Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.907/2015
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

[8frIR2ALAGK1]     
{T 0/2}
                   
6B_907/2015

Urteil vom 7. Dezember 2015

Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Denys, Präsident,
Bundesrichter Oberholzer,
Bundesrichterin Jametti,
Gerichtsschreiberin Schär.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Reto Ineichen,
Beschwerdeführer,

gegen

1. Staatsanwaltschaft des Kantons Zug, Leitender Oberstaatsanwalt, An der Aa 4,
6300 Zug,
2. A.________,
vertreten durch Rechtsanwältin Corinne Seeholzer,
Beschwerdegegnerinnen.

Gegenstand
Mehrfache Vergewaltigung, mehrfache sexuelle Nötigung usw.; Anklageprinzip;
willkürliche Beweiswürdigung,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Zug, Strafabteilung,
vom 30. Juli 2015.

Sachverhalt:

A.
Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug wirft X.________ in der Anklageschrift
vom 18. Februar 2014 vor, seine Stieftochter A.________ im Zeitraum von Anfang
2007 bis Anfang 2011 regelmässig sexuell missbraucht und vergewaltigt zu haben.
Auf diese Weise habe er mit ihr ein Kind gezeugt, als sie 14 Jahre alt war.
Zudem habe er ihr einmal im Internet pornografische Filme gezeigt.

B.
Das Strafgericht des Kantons Zug sprach X.________ am 17. Dezember 2014 der
mehrfachen Vergewaltigung, der mehrfachen sexuellen Nötigung und der mehrfachen
sexuellen Handlungen mit einem Kind schuldig und bestrafte ihn mit einer
Freiheitsstrafe von acht Jahren, unter Anrechnung der erstandenen
Untersuchungshaft. Vom Vorwurf der mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem
Kind betreffend die nach dem 16. September 2010 begangenen sexuellen Handlungen
zum Nachteil von A.________ sprach es ihn frei. Das Verfahren wegen Pornografie
stellte es zufolge Verfolgungsverjährung ein. X.________ wurde verpflichtet,
A.________ eine Genugtuung von Fr. 50'000.-- nebst Zins zu bezahlen. Ihre
Schadenersatz- und Feststellungsklage wurde auf den Zivilweg verwiesen.

C.
X.________ reichte gegen das Urteil des Strafgerichts Berufung ein. Die
Staatsanwaltschaft erhob Anschlussberufung. Das Obergericht des Kantons Zug
wies am 30. Juli 2015 sowohl die Berufung als auch die Anschlussberufung ab und
bestätigte das erstinstanzliche Urteil. Einzig die Entschädigung des amtlichen
Verteidigers für das Untersuchungsverfahren und das erstinstanzliche Verfahren
setzte es neu fest.

D.
X.________ führt Beschwerde in Strafsachen. Er beantragt, das Urteil des
Obergerichts des Kantons Zug sei aufzuheben und er sei von Schuld und Strafe
freizusprechen. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Weiter sei die Entschädigung des amtlichen Verteidigers für das
erstinstanzliche Verfahren neu festzusetzen. X.________ beantragt die
unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung für das bundesgerichtliche
Verfahren.

Erwägungen:

1.
Der Beschwerdeführer macht eine Verletzung des Anklagegrundsatzes geltend. Ihm
werde vorgeworfen, seine Stieftochter während rund vier Jahren beinahe täglich
missbraucht zu haben. Die gegen ihn vorgebrachten Anschuldigungen seien
insbesondere in zeitlicher Hinsicht sehr pauschal. Weder der erste Übergriff
noch spezielle Vorkommnisse würden durch ein Datum konkretisiert. Insgesamt sei
das Anklageprinzip stark überdehnt und eine wirksame Verteidigung verunmöglicht
worden.

