Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.988/2015
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

[8frIR2ALAGK1]     
{T 0/2}
                   
6B_988/2015

Urteil vom 8. August 2016

Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Denys, Präsident,
Bundesrichterin Jacquemoud-Rossari,
Bundesrichter Oberholzer, Rüedi,
Bundesrichterin Jametti,
Gerichtsschreiber Held.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
vertreten durch Herren Thomas Fingerhuth und Dr. Stephan Schlegel,
Rechtsanwälte,
Beschwerdeführer,

gegen

1. Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau,
Frey-Herosé-Strasse 20, Wielandhaus, 5001 Aarau,
2. SVA Aargau,
3. A.________ AG,
Beschwerdegegnerinnen.

Gegenstand
Gewerbsmässiger Betrug, Urkundenfälschung; Strafzumessung,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau, Strafgericht,
1. Kammer, vom 13. August 2015.

Sachverhalt:

A.
Die Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau wirft X.________ vor, ab 2000 bis
Dezember 2011 die Sozialversicherungsanstalt Aargau (SVA Aargau) und seine
Unfallversicherung über seine tatsächliche Arbeitsfähigkeit sowie Art und
Umfang seiner Arbeitstätigkeit getäuscht und dadurch unrechtmässige
Geldleistungen (Invalidenrente, Integritätsentschädigung und Taggeld) in Höhe
von Fr. 697'590.- erlangt zu haben. Zudem habe X.________ im Mai 2004 eine
Kranken- und Taggeldversicherung bei der A.________ AG abgeschlossen und
hierbei wahrheitswidrig angegeben, voll arbeitsfähig zu sein und einen
Monatslohn von Fr. 12'000.- zu erzielen. Ab dem 20. November 2006 habe er der
A.________ AG mittels falscher ärztlicher Atteste seine vollständige
Arbeitsunfähigkeit angezeigt und bis zum 9. Mai 2008 Krankentaggeld in Höhe von
Fr. 154'828.- zu Unrecht bezogen.
Am 15. März 2007 soll X.________ an einem Postschalter Fr. 550'000.- in bar an
die Bank B.________ überwiesen und auf dem von ihm unterschriebenen Formular A1
wahrheitswidrig angegeben haben, alleiniger wirtschaftlich Berechtigter des
Geldes zu sein, um die Transaktion durchführen zu können.

B.
Das Bezirksgericht Bremgarten verurteilte X.________ am 4. Dezember 2014 wegen
gewerbsmässigen Betrugs und Urkundenfälschung zu einer Freiheitsstrafe von vier
Jahren und stellte fest, dass er der A.________ AG wegen zu Unrecht bezogener
Taggelder schadenersatzplfichtig sei, und verwies deren Forderungen auf den
Zivilweg.
Die von X.________ erhobene Berufung hiess das Obergericht des Kantons Aargau
am 13. August 2015 teilweise gut. Es stellte das Strafverfahren hinsichtlich
der vor dem 28. September 2001 begangenen (allfälligen) Betrugshandlungen
infolge Verjährung ein. Im Übrigen wies es die Berufung ab.

C.
X.________ führt Beschwerde in Strafsachen und beantragt, in Gutheissung der
vorliegenden Beschwerde sei das Urteil des Obergerichts aufzuheben und die
Sache zur Neuentscheidung unter Beachtung der Rechtsauffassung des
Bundesgerichts an die Vorinstanz zurückzuweisen.

D.
Das Obergericht verzichtet auf eine Vernehmlassung. Die Oberstaatsanwaltschaft
des Kantons Aargau beantragt, die Beschwerde abzuweisen. Die SVA Aargau stellt
keinen Antrag. Auf die Einholung einer Vernehmlassung der A.________ AG wurde
verzichtet.

Erwägungen:

1.

1.1. Der Beschwerdeführer verlangt sinngemäss eine Berichtigung des
Urteilsdispositivs. Der vollumfängliche Freispruch im Anklagepunkt 1 vom
Vorwurf des (gewerbsmässigen) Betrugs zu Lasten der C.________ AG komme im
Urteilsdispositiv nicht zum Ausdruck.

