Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.959/2015
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

[8frIR2ALAGK1]     
{T 0/2}
                   
6B_959/2015

Urteil vom 10. Februar 2016

Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Denys, Präsident,
Bundesrichter Oberholzer, Rüedi,
Gerichtsschreiber Briw.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Stefan Ioli,
Beschwerdeführer,

gegen

1. Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Solothurn, Franziskanerhof,
Barfüssergasse 28, Postfach 157, 4502 Solothurn,
2. A.________,
Beschwerdegegnerinnen.

Gegenstand
Sexuelle Nötigung, versuchte Vergewaltigung; Beweiswürdigung, rechtliches
Gehör,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Solothurn,
Strafkammer, vom 28. Mai 2015.

Sachverhalt:

A.

A.a. Am Sonntag, 15. November 2009, 19.26 Uhr, telefonierte A.________, die in
einer Bar als Aushilfe arbeitete, auf die Alarmzentrale der Polizei Kanton
Solothurn und teilte mit, dass sie von ihrem Chef "abgeschlagen" und sexuell
belästigt worden sei und sich nun verstecke. In der Folge rückte die Polizei
aus. Da A.________ keine sexuellen Übergriffe erwähnte, vereinbarten die
ausgerückten Polizisten mit den Beteiligten für den Folgetag einen
Einvernahmetermin. In dieser Einvernahme schilderte sie, dass X.________ mit
ihr gegen ihren Willen sexuelle Handlungen vorgenommen habe.

A.b. Das Amtsgericht Olten-Gösgen sprach X.________ am 28. August 2012 der
sexuellen Nötigung sowie der versuchten Vergewaltigung schuldig und vom Vorwurf
der einfachen Körperverletzung frei. Es bestrafte ihn mit 3 Jahren
Freiheitsstrafe.
Das Obergericht des Kantons Solothurn verurteilte am 14. November 2013
X.________ auf seine Berufung hin wegen sexueller Nötigung sowie versuchter
Vergewaltigung (Dispositiv Ziff. 2) zu 3 Jahren Freiheitsstrafe und ordnete
eine ambulante Massnahme während des Strafvollzugs zur Behandlung der
Alkoholabhängigkeit an (Ziff. 3).

A.c. X.________ beantragte mit Beschwerde in Strafsachen, ihn in Abänderung der
Ziffn. 2 und 3 des obergerichtlichen Urteilsdispositivs von jeglicher Schuld
und Strafe freizusprechen sowie eventualiter die Sache zur Neubeurteilung an
die Vorinstanz zurückzuweisen.
Das Bundesgericht hob das obergerichtliche Urteil auf und wies die Sache an die
Vorinstanz zurück, damit X.________ im Laufe des Verfahrens zumindest einmal
eine angemessene und geeignete Gelegenheit erhalte, von seinem
Konfrontationsrecht Gebrauch zu machen (Urteil 6B_98/2014 vom 30. September
2014 E. 3.10).

B.

B.a. Das Obergericht des Kantons Solothurn legte anlässlich der Neubeurteilung
an der Sitzung vom 27. Mai 2015 zunächst den Verhandlungsverlauf fest und
orientierte bei den jeweiligen Verfahrensschritten die Betroffenen über ihre
Rechte und Pflichten.

B.b. Die Staatsanwältin schloss sich dem Antrag der Rechtsvertreterin der
Privatklägerin A.________, Rechtsanwältin B.________, auf Ausschluss der
Öffentlichkeit bei ihrer Einvernahme an. Der amtliche Verteidiger von
X.________, Rechtsanwalt Stefan Ioli, widersetzte sich diesem Antrag nicht. Das
Obergericht hiess den Antrag teilweise gut: Die Privatklägerin werde unter
Ausschluss der Öffentlichkeit einvernommen (Art. 70 Abs. 1 lit. a StPO),
während im Übrigen die Hauptverhandlung öffentlich sei.

B.c. Es folgte die Einvernahme von C.________ als Zeugin. Der amtliche
Verteidiger von X.________ stellte Ergänzungsfragen. Anschliessend wurde
X.________ zur Person einvernommen.

