Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.930/2015
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

[8frIR2ALAGK1]     
{T 0/2}
                   
6B_930/2015

Urteil vom 1. Februar 2016

Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Denys, Präsident,
Bundesrichter Oberholzer, Rüedi,
Gerichtsschreiberin Andres.

Verfahrensbeteiligte
A.X.________,
vertreten durch Rechtsanwältin Sarah Schläppi,
Beschwerdeführer,

gegen

1. Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Maulbeerstrasse 10, 3011 Bern,
2. B.X.________,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Versuchte schwere Körperverletzung etc.; Willkür,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Bern, Strafabteilung,
1. Strafkammer, vom 23. März 2015.

Sachverhalt:

A.
Die Staatsanwaltschaft wirft A.X.________ vor, er habe seinen Sohn, geb. 2012,
in der Zeit zwischen Anfang April 2012 und dem 20. August 2012 wiederholt durch
stumpfe Gewalteinwirkung schwer misshandelt. Er habe die schweren bzw.
lebensgefährlichen Verletzungen (u.a. Rippen- und Schienbeinbrüche, Bruch des
Mittelfussknochens, Schädelbruch, Blutung unter die harte Hirnhaut etc.)
wissentlich und willentlich begangen; zumindest habe er diese aufgrund seines
Handelns für möglich halten müssen und habe sie, indem er seinen Sohn trotzdem
wiederholt misshandelt habe, auch in Kauf genommen. Ferner habe er seinem Sohn
mindestens einmal nicht verschreibungsfähige Arzneimittel (Benzodiazepine) ohne
Berechtigung oral verabreicht und seine Fürsorgepflicht wiederholt wissentlich
sowie willentlich verletzt.

B.
Das Regionalgericht Emmental-Oberaargau verurteilte A.X.________ am 6. Februar
2014 wegen versuchter schwerer und vorsätzlicher einfacher Körperverletzung
sowie Verabreichens gesundheitsgefährdender Stoffe an Kinder, alles mehrfach
begangen, zu einer Freiheitsstrafe von 4 ½ Jahren. Ferner ordnete es eine
stationäre therapeutische Massnahme an.
Auf Berufung von A.X.________ bestätigte das Obergericht des Kantons Bern am
23. März 2015 die erstinstanzlichen Schuldsprüche und setzte die
Freiheitsstrafe auf 44 Monate fest, deren Vollzug es zugunsten einer
stationären therapeutischen Massnahme aufschob.

C.
A.X.________ beantragt mit Beschwerde in Strafsachen, das obergerichtliche
Urteil sei aufzuheben und er sei von den Vorwürfen der versuchten schweren
sowie der vorsätzlichen einfachen Körperverletzung und der Verabreichung
gesundheitsgefährdender Stoffe an Kinder freizusprechen. Eventualiter sei die
Sache zur neuen Entscheidung an das Obergericht zurückzuweisen. Er ersucht um
unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung.

Erwägungen:

1.

1.1. Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz stelle den Sachverhalt
offensichtlich unrichtig fest, würdige die Beweise willkürlich (Art. 9 BV) und
verstosse gegen den Grundsatz "in dubio pro reo" (Art. 10 Abs. 3 StPO, Art. 32
Abs. 1 BV sowie Art. 6 Ziff. 2 EMRK). Die vorinstanzliche Feststellung, er habe
seinen Sohn am 19./20. August 2012 vorsätzlich verletzt und sei auch für die
weiteren Verletzungen verantwortlich, entbehre jeglicher Grundlage. Die
Vorinstanz verkenne, dass er seinen Sohn am 19./20. August 2012 nicht habe
verletzen wollen und seine Ehefrau hinsichtlich der übrigen Verletzungen ebenso
als Täterin in Frage komme.

1.2.

1.2.1. Die Vorinstanz stellt einleitend fest, als Urheber der Verletzungen
kämen unbestrittenermassen einzig die Eltern in Betracht (Urteil S. 10). Der
Beschwerdeführer anerkenne, für die Verletzungen vom 19./20. August 2012
verantwortlich zu sein, mache jedoch geltend, es habe sich um einen Unfall
gehandelt. Generell sei festzuhalten, dass alle angeklagten Lebenssachverhalte
im Hinblick auf die Verletzungsbilder und die zeitliche Einordnung durch die
medizinischen Gutachten sowie Berichte objektiv nachgewiesen seien (Urteil S.
12).