1.2. Die Vorinstanz erwägt, soweit der Beschwerdeführer erstinstanzlich für
Handlungen verurteilt wurde, die er vor dem 28. September 2001 begangen haben
soll, sei das Verfahren zufolge Eintritts der Verjährung einzustellen. Für den
Zeitraum von 2000 bis 2010 liessen sich aufgrund der Akten zudem weder aus
medizinischer noch aus juristischer Sicht zuverlässige Aussagen treffen, dass
der Beschwerdeführer gegenüber den ihn damals begutachtenden Ärzten
hinsichtlich seiner Schmerzen falsche Angaben gemacht bzw. solche in einem
nicht vorhandenen Ausmass vorgetäuscht habe. Mangels einer Diskrepanz zwischen
den jeweiligen Angaben des Beschwerdeführers und seinem subjektiven Befinden
fehle es bereits an einer tatbestandlichen Täuschung im Sinne von Art. 146
StGB. Die teilweise Gutheissung der Berufung (Freispruch vom [gewerbsmässigen]
Betrug bis zur Rentenrevision Ende April 2004) wirke sich jedoch nicht auf das
vorinstanzliche Urteilsdispositiv aus, da der Beschwerdeführer nach wie vor des
gewerbsmässigen Betruges nach Art. 146 Abs. 2 StGB schuldig zu sprechen sei.

1.3. Der Urteilsspruch muss den durch die zugelassene Anklage vorgegebenen
Prozessgegenstand erschöpfend erledigen. Ob dies der Fall ist, beurteilt sich
anhand eines Vergleichs zwischen Dispositiv und zugelassener Anklage. Wird
diese durch die Verurteilung nicht ausgeschöpft, hat eine Einstellung oder ein
Freispruch zu ergehen.
Kein Freispruch hat zu erfolgen, wenn im Falle von  Tateinheit (in der Anklage)
nicht wegen aller Delikte eine Verurteilung erfolgt. Das Urteil kann bei ein
und derselben Tat nur einheitlich auf Verurteilung oder Freispruch lauten.
Würdigt das Gericht den Anklagesachverhalt lediglich rechtlich anders als die
Anklagebehörde und behandelt diesen vollständig, erfolgt kein Freispruch; dies
gilt auch bei Eventual- und Alternativanklagen, die nicht zu einer Verurteilung
führen (NIKLAUS SCHMID, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 2.
Aufl. 2013, N. 2 zu Art. 351 StPO; OLIVIER JORNOT, in: Commentaire romand, Code
de procédure pénal Suisse, 2011, N. 2 zu Art. 351 StPO). Ein Freispruch (aus
Billigkeitsgründen) kann geboten sein, wenn die Annahme von Tateinheit
offensichtlich fehlerhaft war, und eine Tat nicht erwiesen ist.
Wird hingegen nicht wegen aller Delikte verurteilt, die nach Auffassung der
Anklage in  Tatmehrheit begangen worden sein sollen, muss - soweit es nicht zur
Verurteilung oder einer Einstellung kommt - ein Freispruch erfolgen, um die
Anklage erschöpfend zu behandeln. Dies gilt auch dann, wenn das Gericht das
Konkurrenzverhältnis anders beurteilt als in der Anklage dargestellt und der
Meinung ist, dass bei zutreffender rechtlicher Würdigung Tateinheit vorliegt.
Beim Wegfall tatmehrheitlich angeklagter Delikte aufgrund der Annahme einer
(rechtlichen) Bewertungseinheit ist der Angeklagte hingegen auch bei einem
Schuldspruch wegen einfacher Tatbegehung nicht freizusprechen, wenn sich die
weggefallenen materiell-rechtlich selbständigen Taten als Bestandteil der Tat
erweisen, derentwegen eine Verurteilung erfolgt. Denn in einem solchen Fall
wird der gesamte Verfahrensgegenstand durch die Verurteilung erschöpfend
erledigt. Ein Teilfreispruch hat hingegen zu ergehen, wenn eine oder mehrere
der angeklagten Taten nicht erwiesen sind und somit nicht Bestandteil der durch
die Verurteilung zu einer Bewertungseinheit zusammengefassten Taten sind.

