Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilabteilung 5C.87/2000
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5C.87/2000/ZBE/bnm

              II.  Z I V I L A B T E I L U N G
              ********************************

                        1. März 2001

Es wirken mit: Bundesrichter Bianchi, präsidierendes Mitglied
der II. Zivilabteilung, Bundesrichter Merkli, Bundesrichter
Meyer sowie Gerichtsschreiber Zbinden.

                          ---------

                          In Sachen

1. Z.________,
2. Y.________,
Beklagte und Berufungskläger, beide vertreten durch Rechts-
anwalt Dr. Walter Locher, Museumstrasse 35, 9000 St. Gallen,

                            gegen

X.________, Klägerin und Berufungsbeklagte, vertreten durch
Rechtsanwalt Prof. Dr. Reinhold Hotz, Rötelistrasse 12,
9000 St. Gallen,

                         betreffend
                         Erbteilung,

hat sich ergeben:

     A.- Am 29. April 1987 starb in S.________ W.________.
Sie hinterliess als gesetzliche Erben zwei Töchter und einen
Sohn. Weil sich die Erben über die Aufteilung des Nachlasses
nicht einigen konnten, reichte X.________ am 20. April 1993
Klage beim Bezirksgericht Werdenberg ein. Mit Urteil vom
29. Mai 1997 stellte das Bezirksgericht Werdenberg fest, dass
der Nettonachlass Fr. 361'833.35 und somit für jedes der Kin-
der Fr. 120'611.10 betrage. Das Gericht teilte die Erbschaft
unter die drei Kinder auf, wobei unter anderem die Grund-
stücke Nrn. 1 und 2 X.________ zum Ertragswert von
Fr. 42'190.-- und die Grundstücke Nrn. 3 und 4 Z.________ zum
Verkehrswert von Fr. 156'000.-- zugewiesen wurden. Y.________
erhielt vor allem Sparhefte. Die drei Erbteile wurden unter
anderem durch Ausgleichszahlungen auf die gleiche Höhe ge-
bracht.

     B.- Die von Z.________ und Y.________ gegen dieses
Urteil gerichtete kantonale Berufung wies das Kantonsgericht
St. Gallen am 21. Dezember 1999 ab.

        Gegen dieses Urteil führten Z.________ und
Y.________ Nichtigkeitsbeschwerde beim Kassationsgericht des
Kantons St. Gallen, welches die Beschwerde am 26. Oktober
2000 abwies, soweit es darauf eintrat.

     C.- Z.________ und Y.________ haben das Urteil des Kan-
tonsgerichts St. Gallen auch mit Berufung beim Bundesgericht
angefochten; sie beantragen, das angefochtene Urteil sei
vollumfänglich aufzuheben; das Begehren der Klägerin auf Zu-
weisung eines sich in der Erbschaft befindlichen landwirt-
schaftlichen Gewerbes zum Ertragswert sei abzuweisen; bei der

Teilung des Nachlasses von W.________ seien die Grundstücke
Parzelle Nr. 4 und 2 und Nr. 3 zum Verkehrswert am Teilungs-
tag zu bewerten und von diesen Wert sei bei der Losbildung
auszugehen; eventuell sei das Urteil aufzuheben und die
Streitsache in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 OG an die Vor-
instanz zurückzuweisen.

        X.________ beantragt Abweisung der Berufung, soweit
darauf eingetreten werden könne. Das Kantonsgericht hat sich
nicht vernehmen lassen.

            Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

     1.- Die Beklagten rügen bezüglich der Parzelle Nr. 2
eine unrichtige Anwendung von Art. 617 aZGB, welcher im mass-
gebenden Zeitpunkt (Todestag der Erblasserin vom 29. April
1987; Art. 15 SchlT ZGB) wie folgt lautete:

        "Grundstücke sind den Erben zu dem Wert anzurechnen,
         der ihnen im Zeitpunkt der Teilung zukommt. Land-
         wirtschaftliche Grundstücke sind hiebei nach dem
         Ertragswerte, andere Grundstücke nach dem Verkehrs-
         werte zu schätzen."

        a) Das Kantonsgericht hat im angefochtenen Entscheid
ausgeführt, ein wesentliches Kriterium für den landwirt-
schaftlichen oder nichtlandwirtschaftlichen Charakter eines
Grundstücks stelle dar, welche Zuweisung ein Grundstück in
der Zonenordnung erfahren habe. Die Ausscheidung eines Grund-
stücks im Zonenplan sei aber für den Zuweisungsrichter nicht
absolut verbindlich. Die Parzelle Nr. 2 sei durch den kom-
munalen Nutzungsplan dem übrigen Gemeindegebiet zugeordnet
worden, welches das Gebiet umfasse, das für eine spätere bau-
liche Entwicklung oder nicht für eine bestimmte Nutzung vor-

gesehen sei. Im kantonalen Richtplan liege sie im "weiteren
Siedlungsgebiet". Soweit auf die raumplanerische Zuordnung
des Grundstücks abgestellt werde, sei der kommunale Zonen-
plan, der "parzellenscharf" und "grundeigentümerverbindlich"
über die raumplanerische Zuordnung Auskunft gebe, beizuzie-
hen. Damit stehe fest, dass das Grundstück weder zur Land-
wirtschafts- noch zur Bauzone gehöre. Die Gemeinde S.________
habe das Grundstück nicht der Bauzone zugewiesen, weil gemäss
Art. 15 RPG nur das voraussichtlich innert 15 Jahren er-
schlossene und benötigte Gebiet dieser Zone zuzuweisen sei.
Die Baulandqualität der Parzelle an sich sei nicht infrage
gestellt, doch habe die Gemeinde im Jahre 1997 aus Kapazi-
tätsgründen von einer Einzonung abgesehen. Gemäss den Ausfüh-
rungen des Gemeinderates im Einspracheentscheid vom 27. Ok-
tober 1997 sei somit nicht zu erwarten, dass die Parzelle
Nr. 2 in naher Zukunft der Bauzone zugewiesen werde. Aufgrund
der kommunalen Zonenzuweisung und den damit in Zusammenhang
stehenden raumplanerischen Tatsachen könne dem Grundstück
Nr. 2 der landwirtschaftliche Charakter nicht abgesprochen
werden. In subjektiver Hinsicht komme hinzu, dass die Par-
zelle seit Jahren von der Klägerin als Pächterin im land-
wirtschaftlichen Sinne genutzt werde. Aufgrund des bestehen-
den langfristigen landwirtschaftlichen Pachtvertrages und der
Absicht der Klägerin, das Grundstück weiterhin landwirt-
schaftlich zu betreiben, sei davon auszugehen, dass auch die
zukünftige Nutzung landwirtschaftlicher Natur sein werde.
Eine eventuelle, nichtlandwirtschaftliche Bebauung der Par-
zelle sei nur im Rahmen einer Ausnahmebewilligung nach
Art. 24 RPG denkbar, was praktisch ausser Betracht falle.
Im Übrigen verwies das Kantonsgericht die Beklagten auf
Art. 619 aZGB, wonach die Miterben ein Gewinnbeteiligungs-
recht haben, wenn ein zum Ertragswert übernommenes Grundstück
binnen 25 Jahren veräussert wird.

