Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 5A.319/2016
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

[8frIR2ALAGK1]     
{T 0/2}
                   
5A_319/2016

Urteil vom 27. Januar 2017

II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter von Werdt, Präsident,
Bundesrichter Marazzi, Herrmann,
Gerichtsschreiber Möckli.

Verfahrensbeteiligte
A.________,
vertreten durch Rechtsanwältin Sandra Mäder,
Beschwerdeführerin,

gegen

B.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Stefan Meichssner,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Ehescheidung,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau, Zivilgericht,
2. Kammer, vom 16. März 2016.

Sachverhalt:

A. 
B.________ (geb. 1960) und A.________ (geb. 1957) haben 1984 in Rheinfelden
geheiratet. Sie haben die gemeinsamen Kinder C.________ (geb. 1985) und
D.________ (geb. 1987), welche bis zur Trennung der Parteien im Dezember 2009
im gemeinsamen Haushalt lebten.

B. 
Die Parteien reichten am 14. November 2013 ein gemeinsames Scheidungsbegehren
mit einer Teilvereinbarung betreffend das Güterrecht und die berufliche
Vorsorge ein.
Hinsichtlich des nachehelichen Unterhalts verlangte A.________ Fr. 2'800.-- bis
Februar 2017, Fr. 2'200.-- von März 2017 bis Februar 2022 und Fr. 900.-- von
März 2022 bis November 2024. B.________ war bereit, Fr. 783.-- bis August 2015
und Fr. 683.-- von September 2015 bis Februar 2017 zu bezahlen.
Mit Urteil vom 25. März 2015 schied das Bezirksgericht Rheinfelden die Ehe und
verpflichtete B.________ zu Fr. 2'354.-- bis 21. Februar 2017, zu Fr. 1'875.--
vom 22. Februar 2017 bis 21. Februar 2022 und zu Fr. 497.-- vom 22. Februar
2022 bis 3. November 2024 an die Ehefrau, basierend auf einem hypothetischen
Einkommen der Ehefrau von Fr. 1'800.-- und einem Einkommen des Ehemannes von
Fr. 5'590.-- bzw. 4'481.-- bzw. 3'100.-- für die betreffenden Zeitperioden und
unter Feststellung einer monatlichen Unterdeckung von Fr. 1'301.-- vom 22.
Februar 2022 bis 3. November 2024.
Mit Urteil vom 16. März 2016 verpflichtete das Obergericht des Kantons Aargau
B.________ zu nachehelichem Unterhalt von Fr. 1'341.-- bis Februar 2017 und von
Fr. 1'100.-- von März 2017 bis Februar 2022, basierend auf einem hypothetischen
Einkommen der Ehefrau von Fr. 3'500.--; im Übrigen wies es die Berufung von
B.________ ab.

C. 
Gegen dieses Urteil hat A.________ am 29. April 2016 eine Beschwerde
eingereicht mit den Begehren um nachehelichen Unterhalt von Fr. 2'354.-- bis
Februar 2017, von Fr. 1'875.-- von März 2017 bis Februar 2022 und von Fr.
497.-- von Februar 2022 bis November 2024, basierend auf ihrem hypothetischen
Einkommen von Fr. 1'800.-- und einem Einkommen des Ehemannes von Fr. 5'590.--
bzw. Fr. 4'481.-- bzw. Fr. 3'100.-- für die betreffenden Zeitperioden und unter
Feststellung einer monatlichen Unterdeckung von Fr. 1'301.-- von Februar 2022
bis November 2024.
Mit Präsidialverfügung vom 19. Mai 2016 wurde für den verfallenen, nicht aber
für den laufenden Unterhalt die aufschiebende Wirkung gewährt.
In der Sache selbst wurden keine Vernehmlassungen eingeholt, aber die Akten
beigezogen.