1.2.2. Die Vorinstanz erwägt, die Aussagen des Beschwerdeführers seien
insbesondere dann ausführlich, wenn es um seine Person, seine Krankengeschichte
oder sein eigenes Empfinden gehe. Auf Fragen zum Tatgeschehen antworte er sehr
ausweichend, zurückhaltend und repetitiv. Er neige grundsätzlich dazu, die
Schuld für die Schwierigkeiten bei anderen zu suchen. Sein eigenes
Fehlverhalten erkläre er mit Krankheits- oder Medikamenteneinflüssen. Die
während des gesamten Verfahrens von ihm wiederholt angeführten Blackouts
beurteilt die Vorinstanz mehrheitlich als reine Schutzbehauptung. Es sei ihm
nicht gelungen, genauere Umstände der Blackouts zu nennen. Auch habe er diese
weder seiner Familie noch seiner Ehefrau gegenüber erwähnt. Gemäss dem
forensisch-psychiatrischen Gutachten sei nicht auszuschliessen, dass die
Gedächtnislücken (unbewusst) funktioneller Natur sein könnten. Widersprüchliche
und nicht glaubhafte Aussagen mache der Beschwerdeführer auch hinsichtlich
seines Medikamentenkonsums sowie der Art und Weise der Medikamenteneinnahme.
Die Vorinstanz gelangt zum Schluss, die Aussagen des Beschwerdeführers seien
insgesamt wenig glaubhaft. Häufig gebe er bei genauer Analyse gewisse
vorgehaltene, strafrechtlich relevante Verhaltensweisen zu, um sich dann bei
konkreter Nachfrage wieder zurückzunehmen (Urteil S. 13 ff.).

1.2.3. Hinsichtlich der Verletzungsvorwürfe setzt sich die Vorinstanz eingehend
mit einer möglichen Täterschaft der Ehefrau des Beschwerdeführers auseinander.
Sie erwägt, für ihre Täterschaft sprächen einzig ihre fehlenden bzw. nicht
erkennbaren mütterlichen Gefühle. Es sei aussergewöhnlich, dass sie trotz der
Geschehnisse noch mit dem Beschwerdeführer und den Kindern zusammenleben wolle.
Es sei jedoch anzunehmen, dass sich die in Bulgarien beheimatete Kindsmutter
mit einer Aufenthaltsbewilligung B aufenthaltsrechtliche Überlegungen gemacht
habe. Da auch der Beschwerdeführer nicht Schweizer Staatsbürger sei, wären bei
seiner Verurteilung sowohl seine als auch die Aufenthaltsbewilligung seiner
Ehefrau massiv gefährdet. Eine andere Motivation für ihre bloss schonende, aber
doch implizite Belastung des Beschwerdeführers scheine schwer erkennbar. Weder
könne der bloss über eine Anlehre bzw. IV-Rente verfügende Beschwerdeführer
seiner Ehefrau, die einen Gymnasiumsabschluss habe und studieren möchte,
materiell viel bieten noch könne zwischen den Ehegatten ein diese Beziehung
stützendes intellektuelles Gleichgewicht festgestellt werden. Endlich sei zu
berücksichtigen, dass sie, hätte sie den Beschwerdeführer zu Unrecht belasten
wollen, um damit von ihrer eigenen Täterschaft abzulenken, dies wesentlich
deutlicher gemacht hätte. Insgesamt lägen keinerlei konkrete Hinweise für eine
Täterschaft der Ehefrau vor (Urteil S. 18 ff.).
Umgekehrt ziehe der Beschwerdeführer den Verdacht durch sein lückenhaftes und
widersprüchliches Aussageverhalten selbst auf sich. Er könne nicht erklären,
wer für die Verletzungen seines Sohnes verantwortlich sein könnte. Bei ihm
liege eine gesundheitliche Prädisposition in Form von emotional-instabilen
(impulsiven) Persönlichkeitsakzentuierungen vor, die ihn für entsprechend
impulsive Reaktionen bzw. aggressive Entgleisungen und Impulsausbrüche anfällig
erscheinen lasse. Aus seinen wie auch den Schilderungen seiner Ehefrau ergebe
sich, dass er Stress nicht aushalten könne. Es liege daher die Vermutung nahe,
dass er wiederholt in Situationen von Überreizung und Überforderung die
Kontrolle über sich verloren haben könnte. Insgesamt erachtet die Vorinstanz
als erstellt, dass der Beschwerdeführer dem Opfer alle in der Anklageschrift
aufgeführten Verletzungen durch massivste stumpfe Gewalteinwirkung zugefügt
habe. Sie geht zwar davon aus, dass sich der Beschwerdeführer dabei in einer
überfordernden Stresssituation befunden haben müsse, ein unfallartiges
Geschehen schliesst sie jedoch bei allen Verletzungen aus (Urteil S. 20 ff.).

