Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilabteilung 5C.40/2001
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5C.40/2001/RTN/bnm

              II.  Z I V I L A B T E I L U N G
              ********************************

                        23. Mai 2001

Es wirken mit: Bundesrichter Reeb, Präsident der II. Zivil-
abteilung, Bundesrichter Merkli, Bundesrichter Meyer und
Gerichtsschreiber von Roten.

                          ---------

                          In Sachen

C.________, Beklagter 2 und Berufungskläger,
D.________, Beklagte 3 und Berufungsklägerin,
beide vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Peter Schmucki,
Marktgasse 3, Postfach, 9004 St. Gallen,

                            gegen

B.________, Klägerin 1 und Berufungsbeklagte,
A.________, Kläger 2 und Berufungsbeklagten,
beide vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Christoph Kradolfer,
Bahnhofstrasse 3, 8590 Romanshorn 1,

                         betreffend
                         Erbteilung,

hat sich ergeben:

     A.- Am 31. Oktober 1955 verstarb in Z.________
X.________. Als gesetzliche Erben blieben zurück seine Ehe-
frau E.________ und seine vier Kinder A.________, B.________,
C.________ und D.________. Zum Nachlass gehörte ein land-
wirtschaftliches Heimwesen (vorab Parzelle Nr. 602, Grundbuch
Z.________), in das während der Dauer der Erbengemeinschaft
investiert wurde (Umbauten zu Wohnzwecken, Renovationen, Um-
gebungsarbeiten u.a.m.). Die Parzelle Nr. 602 wurde schliess-
lich auf Betreibung der Grundpfandgläubigerin verwertet und
von C.________ ersteigert.

        Mit Weisung vom 4. März 1985 klagten B.________ und
A.________ (Kläger 1 und 2) gegen ihre Mutter (Beklagte 1)
und ihre beiden Geschwister (Beklagte 2 und 3) auf Erbtei-
lung. Die drei beklagten Miterben begehrten widerklageweise
ebenfalls die Feststellung und Teilung des Nachlasses.

        Während des Prozesses starb E.________. Ihre gesetz-
lichen Erben sind die vier Kinder. Bereits am 30. Dezember
1982 hatte die Verstorbene ihrem Sohn C.________ ihren "gü-
terrechtlichen und erbrechtlichen Anteil am Nachlass
X.________" abgetreten.

     B.- Die Erbteilung führte zunächst das Bezirksgericht
Z._________ (Urteil vom 31. August 1990) und auf Berufung
beider Parteien das Obergericht des Kantons Thurgau durch
(Urteil vom 2. Mai 1991). Während eine kantonale Revision
erfolglos blieb (Urteil des Obergerichts vom 11. Februar
1993), hob das Bundesgericht das obergerichtliche Urteil -
soweit angefochten - vollumfänglich auf und wies die Sache
zur ergänzenden Beweisabnahme und zu neuer Entscheidung zu-
rück (Urteil vom 2. Dezember 1993, 5C.194/1991). Eine konnexe

staatsrechtliche Beschwerde wurde damit gegenstandslos (Be-
schluss vom 2. Dezember 1993, 5P.302/1991).

     C.- Nach Ergänzung des Beweisverfahrens nahm das Oberge-
richt die Erbteilung erneut vor. Die Dispositiv-Ziffern 1 bis
4 und 6 seines Urteils lauten wie folgt:

        "1. Es wird festgestellt, dass die Erben von
            E.________ sel. keinen Anspruch an den Nachlass
            zu stellen haben.

         2. Das Grundbuchamt Z.________ wird angewiesen,
            B.________ zu 27/50 und A.________ zu 23/50 als
            Eigentümer der Parzelle Nr. 606 (Grundbuch
            Z.________) einzutragen.

         3. Das Grundbuchamt Z.________ wird angewiesen,
            C.________ zu 73/100 und D.________ zu 27/100 als
            Eigentümer der Parzellen Nrn. 601, 603 und 609
            (je Grundbuch Z.________) einzutragen.

         4. Das Grundbuchamt Y.________ wird angewiesen,
            C.________ zu 73/100 und D.________ zu 27/100 als
            Eigentümer der Parzellen Nrn. 534 und 555 (Grund-
            buch Y.________) einzutragen.

         6. C.________ und D.________ werden für berechtigt
            erklärt, die Fertiggaragen auf Parzelle Nr. 606
            (Grundbuch Z.________) abzumontieren und auf
            ihren Parzellen aufzustellen."

        Das Obergericht teilte ferner ein auf die Erbenge-
meinschaft lautendes Bankguthaben auf und verlegte die Pro-
zesskosten des kantonalen Verfahrens (Dispositiv-Ziffern 5
und 7 f. des Urteils vom 30. März 2000).

     D.- C.________ und D.________ beantragen dem Bundes-
gericht mit Berufung, die Dispositiv-Ziffern 2 bis 8 des
obergerichtlichen Urteils aufzuheben und die Sache zur
Durchführung der richterlichen Erbteilung nach Massgabe des
bundesgerichtlichen Entscheids an die Vorinstanz zurückzu-
weisen. Im Eventualantrag legen sie dar, wie der Nachlass im

Einzelnen zu teilen sei. In seinen Gegenbemerkungen hat das
Obergericht auf Abweisung der Berufung geschlossen. Denselben
Antrag stellen A.________ und B.________ in ihrer Antwort.