Erwägungen:

1. 
Angefochten sind die vermögensrechtlichen Nebenfolgen eines kantonal
letztinstanzlichen Scheidungsurteils mit Fr. 30'000.-- übersteigendem
Streitwert; die Beschwerde in Zivilsachen ist gegeben (Art. 72 Abs. 1, Art. 74
Abs. 1 lit. b, Art. 75 Abs. 1 und Art. 90 BGG).
Gerügte Rechtsverletzungen prüft das Bundesgericht frei (Art. 95 i.V.m. Art.
106 Abs. 1 BGG). Hingegen legt es seinem Urteil den von der Vorinstanz
festgestellten Sachverhalt zugrunde (Art. 105 Abs. 1 BGG). In diesem Bereich
kann lediglich eine offensichtlich unrichtige, das heisst willkürliche
Sachverhaltsfeststellung gerügt werden, wobei das strenge Rügeprinzip gilt
(Art. 97 Abs. 1 und Art. 106 Abs. 2 BGG). Das Bundesgericht prüft in diesem
Fall nur klar und detailliert erhobene und soweit möglich belegte Rügen,
während es auf ungenügend substanziierte Rügen und rein appellatorische Kritik
am Sachverhalt nicht eintritt; ausserdem ist aufzuzeigen, inwiefern die
Behebung der aufgezeigten Mängel für den Ausgang des Verfahrens entscheidend
sein kann (BGE 140 III 264 E. 2.3 S. 266).
Willkür in der Beweiswürdigung setzt voraus, dass der Richter den Sinn und die
Tragweite eines Beweismittels offensichtlich nicht erkannt, ohne vernünftigen
Grund ein entscheidendes Beweismittel ausser Acht gelassen oder aus den
vorhandenen Beweismitteln einen unhaltbaren Schluss gezogen hat (BGE 129 I 8 E.
2.1 S. 9). Was die Annahme eines hypothetischen Einkommens anbelangt, ist die
effektive Erzielbarkeit (angesichts des Alters, der Gesundheit, der Ausbildung
und persönlichen Fähigkeiten, der Arbeitsmarktlage, etc.) Tatfrage, hingegen
Rechtsfrage, ob die Erzielung angesichts der Tatsachenfeststellungen als
zumutbar erscheint (vgl. BGE 126 III 10 E. 2b S. 13; 128 III 4 E. 4c/bb S. 7;
137 III 102 E. 4.2.2.2 S. 108; 137 III 118 E. 2.3 S. 121).