1.4. Die Rüge erweist sich als begründet. Die Anklage beschreibt im
Anklagepunkt 1 mehrere selbstständige Tathandlungen, durch die der
Beschwerdeführer die SVA Aargau und seine Unfallversicherung getäuscht und zu
Vermögensdispositionen veranlasst haben soll, auf die er keinen Anspruch gehabt
habe. Dass auch die Vorinstanz hinsichtlich Anklageziffer 1 von mehreren
angeklagten Betrugshandlungen ausgeht, ergibt sich aufgrund der Teileinstellung
wegen Verjährung. Eine solche wäre bei einem einheitlichen Lebensvorgang nicht
möglich (vgl. 6B_653/2013 vom 20. März 2014 E. 3.2). Da die Vorinstanz jedoch
nicht alle angeklagten Handlungen als Betrug wertet, können diese auch nicht
durch die rechtliche Bewertungseinheit des gewerbsmässigen Betruges erfasst
werden. Der Beschwerdeführer ist insoweit mangels Verurteilung freizusprechen.
Dass die Staatsanwaltschaft die tatmehrheitlich begangenen Taten unter einer
Anklageziffer sowie materiell-rechtlich zu einer Bewertungseinheit
zusammenfasst, rechtfertigt es entgegen der bisherigen bundesgerichtlichen
Rechtsprechung nicht, auf einen formellen Freispruch zu verzichten, sofern das
Kollektivdelikt noch erfüllt ist (vgl. Urteile 6B_669/2013 vom 13. November
2013 E. 2.4; 6P.23/2000 vom 31. Juli 2000 E. 1f/aa). Auch bei einer
zusammengefassten Darstellung in Tatmehrheit angeklagter Handlungen unter einer
Anklageziffer ist das Gericht verpflichtet, die Anklagepunkte erschöpfend zu
behandeln. Es hat die angeklagten Taten als Lebenssachverhalte und nicht als
Anklageziffern oder Straftatbestände zu beurteilen.
Hinsichtlich der formellen Anforderungen an das Dispositiv des in der Sache
ergehenden neuen Berufungsurteils wird auf Art. 81 i.V.m. Art. 408 StPO
verwiesen und die hierzu ergangene bundesgerichtliche Rechtsprechung nochmals
in Erinnerung gerufen (vgl. hierzu: Urteile 6B_519/2015 vom 25. Januar 2016 E.
2; 6B_811/2015 vom 13. Januar 2016 E. 3; je mit Hinweisen).

2.

2.1. Der Beschwerdeführer wendet sich gegen den Schuldspruch wegen
(gewerbsmässigen) Betruges zum Nachteil der SVA Aargau ab 2004. Die Vorinstanz
argumentiere widersprüchlich, wenn sie einerseits bis 2004 ein arglistiges
Verhalten des Beschwerdeführers verneine, andererseits ein arglistiges
Verhalten aufgrund der in den Revisionsfragebögen 2004 und 2007 verschwiegenen
angeblichen Tätigkeiten bejahe. Die vom Beschwerdeführer im Rahmen der
Rentenrevisionen gemachten Angaben seien von der SVA Aargau lediglich
entgegengenommen und nicht einmal oberflächlich anhand des IV-Dossiers
überprüft worden. Die SVA Aargau habe leichtfertig gehandelt, denn die
(angeblich) falschen Angaben hätte wie bereits zuvor erkannt werden können. Ein
arglistiges Verhalten sei zu verneinen.