1.1. Nach dem Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand des
Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; Art. 9 und Art. 325 StPO; Art. 29 Abs.
2 und Art. 32 Abs. 2 BV; Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 lit. a und b EMRK). Das
Gericht ist an den in der Anklage wiedergegebenen Sachverhalt gebunden
(Immutabilitätsprinzip), nicht aber an dessen rechtliche Würdigung durch die
Anklagebehörde (vgl. Art. 350 StPO). Die Anklage hat die der beschuldigten
Person zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu
umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und subjektiver Hinsicht genügend
konkretisiert sind. Das Akkusationsprinzip bezweckt zugleich den Schutz der
Verteidigungsrechte der beschuldigten Person und dient dem Anspruch auf
rechtliches Gehör (Informationsfunktion; BGE 140 IV 188 E. 1.3; 133 IV 235 E.
6.2 f.; 126 I 19 E. 2a; je mit Hinweisen).
Die beschuldigte Person muss unter dem Gesichtspunkt der Informationsfunktion
aus der Anklage ersehen können, wessen sie angeklagt ist. Das bedingt eine
zureichende Umschreibung der Tat. Entscheidend ist, dass der Betroffene genau
weiss, welcher konkreter Handlungen er beschuldigt und wie sein Verhalten
rechtlich qualifiziert wird, damit er sich in seiner Verteidigung richtig
vorbereiten kann. Er darf nicht Gefahr laufen, erst an der Gerichtsverhandlung
mit neuen Anschuldigungen konfrontiert zu werden (Urteil 6B_344/2011 vom 16.
September 2011 E. 3 mit Hinweisen).

1.2. Die Vorinstanz erwägt, Ungenauigkeiten in den Zeitangaben seien solange
nicht von entscheidender Bedeutung, als für die beschuldigte Person keine
Zweifel darüber bestehen könnten, welches Verhalten ihr vorgeworfen werde.
Vorliegend seien die Übergriffe in den Alltag eingebettet gewesen und nicht in
Zusammenhang mit speziellen Ereignissen gestanden, weshalb auch nicht zu
erwarten sei, dass sich die Beschwerdegegnerin, welche erst zwölf Jahre alt
gewesen sei, als der Missbrauch begonnen habe, an jeden einzelnen Übergriff und
deren Anzahl erinnern könne. Die Beschwerdegegnerin habe erstmals im März oder
April 2012 und somit ein Jahr nach dem letzten und fünf Jahre nach dem ersten
Vorfall mit ihrem Freund über die Ereignisse gesprochen. Dass sie sich in
Anbetracht dieser Zeitabstände und der Häufigkeit der behaupteten Übergriffe
nicht mehr an einzelne Daten erinnern könne, sei nachvollziehbar und glaubhaft.
In Anbetracht dieser Umstände genüge die Anklage den bundesrechtlichen
Anforderungen.

1.3. Die vorinstanzlichen Erwägungen sind zutreffend. Dem Beschwerdeführer
werden zahlreiche gleichartige Delikte, d.h. zwischen vierhundert und tausend
sexuelle Übergriffe, zur Last gelegt. Bei gehäuften und regelmässigen Delikten
wird dem Anklagegrundsatz Genüge getan, wenn die Handlungen in zeitlicher und
örtlicher Hinsicht lediglich approximativ umschrieben werden. Der Zeitraum ist
auf eine bestimmte Dauer einzugrenzen. Insbesondere bei Delikten innerhalb der
Familie kann nicht erwartet werden, dass über jeden einzelnen Vorfall Buch
geführt wird (Urteil 6B_441/2013 vom 4. November 2013 E. 3.2 mit Hinweisen).
Gemäss Anklage begannen die Übergriffe Anfang 2007, als die Beschwerdegegnerin
in der 6. Klasse war. Anfang 2011 habe der Beschwerdeführer die Familienwohnung
verlassen, weshalb es anschliessend zu keinen Übergriffen mehr gekommen sei.
Die Zeitpunkte der einzelnen Taten könnten nicht mehr bestimmt werden. Es sei
jedoch beinahe täglich zu Übergriffen gekommen (am Mittag, wenn die Mutter der
Beschwerdegegnerin abwesend gewesen sei, am Nachmittag nach der Schule oder am
Abend, wenn die Mutter bereits geschlafen und der Beschwerdeführer sich in das
Zimmer der Beschwerdegegnerin begeben habe, wo er auf einer Matratze auf dem
Boden geschlafen habe). In der Anklage wird das Zeitfenster klar definiert.
Soweit möglich werden die Vorwürfe in zeitlicher Hinsicht weiter präzisiert.
Daneben werden die Tatumstände, die Vorgehensweise und die familiären
Verhältnisse geschildert, wodurch sich ein Gesamtbild der Tatvorwürfe ergibt.
Alles in allem geht aus der Anklage eindeutig hervor, was dem Beschwerdeführer
zur Last gelegt wird. Die Anklage genügt den Anforderungen des Anklageprinzips.
Ebenfalls keine Verletzung des Anklagegrundsatzes liegt vor, wenn die
Vorinstanz lediglich regelmässige und häufige, nicht jedoch geradezu tägliche
Übergriffe als erstellt erachtet. Damit weicht sie nicht in einem Masse von der
Anklage ab, dass der erstellte Sachverhalt nicht mehr von ihr gedeckt wäre.
Ohnehin wirkt sich die erwähnte Relativierung der Vorwürfe ausschliesslich zu
Gunsten des Beschwerdeführers aus. Unter dem Titel der Verletzung des
Anklageprinzips bringt der Beschwerdeführer diverse weitere Einwände vor. Diese
betreffen die Sachverhaltsfeststellung und die Abweisung seiner Beweisanträge.
Darauf wird in E. 2 eingegangen.