2. 
Unbestrittenermassen pflegten die Ehegatten während der Ehe eine klassische
Rollenteilung, bei welcher die Ehefrau ihren Beruf als Coiffeuse aufgab und
sich der Erziehung der inzwischen erwachsenen Kinder widmete. Im
Eheschutzverfahren wurde für die Ehefrau eine teilzeitige Erwerbsarbeit von 60
% als zumutbar erachtet. Sie fand per Februar 2011 eine Teilzeitanstellung bei
der E.________, wo sie inzwischen zu 50 % tätig ist und Fr. 1'707.-- verdient.
Der Ehemann ist vollzeitig als Baggerfahrer tätig mit einem Nettoeinkommen von
Fr. 5'590.--; er plant eine Reduktion auf 80 % per 1. März 2017. Er wird im
Februar 2022 sein gesetzliches Rentenalter erreichen; für die Ehefrau wird dies
im November 2024 der Fall sein.
Das Obergericht ist für die Ehefrau von einem Existenzminimum von Fr. 3'726.60
und einem gebührenden Unterhalt von Fr. 4'589.60 ausgegangen. Sodann hat es in
Bezug auf die umstrittene Erwerbsfähigkeit bzw. das umstrittene Ausmass der
Arbeitsfähigkeit die ärztlichen Berichte und Atteste gewürdigt und das Folgende
festgehalten: Gemäss Schreiben des Hausarztes Dr. F.________ vom 8. Dezember
2014 leide sie an einer leichten Rizarthrose beidseitig, Arthrose im DIP-Gelenk
des linken Daumens sowie an einer geringgradigen Arthrose im Bereich des
Radiocarpalgelenkes; trotz Tragens von Handgelenkschienen nachts wie auch bei
körperlich anstrengenden Arbeiten persistierten die Parästhesien in den Digiti
I-III beidseitig. Gemäss Bericht von Dr. G.________ (Rehaklinik U.________) sei
aufgrund der multiokulären Schmerzsymptomatik im Bereich der Hände, der
Handgelenke und der Unterarme aus rheumatologischer Sicht maximal eine
50%-Arbeitsfähigkeit als Raumpflegerin gegeben. Es sei davon auszugehen, dass
auch in einer leichten Verweistätigkeit die Arbeitsfähigkeit kurz- und
langfristig nicht weiter gesteigert werden könne. Die aktuelle Tätigkeit bei
der E.________ in einem 50%-Pensum sei ideal, da es sich um eine
Wechseltätigkeit ohne Zeitdruck handle. Gemäss dem zuhanden des Bezirksgerichts
erstatteten Kurzgutachten des Amtsarztes Dr. H.________ vom 18. Dezember 2014
bestehe ohne Behandlung eine Einschränkung hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit
als Coiffeuse von ca. 50 %. Die Gelenkschmerzen seien indes medikamentös,
physiotherapeutisch und ergotherapeutisch gut behandelbar. Aktuell finde aber
keine konsequente Behandlung statt. Unter adäquater Behandlung sei bei
angepasster Tätigkeit eine allgemeine Arbeitsfähigkeit von 100 % zu erwarten.
Das Obergericht hat die beiden Berichte der aktuell behandelnden Ärzte
F.________ und G.________ als Parteistandpunkte bzw. Parteibehauptungen
angesehen, mit welchem sich keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit dartun
lasse. Aufgrund der Ergebnisse des Kurzgutachtens, welches zwar im
Berufungsverfahren inhaltlich angegriffen werde, jedoch ohne dass eine
anderweitige Begutachtung beantragt würde, sowie vor dem Hintergrund der
Tatsache, dass sich die Ehefrau nie bei der IV angemeldet, ja gemäss Schreiben
ihres Hausarztes nicht einmal Gedanken über eine mögliche Anmeldung gemacht
habe, sei vielmehr von einer vollen Erwerbsfähigkeit auszugehen.
Das Obergericht hat weiter erwogen, dass der Ehefrau, welche im
Trennungszeitpunkt 49-jährig war und heute 55-jährig ist, eine volle
Erwerbstätigkeit rechtlich auch zumutbar sei. Bereits im Eheschutzverfahren sei
ihr eine Tätigkeit von 60 % zugemutet worden und angesichts der
zwischenzeitlich aufgenommenen teilzeitigen Erwerbstätigkeit sei ihr eine
Aufstockung auf 100 % zumutbar, wobei sich ein vollzeitiger Arbeitserwerb auch
aus mehreren Teilpensen ergeben könne.
Schliesslich hat das Obergericht festgehalten, dass eine Festanstellung zu 100
% oder aber eine weitere Teilanstellung als Raumpflegerin, Verkäuferin oder in
ihrem gelernten Beruf als Coiffeuse nebst der bestehenden Tätigkeit bei der
E.________ auch real möglich sei. Als gelernte Coiffeuse hätte sie einen
Anspruch auf einen Basislohn von mindestens Fr. 3'800.--. Im Verkauf, wo es
zahlreiche freie Stellen für Ungelernte gebe, betrage der Mindestbruttolohn
inkl. 13. Monatslohn rund Fr. 4'100.-- (Lidl, Migros). Ein Einkommen von rund
Fr. 3'500.-- sei deshalb zumutbar und effektiv erzielbar.
Mithin habe der Ehemann ab März 2017 die Differenz zwischen ihrem gebührenden
Unterhalt von Fr. 4'600.-- und ihrer Eigenversorgungskapazität von Fr. 3'500.--
zu bezahlen, und zwar bis zum Zeitpunkt seines Eintritts ins gesetzliche
AHV-Alter. Ab diesem Zeitpunkt sinke sein Einkommen auf Fr. 3'100.--. Es seien
keine Gründe ersichtlich, weshalb vom Grundsatz abzuweichen wäre, wonach die
Unterhaltspflicht mit dem Erreichen des eigenen AHV-Alters ende.

3. 
Die Beschwerdeführerin rügt in verschiedener Hinsicht eine willkürliche
Beweiswürdigung sowie eine Gehörsverletzung. Dabei geht es primär um ihren
Gesundheitszustand und sodann um die tatsächliche Möglichkeit, eine
Vollzeitstelle oder eine weitere Teilzeitstelle zu finden, welche sich mit der
momentanen Tätigkeit vereinbaren lässt.