        b) Die Beklagten beanstanden, dass die Vorinstanz
den landwirtschaftlichen Charakter der Parzelle einfach mit
dem Hinweis auf die Zonenordnung - allerdings unter unrichti-
ger Würdigung des Sachverhalts - bejaht habe. Ein Grundstück
sei dann landwirtschaftlich, wenn es der Ausübung einer land-
wirtschaftlichen Berufstätigkeit diene. Die Praxis bediene
sich, wie der Berner Kommentar von Tuor/Picenoni im Einzelnen
darlege, bei der Beurteilung der Voraussetzungen von Art. 617
aZGB zahlreicher Kriterien. Einzig auf die Zonenordnung abzu-
stellen und erst noch ohne Berücksichtigung des kommunalen
Richtplanes und der Aussagen des Gemeinderates aus dem Jahre
1996, sei bundesrechtswidrig. Die Parzelle Nr. 2 sei nicht
mit einem landwirtschaftlichen Gewerbe verbunden. Dies ergebe
sich schon daraus, dass der Wert des Gebäudes fast das Sie-
benfache des übrigen Grundstücks betrage. Die dauernde land-
wirtschaftliche Zweckbestimmung sei schliesslich unvernünf-
tig, nachdem vorliegend lediglich ein Hobbybetrieb der
59½-jährigen Klägerin sowie ihres als Postbeamter tätigen
Ehemannes vorhanden sei.

        c) Soweit die Beklagten behaupten, die Vorinstanz
habe ihren Entscheid ausschliesslich auf die Zonenordnung
abgestützt, trifft dieser Vorwurf, wie sich aus dem angefoch-
tenen Entscheid und der soeben dargestellten Zusammenfassung
(E. 1 a) ohne weiteres ergibt, nicht zu. Richtig ist zwar,
dass das Kantonsgericht bei der Beurteilung der Frage, ob es
sich bei der Parzelle Nr. 2 um ein landwirtschaftliches
Grundstück handelt, der Zonenordnung in Übereinstimmung mit
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (BGE 116 II 167 E. 3
S. 170; 113 II 136 E. 5) erhebliches und mehr Gewicht ein-
geräumt hat, als der von den Beklagten angerufene Berner
Kommentar (Tuor/Picenoni, N. 14 ff. zu Art. 617 aZGB). Dies
ist darauf zurückzuführen, dass die Zonenpläne im Jahre 1964,
dem Erscheinungsjahr des Berner Kommentars, insbesondere im
Zusammenhang mit der Abgrenzung von Bau- und Landwirtschafts-
land eine untergeordnetere Rolle gespielt haben, als die

Ortsplanung unter der Herrschaft des Raumplanungsgesetzes
(BGE 111 II 326 E. 3a/cc, S. 327). Die starke Gewichtung der
Zonenordnung verletzt daher kein Bundesrecht.

        d) Das Grundstück Nr. 2 befindet sich nach dem gül-
tigen Zonenplan der Gemeinde S.________ im "übrigen Gemein-
degebiet". Gemäss Art. 21 des Baugesetzes des Kantons
St. Gallen umfasst das "übrige Gemeindegebiet" das Gebiet,
das für eine spätere bauliche Entwicklung oder nicht für eine
bestimmte Nutzung vorgesehen ist. Die Parzelle Nr. 2 befindet
sich demnach gegenwärtig weder in der Bau- noch in der Land-
wirtschaftszone. Der Beklagte Y._________ hat sich im Jahre
1997 gegen die Zuweisung der Parzelle Nr. 2 zum übrigen Ge-
meindegebiet mit Einsprache zur Wehr gesetzt; die Gemeinde
S.________ hat jedoch die Einsprache am 27. Oktober 1997 mit
der Begründung abgewiesen, die Parzelle werde in den nächsten
15 Jahren nicht als Bauland benötigt, sie weise zudem eine
ungünstige Form auf und biete Erschliessungsprobleme. Zwar
sei das Gebiet im Gemeinderichtplan für eine spätere Einzo-
nung vorgesehen; deshalb werde es nicht der Landwirtschafts-
zone zugewiesen. Da aber eine Überbauung aus Kapazitätsgrün-
den innerhalb des Planungshorizonts von 15 Jahren nicht in
Betracht falle, sei es mit Recht dem übrigen Gemeindegebiet
zugeordnet worden. Dieser Entscheid ist in Rechtskraft er-
wachsen. Die Schlussfolgerung des Kantonsgerichts, es sei
nicht zu erwarten, dass die Parzelle in naher Zukunft über-
baut werde, ist bei dieser Sachlage nicht zu beanstanden.
Vielmehr trifft diese Prognose für den gesamten Planungshori-
zont zu. Das Kantonsgericht durfte daher ohne Verletzung von
Bundesrecht annehmen, aufgrund der kommunalen Zonenzuweisung
und den damit in Zusammenhang stehenden raumplanerischen Tat-
sachen könne dem Grundstück Nr. 2 der landwirtschaftliche
Charakter nicht abgesprochen werden (vgl. BGE 83 II 109
S. 113). Das Kantonsgericht hat den Gemeinderichtplan zwar
wohl versehentlich als kantonalen Richtplan bezeichnet. Die-
ses offensichtliche Versehen könnte an sich durch das Bundes-