2.
Der Beschwerdeführer rügt die vorinstanzliche Sachverhaltsfeststellung in
mehrfacher Hinsicht und macht geltend, indem die Vorinstanz seine Beweisanträge
in antizipierter Beweiswürdigung abweise, verletze sie sein rechtliches Gehör
und verstosse gegen den Grundsatz der Verfahrensfairness.

2.1. Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die
Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Die Sachverhaltsfeststellung
kann nur gerügt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig, d.h. willkürlich im
Sinne von Art. 9 BV ist (BGE 139 II 404 E. 10.1 mit Hinweisen; zum Begriff der
Willkür BGE 139 III 334 E. 3.2.5; 138 I 49 E. 7.1; je mit Hinweisen) oder wenn
sie auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht und wenn die
Behebung des Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann
(Art. 97 Abs. 1 BGG). Eine entsprechende Rüge muss klar vorgebracht und
substanziiert begründet werden (Art. 106 Abs. 2 BGG). Auf rein appellatorische
Kritik am angefochtenen Entscheid tritt das Bundesgericht nicht ein (BGE 140
III 264 E. 2.3; 139 II 404 E. 10.1; je mit Hinweisen).
Das Recht auf Abnahme der rechtserheblichen Beweise ist Teil des Anspruchs auf
rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV (BGE 129 II 497 E. 2.2 mit Hinweisen).
Nach der Praxis des Bundesgerichts ist die Prüfung der Glaubhaftigkeit von
Beweisaussagen primär Sache der Gerichte (BGE 129 I 49 E. 4). Zu prüfen ist, ob
die Aussagen verständlich, zusammenhängend und glaubhaft sind. Ebenso ist
abzuklären, ob sie mit den weiteren Beweisen in Einklang stehen (Urteil 1B_36/
2010 vom 19. April 2010 E. 3.1 mit Hinweis). Bei Auffälligkeiten in der Person
kann ein Glaubhaftigkeits- beziehungsweise Glaubwürdigkeitsgutachten als
sachlich geboten erscheinen (Urteile 6B_427/2013 vom 26. Mai 2014 E. 1.4; 6B_84
/2011 vom 28. Juni 2011 E. 2.3.1; je mit Hinweisen). Zusätzlichen
Beweisanträgen ist nur Folge zu leisten, falls weitere Abklärungen
entscheiderheblich erscheinen und sich als sachlich geboten aufdrängen. Das
Gericht kann das Beweisverfahren hingegen schliessen, wenn es in willkürfreier
antizipierter Beweiswürdigung davon ausgehen darf, weitere Ergänzungen
vermöchten am relevanten Beweisergebnis nichts Entscheidendes mehr zu ändern (
BGE 136 I 229 E. 5.3 mit Hinweisen).