1.2.4. Hinsichtlich des Vorwurfs, seinem Sohn mindestens einmal Benzodiazepine
verabreicht zu haben, verweist die Vorinstanz weitgehend auf ihre Ausführungen
zum generellen Aussageverhalten des Beschwerdeführers, insbesondere auf seine
widersprüchlichen Aussagen betreffend Medikamenteneinnahme. Diese zeigten
offensichtlich, dass er seine Aussagen den jeweiligen Vorhalten angepasst habe,
ohne dass ein stimmiges Bild entstanden sei. Er verstricke sich in
unüberwindbare Widersprüche und es gelinge ihm nicht ansatzweise, eine
plausible Erklärung abzugeben. Immerhin schliesse er nicht aus, selbst dafür
verantwortlich zu sein. Letztlich entstehe der Eindruck, dass er um seine
Verantwortung wisse, dies aber nicht vorbehaltslos zugeben könne. Insgesamt ist
die Vorinstanz überzeugt, dass der Beschwerdeführer seinem Sohn zwei
verschiedene Medikamente (Valium und Temesta) der Gruppe der Benzodiazepine
verabreicht habe, um ihn ruhig zu stellen, als er mit der Situation überfordert
gewesen sei (Urteil S. 26 ff.).

1.3. Die vorinstanzliche Sachverhaltsfeststellung kann nur gerügt werden, wenn
sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von
Art. 95 BGG beruht und wenn die Behebung des Mangels für den Ausgang des
Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1 BGG). Offensichtlich
unrichtig ist die Feststellung des Sachverhalts, wenn sie willkürlich ist (BGE
139 II 404 E. 10.1 S. 445 mit Hinweisen; zum Begriff der Willkür BGE 140 III 16
E. 2.1 S. 18 f.; 139 III 334 E. 3.2.5 S. 339; je mit Hinweisen). Eine
entsprechende Rüge muss klar vorgebracht und substanziiert begründet werden.
Auf eine rein appellatorische Kritik am angefochtenen Urteil tritt das
Bundesgericht nicht ein (vgl. Art. 42 Abs. 2 und Art. 106 Abs. 2 BGG; BGE 141
IV 249 E. 1.3.1 S. 253 mit Hinweisen).
Dem Grundsatz "in dubio pro reo" kommt in der vom Beschwerdeführer angerufenen
Funktion als Beweiswürdigungsregel im Verfahren vor Bundesgericht keine über
das Willkürverbot von Art. 9 BV hinausgehende selbstständige Bedeutung zu (BGE
138 V 74 E. 7 S. 82 mit Hinweisen).

1.4.

