Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.898/2015
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

[8frIR2ALAGK1]     
{T 0/2}
                   
6B_898/2015

Urteil vom 27. Juni 2016

Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Denys, Präsident,
Bundesrichter Oberholzer,
Bundesrichterin Jametti,
Gerichtsschreiber Faga.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Christian Näpflin,
Beschwerdeführer,

gegen

1. Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Luzern, Postfach 3439, 6002 Luzern,
2. A.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Andreas Kuhn,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Sachbeschädigung; Gültigkeit des Strafbefehls, Konfrontationsanspruch etc.,

Beschwerde gegen das Urteil des Kantonsgerichts Luzern, 2. Abteilung, vom 18.
Mai 2015.

Sachverhalt:

A.
Das Grundstück von X.________ grenzt an das Grundstück von A.________. Am 16.
September 2011 schnitt B.________, Mitarbeiter der C.________ GmbH, zwei Birken
auf dem Grundstück von A.________.

B.
Die Staatsanwaltschaft Abteilung 2 Emmen sprach X.________ mit Strafbefehl vom
10. Juli 2014 der Anstiftung zur Sachbeschädigung schuldig. Sie bestrafte ihn
mit einer bedingten Geldstrafe von zehn Tagessätzen zu Fr. 300.-- bei einer
Probezeit von zwei Jahren sowie mit einer Busse von Fr. 700.--.
Auf Einsprache hin sprach das Bezirksgericht Kriens am 13. Oktober 2014
X.________ von Schuld und Strafe frei.
In Gutheissung der Berufung von A.________ verurteilte das Kantonsgericht
Luzern am 18. Mai 2015 X.________ wegen Sachbeschädigung (begangen in
mittelbarer Täterschaft) und auferlegte ihm eine bedingte Geldstrafe von zehn
Tagessätzen zu Fr. 300.--.

C.
X.________ führt Beschwerde in Strafsachen. Er beantragt, das Urteil des
Kantonsgerichts sei aufzuheben, und er sei von Schuld und Strafe
freizusprechen. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz
oder Staatsanwaltschaft zurückzuweisen. Zudem ersucht er um aufschiebende
Wirkung, welche am 14. September 2015 superprovisorisch gewährt wurde.

D.
Das Kantonsgericht Luzern liess sich mit Schreiben vom 8. April 2016 zur
Beschwerde vernehmen. Die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Luzern hat auf
eine Vernehmlassung verzichtet. A.________ beantragt die Abweisung der
Beschwerde. Mit Eingaben vom 2. Mai 2016 und 10. Juni 2016 nahm der
Beschwerdeführer sein Recht zur Replik wahr.

Erwägungen:

1.

1.1. Der Beschwerdeführer verweist auf den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
Abteilung 2 Emmen vom 10. Juli 2014. Dieser genüge in mehrfacher Hinsicht nicht
den gesetzlichen Anforderungen und sei ungültig. Den früheren Strafbefehl vom
14. März 2013 habe die Vorinstanz aufgehoben und den Fall zur Durchführung
eines neuen Vorverfahrens an die Staatsanwaltschaft zurückgewiesen. Diese habe
das zusammen mit dem früheren Strafbefehl verfasste Überweisungsschreiben in
den neuen Strafbefehl kopiert. Zudem sei das Verfahren gegen den Haupttäter
D.________ bereits rechtskräftig eingestellt gewesen. Gleichwohl habe die
Staatsanwaltschaft am Strafbefehl vom 10. Juli 2014 festgehalten, anstatt das
Verfahren auf weitere Personen auszudehnen oder einen Strafbefehl wegen
mittelbarer Täterschaft zu erlassen. Die Staatsanwaltschaft verstosse
schliesslich gegen Art. 353 Abs. 1 lit. d StPO sowie gegen die Informations-
und Umgrenzungsfunktion des Strafbefehls, indem sie ihn als Anstifter und
eventualiter als mittelbaren Täter schuldig gesprochen habe (Beschwerde S. 5
ff.).

1.2. Die Vorinstanz erwägt, es sei zutreffend, dass der Strafbefehl nicht eine
Alternativ- oder Eventualanklage enthalten dürfe. Indessen lasse der
Strafbefehl vom 10. Juli 2014 keine Zweifel daran, dass die Staatsanwaltschaft
den Beschwerdeführer der Anstiftung zur Sachbeschädigung schuldig gesprochen
habe (Entscheid S. 7).