2.2. Die Verurteilung des Beschwerdeführers stützt sich in erster Linie auf die
Aussagen der Beschwerdegegnerin. Gemäss Vorinstanz sind diese konsistent und in
sich stimmig, frei von beachtlichen Widersprüchen und enthalten zahlreiche
Realitätskriterien. Die Beschwerdegegnerin habe etwa ausgesagt, der
Beschwerdeführer habe einmal eine Haushaltsfolie anstelle eines Kondoms
verwendet. Weiter habe sie versucht, gegenüber dem Beschwerdeführer die Zeiten
ihrer Menstruation geheim zu halten, um ihn über die Gelegenheiten zu sexuellen
Übergriffen im Ungewissen zu lassen. Die Aussagen wirkten nicht einstudiert und
liessen weder formal noch inhaltlich Anhaltspunkte erkennen, die auf eine
auswendig gelernte, erfundene Geschichte schliessen liessen. Die
Beschwerdegegnerin belaste den Beschwerdeführer mit ihren Aussagen nicht über
das Notwendige hinaus. Ihre Angaben seien zwar teilweise etwas rudimentär und
namentlich betreffend die letzten Vorkommnisse nicht von besonderem
Detailreichtum gekennzeichnet, was indes nicht gegen deren Glaubhaftigkeit
spreche. Es liege in der Natur der Sache, dass Opfer einer sich über Monate
oder Jahre hinziehenden, von ständiger massiver physischer und psychischer
Gewalt geprägten Beziehung oftmals nicht in der Lage seien, spezifische Angaben
zu den Umständen und Zeitpunkten der einzelnen Übergriffe zu machen, zumal sich
diese nach dem immer gleichen Muster abgespielt hätten. Ausgeschlossen werden
könne ferner eine Fremdsuggestion. Zwischen den einzelnen Befragungen der
Beschwerdegegnerin gebe es keinerlei Widersprüche oder strukturelle
Veränderungen. Dass die Familie über die Ereignisse gesprochen habe, sei
naheliegend und nachvollziehbar. Anschliessend geht die Vorinstanz ausführlich
auf einzelne Vorfälle ein wie etwa den ersten Übergriff, den
Schwangerschaftsabbruch, die Reise nach Köln etc. Die Vorinstanz gelangt zum
Schluss, es bestünden keine vernünftigen Zweifel an den Aussagen der
Beschwerdegegnerin.
Das Aussageverhalten des Beschwerdeführers bezeichnet die Vorinstanz hingegen
als ausweichend und ablenkend, was als klares Lügensignal gelte. Seine Aussagen
seien oberflächlich, widersprüchlich, inkonsistent und teilweise offenkundig
falsch. Dazu nimmt die Vorinstanz mehrmals Bezug auf das erstinstanzliche
Urteil sowie verschiedene Aktenstellen. Der Beschwerdeführer versuche, von der
Beschwerdegegnerin das Bild eines kleinen, urteilsunfähigen Kindes zu zeichnen,
auf dessen Aussagen kein Verlass sei und das von seinem Umfeld manipuliert
worden sei. Dem würden jedoch die umfangreichen und realitätsnahen Aussagen der
Beschwerdegegnerin widersprechen. Weder die Aussagen des Beschwerdeführers
selbst noch die anerbotenen Beweise würden ernsthafte Zweifel am
Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen wecken.

2.3. Die Vorinstanz setzt sich eingehend mit den Aussagen der Beteiligten
auseinander und begründet in nachvollziehbarer Weise, weshalb sie die Aussagen
der Beschwerdegegnerin, im Gegensatz zu denjenigen des Beschwerdeführers, als
glaubhaft erachtet. Der Beschwerdeführer setzt sich mit der vorinstanzlichen
Aussagewürdigung nicht substanziiert auseinander. Der angefochtene Entscheid
ist in dieser Hinsicht nicht zu beanstanden. Die Aussagen der
Beschwerdegegnerin lassen zwar teilweise Details vermissen. Sie sind aber
nicht, wie vom Beschwerdeführer behauptet, derart rudimentär oder gar schwer
verständlich, dass sie einer näheren Interpretation bedürften. Soweit möglich
verifiziert die Vorinstanz die Aussagen der Beschwerdegegnerin mittels weiterer
Indizien und Beweismittel (vgl. Urteil, S. 9). Bei dieser Sachlage durfte sie
in antizipierter Beweiswürdigung ein Glaubhaftigkeitsgutachten ablehnen, ohne
in Willkür zu verfallen und ohne Bundesrecht (Art. 9 BV, Art. 29 Abs. 2 BV) zu
verletzen. Die Rüge erweist sich als unbegründet.

