Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.803/2015
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

[8frIR2ALAGK1]     
6B_803/2015        

Urteil vom 26. April 2017

Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Denys, Präsident,
Bundesrichterin Jacquemoud-Rossari,
Bundesrichter Oberholzer, Rüedi,
Bundesrichterin Jametti,
Gerichtsschreiber Held.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Roger Gebhard,
Beschwerdeführer,

gegen

1. Staatsanwaltschaft des Kantons Schaffhausen, Bahnhofstrasse 29, 8200
Schaffhausen,
2. A.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Till Gontersweiler,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Verfahrensgrundsätze, Willkür; versuchte Erpressung,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Schaffhausen vom 10.
Dezember 2014.

Sachverhalt:

A.
Die Staatsanwaltschaft des Kantons Schaffhausen wirft X.________ vor, drei
Männer beauftragt zu haben, von A.________ Geld einzutreiben. A.________ sei
geschlagen und mit einer Pistole bedroht worden. Man habe ihn angewiesen, alles
an Geld zu holen, was er zu Hause habe und nicht die Polizei zu informieren,
ansonsten würde die gesamte Familie umgebracht. A.________ sei mit X.________
in dessen Auto zur Wohnung seiner Eltern gefahren. Als er die Wohnung betreten
habe, habe seine Schwester die Polizei benachrichtigt. A.________ habe eine
Prellung am linken Jochbein sowie am rechten Rippenbogen erlitten und einen
Teil seines linken Schneidezahns verloren. Seit dem Vorfall vom 1. November
2011 leide er an einer posttraumatischen Belastungsstörung, chronischen
Kopfschmerzen und immer wieder auftretenden Augenschmerzen. Einer der Männer
konnte als Y.________ identifiziert werden.

B.
Das Obergericht des Kantons Schaffhausen wies am 10. Dezember 2014 im
mündlichen Verfahren sowohl die gegen das Urteil des Kantonsgerichts
Schaffhausen vom 26. März 2014 erhobene Berufung von X.________ als auch die
Anschlussberufung von A.________ vollumfänglich ab. Es verurteilte X.________
wegen versuchter Erpressung zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 27
Monaten, deren Vollzug im Umfang von 15 Monaten bedingt aufgeschoben wurde bei
einer Probezeit von vier Jahren. Es widerrief den X.________ für eine
Geldstrafe von 80 Tagesätzen zu Fr. 120.-- gewährten bedingten Strafvollzug und
verpflichtete ihn unter solidarischer Haftung mit dem anderweitig verurteilten
Y.________ zu Schadenersatz- und Genugtuungszahlungen von Fr. 11'229.65 an
A.________.

C.
X.________ führt Beschwerde in Strafsachen und beantragt sinngemäss, er sei von
Schuld und Strafe freizusprechen und vom Widerruf des bedingten Strafvollzugs
sei abzusehen. Auf die Zivilforderungen von A.________ sei nicht einzutreten
bzw. diese seien abzuweisen und A.________ sei keine Parteientschädigung zu
gewähren. X.________ beantragt eine Entschädigung von Fr. 5'526.50 und eine
Genugtuung von mindestens Fr. 14'200.-- für die ausgestandene
Untersuchungshaft. Eventualiter sei er zu einer bedingten Freiheitsstrafe von
zwei Jahren zu verurteilen. Subeventualiter sei die Sache an die Vorinstanz
zurückzuweisen. X.________ ersucht um aufschiebende Wirkung der Beschwerde und
unentgeltliche Rechtspflege.
Das Obergericht und die Staatsanwaltschaft schliessen auf Abweisung der
Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. A.________ beantragt, die Beschwerde
sei abzuweisen und das Urteil des Obergerichts im Schuld- und Zivilpunkt zu
bestätigen. Rechtsanwalt Till Gontersweiler sei als "unentgeltlicher
Rechtsvertreter beizubehalten".

Erwägungen:

1.