2.2. Die Vorinstanz erwägt zusammengefasst, das von der D.________ Klinik 2002
erstellte Gutachten gehe von einer Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers von
66,6 % unter Ausschluss schwerer körperlicher Tätigkeiten aus. Das
bidisziplinäre Gutachten Rheumatologie/Psychiatrie des Sachverständigen Dr.
med. E.________ vom 8. November 2013 gelange in Kenntnis sämtlicher (Straf-)
Akten ebenfalls zum Schluss, dass Tätigkeiten mit Ganzkörpereinsatz (bezogen
auf Kraft und Beweglichkeit) analog den Betätigungen als Gärtner/Gartenbauer
vom Beschwerdeführer nicht ausgeübt werden könnten. Verweistätigkeiten und
leichten Tätigkeiten mit Positionswechseln könne der Beschwerdeführer hingegen
nachgehen. Spätestens seit den Observationen im November 2010 sei belegt, dass
beim Beschwerdeführer eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 80 % vorliege. Für
weiter zurückliegende Zeiträume (2000 bis zur Observation im Herbst 2010)
liessen sich hingegen keine zuverlässigen Aussagen (zum Umfang der
Arbeitsfähigkeit) treffen. Weder aus medizinischer noch aus juristischer Sicht
sei erstellt, dass der Beschwerdeführer im Zeitraum 2000 - 2010 über seine
(subjektiv empfundenen) Schmerzen und seine Arbeitsfähigkeit getäuscht habe,
weshalb es bereits an einer tatbestandsmässigen Täuschung im Sinne von Art. 146
StGB fehle. Zudem fehle es hinsichtlich eines Betrugs zum Nachteil der
Beschwerdegegnerin 2 (IV-Rente) bis 2004 auch an der Arglist. Die
Beschwerdegegnerin 2 sei am 10. Juli 2002 schriftlich darüber informiert
worden, dass der Beschwerdeführer einer Privatperson ein günstiges Angebot für
Gartenarbeiten unterbreitet und die gute Offerte damit erklärt habe, er erwarte
eine grössere Zahlung der IV-Stelle. Die Beschwerdegegnerin 2 habe auf das
Schreiben nicht reagiert, sondern dieses einfach abgelegt, weshalb ihr in Bezug
auf eine allfällige Täuschung des Beschwerdeführers über seinen
Gesundheitszustand eine die Arglist ausschliessende Opfermitverantwortung
vorzuwerfen sei.
Die Vorinstanz führt aus, der Beschwerdeführer habe im Rahmen der
Rentenrevisionen 2004 und 2007 seine umfangreiche Arbeitstätigkeit
verschwiegen. Die Täuschung sei arglistig. Der Beschwerdegegnerin 2 könne der
Verzicht auf eine eingehende Kontrolle aufgrund der grossen Anzahl von
IV-Fällen nicht vorgeworfen werden, denn die Unterlagen des Beschwerdeführers
hätten keine Hinweise auf Falschangaben enthalten. Zwar hätte die
Beschwerdegegnerin 2 im Juli 2002 infolge der ihr gemeldeten Arbeitstätigkeit
des Beschwerdeführers weitere Abklärungen treffen müssen, jedoch sei der
Beschwerdeführer anlässlich der Rentenrevisionen 2004 und 2007 verpflichtet
gewesen, aktuelle Angaben über seine gesundheitliche und berufliche Situation
zu machen. Die ursprüngliche Untätigkeit der Beschwerdegegnerin 2 führe
hinsichtlich der neuen Angaben und aufgrund des erheblichen Zeitablaufs seit
der Meldung seiner Arbeitstätigkeit nicht zu einer die Arglist ausschliessenden
Opfermitverantwortung. Der Beschwerdeführer habe eine zu hohe IV-Rente bezogen.
Wären die Fakten und insbesondere die tatsächlichen Tätigkeiten des
Beschwerdeführers bereits im Mai 2004 bekannt gewesen, wäre die
Arbeitsunfähigkeit von der SVA nach unten korrigiert worden.