1.4.1. Soweit sich der Beschwerdeführer gegen die vorinstanzliche Feststellung
wendet, es lägen keine Hinweise für die Täterschaft seiner Ehefrau vor, münden
seine Ausführungen grösstenteils in einer appellatorischen Kritik am
angefochtenen Urteil. Darauf ist nicht einzutreten. Für die Rüge einer
willkürlichen Beweiswürdigung reicht nicht aus, wenn der Beschwerdeführer zum
Beweisergebnis wie in einem appellatorischen Verfahren frei plädiert und
darlegt, wie seiner Auffassung nach die vorhandenen Beweise richtigerweise zu
würdigen wären. So gibt er seine sowie die Aussagen seiner Ehefrau auszugsweise
wieder und zeigt auf, wie diese zu verstehen seien. Ferner verweist er auf
verschiedene Aktenstücke (Akten- und Telefonnotiz, Einvernahmeprotokoll),
woraus hervorgehe, dass seine Ehefrau mindestens in gleichem Masse als Täterin
in Frage komme wie er. Mit dieser Argumentation, dass es "ebenso gut" seine
Ehefrau sein könnte, die dem gemeinsamen Sohn die Verletzungen zugefügt habe,
lässt sich eine willkürliche Beweiswürdigung jedoch nicht aufzeigen (vgl.
Urteil 6B_957/2015 vom 11. Dezember 2015 E. 3). Die Vorinstanz analysiert die
Aussagen sowie das Verhalten der Ehefrau und begründet nachvollziehbar, weshalb
sie den Beschwerdeführer nur zurückhaltend belastet sowie nach
Erklärungsversuchen sucht (Urteil S. 18 f.). Damit setzt er sich nicht
auseinander.
An der Sache vorbei geht der wiederholte Einwand, die Vorinstanz hätte das
Verfahren gegen den Beschwerdeführer sistieren und eine Untersuchung gegen
seine Ehefrau eröffnen müssen. Seine Behauptung, er könne erst verurteilt
werden, wenn die Täterschaft seiner Ehefrau durch eine separate Untersuchung
ausgeschlossen werden könne, ist abwegig. Im vorinstanzlichen Verfahren war der
Beschwerdeführer die beschuldigte Person. Die Vorinstanz hatte einzig zu
beurteilen, ob der Beschwerdeführer die ihm in der Anklageschrift vorgeworfenen
Taten begangen hat.

1.4.2. Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vorinstanz berücksichtige bei
der Würdigung seiner Aussagen nicht, dass er aufgrund seiner kognitiven und
sprachlichen Fähigkeiten nicht in der Lage sei, Aussagen zu tätigen, die von
einem durchschnittlichen Beschuldigten zu erwarten seien. Er weist zutreffend
darauf hin, dass er bei dem anlässlich der sachverständigen Begutachtung
erstellten Hamburg-Wechsler Intelligenztest für Erwachsene im Verbalteil mit
einem IQ-Wert von 83 etwas unter dem Durchschnitt liegt. Die Gutachter halten
jedoch fest, er habe abgesehen von einem Wert mit Resultaten abgeschnitten, die
innerhalb der Norm lägen. Zudem betrage sein Gesamt-IQ 94, was gemäss Tabelle
einer durchschnittlichen Intelligenz entspricht (kantonale Akten, act. 993 f.).
Zutreffend sind auch seine weiteren Hinweise auf Aktenstellen (vgl. Beschwerde