B.d. Hierauf wurde - unter Ausschluss der Publikumsöffentlichkeit - die
Hauptverhandlung in den Räumlichkeiten der Polizei des Kantons Solothurn mit
der Einvernahme der Privatklägerin als Auskunftsperson (Art. 178 lit. a StPO)
fortgesetzt. Entsprechend den Schutzmassnahmen wurde diese Einvernahme in zwei
Nebenräume übertragen, in welchen sie von X.________ und dessen beiden
Verteidigern, den Rechtsanwälten Stefan Ioli und Marcus Saxe, sowie von der
Staatsanwältin mitverfolgt werden konnte. Die Privatklägerin wurde i.S.v. Art.
153 Abs. 1 StPO primär durch die Oberrichterin Marianne Jeger befragt. Die
Rechtsvertreterin der Privatklägerin wohnte der Befragung im Einvernahmeraum
bei. Alle Parteivertreter machten von ihrem Recht Gebrauch, der Privatklägerin
Ergänzungsfragen zu stellen.

B.e. Die Verhandlung wurde im Saal des Obergerichts mit der ergänzenden
Befragung von X.________ fortgesetzt. Die Staatsanwältin und die
Rechtsvertreterin der Privatklägerin stellten keine Beweisanträge. Der Antrag
des amtlichen Verteidigers auf Durchführung eines Augenscheins in der "Bar"
wurde mit der Begründung abgewiesen, Beweisthema bilde, ob sich der Sachverhalt
in der Wohnung im ersten Stock so abgespielt habe, wie dies in der
Anklageschrift umschrieben werde. Damit wurde das Beweisverfahren geschlossen.

B.f. Die Staatsanwältin beantragte, X.________ wegen sexueller Nötigung (Art.
189 Abs. 1 StGB) und versuchter Vergewaltigung (Art. 190 i.V.m. Art. 22 Abs. 1
StGB) zu 18 Monaten Freiheitsstrafe zu verurteilen (als teilweise
Zusatzstrafe). Die Privatklägerin beantrage einen Schuldspruch und die
angemessene Bestrafung im Sinne der Anklageschrift bzw. des erstinstanzlichen
Urteils (oben Bst. A.b).
Der amtliche Verteidiger beantragte, das erstinstanzliche Urteil im Umfang der
noch nicht in Rechtskraft erwachsenen Ziffn. 2 und 3 des Dispositivs aufzuheben
und ihn von jeglicher Schuld und Strafe freizusprechen, ihn eventualiter mit
einer Zusatzstrafe von 1 Jahr zum Urteil des Zürcher Obergerichts vom 27.
Januar 2015 zu bestrafen. Weiter stellte er Rechtsbegehren zu Kosten,
Entschädigung und Genugtuung. X.________ erhielt das letzte Wort.

B.g. Das Obergericht stellte in seinem Urteil fest, dass X.________ von der
Erstinstanz rechtskräftig vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung
freigesprochen wurde (Dispositiv-Ziff. 1). Es verurteilte ihn wegen sexueller
Nötigung und versuchter Vergewaltigung (Ziff. 2) zu einer Freiheitsstrafe von
17 Monaten als Zusatzstrafe zum Urteil des Zürcher Obergerichts vom 27. Januar
2015 (Ziff. 3). Den Antrag der Staatsanwaltschaft auf ambulante Behandlung der
Alkoholabhängigkeit im Sinne von Art. 63 StGB wies es ab (Ziff. 4).

C.
X.________ beantragt mit Beschwerde in Strafsachen:

1.       es seien die Ziffn. 2 und 3 des obergerichtlichen Urteils aufzuheben
und er von jeglicher Schuld und Strafe freizusprechen;
2.       es seien in Abänderung der Ziffn. 5 Abs. 2, 8 - 11 sowie 13 des
obergerichtlichen Urteils die Gerichtsgebühren, Untersuchungskosten und
Verteidigerkosten vorbehaltlos durch den Kanton Solothurn zu übernehmen. Zudem
sei die der Privatklägerin zugesprochene Entschädigung aufzuheben;
3.       eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an das Obergericht
zurückzuweisen;
4.       alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen für den Kanton Solothurn;
[5.]       es sei ihm die unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung zu
gewähren.