3.1. In erster Linie wirft die Beschwerdeführerin dem Obergericht vor, auf das
Kurzgutachten von Dr. H.________ abgestellt zu haben, obwohl dieser Facharzt
für Innere Medizin statt Rheumatologe sei und es sich auch nicht um ein
Gutachten im Sinn von Art. 183 ff. ZPO handle, weil sie sich weder zur Person
von Dr. H.________ habe äussern können noch die Möglichkeit zu Ergänzungsfragen
gehabt habe, das Gutachten aber auch inhaltlich ungenügend, nämlich weder
vollständig noch nachvollziehbar noch schlüssig sei.
Die Beschwerdeführerin zeigt nicht auf, inwiefern sie ihre auf formelle Aspekte
zielenden Gehörsrügen (angeblich fehlende Möglichkeit, zur Person des
Gutachters Stellung nehmen zu können; angeblich ungenügende Fachkenntnisse des
Gutachters; angeblich fehlende Möglichkeit, Ergänzungsfragen zu stellen)
bereits im Zusammenhang mit der Erstellung des Kurzgutachtens vor erster
Instanz oder wenigstens im Rahmen des kantonalen Berufungsverfahrens
vorgebracht hätte. Sie macht zwar geltend (Beschwerde S. 12), diese Einwände
mit ihrer Stellungnahme vom 30. Januar 2015 eingebracht zu haben. Dort hat sie
aber einzig das Kurzgutachten inhaltlich kritisiert, wie dies im angefochtenen
Entscheid denn auch festgehalten und demzufolge vom Obergericht nicht übersehen
worden ist. Es ist treuwidrig und unzulässig, die Gehörsrüge, welche das
kantonale Beweisverfahren beschlägt, erst vor Bundesgericht zu erheben (vgl.
BGE 126 III 249 E. 3c S. 254; Urteil 4A_69/2009 vom 8. April 2009 E. 4.1),
zumal nicht erst der angefochtene Entscheid hierzu Anlass gegeben hat:
Angesichts der vom Beschwerdegegner gestellten Rechtsbegehren und seiner
Berufungsbegründung war von Anfang an klar, dass das Obergericht sich mit dem
Kurzgutachten befassen und wesentlich darauf abstellen würde. Im Übrigen hat es
die - von der Beschwerdeführerin nicht beanstandete - Feststellung getroffen,
dass sie im obergerichtlichen Verfahren kein neues oder vertiefendes Gutachten
beantragt hat.

3.2. Was sodann die Kritik anbelangt, das Kurzgutachten sei oberflächlich und
führe ihre tatsächlichen Leiden zu wenig aus, so liegt es in der Natur eines
Kurzgutachtens, eher summarisch auszufallen. Nach den obergerichtlichen
Feststellungen hat die Beschwerdeführerin aber kein ausführliches Gutachten
beantragt und entsprechend kann es nicht willkürlich sein, wenn das Obergericht
auf das Kurzgutachten abgestellt hat. Entgegen dem sinngemässen Vorbringen hat
es das Kurzgutachten im Übrigen nicht formell als Gutachtensbeweis im Sinn von
Art. 183 ff. ZPO gewertet, sondern wie die Berichte der beiden anderen Ärzte
eher als Urkunde im Sinn von Art. 177 ff. ZPO behandelt. Dabei hat es die
Unabhängigkeit des Amtsarztes betont und deshalb dessen Beurteilung grössere
Überzeugungskraft zugemessen als derjenigen der beiden behandelnden Ärzte.
Insofern geht das Vorbringen, das Kurzgutachten vermöge die an ein Gutachten im
Sinn von Art. 183 ZPO zu stellenden Anforderungen nicht zu erfüllen, an der
Sache vorbei, jedenfalls insofern als daraus eine formelle Unbeachtlichkeit
abgeleitet wird.
Was die konkrete inhaltliche Kritik am Kurzgutachten anbelangt, stösst diese
insofern ins Leere und ist deshalb eine detaillierte Auseinandersetzung
entbehrlich, als nach den zutreffenden Bemerkungen des Obergerichts der
Unterhaltsgläubiger die Behauptungs- und Begründungslast trägt, wieso aufgrund
gesundheitlichen Beschwerden keine volle Erwerbsfähigkeit gegeben sein soll;
dies folgt materiell aus der Beweislastregel von Art. 8 ZGB in Verbindung mit
Art. 125 Abs. 1 ZGB, wonach der nacheheliche Unterhalt fehlende
Eigenversorgungskapazität des Ansprechers voraussetzt (vgl. BGE 134 III 145 E.
4 S. 146 f.; 137 III 102 E. 4.2 und 4.2.2.1 S. 106 ff.), und prozessual aus
Art. 277 Abs. 1 ZPO, welcher für den nachehelichen Unterhalt die
Verhandlungsmaxime statuiert. Die Kritik der Beschwerdeführerin, das
Kurzgutachten - welches im Ergebnis von einer vollen Erwerbsfähigkeit ausgeht -
sei ungenügend, ist deshalb nicht zielführend. Vielmehr hatte sie im kantonalen
Verfahren positiv den Beweis zu erbringen, dass ihre Erwerbsfähigkeit
tatsächlich eingeschränkt ist, und muss sie im bundesgerichtlichen Verfahren
aufzeigen, inwiefern das Obergericht in Willkür verfallen sein soll, wenn es
den Beweis als nicht erbracht ansah (vgl. angefochtener Entscheid, E. 4.2.2).

