Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 5A.72/2016
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

[8frIR2ALAGK1]     
{T 0/2}
                   
5A_72/2016

Urteil vom 2. November 2016

II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter von Werdt, Präsident,
Bundesrichter Marazzi, Herrmann, Schöbi, Bovey,
Gerichtsschreiber Traub.

Verfahrensbeteiligte
A.________,
vertreten durch Rechtsanwältin Andrea Metzler,
Beschwerdeführerin,

gegen

B.________,
vertreten durch Fürsprecher Gino Keller,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Eheschutz,

Beschwerde gegen den Entscheid des Obergerichts
des Kantons Aargau, Zivilgericht, 5. Kammer,
vom 17. Dezember 2015.

Sachverhalt:

A. 
B.________ und A.________ heirateten 2011. Die Ehefrau ist Mutter von
C.________ (geb. 1996) und D.________ (2003). Die Eheleute haben den
gemeinsamen Sohn E.________ (geb. 28. April 2011). Sie leben seit Oktober 2013
getrennt.

B. 
Mit Urteil vom 23. Januar 2015 regelte das Bezirksgericht Brugg die Modalitäten
des Getrenntlebens. Unter anderem stellte es Sohn E.________ für die Dauer der
Trennung unter die Obhut der Ehefrau. Weiter erklärte es den Vater für
berechtigt, E.________ jeweils am Dienstagmorgen und Donnerstagmorgen von halb
sechs bis halb zwölf sowie alternierend an zwei Wochenenden im Monat von
Samstagmorgen bis Sonntagabend "zu sich auf Besuch zu nehmen" und jährlich vier
Wochen Ferien mit ihm zu verbringen.
Auf Berufung des Ehemanns hin stellte das Obergericht des Kantons Aargau Sohn
E.________ unter die gemeinsame Obhut der Parteien. Dessen Betreuung legte es
wie folgt fest: "Die Beklagte betreut E.________ von Sonntagabend, 17:00 Uhr,
bis Dienstagmorgen, 05:30 Uhr, sowie von Donnerstagmittag, 13:00 Uhr, bis
Samstagmorgen, 10:00 Uhr. Der Kläger betreut E.________ von Dienstagmorgen,
05:30 Uhr, bis Donnerstagmittag, 13:00 Uhr. Die Wochenenden zu Ende der geraden
Kalenderwochen verbringt E.________ beim Kläger, diejenigen zu Ende der
ungeraden bei der Beklagten." Ferner gestand das Gericht beiden Parteien zu, je
vier Wochen Ferien mit E.________ zu verbringen. Das Obergericht verpflichtete
den Ehemann, an den Unterhalt von E.________ monatliche Beiträge zuzüglich
allfälliger Kinderzulagen zu bezahlen, im Einzelnen: Fr. 416.-- vom 1.
September bis 31. Dezember 2014, Fr. 500.-- vom 1. Januar 2015 bis zur
Zustellung des obergerichtlichen Entscheids sowie danach Fr. 210.--. Für den
persönlichen Unterhalt der Ehefrau legte die Vorinstanz folgende monatlich zu
bezahlenden Beiträge fest: Fr. 77.-- vom 1. Januar bis 30. April 2015, Fr.
1002.-- vom 1. Mai bis 31. Juli 2015, Fr. 910.-- für August 2015, Fr. 69.-- vom
1. September 2015 bis zur Zustellung des obergerichtlichen Entscheids sowie
danach Fr. 635.-- (Urteil vom 17. Dezember 2015).

C. 

C.a. A.________ reichte am 28. Januar 2016 Beschwerde in Zivilsachen ein mit
dem Rechtsbegehren, der angefochtene Entscheid sei hinsichtlich der
Obhutsregelung und des Ehegattenunterhalts aufzuheben und es seien ihr
Unterhaltsbeiträge zuzusprechen, welche die Alleinzuteilung der Obhut
berücksichtigten. Ausserdem seien die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens
dem Beschwerdegegner aufzuerlegen; und dieser sei zu verpflichten, ihr (für das
vorinstanzliche Verfahren) eine Parteientschädigung zu bezahlen. Eventuell sei
die Sache zur neuen Beurteilung an das Obergericht zurückzuweisen.
In prozessualer Hinsicht verlangt die Beschwerdeführerin, ihrem Rechtsmittel
sei (hinsichtlich der Obhut und der Betreuung von Sohn E.________ sowie der
Verpflichtung des Beschwerdegegners auf Leistung von Kindesunterhalt) die
aufschiebende Wirkung zuzuerkennen. Ausserdem beantragt sie die unentgeltliche
Rechtspflege.