2.3. Gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB macht sich des Betrugs schuldig, wer in der
Absicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch
Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig irreführt oder ihn in
einem Irrtum arglistig bestärkt und so den Irrenden zu einem Verhalten
bestimmt, wodurch dieser sich selbst oder einen andern am Vermögen schädigt.
Die Erfüllung des Tatbestands erfordert eine arglistige Täuschung.
Betrügerisches Verhalten ist strafrechtlich nur relevant, wenn der Täter mit
einer gewissen Raffinesse oder Durchtriebenheit täuscht. Arglist ist nach
ständiger Rechtsprechung gegeben, wenn der Täter ein ganzes Lügengebäude
errichtet oder sich besonderer Machenschaften oder Kniffe bedient. Bei
einfachen falschen Angaben ist das Merkmal erfüllt, wenn deren Überprüfung
nicht oder nur mit besonderer Mühe möglich oder nicht zumutbar ist, sowie dann,
wenn der Täter den Getäuschten von der möglichen Überprüfung abhält oder nach
den Umständen voraussieht, dass dieser die Überprüfung der Angaben aufgrund
eines besonderen Vertrauensverhältnisses unterlassen werde (BGE 140 IV 11 E.
2.3.3; 135 IV 76 E. 5.2 S. 81 f. mit Hinweisen; Urteil 6B_887/2015 vom 8. März
2016 E. 2.2.2, zur Publ. vorgesehen; je mit Hinweisen).
Mit dem Tatbestandsmerkmal der Arglist verleiht das Gesetz dem Gesichtspunkt
der Opfermitverantwortung wesentliche Bedeutung. Arglist scheidet aus, wenn der
Getäuschte den Irrtum mit einem Mindestmass an Aufmerksamkeit hätte vermeiden
können. Dabei sind die jeweilige Lage und die Schutzbedürftigkeit des
Betroffenen im Einzelfall entscheidend. Die Überprüfbarkeit der Angaben ist
nach der neueren Rechtsprechung auch bei Lügengebäuden und besonderen
Machenschaften und Kniffen von Bedeutung. Auch unter dem Gesichtspunkt der
Opfermitverantwortung erfordert die Erfüllung des Tatbestands indes nicht, dass
das Täuschungsopfer die grösstmögliche Sorgfalt walten lässt und alle
erdenklichen Vorkehren trifft. Arglist scheidet lediglich aus, wenn es die
grundlegendsten Vorsichtsmassnahmen nicht beachtet. Entsprechend entfällt der
strafrechtliche Schutz nicht bei jeder Fahrlässigkeit des Getäuschten, sondern
nur bei Leichtfertigkeit, welche das betrügerische Verhalten des Täters in den
Hintergrund treten lässt. Die zum Ausschluss der Strafbarkeit des Täuschenden
führende Opferverantwortung kann nur in Ausnahmefällen bejaht werden (zum
Ganzen: 135 IV 76 E. 5.2 S. 81 f; Urteil 6B_887/2015 vom 8. März 2016 E. 2.2,
zur Publ. vorgesehen; je mit Hinweisen).

Nach der im Bereich der Sozialhilfe ergangenen Rechtsprechung, die auch im
Sozialversicherungsrecht Anwendung findet, handelt eine Behörde leichtfertig,
wenn sie eingereichte Belege nicht prüft oder es unterlässt, die um Sozialhilfe
ersuchende Person aufzufordern, die für die Abklärung der Einkommens- und
Vermögensverhältnisse relevanten Unterlagen einzureichen. Leichtfertigkeit wird
namentlich angenommen, wenn die Behörde den Gesuchsteller nicht zu den von ihm
vorgetragenen widersprüchlichen Angaben befragt (Urteil 6B_125/2012 vom 28.
Juni 2012 E. 5.3.3 mit Hinweisen).

2.4.

