Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.96/2015
Zurück zum Index Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 2015
Retour à l'indice Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 2015


Wichtiger Hinweis:
Diese Website wird in älteren Versionen von Netscape ohne graphische Elemente
dargestellt. Die Funktionalität der Website ist aber trotzdem gewährleistet.
Wenn Sie diese Website regelmässig benutzen, empfehlen wir Ihnen, auf Ihrem
Computer einen aktuellen Browser zu installieren.
Zurück zur Einstiegsseite Drucken
                                                               Grössere Schrift

Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

[8frIR2ALAGK1]     
{T 0/2}
                   
6B_96/2015

Urteil vom 20. August 2015

Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Denys, Präsident,
Bundesrichter Rüedi, Bundesrichterin Jametti,
Gerichtsschreiber Moses.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Beat Hess,
Beschwerdeführer,

gegen

1. Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Luzern, Postfach 3439, 6002 Luzern,
2. Y._______,
Beschwerdegegnerinnen.

Gegenstand
Schändung (Art. 191 StGB),

Beschwerde gegen das Urteil des Kantonsgerichts Luzern, 2. Abteilung, vom 1.
Oktober 2014.

Sachverhalt:

A. 
X.________ wird vorgeworfen, er habe Y.________ beigewohnt, obwohl er ihre
Widerstandsunfähigkeit erkannt habe. Das Kriminalgericht Luzern erklärte
X.________ am 6. Dezember 2013 der Schändung schuldig. Es bestrafte ihn mit
einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 6 Monaten. Auf Berufung
von X.________ bestätigte das Kantonsgericht Luzern dieses Urteil am 1. Oktober
2014.
Das Kantonsgericht hält zusammenfassend fest, dass X.________ mit Y.________ in
den Ausgang ging. Es sei geplant gewesen, dass Letztere bei ihm auf dem Sofa
übernachten würde. Nach reichlichem Alkoholkonsum habe sich der Zustand von
Y.________ aus nicht endgültig geklärten Gründen rapid verschlechtert, so dass
der gemeinsame Heimweg zu einer langwierigen und mühsamen Angelegenheit wurde.
X.________ habe Y.________ sogar in die Wohnung tragen und ihr beim Ausziehen
helfen müssen. In der Folge habe er an ihr Vaginal- und Analverkehr verübt.
Y.________ sei es aufgrund ihres Zustandes nicht mehr möglich gewesen, sich
einen freien Willen für oder gegen sexuelle Handlungen zu bilden bzw. einen
solchen kundzutun und sich dagegen zu wehren. X.________ sei darüber im Klaren
gewesen.

B. 
X.________ führt Beschwerde in Strafsachen. Er beantragt, er sei vom Vorwurf
der Schändung freizusprechen. Er ersucht um unentgeltliche Rechtspflege und
Verbeiständung.

Erwägungen:

1. 
Der Beschwerdeführer bringt vor, die Beschwerdegegnerin 2 habe vor dem
Tatgeschehen in zwei Lokalen den Kontakt mit Männern gesucht. Dies sei ein
Indiz dafür, dass sie an diesem Abend Intimitäten nicht abgeneigt und für
sexuelle Kontakte empfänglich war. Die Vorinstanz habe dies zu Unrecht ausser
Acht gelassen.
Dass die Beschwerdegegnerin 2 den Kontakt mit Männern gesucht haben soll, ist
hinsichtlich der Frage, ob sie zum (späteren) Tatzeitpunkt widerstandsunfähig
war, ohne Bedeutung. Die Vorinstanz musste sich damit nicht auseinandersetzen
und verletzt den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör nicht.
Die Rüge ist unbegründet.

2.

2.1. Der Beschwerdeführer rügt eine willkürliche Beweiswürdigung. Er
bestreitet, mit der Beschwerdegegnerin 2 sexuellen Kontakt gehabt zu haben bzw.
ihre Widerstandsunfähigkeit erkannt zu haben.

2.2. Die Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz kann vor Bundesgericht nur
gerügt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer
Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht und wenn die Behebung des
Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1
BGG). Offensichtlich unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn sie
willkürlich ist (BGE 137 III 226 E. 4.2 mit Hinweisen). Willkür liegt vor, wenn
der angefochtene Entscheid offensichtlich unhaltbar ist oder mit der
tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht. Dass eine andere Lösung
oder Würdigung ebenfalls vertretbar oder gar zutreffender erscheint, genügt für
die Annahme von Willkür nicht (BGE 138 I 305 E. 4.3 mit Hinweisen). Dem
Grundsatz in dubio pro reo kommt in seiner Funktion als Beweiswürdigungsregel
im Verfahren vor dem Bundesgericht keine über das Willkürverbot von Art. 9 BV
hinausgehende Bedeutung zu (BGE 127 I 38 E. 2a mit Hinweisen). Eine
entsprechende Rüge muss klar vorgebracht und substanziiert begründet werden
(Art. 42 Abs. 2 und Art. 106 Abs. 2 BGG; BGE 137 IV 1 E. 4.2.3; 136 I 65 E.
1.3.1; je mit Hinweisen). Auf eine rein appellatorische Kritik am angefochtenen
Urteil tritt das Bundesgericht nicht ein (BGE 140 III 264 E. 2.3 mit
Hinweisen).

2.3. Die Einwände des Beschwerdeführers zur vorinstanzlichen
Sachverhaltsfeststellung erschöpfen sich weitgehend in appellatorischer Kritik,
worauf nicht einzutreten ist. Soweit er geltend macht, er habe den Zustand der
Beschwerdegegnerin 2 aufgrund ihres Alkoholkonsums beurteilen dürfen, und
dieser sei nicht geeignet gewesen, den Wegfall der Urteils- und
Widerstandsfähigkeit herbeizuführen, ist die Rüge unbegründet. Die Vorinstanz
erwägt diesbezüglich, dass - neben der Alkoholisierung - auch die Tatsache,
dass die Beschwerdegegnerin 2 auf dem Heimweg mehrfach hingefallen sei, sich
überschlagen habe oder sich an urinverschmutzen Orten auf den Boden gesetzt
habe wie auch, dass sie in der Wohnung geweint und geschrien haben soll, dafür
sprechen, dass sie offensichtlich nicht mehr wusste, was sie tat (Urteil, S.
16). Diese Schlussfolgerung ist nicht willkürlich. Ebenso wenig verfällt die
Vorinstanz in Willkür, wenn sie annimmt, dies sei für den Beschwerdeführer
erkennbar gewesen. Die Vorinstanz musste nicht erforschen, was die Ursache des
- offensichtlichen - Zustands der Beschwerdegegnerin 2 war.

3. 
Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann. Die
Kosten sind dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1
BGG). Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung ist
abzuweisen, weil die Beschwerde von vornherein aussichtslos war. Der
finanziellen Lage des Beschwerdeführers ist mit herabgesetzten Gerichtskosten
Rechnung zu tragen (Art. 65 Abs. 2 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2. 
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung wird abgewiesen.

3. 
Die Gerichtskosten von Fr. 800.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

4. 
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht Luzern, 2. Abteilung,
schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 20. August 2015
Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Denys

Der Gerichtsschreiber: Moses

Navigation

Neue Suche

ähnliche Leitentscheide suchen
ähnliche Urteile ab 2000 suchen

Drucken nach oben