1.3. Inwiefern die Wiedergabe eines in einem früheren Überweisungsschreiben
umschriebenen Sachverhalts die Gültigkeit des Strafbefehls tangieren und die
Vorinstanz Bundesrecht verletzen sollte, indem sie auf den fraglichen
Strafbefehl abstellt, wird vom Beschwerdeführer nicht näher dargelegt. Die
Beschwerde genügt in diesem Punkt den bundesrechtlichen Anforderungen von Art.
42 Abs. 2 BGG nicht.
Der Beschwerdeführer vermag mit dem Hinweis auf das gegen D.________ geführte
und eingestellte Verfahren nichts für seinen Standpunkt abzuleiten. Laut
Strafbefehl erfolgte das Zurückschneiden der Birken durch B.________ im Auftrag
des Beschwerdeführers. Selbst wenn gemäss Vorwurf im Strafbefehl D.________ der
Angestiftete sein sollte, wurde das gegen ihn geführte Verfahren wegen
Rechtsirrtum im Sinne von Art. 21 StGB eingestellt (vgl. vorinstanzliche Akten
Register "Belege bp" Beilage 2). Wer bei der Begehung der Tat nicht weiss und
nicht wissen kann, dass er sich rechtswidrig verhält, handelt nicht schuldhaft
(Art. 21 Satz 1 StGB). Der angestiftete Haupttäter muss tatbestandsmässig und
rechtswidrig handeln, nicht unbedingt schuldhaft (TRECHSEL/JEAN-RICHARD, in:
Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 2. Aufl. 2013, N. 26 vor Art.
24 StGB). Der Verbotsirrtum ist ein persönliches Merkmal im Sinne von Art. 27
StGB (Marc Forster, in: Basler Kommentar, Strafrecht, Bd. I, 3. Aufl. 2013, N.
51 zu Art. 24 StGB; TRECHSEL/JEAN-RICHARD, a.a.O., N. 2 zu Art. 27 StGB). Die
Einstellung der Strafuntersuchung gegen D.________ bleibt damit hier
unerheblich.
Der fragliche Strafbefehl bezeichnet den durch den Beschwerdeführer erfüllten
Straftatbestand ("1. Sie haben sich schuldig gemacht der Anstiftung zur
Sachbeschädigung"), wie das Art. 325 Abs. 1 lit. g und Art. 353 Abs. 1 lit. d
StPO vorschreiben. In Ziffer 2 folgt unter anderem der Hinweis auf Art. 24 Abs.
1 StGB. Der nach Ansicht der Staatsanwaltschaft erfüllte Straftatbestand wird
zudem optisch hervorgehoben. Der Schuldpunkt wird dadurch hinreichend klar,
selbst wenn der Beschwerdeführer im Sachverhalt eventualiter als mittelbarer
Täter bezeichnet wird. Der Strafbefehl genügt seiner Informations- und
Umgrenzungsfunktion.

2.

2.1. Der Beschwerdeführer bringt vor, es sei (unter der Voraussetzung, dass der
objektive Tatbestand von Art. 144 StGB erfüllt sei) von einem Fr. 300.--
unterschreitenden Schaden auszugehen. In Anwendung von Art. 172ter Abs. 1 StGB
könne ihm deshalb nur eine Übertretung zur Last gelegt werden. Die Vorinstanz
habe ihre Kognition überschritten. Sie hätte die Feststellung des Sachverhalts
nur unter den eingeschränkten Voraussetzungen von Art. 398 Abs. 4 StPO
überprüfen dürfen (Beschwerde S. 7 ff.).