2.4.1. Der Schuldspruch wegen (gewerbsmässigen) Betrugs aufgrund zu Unrecht
bezogener IV-Leistungen von 2004 bis Oktober 2010 verletzt Bundesrecht. Die
vorinstanzlichen Erwägungen sind sowohl in tatsächlicher als auch rechtlicher
Hinsicht in sich widersprüchlich. Die Vorinstanz verneint bis zur Rentenreform
2004 eine tatbestandsmässige Täuschung im Sinne von Art. 146 StGB, da weder aus
medizinischer noch aus juristischer Sicht erstellt ist, dass der
Beschwerdeführer im Zeitraum 2000 - 2010 über seine (subjektiv empfundenen)
Schmerzen und seine Arbeitsfähigkeit getäuscht hat. Ist mit der Vorinstanz
somit mangels verlässlicher Angaben bis 2010 von einer Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers im Umfang von 66 % auszugehen, ist nicht ersichtlich,
inwieweit die Beschwerdegegnerin 2 dessen Arbeitsunfähigkeit anlässlich der
Rentenreformen 2004 und 2007 hätte nach unten korrigieren können. Die
Beschwerdegegnerin 2 führt in ihrer Vernehmlassung aus, für das IV-Verfahren
sei unbeachtlich, ob der Versicherte eine festgestellte Restarbeitsfähigkeit
nutzt oder nicht, weshalb einer allfälligen Täuschung des Beschwerdeführers
über Art und Umfang seiner tatsächlichen Arbeitstätigkeit im Rahmen der
verbindlich festgestellten Leistungsfähigkeit von 66 % keine Bedeutung zukommt.
Dass die vom Beschwerdeführer anlässlich der Rentenrevisionen gemachten Angaben
nachweislich falsch seien, da es zahlreiche Hinweise auf eine vollständige und
auch körperlich anspruchsvolle Arbeitstätigkeit zwischen 2004 und 2011 gebe,
ist mit den vorstehenden Sachverhaltsfeststellungen und den beiden
Sachverständigengutachten nicht in Einklang zu bringen. Dass der
Beschwerdeführer einerseits im Zeitraum 2000 - 2010 Ärzte und Gutachter nicht
über seine (subjektiv empfundenen) Schmerzen und seine Arbeitsfähigkeit
getäuscht haben und nur im Umfang von 66 % zu leichten Tätigkeiten fähig
gewesen sein soll, andererseits aber zwischen 2004 und 2011 bei körperlich
anstrengenden Tätigkeiten voll berufstätig gewesen sein soll, schliesst sich
gegenseitig aus. Auf eine Rückweisung zur Verbesserung an die Vorinstanz gemäss
Art. 112 Abs. 3 BGG kann vorliegend verzichtet werden, da ein Schuldspruch
wegen (gewerbsmässigen) Betruges zu Lasten der Beschwerdegegnerin 2 unabhängig
von den sich widersprechenden Sachverhaltsfeststellungen aus rechtlichen
Gründen ausscheidet.

2.4.2. Ob der Beschwerdegegnerin 2 - wie die Vorinstanz erwägt - aufgrund der
grossen Anzahl von Fällen eine Überprüfung aller zu bearbeitender Dossiers (im
Einzelnen) nicht möglich ist, kann offenbleiben. Nicht gefolgt werden kann der
Vorinstanz, dass für die Beschwerdegegnerin 2 im Rahmen der Rentenrevisionen
aufgrund des Zeitablaufs seit der Mitteilung der beruflichen Tätigkeiten des
Beschwerdeführers keine Überprüfungspflichten hinsichtlich dessen Angaben
bestanden. Über die dem Beschwerdeführer zustehenden Leistungen war im Rahmen
der Rentenrevisionen jeweils neu zu entscheiden. Art und Umfang der dem
Versicherten zustehenden Leistungen ergeben sich aufgrund dessen
Arbeitsunfähigkeit. Massgebend für deren Beurteilung ist der Gesundheitszustand
auf Grundlage der aktenmässig dokumentierten Begutachtungen der beigezogenen
Fachärzte und nicht das subjektive Empfinden und die Einschätzung des
Versicherten. Aufgrund des sich in den Akten befindenden Schreibens lagen nach
wie vor konkrete, stichhaltige Hinweise auf Falschangaben des Beschwerdeführers
vor, der angab, seine gesundheitliche und berufliche Situation habe sich
angeblich nicht verändert. Der Beschwerdegegnerin 2 war es ohne weiteres
möglich und zumutbar, den Beschwerdeführer aufzufordern, Art und Umfang seiner
Tätigkeit offenzulegen, und/oder ggf. eigene Nachforschungen anzustellen. Indem
sie den sich aus den Akten ergebenden Hinweisen auf offensichtliche
Falschangaben nicht nachgegangen ist, hat sie es an dem von der Rechtsprechung
verlangten Mindestmass an Vorsicht, mit dem sie sich hätte schützen können,
fehlen lassen.

3.