gericht von Amtes wegen korrigiert werden (Art. 63 Abs. 2
letzter Satz OG). Da der Verschrieb aber nicht von rechtser-
heblicher Bedeutung ist, kann auf eine Berichtigung verzich-
tet werden (Poudret/Sandoz-Monod, Commentaire de la loi d'or-
ganisation judiciaire, Bd. II, Bern 1990, N. 5.1 zu Art. 63
OG).

        e) Das Kantonsgericht hat sich auch mit den per-
sönlichen Verhältnissen der Klägerin auseinander gesetzt und
unter Hinweis auf das erstinstanzliche Urteil ausgeführt,
weshalb die Klägerin die Parzelle Nr. 2 zusammen mit zuge-
pachteten Grundstücken landwirtschaftlich nutze. Die Beklag-
ten bestreiten die landwirtschaftliche Nutzung, indem sie
ausführen, die Klägerin sei mittlerweile 59½-jährig und be-
treibe mit ihrem als Postbeamten tätigen Ehemann lediglich
einen Hobbybetrieb.

        Es trifft nicht zu, dass das Grundstück nur aus
Liebhaberei landwirtschaftlich betrieben wird. Der Bericht
über die Berechnung der ausreichenden Existenz gemäss
Art. 620 aZGB, welchen das Schweiz. Bauernsekretariat am
22. Februar 1990 für die Familie X.________ erstattet hat,
und welcher die ausreichende Existenz bejaht, mag zwar in
manchen Punkten nicht mehr aktuell sein. Ihm lässt sich aber
zweifelsfrei entnehmen, dass bei mehr als einer Hektare Ei-
genland und ca. neun Hektaren Pachtland mit den zugehörigen
landwirtschaftlichen Bauten (Stall, Scheune) offensichtlich
nicht von einem Hobbybetrieb gesprochen werden kann. Für die
Annahme eines landwirtschaftlichen Grundstücks im Sinne von
Art. 617 aZGB ist nicht erforderlich, dass die Personen, die
auf dem Grundstück wohnen, ihren gesamten Lebensunterhalt aus
der Landwirtschaft beziehen. Ein Grundstück muss also nicht
notwendigerweise zu einem landwirtschaftlichen Gewerbe gehö-
ren, das im Sinne von Art. 620 aZGB eine ausreichende land-
wirtschaftliche Existenz bietet (Tuor/Picenoni, Berner Kom-
mentar, N. 5 zu Art. 617 aZGB). Doch darf die landwirtschaft-

liche Produktion nicht so geringfügig sein, dass sie neben
den andern Einkünften eine ganz bescheidene Rolle spielt, so
etwa, wenn die Hausfrau bloss Gemüse und Obst für den Haus-
gebrauch zieht (Escher, Zürcher Kommentar, N. 24 und 25 zu
Art. 617 aZGB). So verhält es sich im vorliegenden Fall
nicht. Auch wenn möglicherweise nicht von einer ausreichenden
Existenz für eine ganze Familie gesprochen werden kann, übt
die Klägerin doch eine landwirtschaftliche Berufstätigkeit
aus und gebraucht daher die Parzelle einschliesslich Wohnhaus
landwirtschaftlich (vgl. dazu Tuor/Picenoni, a.a.O. N. 14 zu
Art. 617 aZGB). Der Umstand, dass der Ehemann der Klägerin
als Postbeamter tätig ist und mit der Klägerin auf dem Grund-
stück wohnt, steht bei dieser Sachlage der Annahme eines
landwirtschaftlichen Grundstücks nicht entgegen, auch wenn es
sich hier um einen Grenzfall handelt (vgl. BGE 5C.88/1998 vom
13. Juli 1998 i.S. Sch. gegen Sch. und Mitb.). Was die Be-
klagten aus dem Alter der Klägerin ableiten wollen, ist nicht
ohne weiteres klar. Massgebend ist, dass die Parzelle seit
langer Zeit landwirtschaftlich genutzt wird und weiterhin zu
diesem Zweck verwendet werden soll. Wird die Liegenschaft zu
einem über dem Ertragswert liegenden Preis veräussert, steht
den Beklagten im Rahmen von Art. 619 aZGB ein Gewinnbeteili-
gungsrecht zu.