Erwägungen:

1.
Der Beschwerdeführer erhebt zunächst allgemein gehaltene verfahrensrechtliche
Einwände.

1.1. Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz habe den mehrfach gestellten
Beweisantrag abgelehnt, "die Örtlichkeiten mittels Augenscheins zu
besichtigen". Die antizipierte Beweiswürdigung sei nach dem Urteil 6B_764/2013
vom 26. Mai 2014 (E. 3.1) nur sehr eng zulässig. Das habe die Vorinstanz
missachtet und Art. 139 Abs. 2 StPO verletzt.
Die Vorinstanz lehnte die Durchführung eines Augenscheins in der "Bar" ab, weil
Beweisthema das Geschehen in der Wohnung sei (oben Bst. B.e; Urteil S. 5). In
der Beschwerde wird davon abweichend geltend gemacht, die Privatklägerin habe
angegeben, der Beschwerdeführer habe sie vergewaltigt, nachdem er sie vor den
Augen von D.________ (des Schwiegervaters der Privatklägerin und
Geschäftspartners des Beschwerdeführers) "brutal" die Treppe hinaufgeschubst
hatte. Die Wahrheit sei, dass sie aufgrund der örtlichen Gegebenheiten
unmöglich gegen ihren Willen habe die Treppe hochgeschubst werden können, was
der Augenschein bewiesen hätte, aber auch aufgrund des Umstands, dass
D.________ unten gestanden und zugesehen habe.
Es leuchtet nicht ein, dass bei einer Haustreppe ein "Hinaufschubsen" unmöglich
gewesen sein soll. Ob andererseits D.________ an der Treppe stand, ob beide in
einer hitzigen Konversation waren, ob von einem "lauten Schreien"
offensichtlich nicht einmal D.________ reden wollte: solche Umstände konnten
mit einem Augenschein nicht geklärt werden. Entscheidend ist indessen, dass die
Vorinstanz zum einen auf diese Aussagen von D.________ nicht abstellt (unten E.
2.6, 2.7), und der Beschwerdeführer zum andern eine Begründung vorträgt, die
nicht Gegenstand der vorinstanzlichen Entscheidung war. Darauf ist nicht
einzutreten (Art. 80 und 99 BGG; Urteile 6B_841/2015 vom 10. November 2015 E. 1
und 6B_883/2015 vom 24. November 2015 E. 2 mit Hinweisen).

1.2. Der Beschwerdeführer bemerkt, die Vorinstanz habe aufgrund der
bundesgerichtlichen Weisung eine Konfrontationseinvernahme durchgeführt,
wenngleich unter vorgängiger Gewährung vollständiger Akteneinsicht an die neu
anwaltlich vertretene Privatklägerin, was die Konfrontation selbstredend zu
einer formalen Posse habe werden lassen. Die Privatklägerin habe sich noch
deutlicher widersprochen und behauptet, was so nicht stimmen könne. Sie habe
die Akten sehr gut auswendig gekannt, aber keinerlei Antworten zu Fragen geben
können, welche nicht in den Einvernahmeprotokollen "vorbeantwortet" waren
(Beschwerde S. 4).
Das Akteneinsichtsrecht ist Teilgehalt des rechtlichen Gehörs und des fairen
Verfahrens. Die Parteien können spätestens nach der ersten Einvernahme der
beschuldigten Person und der Erhebung der übrigen wichtigsten Beweise durch die
Staatsanwaltschaft die Akten des Strafverfahrens einsehen (Art. 101 Abs. 1 und
Art. 107 Abs. 1 lit. a StPO; vgl. BGE 137 IV 172 E. 2.3). Die Akteneinsicht der
Privatklägerin richtet sich nach denselben Bestimmungen wie diejenige des
Beschwerdeführers (dazu FELIX BOMMER, Privatklägerische Rechte im Strafpunkt -
ein Überblick, in: recht 4/2015 S. 183, 192 f., 195 Ziff. IV).