C.b. Der Beschwerdegegner schliesst auf Abweisung des Gesuchs um aufschiebende
Wirkung (hinsichtlich Obhut und Verteilung der Betreuungszeiten), soweit darauf
einzutreten sei. Zudem ersucht er um unentgeltliche Rechtspflege.

C.c. Das Bundesgericht gab dem Antrag der Beschwerdeführerin, ihrem
Rechtsmittel sei die aufschiebende Wirkung zuzuerkennen, statt; der bestehende
Zustand sei während des bundesgerichtlichen Verfahrens aufrecht zu erhalten
(Verfügung vom 15. Februar 2016). In der Sache holte das Bundesgericht keine
Vernehmlassung ein.

Erwägungen:

1. 
In einer Eheschutzsache (Art. 176 ZGB) streiten sich die getrennt lebenden
Parteien hauptsächlich darüber, wie die Obhut ihres gemeinsamen Kindes
E.________ auszugestalten sei (vgl. Art. 176 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 133
Abs. 1 Ziff. 2 ZGB). Abhängig davon ist auch die Höhe der
Unterhaltsverpflichtungen Prozessgegenstand. Insgesamt ist die Streitsache
jedoch nicht vermögensrechtlicher Natur; auf den Streitwert des
vermögensrechtlichen Aspekts kommt es somit nicht an (Urteile 5A_115/2015 vom
1. September 2015 E. 1 und 5A_46/2015 vom 26. Mai 2015 E. 1). Kantonal
letztinstanzliche Entscheide betreffend die Anordnung von Eheschutzmassnahmen
sind Endentscheide im Sinne von Art. 90 BGG (Art. 75 Abs. 1 BGG; BGE 133 III
393 E. 4 S. 395). Dagegen steht die Beschwerde in Zivilsachen offen (Art. 72
Abs. 1 BGG).

2. 

2.1. Eheschutzentscheide gelten als vorsorgliche Massnahmen im Sinne von Art.
98 BGG (BGE 133 III 393 E. 5.1 und 5.2 S. 396 f.). Mit der Beschwerde kann
somit nur die Verletzung verfassungsmässiger Rechte gerügt werden (BGE 133 III
585 E. 4.1 S. 588).

2.2. Wird die Verletzung des Willkürverbots geltend gemacht, muss die
beschwerdeführende Person dartun, inwiefern der angefochtene Entscheid an einem
qualifizierten und offensichtlichen Mangel leide (Art. 106 Abs. 2 BGG; BGE 134
II 244 E. 2.2 S. 246). Nach einer allgemeinen Definition liegt Willkür vor,
wenn der angefochtene Entscheid offensichtlich unhaltbar ist, weil er in klarem
Widerspruch zur tatsächlichen Situation steht, eine Norm oder einen
unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem
Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft (BGE 140 III 16 E. 2.1 S. 18).
Bei der Beurteilung der für die Obhutszuteilung massgebenden Kriterien (dazu
unten E. 3.3) verfügt das Sachgericht über ein weites Ermessen. Das
Bundesgericht greift auf Willkürbeschwerde hin nur ein, wenn seine Vorinstanz
grundlos von in Lehre und Rechtsprechung anerkannten Grundsätzen abgewichen
ist, wenn sie Gesichtspunkte berücksichtigt hat, die keine Rolle hätten spielen
dürfen, wenn sie rechtserhebliche Umstände ausser Acht gelassen hat oder wenn
sich der Ermessensentscheid im Ergebnis als offensichtlich unbillig oder
ungerecht erweist (zur amtlichen Publikation vorgesehenes Urteil 5A_991/2015
vom 29. September 2016 E. 4.5; BGE 136 III 278 E. 2.2.1 S. 279; 135 III 121 E.
2 S. 123). Das weite sachgerichtliche Ermessen bezieht sich zum einen auf die
Auswahl und Handhabung der Beurteilungselemente. Die Frage, ob Willkür gegeben
ist, ist zum andern auch anhand der Wirkung auf das Kindeswohl zu beurteilen;
dieses ist in Obhutsfragen besonders unmittelbar angesprochen. Wenn das
Kindeswohl im Ergebnis gefährdet ist, greift das Bundesgericht unabhängig davon
ein, ob die Vorinstanz seinen Entscheid anhand einschlägiger Gesichtspunkte
getroffen hat, die je für sich allein betrachtet in vertretbarer Weise
angewendet worden sind. Zu berücksichtigen gilt zudem, dass eine vorsorglich
getroffene Obhutsregelung für eine spätere Anordnung im Rahmen der
Scheidungsnebenfolgen präjudizierend wirken kann, wenn die Stabilität der
Betreuungsverhältnisse im konkreten Fall eine erhebliche Rolle spielt (vgl.
unten E. 3.3.2).