2.4. Im Weiteren kritisiert der Beschwerdeführer die Abweisung diverser
Beweisanträge. Es sei nicht akzeptabel, dass einerseits eine sehr
offengehaltene Anklageschrift zugelassen, andererseits aber beinahe sämtliche
Beweisanträge der Verteidigung abgewiesen würden. Die einzige Möglichkeit, die
pauschalen Anklagevorwürfe zu widerlegen, bestehe darin, für längere Zeiträume
durch mehrere Zeugen seine Anwesenheit zu Hause in B.________ zu widerlegen.
Allerdings habe er lange Zeit keinen Zugang zu seinen Effekten gehabt, welche
ungeordnet eingelagert gewesen seien. Da er sämtliche Dinge im Internet
abgewickelt habe, sei er es nicht gewohnt gewesen, seine Dokumente geordnet
abzulegen. Jedenfalls sei er aufgrund dessen zunächst nicht in der Lage
gewesen, die Kontaktangaben der beantragten Zeugen sowie sachdienliche
Unterlagen einzureichen. Eine wirksame Verteidigung sei damit verunmöglicht
worden. Ohnehin handle es sich bei den Vorwürfen um eine Verschwörung gegen
ihn, welche von der Mutter der Beschwerdegegnerin sowie von deren Bruder und
Schwester initiiert worden sei. Sogar die fallführende Staatsanwältin sei darin
involviert.

2.4.1. Konkret macht der Beschwerdeführer geltend, C.________ und Frau
D.________ (Vorname nicht bekannt) könnten bezeugen, dass er sich am Mittag
häufig nicht zu Hause, sondern beispielsweise in einer Bäckerei aufgehalten
habe. Damit wäre der Nachweis gelungen, dass die Übergriffe zumindest nicht am
Mittag stattfinden konnten. Weiter hätte E.________ befragt werden müssen.
Diese wisse vieles über die Verhältnisse des Beschwerdeführers und über seine
Person im Allgemeinen. Er habe regelmässig bei ihr gewohnt und übernachtet.
Insbesondere könne sie Angaben machen zur Zeit, in welcher er mehrheitlich in
F.________ gewesen sei. Auch weitere Zeugeneinvernahmen seien zu Unrecht
abgelehnt worden.
Damit verkennt der Beschwerdeführer, dass das Bundesgericht keine
Appellationsinstanz ist, die eine freie Prüfung in rechtlicher und
tatsächlicher Hinsicht vornimmt. Insbesondere reicht für die Rüge einer
willkürlichen (antizipierten) Beweiswürdigung nicht aus, wenn er zum
Beweisergebnis wie in einem appellatorischen Verfahren frei plädiert und
darlegt, wie seiner Auffassung nach die vorhandenen Beweise richtigerweise zu
würdigen oder weshalb die beantragten Beweismassnahmen seiner Ansicht nach
nötig gewesen wären.