2.
Der Beschwerdeführer wirft der Vorinstanz eine erneute Verletzung des
Konfrontationsanspruchs vor. In einem geradezu lehrbuchmässigen Akt von Willkür
und rechtswidriger Beweiswürdigung stelle sie auf unverwertbare Aussagen ab,
indem sie frühere, in der Konfrontationseinvernahme nicht eingeführte, nicht
bestätigte Aussagen berücksichtige und einen willkürlichen, auf
Gehörsrechtsverletzungen beruhenden Sachverhalt erstelle. Sie verletze den
Anspruch auf ein faires Verfahren sowie elementare Verteidigungsrechte und
offenbare mögliche Vorbefassung und Vorverurteilung (Beschwerde S. 10 f., 14,
15).

2.1. Das Rechtsmittelverfahren beruht auf den Beweisen, die im Vorverfahren und
im erstinstanzlichen Hauptverfahren erhoben worden sind (Art. 389 Abs. 1 StPO).
Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten Verfahren
gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO), d.h. einschliesslich der aufgrund
der Konfrontationseinvernahme gewonnenen Überzeugung.
Für das Bundesgericht ist der vorinstanzlich festgestellte Sachverhalt
massgebend (Art. 105 Abs. 1 BGG). Die Sachverhaltsfeststellung kann vor
Bundesgericht nur gerügt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf
einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht und wenn die Behebung
des Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs.
1 BGG). Offensichtlich unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn sie
willkürlich ist (BGE 140 III 264 E. 2.3).
Für die Anfechtung gilt das strenge Rügeprinzip (Art. 42 Abs. 2 i.V.m. Art. 97
Abs. 1 und Art. 106 Abs. 2 BGG). Das Bundesgericht prüft in diesem Fall nur
klar anhand der angefochtenen Beweiswürdigung detailliert erhobene und
aktenmässig belegte Rügen. Auf appellatorische Kritik tritt es nicht ein, denn
es überprüft die Beweiswürdigung nicht wie ein Appellationsgericht frei (BGE
140 III 264 E. 2.3; 133 IV 286 E. 1.4, 6.2; Urteil 6B_841/2015 vom 10. November
2015 E. 2.2).