3. 

3.1. Das Obergericht sieht eine gemeinsame Obhut der Parteien über Sohn
E.________ vor. Dazu erwog es, der Umstand, dass einer der Elternteile einer
gemeinsamen (resp. alternierenden) Obhut opponiere, genüge für sich allein
genommen nicht, um sie von vornherein auszuschliessen. Mutmassliche Probleme
bei der Kooperation der Eheleute gehörten zu den Einzelfallumständen, anhand
welcher beurteilt werde, ob die geteilte Obhut mit dem Kindeswohl vereinbar
sei.
In tatsächlicher Hinsicht sei davon auszugehen, dass die Parteien vor ihrer
Trennung im Oktober 2013 E.________ ungefähr zu gleichen Teilen betreut hatten
und dass sich der Ehemann nach der Trennung immer noch in erheblichem Umfang um
den Sohn kümmerte, insbesondere - sich nach den Arbeitszeiten der Ehefrau
richtend - die Betreuung frühmorgens sicherstellte. Dies habe erst das
erstinstanzliche Urteil (vom 23. Januar 2015) geändert, als die Obhut an die
Ehefrau übertragen worden sei. Ab jenem Zeitpunkt habe der Ehemann E.________
nicht mehr gegen den Willen der Ehefrau betreuen können. Die Ehefrau sei an
einer Betreuung durch den Ehemann, die über die frühmorgendliche hinausgegangen
wäre, nicht interessiert gewesen und nicht auf dessen Wunsch eingegangen, einen
Betreuungsplan aufzustellen. Gegen die vom Beschwerdegegner beantragte
Wiederherstellung der gemeinsamen Obhut spreche nichts. Beide Parteien seien
grundsätzlich erziehungsfähig und bereit, E.________ in einem ähnlichen Umfang
zu betreuen, wie sie es schon während des ehelichen Zusammenlebens getan
hätten.

3.2. Die Beschwerdeführerin wendet ein, schon vor der Trennung sei E.________
nie gleichmässig von beiden Eltern betreut worden. Nachher habe der
Beschwerdegegner seine Betreuungsaufgabe zunächst nicht im vollen
eheschutzrichterlich festgelegten Umfang wahrgenommen. Die erste Instanz habe
dem Kriterium der stabilen Lebensverhältnisse des Kindes richtigerweise
besondere Bedeutung zugemessen und festgestellt, dass das während des
Zusammenlebens bestehende Betreuungskonzept nicht mehr gelebt und E.________
unter der Woche vollständig durch die Beschwerdeführerin, ihre Tochter
C.________ und eine Tagesmutter betreut werde. Aus Sicht des Kindeswohls sei
wichtig, dass für die Dauer der Trennung eine klare und leicht umsetzbare
Aufgabenteilung greife. Die Beschwerdeführerin sei die Hauptbezugsperson von
E.________. Die alleinige Zuteilung der Obhut an sie biete dem Kind grössere
Stabilität als eine gemeinsame Obhut. Die vom erstinstanzlichen Gericht
vorgesehene Betreuung am Dienstagmorgen und Donnerstagmorgen gewährleiste
(zusammen mit Besuchswochenenden und dem Ferienrecht) einen ausreichenden
Kontakt zwischen Vater und Sohn.