2.4.2. Die Vorinstanz setzt sich ausführlich mit sämtlichen Einwänden des
Beschwerdeführers auseinander und begründet in nachvollziehbarer Weise, weshalb
sie die einzelnen Beweisanträge abweist. Hinsichtlich der angerufenen Zeuginnen
C.________ und D.________ erwägt sie beispielsweise, das behauptete Alibi,
nicht aber die vorgeworfenen Taten beschränkten sich auf die Mittagszeit.
Selbst wenn die angerufenen Zeuginnen aussagen würden, er habe sich sehr oft am
Mittag an den besagten Orten aufgehalten, hätte er dadurch kein ausreichendes
Alibi. Die beantragten Zeugeneinvernahmen seien daher unerheblich. Die
Befragung von E.________ lehnt die Vorinstanz unter anderem mit der Begründung
ab, diese sei offensichtlich instrumentalisiert und mit falschen Informationen
bedient worden. Sie gehe davon aus, dass dem Beschwerdeführer nur eine
einmalige Vergewaltigung vorgeworfen werde. Wann das gewesen sein soll, scheine
sie nicht zu wissen. Sie könne daher auch nicht sagen, wo der Beschwerdeführer
sich zur Tatzeit aufgehalten habe. E.________ habe im Schreiben vom 27. Mai
2015 selbst erklärt, dass sie keine Auskunft über die Verhältnisse innerhalb
der Ex-Familie des Beschwerdeführers geben könne. Zudem habe sie E-Mails
beigelegt, mit denen sie beweisen wolle, dass der Beschwerdeführer im Jahr 2008
keinen Schlüssel mehr zur ehelichen Wohnung gehabt habe. Es sei jedoch
rechtsgenüglich erstellt, dass er diesen G.________, der Mutter der
Beschwerdegegnerin, erst am 5. Mai 2011 vor Gericht ausgehändigt habe. Die
vorinstanzlichen Erwägungen lassen keinerlei Willkür erkennen. Die Vorinstanz
durfte die Beweisanträge in antizipierter Beweiswürdigung abweisen, ohne dabei
Bundesrecht zu verletzen.

2.4.3. Der Beschwerdeführer beantragte weiter die Auswertung seiner EDV-Geräte,
des Mobiltelefons und der Unterlagen aus sozialen Netzwerken. Inwiefern eine
Auswertung derselben ihn entlasten soll, legt der Beschwerdeführer nicht
ausreichend dar. In diesem Zusammenhang bringt er im Wesentlichen vor, aus
einer Facebook-Unterhaltung zwischen der Beschwerdegegnerin und einer ihrer
Freundinnen sowie aus E-Mails der fallführenden Staatsanwältin müsse
geschlossen werden, dass eine Verschwörung gegen ihn laufe. Diesbezüglich kann
auf die vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden. Die eingereichten
Dokumente wurden dem Kriminaltechnischen Dienst der Zuger Polizei zwecks
Prüfung der Echtheit vorgelegt. Im Bericht vom 16. Juni 2015 gelangt dieser zum
eindeutigen Resultat, dass es sich um Fälschungen handelt. Die
Beschwerdegegnerin habe akzentfrei Schweizerdeutsch gesprochen, weshalb sie als
Urheberin der Facebook-Unterhaltung, welche in gebrochener Mundart verfasst
worden sei, nicht in Frage komme. Auch werde darin keine Teenager-Sprache
verwendet. Gleiches gelte für den angeblichen E-Mail-Verkehr zwischen der
fallführenden Staatsanwältin und dem Anwalt, welcher die Mutter der
Beschwerdegegnerin im Eheschutzverfahren vertreten habe. Dass eine
Staatsanwältin einen derart fehlerhaften und saloppen Text verfasse, sei selbst
bei einem kollegial-freundschaftlichen Verhältnis zum Rechtsanwalt undenkbar.
Ebenso undenkbar sei der angebliche Sprachstil des Rechtsanwalts. Unter diesen
Umständen ist die Abweisung der Beweisanträge offensichtlich nicht zu
beanstanden.

2.4.4. Weiter vertritt der Beschwerdeführer die Auffassung, es sei unmöglich,
dass sich G.________ hinsichtlich des Schwangerschaftsabbruchs im Datum irre.
Immerhin bringe sie dieses Ereignis mit ihrem eigenen Geburtstag in Verbindung.
Die Vorinstanz weist explizit auf scheinbare Widersprüche hin. Die fraglichen
Diskrepanzen löst sie mit sachlichen Erklärungen schlüssig auf (vgl. Urteil, S.
11 f.). Soweit die Beschwerde in diesem Punkt den Begründungsanforderungen
überhaupt genügt, kann von Willkür keine Rede sein.