2.2. Bildeten ausschliesslich Übertretungen Gegenstand des erstinstanzlichen
Hauptverfahrens, kann mit der Berufung nur geltend gemacht werden, das Urteil
sei rechtsfehlerhaft oder die Feststellung des Sachverhalts sei offensichtlich
unrichtig oder beruhe auf einer Rechtsverletzung (Art. 398 Abs. 4 StPO). Dies
ist hier nicht der Fall, und die Vorinstanz hatte entgegen der Rüge des
Beschwerdeführers die erstinstanzliche Sachverhaltsfeststellung mit voller
Kognition zu überprüfen. Der Beschwerdeführer wurde mit Strafbefehl vom 10.
Juli 2014 einer Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB und damit
eines Vergehens schuldig gesprochen, weshalb ihm eine Geldstrafe auferlegt
wurde (vgl. Art. 10 Abs. 3 StGB). Der Strafbefehl respektive die Anklage
enthält keinen Hinweis auf Art. 172ter StGB. Aus diesem Grund wirkten am
erstinstanzlichen Entscheid drei Richter mit (vgl. § 34 Abs. 3 und § 35 Abs. 2
lit. a des Gesetzes des Kantons Luzern vom 10. Mai 2010 über die Organisation
der Gerichte und Behörden in Zivil-, Straf- und verwaltungsgerichtlichen
Verfahren [Justizgesetz, Nr. 260]). Gegenstand der Anklage und der
vorinstanzlichen Verfahren war mithin zweifelsohne ein Vergehen. Dies wäre
selbst der Fall gewesen, wenn das angeklagte Vergehen erstinstanzlich als
Übertretung qualifiziert worden wäre. Auch in diesem Fall wäre die Berufung
nach Art. 398 Abs. 2 StPO gegeben und hätte die Vorinstanz den Sachverhalt frei
überprüft (LUZIUS EUGSTER, in: Basler Kommentar, Schweizerische
Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 3 zu Art. 398 StPO; HUG/SCHEIDEGGER,
Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 21 f. zu
Art. 398 StPO). Die Rüge ist unbegründet.

3.

3.1. D.________ wurde am 22. März 2012 durch die Staatsanwaltschaft als
beschuldigte Person befragt. Der Beschwerdeführer bezeichnet dessen Aussagen
als unverwertbar. Die Staatsanwaltschaft habe es unterlassen, ihn über die
Einvernahme zu informieren und ihm Gelegenheit zu geben, bei dessen Befragung
anwesend zu sein. Deshalb hätten die Aussagen von D.________ gestützt auf Art.
147 Abs. 4 StPO nicht zur Verurteilung herangezogen werden dürfen. Zwar habe
die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen ihn und D.________ unter zwei
verschiedenen Verfahrensnummern geführt. Eine formelle Trennung der Verfahren
bei gleichem Lebenssachverhalt sei aber nicht zulässig. Selbst wenn die
Trennung zu Recht erfolgt wäre, hätten die kantonalen Gerichte ihm wenigstens
einmal die Gelegenheit einräumen müssen, D.________ Fragen zu stellen. Dessen
Aussagen stellten in der Argumentation der Vorinstanz einen zentralen Beweis
dar. Die Vorinstanz habe erst gestützt darauf den Schluss gezogen, er habe
D.________ in einen Sachverhaltsirrtum versetzt (Beschwerde S. 9 ff.).

3.2. Die Vorinstanz erwägt, der Beschwerdeführer habe grundsätzlich Anspruch
auf Befragung von D.________ unter Wahrung der eigenen Teilnahmerechte.
Indessen habe er im Berufungsverfahren eine Befragung von D.________ nicht
verlangt und deshalb darauf verzichtet (Entscheid S. 4 f.).

3.3.

3.3.1. Der Grundsatz der Verfahrenseinheit und die Ausnahmen dazu werden in
Art. 29 f. StPO geregelt (vgl. dazu BGE 138 IV 214 E. 3.2 S. 219 mit
Hinweisen).

3.3.2. In getrennt geführten Verfahren kommt den Beschuldigten im jeweils
anderen Verfahren keine Parteistellung zu. Ein gesetzlicher Anspruch auf
Teilnahme an den Beweiserhebungen im eigenständigen Untersuchungs- und
Hauptverfahren der anderen beschuldigten Person besteht folglich nicht (Art.
147 Abs. 1 StPO e contrario). Die Einschränkung der Teilnahmerechte von
Beschuldigten in getrennten Verfahren im Vergleich zu Mitbeschuldigten im
gleichen Verfahren ist vom Gesetzgeber implizit vorgesehen und hinzunehmen (BGE
140 IV 172 E. 1.2.3 S. 176).