3.3. Das Bundesgericht hat sich kürzlich in grundsätzlicher Weise zu den
Kriterien geäussert, nach welchen im Einzelfall zu beurteilen ist, ob die
alternierende Obhut voraussichtlich dem Kindeswohl entspricht (zur amtlichen
Publikation vorgesehene Urteile 5A_904/2015 und 5A_991/2015 vom 29. September
2016, je mit weiterführenden Hinweisen).

3.3.1. Der zivilstandsunabhängige Regelfall der gemeinsamen elterlichen Sorge
(Art. 296 Abs. 2 ZGB) führt auch im Rahmen des Getrenntlebens dazu, dass die
Eltern den Aufenthaltsort des Kindes gemeinsam bestimmen (vgl. Art. 301a Abs. 1
ZGB). Die Bedeutung von "Obhut" beschränkt sich damit auf die "faktische
Obhut", das heisst auf die Befugnis zur täglichen Betreuung des Kindes und auf
die Ausübung der Rechte und Pflichten im Zusammenhang mit seiner laufenden
Pflege und Erziehung (Urteile 5A_904/2015 E. 3.2.2 und 5A_991/2015 E. 4.1). Die
gemeinsame elterliche Sorge resp. die darin enthaltene Befugnis, den
Aufenthaltsort des Kindes zu bestimmen, ist nicht notwendigerweise mit einer
alternierenden Obhut verbunden. Ob dieses Betreuungsmodell möglich und mit dem
Wohl des Kindes vereinbar ist, muss eheschutzrichterlich überprüft werden. Beim
Kindeswohl handelt es sich um die oberste Maxime des Kindesrechts, gegenüber
welcher die Interessen und Wünsche der Eltern in den Hintergrund treten. Eine
tatsächliche Vermutung für oder wider die alternierende Obhut existiert nicht.
Das Gericht muss gestützt auf die Feststellung der konkreten gegenwärtigen und
vergangenen Tatsachen eine Prognose darüber treffen, ob diese Betreuungslösung
aller Voraussicht nach dem Wohl des Kindes entspricht (vgl. Urteile 5A_904/2015
E. 3.2.3 erster Abs. und 5A_991/2015 E. 4.2).

3.3.2. Die alternierende Obhut kommt grundsätzlich nur in Frage, wenn beide
Eltern erziehungsfähig sind. Weiter ist dieses Betreuungsmodell nur praktisch
umsetzbar, wenn die Eltern fähig und bereit sind, in Kinderbelangen laufend
miteinander zu kommunizieren und im Hinblick auf die notwendigen
organisatorischen Vorkehrungen zu kooperieren. Allein aus dem Umstand, dass ein
Elternteil sich einer Regelung mit geteilter Betreuung widersetzt, kann nicht
ohne Weiteres geschlossen werden, die nötige Kooperation sei nicht
gewährleistet. Unter diesem Aspekt ist von einer alternierenden Obhut nur
abzusehen, wenn das Verhältnis unter den Eltern hinsichtlich anderer
Kinderbelange von einer Feindseligkeit gezeichnet ist, die annehmen lässt, eine
alternierende Obhut würde das Kind dem gravierenden Elternkonflikt in einer
Weise aussetzen, die seinen Interessen offensichtlich zuwider läuft. Weiter
kommt es auf die geographische Situation an, namentlich die Distanz zwischen
den Wohnungen der beiden Eltern. Bedeutsam ist auch die Kindeswohlwirksamkeit
der Stabilität, wie sie mit einer Weiterführung der bisherigen Regelung
einhergeht. In diesem Sinne ist eine alternierende Obhut umso eher angezeigt,
wenn die Eltern das Kind schon vor ihrer Trennung abwechselnd betreut haben.
Andere Kriterien sind die Möglichkeit der Eltern, das Kind persönlich zu
betreuen, das Alter des Kindes, seine Beziehungen zu (tatsächlichen oder
faktischen) Geschwistern und seine Einbettung in das weitere soziale Umfeld.
Beachtung verdient auch der Wunsch des Kindes, selbst wenn es bezüglich der
Betreuungsregelung (noch) nicht urteilsfähig ist. Gegebenenfalls erfordert der
Untersuchungsgrundsatz (Art. 296 Abs. 1 ZPO), die Aussagen des Kindes mit Hilfe
eines Gutachtens oder sonstiger sachverständiger Einschätzung zu
interpretieren.
Die Erziehungsfähigkeit beider Eltern ist in jedem Fall notwendige
Voraussetzung einer alternierenden Obhut. Die weiteren Beurteilungskriterien
hängen oft voneinander ab; ihre jeweilige Bedeutsamkeit richtet sich nach den
konkreten Umständen. So spielen das Kriterium der Stabilität und dasjenige der
Möglichkeit zur persönlichen Betreuung des Kindes bei Säuglingen und
Kleinkindern eine wichtige Rolle. Geht es hingegen um Jugendliche, kommt der
Zugehörigkeit zu einem sozialen Umfeld grosse Bedeutung zu. Die
Kooperationsfähigkeit der Eltern wiederum verdient besondere Beachtung, wenn
das Kind schulpflichtig ist oder die Entfernung zwischen den Wohnorten der
Eltern ein Mehr an Organisation erfordert (Urteile 5A_904/2015 E. 3.2.3 zweiter
und dritter Abs. und 5A_991/2015 E. 4.3).

