Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.708/2015
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

[8frIR2ALAGK1]     
{T 0/2}
                   
6B_708/2015

Urteil vom 22. Oktober 2015

Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Denys, Präsident,
Bundesrichterin Jacquemoud-Rossari,
Bundesrichter Oberholzer, Rüedi,
Bundesrichterin Jametti,
Gerichtsschreiberin Andres.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
vertreten durch Rechtsanwältin Dr. Susanne Raess,
Beschwerdeführer,

gegen

1. Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich, Florhofgasse 2, 8090 Zürich,
2. Amt für Justizvollzug des Kantons Zürich, Amtsleitung, Feldstrasse 42, 8090
Zürich,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Stationäre therapeutische Massnahme in einer geschlossenen Einrichtung (Art. 59
Abs. 3 StGB), Zuständigkeit,

Beschwerde gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich, 2.
Abteilung, 2. Kammer, vom 13. Mai 2015.

Sachverhalt:

A.

 Das Bezirksgericht Zürich verurteilte X.________ am 19. Dezember 2013 wegen
Schändung, mehrfacher versuchter sexueller Nötigung, Hausfriedensbruchs,
vorsätzlichen Fahrens in fahrunfähigem Zustand, mehrfacher Entwendung eines
Motorfahrzeugs zum Gebrauch, mehrfachen Fahrens ohne Berechtigung sowie
Verletzung der Verkehrsregeln zu einer Freiheitsstrafe von 26 Monaten und einer
Busse von Fr. 300.--. Es ordnete eine stationäre therapeutische Massnahme
(Behandlung von psychischen Störungen in einer geeigneten psychiatrischen
Einrichtung oder einer Massnahmevollzugseinrichtung) an. Da X.________ seine
dagegen erhobene Berufung zurückzog, erwuchs das Urteil des Bezirksgerichts in
Rechtskraft.

B.

 Mit Verfügung vom 18. September 2014 setzte das Amt für Justizvollzug des
Kantons Zürich die stationäre therapeutische Massnahme nach Art. 59 StGB in der
Justizvollzugsanstalt Pöschwies (nachfolgend: JVA Pöschwies) in Vollzug.

 Ein Rekurs von X.________ an die Direktion der Justiz und des Innern des
Kantons Zürich blieb ebenso ohne Erfolg wie die Beschwerde an das
Verwaltungsgericht des Kantons Zürich, welches das Rechtsmittel am 13. Mai 2015
abwies.

C.

 X.________ beantragt mit Beschwerde in Strafsachen, das
verwaltungsgerichtliche Urteil sei aufzuheben und das Amt für Justizvollzug
anzuweisen, die mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 19. Dezember 2013
angeordnete Massnahme im Sinne von Art. 59 Abs. 1 und 2 StGB in einer
geeigneten psychiatrischen Einrichtung zu vollziehen. Er ersucht um
unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung.

D.

 Es wurden keine Vernehmlassungen eingeholt, jedoch hat das Amt für
Justizvollzug unaufgefordert zur Beschwerde Stellung genommen.

Erwägungen:

1.

 Umstritten ist, ob der Beschwerdegegner 2 als Vollzugsbehörde die stationäre
therapeutische Massnahme in der JVA Pöschwies und damit in einer geschlossenen
Strafanstalt nach Art. 59 Abs. 3 i.V.m. Art. 76 Abs. 2 StGB (nachfolgend wird
der Einfachheit halber der Begriff "geschlossene Einrichtung" verwendet) in
Vollzug setzen durfte, oder ob es sich beim geschlossenen Vollzug gemäss Art.
59 Abs. 3 StGB um eine neue Massnahme handelt, die vom Gericht anzuordnen ist.
Das vorinstanzliche Urteil unterliegt daher der Beschwerde in Strafsachen (Art.
78 BGG). Der Beschwerdeführer hat vor der Vorinstanz am Verfahren teilgenommen
und ist durch den vorinstanzlichen Entscheid in seinen rechtlich geschützten
Interessen betroffen (Art. 81 Abs. 1 BGG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.

2.1. Der Beschwerdeführer argumentiert, da die Unterbringung in einer
geschlossenen Einrichtung nach Art. 59 Abs. 3 StGB eine eigenständige,
gerichtlich anzuordnende Massnahme und keine Vollzugsfrage bilde, habe der
Beschwerdegegner 2 seine Kompetenzen überschritten, indem er vom Urteil des
Bezirksgerichts Zürich abwich und die Massnahme in der JVA Pöschwies in Vollzug
setzte. Der Vollzug einer stationären therapeutischen Behandlung in einer
geschlossenen Einrichtung unterscheide sich kaum noch von jenem einer
Verwahrung gemäss Art. 64 StGB, weshalb nicht mehr auf den Willen des
Gesetzgebers abgestellt werden könne. Vielmehr müsse die Rechtsprechung die
tatsächliche Entwicklung berücksichtigen und für Art. 59 Abs. 3 StGB die
gleichen Anordnungsanforderungen vorsehen wie für Art. 64 StGB.

2.2. Die Vorinstanz weist einleitend darauf hin, dass die vom Beschwerdeführer
aufgeworfene Frage in der Lehre umstritten sei. Nach Auslegung des Gesetzes,
dabei insbesondere von Art. 59 StGB, sowie in Berücksichtigung der
vorherrschenden Lehre und Rechtsprechung gelangt sie zum Schluss, dass die
Platzierung in einer geschlossenen Einrichtung nach Art. 59 Abs. 3 StGB eine
Vollzugsfrage ist, die in die Zuständigkeit der Vollzugsbehörden und nicht in
jene der Gerichte fällt.