3.1. Der Beschwerdeführer rügt hinsichtlich des Schuldspruchs wegen
(gewerbsmässigen) Betrugs zum Nachteil der Beschwerdegegnerin 3 durch Bezug
nicht geschuldeten Krankentaggeldes eine willkürliche Sachverhaltsfeststellung.
Das Sachverständigengutachten aus dem Jahr 2013 könne die Richtigkeit der von
Dr. med. F.________ ausgestellten Atteste nicht in Zweifel ziehen. Die
Vorinstanz verkenne, dass sich das Gutachten auf die ärztliche Stellungnahme
von Dr. med. F.________ vom 8. November 2011 und nicht auf dessen Atteste aus
dem Jahr 2007 beziehe. Mithin fehle es bereits an einer arglistigen Täuschung.
Zudem seien die Krankmeldungen allenfalls einfache schriftliche Lügen, welche
die Beschwerdegegnerin 3 - wie 2008 letztlich auch geschehen - hätte überprüfen
können.

3.2. Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die
Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Die Sachverhaltsfeststellung
kann nur gerügt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer
Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht und wenn die Behebung des
Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann (Art. 97 Abs. 1
BGG). Offensichtlich unrichtig ist die Feststellung des Sachverhalts, wenn sie
willkürlich ist (BGE 139 II 404 E. 10.1 S. 445 mit Hinweisen; zum Begriff der
Willkür BGE 141 IV 305 E. 1.2 S. 308 f.; 140 III 16 E. 2.1 S. 18 f.; je mit
Hinweisen). Eine entsprechende Rüge muss klar vorgebracht und substanziiert
begründet werden. Auf eine rein appellatorische Kritik am angefochtenen Urteil
tritt das Bundesgericht nicht ein (vgl. Art. 42 Abs. 2 und Art. 106 Abs. 2 BGG;
BGE 141 IV 249 E. 1.3.1 S. 253 mit Hinweisen).

3.3. Die Sach- und Rechtsrügen erweisen sich als unbegründet, soweit sie
überhaupt den Begründungsanforderungen von Art. 106 Abs. 2 respektive Art. 42
Abs. 2 BGG genügen. Der Beschwerdeführer setzt sich mit der Hauptbegründung der
Vorinstanz, wonach sich die Unrichtigkeit der von Dr. med. F.________
ausgestellten Krankschreibungen und Diagnosen, insbesondere aufgrund
abgerechneter Therapiesitzungen, in deren Zeitpunkt der Beschwerdeführer
nachweislich im Ausland war, nicht auseinander. Soweit er überhaupt auf die
vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellungen eingeht, beschränkt er sich
lediglich darauf, seine Interpretation des Gutachtens darzulegen, ohne
aufzuzeigen, dass und inwieweit die vorinstanzliche Beweiswürdigung willkürlich
sein soll. Die mittels falscher ärztlicher Atteste erfolgten Krankmeldungen
stellen arglistige Täuschungen im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB dar.

4.

4.1. Der Beschwerdeführer wendet sich gegen die Verurteilung wegen
Urkundenfälschung. Das von ihm ausgefüllte Formular A sei keine Urkunde im
Sinne von Art. 251 StGB, da es widersprüchlich sei. Zudem fehle es am Nachweis
einer konkreten Schädigungs- oder Vorteilsabsicht, da unklar sei, warum der
Beschwerdeführer das Formular A falsch ausgefüllt habe.

4.2. Was der Beschwerdeführer gegen den Schuldspruch der Urkundenfälschung
vorbringt, erweist sich als unbegründet, soweit auf die Rüge überhaupt
einzutreten ist (vgl. Art. 42 Abs. 2 BGG). Das Bundesgericht hat wiederholt
festgehalten, dass dem Formular A erhöhte Glaubwürdigkeit und somit
Urkundenqualität zukommt (BGE 137 II 404 E. 9.9.2; Urteile 6B_37/2013 vom 15.
April 2013 E. 1.2.2; 6B_574/2011 vom 20. Februar 2012 E. 2.2.1; je mit
Hinweisen). Warum dies vorliegend nicht der Fall sein soll, zeigt der
Beschwerdeführer nicht auf und ist auch nicht ersichtlich. Dass das Geld von
Investoren oder aus Darlehen stammen solle, steht der angegebenen
wirtschaftlichen Berechtigung des Beschwerdeführers nicht entgegen. Soweit er
eine Schädigungs- oder Vorteilsabsicht verneint, verkennt er, dass dies eine
innere Tatsache betrifft und somit Tatfrage ist (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3 S. 4;
Urteil 6B_848/2015 vom 8. Februar 2016 E. 2.2.2; je mit Hinweisen). Dass bzw.
inwieweit die vorinstanzlichen Feststellungen zum subjektiven Sachverhalt
willkürlich sein sollen (vgl. zur Willkür und der diesbezüglichen
Rügeanforderungen vorstehend E. 3.2), legt der Beschwerdeführer nicht dar.
Zudem ist auch in rechtlicher Hinsicht nicht zu beanstanden, dass die
Vorinstanz aufgrund der getroffenen Sachverhaltsfeststellungen eine
Vorteilsabsicht bejaht. Als Vorteil genügt nach der Rechtsprechung jegliche
Besserstellung, sei sie vermögensrechtlicher oder sonstiger Natur (BGE 141 IV
369 E. 7.4). Eine solche kann auch in der Umgehung der Blockierung von
Vermögenswerten liegen (vgl. Urteil 6P.144/2005 und 6S.464/2005 vom 15. Juni
2006 E. 7.2.2).