3.4. 

3.4.1. Nach Auffassung der Beschwerdeführerin ist der angefochtene Entscheid
willkürlich, weil es stossend und ungerecht erscheine, wenn E.________ aus
einem stabilen Lebens- und Betreuungsumfeld herausgerissen und unter die
"unstabile Teilobhut" des Beschwerdegegners gestellt würde.
Zur Frage, wie die Parteien die Kindesbetreuung vor der Trennung und während
des erstinstanzlichen Verfahrens unter sich aufgeteilt hatten, hat die
Vorinstanz die Akten und Einlassungen der Parteien umfassend und schlüssig
gewürdigt. Sie beurteilte die Aussage der Ehefrau, sie sei schon vor Zuteilung
der alleinigen Obhut gleichsam alleinerziehend gewesen, als nicht glaubhaft.
Das Obergericht folgerte, nichts spreche dagegen, dass der Beschwerdegegner die
eheschutzrichterlich festgelegten Betreuungszeiten einhalten werde. Die
Vorinstanz hielt fest, es sei davon auszugehen, dass die Parteien vor ihrer
Trennung im Oktober 2013 E.________ ungefähr zu gleichen Teilen betreut hatten
und dass sich der Ehemann nach der Trennung immer noch in erheblichem Umfang um
den Sohn kümmerte (oben E. 3.1). Diese Feststellungen zeigen, dass der
Gesichtspunkt der Weiterführung der für das Kind gewohnten Betreuung für eine
alternierende Obhut wie vorinstanzlich angeordnet spricht. Die
Beschwerdeführerin hält mit einer Darstellung der Sachlage aus ihrer eigenen
Sicht dagegen, ohne zu erklären, weshalb die vorinstanzliche Beweiswürdigung
unhaltbar sei. Auf die Rüge, die betreffenden Feststellungen seien offenkundig
tatsachenwidrig, mithin willkürlich, kann daher nicht eingetreten werden (oben
E. 2.2).

