. Januar 2009 Einsicht in die Strafakten erhalten hatte, konnte
mit hinreichender Gewissheit davon ausgegangen werden, dass der
Beschwerdeführer es war, der B.________ zum inkriminierten Verrat von
Fabrikationsgeheimnissen veranlasst hatte. Daher war der Strafantrag vom 9.
Februar 2009 (kant. Akten p. 72 ff.), worin dem Beschwerdeführer auch
Anstiftung zur Verletzung von Fabrikationsgeheimnissen zur Last gelegt wurde,
rechtzeitig.

3.4. Richtig ist, dass die Ausnützung des Geheimnisverrats im Sinne von Art.
162 Abs. 2 StGB nicht nur eine Beteiligung am Geheimnisverrat gemäss Art. 162
Abs. 1 StGB, sondern eine selbstständige Tat darstellt und dass die Verleitung
zum Geheimnisverrat im Sinne von Art. 23 Abs. 1 i.V.m. Art. 4 lit. c UWG eine
selbstständige Straftat und nicht nur Anstiftung zum Geheimnisverrat ist. Daher
kann sich insoweit die Frage der Unteilbarkeit des Strafantrags (Art. 32 StGB)
nicht stellen. Die Vorinstanz hat indessen ihre Auffassung, dass die
Strafanträge vom 11. Juli 2008 und vom 9. Februar 2009 in Bezug auf den
Beschwerdeführer rechtzeitig erfolgt sind, entgegen einer Andeutung in der
Beschwerde (S. 8) nicht auch mit der Unteilbarkeit des Strafantrags begründet.

4. 

4.1. Die Vorinstanz stellt fest, der Beschwerdeführer habe die inkriminierten
Straftaten ab ca. Herbst 2006 bis ins Jahr 2007 begangen. Somit sei im
massgebenden Zeitpunkt der Ausfällung des erstinstanzlichen Urteils vom 29.
April 2013 die Verjährungsfrist von unstreitig sieben Jahren noch nicht
abgelaufen gewesen.

4.2. Der Beschwerdeführer macht geltend, allfällige Straftaten seien verjährt.
Zur Begründung stützt er sich einzig auf eine Zeugenaussage eines Angestellten
der Beschwerdegegnerin 2, der an der erstinstanzlichen Verhandlung vom 17.
September 2012 aussagte, er habe auf dem Flughafen Basel festgestellt, dass
dort ein Produkt angeboten worden sei, welches mit einem von der
Beschwerdegegnerin 2 vertriebenen Produkt praktisch identisch gewesen sei. Auf
die Frage, wann dies geschehen sei, antwortete der Zeuge, das sei "glaublich
etwa 6-7 Jahre her" (kant. Akten p. 440). Aus einer derart vagen Aussage lassen
sich indessen keine Schlüsse ziehen. Die Festlegung des Beginns der
deliktischen Tätigkeit auf ca. Oktober 2006 ergibt sich aus dem
Bestätigungsschreiben der E.________ GmbH & Co. KG vom 18. Juni 2008 an die
Beschwerdegegnerin 2. Darin wurde der Beschwerdegegnerin 2 bestätigt, dass die
Firma C.________ am 9. Oktober 2006 gezielt den Rohstoff "Hoesch JH LA2" bei
der E.________ angefragt und einmalig bestellt habe. Die Produktbezeichnung
"Hoesch JH LA2" und die Produktzusammensetzung war laut Bestätigungsschreiben
damals nur der E.________ und der Beschwerdegegnerin 2 bekannt (kant. Akten p.
69). Damit setzt sich der Beschwerdeführer nicht auseinander.

5. 

5.1. Die Vorinstanz stellt fest, der Beschwerdeführer habe B.________ "durch
andauerndes und bohrendes bzw. insistierendes Fragen" dazu verleitet bzw.
angestiftet, ihm Fabrikationsgeheimnisse (Formeln/Rezepturen von insgesamt zehn
Produkten der Beschwerdegegnerin 2) zu verraten (angefochtenes Urteil S. 51).

 Der Beschwerdeführer macht geltend, es liege keine Anstiftung beziehungsweise
kein Verleiten vor.