     2.- Die Beklagten machen geltend, die Klägerin habe vor
erster Instanz die Zuweisung eines landwirtschaftlichen Ge-
werbes nach Art. 620 aZGB verlangt. Sie rügen, die Vorinstanz
habe diese Bestimmung nicht, bzw. unrichtig angewendet.
Art. 620 Abs. 1 aZGB lautet wie folgt:

        "Befindet sich in der Erbschaft ein landwirtschaft-
         liches Gewerbe, das eine wirtschaftliche Einheit
         bildet und eine ausreichende landwirtschaftliche
         Existenz bietet, so ist es, wenn einer der Erben
         sich zu dessen Übernahme bereit erklärt und als
         hiefür geeignet erscheint, diesem Erben zum Er-
         tragswert auf Anrechnung ungeteilt zuzuweisen."

        a) Es trifft an sich zu, dass die Klägerin ursprüng-
lich beantragt hat, es sei ihr "das landwirtschaftliche Ge-
werbe, das sich in der Erbschaft befindet, zum Ertragswert
auf Anrechnung ungeteilt zuzuweisen." Anlässlich der Schluss-
verhandlungen präzisierte sie ihre Rechtsbegehren und stellte
den Antrag, ihr sei auf Anrechnung an ihren Erbteil "das in
der Erbschaft befindliche landwirtschaftliche Gewerbe, beste-
hend aus den landwirtschaftlichen Grundstücken Nr. 2 und Nr.
1 (mit Gebäuden), zum Ertragswert von Fr. 42'190.-- zuzuwei-
sen." Für die Klägerin stand das genannte Begehren ursprüng-
lich vor dem Hintergrund von Art. 620 aZGB. Weil sie gestützt
auf das Beweisverfahren offenbar selbst am Vorliegen der wei-
teren Voraussetzungen für die Annahme eines landwirtschaft-
lichen Gewerbes zweifelte, stellte sie ihr neues Rechtsbe-
gehren auch vor den Hintergrund von Art. 617 aZGB. Es handelt
sich dabei lediglich um eine andere rechtliche Begründung des
nämlichen Begehrens, nämlich die Zuweisung der fraglichen
Grundstücke zum Ertragswert. Änderungen der rechtlichen Be-
gründung von Rechtsbegehren betreffen nicht das kantonale
Verfahrensrecht (BGE 125 III 305 E. 2e S. 311), sondern sie
sind von Bundesrechts wegen zulässig und zuzulassen (BGE 107
II 119 E. 2a S. 122; 113 Ia 309 E. 3b S. 312). Der Einwand,
die Klägerin hätte ihr Begehren nicht nachträglich auf
Art. 617 aZGB stützen dürfen, ist daher unbegründet.