3.4.2. Weiter macht die Beschwerdeführerin geltend, die Kooperation und
Kommunikation unter den Eltern sei seit längerem erheblich gestört, weshalb sie
auf die Vermittlung eines Erziehungsbeistandes angewiesen seien. Dieses
Vorbringen ist hier nicht relevant: Die Beschwerdeführerin verlangt selber, der
Ehemann und Vater solle Sohn E.________ an zwei Halbtagen betreuen. Im
vorinstanzlich stipulierten Betreuungskonzept - mit einer anderen Verteilung
der Betreuungsanteile - schafft eine allfällig gestörte Zusammenarbeit der
Eltern jedenfalls kein  zusätzliches gravierendes Konfliktpotential, welches
dem Kindeswohl offensichtlich zuwiderlaufen würde (vgl. oben E. 3.3.2). Willkür
ist auch unter diesem Aspekt nicht erkennbar. Im Übrigen scheint die
Beschwerdeführerin die Betreuung durch den Vater als Instrument der
Fremdbetreuung zu verstehen, wenn sie dessen Obhut (abgesehen von den
"Besuchswochenenden" und den Ferien) auf die Zeiten - ab halb sechs Uhr morgens
- beschränken möchte, zu denen sie selber arbeitet. Massgebend ist das
Kindeswohl, hier in Gestalt einer Betreuungsordnung, welche einer
funktionierenden Vater-Kind-Beziehung förderlich ist; dieses Ziel geht den
Interessen und Wünschen der Eltern vor (oben E. 3.3.1).

3.4.3. Zusammengefasst zeigt die Beschwerdeführerin nicht auf und ist auch
nicht ersichtlich, inwiefern die Vorinstanz bei der Auswahl, Gewichtung und
Anwendung der für die Ausgestaltung von Obhut und Betreuung massgeblichen
Kriterien willkürlich vorgegangen sein, eine qualifiziert falsche Prognose
gestellt oder den erheblichen Sachverhalt aktenwidrig festgestellt haben
sollte. Auch bestehen keinerlei Hinweise darauf, dass die vorinstanzlich
angeordnete alternierende Betreuung das Kindeswohl im Ergebnis gefährden würde
(vgl. oben E. 2.2).

4. 
Die Beschwerdeführerin begründet ihren Antrag auf höhere Unterhaltsbeiträge
damit, ohne die vom Obergericht vorgesehene zusätzliche Betreuungspflicht sei
es dem Beschwerdegegner möglich, ein Arbeitspensum von 80 Prozent (statt von 60
Prozent) zu leisten. Nachdem das angefochtene Urteil hinsichtlich der Fragen
der Obhut und der Aufteilung der Betreuung von E.________ willkürfrei ist,
ergeben sich zum Ehegatten- und Kindesunterhalt keine Weiterungen.

5. 
Da es bei den materiellen Anordnungen des Obergerichts bleibt, ist der
mitangefochtene Kostenentscheid betreffend das Berufungsverfahren ohne Weiteres
zu bestätigen.

6. 
Insgesamt ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann.
Die Beschwerdeführerin wird kostenpflichtig (Art. 66 Abs. 1 BGG). Ihrem Gesuch
um unentgeltliche Rechtspflege für das bundesgerichtliche Verfahren kann nicht
entsprochen werden. Die über weite Strecken appellatorische Beschwerde war von
Anfang an aussichtslos (Art. 64 Abs. 1 BGG). Bei der Festsetzung der
Gerichtskosten wird der finanziellen Lage der Beschwerdeführerin Rechnung
getragen (Art. 65 Abs. 2 BGG). Dem Beschwerdegegner ist in der Sache kein
entschädigungspflichtiger Vertretungsaufwand entstanden (Art. 68 Abs. 2 BGG).
Im Zusammenhang mit dem Gesuch der Beschwerdeführerin um Zuerkennung der
aufschiebenden Wirkung ist ihm die unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu
bewilligen; der mit seiner Eingabe vom 12. Februar 2016 gestellte Antrag, das
Gesuch um aufschiebende Wirkung sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei,
war, wenngleich abzuweisen, so doch nicht von vornherein aussichtslos.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.

2.1. Das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtspflege wird
abgewiesen.

2.2. Das Gesuch des Beschwerdegegners um unentgeltliche Rechtspflege wird
gutgeheissen.

3. 
Die Gerichtskosten von Fr. 1'000.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

4. 
Fürsprecher Gino Keller wird als unentgeltlicher Anwalt des Beschwerdegegners
bestellt, und es wird ihm aus der Bundesgerichtskasse eine Entschädigung von
Fr. 600.-- ausgerichtet.

5. 
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Aargau
schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 2. November 2016
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: von Werdt

Der Gerichtsschreiber: Traub

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