2.3. Das Bundesgericht hat sich in einem nicht publizierten Entscheid bereits
mit dieser Thematik befasst. Es erwog, die Unterbringung in einer geschlossenen
Einrichtung gemäss Art. 59 Abs. 3 StGB sei weder eine neue Massnahme noch werde
damit die angeordnete Massnahme abgeändert. Es gehe dabei um die Frage des Orts
des Massnahmevollzugs, mithin eine Vollzugsmodalität, die in der Kompetenz der
Vollzugsbehörde liege (Urteil 6B_629/2009 vom 21. Dezember 2009 E. 1.2.3;
implizit auch: BGE 134 IV 315 E. 4.2.2 S. 325 f.; Urteil 6B_625/2012 vom 27.
Juni 2013 E. 4.2.3). Demgegenüber wird in der Literatur teilweise die Ansicht
vertreten, die Platzierung gemäss Art. 59 Abs. 3 StGB habe sich in der Praxis
zu einer eigenständigen Massnahme entwickelt und müsse angesichts ihrer
Eingriffsintensität von einem Gericht angeordnet werden (Marianne Heer, in:
Basler Kommentar, Strafrecht, Bd. I, 3. Aufl. 2013, N. 103 ff., 110 zu Art. 59
StGB). Ebenso legen Formulierungen der Strafprozessordnung eine gerichtliche
Anordnungszuständigkeit nahe (vgl. Art. 19 Abs. 2 lit. b und Art. 82 Abs. 1
lit. b StPO; E. 2.4.4). Schliesslich erscheint auch die Gerichtspraxis nicht
einheitlich (vgl. zur zürcherischen Gerichtspraxis beispielsweise: Ulrich
Weder, Die "kleine Verwahrung" [Art. 59 Abs. 3 StGB] im Vergleich mit der
Verwahrung gemäss Art. 64 StGB, ZSR 130/2011 I S. 577 ff., 592 f.). Es
rechtfertigt sich deshalb, die Zuständigkeit für die Unterbringung in einer
geschlossenen Einrichtung nach Art. 59 Abs. 3 StGB vertieft zu prüfen.

2.4.

2.4.1. Das Gesetz ist in erster Linie aus sich selbst heraus auszulegen, das
heisst, nach dem Wortlaut, Sinn und Zweck und den ihm zugrunde liegenden
Wertungen auf der Basis einer teleologischen Verständnismethode. Die
Gesetzesauslegung hat sich vom Gedanken leiten zu lassen, dass nicht schon der
Wortlaut die Norm darstellt, sondern erst das an Sachverhalten verstandene und
konkretisierte Gesetz. Gefordert ist die sachlich richtige Entscheidung im
normativen Gefüge, ausgerichtet auf ein befriedigendes Ergebnis der ratio
legis. Dabei befolgt das Bundesgericht einen pragmatischen Methodenpluralismus
und lehnt es namentlich ab, die einzelnen Auslegungselemente einer
hierarchischen Prioritätsordnung zu unterstellen. Die Gesetzesmaterialien sind
zwar nicht unmittelbar entscheidend, dienen aber als Hilfsmittel, um den Sinn
der Norm zu erkennen. Bei der Auslegung neuerer Bestimmungen kommt den
Materialien eine besondere Stellung zu, weil veränderte Umstände oder ein
gewandeltes Rechtsverständnis eine andere Lösung weniger nahelegen (BGE 140 III
206 E. 3.5.4 S. 214 mit Hinweisen).

2.4.2. Art. 59 StGB regelt die stationäre therapeutische Behandlung von
psychischen Störungen. Gemäss Abs. 1 kann das Gericht eine stationäre
Behandlung anordnen, wenn der Täter psychisch schwer gestört ist, ein
Verbrechen oder Vergehen begangen hat, das mit seiner psychischen Störung in
Zusammenhang steht (lit. a), und zu erwarten ist, dadurch lasse sich der Gefahr
weiterer mit seiner psychischen Störung in Zusammenhang stehender Taten
begegnen (lit. b). Nach Abs. 2 erfolgt die stationäre Behandlung in einer
geeigneten psychiatrischen Einrichtung oder einer Massnahmevollzugseinrichtung.
Solange die Gefahr besteht, dass der Täter flieht oder weitere Straftaten
begeht, wird er in einer geschlossenen Einrichtung behandelt. Er kann auch in
einer Strafanstalt nach Art. 76 Abs. 2 StGB behandelt werden, sofern die nötige
therapeutische Behandlung durch Fachpersonen gewährleistet ist (Abs. 3).

 In allen Amtssprachen deutet der Wortlaut von Art. 59 Abs. 3 StGB darauf hin,
dass der Gesetzgeber den Entscheid über die Unterbringung in einer
geschlossenen Einrichtung als Vollzugsmodalität der Vollzugsbehörde übertragen
wollte (vgl. Weder, a.a.O., S. 587; Thomas Noll, Praktische Fragen zur
Durchführung stationärer Therapien im geschlossenen Strafvollzug nach Art. 59
Abs. 3 StGB, ZStrR 132/2014 S. 143 ff., 165). Insbesondere weist die Passage in
Art. 59 Abs. 3 StGB "solange die Gefahr besteht" ("tant qu'il y a lieu de
craindre"; "fintanto che sussiste il pericolo") auf ein zeitliches Element hin,
das für eine flexible Anpassungsmöglichkeit spricht. Eine zwingende Anordnung
durch ein Gericht wäre damit nicht vereinbar. Im Übrigen zeigt ein Vergleich
mit dem Wortlaut anderer Bestimmungen des Massnahmenrechts, dass das Gesetz das
Gericht explizit als zuständig bezeichnet, wo es um gerichtliche Entscheide
hinsichtlich der Behandlung von psychischen Störungen bei Straftätern geht.
Dabei verwendet es in der Regel den Passus "das Gericht kann [...] anordnen"
bzw. "das Gericht ordnet [...] an" ("le juge peut ordonner", "le juge ordonne";
"il giudice può ordinare", "il giudice ordina"; siehe z.B. Art. 59 Abs. 1 und
4, Art. 60 Abs. 1 sowie 4, Art. 62a Abs. 1 und 5 lit. b, Art. 62c Abs. 3, 4
sowie 6, Art. 63 Abs. 1, Art. 64 Abs. 1 und 1bis, Art. 64c Abs. 3 sowie Art. 65
StGB; vgl. dagegen: Art. 62 Abs. 3 Satz 2 StGB). Demgegenüber spricht Art. 59
Abs. 3 StGB nur davon, dass der Täter in einer geschlossenen Einrichtung
behandelt wird, solange die Gefahr besteht, dass er flieht oder weitere
Straftaten begeht.