2.4.5. Ebenfalls nicht stichhaltig ist die Behauptung des Beschwerdeführers,
eine wirksame Verteidigung sei verunmöglicht worden, da er keinen Zugriff auf
seine Effekten gehabt habe. Einerseits führt er selber aus, dass er nach der
Sichtung seiner Unterlagen Beweisanträge stellen konnte und diese Gelegenheit
auch genutzt hat (Beschwerde, S. 10). Andererseits muss als widersprüchlich
bezeichnet werden, wenn er einerseits geltend macht, die Kontaktangaben von
angerufenen Zeugen wie etwa diejenigen von E.________ nicht gehabt zu haben
(Beschwerde, S. 16), während er auf der vorangehenden Seite erwähnt,
regelmässig bei ihr gewohnt und übernachtet zu haben (Beschwerde, S. 15).
Ebenfalls nicht nachvollziehbar ist, weshalb Bankbelege betreffend angebliche
Überweisungen namhafter Geldbeträge an den Bruder von G.________ nicht
erhältlich gemacht werden konnten.

2.4.6. Völlig ungeeignet, Willkür in der vorinstanzlichen
Sachverhaltsfeststellung aufzuzeigen, sind auch die übrigen Behauptungen des
Beschwerdeführers, wie etwa, er sei als Musiker derart stark ausgelastet
gewesen, dass er keine Zeit gehabt habe, die ihm angelasteten Taten zu begehen
und zudem sei es unmöglich, dass die Mutter der Beschwerdegegnerin nichts von
den Übergriffen mitbekommen habe, weshalb diese überhaupt nicht hätten
stattfinden können.

2.5. Insgesamt gelingt es dem Beschwerdeführer nicht, aufzuzeigen, dass das
vorinstanzliche Beweisergebnis schlechterdings nicht vertretbar ist oder
inwiefern sich ein anderes Beweisergebnis geradezu aufgedrängt hätte. Sie
durfte seine Beweisanträge ablehnen, ohne in Willkür zu verfallen. Sein
rechtliches Gehör ist ebensowenig verletzt wie der Grundsatz der
Verfahrensfairness. Die Beschwerde erweist sich als unbegründet, soweit sie den
Begründungsanforderungen von Art. 42 Abs. 2 und Art. 106 Abs. 2 BGG überhaupt
genügt.

3.

3.1. Die Vorinstanz setzt die Entschädigung des amtlichen Verteidigers für das
Untersuchungsverfahren und das erstinstanzliche Verfahren auf Fr. 50'300.--
fest.

3.2. Der Beschwerdeführer verlangt eine höhere Anwaltsentschädigung. Die
Festsetzung der Höhe der Entschädigung betrifft grundsätzlich nur die eigenen
Interessen des amtlichen Verteidigers. Er ist demnach zur Beschwerdeerhebung
befugt (Art. 135 Abs. 3 StPO). Die amtlich verteidigte Partei ist hingegen
durch eine behaupteterweise zu tief festgesetzte Entschädigung nicht in ihren
eigenen Rechten betroffen, weshalb es ihr an einem rechtlich geschützten
Interesse an der Erhöhung der Entschädigung fehlt. Sie ist nicht zur Rüge
legitimiert, das dem amtlichen Verteidiger zugesprochene Honorar sei zu niedrig
bemessen (Urteil 6B_45/2012 vom 7. Mai 2012 E. 1.2; Urteil 6B_586/2010 vom 23.
November 2010 E. 5.3; je mit Hinweisen).

4.
Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann. Die
Gerichtskosten sind ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 66
Abs. 1 BGG). Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung ist
in Anwendung von Art. 64 BGG abzuweisen, weil die Rechtsbegehren aussichtslos
erschienen. Der finanziellen Lage des Beschwerdeführers ist durch eine
Reduktion der Gerichtskosten Rechnung zu tragen (Art. 65 Abs. 2 BGG). Der
Beschwerdegegnerin ist keine Entschädigung zuzusprechen, da ihr im
bundesgerichtlichen Verfahren keine Umtriebe entstanden sind.

 Demnach erkennt das Bundesgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2. 
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung wird abgewiesen.

3. 
Die Gerichtskosten von Fr. 1'600.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

4. 
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Zug,
Strafabteilung, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 7. Dezember 2015

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Denys

Die Gerichtsschreiberin: Schär

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