S. 6; kantonale Akten, act. 343, 671 f.).
Indessen verkennt die Vorinstanz die kognitiven und sprachlichen Fähigkeiten
des Beschwerdeführers bzw. deren Einschränkung bei der Würdigung seiner
Aussagen nicht. Indem sie diese teilweise wörtlich wiedergibt und sein
Aussageverhalten ausführlich aufzeigt, bringt sie zum Ausdruck, dass sie die
beschränkten sprachlichen Fähigkeiten des Beschwerdeführers erkennt und bei der
Würdigung berücksichtigt. Insbesondere verweist sie gleich zu Beginn ihrer
Aussageanalyse auf den Umstand, dass er oft weitschweifige Angaben mache
(Urteil S. 13).
Da bei der Lektüre der Aussagen des Beschwerdeführers der Eindruck entsteht, er
sei fähig gewesen, der jeweiligen Einvernahme zu folgen, die Fragen zu erfassen
sowie adäquat zu antworten, und er auch nichts Gegenteiliges behauptet, ist
nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz seine Aussagen in ihre
Beweiswürdigung einbezieht sowie analysiert. Auch ist bei deren Würdigung keine
Willkür ersichtlich. Es ist nicht unhaltbar, wenn die Vorinstanz
berücksichtigt, dass der Beschwerdeführer weder erklären konnte, wer seinen
Sohn verletzt hat, noch die Frage aufzuklären versuchte (Urteil S. 20). Aus
seinem Aussageverhalten ergibt sich deutlich, dass der Beschwerdeführer
durchaus in der Lage wäre, andere Personen zu beschuldigen. So weist die
Vorinstanz zutreffend darauf hin, dass er grundsätzlich dazu neige, die Schuld
bei anderen zu suchen (Urteil S. 13).
Auch hinsichtlich der seinem Sohn verabreichten Medikamente vermag der
Beschwerdeführer keine Willkür in der vorinstanzlichen Beweiswürdigung
aufzuzeigen. Er beschränkt sich grösstenteils darauf, seine bisherigen
Vorbringen (Täterschaft seiner Ehefrau, eingeschränkte kognitive und
sprachliche Fähigkeiten) zu wiederholen und darzulegen, wie seine Aussagen aus
seiner Sicht zu würdigen seien. Jedoch geht er mit keinem Wort auf die
ausführliche und nachvollziehbare Würdigung der Vorinstanz ein. Diese zeigt
anhand seiner Aussagen eindrücklich auf, dass er sich bezüglich seines Konsums
der Medikamente sowie der Art und Weise deren Einnahme in Widersprüche
verstrickt sowie seine Angaben dem jeweiligen Verfahrensstand anpasst (Urteil
S. 14 f.). Ferner legt sie dar, dass der Beschwerdeführer sich während des
gesamten Verfahrens nicht habe festlegen können, ob er seinem Sohn die
Medikamente verabreicht habe oder nicht (Urteil S. 26 f.). Es ist im Ergebnis
nicht schlechterdings unhaltbar, wenn die Vorinstanz aus dem Aussageverhalten
des Beschwerdeführers sowie den Tatsachen, dass einzig eine orale
Medikamenteneinnahme des Opfers in Frage kommt und der Beschwerdeführer die
Möglichkeit hatte, seinem Sohn die Medikamente zu verabreichen, schliesst, er
habe dies auch getan.