3.3.3. Sofern sich die Strafverfolgungsbehörden auf Aussagen eines
Beschuldigten aus einem getrennt geführten Verfahren abstützen, ist dem
Konfrontationsrecht Rechnung zu tragen. Diese können nur verwertet werden, wenn
der Beschuldigte wenigstens einmal während des Verfahrens angemessene und
hinreichende Gelegenheit hatte, die ihn belastenden Aussagen in Zweifel zu
ziehen und Fragen an den Beschuldigten im getrennten Verfahren zu stellen (BGE
140 IV 172 E. 1.3 S. 176 mit Hinweisen). Der Anspruch auf Befragung der
Belastungszeugen nach Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK ist ein besonderer Aspekt des
Rechts auf ein faires Verfahren gemäss Art. 6 Ziff. 1 EMRK. Er wird als
Konkretisierung des rechtlichen Gehörs gemäss Art. 29 Abs. 2 BV auch durch Art.
32 Abs. 2 BV geschützt (BGE 133 I 33 E. 3.1 S. 41; 131 I 476 E. 2.2 S. 480; je
mit Hinweisen).

3.3.4. Das Recht der Parteien, Beweisanträge zu stellen, ist in der
Strafprozessordnung wiederholt verankert (vgl. etwa Art. 107 Abs. 1 lit. e,
Art. 318 Abs. 1, Art. 331 Abs. 2, Art. 345, Art. 385 Abs. 1 lit. c, Art. 389
Abs. 3 und Art. 399 Abs. 3 lit. c StPO). Nach der Rechtsprechung kann der
Beschuldigte den Behörden grundsätzlich nicht vorwerfen, gewissen Beweisen
nicht nachgegangen zu sein, wenn er es unterlässt, rechtzeitig und formgerecht
entsprechende Beweisanträge zu stellen (vgl. BGE 131 I 476 E. 2.1 S. 477 ff.;
125 I 127 E. 6c/bb S. 134 mit Hinweisen). Der Beschuldigte verwirkt sein Recht
auf Ergänzungsfragen nicht dadurch, dass er es erst im Rahmen der Berufung
geltend macht (Urteil 6B_529/2014 vom 10. Dezember 2014 E. 5.2 mit Hinweisen,
nicht publ. in: BGE 140 IV 196).

3.4. Mit Schreiben vom 16. Juli 2013 ersuchte der Beschwerdeführer die erste
Instanz ausdrücklich um Konfrontation mit D.________. Diesen Antrag wiederholte
er vor Schranken (kantonale Untersuchungsakten Register 4 pag. 72 f. und 89
f.). Die gegenteilige Behauptung des Beschwerdegegners 2 in der Vernehmlassung
ist unzutreffend. Im vorinstanzlichen Verfahren hat der Beschwerdeführer seinen
Antrag, wie er selbst einräumt, nicht erneuert. Hingegen unterstrich er vor
Vorinstanz die Unverwertbarkeit der fraglichen Einvernahmen. Damit kann dem
Beschwerdeführer nicht vorgeworfen werden, er habe nie respektive erstmals im
bundesgerichtlichen Verfahren einen Antrag auf Durchführung einer
Konfrontationseinvernahme gestellt (vgl. Urteile 6B_877/2014 vom 5. November
2015 E. 2.4, 6B_436/2014 vom 2. März 2015 E. 2.4 und 6B_484/2011 vom 13.
Oktober 2011 E. 3.4). Unter Würdigung der konkreten Umstände kann deshalb nicht
von einem Verzicht auf Konfrontation ausgegangen werden.
Die Vorinstanz stützt sich entgegen ihren Ausführungen in der Vernehmlassung
auf die Aussagen von D.________ (Entscheid S. 10), ohne dass der
Beschwerdeführer angemessene und hinreichende Gelegenheit hatte, die Aussagen
in Zweifel zu ziehen und Fragen an D.________ zu stellen. Die Sache ist zur
Wahrung der Parteirechte an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit der
Beschwerdeführer von seinem Konfrontationsrecht Gebrauch machen kann.