3.3. Was die betreffende Beweisführung anbelangt, ist keine willkürliche
Beweiswürdigung durch das Obergericht ersichtlich. Zunächst hat dieses die
Berichte des Hausarztes - welcher eine leichte Rizarthrose und eine
geringgradige Arthrose attestiert - sowie des Rheumatologen - welcher im
Ergebnis von einer hälftigen Erwerbsfähigkeit ausgeht - aus sachlichen Gründen
wenig Bedeutung zugemessen, indem es festhielt, als behandelnde Ärzte seien
diese im Unterschied zum Amtsarzt nicht unabhängig. Insbesondere beim Bericht
von Dr. G.________ sind gewisse Züge einer Gefälligkeitsbescheinigung
auszumachen, indem er sich nicht auf die Anamnese beschränkt, sondern die
konkrete Arbeitsstelle würdigt.
Sodann hat das Obergericht in entscheidender Weise darauf abgestellt, dass die
Beschwerdeführerin sich nicht einmal Gedanken über eine IV-Anmeldung gemacht
habe. Es liegt nahe und ist somit nicht willkürlich, wenn das Obergericht
daraus abgeleitet hat, dass die Beschwerdeführerin selbst nicht von
objektivierbaren Einschränkungen in Bezug auf die Erwerbsfähigkeit ausgeht.
Damit scheint übereinzustimmen, dass gemäss dem Kurzgutachten die
Beeinträchtigungen eigentlich problemlos behandelt werden könnten; dass dem
nicht so wäre, macht die Beschwerdeführerin jedenfalls nicht substanziiert
geltend.
Insgesamt gelingt es der Beschwerdeführerin nicht, Willkür aufzuzeigen in Bezug
auf das Resultat der obergerichtlichen Beweiswürdigung, der Nachweis von
erwerbshindernden Einschränkungen sei nicht gelungen.

3.4. Was sodann die effektive Möglichkeit anbelangt, eine Vollzeitstelle oder
mehrere Arbeitsstellen mit insgesamt 100 % zu finden, vermag die
Beschwerdeführerin ebenfalls keine Willkür darzutun. Das Obergericht hat
dargelegt, in welchen Branchen dies möglich wäre, und die Feststellung
getroffen, dass dort auch tatsächlich Arbeitsstellen vorhanden sind. Ferner ist
es notorisch bzw. gerade das Kennzeichen des Tieflohnbereiches, dass keine
langjährige Berufserfahrung oder Weiterbildung nötig ist.
Im Übrigen hat das Obergericht das hypothetische Einkommen nicht etwa abstrakt
bestimmt, sondern rechtsprechungsgemäss anhand von Lohnstrukturerhebungen und
anderen Quellen (vgl. BGE 137 III 118 E. 3.2 S. 122). Die Kritik der
Beschwerdeführerin, es sei nicht nachvollziehbar, wieso das Obergericht nur auf
die Löhne bei Migros und Lidl, nicht aber bei Coop, Aldi, Volg oder Denner
abgestellt habe, geht insofern an der Sache vorbei, als sie selbst nicht
behauptet, dass die betreffenden potenziellen Arbeitgeber für eine
Vollzeitstelle weniger als die angerechneten Fr. 3'500.-- pro Monat zahlen
würden.
Insgesamt ist somit keine Willkür ersichtlich in Bezug auf die beweiswürdigende
Annahme, dass der Beschwerdeführerin die Erzielung eines Erwerbseinkommens von
Fr. 3'500.-- pro Monat unter den Aspekten der Gesundheit und der Lage auf dem
Arbeitsmarkt möglich ist.

