Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.789/2015
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

[8frIR2ALAGK1]     
{T 0/2}
                   
6B_789/2015

Urteil vom 23. November 2015

Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Denys, Präsident,
Bundesrichterin Jacquemoud-Rossari,
nebenamtliche Bundesrichterin Viscione,
Gerichtsschreiber Faga.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Oliver Berther,
Beschwerdeführer,

gegen

1. Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich, Florhofgasse 2, 8090 Zürich,
2. A.________,
3. B.________,
beide vertreten durch Rechtsanwältin Ursula Weber,
Beschwerdegegnerinnen.

Gegenstand
Mehrfache Schändung; rechtliches Gehör, Willkür,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich, I.
Strafkammer, vom 4. Mai 2015.

Sachverhalt:

A. 
X.________ wird vorgeworfen, am Vormittag des 24. August 2013, während er sich
zusammen mit weiteren Personen in der Wohnung von A.________ aufhielt, sich in
das Gästezimmer begeben zu haben, wo Letztere sich in einem Schlafsack auf dem
Bett liegend in einem durch Alkohol geförderten Tiefschlaf befunden habe.
X.________ habe sich daraufhin am Schlafsack und den Kleidern von A.________ so
weit zu schaffen gemacht, bis er mit seinem Penis in die Vagina der nach wie
vor schlafenden A.________ habe eindringen können. Daraufhin habe er an dieser
den Geschlechtsverkehr vollzogen, bis diese aufgewacht sei und ihn weggestossen
habe. Direkt anschliessend habe sich X.________ ins Schlafzimmer der Wohnung
begeben, wo sich B.________ auf dem Bett liegend im Tiefschlaf befunden habe.
In der Folge habe er mindestens einen seiner Finger in deren Vagina eingeführt
und diesen erst wieder herausgezogen, als B.________ erwacht sei und sich zur
Wehr gesetzt habe.

B. 
Das Bezirksgericht Zürich sprach X.________ am 4. Juli 2014 der Schändung zum
Nachteil von B.________ schuldig. Vom Vorwurf der Schändung zum Nachteil von
A.________ sprach es ihn frei. Es bestrafte ihn mit einer Freiheitsstrafe von
15 Monaten, unter Anrechnung der Untersuchungshaft. X.________ wurde
verpflichtet, B.________ eine Genugtuung von Fr. 2'500.-- zuzüglich Zins zu 5 %
seit 24. August 2013 sowie eine Prozessentschädigung von Fr. 5'334.90 zu
bezahlen.

C. 
Gegen diesen Entscheid erhoben die Staatsanwaltschaft sowie X.________ Berufung
und A.________ Anschlussberufung. Das Obergericht des Kantons Zürich
verurteilte X.________ am 4. Mai 2015 wegen mehrfacher Schändung zu einer
Freiheitsstrafe von 46 Monaten. Es verpflichtete ihn, A.________ eine
Genugtuung von Fr. 8'000.-- und B.________ eine solche von Fr. 2'500.--, je
zuzüglich 5 % Zins seit 24. August 2013, sowie deren Parteientschädigungen von
Fr. 7'800.-- bzw. Fr. 7'105.-- zu bezahlen.

D. 
X.________ führt Beschwerde in Strafsachen und beantragt, das Urteil des
Obergerichts des Kantons Zürich sei aufzuheben und er sei vom Vorwurf der
mehrfachen Schändung freizusprechen. Die Schadenersatz- und
Genugtuungsforderungen der Beschwerdegegnerinnen 2 und 3 seien abzuweisen. Er
ersucht um unentgeltliche Rechtspflege.

Erwägungen:

1. 

1.1. Der Beschwerdeführer rügt eine willkürliche Beweiswürdigung (Art. 9 BV),
eine Verletzung des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 3 Abs. 2
lit. c StPO) sowie des Grundsatzes der Unschuldsvermutung und des Grundsatzes
"in dubio pro reo" (Art. 32 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 2 EMRK und Art. 10 StPO).

1.2. 

1.2.1. Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die
Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Die Sachverhaltsfeststellung
kann nur gerügt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig, d.h. willkürlich im
Sinne von Art. 9 BV ist (BGE 139 II 404 E. 10.1 mit Hinweisen; zum Begriff der
Willkür BGE 140 III 16 E. 2.1; 139 III 334 E. 3.2.5; 138 I 49 E. 7.1; je mit
Hinweisen) oder wenn sie auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG
beruht und wenn die Behebung des Mangels für den Ausgang des Verfahrens
entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1 BGG). Eine entsprechende Rüge muss klar
vorgebracht und substanziiert begründet werden (Art. 106 Abs. 2 BGG; BGE 139 I
229 E. 2.2; 138 I 225 E. 3.2; je mit Hinweisen). Auf eine rein appellatorische
Kritik am angefochtenen Urteil tritt das Bundesgericht nicht ein (BGE 140 III
264 E. 2.3 mit Hinweisen).