        b) Dass es sich bei der Parzelle Nr. 1, welche tief
im Landwirtschaftsgebiet und der Landwirtschaftszone liegt
und auch landwirtschaftlich genutzt wird, um ein land-
wirtschaftliches Grundstück handelt, ist mit Recht nicht mehr
bestritten. Wie gezeigt, verletzte die Vorinstanz auch bezüg-
lich der Parzelle Nr. 2 kein Bundesrecht, indem sie an-
nahm, sie sei ein landwirtschaftliches Grundstück im Sinne
von Art. 617 aZGB. Bei dieser Sachlage durfte das Kantonsge-
richt die Frage offen lassen, ob es sich bei der Parzelle
Nr. 2 auch um einen Teil eines landwirtschaftlichen Gewerbes
im Sinne von Art. 620 aZGB handelt. Die ausführlichen Darle-

gungen der Beklagten zur Auslegung und Anwendung von Art. 620
aZGB gehen deshalb am Streitgegenstand vorbei und sind ohne
Belang. Darauf kann nicht eingetreten werden.

     3.- Die Beklagten rügen eine unrichtige Anwendung von
Art. 617 aZGB bezüglich der Parzelle Nr. 3. Es ist unbe-
stritten, dass diese Parzelle zum Verkehrswert zu schätzen
ist und dass dieser im Jahre 1995 Fr. 150'000.-- betragen
hat. Die Beklagten haben anlässlich der Schlussverhandlung
vom 6. Juni 1996 noch selber beantragt, es sei bezüglich der
Parzelle Nr. 3 von einem Wert von Fr. 150'000.-- auszugehen.
Die Beklagten führen aber nunmehr aus, sie hätten den In-
struktionsrichter der Vorinstanz insbesondere anlässlich des
Augenscheins ausdrücklich auf den baufälligen Zustand des
Gebäudes aufmerksam gemacht und darauf hingewiesen, dass die
Schätzung aus dem Jahre 1995 nicht mehr relevant sei. Bei
einer Grundstücksfläche von 350 m2 sei angesichts des zwi-
schenzeitlich eingetretenen Zerfalls des Gebäudes ein Preis
von Fr. 428.--/m2 (total Fr. 150'000.--) völlig übersetzt.
Art. 617 aZGB lege klar fest, dass der Wert der Liegenschaf-
ten im Zeitpunkt der Teilung massgebend sei.

        Es trifft an sich zu, dass die Parteien gestützt auf
Art. 618 ZGB eine Nachschätzung verlangen können, wenn ein
Zivilprozess sehr lange dauert, weil es möglich ist, dass
sich der Wert einer Liegenschaft beispielsweise wegen einer
Veränderung der Marktlage, der Zonenordnung oder der tat-
sächlichen Verhältnisse auf dem Grundstück wesentlich erhöht
oder vermindert hat (vgl. Escher, Zürcher Kommentar, N. 7 zu
Art. 618 ZGB; Spahr, Valeur et valorisme en matière de liqui-
dations successorales, Diss. Fribourg 1994, S. 120 f. Ziffer
2.3.2). Die Parteien, welche eine Nachschätzung insbesondere
nach verhältnismässig kurzer Zeit wünschen, haben aber darzu-
legen, inwiefern eine Wertveränderung eingetreten sein könn-
te. Das Kantonsgericht hat zum Begehren, für die Parzelle

Nr. 3 eine Neuschätzung durchzuführen, ausgeführt, es sei
nicht vorgebracht worden, welche konkreten Umstände seit 1995
neu eingetreten sein sollen und es seien auch keine solchen
ersichtlich. Das Kantonsgericht hat demnach nach Durchführung
eines Augenscheins in tatsächlicher Hinsicht festgestellt, es
seien seit dem Gutachten aus dem Jahre 1995 entgegen der Be-
hauptung der Beklagten keine konkreten Änderungen am Gebäude
ersichtlich, welche dessen Wert vermindert hätten. An diese
tatsächliche Feststellung ist das Bundesgericht gebunden
(Art. 63 Abs. 2 OG), so dass auf diese Rüge nicht eingetreten
werden kann. Abgesehen davon hat das Kantonsgericht mit sei-
ner Feststellung, es habe sich seit 1995 am Gebäude nichts
Wesentliches verändert, nicht verkannt, dass nicht der Zeit-
punkt der Schätzung im Jahre 1995, sondern der Zeitpunkt der
Erbteilung für die Wertbestimmung der Liegenschaft massgebend
ist. Es ist deshalb kein Bundesrecht verletzt worden.