4. 
In rechtlicher Hinsicht geht es um die Frage, ob der Beschwerdeführerin die
Erzielung eines betreffenden Erwerbseinkommens zumutbar ist.

4.1. Die Beschwerdeführerin erachtet nicht nur eine Ausdehnung ihrer aktuellen
Erwerbstätigkeit von 50 % als unzumutbar, sondern sie ist der Ansicht, dass sie
angesichts der langjährigen Ehe mit klassischer Rollenteilung und ihres
fortgeschrittenen Alters überhaupt keiner Erwerbstätigkeit nachgehen müsste.

4.2. Was das Zumutbarkeitskriterium angeht, stellt sich die Frage der
Eigenversorgungskapazität bei der Bestimmung des nachehelichen Unterhalts
akzentuierter als bei der Festsetzung des ehelichen Unterhalts im Rahmen
vorsorglicher Massnahmen oder eines Eheschutzverfahrens (Urteil 5A_21/2012 vom
3. Mai 2012 E. 3.3). Dort bleibt die Ehe vorderhand bestehen, weshalb das
Element der wirtschaftlichen Eigenständigkeit der Ehegatten kleiner und ihre
bisher gelebte Rollenteilung in grösserem Umfang zu schützen ist als bei der
Scheidung; freilich wird bei fehlender Aussicht auf eine Wiederaufnahme des
Ehelebens, was in der Praxis meist der Fall ist, dem unterhaltsberechtigten
Ehegatten sogar schon ab der Trennung die Wiederaufnahme oder Ausdehnung der
Erwerbsarbeit zugemutet (BGE 128 III 65 E. 4a S. 67; 130 III 537 E. 3.2 S. 542;
137 III 385 E. 3.1 S. 387). Dabei ist zu beachten, dass sich die tatsächlichen
Lebensverhältnisse mit der Trennung verändern; zum einen entstehen zur
Finanzierung von zwei Haushalten höhere Kosten, zum anderen fallen für den
haushaltsführenden Ehegatten bisherige gemeinsame Lasten weg, wenn neu jeder
Teil einen eigenen kleineren Haushalt führt (Urteil 5A_122/2011 vom 9. Juni
2011 E. 4). Gleichzeitig bedeutet dies auch, dass der potentiell
unterhaltspflichtige Ehegatte, jedenfalls wenn keine gemeinsamen Kinder zu
betreuen sind, nicht mehr von den Leistungen des anderen Ehegatten im Haushalt
profitiert. Insofern kann sich dieser sogar für die Trennung und umso mehr für
die Scheidung nicht einfach auf die frühere Rollenteilung berufen und daraus
ableiten, dass er eigentlich zu gar keiner eigenen Erwerbstätigkeit
verpflichtet sei.
Zusammengefasst hat nach der Ehescheidung grundsätzlich jeder Ehegatte seine
wirtschaftliche Selbständigkeit anzustreben. Es gilt mithin der Grundsatz der
Eigenversorgung. Die Tatsache allein, dass ein Ehegatte während der Ehe nicht
erwerbstätig war, entbindet ihn nicht von dieser Obliegenheit (Urteil 5A_243/
2007 vom 28. Januar 2008 E. 9).
Nicht von Belang ist im vorliegenden Fall schliesslich die Richtlinie, dass
nach dem 45. Altersjahr einem Ehegatten eine Erwerbsarbeit in der Regel nicht
mehr zuzumuten ist (BGE 115 II 6 E. 5a S. 11; 137 III 102 E. 4.2.2.2 S. 109).
Diese Richtlinie bezog sich seit je nur auf den Fall, dass ein Ehegatte bislang
überhaupt nicht erwerbstätig war, mithin auf die Frage der Wiederaufnahme,
nicht auf diejenige der Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit. Selbst für die
Zumutbarkeit der Wiederaufnahme einer Erwerbsarbeit besteht heute die klare
Tendenz, die Alterslimite bei 50 Jahren anzusetzen (BGE 137 III 102 E. 4.2.2.2
S. 108 f.; Urteile 5A_206/2010 vom 21. Juni 2010 E. 5.3.2; 5A_909/2010 vom 4.
April 2011 E. 5.2.1; 5A_340/2011 vom 7. September 2011 E. 5.2.2). Noch höher
liegt die Schwelle, wenn es - wie vorliegend - um die Ausdehnung einer bereits
bestehenden Teilzeitarbeit geht, weil dies in fortgeschrittenem Alter einfacher
bleibt als der berufliche Wiedereinstieg. So wurde vor kurzem ein Entscheid des
Obergerichtes Aargau, welches einer 51-jährigen Ehefrau die Ausdehnung von der
bestehenden 60%-Tätigkeit auf einen Vollzeiterwerb ab dem Zeitpunkt der
Volljährigkeit der Kinder nicht zumuten wollte, unbekümmert um die
überdurchschnittlichen finanziellen Verhältnisse korrigiert (vgl. Urteil 5A_474
/2013 vom 10. Dezember 2013 E. 4.3). In einem anderen Fall wurde einer
54-jährigen Ehefrau, welche allerdings bereits während der ganzen Ehe einem
Teilzeiterwerb nachgegangen war, die Ausdehnung des Arbeitspensums zugemutet
(Urteil 5A_206/2010 vom 21. Juni 2010 E. 5).