2.2. Der Beschwerdeführer bringt im Einzelnen vor, die Tathandlungen zum
Kerngeschehen liessen sich, wenn überhaupt, einzig und allein gestützt auf die
Aussagen der Privatklägerin rechtsgenügend erstellen. Aber gleich alle seine
Aussagen als unbeachtlich zu bezeichnen, bloss weil sie einzelne Widersprüche
zum Kerngeschehen aufwiesen und dazu nichts würden beitragen können, ansonsten
ihn aber eher zu entlasten vermöchten, sei unzulässig und gesetzeswidrig. Die
Vorinstanz verletze die Beweiswürdigungsregel in dubio pro reo ganz
offensichtlich krass (Beschwerde S. 17).
Das völlige und vorbehaltlose Ignorieren der Aussagen von D.________ verletze
Art. 6 Abs. 1 und 2 StPO (S. 18 f.). Das Gutachten beschreibe keine
Auffälligkeiten, sondern bezeichne den Beschwerdeführer als sozial kompetent
und prinzipiell in der Lage, Konflikte in angemessener Weise zu lösen. Dieses
stimmige Bild fülle die alkoholbedingten Lücken des Beschwerdeführers aus und
hinterfrage die Behauptungen der Privatklägerin dermassen stark, dass diese
damit eigentlich widerlegt seien (S. 20, 29, 33, 34). Indem D.________ unter
Strafandrohung von Art. 307 StGB erklärt habe, er habe den Beschwerdeführer
"so" sonst nie gesehen, bestätige er das Gutachten. Das "so" müsse sich
zwangsläufig auf Schilderungen der Privatklägerin beziehen (S. 21). Es sei kein
Grund ersichtlich, auf die Verwertung der Aussage von D.________ zu verzichten,
es habe ungefähr 10 Minuten gedauert, bis er überhaupt Lärm von Möbeln gehört
habe. Zeugenaussagen erstellen zu lassen und diese dann je nach Gutdünken,
Verwendungszweck und -tauglichkeit bloss aufgrund eines kleinen nebensächlichen
Widerspruchs gänzlich unbeachtet zu lassen (falls diese zu Gunsten des
Beschuldigten wären) oder zu verwerten (falls diese für eine Verurteilung
tauglich seien), komme einer beispiellosen Behördenwillkür gleich und verletze
elementare Grundsätze der Rechtsstaatlichkeit (S. 23).
Er habe vor der Vorinstanz geltend gemacht, die Privatklägerin habe in den
ersten rund 10 Minuten keinerlei Anzeichen gegeben, in einer bedrängenden
Situation zu sein. Das Gegenteil sei der Fall, "zumal sie nur ein einziges Mal
nur schon etwas laut zu werden gebraucht hätte, und der Schwiegervater wäre mit
Sicherheit nachschauen gegangen (so wie er es getan hat, als er nach rund 10
Minuten erstmals Lärm in diesem so ringhörigen Haus gehört hatte) ". Die offene
Frage, was in den rund 10 Minuten geschehen sei - oder "bloss ungefähr" 10
Minuten wie die Vorinstanz sophistisch sinngemäss zu dieser zentralen Episode
im Urteil erwähne, dürfte zentral sein und sei essenziell bei der Prüfung aller
zur Frage der Tat relevanten Tatsachen. Tatsache sei jedenfalls, dass es in den
ersten mindestens 8, maximal ungefähr 12 Minuten absolut ruhig gewesen sei (S.
25).
Die Aussage der Privatklägerin, er habe sie quasi "unaufhörlich" ins Gesicht
geschlagen, könnten nicht anders qualifiziert werden als als exzessiven
Belastungseifer (S. 30, 34 f.). Der Gutachter habe keine Hinweise auf einen
gewalttätigen, ja geradezu psychopathischen Beschwerdeführer gefunden (S. 31).
"Hat man da noch Worte übrig, wenn ein Gericht die klaren (aber
widersprüchlichen und realitätsfernen und masslos übertriebenen) Behauptungen
einer "Geschädigten" bewusst frisiert, um in schöpferischer Kreation einen
Anschein von Glaubhaftigkeit zu schaffen, um  damiteinen Schuldspruch zu
begründen?" (S. 36 mit Kursivdruck).

2.3. Der Beschwerdeführer beruft sich somit einerseits auf seine Interpretation
einer Aussage von D.________, "so" habe er ihn sonst nie gesehen, verknüpft
diese mit dem gutachterlichen Hinweis auf seine Sozialkompetenz und folgert,
dieses stimmige Bild fülle seine "alkoholbedingten Lücken" im Aussageverhalten
aus. Er stützt sich weiter auf die "essenzielle" Aussage, es habe ungefähr 10
Minuten gedauert, bis D.________ überhaupt Lärm von Möbeln gehört habe. Ferner
qualifiziert er eine Aussage der Privatklägerin, er habe sie "quasi
unaufhörlich" ins Gesicht geschlagen, als exzessiven Belastungseifer.
Andererseits anerkennt er, dass sich das Kerngeschehen - wenn überhaupt -
gestützt auf die Aussagen der Privatklägerin rechtsgenügend erstellen lässt
(oben E. 2.2).

2.4. D.________ sagte wiederholt aus, dass sich die Privatklägerin gegen den
Beschwerdeführer gewehrt hatte (Urteil S. 13 und 14). Die Bardame und Kollegin
der Privatklägerin, E.________, hatte als Auskunftsperson erklärt, sie sei von
der Privatklägerin telefonisch herbeigerufen worden. In der Bar angekommen,
habe ihr D.________ gesagt, der Beschwerdeführer habe versucht, die
Privatklägerin zu vergewaltigen. Die Privatklägerin sei aus einer Seitengasse
gekommen, wo sie sich versteckt hatte, habe geweint und Angst gehabt. Sie habe
eine Beule auf der Stirn gehabt und ganz anders ausgesehen als zuvor, als sie
(E.________) die Bar verlassen hatte. Sie habe immer wieder gesagt: "Schau, was
er mir angetan hat, er hat mich geschlagen." Sie bestätigte diese Aussagen als
Zeugin an der Hauptverhandlung (Urteil S. 15). Nach dem Beschwerdeführer kam es
"zu ein paar Schlägen" (Urteil S. 21).