2.4.3. Dem historischen Auslegungselement, dem vorliegend grundsätzlich ein
erhöhter Stellenwert zukommt, da Art. 59 Abs. 3 StGB erst am 1. Januar 2007 mit
der Revision des Allgemeinen Teils des Strafgesetzbuchs in Kraft trat (vgl. BGE
140 IV 1 E. 3.2.2 S. 6; 136 V 216 E. 5.3.1 S. 218 f.; 134 V 170 E. 4.1 S. 174
f. mit Hinweisen), ist im Ergebnis nichts Gegenteiliges zu entnehmen. Ein
wichtiges Anliegen der Revision bildete die Verstärkung des Schutzes vor
gefährlichen Gewalttätern. Zu diesem Zweck wurde nicht nur die
Sicherheitsverwahrung gemäss Art. 64 ff. StGB neu geregelt, sondern mit Art. 59
Abs. 3 StGB auch die Möglichkeit eingeführt, psychisch kranke, gefährliche
Täter in einer geschlossenen Einrichtung zu behandeln (Botschaft vom 21.
September 1998 zur Änderung des Schweizerischen Strafgesetzbuches und des
Militärstrafgesetzes sowie zu einem Bundesgesetz über das Jugendstrafrecht, BBl
1999 1981, 2069 Ziff. 213.4). In dieser Regelung lag eine wichtige Änderung
gegenüber dem alten Recht, das den Vollzug einer stationären therapeutischen
Massnahme in einer Sicherheitseinrichtung nicht kannte (BBl 1999 2075 Ziff.
213.42). Gemäss aArt. 43 Ziff. 1 Abs. 2 StGB (AS 1971 777 807) war die
Verwahrung anzuordnen, wenn der Täter infolge seines Geisteszustands die
öffentliche Sicherheit in schwerwiegender Weise gefährdete. Mit der Revision
wurden die Anwendungsfälle der altrechtlichen Verwahrung aufgeteilt; während
psychisch kranke Täter, die zwar therapierbar sind, jedoch aufgrund ihrer
Gefährlichkeit früher verwahrt wurden, neu in einer geschlossenen Einrichtung
behandelt werden können (vgl. Art. 59 Abs. 3 StGB), werden psychisch kranke
Täter, bei denen eine therapeutische Massnahme keinen Erfolg verspricht,
weiterhin verwahrt (vgl. Art. 64 StGB; BBl 1999 2078 Ziff. 213.421). Damit
steht die therapeutische Behandlung in einer geschlossenen Einrichtung in engem
Bezug zu der Verwahrung nach Art. 64 StGB. Dies ergab sich in der
ursprünglichen Version von Art. 59 Abs. 3 StGB bereits aus dessen Wortlaut,
wonach der geschlossene Vollzug einer Massnahme eine Katalogtat im Sinne von
Art. 64 Abs. 1 StGB voraussetzte (AS 2006 3477). Jedoch wurde Art. 59 Abs. 3
StGB noch vor Inkrafttreten der Teilrevision des Strafgesetzbuchs geändert.
Während der Entwurf des Bundesrats keine Änderung der Bestimmung vorsah (vgl.
BBl 2005 4727; Botschaft vom 29. Juni 2005 zur Änderung des Strafgesetzbuches
in der Fassung vom 13. Dezember 2002 und des Militärstrafgesetzes in der
Fassung vom 21. März 2003, BBl 2005 4689), verzichtete das Parlament auf Antrag
der ständerätlichen Kommission für Rechtsfragen mit Änderung vom 24. März 2006
darauf, dass der Massnahmevollzug in einer Strafanstalt zwingend in einer
getrennten Abteilung erfolgen muss (AS 2006 3539; AB 2005 S 1144 f., AB 2006 N
218). Gleichzeitig und ohne parlamentarische Debatte wurde das Erfordernis
einer Katalogtat im Sinne von Art. 64 Abs. 1 StGB in Art. 59 Abs. 3 StGB
gestrichen. Folglich ist ein geschlossener Massnahmevollzug gemäss Art. 59 Abs.
3 StGB bei allen Verbrechen und Vergehen möglich (vgl. Urteil 6B_629/2009 vom
21. Dezember 2009 E. 1.2.2.1; Heer, a.a.O., N. 104 zu Art. 59 StGB; Weder,
a.a.O., S. 578 ff.).

 Demnach legen Materialien und Entstehungsgeschichte von Art. 59 Abs. 3 StGB
nahe, dass der Gesetzgeber die Bestimmung als Vollzugsvorschrift verstand und
die Vollzugsbehörden für die Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung
für zuständig erachtete (vgl. BBl 1999 2078 Ziff. 213.421; Ziff. 4 der
Übergangsbestimmungen der Änderung des Schweizerischen Strafgesetzbuchs vom 13.
Dezember 2002 [AS 2006 3535]; Weder, a.a.O., S. 587; so wohl auch: Heer,
a.a.O., N. 103 zu Art. 59 StGB).

 Dem Argument, auf den gesetzgeberischen Willen könne nicht mehr abgestellt
werden, da sich die geschlossene Unterbringung nach Art. 59 Abs. 3 StGB in der
Praxis zu einer eigenständigen Massnahme entwickelt habe, die in ihrer
Eingriffsintensität jener der Verwahrung entspreche, kann nicht gefolgt werden.
Zwar ist nicht von der Hand zu weisen, dass der Eingriff in die Freiheitsrechte
des Betroffenen bei der geschlossenen Unterbringung im Sinne von Art. 59 Abs. 3
StGB und der Verwahrung vergleichbar ist (vgl. Heer, a.a.O., N. 103 zu Art. 59
StGB S. 1298). Jedoch ist gestützt auf die Materialien und angesichts des
Anliegens der Revision des Allgemeinen Teils des Strafgesetzbuchs, den Schutz
vor gefährlichen Gewalttätern zu verstärken, davon auszugehen, dass dies dem
Gesetzgeber bewusst bzw. von ihm beabsichtigt war. Zwar hat er die Möglichkeit
geschaffen, dass auch bei gefährlichen psychisch kranken Straftätern, die einer
Behandlung zugänglich sind, eine Therapie angeordnet werden kann. Jedoch musste
er ihrer Gefährlichkeit, die früher unabhängig von der Therapierbarkeit zur
Verwahrung führte, zum Schutz der Allgemeinheit mit der Unterbringung in einer
geschlossenen Einrichtung begegnen. Aus dem Umstand, dass heute ein grosser
Teil der Straftäter, die früher verwahrt worden wären, in einer geschlossenen
Einrichtung therapeutisch behandelt werden, kann nicht geschlossen werden, die
Unterbringung gemäss Art. 59 Abs. 3 StGB bedürfe der Legitimation durch ein
Gericht. Der Eingriffsintensität einer geschlossenen Behandlung ist nicht bei
der Anordnungskompetenz, sondern bei deren Voraussetzungen (Flucht- und
Wiederholungsgefahr) Rechnung zu tragen (vgl. hierzu E. 3.3).

2.4.4. Der Umstand, dass sich die Bestimmung zur Behandlung in einer
geschlossenen Einrichtung (Art. 59 Abs. 3 StGB) im dritten Titel (Strafen und
Massnahmen) des ersten Buchs des Strafgesetzbuchs und nicht wie die
vergleichbare Bestimmung zum Strafvollzug (Art. 76 StGB) im vierten Titel
(Vollzug von Freiheitsstrafen und freiheitsentziehenden Massnahmen) findet,
spricht isoliert betrachtet eher gegen den Charakter einer Vollzugsvorschrift.
Zum gegenteiligen Schluss führt die Analyse der Systematik von Art. 59 StGB
sowie weiteren Bestimmungen des Massnahmenrechts. Während Art. 64 Abs. 1 StGB
bestimmt, unter welchen Voraussetzungen das Gericht die (ordentliche)
Verwahrung anordnet, hält Art. 64 Abs. 1bis StGB die Voraussetzungen für die
lebenslängliche Verwahrung fest. Demgegenüber umschreibt Art. 59 Abs. 3 StGB
die Anordnungsvoraussetzungen für eine stationäre therapeutische Massnahme in
einer geschlossenen Einrichtung nicht gesondert. Vielmehr ist die geschlossene
Unterbringung systematisch Bestandteil der stationären therapeutischen
Behandlung von psychischen Störungen, die das Gericht unter den Voraussetzungen
von Art. 59 Abs. 1 StGB anordnen kann und deren Vollzugsort, Vollzugsart,
Vollzugsform und Dauer in Art. 59 Abs. 2-4 StGB umschrieben werden (vgl. Weder,
a.a.O., S. 587).

 Müsste die Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung gemäss Art. 59
Abs. 3 StGB vom Gericht angeordnet werden, wäre sie mithin keine Vollzugsfrage,
müsste das Gericht bei veränderten Verhältnissen in (analoger) Anwendung von
Art. 62c Abs. 6 StGB i.V.m. Art. 363 ff. StPO auch über die Versetzung vom
geschlossenen in den offenen Vollzug gemäss Art. 59 Abs. 2 StGB entscheiden.
Demgegenüber befindet über die Unterbringung im bzw. die Versetzung (vom
offenen) in den geschlossenen Strafvollzug (und umgekehrt) gemäss Art. 76 StGB
unbestrittenermassen die Vollzugsbehörde (vgl. Urteil 6B_629/2009 vom 21.
Dezember 2009 E. 1.2.3; Benjamin F. Brägger, in: Basler Kommentar,
Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 4 zu Art. 439 StPO S.
3287 [nachfolgend: BSK-StPO]; derselbe, in: Basler Kommentar, Strafrecht, Bd.
I, 3. Aufl. 2013, N. 17 zu Art. 75 StGB, N. 8 zu Art. 76 StGB, N. 1 zu Art. 77a
StGB; derselbe, in: Das schweizerische Vollzugslexikon, Benjamin F. Brägger
[Hrsg.], 2014, S. 511 [nachfolgend: Vollzugslexikon]; Andrea Baechtold,
Strafvollzug, Straf- und Massnahmenvollzug an Erwachsenen in der Schweiz, 2.
Aufl. 2009, S. 66 ff. N. 8 ff.). Gleiches gilt für den Vollzug der Verwahrung
(vgl. Art. 64 Abs. 4 StGB; hierzu Baechtold, a.a.O., S. 295 f. N. 68 f.).
Demnach dürften die Vollzugsbehörden zwar über entsprechende
Vollzugslockerungen bei Verwahrten und Gefangenen befinden, nicht jedoch bei
stationären Massnahmepatienten. Diese Unterscheidung erscheint insbesondere mit
Blick auf die Gefährlichkeit der Betroffenen nicht nachvollziehbar (vgl. Noll,
a.a.O., S. 166). Ebenso wenig lässt sie sich mit der Eingriffsintensität der
geschlossenen Unterbringung rechtfertigen; sowohl der geschlossene Massnahme-
als auch der geschlossene Strafvollzug greifen stärker in das Freiheitsrecht
des Betroffenen ein als die Unterbringung in einer offenen Einrichtung. Diese
mit dem geschlossenen Vollzug verbundene Mehrbelastung des Freiheitsrechts ist
jedoch bei einer Massnahme nicht stärker als bei einer Freiheitsstrafe. Nicht
begründbar wäre ferner, dass die Vollzugsbehörde den Massnahmepatienten gemäss
Art. 59 Abs. 3 StGB theoretisch zwar bedingt sowie letztlich definitiv
entlassen (vgl. Heer, a.a.O., N. 9 zu Art. 62 StGB, N. 3 zu Art. 62c StGB, N. 1
zu Art. 62d StGB; siehe auch: Art. 90 Abs. 2bis i.V.m. Art. 77a Abs. 2 und 3
StGB), ihn jedoch nicht vom geschlossenen in den offenen Vollzug (oder
umgekehrt) versetzen dürfte. Die Systematik des Gesetzes lässt folglich darauf
schliessen, dass es sich bei der Unterbringung im bzw. der Versetzung (vom
offenen) in den geschlossenen Massnahmevollzug (und umgekehrt) um eine
Vollzugsmodalität handelt, für welche die Vollzugsbehörden zuständig sind.

 Mit diesem Verständnis sind nun allerdings zwei Bestimmungen der seit dem 1.
Januar 2011 in Kraft stehenden Schweizerischen Strafprozessordnung nicht von
vornherein vereinbar. Gemäss Art. 19 Abs. 2 lit. b StPO können Bund und Kantone
als erstinstanzliches Gericht ein Einzelgericht vorsehen für die Beurteilung
von Verbrechen und Vergehen, mit Ausnahme derer, für welche die
Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von mehr als zwei Jahren, eine
Verwahrung nach Art. 64 StGB, eine Behandlung nach Art. 59 Abs. 3 StGB oder,
bei gleichzeitig zu widerrufenden bedingten Sanktionen, einen Freiheitsentzug
von mehr als zwei Jahren  beantragt. Nach Art. 82 Abs. 1 StPO verzichtet das
Gericht auf eine schriftliche Begründung, wenn es das Urteil mündlich begründet
(lit. a) und keine der vorgenannten Sanktionen  ausspricht (lit. b). Der
Umstand, dass der strafprozessuale Gesetzgeber in Art. 19 Abs. 2 lit. b und
Art. 82 Abs. 1 lit. b StPO explizit von "einer Behandlung nach Artikel 59
Absatz 3 StGB" spricht, deutet darauf hin, dass diese vom Gericht explizit
anzuordnen ist (siehe auch: Botschaft vom 21. Dezember 2005 zur
Vereinheitlichung des Strafprozessrechts, BBl 2006 1139 Ziff. 2.2.1.3). Aus dem
Gesetzgebungsverfahren zu Art. 19 Abs. 2 lit. b und Art. 82 Abs. 1 lit. b StPO
ergibt sich jedoch kein vom Wortlaut von Art. 59 Abs. 3 StGB und den bisherigen
Überlegungen zum historischen sowie systematischen Auslegungsmoment
abweichendes Verständnis. Weder der Botschaft noch den parlamentarischen
Beratungen ist zu entnehmen, dass der Gesetzgeber bewusst von seiner früheren
Auffassung von Art. 59 Abs. 3 StGB als Vollzugsvorschrift (vgl. E. 2.4.3)
abweichen wollte. Vielmehr wurde der Verweis auf Art. 59 Abs. 3 StGB von den
eidgenössischen Räten gar nicht thematisiert (vgl. AB 2006 S 995 f., 1007; AB
2007 N 947 f., 949). Dieser vordergründige Widerspruch zwischen den neueren
Bestimmungen der Strafprozessordnung und jener von Art. 59 Abs. 3 StGB ist
dahingehend zu lösen, dass sich das Gericht in seinen Urteilserwägungen über
die Notwendigkeit einer therapeutischen Behandlung in einer geschlossenen
Einrichtung äussern kann und muss, wenn es die Voraussetzungen von Art. 59 Abs.
3 StGB im Urteilszeitpunkt als erfüllt erachtet. Jedoch hat es eine solche
Unterbringung nicht in seinem Urteilsdispositiv anzuordnen (zum Ganzen: Weder,
a.a.O., S. 588 ff.; a.M. Urteil der 1. Strafkammer des Obergerichts des Kantons
Bern vom 24. Juni 2013 E. 3 [SK 2012 298]).

2.4.5. In Bezug auf den Sinn und Zweck der Gesetzesbestimmung kann weitgehend
auf das Gesagte verwiesen werden. Anzufügen ist, dass sich die Gefährlichkeit
eines Massnahmepatienten nach Art. 59 StGB, die das wesentliche
Unterscheidungskriterium zwischen Abs. 2 und 3 von Art. 59 StGB ist, während
einer stationären Behandlung verändern kann. Um einer allfälligen Veränderung
rasch begegnen zu können, erscheint es sachgerecht, dass die Vollzugsbehörden
im Einzelfall die geeignete Einrichtung bzw. Vollzugsart bezeichnen. Würde man
diesen Entscheid in die Hände des Gerichts legen, müsste dieses bei einer
nachträglich eintretenden Flucht- oder Wiederholungsgefahr im Sinne von Art. 59
Abs. 3 StGB in einem selbstständigen nachträglichen Entscheid gemäss Art. 363
ff. StPO die Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung anordnen. Dieses
zeitlich und administrativ anspruchsvollere Verfahren würde dem Anliegen der
Revision des Allgemeinen Teils des Strafgesetzbuchs nach mehr Schutz vor
gefährlichen Gewalttätern zuwiderlaufen. Hinzu kommt, dass die Vollzugsbehörden
mit den konkreten Gegebenheiten in den einzelnen Einrichtungen vertraut sind
und besser beurteilen können, ob sich eine Modifikation des Vollzugs aufdrängt,
als das urteilende Gericht, das keinen direkten Kontakt mit dem Betroffenen und
den Institutionen hat (vgl. BGE 134 IV 246 E. 3.3 S. 251 [zur ambulanten
Behandlung nach Art. 63 StGB]; 130 IV 49 E. 3.3 S. 52 [zur Zwangsmedikation];
Heer, a.a.O., N. 93 zu Art. 56 StGB). Dem wird zutreffend entgegen gehalten,
dass die Vollzugsbehörden keine unabhängigen Entscheidungsträger sind (vgl.
Heer, a.a.O., N. 105a zu Art. 59 StGB). Diese Problematik wird insoweit
entschärft, als die Anordnung des Vollzugs gemäss Art. 59 Abs. 3 StGB zumindest
im Rechtsmittelverfahren von einem Gericht überprüft werden kann. In diesem
Verfahren kann der Betroffene alle Einwände vorbringen, um seine Rechte zu
wahren (vgl. Art. 439 Abs. 2 StPO; hierzu und zu den kantonalen Unterschieden:
Brägger, BSK-StPO, a.a.O., N. 4 f. zu Art. 439 StPO; derselbe, Vollzugslexikon,
a.a.O., S. 510 ff.; zum Ganzen: Noll, a.a.O., S. 165; Weder, a.a.O., S. 590).

2.5. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Unterbringung in einer geschlossenen
Einrichtung gemäss Art. 59 Abs. 3 StGB eine Vollzugsfrage ist, die
grundsätzlich von den Vollzugsbehörden zu beurteilen ist (vgl. CHRISTOPH
SIDLER, in: Das schweizerische Vollzugslexikon, Benjamin F. Brägger [Hrsg.],
2014, S. 489; WEDER, a.a.O., S. 587 ff.; NOLL, a.a.O., S. 164 ff.; STRATENWERTH
/WOHLERS, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Handkommentar, 3. Aufl. 2013, N. 6
zu Art. 59 StGB S. 143; so wohl auch: DUPUIS UND ANDERE, CP, Code pénal, 2012,
N. 16 f. zu Art. 59 StGB; QUELOZ/MUNYANKINDI, in: Commentaire romand, Code
pénal, Bd. I, 2009, N. 27 ff. zu Art. 59 StGB; BENJAMIN F. BRÄGGER,
Massnahmenvollzug an psychisch kranken Straftätern in der Schweiz: Eine
kritische Auslegeordnung, Schweizerische Zeitschrift für Kriminologie 2/2014 S.
36 ff., 38 f.; ferner: Ziff. 2.2 des Merkblatts des Ostschweizer
Strafvollzugskonkordats zum Vollzug von stationären Massnahmen nach Art. 59
StGB; a.M. HEER, a.a.O., N. 103 ff., 110 zu Art. 59 StGB; VIREDAZ/THALMANN,
Introduction au droit des sanctions, 2013, S. 104 f. Rz. 258). Die Auffassung,
es handle sich um eine eigenständige stationäre therapeutische Massnahme,
findet weder im Wortlaut noch im Sinn und Zweck des Gesetzes oder in den
Gesetzesmaterialien eine Grundlage. Dennoch erscheint es sinnvoll, dass sich
das Sachgericht in seinen Urteilserwägungen - nicht jedoch im Urteilsdispositiv
- zu der Notwendigkeit eines geschlossenen Massnahmevollzugs äussert und den
Vollzugsbehörden eine geschlossene Unterbringung des Betroffenen unverbindlich
empfiehlt, wenn es die Voraussetzungen von Art. 59 Abs. 3 StGB im
Urteilszeitpunkt als erfüllt erachtet (vgl. Urteil 6B_629/2009 vom 21. Dezember
2009 E. 1.2.3 i.f.; WEDER, a.a.O., S. 591; siehe auch: BGE 134 IV 246 E. 3.3 S.
251 f. [zur ambulanten Behandlung nach Art. 63 StGB]; 130 IV 49 E. 3.3 S. 52
[zur Zwangsmedikation]).

 Damit überschritt der Beschwerdegegner 2 seinen Zuständigkeitsbereich nicht,
indem er die Massnahme gemäss Art. 59 Abs. 3 StGB in der JVA Pöschwies in
Vollzug setzte.

3.

3.1. Der Beschwerdeführer rügt, die Voraussetzungen für eine Behandlung in
einer geschlossenen Einrichtung gemäss Art. 59 Abs. 3 StGB seien in
tatsächlicher Hinsicht nicht erfüllt. Weder aus dem psychiatrischen Gutachten
noch dem nachträglichen Bericht der Sachverständigen ergebe sich eine besondere
Gefährlichkeit des Beschwerdeführers. Einzig im Bericht betreffend
"Risikoorientierter Sanktionenvollzug" (nachfolgend: ROS-Abklärung) werde von
einem hohen Rückfallrisiko für mittelgradig schwere und schwere Sexualdelikte
ausgegangen. Da die Abklärung von einer für eine Abteilung des
Beschwerdegegners 2 arbeitenden Psychologin erstellt worden sei, genüge sie der
bundesgerichtlichen Anforderung an ein Gutachten nicht.

3.2. Die Vorinstanz erwägt, zwar sei die stationäre therapeutische Massnahme
gemäss Art. 59 Abs. 1 StGB nach Ansicht des Bezirksgerichts Zürich in einer
Einrichtung im Sinne von Art. 59 Abs. 2 StGB zu vollziehen. Jedoch vermöchten
dessen Erwägungen zum Rückfallrisiko nicht zu überzeugen, zumal diese in
Unkenntnis der ROS-Abklärung und der konkreten Gegebenheiten in der
Forensisch-Psychiatrischen Abteilung (FPA) der JVA Pöschwies erfolgten. Sowohl
die psychiatrischen Gutachten als auch die ROS-Abklärung stellten dem
Beschwerdeführer eine ungünstige Legalprognose und attestierten ihm eine hohe
Rückfallgefahr für mindestens mittelschwere Sexual- und Gewaltdelikte. Da er
zugleich ein mangelndes Problembewusstsein und eine mangelhafte
Behandlungsbereitschaft aufweise sowie seine psychischen Störungen nur schwer
therapiert werden könnten, könne zumindest in einer ersten
Implementierungsphase den erheblichen öffentlichen Sicherheitsinteressen nur
durch die Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung ausreichend Rechnung
getragen werden. Die von den Sachverständigen umschriebenen Voraussetzungen für
einen geschlossenen Massnahmevollzug seien bei einer Unterbringung in der FPA
der JVA Pöschwies offenkundig gegeben. Das Alter des Beschwerdeführers stehe
einer Einweisung in die FPA nicht entgegen; die JVA Pöschwies biete dem
Beschwerdeführer zudem die Möglichkeit, sich beruflich seinen Bedürfnissen
entsprechend weiterzuentwickeln. Insgesamt stellt die Vorinstanz fest, dass ein
Vollzug in der FPA der JVA Pöschwies gerade in einer ersten Anlaufphase dem
Sicherheitsbedürfnis der Öffentlichkeit sowie dem Behandlungsbedürfnis des
Beschwerdeführers gerecht werde und nicht im Widerspruch zu den gutachterlichen
Empfehlungen stehe.

3.3. Art. 59 Abs. 3 StGB setzt für die Behandlung in einer geschlossenen
Einrichtung Flucht- oder Wiederholungsgefahr voraus. Bei Letzterer muss es sich
nach der Rechtsprechung um eine besondere künftige Gefährlichkeit des
Betroffenen handeln, da grundsätzlich alle Massnahmen eine Rückfallgefahr
voraussetzen (vgl. Art. 56 Abs. 1 lit. a StGB). Gemeint ist die konkrete und
wahrscheinliche Gefahr weiterer Straftaten des Betroffenen im Vollzug oder
ausserhalb der Anstalt, mit der in einer (offenen) therapeutischen Einrichtung
schlechthin nicht umgegangen werden kann. Es geht mithin um Gefahren, denen zum
Schutz der Allgemeinheit nur mit einer geschlossenen Unterbringung begegnet
werden kann. Mit Blick auf den Grundsatz der Verhältnismässigkeit setzt der
Massnahmevollzug in einer geschlossenen Einrichtung eine schwerwiegende
Gefährdung hochwertiger Rechtsgüter voraus (siehe hierzu und zur Fluchtgefahr:
Urteile 6B_1045/2013 vom 14. April 2014 E. 2.1.1; 6B_384/2010 vom 15. September
2010 E. 2.1.2; 6B_629/2009 vom 21. Dezember 2009 E. 1.2.2.2; je mit Hinweisen;
vgl. auch: BGE 134 IV 121 E. 3.4.2 S. 130; Urteile 6B_1230/2014 vom 20. April
2015 E. 2.3.1; 6B_81/2011 vom 16. Mai 2011 E. 3.2; Heer, a.a.O., N. 103, 105
und 106 zu Art. 59 StGB).

 Flucht- und Rückfallgefahr müssen im Einzelfall sorgfältig geprüft werden. Die
Beurteilung der Fluchtgefahr beinhaltet keine psychiatrische Fragestellung
(Urteile 6B_1028/2014 vom 17. Juli 2015 E. 3.5; 6B_664/2013 vom 16. Dezember
2013 E. 2.4; je mit Hinweisen). Ob eine besondere künftige Gefährlichkeit
vorliegt, ist eine Rechtsfrage (vgl. zur Gemeingefährlichkeit: Urteile 6B_1028/
2014 vom 17. Juli 2015 E. 3.5; 6B_664/2013 vom 16. Dezember 2013 E. 2.4).
Allerdings lassen sich psychiatrische und juristische Fragestellungen in der
Praxis häufig nicht sauber trennen. Klar ist, dass der forensischen
Begutachtung die zentrale Aufgabe zukommt, die psychische Verfassung des
Betroffenen als wesentliche tatsächliche Entscheidgrundlage abzuklären und
prognostisch einzuschätzen. Von dieser gutachterlichen Beurteilung darf nicht
ohne triftige Gründe abgewichen werden (vgl. BGE 138 III 193 E. 4.3.1 S. 198
f.; 129 I 49 E. 4 S. 57 f.; 128 I 81 E. 2 S. 86; Urteil 6B_1028/2014 vom 17.
Juli 2015 E. 3.5; je mit Hinweisen).

3.4. Mit Gutachten vom 9. April 2013 diagnostizieren die psychiatrischen
Sachverständigen beim Beschwerdeführer eine deutlich ausgeprägte dissoziale
Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.2), eine akute polymorphe psychotische
Störung mit Symptomen einer Schizophrenie (ICD-10 F23.1), ein Aufmerksamkeits-
und Hyperaktivitätssyndrom (ICD-10 F90) sowie psychische und
Verhaltensstörungen durch Cannabinoide sowie Alkohol (ICD-10 F12.24 und
F10.24), wobei einzig die Persönlichkeitsstörung tatrelevant war. Die
Legalprognose schätzen sie ungünstig und die Gefahr weiterer Gewalt-,
Eigentums- und Betäubungsmitteldelikte als hoch ein. Trotz eingeschränkter
Therapierbarkeit und mangelhafter Behandlungsmotivation empfehlen die
Gutachterinnen eine erstmalige, stationäre psychatrisch-psychologische
Behandlung, wobei sie den Versuch einer stationären Massnahme für junge
Erwachsene gemäss Art. 61 StGB als sinnvoll erachten. In Bezug auf die akute
polymorphe psychotische Störung mit dem Verdacht auf eine beginnende paranoide
Schizophrenie halten sie eine weitere diagnostische Abklärung und
gegebenenfalls eine Therapie mit einem Antipsychotikum für klar indiziert
(kantonale Akten, act. 9/2, Gutachten S. 29 ff.).

 Nachdem das Massnahmezentrum Uitikon die Aufnahme des Beschwerdeführers mit
der Begründung ablehnte, die Differentialdiagnosen sprächen gegen eine
Massnahme nach Art. 61 StGB, es werde eine psychiatrisch-medikamentös
ausgerichtete Behandlung empfohlen (kantonale Akten, act. 9/11), erstatteten
die Gutachterinnen am 17. September 2013 ein Nachtragsgutachten (kantonale
Akten, act. 9/13). Dabei berücksichtigen sie erstmals die dem Beschwerdeführer
neu vorgeworfenen weiteren Sexualdelikte. Sie gelangen zum Schluss, die
Massnahmefähigkeit nach Art. 61 StGB sei in Frage zu stellen, jedoch könne eine
stationäre Massnahme nach Art. 59 StGB befürwortet werden. Diese sollte in
einer geeigneten psychiatrischen Einrichtung oder Massnahmevollzugseinrichtung
angeordnet werden. Eine vollzugsbegleitende Therapie wäre nur unter
Gewährleistung einer ausreichenden Betreuung durch Fachpersonal zu empfehlen,
da zu befürchten sei, dass der subkulturelle Kontext einer Haftanstalt
therapeutische Erfolge zunichte machen könnte.

 Das Bezirksgericht Zürich erwog in seinem Urteil vom 19. Dezember 2013, in
Würdigung der gutachterlichen Ausführungen und angesichts des sehr jungen
Alters des Beschwerdeführers sei eine Massnahme nach Art. 59 Abs. 1 StGB
anzuordnen, die in einer Einrichtung im Sinne von Art. 59 Abs. 2 StGB zu
vollziehen sei. Von der Behandlung in einer geschlossenen Einrichtung nach Art.
59 Abs. 3 StGB sei abzusehen, da beim Beschwerdeführer weder Fluchtgefahr noch
eine "besondere künftige Gefährlichkeit" vorliege (bezirksgerichtliches Urteil
S. 43).

 In der gleichentags ergangenen ROS-Abklärung der Abteilung für
Forensisch-Psychologische Abklärungen der Bewährungs- und Vollzugsdienste des
Amts für Justizvollzug wird das Rückfallrisiko des Beschwerdeführers für
mittelgradige Gewalt- und Sexualdelikte als hoch, für schwerwiegende
Sexualdelikte als mittel eingeschätzt. Es wird darauf hingewiesen, dass der
Beschwerdeführer kein Problembewusstsein bezüglich seiner deliktischen
Handlungen und keine Veränderungsbereitschaft aufweise. Auch möchte er sich
nicht mit seinen problematischen Persönlichkeitsanteilen auseinandersetzen. Die
dissoziale Persönlichkeitsstörung gelte als schwer behandelbar, wobei die
Behandelbarkeit und Therapiefähigkeit aktuell durch das in den Vordergrund
Treten der psychotischen Symptomatik zusätzlich verringert werde. Erst wenn
diese durch medikamentöse Behandlung eingedämmt werden könne, sei eine
deliktorientierte, persönlichkeitsspezifische Therapie möglich. Zudem wird ein
dringender Abklärungsbedarf hinsichtlich der Sexualdevianz des
Beschwerdeführers festgestellt (kantonale Akten, act. 9/26 S. 15 ff.).

3.5. Der Beschwerdeführer macht weder geltend, die psychiatrischen Gutachten
seien nicht schlüssig, noch legt er dar, die Vorinstanz würdige diese
willkürlich. Ebenso wenig zeigt er auf, dass die Vorinstanz ihrer Würdigung
schlechterdings unhaltbare tatsächliche Annahmen zugrunde legt (vgl. Art. 97
Abs. 1 i.V.m. Art. 105 Abs. 1 und 2 BGG). Demnach ist einzig zu prüfen, ob die
Vorinstanz gestützt auf ihre tatsächlichen Feststellungen eine besondere
künftige Gefährlichkeit des Beschwerdeführers, mit der in einer offenen
Einrichtung nicht umgegangen werden kann, annehmen darf.

 Der Beschwerdeführer bringt zutreffend vor, dass an die Voraussetzungen für
den Vollzug in einer geschlossenen Einrichtung hohe Anforderungen zu stellen
sind bzw. Art. 59 Abs. 3 StGB nur restriktiv anzuwenden ist (siehe auch E.
2.4.3 i.f. und 3.3). Anlassdelikte der vorliegenden Massnahme sind unter
anderem die Schändung der damaligen Partnerin des Beschwerdeführers sowie die
versuchten sexuellen Nötigungen zweier Unbekannten. In den Jahren 2008-2010
wurde der Beschwerdeführer von der Jugendanwaltschaft wegen Raubes,
Übertretungen des BetmG, geringfügigen Diebstahls, Widerhandlungen gegen das
SVG, Angriffs und einfacher Körperverletzung bestraft (vgl. kantonale Akten,
act. 9/3). Dabei handelt es sich um mittelschwere Gewalt- und Sexualdelikte.
Diesbezüglich stellen die Gutachterinnen sowie die ROS-Abklärung dem
Beschwerdeführer eine ungünstige Legalprognose und gehen von einer hohen
Rückfallgefahr hinsichtlich ähnlicher Delikte aus. Gemäss dem Gutachten handelt
es sich bei der diagnostizierten dissozialen Persönlichkeitsstörung um eine
anhaltende und chronifizierte Symptomatik mit unmittelbarem Bezug zur
Delinquenz, d.h., mit deliktfördernden Ansichten und Einstellungen. Der
Beschwerdeführer vermöge das Abweichende und Krankhafte seines Verhaltens sowie
seiner Einstellungen kaum zu erkennen, zeige sich im Hinblick auf die
dissozialen Züge uneinsichtig sowie hinsichtlich seines dissozialen Verhaltens
bagatellisierend, abwehrend und verleugnend. Die dissoziale
Persönlichkeitsstörung sei generell schwer behandelbar. Zusätzlich zeige der
Beschwerdeführer geringe bis keine Bereitschaft, sich ernsthaft mit den eigenen
dissozialen Persönlichkeitszügen auseinanderzusetzen (Gutachten S. 43 ff.).
Gestützt auf das Gutachten ist folglich von einer fehlenden Krankheitseinsicht
und einer mangelhaften Behandlungsmotivation auszugehen, dies bei einer
deliktsrelevanten psychischen Störung, die nur schwer therapiert werden kann.
Hinzu kommt, dass beim Beschwerdeführer von den Gutachterinnen eine akute
polymorphe psychotische Störung mit Symptomen einer Schizophrenie
diagnostiziert wurde, die weiterer Abklärungen und allenfalls der Therapie mit
einem Antipsychotikum bedarf (Gutachten S. 35, 46).

 Aufgrund dieser Umstände durfte die Vorinstanz von einer besonderen künftigen
Gefährlichkeit des Beschwerdeführers ausgehen. Der Beschwerdeführer weist ein
komplexes Störungsbild und keine Krankheitseinsicht auf. Widerstände, mit denen
in einer offenen Vollzugseinrichtung nicht umgegangen werden kann, sind nicht
auszuschliessen. Angesichts der erheblichen Gefährdung hochwertiger Rechtsgüter
erscheint eine geschlossene Unterbringung zum Schutz der Öffentlichkeit als
verhältnismässig. Das Vorbringen, das vorinstanzliche Urteil stütze sich einzig
auf die ROS-Abklärung und nicht auf ein psychiatrisches Gutachten, ist
unbegründet; die relevanten tatsächlichen Entscheidgrundlagen ergeben sich aus
den psychiatrischen Gutachten. Entgegen dem Einwand des Beschwerdeführers
schliessen die Sachverständigen den Vollzug der empfohlenen stationären
therapeutischen Massnahme in einer Strafanstalt nicht aus, sondern setzen
hierfür eine hinreichende Betreuung durch Fachpersonen und eine gewisse
Abschirmung von subkulturellen Einflüssen des Strafvollzugs voraus (kantonale
Akten, act. 9/13 S. 4). Die Vorinstanz legt einleuchtend dar, dass diese
Voraussetzungen in der FPA der JVA Pöschwies gegeben sind. Ferner zeigt sie
nachvollziehbar auf, dass diese als Einrichtung für den Beschwerdeführer
geeignet ist, und begründet überzeugend, weshalb der Ansicht des
Bezirksgerichts nicht gefolgt werden kann. Darauf kann verwiesen werden (Urteil
S. 11 ff.). Insgesamt verletzt die Unterbringung des Beschwerdeführers in der
(geschlossenen) FPA der JVA Pöschwies zumindest in einer ersten
Implementierungsphase kein Bundesrecht. Jedoch wird die Vollzugsbehörde
fortlaufend prüfen müssen, ob die Voraussetzungen für die Versetzung des
Beschwerdeführers in den offenen Vollzug erfüllt sind (vgl. zur Ausnahme des
Massnahmevollzugs in einer Strafanstalt gemäss Art. 76 Abs. 2 StGB: Urteile
6B_817/2014 vom 2. April 2015 E. 3.4; 6B_629/2009 vom 21. Dezember 2009 E.
1.2.4; je mit Hinweisen).

4.

 Die Beschwerde ist abzuweisen. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und
Verbeiständung ist gutzuheissen, da die Bedürftigkeit des Beschwerdeführers
ausgewiesen ist und sein Rechtsbegehren nicht offensichtlich aussichtslos war
(Art. 64 Abs. 1 BGG). Es sind keine Kosten zu erheben. Die Rechtsvertreterin
des Beschwerdeführers ist angemessen zu entschädigen.

 Demnach erkennt das Bundesgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung wird gutgeheissen.

3. 
Es werden keine Kosten erhoben.

4. 
Der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers, Rechtsanwältin Dr. Susanne Raess,
wird aus der Bundesgerichtskasse eine Entschädigung von Fr. 3'000.--
ausgerichtet.

5. 
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Verwaltungsgericht des Kantons Zürich,
2. Abteilung, 2. Kammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 22. Oktober 2015

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Denys

Die Gerichtsschreiberin: Andres

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