4.3. Im vorliegenden Fall besteht die Ausgangskonstellation, wonach die Kinder
erwachsen sind, der Ehemann ebenfalls eher im Tieflohnbereich arbeitet, so dass
nicht von insgesamt gehobenen Verhältnissen gesprochen werden kann, und die
Ehefrau den Wiedereinstieg ins Berufsleben erfolgreich geschafft hat. Wenn das
Obergericht in Ausübung des ihm zustehenden Ermessens (BGE 127 III 136 E. 3a S.
141; 134 III 577 E. 4 S. 580) von der Zumutbarkeit einer Ausdehnung des Pensums
auf eine vollzeitige Erwerbsarbeit im Tieflohnbereich ausgegangen ist, hält
dies vor Bundesrecht stand.

5. 
Schliesslich kritisiert die Beschwerdeführerin, dass das Obergericht das Ende
der Unterhaltspflicht auf das Erreichen des AHV-Alters des Ehemannes und nicht
auf das spätere Erreichen des AHV-Alters der Ehefrau gesetzt habe.
Gemäss ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung endigt der nacheheliche
Unterhalt in der Regel spätestens im Zeitpunkt, in welchem der
Unterhaltspflichtige das gesetzliche AHV-Alter erreicht, weil sich die
verfügbaren Mittel ab diesem Zeitpunkt verringern mit der Folge, dass der
während der Aktivitätsphase gepflegte Lebensstandard nicht uneingeschränkt
fortgesetzt werden kann und auch bei fortgesetzter Ehe gesunken wäre (BGE 132
III 593 E. 7.2 S. 596; 141 III 465 E. 3.2.1 S. 469).
Im Zusammenhang mit der obergerichtlichen Erwägung, es bestünden keine Gründe,
weshalb davon abzuweichen sei, ist weder eine Verletzung der aus dem
rechtlichen Gehör fliessenden Begründungspflicht (Art. 29 Abs. 2 BV; BGE 134 I
83 E. 4.1 S. 88; 138 IV 81 E. 2.2 S. 84; 139 IV 179 E. 2.2 S. 183) noch ein
Verstoss gegen Art. 125 ZGB ersichtlich: Gemäss den Feststellungen des
Obergerichtes wird das Einkommen des Ehemannes ab diesem Zeitpunkt Fr. 3'100.--
pro Monat betragen. Es liegt damit sowohl unter seinem eigenen gebührenden
Unterhalt als auch unter dem Einkommen, welches zu erwirtschaften der Ehefrau
zumutbar ist.

6. 
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist, soweit auf sie
eingetreten werden kann. Bei diesem Verfahrensausgang sind die Gerichtskosten
der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG) und sie hat den
Beschwerdegegner für die Stellungnahme zum Gesuch um aufschiebende Wirkung zu
entschädigen (Art. 68 Abs. 2 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2. 
Die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

3. 
Die Beschwerdeführerin hat den Beschwerdegegner im bundesgerichtlichen
Verfahren mit Fr. 500.-- zu entschädigen.

4. 
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Aargau,
Zivilgericht, 2. Kammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 27. Januar 2017

Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: von Werdt

Der Gerichtsschreiber: Möckli

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