Dem Grundsatz "in dubio pro reo" kommt in der vom Beschwerdeführer angerufenen
Funktion als Beweiswürdigungsregel im Verfahren vor Bundesgericht keine über
das Willkürverbot von Art. 9 BV hinausgehende selbständige Bedeutung zu (BGE
138 V 74 E. 7 mit Hinweisen).

1.2.2. Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör folgt die Pflicht der Behörden,
ihren Entscheid zu begründen. Die Begründung muss kurz die wesentlichen
Überlegungen nennen, von denen sich das Gericht hat leiten lassen und auf die
es seinen Entscheid stützt. Die Behörde darf sich aber auf die für den
Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken und muss sich nicht
ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand
auseinandersetzen und diese widerlegen. Es genügt, wenn sich der Betroffene
über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis
der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann (Urteil des Bundesgerichts
6B_153/2015 vom 8. Oktober 2015 E. 1.3.2 mit Hinweis auf BGE 141 III 28 E.
3.2.4; 139 IV 179 E. 2.2; 138 IV 81 E. 2.2; je mit Hinweisen).

1.3. 

1.3.1. Die Vorinstanz hat sich - teilweise mit Verweis auf das erstinstanzliche
Urteil - hinreichend mit den wesentlichen Vorbringen des Beschwerdeführers
auseinandergesetzt, diese geprüft und widerlegt. Die Vorinstanz verletzt das
rechtliche Gehör des Beschwerdeführers nicht, wenn sie sich nicht mit jedem
einzelnen seiner Einwände auseinandersetzt. Sie nennt die massgeblichen
Überlegungen, von welchen sie sich hat leiten lassen und auf die sie sich
stützt (Urteil S. 7 ff.). Der Beschwerdeführer konnte das Urteil in voller
Kenntnis der Sache anfechten. Die Rüge der Gehörsverletzung erweist sich daher
als unbegründet.

1.3.2. Unbestritten ist, dass es zwischen dem Beschwerdeführer und den
Beschwerdegegnerinnen 2 und 3 zu sexuellen Handlungen kam. Strittig ist, ob
diese im gegenseitigen Einvernehmen erfolgten oder ob der Beschwerdeführer die
aufgrund ihres schlafenden Zustandes widerstandsunfähigen Beschwerdegegnerinnen
zu den sexuellen Handlungen missbrauchte.

1.3.3. Die Vorinstanz nimmt im angefochtenen Entscheid eine eingehende und
sorgfältige Beweiswürdigung vor und legt schlüssig dar, wie sie zu dem von ihr
als erstellt erachteten Sachverhalt gelangt. Sie zeigt nachvollziehbar auf,
weshalb für sie eine Aussage als glaubhaft bzw. als unglaubhaft erscheint.
Entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers berücksichtigt sie bei der
Beweiswürdigung auch seine Aussagen (Urteil S. 11 f. und 16 f.). Sie stellt auf
die von ihr als glaubhaft beurteilten Schilderungen der Beschwerdegegnerinnen 2
und 3 ab, in deren Aussagen sie zahlreiche Realitätskriterien ausmacht.
Gestützt darauf erachtet sie den angeklagten Sachverhalt als erwiesen (Urteil
S. 13 und 18).