     4.- a) Die Beklagten rügen eine Verletzung von Art. 611
Abs. 3 ZGB, wonach die Verteilung der Lose nach Vereinbarung
oder durch Losziehung unter den Erben erfolgen soll. Sie ma-
chen geltend, weder das Bezirksgericht Werdenberg noch die
Vorinstanz hätten Lose gebildet; diese seien aber Vorausset-
zung dafür, dass der Richter eine direkte Zuweisung der Nach-
lassgegenstände vornehmen könne. Eine direkte Zuweisung durch
den Richter komme zudem nur dann infrage, wenn einer der
Erben sie verlange. Dies sei hier nicht der Fall. Insbeson-
dere sei die Zuweisung der Parzelle Nr. 1 an den Beklagten 1
nicht ausgewiesen. Bei der Losbildung müssten zudem der
Ortsgebrauch, die persönlichen Verhältnisse und die Wünsche
der Mehrheit berücksichtigt werden. Im vorliegenden Fall sei
weder ein Ortsgebrauch nachgewiesen, noch liege eine Mehr-
heitsmeinung vor, welche eine Losbildung erlaube. Die Vorin-
stanz weise die Parzellen Nrn. 3 und 4 zu Unrecht mit der
Begründung der Beklagten 1 zu, die Beklagten hätten sich
lediglich gegen die Zuweisung an die Beklagte 1 gewendet,

aber nicht vorgebracht, wer die Liegenschaften hätte über-
nehmen sollen. Sie hätten zumindest implizit die Auffassung
vertreten, die Liegenschaften seien der Klägerin zuzuweisen.

        b) Das Kantonsgericht hat ausgeführt, dem Richter
komme die selbstständige Zuweisungskompetenz zu. Bei der Zu-
teilung gelte der Grundsatz der Gleichberechtigung. Die ge-
gensätzlichen Parteiinteressen sollten durch Berücksichtigung
des Ortsgebrauchs, der persönlichen Verhältnisse und der
Wünsche der Mehrheit der Miterben gelöst werden (Art. 611
Abs. 2 ZGB). In differenzierter Anwendung dieser Grundsätze
und insbesondere unter Berücksichtigung der persönlichen Ver-
hältnisse der Parteien hat das Kantonsgericht zunächst die
Parzellen Nrn. 2 und 1 an die Klägerin bestätigt. Anschlies-
send hat es geprüft, ob der Teilungsrichter berechtigt ist,
die Zuweisung der Nachlassgegenstände an die Beklagten vor-
zunehmen, und hat diese Frage bejaht. Schliesslich hat es die
Liegenschaften Nrn. 3 und 4 an die Beklagte 1 bestätigt und
ebenso die Zuweisung der Sparguthaben an den Beklagten 2.

        c) Was die Beklagten dagegen vorbringen, dringt aus
bundesrechtlicher Sicht nicht durch.

        aa) Gemäss Art. 604 Abs. 1 ZGB kann jeder Miterbe
zu beliebiger Zeit die Teilung der Erbschaft verlangen. Das
haben die Parteien getan. Sie haben nicht nur die Feststel-
lung der Erbschaft, sondern auch deren Teilung verlangt
(insb. Begehren 1a der Beklagten). Die Klägerin hat zudem die
Zuweisung der Parzellen Nrn. 2 und 1 anbegehrt. Der Anspruch
aus Art. 604 Abs. 1 ZGB geht an sich nur auf Vornahme der
Teilung, nicht auch auf Zuweisung bestimmter Objekte. Ge-
stützt auf Äusserungen in der Lehre (Tuor/Picenoni, Berner
Kommentar, N. 4 f und g zu Art. 604 ZGB und eine Reihe dort
zitierter Autoren) sowie einer älteren Rechtsprechung (BGE 69
II 357 E. 7 und 10 S. 369) hat das Bundesgericht in BGE 101
II 41 E. 4b S. 45 erneut bestätigt, dass der angerufene Rich-