1.1. Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz habe es unterlassen, den
Beschwerdegegner einzuvernehmen und ihn selber als beschuldigte Person zur
Sache zu befragen, obwohl eine "Aussage gegen Aussage"-Situation vorliege, in
der die unmittelbare Kenntnis durch das Gericht für die Urteilsfindung
unerlässlich sei. Art. 343 Abs. 3 StPO finde i.V.m. Art. 405 Abs. 1 StPO auch
im Berufungsverfahren Anwendung, weshalb die Vorinstanz den Beschwerdegegner
von Amtes wegen hätte einvernehmen müssen, zumal dieser im gesamten Verfahren
nie gerichtlich angehört worden sei. Die vorinstanzlichen
Sachverhaltsfeststellungen beruhten zudem auf einer unvollständigen Grundlage,
da er als beschuldigte Person nicht gemäss Art. 341 Abs. 3 StPO zur Sache
befragt worden sei. Dass er sich im Rahmen des Schlussworts selbstständig zur
Sache geäussert habe, könne die persönliche Befragung nicht ersetzen, zumal er
zu den entscheidenden Sachverhaltsfragen nicht habe Stellung nehmen können. Die
Verfahrensleitung habe von Amtes wegen für einen ordnungsgemässen
Verfahrensgang zu sorgen, weshalb die unterbliebene Intervention der damaligen
amtlichen Verteidigerin unerheblich sei.

1.2. Die Vorinstanz führt in ihrer Vernehmlassung aus, das
Rechtsmittelverfahren beruhe grundsätzlich auf den bereits erhobenen Beweisen
(Art. 389 Abs. 1 StPO), eine erneute Beweiserhebung habe nur unter den
Voraussetzungen von Art. 389 Abs. 2 StPO zu erfolgen. Es obliege vor allem der
Verteidigung, vor der Rechtsmittelinstanz gegebenenfalls die erneute
Einvernahme eines Zeugen zu beantragen und zu begründen, weshalb dies zur
Würdigung seiner Aussagen nötig erscheine. Werde keine erneute Einvernahme von
Zeugen oder des Beschuldigten vor der Rechtsmittelinstanz beantragt, könne die
Rechtsmittelinstanz davon ausgehen, dass eine weitere Befragung keine
zusätzlichen Erkenntnisse bringe. Der Beschwerdeführer habe weder die
Einvernahme des Privatklägers noch seine eigene Befragung zur Sache beantragt,
weshalb kein Anlass für eine Befragung von Amtes wegen bestanden habe. Zudem
habe sich der Beschwerdeführer im Schlusswort nochmals zur Sache und weiteren,
ihn bewegenden Dingen geäussert.

1.3.

1.3.1. Gemäss Art. 389 Abs. 1 StPO beruht das Rechtsmittelverfahren auf den
Beweisen, die im Vorverfahren und im erstinstanzlichen Hauptverfahren erhoben
worden sind. Beweisabnahmen des erstinstanzlichen Gerichts werden im
Rechtsmittelverfahren nach Abs. 2 derselben Bestimmung nur wiederholt, wenn
Beweisvorschriften verletzt worden sind (lit. a), die Beweiserhebungen
unvollständig waren (lit. b) oder die Akten über die Beweiserhebung
unzuverlässig erscheinen (lit. c). Zudem erhebt die Rechtsmittelinstanz von
Amtes wegen oder auf Antrag einer Partei die erforderlichen zusätzlichen
Beweise (Art. 389 Abs. 3 StPO).

1.3.2. Die mündliche Berufungsverhandlung richtet sich nach den Bestimmungen
über die erstinstanzliche Hauptverhandlung (Art. 405 Abs. 1 StPO).

1.4.