5. 
Die Beschwerde erweist sich als teilweise begründet. Die Vorinstanz wird die
Strafzumessung neu vornehmen müssen, weshalb es sich grundsätzlich erübrigt,
auf die gegen die Strafzumessung vorgebrachten Rügen einzugehen. Aus
prozessökonomischer Sicht ist jedoch darauf hinzuweisen, dass die Vorinstanz
entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers gemäss Art. 50 StGB auch bei
teilweiser Verfahrenseinstellung und Teilfreisprüchen grundsätzlich nur die von
ihr innerhalb der gesetzlichen Vorgaben als angemessen erachtete Strafe
nachvollziehbar begründen muss und nicht, warum und um wie viel sie vom
erstinstanzlichen Strafmass abweicht (vgl. zu 6B_65/2014 vom 9. Oktober 2014 E.
2.4).
Als begründet erweist sich der Einwand gegen die vorinstanzliche
Strafzumessungserwägung, wonach hinsichtlich der Urkundenfälschung nur eine
Freiheitsstrafe in Betracht komme, da "aufgrund der drei Vorstrafen die
Festsetzung einer Geldstrafe unzweckmässig" sei. Der Beschwerdeführer hat die
Urkundenfälschung (Formular A) zeitlich vor den von der Vorinstanz als
Vorstrafen angesehenen Delikten begangen. Dass der Beschwerdeführer bei der
Aufklärung der Straftaten nicht aktiv mitgewirkt und keine Einsicht und Reue
gezeigt hat, kann insbesondere vor dem Hintergrund der teilweisen
Verfahrenseinstellung und Teilfreisprüche nicht straferhöhend gewichtet werden.
Zudem moniert der Beschwerdeführer zu recht, dass beim Betrug als
Vermögensdelikt monetäre Beweggründe bereits durch das Tatbestandsmerkmal der
Bereicherungsabsicht erfasst werden.

6.
Dem Beschwerdeführer sind im Umfang seines Unterliegens die Verfahrenskosten
aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG). Der Kanton Aargau trägt keine Gerichtskosten
(Art. 66 Abs. 4 BGG), hat jedoch dem Beschwerdeführer für das
bundesgerichtliche Verfahren eine angemessene Entschädigung auszurichten,
soweit dieser mit der Beschwerde durchdringt (Art. 68 Abs. 1 und 2 BGG). Auf
eine Vernehmlassung der Beschwerdegegnerin 2 wurde verzichtet, weshalb dieser
weder Gerichtskosten aufzuerlegen noch eine Entschädigung zuzusprechen sind.

 Demnach erkennt das Bundesgericht:

1. 
Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen, das Urteil des Obergerichts des
Kantons Aargau vom 13. August 2015 aufgehoben und die Sache zu neuer
Beurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. Im Übrigen wird die Beschwerde
abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2. 
Dem Beschwerdeführer werden Gerichtskosten von Fr. 2'000.- auferlegt.

3. 
Der Kanton Aargau hat den Beschwerdeführer für das bundesgerichtliche Verfahren
mit Fr. 1'500.- zu entschädigen.

4. 
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Aargau,
Strafgericht, 1. Kammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 8. August 2016

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Denys

Der Gerichtsschreiber: Held

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