2.5. Die Vorinstanz prüft die Glaubhaftigkeit der involvierten Personen. Die
Angaben des Beschwerdeführers zu einer Aussage von E.________, welche eine
frühere, versuchte Annäherung des "total besoffenen" Beschwerdeführers erwähnt
hatte, seien nicht glaubhaft (Urteil S. 23). Bei der Prüfung der
Glaubhaftigkeit der Privatklägerin stellt die Vorinstanz fest, für eine
Absprache mit D.________ gebe es keine Hinweise. Bei der
Konfrontationseinvernahme habe sie authentisch gewirkt, sei den Fragen nicht
ausgewichen, und ein Belastungseifer sei nicht erkennbar gewesen. Ihre Aussagen
seien als glaubhaft einzustufen (Urteil S. 26). Beim Beschwerdeführer müsse
davon ausgegangen werden, dass er sich im Nachhinein Erklärungen zurecht gelegt
habe, die der Folgerichtigkeit und Logik entbehrten. Er habe weder die
sexuellen Handlungen noch die angewendete Gewalt bestritten. Für den Übergang
vom (behaupteten) einvernehmlichen Sex zur Gewalt habe er keine plausible
Erklärung abgeben können. Sein Aussageverhalten müsse als unglaubhaft
bezeichnet werden (Urteil S. 28).

2.6. Die Aussagen von D.________, die Privatklägerin habe ihm gesagt, als er in
die Wohnung gekommen sei, der Beschwerdeführer habe sie vergewaltigen wollen,
sei wenig glaubhaft. Er habe dies vor der ersten Instanz als Zeuge nicht
bestätigt. Auch auf weitere widersprüchliche Aussagen könne nicht abgestellt
werden, insbesondere nicht auf die von der Verteidigung bei der Neubeurteilung
ins Zentrum gerückte und von D.________ selbst relativierte Angabe, er habe
"nach ca. 10 Minuten oder weniger" oben einen Lärm gehört. Der Beschwerdeführer
könne daraus nicht ableiten, dass zu Folge 10 Minuten Ruhe "von oben" in seiner
Wohnung zwingend einvernehmlicher Sex stattgefunden haben müsse (Urteil S. 29,
31).
Die Folgerung, aus der Wahrnehmung von Lärm nach einer gewissen Zeit könne
nicht auf vorangehenden "einvernehmlichen Sex" geschlossen werden, erscheint
nicht als willkürlich. D.________ wurde jedenfalls durch den Lärm veranlasst,
in der Wohnung über der Bar nachzusehen. Seine nicht verwertbaren Aussagen
würden sich im Übrigen alles andere als entlastend für den Beschwerdeführer
auswirken (auch oben E. 2.4).

2.7. Die Vorinstanz beurteilt zahlreiche Einwände der Verteidigung (Urteil S.
29 ff.) : so u.a. die Befragung von C.________ sowie einen fraglichen Brief
(oben Bst. B.c); weiter die selektiv zitierten Passagen des Gutachtens, das
nicht im Widerspruch zu den Deliktsvorwürfen stehe (Urteil S. 33 f.); den
Hinweis der Privatklägerin, dass es nicht gut wäre, wenn ihre Familie von dem
Geschehen erfahre; den Verkauf der "Story" durch die Privatklägerin an eine
Zeitung; ferner werde dem Beschwerdeführer nach dem Anklagesachverhalt gar
nicht vorgeworfen, er habe die Privatklägerin gewaltsam in die Wohnung über der
Bar gezwungen (Urteil S. 35); entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers
hätte sich die Privatklägerin auch nicht mühelos entfernen können (Urteil S.
36); ein schwerwiegendes Verletzungsbild habe ausbleiben können, jedoch habe
auch E.________ eine äusserlich veränderte Privatklägerin wahrgenommen (Urteil
S. 37; vgl. oben E. 2.4). Die Vorinstanz beurteilt die Aussagen des
Beschwerdeführers als unglaubhaft (Urteil S. 38).