5.2. Wer jemanden vorsätzlich zu dem von diesem verübten Verbrechen oder
Vergehen bestimmt hat, wird gemäss Art. 24 Abs. 1 StGB nach der Strafandrohung
bestraft, die auf den Täter Anwendung findet. Durch die Anstiftung wird in
einem andern der Entschluss zu einer bestimmten Tat hervorgerufen. Der
Tatentschluss muss auf das motivierende Verhalten des Anstifters zurückzuführen
sein; es bedarf insofern eines Kausalzusammenhangs. Nicht erforderlich ist,
dass beim Anzustiftenden Widerstände zu überwinden wären. Auch bei demjenigen,
der bereits zur Tat geneigt ist oder sich zur Begehung von Straftaten sogar
anbietet, kann ein Tatentschluss noch hervorgerufen werden, und zwar so lange,
als er zur konkreten Tat noch nicht entschlossen ist. Anstiftung fällt aber
ausser Betracht, wenn der andere zu einer bestimmten Tat bereits entschlossen
ist. Wer lediglich eine Situation schafft, in der sich ein anderer
voraussichtlich zur Verübung einer Straftat entschliessen wird, ist nicht
Anstifter. Erforderlich ist vielmehr eine psychische, geistige Beeinflussung,
eine unmittelbare Einflussnahme auf die Willensbildung des anderen. Als
Anstiftungsmittel kommt dabei jedes motivierende Tun in Frage, alles, was im
anderen den Handlungsentschluss hervorrufen kann. Auch eine blosse Bitte,
Anregung, konkludente Aufforderung sind taugliche Anstiftungsmittel (BGE 128 IV
11 E. 2a; 127 IV 122 E. 2b/aa; je mit Hinweisen).

 Das dem Beschwerdeführer angelastete insistierende, bohrende Nachfragen ist
als Anstiften im Sinne von Art. 24 StGB beziehungsweise als Verleiten gemäss
Art. 4 lit. c UWG zu qualifizieren. Auch die übrigen Voraussetzungen sind
offensichtlich erfüllt. Der Beschwerdeführer nahm zumindest in Kauf, dass die
Formeln und Rezepturen etc., die er in Erfahrung bringen wollte, Geheimnisse
der Beschwerdegegnerin 2 waren und dass B.________ zu deren Geheimhaltung
verpflichtet war.

6. 

6.1. Der Beschwerdeführer macht geltend, der Untersuchungsbericht der
F.________ AG (Analytic, Beratung, Entwicklung) vom 15. Dezember 2007 (kant.
Akten p. 50 ff.) dürfe aus verschiedenen Gründen nicht als Beweismittel
verwendet werden. Indem die Vorinstanz sich darauf abstütze, würdige sie die
Beweise willkürlich.

6.2. Was der Beschwerdeführer zur Begründung vorbringt, beschränkt sich zum
einen auf blosse Behauptungen und geht zum anderen an der Sache vorbei. Gemäss
den Ausführungen der Vorinstanzen bestehen keinerlei Hinweise darauf, dass im
Zusammenhang mit der Erstellung des Gutachtens geschummelt worden sein könnte
(siehe angefochtenes Urteil S. 42). Ob es sich beim Untersuchungsbericht um ein
blosses Privatgutachten handelt, dem lediglich die Bedeutung eines
Parteivorbringens zukommt, lässt die Vorinstanz offen (angefochtenes Urteil S.
42/43). Dem Untersuchungsbericht kommt im Rahmen der vorinstanzlichen
Beweiswürdigung nicht die Bedeutung zu, welche ihm der Beschwerdeführer
beimisst.

7. 

 Die Beschwerde ist somit abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Bei diesem
Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die bundesgerichtlichen Kosten
zu tragen (Art. 66 Abs. 1 Satz 1 BGG). Der Beschwerdegegnerin 2 hat er keine
Entschädigung zu zahlen, da ihr im bundesgerichtlichen Verfahren keine Umtriebe
entstanden sind.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2. 
Die Gerichtskosten von Fr. 4'000.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

3. 
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Bern,
Strafabteilung, 2. Strafkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 25. März 2015

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Denys

Der Gerichtsschreiber: Näf

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