ter allenfalls ein vollstreckbares Urteil zu fällen habe,
d.h. ein solches, das die Teilung durchführt und die Vertei-
lung der Erbschaftsbestandteile auf die einzelnen Erben durch
die Vollzugsorgane unmittelbar ermöglicht (so auch mit ein-
lässlicher Begründung Seeberger, Die richterliche Erbteilung,
Diss. Freiburg 1992 S. 65 ff. mit zahlreichen Hinweisen). Das
Kantonsgericht hat somit kein Bundesrecht verletzt, indem es
die Erbschaftsbestandteile konkret zugewiesen hat (so auch:
nicht veröffentlichter Entscheid des Bundesgerichts vom
22. Juni 1995 i.S. N.B. und L.H. gegen J.H. und K.H. mit
Hinweisen).

        bb) Das Kantonsgericht hat überzeugende Überlegungen
über die Verteilung der Erbschaftsgegenstände angestellt, die
von den Beklagten nicht hinreichend begründet als bundes-
rechtswidrig gerügt werden (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG). Ihre
Ausführungen darüber, dass das Kantonsgericht ihren Wünschen
nicht vollumfänglich gefolgt ist, genügt als Begründung
nicht. Im Übrigen ist die Zuweisung der Parzellen Nrn. 2 und
1 an die Klägerin nicht bundesrechtswidrig, weil diese dort
seit 1961 wohnt und das Grundstück zusammen mit andern Par-
zellen selber bewirtschaftet (Neukomm/Czettler, Das bäuer-
liche Erbrecht, 5. Aufl. Brugg 1982 S. 133; Seeberger, Die
richterliche Erbteilung, Freiburg 1992, S. 231; zurückhalten-
der bei der Berücksichtigung des Selbstbewirtschafters:
Escher, Zürcher Kommentar, N. 1a zu Art. 617 ZGB). Demgegen-
über wohnen die Beklagten nicht in der Nähe. Die starke Ge-
wichtung der persönlichen Verhältnisse bei der Verteilung der
Erbschaftsgegenstände ist nicht zu beanstanden (so auch See-
berger, a.a.O., S. 219; Schaufelberger, Basler Kommentar,
N. 7 zu Art. 604 ZGB). Dass die übrigen Liegenschaften bei
dieser Sachlage den Beklagten zugewiesen werden, ergibt sich
aus dem Grundsatz der Gleichbehandlung der Erben, zumal diese
nicht die Versteigerung der Grundstücke beantragen. Die Be-

klagten können die der Beklagten 1 zugewiesenen Grundstücke
auf ihren Wunsch unter sich anders verteilen, als vom Gericht
beschlossen.

        Die Berufung muss aus diesen Gründen abgewiesen wer-
den, soweit darauf eingetreten werden kann.

     5.- Bei diesem Ausgang des Verfahrens haben die Beklag-
ten die Gerichtskosten zu tragen und der Klägerin eine Par-
teientschädigung zu entrichten (Art. 156 Abs. 1 und Art. 159
Abs. 2 OG).

             Demnach erkennt das Bundesgericht:

     1.- Die Berufung wird abgewiesen, soweit darauf einzu-
treten ist, und das Urteil des Kantonsgerichts St. Gallen,
I. Zivilkammer, vom 21. Dezember 1999 wird bestätigt.

     2.- Die Gerichtsgebühr von Fr. 6'000.-- wird den Be-
klagten auferlegt.

     3.- Die Beklagten haben der Klägerin für das bundes-
gerichtliche Verfahren eine Parteientschädigung von
Fr. 6'000.-- zu bezahlen.

     4.- Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantons-
gericht St. Gallen, I. Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

                        _____________

Lausanne, 1. März 2001

             Im Namen der II. Zivilabteilung des
               SCHWEIZERISCHEN BUNDESGERICHTS
  Das präsidierende Mitglied:         Der Gerichtsschreiber: