Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Strafrechtliche Abteilung, Beschwerde in Strafsachen 6B.990/2015
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

[8frIR2ALAGK1]     
{T 0/2}
                   
6B_990/2015

Urteil vom 29. Oktober 2015

Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Denys, Präsident,
Gerichtsschreiber C. Monn.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
Beschwerdeführer,

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Thurgau, Zürcherstrasse 323, 8510
Frauenfeld,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Nichtanhandnahme (widerrechtliche Enteignung),

Beschwerde gegen den Entscheid des Obergerichts des Kantons Thurgau vom 26.
August 2015.

Der Präsident zieht in Erwägung:

1. 
Der Beschwerdeführer erstattete am 31. Juli 2014 bei der Staatsanwaltschaft
Bischofszell Anzeige gegen eine Schulgemeinde wegen widerrechtlicher
Enteignung. Die Gemeinde habe am 8. Juli 1991 auf Enteignung geklagt, und das
Verwaltungsgericht habe das Urteil der Enteignungskommission vom 1. Juni 1992
am 28. Mai 1993 bestätigt. Der grundbuchamtliche Eintrag der Enteignung basiere
auf einer fehlerhaften Entscheidung, und das in Frage stehende Grundstück stehe
immer noch in seinem Eigentum.

Am 15. August 2014 erstattete der Beschwerdeführer bei der Staatsanwaltschaft
Bischofszell Anzeige gegen die Kantonalbank Thurgau wegen Nötigung und
Unterschlagung. Der zuständige Mitarbeiter habe am 1. Oktober 1993 die
Entschädigungszahlungen der Schulgemeinde für das enteignete Grundstück
entgegengenommen und unterschlagen. Zudem habe die Bank ihn genötigt, auf eine
Beschwerde gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts zu verzichten, indem sie
ihm gedroht habe, die laufenden Konkursandrohungen für aufgelaufene Zinsen
durchzusetzen.

Am 16. bzw. 17. Juli 2015 nahm die Staatsanwaltschaft Frauenfeld, welcher die
Verfahren überwiesen worden waren, diese infolge Verjährung nicht an die Hand.
Dagegen gerichtete Beschwerden wies das Obergericht des Kantons Thurgau am 26.
August 2015 ab, soweit es darauf eintrat.

Der Beschwerdeführer wendet sich ans Bundesgericht und beantragt unter anderem,
der angefochtene Entscheid sei inhaltlich sowie wegen Befangenheit aufzuheben
(Beschwerde S. 4).

2. 
Der Beschwerdeführer macht geltend, die Vizepräsidentin der Vorinstanz sei
befangen, da sie die rechtswidrigen Forderungen der Kantonalbank durch ihre
Entscheidungen tatkräftig unterstützt habe (Beschwerde S. 4). Indessen stellt
der Umstand, dass eine Gerichtsperson an früheren Urteilen mitwirkte, mit denen
der Betroffene nicht einverstanden ist, für sich allein keinen
Befangenheitsgrund dar.

3. 
Gemäss Art. 81 Abs. 1 lit. b Ziff. 5 BGG ist der Privatkläger zur Beschwerde in
Strafsachen nur berechtigt, wenn der angefochtene Entscheid sich auf die
Beurteilung seiner Zivilansprüche auswirken kann. Als Zivilansprüche im Sinne
dieser Bestimmung gelten solche, die ihren Grund im Zivilrecht haben und
deshalb ordentlicherweise vor dem Zivilgericht durchgesetzt werden müssen.
Nicht in diese Kategorie gehören Ansprüche, die sich aus öffentlichem Recht
ergeben. Öffentlich-rechtliche Ansprüche, auch solche aus Staatshaftungsrecht,
können nicht adhäsionsweise im Strafprozess geltend gemacht werden und zählen
nicht zu den Zivilansprüchen im Sinne von Art. 81 Abs. 1 lit. b Ziff. 5 BGG
(Urteil 6B_669/2015 vom 30. Juni 2015 mit Hinweis).

Der Beschwerdeführer erhebt strafrechtliche Vorwürfe gegen Mitarbeiter einer
Schulgemeinde und der Kantonalbank Thurgau. Folglich dürfte es nicht um
Zivilansprüche im Sinne von Art. 81 Abs. 1 lit. b Ziff. 5 BGG gehen, sondern um
Ansprüche, die sich aus öffentlichem Recht ergeben und die nicht adhäsionsweise
im Strafprozess geltend gemacht werden können. Der Beschwerdeführer verweist
denn auch selber ausdrücklich auf seinen "Anspruch auf Staatshaftung"
(Beschwerde S. 4). Da es ihm um die Staatshaftung geht, ist mangels
Legitimation auf die Beschwerde im Verfahren nach Art. 108 BGG nicht
einzutreten.

4. 
Die Gerichtskosten sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG).
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ist in Anwendung von Art. 64 BGG
abzuweisen, weil die Rechtsbegehren aussichtslos erschienen. Der finanziellen
Lage des Beschwerdeführers ist bei der Bemessung der Gerichtskosten Rechnung zu
tragen (Art. 65 Abs. 2 BGG).

 Demnach erkennt der Präsident:

1. 
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2. 
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.

3. 
Die Gerichtskosten von Fr. 500.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

4. 
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Thurgau
schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 29. Oktober 2015

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Denys

Der Gerichtsschreiber: C. Monn

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