2.8. Es ist entgegen den Vorwürfen des Beschwerdeführers (oben E. 1 und E. 2)
nicht ersichtlich, dass die Vorinstanz Verfahrens- und Verteidigungsrechte
verletzt hätte. Sie stellt letztlich auf die Aussagen der Privatklägerin ab
(Urteil S. 38), setzt sich aber ebenso mit den Vorbringen des Beschwerdeführers
vertieft auseinander. Eine unhaltbare Würdigung lässt sich nicht feststellen.
Es lässt sich nicht annehmen, dass die Vorinstanz Sinn und Tragweite eines
Beweismittels offensichtlich verkannt oder auf der Grundlage der festgestellten
Tatsachen unhaltbare Schlüsse gezogen hätte. Dass diese nicht mit der
Darstellung des Beschwerdeführers übereinstimmen, belegt keine Willkür (BGE 140
III 264 E. 2.3 S. 266). Die Beschwerdeführung erscheint als weitgehend
appellatorisch.

3.
Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz verletze Art. 189 und Art. 190 StGB,
indem sie ohne jeglichen Beweis und nur aufgrund widersprüchlicher, ja teils
unverwertbarer Aussagen der Privatklägerin von einer regelrechten Nötigung im
Sinne der erwähnten Gesetzesartikel ausgehe (Beschwerde S. 14).
Nach dem massgebenden Sachverhalt (Art. 105 Abs. 1 BGG) schlug der
Beschwerdeführer der Privatklägerin zunächst mehrmals mit seiner Faust und der
flachen Hand ins Gesicht. Sie wehrte sich erfolglos, erhielt weitere Schläge
und nahm deshalb kurz den Penis in den Mund. Die Vorinstanz nimmt zutreffend
an, damit sei die Gewaltintensität der sexuellen Nötigung zum Oralverkehr
gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB gegeben (Urteil S. 39). Im Zeitpunkt sodann, als
D.________ das Schlafzimmer (infolge ihres Schreiens) betrat, lag die
Privatklägerin mit heruntergezogenen Hosen auf dem Bett. Der Beschwerdeführer
hatte (nachdem er sie bereits im Eingangsbereich der Wohnung und im Badezimmer
geschlagen und anschliessend ins Schlafzimmer gezerrt hatte; Urteil S. 31) in
dieser Situation schon mehrmals brachiale Gewalt angewendet und damit das
Nötigungsmittel bereits eingesetzt. Die Vorinstanz schliesst zu Recht (BGE 99
IV 151 E. 1 S. 154), damit habe er die Schwelle zur versuchten Vergewaltigung
gemäss Art. 190 Abs. 1 StGB überschritten (Urteil S. 40).

4.
Auf die übrigen Rechtsbegehren, die hinsichtlich einer Gutheissung der
Beschwerde gestellt (vgl. Beschwerde S. 40) und nicht weiter begründet sind
(Art. 42 Abs. 2 BGG), ist nicht einzutreten.

5.
Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann. Das
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ist teilweise gutzuheissen und im Übrigen
abzuweisen. Der Beschwerdeführer ist insoweit aus der Gerichtskasse zu
entschädigen (Art. 64 Abs. 2 BGG) und hat im Übrigen die Gerichtskosten zu
tragen, die angesichts seiner finanziellen Lage herabzusetzen sind (Art. 66
Abs. 1 i.V.m. Art. 65 Abs. 2 BGG). Die Parteientschädigung ist praxisgemäss
seinem Rechtsvertreter auszurichten.

 Demnach erkennt das Bundesgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2. 
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird teilweise gutgeheissen und im
Übrigen abgewiesen.

3. 
Die Gerichtskosten von Fr. 800.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

4. 
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt Stefan Ioli, wird aus
der Bundesgerichtskasse mit Fr. 1'500.-- entschädigt.

5. 
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Solothurn,
Strafkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 10. Februar 2016

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Denys

Der Gerichtsschreiber: Briw

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