1.4.1. Das Rechtsmittelverfahren setzt das Strafverfahren fort und knüpft an
die bereits erfolgten Verfahrenshandlungen, namentlich die bereits getätigten
Beweiserhebungen, an. Der in Art. 389 Abs. 1 StPO statuierte Grundsatz, wonach
das Rechtsmittelverfahren auf den Beweisen beruht, die im Vorverfahren und im
erstinstanzlichen Hauptverfahren erhoben worden sind, gelangt jedoch nur zur
Anwendung, soweit die Beweise, auf die die Rechtsmittelinstanz ihren Entscheid
stützen will, prozesskonform erhoben worden sind. Erweisen sich
Beweiserhebungen als rechtsfehlerhaft (lit. a), unvollständig (lit. b) oder
unzuverlässig (lit. c) i.S.v. Art. 389 Abs. 2 StPO, sind sie von der
Rechtsmittelinstanz erneut vorzunehmen (vgl. Botschaft vom 21. Dezember 2005
zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts, BBl 2006 1310 Ziff. 2.9.1;
ZIEGLER/KELLER, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2.
Aufl. 2014, N. 2 zu Art. 389 StPO). Eine unmittelbare Beweisabnahme hat im
mündlichen Berufungsverfahren gemäss Art. 343 Abs. 3 i.V.m. Art. 405 Abs. 1
StPO auch zu erfolgen, wenn die unmittelbare Kenntnis des Beweismittels für die
Urteilsfällung notwendig erscheint. Art. 343 Abs. 3 StPO gelangt insofern auch
im Rechtsmittelverfahren zur Anwendung (BGE 140 IV 196 E. 4.4.1). Der blosse
Hinweis auf Art. 389 StPO entbindet die Rechtsmittelinstanz somit nicht von der
Verpflichtung, Beweise abzunehmen oder erneut abzunehmen, wenn entweder die
Voraussetzungen von Art. 389 Abs. 2 StPO gegeben sind oder im mündlichen
Berufungsverfahren die unmittelbare Kenntnis für die Urteilsfällung notwendig
erscheint. Da es den Strafbehörden obliegt, die Beweise rechtskonform zu
erheben, sind die notwendigen Ergänzungen von Amtes wegen vorzunehmen und
bedarf es dazu keines Antrags durch eine Partei.

1.4.2. Der Gesetzgeber hat die Berufung als primäres Rechtsmittel gegen
erstinstanzliche Urteile grundsätzlich als mündliches, kontradiktorisches
Verfahren mit Vorladung der Parteien (Art. 405 Abs. 2 und 3 StPO) ausgestaltet.
Vorliegend beurteilt sich die Frage, ob der Beschwerdeführer im
Berufungsverfahren nochmals einzuvernehmen war, deshalb nicht ausschliesslich
nach Art. 389 StPO. Art. 405 Abs. 1 StPO sieht ausdrücklich vor, dass sich die
mündliche Berufungsverhandlung nach den Bestimmungen über die erstinstanzliche
Hauptverhandlung richtet. Demzufolge ist grundsätzlich auch Art. 341 Abs. 3
StPO anwendbar, wonach die Verfahrensleitung zu Beginn des Beweisverfahrens die
beschuldigte Person (eingehend) zu ihrer Person, zur Anklage und zu den
Ergebnissen des Vorverfahrens befragt. Dass die beschuldigte Person bereits im
erstinstanzlichen Verfahren zur Sache und Person befragt wurde, macht deren
Einvernahme im mündlichen Berufungsverfahren nicht entbehrlich. Zum einen dient
Art. 341 Abs. 3 StPO trotz seiner systematischen Eingliederung im Abschnitt
"Beweisverfahren" nicht ausschliesslich Beweiszwecken, sondern trägt
insbesondere auch der Subjektstellung der beschuldigten Person Rechnung. Die
Vorschrift garantiert als Ausfluss des Anspruchs auf rechtliches Gehör das
persönlichkeitsbezogene Mitwirkungsrecht der beschuldigten Person im gegen sie
geführten Strafverfahren und verhindert, dass sie zum blossen Objekt
staatlichen Handelns wird (vgl. ARIANE KAUFMANN, Die Unmittelbarkeit und die
Folgen seiner Einschränkung in der Schweizerischen Strafprozessordnung, 2013,
Diss. Zürich, S. 260; WOLFGANG WOHLERS, in: Kommentar zur Schweizerischen
Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 33 zu Art. 3 StPO). Zum anderen kommt
der Befragung der beschuldigten Person auch beweisrechtlich in Bezug auf den
Schuld- und Strafpunkt in aller Regel entscheidrelevante Bedeutung zu. Die
Intensität der Befragung hängt dabei insbesondere von der Schwere des
Anklagevorwurfs und der Beweislage ab. Da die beschuldigte Person bereits im
erstinstanzlichen Gerichtsverfahren zur Sache befragt wurde, ist in der
Berufungsverhandlung nicht mehr die gleiche Einlässlichkeit erforderlich. Art.
389 StPO führt nicht zu einem Verzicht auf Befragung der beschuldigten Person
in der Berufungsverhandlung. Jene Bestimmung relativiert aber Art und Umfang
der erforderlichen Befragung, indem sie einerseits auf die noch strittigen
Punkte beschränkt ist und andererseits die bereits (prozesskonform) erhobenen
Aussagen verwertbar bleiben.

1.4.3. Unbehelflich und zudem unzutreffend ist das Vorbringen der Vorinstanz,
der Beschwerdeführer habe sich im Rahmen seines letzten Wortes zur Sache
äussern können. Aus dem Hauptverhandlungsprotokoll ergibt sich, dass eine
Besprechung mit seiner Verteidigerin zur Sache nicht gestattet und sämtliche
von ihm angebotenen Beweismittel nicht (mehr) zugelassen und nicht zu den Akten
genommen wurden. Die Verfahrensleitung hätte aufgrund der richterlichen
Fürsorgepflicht und des Untersuchungsgrundsatzes (Art. 6 StPO) dem
Beschwerdeführer die Möglichkeit einräumen müssen, sich zu den ihm gemachten
Vorwürfen zu äussern und diejenigen Umstände vorzubringen, die seiner
Verteidigung und der Klärung des Sachverhalts hätten dienen können (vgl.
NIKLAUS SCHMID, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 2. Aufl.
2013, N. 9 zu Art. 341 StPO). Dass die Verteidigerin anlässlich der
Berufungsverhandlung die Befragung des Beschwerdeführers zur Sache nicht
verlangt hat, ändert nichts daran. Es obliegt der Verfahrensleitung, den
gesetzlich vorgeschriebenen Verfahrensgang sicherzustellen. Ergänzungsfragen
der Parteien können zwar eine lückenhafte gerichtliche Befragung komplettieren,
eine fehlende jedoch grundsätzlich nicht ersetzen (vgl. GUT/FINGERHUTH, in:
Kommentar zur schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 11 zu Art.
341 StPO).

1.4.4. Die Vorinstanz begründet ihren Verzicht auf die Befragung des
Beschwerdegegners mit dem Hinweis darauf, dass der Beschwerdeführer dessen
Befragung nicht beantragt habe. Das Berufungsgericht ist jedoch verpflichtet,
nicht nur auf Antrag, sondern von Amtes wegen für eine rechtskonforme
Beweiserhebung besorgt zu sein. Sie wird deshalb zu prüfen haben, ob der
Beschwerdegegner unter den Voraussetzungen von Art. 389 Abs. 2 und Art. 343
Abs. 3 i.V.m. Art. 405 StPO von Amtes wegen neu einzuvernehmen sein wird (vgl.
vorstehend E. 1.4.1). Zum anderen übersieht die Vorinstanz, dass sie den
Beschwerdegegner in Anwendung von Art. 405 Abs. 2 StPO zur Berufungsverhandlung
vorgeladen hatte (kant. Akten, act. 1009 ff.). Warum der Beschwerdegegner der
Vorladung keine Folge leistete und die Berufungsverhandlung trotz dessen
Abwesenheit fortgeführt wurde, ist nicht ersichtlich. Der kontradiktorische
Charakter des mündlichen Berufungsverfahrens sieht die Anwesenheit der Parteien
vor, auf die nur in einfach gelagerten Fällen verzichtet werden kann,
namentlich wenn der Sachverhalt unbestritten und nicht angefochten und deshalb
eine Einvernahme (auch hinsichtlich der Zivilforderung) nicht erforderlich ist
(vgl. Art. 405 Abs. 2 StPO; BBl 2005 1316 Ziff. 2.9.3.2; LUZIUS EUGSTER, in:
Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 2 zu
Art. 405 StPO mit Hinweisen). Dies war vorliegend nicht der Fall. Soweit der
Beschwerdegegner in seiner Vernehmlassung vorbringt, er könne sich
"dispensieren oder vertreten lassen", verkennt er, dass eine Dispensation nur
auf Antrag und nicht von Amtes wegen erfolgt (BBl 2006 1316 Ziff. 2.9.3.2; vgl.
auch MAZZUCCHELLI/POSTIZZI, in: Basler Kommentar, Schweizerische
Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 3a zu Art. 338 StPO). Dass er ein
schriftliches oder anlässlich der Berufungsverhandlung mündliches
Dispensationsgesuch gestellt hat, welches die Vorinstanz genehmigt hat, ergibt
sich aus den Verfahrensakten nicht (vgl. insbesondere Protokoll und Aufnahme
der Hauptverhandlung).

1.5. Die Beschwerde erweist sich als begründet. Die Vorinstanz wird den
Beschwerdeführer nicht nur zur Person, sondern auch zur Anklage und zu den
Ergebnissen des Vorverfahrens und der erstinstanzlichen Hauptverhandlung
befragen müssen. Inwieweit weitere Beweisabnahmen, namentlich die Einvernahme
des anderweitig verurteilten Y.________ und des Beschwerdegegners im Sinne von
Art. 343 Abs. 3 und Art. 389 StPO erforderlich sind, wird die Vorinstanz
aufgrund der bisherigen Beweiserhebungen und unter Berücksichtigung des
Grundsatzes der materiellen Wahrheit von Amtes wegen zu entscheiden haben. Dies
setzt voraus, dass sich die Vorinstanz auch mit den bereits erhobenen Beweisen
(zumindest gedanklich) auseinandersetzt. Auf eine erneute Einvernahme des
Beschwerdegegners und des als Mittäter verurteilten Y.________ kann nur dann
verzichtet werden, wenn diese nach Ansicht der Vorinstanz sowohl zu allen
entscheidrelevanten Punkten umfassend und rechtskonform befragt worden sind
(vgl. Art. 389 Abs. 2 lit. b StPO) als auch deren unmittelbare Wahrnehmung zur
Aussagebeurteilung nicht erforderlich sein sollte (vgl. Art. 343 Abs. 3 i.V.m.
Art. 405 Abs. 1 StPO; BGE 140 IV 196 E. 4.4.1; Urteil 6B_70/2015 vom 20. April
2016 E. 1.3; VIKTOR LIEBER, a.a.O., N. 4 zu Art. 389 StPO; NIKLAUS SCHMID,
Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 2. Aufl. 2013, N. 1483). Ob
der Beschwerdegegner verhandlungsfähig respektive einvernahmefähig ist, hat die
Vorinstanz aufgrund der Aktenlage (vgl. kant. Akten, act. 451 f.) und
gegebenenfalls durch Einholung eines Gutachtens zu beantworten (vgl. zu
Traumatisierungsfolgen bei sog. "gemischten" Fällen [Überfall/Bedrohung und
Schläge/Zufügen von Verletzungen]: BGE 129 V 177 E. 4.3 S. 185; Urteile 8C_167/
2016 vom 23. Mai 2016 E. 2.2; 8C_2/2016 vom 29. Februar 2016 E. 4.1).

2.

2.1. Unabhängig von den erhobenen Verfahrensrügen und einem daraus
resultierenden allfälligen anderen Beweisergebnis, macht der Beschwerdeführer
eine Verletzung von Art. 156 Ziff. 1 StGB geltend. Eine Absicht unrechtmässiger
Bereicherung liege nur dann vor, wenn der Täter sich einen Vermögensvorteil
verschaffen wolle, obwohl er wisse, darauf keinen Anspruch zu haben. Da es sich
um ein subjektives Tatbestandsmerkmal handle, sei es entgegen der Vorinstanz
nicht unerheblich, dass der Beschwerdeführer der Meinung gewesen sei, der
Beschwerdegegner und dessen Familie schuldeten ihm gesamthaft Fr. 12'000.--.
Eine Bereicherungsabsicht bestünde allenfalls im darüber hinausgehenden Betrag
von Fr. 3'000.--. Dies wirke sich auf die Strafzumessung aus.

2.2. Die Vorinstanz erwägt, der subjektive Tatbestand der Erpressung erfordere
die Absicht unrechtmässiger Bereicherung, wobei Eventualabsicht genüge. Diese
fehle, wenn der Täter einen Anspruch auf den erstrebten Vermögensvorteil habe
oder zu haben glaube, könne hingegen vorliegen, wenn der Täter Zweifel an der
Begründetheit des Anspruchs hege und den Eintritt einer unrechtmässigen
Bereicherung in Kauf nehme. Der Beschwerdeführer habe in rechtswidriger
Bereicherungsabsicht gehandelt, da er vom Beschwerdegegner Fr. 15'000.-- habe
fordern lassen, obwohl dieser ihm maximal Fr. 1'000.-- schulde. Ob dessen
Familienmitglieder nach Vorstellung des Beschwerdeführers und des
Beschwerdegegners gegenseitig für Schulden anderer Familienmitglieder
einzustehen hätten, spiele keine Rolle. Der Beschwerdeführer lebe seit Jahren
in der Schweiz und sei mit der hiesigen Rechtsordnung vertraut.

2.3. Die Rüge ist begründet. Die rechtlichen Ausführungen der Vorinstanz zum
subjektiven Tatbestand der (versuchten) Erpressung sind zutreffend, jedoch
zieht sie daraus die falschen Schlussfolgerungen. Die Vorinstanz scheint von
einem vermeidbaren Irrtum über die Rechtswidrigkeit i.S.v. Art. 21 StGB
auszugehen und verkennt, dass die Rechtswidrigkeit der Bereicherung
(objektives) Tatbestandsmerkmal der Erpressung ist, das vom Vorsatz des Täters
erfasst sein muss. Der Irrtum über das Bestehen eines Anspruchs stellt einen
Sachverhaltsirrtum im Sinne von Art. 13 StGB dar. Nimmt der Täter (irrig) an,
einen Anspruch auf den Vermögensvorteil zu haben, fehlt es am Vorsatz einer
(rechtswidrigen) Bereicherung. Ob der Beschwerdeführer den Irrtum hätte
vermeiden können, ist unerheblich, da eine fahrlässige Erpressung nicht
strafbar ist. Die Strafbarkeit wegen Nötigung gemäss Art. 181 StGB bleibt
hiervon unberührt. Die Beschwerde erweist sich auch in diesem Punkt als
begründet.

2.4. Die Vorinstanz wird die Strafzumessung neu vornehmen müssen, weshalb die
hiergegen erhobenen Rügen nicht weiter zu behandeln sind.

3.
Die Beschwerde erweist sich als begründet. Mit dem Entscheid in der Sache wird
das Gesuch um aufschiebende Wirkung der Beschwerde gegenstandslos.
Der unterliegende Beschwerdegegner motiviert weder sein sinngemässes Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung, noch belegt er seine
Bedürftigkeit. Da ihm bereits im kantonalen Verfahren die unentgeltliche
Rechtspflege gewährt wurde und sein Rechtsbegehren angesichts des
vorinstanzlichen Entscheids nicht offensichtlich aussichtslos erschien,
rechtfertigt es sich, trotz fehlender Begründung von einer Kostenauflage für
das bundesgerichtliche Verfahren abzusehen und ihm Rechtsanwalt Till
Gontersweiler als Rechtsbeistand für das bundesgerichtliche Verfahren
beizugeben (Art. 64 Abs. 1 und 2 BGG). Dieser ist aus der Bundesgerichtskasse
nach den üblichen Ansätzen, von denen abzuweichen vorliegend keine Veranlassung
besteht, angemessen zu entschädigen. Dem Kanton Schaffhausen sind keine
Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 4 BGG).
Die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege und Verbeiständung befreit
nicht von der Bezahlung der Parteientschädigung (BGE 122 I 322 E. 2c S. 324
f.), weshalb der Beschwerdeführer für das bundesgerichtliche Verfahren vom
Beschwerdegegner und Kanton Schaffhausen zu gleichen Teilen unter solidarischer
Haftung zu entschädigen ist (Art. 68 Abs. 2 und 4 i.V.m. Art. 66 Abs. 5 BGG).
Die Entschädigung ist praxisgemäss seinem Rechtsvertreter auszurichten. Damit
wird das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gegenstandslos.

 Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen, das Urteil des Obergerichts des Kantons
Schaffhausen vom 10. Dezember 2014 aufgehoben und die Sache zu neuer
Entscheidung an die Vorinstanz zurückgewiesen.

2.
Das Gesuch des Beschwerdegegners um unentgeltliche Rechtspflege und
Verbeiständung wird gutgeheissen. Dem Beschwerdegegner wird für das
bundesgerichtliche Verfahren Rechtsanwalt Till Gontersweiler als Rechtsbeistand
beigegeben.

3.
Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

4.
Der Kanton Schaffhausen und der Beschwerdegegner haben den Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers, Rechtsanwalt Roger Gebhard, für das bundesgerichtliche
Verfahren unter solidarischer Haftung mit je Fr. 1'500.-- zu entschädigen.

5.
Dem Rechtsvertreter des Beschwerdegegners wird aus der Bundesgerichtskasse eine
Entschädigung von Fr. 1'000.-- ausgerichtet.

6.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Schaffhausen
schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 26. April 2017

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Denys

Der Gerichtsschreiber: Held

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