3.5. Inwiefern er im Übrigen (abgesehen von den Teilnahmerechten hinsichtlich
der Befragung von D.________) durch die gerügte Verfahrenstrennung beschwert
sein sollte, legt der Beschwerdeführer nicht dar und ist nicht ersichtlich.
Damit fehlt es aber am notwendigen Rechtsschutzinteresse, die (abstrakte)
Rechtsfrage nach dem Grundsatz der Verfahrenseinheit respektive der
Zulässigkeit der Verfahrenstrennung zu beantworten.
Selbst wenn das Rechtsschutzinteresse zu bejahen wäre, wäre diesbezüglich auf
die Beschwerde aus einem weiteren Grund nicht einzutreten. Der Grundsatz von
Treu und Glauben verbietet es, der Vorinstanz bekannte rechtserhebliche
Einwände vorzuenthalten und diese erst nach einem ungünstigen Entscheid im
anschliessenden Rechtsmittelverfahren zu erheben (BGE 135 III 334 E. 2.2 S.
336; 135 I 91 E. 2.1 S. 93; 133 III 638 E. 2 S. 640; 117 Ia 491 E. 2a S. 495;
Urteil 6B_300/2015 vom 3. Dezember 2015 E. 1.3; je mit Hinweisen). Die Rüge ist
nicht Gegenstand des vorinstanzlichen Urteils. Der Beschwerdeführer macht weder
eine Rechtsverweigerung geltend, noch legt er eine solche dar. Dass er die
Verfahrenstrennung vor Vorinstanz gerügt hätte, geht auch aus der schriftlichen
Berufungsantwort nicht hervor. Sein Verhalten bzw. sein Zuwarten widerspricht
Treu und Glauben. Ausserdem ist insofern der kantonale Instanzenzug nicht
erschöpft und der Entscheid nicht letztinstanzlich im Sinne von Art. 80 Abs. 1
BGG.

4.

4.1. Es stellt sich die Frage, ob das vorinstanzliche Sachverhaltsfundament
eine Prüfung des einschlägigen Bundesrechts ermöglicht.
Mittelbarer Täter ist, wer einen anderen Menschen als sein willenloses oder
wenigstens nicht vorsätzlich handelndes Werkzeug benutzt, um durch ihn die
beabsichtigte strafbare Handlung ausführen zu lassen (BGE 138 IV 70 E. 1.4 S.
76 mit Hinweisen). Der mittelbare Täter wird bestraft, wie wenn er die Tat
eigenhändig ausgeführt hätte (BGE 120 IV 17 E. 2d S. 22 f. mit Hinweisen).
Eine Sachbeschädigung begeht, wer eine Sache, an der ein fremdes Eigentums-,
Gebrauchs- oder Nutzniessungsrecht besteht, beschädigt, zerstört oder
unbrauchbar macht (Art. 144 Abs. 1 StGB). Nicht vorausgesetzt wird, dass die
Sache einen Marktwert hat oder der Berechtigte eine Vermögensschädigung
erleidet (BERNARD CORBOZ, Les infractions en droit suisse, Vol. I, 3. Aufl.
2010, N. 16 zu Art. 144 StGB). Wer handelt, wie es das Gesetz gebietet oder
erlaubt, verhält sich rechtmässig, auch wenn die Tat nach dem StGB oder einem
anderen Gesetz mit Strafe bedroht ist (Art. 14 StGB). Überragende Äste kann der
Nachbar, wenn sie sein Eigentum schädigen und auf seine Beschwerde hin nicht
binnen angemessener Frist beseitigt werden, kappen (Art. 687 Abs. 1 ZGB).
Schädigung im Sinne der genannten Bestimmung ist jede erhebliche, das heisst
übermässige Beeinträchtigung des nachbarlichen Grundeigentums (REY/STREBEL, in:
Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch, Bd. II, 5. Aufl. 2015, N. 8 zu Art. 687/688
ZGB). Das Kapprecht stellt ein Selbsthilferecht dar, welches bestimmte
Handlungen zu rechtfertigen vermag, die ansonsten als Sachbeschädigungen gemäss
Art. 144 StGB strafbar wären (Urteil 6S.545/2001 vom 27. November 2001 E. 2a).

4.2. Die tatsächlichen Feststellungen, welche die Vorinstanz unter dem Titel
"Schuldbefund" gleichzeitig mit ihren rechtlichen Erwägungen bruchstückhaft
trifft, lassen sich wie folgt zusammenfassen.
Die Vorinstanz geht davon aus, dass der "grösste Teil des Überhangs auf dem
Grundstück des benachbarten Grundeigentümers E.________ bestanden hat" und das
Grundstück des Beschwerdeführers "zu einem kleineren Teil vom Überhang
betroffen war". Das Grundstück von E.________ war vom Überhang der Birkenäste
"deutlich mehr betroffen", während für das Grundstück des Beschwerdeführers
"keine eine Kappung rechtfertigende Schädigung" anzunehmen ist.
Der Rückschnitt erfolgte nach den vorinstanzlichen Feststellungen durch
B.________. In Bezug auf den Beschwerdeführer hält die Vorinstanz fest, dass
die Kappung "im Wissen des Beschuldigten und von ihm gewollt" erfolgte und er
davon ausging, zur Kappung berechtigt zu sein. Dass er D.________ "etwas
anderes kommunizierte, ist nicht anzunehmen". Der Beschwerdeführer befand sich
betreffend das Grundstück E.________ "hinsichtlich der Voraussetzungen der
Fristansetzung [nicht] in einem Irrtum". D.________ gelangte zur Überzeugung,
dass die Voraussetzungen für das Kapprecht vorlagen. E.________ erhob gegenüber
A.________ keine Beschwerde und setzte für die Beseitigung der überragenden
Äste keine Frist an. Das Mass der Kappung ist "als nicht mehr ganz unerheblich
zu bezeichnen".