1.4.3. Endlich wendet sich der Beschwerdeführer gegen die vorinstanzliche
Feststellung, die von ihm geschilderten Blackouts seien eine Schutzbehauptung
bzw. funktioneller Natur und würden in erster Linie der Vermeidung bzw.
Minimierung strafrechtlicher Konsequenzen seines Fehlverhaltens wie auch der
Abwehr eigener Schuld- sowie Schamgefühle dienen (Urteil S. 13 f.). Die
Vorinstanz lasse mehrere Aktenstellen unberücksichtigt, dabei insbesondere die
von ihm eingereichte Stellungnahme von Dr. med. C.________, wonach diese
Blackouts nicht vorgeschützt seien, sondern die Gedächtnisaussetzer ohne
weiteres mit den Nebenwirkungen des Benzodiazepins in Verbindung gebracht
werden könnten. Zudem kritisiert der Beschwerdeführer den Schluss der
Vorinstanz, beim Vorfall vom 19./20. August 2012 habe er nicht unter
Entzugserscheinungen gelitten, da er die Benzodiazepine nur unregelmässig
eingenommen habe (Urteil S. 22). Die Vorinstanz verkenne seine starke
Abhängigkeit von Benzodiazepinen.
Es ist nicht zu beanstanden, dass sich die Vorinstanz nicht mit der
Stellungnahme von Dr. med. C.________ auseinandersetzt. Privatgutachten - wobei
es sich vorliegend lediglich um eine Stellungnahme zum amtlichen Gutachten
handelt - kommt nicht die Qualität von Beweismitteln zu, sondern sie bilden
Bestandteil der Parteivorbringen. Ein Parteigutachten ist nur geeignet, die
Erstellung eines (zusätzlichen) Gutachtens zu rechtfertigen oder darzulegen,
dass das gerichtliche oder amtliche Gutachten mangelhaft oder nicht schlüssig
ist (vgl. BGE 141 IV 305 E. 6.6.1 S. 315 mit Hinweisen). Die Stellungnahme von
Dr. med. C.________ ist nicht geeignet, Zweifel an der Schlüssigkeit des
forensisch-psychiatrischen Gutachtens zu streuen. Er zeigt einen möglichen
Zusammenhang zwischen Medikamenteneinnahme sowie Erregung bzw. Amnesie auf und
kritisiert, dass allfällige Nebenwirkungen im Gutachten nicht thematisiert
worden seien (kantonale Akten, act. 1202 f.). Demgegenüber gab der
Sachverständige an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung an, dieser
Zusammenhang sei bekannt, weshalb der Beschwerdeführer in der Untersuchung nach
dem Einnahmemuster und der Einnahmedauer gefragt worden sei. Gestützt auf
dessen Angabe, er habe die Medikamente nur unregelmässig und zur Tatzeit gar
nicht eingenommen, seien die Gutachter davon ausgegangen, dass bei der Tat kein
bedeutsamer Einfluss von Benzodiazepinen bestanden habe (kantonale Akten, act.
1366, 1371). Mit dem nicht weiter belegten Satz, die Aussagen des
Sachverständigen stimmten nicht mit dem forensisch-psychiatrischen Gutachten
überein (Beschwerde S. 8), vermag der Beschwerdeführer weder die Schlüssigkeit
der gutachterlichen Ausführungen anzuzweifeln noch Willkür in der
vorinstanzlichen Beweiswürdigung aufzuzeigen. Da auch die Ehefrau des
Beschwerdeführers angab, dieser nehme seine Medikamente nicht regelmässig ein
(kantonale Akten, act. 481; Urteil S. 22), darf die Vorinstanz gestützt auf die
Aussagen des Sachverständigen sowie das Gutachten eine regelmässige
Medikamenteneinnahme ausschliessen. Die Ausführungen von Dr. med. C.________ zu
allfälligen Nebenwirkungen wie Erregung oder Amnesie sind damit nicht
einschlägig, weshalb die Vorinstanz diese nicht in ihre Beweiswürdigung
einbeziehen muss.
Da der Beschwerdeführer nicht aufzeigt, dass das forensisch-psychiatrische
Gutachten bzw. die Aussagen des Sachverständigen nicht schlüssig sind, darf die
Vorinstanz darauf abstellen, ohne in Willkür zu verfallen. Es ist nicht
unhaltbar, wenn sie gestützt auf das Gutachten davon ausgeht, die Blackouts
seien vorgeschützt oder bloss funktioneller Natur. Willkürfrei ist auch ihre
Erkenntnis, da der Beschwerdeführer seine Medikamente nicht regelmässig
eingenommen habe, sei nicht davon auszugehen, dass er am 19./20. August 2012
unter Entzugserscheinungen gelitten habe. Ihr Schluss, der Beschwerdeführer
habe aufgrund seiner Krankheit in Verbindung mit der fehlenden
Medikamenteneinnahme in der Stress- und Überforderungssituation versucht,
seinen Sohn durch stumpfe Gewalteinwirkung zur Ruhe zu bringen, ist unter
Willkürgesichtspunkten nicht zu beanstanden (vgl. Urteil S. 22 f.). Daran
ändert nichts, dass gemäss dem rechtsmedizinischen Ergänzungsgutachten die
Verletzungen des Opfers auch mit den vom Beschwerdeführer geschilderten
Varianten des Tatablaufs vereinbar wären.

1.4.4. Insgesamt vermag der Beschwerdeführer nicht aufzuzeigen, dass die
vorinstanzliche Beweiswürdigung im Ergebnis schlechterdings unhaltbar ist. Dass
eine andere Lösung oder Würdigung ebenso vertretbar erscheint oder gar
vorzuziehen wäre (vgl. Beschwerde S. 9), genügt für die Annahme von Willkür
nicht (BGE 139 III 334 E. 3.2.5 S. 339; 138 I 49 E. 7.1 S. 51; je mit
Hinweisen).

2.
Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann.

Die Gerichtskosten sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG).
Sein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung ist in Anwendung
von Art. 64 BGG abzuweisen, weil die Rechtsbegehren aussichtslos erschienen.
Seiner finanziellen Lage ist bei der Bemessung der Gerichtskosten Rechnung zu
tragen (Art. 65 Abs. 2 BGG).

 Demnach erkennt das Bundesgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2. 
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung wird abgewiesen.

3. 
Die Gerichtskosten von Fr. 800.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

4. 
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Bern,
Strafabteilung, 1. Strafkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 1. Februar 2016

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Denys

Die Gerichtsschreiberin: Andres

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