Die Vorinstanz bezieht die wesentlichen vom Beschwerdeführer vorgebrachten
Einwände in ihre Beweiswürdigung mit ein. Sie befasst sich auch mit den geltend
gemachten Widersprüchen und Unstimmigkeiten in den Aussagen der
Beschwerdegegnerinnen 2 und 3. Der Beschwerdeführer setzt sich in seiner
Beschwerde nicht mit der vorinstanzlichen Beweiswürdigung auseinander und zeigt
nicht auf, inwiefern die Feststellungen der Vorinstanz offensichtlich unhaltbar
sind und die vorhandenen Beweise andere Schlussfolgerungen geradezu aufdrängen.
Dass eine andere Lösung oder Würdigung auch vertretbar erscheint oder gar
vorzuziehen wäre, genügt praxisgemäss nicht für die Annahme von Willkür (BGE
141 I 49 E. 3.4, 70 E. 2.2; 140 I 201 E. 6.1; 138 I 49 E. 7.1; je mit
Hinweisen). Der Beschwerdeführer beschränkt sich grösstenteils darauf, wörtlich
seine vor erster Instanz sowie vor Vorinstanz gemachten Ausführungen zu
wiederholen, ohne auf die vorinstanzlichen Erwägungen einzugehen. Er legt im
Wesentlichen lediglich dar, wie die Beweismittel aus seiner Sicht zu würdigen
wären. Im Ergebnis stellt er seine Beweiswürdigung derjenigen der Vorinstanz
gegenüber. Er verkennt, dass das Bundesgericht keine Appellationsinstanz ist,
die in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht eine freie Prüfung vornimmt.
Soweit er zum Beweisergebnis frei plädiert und der ausführlichen
vorinstanzlichen Beweiswürdigung lediglich seine Sicht der Dinge
gegenüberstellt, ohne sich damit detailliert auseinanderzusetzen, erschöpfen
sich seine Ausführungen weitgehend in appellatorischer Kritik am angefochtenen
Urteil. Darauf ist nicht einzutreten. Dies gilt zum Beispiel, wenn er
vorbringt, die Beschwerdegegnerin 2 habe einmal ausgesagt, sich auf den offenen
Schlafsack gelegt, dann wieder in den Schlafsack hinein gelegt zu haben, wobei
dieser ganz geschlossen gewesen sei. Auch macht er erneut geltend, die Aussage
der Beschwerdegegnerin 2, dass sie mehrere Minuten benötigt habe, um zu
realisieren, was passiert sei, sei nicht glaubhaft. Zudem sei es mit der ersten
Instanz als ungewöhnlich zu bezeichnen, dass die Beschwerdegegnerin 2 ihre
Kleider zum Schlafen anbehalten hätte, da Hochsommer gewesen sei. Die Aussage
der Beschwerdegegnerin 2, dass sie sich nach dem Geschlechtsverkehr derart vor
ihm geekelt habe, dass sie samt den Kleidern unter die Dusche gestanden sei,
sei ebenfalls unglaubhaft. Bevor sie in die Dusche gestiegen sei, habe sie sich
im Badezimmer noch mit ihm unterhalten. Es sei aber lebensfremd anzunehmen,
dass sich eine Frau mit einem Mann unterhalte, der sich gerade an ihr vergangen
habe (Beschwerde Rz 18 ff.).

1.3.4. Die Vorinstanz setzt sich mit diesen Vorbringen des Beschwerdeführers
auseinander und hält dazu fest, die vom Beschwerdeführer angeführten
Widersprüche bezogen sich nicht auf das Kerngeschehen, sondern auf
Nebenumstände. Es sei nicht ausschlaggebend, ob die Beschwerdegegnerin 2 auf
dem oder im Schlafsack geschlafen habe. Dass die Beschwerdegegnerin 2 ihr Kleid
zum Schlafen nicht ausgezogen habe, sei nicht weiter ungewöhnlich, da sie nicht
alleine zu Hause gewesen sei und sich deswegen möglicherweise nicht habe
entkleiden wollen. Sodann seien die Zeitangaben in Aussagen erfahrungsgemäss
mit Vorsicht zu geniessen. Die Beschwerdegegnerin 2 habe zwar ausgesagt, es sei
"ein paar Minuten" gegangen, bis sie richtig da gewesen sei. Im gleichen Satz
habe sie aber auch ausgesagt, es sei "ein paar Stösse" gegangen, was auf eine
wesentlich kürzere Zeitdauer hindeute. Dass die Beschwerdegegnerin 2 einerseits
ausgeführt habe, sofort in die Dusche gerannt zu sein, andererseits auch
dargelegt habe, sie habe noch mit dem Beschwerdeführer geredet, sei nicht als
Widerspruch zu sehen, zumal die Beschwerdegegnerin 2 nie angegeben habe, die
Badezimmertüre hinter sich geschlossen zu haben. Es könne durchaus so gewesen
sein, dass der Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin 2 ins Bad gefolgt sei.
Weiter sei mit der Staatsanwaltschaft davon auszugehen, dass die
Beschwerdegegnerin 2, welche eben erst erwacht war, immer noch darum bemüht
gewesen sei zu realisieren, was passiert sei. Bemerkenswert sei sodann, dass
die Beschwerdegegnerin 2 mit ihrem Kleid unter die Dusche gegangen sei (Urteil
S. 9 f.).