4.3. Weitere Feststellungen fehlen. Insbesondere bleibt unklar, ob und
gegebenenfalls welche Handlungen der Beschwerdeführer im Einzelnen vornahm. Der
vorinstanzliche Entscheid geht in diesem und anderen Punkten nicht über bloss
vage formulierte und in diesem Sinne interpretationsbedürftige Erwägungen
hinaus. Unbeantwortet bleibt und darüber nur spekulieren lässt sich, was der
Beschwerdeführer D.________ mitteilte, ob er ihm den Auftrag zur Kappung
erteilte, welche Informationen er ihm zukommen liess und gestützt auf welche
Umstände D.________ zur Auffassung gelangte, dass die Voraussetzungen für die
Ausübung des Kapprechts vorlagen. Unklar ist weiter (nachdem die Vorinstanz dem
Beschwerdeführer in Bezug auf das eigene Grundstück gestützt auf Art. 13 StGB
kein strafbares Verhalten vorwirft), in welchem Mass das Grundstück E.________
durch die Birken beeinträchtigt und in welchem Mass das Kapprecht ausgeübt
wurde. Unbeantwortet blieb auch die Frage, ob E.________ den Beschwerdeführer
mit der Wahrung seines nachbarlichen Abwehrrechts betraute respektive ob
Beschwerde und Fristansetzung im Sinne von Art. 687 Abs. 1 ZGB betreffend die
Immissionen auf das Grundstück E.________ durch den Beschwerdeführer in
Vertretung seines Nachbarn erfolgten.

4.4. Nach Art. 112 Abs. 1 lit. b BGG müssen beim Bundesgericht anfechtbare
Entscheide die massgebenden Gründe tatsächlicher und rechtlicher Art enthalten.
Der vorinstanzliche Entscheid hat eindeutig aufzuzeigen, auf welchem
festgestellten Sachverhalt und auf welchen rechtlichen Überlegungen er beruht (
BGE 141 IV 244 E. 1.2.1 S. 245 f. mit Hinweisen). Die Begründung ist
insbesondere mangelhaft, wenn der angefochtene Entscheid jene tatsächlichen
Feststellungen nicht trifft, die zur Überprüfung des eidgenössischen Rechts
notwendig sind oder wenn die rechtliche Begründung des angefochtenen Entscheids
so lückenhaft oder unvollständig ist, dass nicht geprüft werden kann, wie das
eidgenössische Recht angewendet wurde. Die Begründung ist ferner mangelhaft,
wenn einzelne Tatbestandsmerkmale, die für die Subsumtion unter eine
gesetzliche Norm von Bedeutung sind, von der Vorinstanz nicht oder nicht
genügend abgeklärt wurden (BGE 119 IV 284 E. 5b S. 287 mit Hinweis).

4.5. Der angefochtene Entscheid genügt den Anforderungen von Art. 112 Abs. 1
lit. b BGG nicht. Das vorinstanzliche Sachverhaltsfundament ist unzureichend.
Eine Prüfung des einschlägigen Bundesrechts ist nicht möglich. Es erübrigt
sich, auf die weiteren Rügen des Beschwerdeführers (etwa einer willkürlichen
Sachverhaltsfeststellung, einer Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes und
einer ungenügenden Begründung) näher einzugehen. Die Vorinstanz wird die
Sachverhaltsfeststellung in wesentlichen Punkten ergänzen und neu darlegen
müssen.

5.
Die Vorinstanz wird wie bereits ausgeführt dem Konfrontationsrecht des
Beschwerdeführers gegenüber D.________ Rechnung tragen müssen. Aus
prozessökonomischen Gründen bleibt in Bezug auf die Sachverhaltsfeststellung
Folgendes zu bemerken. An der Einvernahme von E.________ vom 22. Februar 2013
war der Beschwerdeführer nicht anwesend (kantonale Untersuchungsakten Register
2 pag. 37). Dieser wandte sich mit Schreiben vom 28. Februar 2013 an die
Staatsanwaltschaft und brachte vor, wegen Landesabwesenheit (Rückkehr am 26.
Februar 2013) den Termin nicht wahrgenommen zu haben. Mit Eingabe vom 16. Juli
2013 sowie mündlich vor Schranken ersuchte der Beschwerdeführer das
Bezirksgericht um erneute Einvernahme von E.________ (kantonale
Untersuchungsakten Register 2 pag. 37, Register 4 pag. 30 ff., 73 und 89 ff.).
Die Partei kann die Wiederholung der Beweiserhebung verlangen, wenn sie aus
zwingenden Gründen an der Teilnahme verhindert war (vgl. Art. 147 Abs. 3 StPO).
Ein zwingender Grund kann in einer Auslandabwesenheit liegen (NIKLAUS SCHMID,
Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 2. Aufl. 2013, N. 828). Die
Vorinstanz wird sich mit dem Teilnahmerecht des Beschwerdeführers
auseinandersetzen müssen. Gelangt sie zum Schluss, dass dem Beschwerdeführer
ein Anspruch auf Wiederholung der besagten Einvernahme zusteht, wird sie seinem
Fragerecht Rechnung tragen müssen, andernfalls dürfen die Aussagen von
E.________ nicht zulasten des Beschwerdeführers verwertet werden (Art. 147 Abs.
4 StPO).

6.
Der Beschwerdeführer obsiegt teilweise, soweit er eine Verletzung seiner
Teilnahmerechte hinsichtlich der Befragung von D.________ und eine
unvollständige Sachverhaltsfeststellung rügt. Deshalb und in Anwendung von Art.
112 Abs. 3 BGG ist der angefochtene Entscheid aufzuheben. Die Sache ist an die
Vorinstanz zurückzuweisen, damit diese einen Entscheid trifft, der den
Anforderungen von Art. 112 Abs. 1 BGG genügt. Im Übrigen ist die Beschwerde
abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann.
Die Parteien werden im Umfang ihres Unterliegens kostenpflichtig (Art. 66 Abs.
1 BGG). Die Verfahrenskosten tragen der Beschwerdeführer und die
Beschwerdegegner grundsätzlich je zur Hälfte, wobei dem Kanton Luzern keine
Verfahrenskosten aufzuerlegen sind (Art. 66 Abs. 4 BGG). Demnach sind die
Gerichtskosten zur Hälfte dem Beschwerdeführer und zu einem Viertel dem
Beschwerdegegner 2 aufzuerlegen.
Der Kanton Luzern und der Beschwerdegegner 2 haben als teilweise unterliegende
Parteien dem Beschwerdeführer eine reduzierte Parteientschädigung von je der
Hälfte der auf Fr. 1'500.-- bestimmten Entschädigung zu bezahlen (Art. 68 Abs.
1 und 2 BGG). Der Beschwerdegegner 2 hat gegenüber dem Beschwerdeführer
Anspruch auf eine reduzierte Parteientschädigung von Fr. 1'500.--. Diese ist
mit dem Anspruch des Beschwerdeführers gegen den Beschwerdegegner 2 zu
verrechnen.

 Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Das Urteil des Kantonsgerichts
Luzern vom 18. Mai 2015 wird aufgehoben und die Sache zur neuen Entscheidung an
die Vorinstanz zurückgewiesen. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen,
soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtskosten werden im Umfang von Fr. 2'000.-- dem Beschwerdeführer und
im Umfang von Fr. 1'000.-- dem Beschwerdegegner 2 auferlegt.

3.
Der Kanton Luzern hat dem Beschwerdeführer eine Entschädigung von Fr. 750.-- zu
bezahlen.

4.
Der Beschwerdeführer hat dem Beschwerdegegner 2 eine Entschädigung von Fr.
750.-- zu bezahlen.

5.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht Luzern, 2. Abteilung,
schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 27. Juni 2016

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Denys

Der Gerichtsschreiber: Faga

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