Der Beschwerdeführer legt nicht dar, inwiefern diese vorinstanzlichen
Ausführungen willkürlich sind. In Übereinstimmung damit stehen denn auch die
Aussagen der Beschwerdegegnerin 2, wonach sie nicht wisse, wie lange es
gedauert habe, bis ihr Geist wach gewesen sei und sie den Beschwerdeführer habe
wegstossen können (vorinstanzliche Akten act. 6/2, S. 5). Es ist
nachvollziehbar, dass die Beschwerdegegnerin 2 zuerst aus dem Schlaf erwachen
musste, um zu realisieren, dass der Beschwerdeführer an ihr den
Geschlechtsverkehr vollzog. Im Übrigen gab der Beschwerdeführer vor Vorinstanz
selbst an, er hätte nicht gesehen, dass die Beschwerdegegnerin 2 ihre Kleider
ausgezogen habe. Diese habe sich wohl vor dem Duschen nach dem Sex ausgezogen.
Sie habe das Kleid während des Sex hinaufgeschoben (vorinstanzliche Akten act.
79 S. 9). Zuvor hatte er noch behauptet, die Beschwerdegegnerin 2 und er seien
beim Geschlechtsverkehr völlig nackt gewesen (vorinstanzliche Akten act. 5/1,
S. 7). Wie die Vorinstanz zutreffend festhält, wurde anlässlich der
Spurensicherung bei der Beschwerdegegnerin 2 festgestellt, dass das Kleid, das
sie im Zeitpunkt des Vorfalls trug, noch feucht war (vorinstanzliche Akten act.
11/1; act.12, S. 14).

1.3.5. Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz bezeichne seine Aussagen als
sehr vage. Diese würden angeblich keine Details enthalten. Dabei verletze die
Vorinstanz ihre Begründungspflicht, da sie keine entsprechenden Beispiele dafür
anführe, sondern es bei diesem pauschalen Einwand belasse (Beschwerde Rz 43).
Diese Rüge erweist sich ebenfalls als unbegründet. Die vorinstanzliche
Beweiswürdigung ist nachvollziehbar. Die angefochtenen Erwägungen lassen
hinreichend erkennen, weshalb die Vorinstanz die Schilderungen des
Beschwerdeführers als unglaubhaft einschätzt und auf die belastenden Aussagen
der Beschwerdegegnerin 2 sowie einer Zeugin abstellt. Was es damit auf sich
hat, ist nicht eine Frage des rechtlichen Gehörs, sondern eine solche der
Beweiswürdigung.

1.3.6. Der Beschwerdeführer macht als Motiv für eine Falschbeschuldigung
geltend, dass die Beschwerdegegnerin 2 versucht habe, die Schuld auf ihn zu
schieben, da sie verheiratet sei und gegenüber ihrem Ehemann nicht als
Ehebrecherin dastehen wolle. Es habe sich um einen klassischen
"One-Night-Stand" gehandelt. Es sei ganz offensichtlich, dass sie später ihren
Seitensprung bereut habe und wegen der ganzen Inszenierung oder Einbildung
einer angeblichen Schändung durch die Beschwerdegegnerin 3, sich genötigt
gefühlt habe, sich dieser Geschichte anzuschliessen (Rz 20 ff.). Die Vorinstanz
führt dazu aus, hätte die Beschwerdegegnerin 2 tatsächlich einvernehmlich einen
One-Night-Stand mit dem Beschwerdeführer gehabt und hätte sie nicht gewollt,
dass ihr Ehemann von der Geschichte erfahre, so hätte sie einfach nichts
erzählen müssen. Es sei anzunehmen, dass der verheiratete Beschwerdeführer
ebenfalls geschwiegen hätte. Die Beschwerdegegnerin 2 hätte keinen Grund
gehabt, von sich aus von den Ereignissen zu erzählen (Urteil S. 11). Der
Beschwerdeführer legt nicht dar, inwiefern diese vorinstanzlichen Ausführungen
willkürlich sind. Die Polizei erschien bei der Beschwerdegegnerin 2 aufgrund
der durch die Beschwerdegegnerin 3 erfolgten Anzeige. Entgegen den Ausführungen
des Beschwerdeführers ist daher nicht ersichtlich und wird in der Beschwerde
auch nicht dargelegt, weshalb aufgrund der Spurensicherung der
Geschlechtsverkehr zwischen ihm und der Beschwerdegegnerin 2 nicht zu
verheimlichen gewesen wäre (Beschwerde Rz 35).

1.4. 

1.4.1. Hinsichtlich des Schuldspruchs der Schändung zum Nachteil der
Beschwerdegegnerin 3 erschöpfen sich die Ausführungen des Beschwerdeführers
ebenfalls zur Hauptsache in einer appellatorischen Kritik am angefochtenen
Urteil, auf die nicht einzutreten ist. Dies gilt beispielsweise, wenn er erneut
vorbringt, es sei nicht nachvollziehbar, dass die Beschwerdegegnerin 3 bei der
polizeilichen Einvernahme auf die Frage, wie es ihr gehe, mit "tipptopp"
geantwortet habe (Rz. 50). Die Vorinstanz hält dazu fest, dass die
Beschwerdegegnerin 3 in der ersten Befragung angegeben habe, sich "tipptopp" zu
fühlen, könne sich für den Beschwerdeführer weder entlastend noch belastend
auswirken. Diese Aussage sei vielmehr vor dem Hintergrund zu sehen, dass die
Beschwerdegegnerin 3 nach ihrer Untersuchung im Spital erleichtert gewesen sei
(Urteil S. 15). Die Vorinstanz befasst sich auch mit der Rüge des
Beschwerdeführers, wonach die Beschwerdegegnerin 3 von der Polizei suggestiv
befragt worden sei. Sie hält dazu willkürfrei fest, die Befragung der
Beschwerdegegnerin 3 durch die Polizistin könne nicht als suggestiv bezeichnet
werden. Die Beschwerdegegnerin 3 habe eher zurückhaltend ausgesagt, was sicher
mit einer gewissen Scham zu erklären sei. Die Polizistin habe jeweils nur
Fragen gestellt, die zur Verdeutlichung dieser zurückhaltenden Antworten führen
sollten. Es könne keineswegs gesagt werden, dass die Polizistin die
Beschwerdegegnerin 3 durch gezieltes Befragen zur gewünschten Antwort geführt
habe (Urteil S. 16). Der Beschwerdeführer zeigt auch hinsichtlich dieser
Ausführungen nicht auf, inwiefern diese willkürlich sind.

1.4.2. Entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers hat die Beschwerdegegnerin
3 im Wesentlichen gleichlautende Aussagen gemacht, mit denen sich die
Vorinstanz - teilweise unter Verweis auf die erstinstanzlichen Erwägungen -
eingehend auseinandersetzt. Sie bezeichnet die Aussagen der Beschwerdegegnerin
3 mit der ersten Instanz als detailreich, stimmig, differenziert und
widerspruchsfrei. Die Schilderungen der Beschwerdegegnerin 3 wirkten lebensnah
und erlebt. Es bestünden keine Zweifel an der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen.
Es sei nicht ersichtlich, weshalb sich die Beschwerdegegnerin 3 einer
gynäkologischen Untersuchung im Krankenhaus hätte unterziehen sollen, wenn sie
genau mitbekommen hätte, was sich zuvor zugetragen habe (Urteil S. 14 ff.). Die
Vorinstanz legt zudem schlüssig dar, weshalb das vom Beschwerdeführer genannte
vermeintliche Motiv für eine Falschbeschuldigung weit hergeholt und nicht
nachvollziehbar erscheint (Urteil S. 17). Der Beschwerdeführer setzt sich mit
diesen vorinstanzlichen Erwägungen ebenfalls nicht auseinander und zeigt nicht
auf, inwiefern diese willkürlich sind.

1.4.3. Die vom Beschwerdeführer zitierten Aussagen der Beschwerdegegnerin 3
sind nicht geeignet, deren Glaubwürdigkeit bzw. die Glaubhaftigkeit ihrer
Schilderung zu erschüttern, da er die betreffenden Aussagen nicht vollständig
wiedergibt. So hat die Beschwerdegegnerin 3 die Frage, ob der Beschwerdeführer
mit dem Finger in sie habe eindringen können, nicht nur mit "nein", sondern mit
"nein, er ist nicht weit reingekommen, da war ich schon am Umdrehen"
beantwortet. Auch hat die Beschwerdegegnerin 3 nie behauptet, dass der
Beschwerdeführer mit dem Penis in ihre Scheide eingedrungen sei, sondern dies
nur als möglich erachtet. Sie hielt fest, dass sie nichts Falsches sagen wolle,
da sie noch geschlafen und geträumt habe. Die Vorinstanz gelangt daher
willkürfrei zum Schluss, es sei nur folgerichtig, dass die Beschwerdegegnerin 3
zum eigentlichen Übergriff nicht detailliert habe aussagen können, nachdem sie
noch geschlafen habe und erst durch die Berührung des Beschwerdeführers
aufgewacht sei (Urteil S. 15; erstinstanzliches Urteil S. 18 ff.;
vorinstanzliche Akten act. 7/1 und 7/3).

1.4.4. Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz vermische zwei
Phasen. In einer ersten Phase seien die Beschwerdegegnerin 3 und er wach
gewesen, wobei sie miteinander herumgespielt hätten. Auch wenn diesbezüglich
die Versionen auseinandergingen, sei davon auszugehen, dass einvernehmliche
sexuelle Handlungen vorgenommen worden seien. In einer zweiten Phase, mithin
nachdem er den Sexualkontakt mit der Beschwerdegegnerin 2 gehabt habe, sei er
nochmals ins Zimmer der Beschwerdegegnerin 3 gegangen und habe dieser Avancen
gemacht, welche jedoch zurückgewiesen worden seien. Dabei spiele es an sich
auch keine Rolle, ob er dann tatsächlich mit seinem Finger in deren Vagina
eingedrungen sei oder nicht, was jedoch bestritten werde, da er nach Treu und
Glauben davon habe ausgehen dürfen, dass die Beschwerdegegnerin 3 wie in der
ersten Phase wiederum in diese Handlungen einwilligen würde. Er hätte sich in
einem entschuldbaren Sachverhaltsirrtum im Sinne von Art. 13 Abs. 1 StGB
befunden, weshalb er freizusprechen sei (Beschwerde Rz 64 und Rz 73).

Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers halten weder die Vorinstanz
noch die erste Instanz (auf deren Ausführungen die Vorinstanz teilweise
verweist) fest, dass der Beschwerdeführer und die Beschwerdegegnerin 3 in einer
ersten Phase gegenseitig Zärtlichkeiten ausgetauscht hätten. Vielmehr erachtet
es die Vorinstanz gestützt auf die glaubhaften Aussagen der Beschwerdegegnerin
3 willkürfrei als erstellt, dass diese den Beschwerdeführer wegstiess, als er
mit ihr in einer ersten Phase Zärtlichkeiten austauschen wollte (Urteil S. 14;
erstinstanzliches Urteil S. 17 ff.). Von einem einvernehmlichen Austausch von
Zärtlichkeiten in einer ersten Phase kann daher keine Rede sein. Die Vorinstanz
stellt willkürfrei fest, dass die Beschwerdegegnerin 3 schlief, als der
Beschwerdeführer mit seinem Finger in deren Scheide eindrang. Der
Beschwerdeführer hielt denn auch anlässlich der Hafteinvernahme selbst fest,
als er mit der Beschwerdegegnerin 2 fertig gewesen sei, sei er ins Zimmer
zurückgegangen und habe die Beschwerdegegnerin 3 angefasst. Diese sei
aufgewacht und habe ihn gebeten aufzuhören (vorinstanzliche Akten act. 5/2).
Dem Beschwerdeführer war somit bewusst, dass die Beschwerdegegnerin 3 schlief.
Von einem Sachverhaltsirrtum kann daher keine Rede sein.

1.5. Insgesamt zeigt der Beschwerdeführer nicht auf, dass und inwiefern das
vorinstanzliche Beweisergebnis offensichtlich unhaltbar ist. Eine Verletzung
der Unschuldsvermutung ist nicht ersichtlich. Die vorinstanzliche
Sachverhaltsdarstellung ist daher nicht zu beanstanden, und die Willkürrüge
erweist sich als unbegründet, soweit sie den Begründungsanforderungen überhaupt
zu genügen vermag.

2. 
Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann. Bei
diesem Ausgang des Verfahrens sind die bundesgerichtlichen Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG). Sein Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege ist abzuweisen, da die Beschwerde von vornherein
aussichtslos war (Art. 64 Abs. 1 BGG e contrario). Seinen angespannten
finanziellen Verhältnissen ist mit reduzierten Gerichtskosten Rechnung zu
tragen (Art. 65 Abs. 2BGG). Den Beschwerdegegnerinnen 2 und 3 ist keine
Entschädigung zuzusprechen, da ihnen im bundesgerichtlichen Verfahren keine
Umtriebe entstanden sind.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2. 
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.

3. 
Die Gerichtskosten von Fr. 800.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

4. 
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Zürich, I.
Strafkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 23. November 2015

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Denys

Der Gerichtsschreiber: Faga

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