     E.- Die gegen das nämliche Urteil gleichzeitig erhobene
staatsrechtliche Beschwerde von C.________ und D.________ hat
die II. Zivilabteilung des Bundesgerichts mit Urteil vom
heutigen Tag abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden
konnte.

            Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

     1.- Die Feststellung in Dispositiv-Ziffer 1 des oberge-
richtlichen Urteils entspricht der Dispositiv-Ziffer 2 des
obergerichtlichen Urteils vom 2. Mai 1991, die mit Berufung
vor Bundesgericht nicht angefochten worden und deshalb in
Rechtskraft erwachsen ist (Art. 54 Abs. 2 OG; vgl. E. 4d
S. 16 und E. 6 S. 17 des Berufungsurteils, 5C.194/1991). Das
Rubrum kann durch Streichung der Erbengemeinschaft der Be-
klagten 1 berichtigt werden. In rechtlicher Hinsicht ist da-
ran zu erinnern, dass ein Erbenvertreter insbesondere dann zu
bestellen ist, wenn in einem Erbteilungsprozess eine Partei
stirbt und deren Rechtsnachfolger aus beteiligten Klägern und
Beklagten besteht; der Erbenvertreter (Art. 602 Abs. 3 ZGB)
hätte den Prozess für die Erbengemeinschaft der Beklagten 1,
bestehend aus den Klägern und den Beklagten 2 und 3, in eige-
nem Namen und als Partei führen können (Schaufelberger, Bas-
ler Kommentar, N. 28 und N. 47 zu Art. 602 ZGB mit Nachwei-
sen). Ein solches Vorgehen hätte Irrungen vermieden.

     2.- Nachdem das Bundesgericht die dagegen gerichtete
staatsrechtliche Beschwerde abgewiesen hat, sind die ober-
gerichtlichen Feststellungen über tatsächliche Verhältnisse
im Verfahren der eidgenössischen Berufung verbindlich, es
wäre denn, dass sie unter Verletzung bundesrechtlicher Be-
weisvorschriften zustande gekommen sind, auf offensichtli-
chem Versehen beruhen (Art. 63 Abs. 2 OG) oder zu ergänzen
sind (Art. 64 OG). Eine ausnahmsweise zulässige Sachverhalts-
rüge erheben die Beklagten 2 und 3 mit Bezug auf die Schät-
zung der Nachlassliegenschaft zur Berechnung des Vorschlags-
anteils der überlebenden Ehefrau des Erblassers.

        a) Das Bezirksgericht hat auf ein von den Parteien
unterzeichnetes Privatinventar abgestellt und Einwände der
Beklagten gegen die darin enthaltenen Schätzungswerte ver-
worfen (E. 2 S. 20 ff.). Das Obergericht ist in seinem ersten
Berufungsurteil davon ausgegangen, die Beklagten machten zu
Unrecht geltend, der Verkehrswert habe Fr. 103'000.-- - statt
Fr. 65'000.-- gemäss Privatinventar - betragen, und es sei
nicht ersichtlich, weshalb der von ihnen für das Jahr 1962
behauptete Wert auch für das Jahr 1955 Geltung haben solle;
plausible Gründe dafür, dass in jenem Jahr der Wert zu tief
angesetzt worden sei, brächten die Beklagten nicht vor (E. 4c
S. 15). In seinem zweiten Berufungsurteil hat das Obergericht
darauf verwiesen (E. 5c S. 22).

        b) Eine Verletzung ihres Beweisführungsanspruchs
(Art. 8 ZGB) erblicken die Beklagten 2 und 3 darin, dass das
Obergericht ihren tauglichen Beweisantrag auf Einholung einer
Expertise abgelehnt habe, mit der der Wert der Liegenschaften
im Zeitpunkt der güterrechtlichen Auseinandersetzung hätte
festgelegt werden können. Die beweisbelastete Partei ist von
Bundesrechts wegen zum Beweis der rechtserheblichen Tatsachen
zuzulassen, soweit sie entsprechende Anträge im kantonalen
Verfahren form- und fristgerecht gestellt hat. Der bundes-
rechtliche Anspruch schliesst indessen vorweggenommene Be-

weiswürdigung nicht aus (BGE 126 III 315 E. 4a S. 317), d.h.
das Gericht darf von beantragten Beweiserhebungen absehen,
wenn es sie von vornherein nicht für geeignet hält, die be-
haupteten Tatsachen zu beweisen, oder wenn es seine Überzeu-
gung bereits aus anderen Beweisen gewonnen hat und davon
ausgeht, dass weitere Abklärungen am massgeblichen Beweiser-
gebnis nichts mehr zu ändern vermöchten (BGE 122 III 219
E. 3c S. 223/224). Ob das Gericht seine aus dem - allenfalls
beschränkten - Beweisverfahren gewonnene Überzeugung, eine
Tatsachenbehauptung sei bewiesen oder widerlegt, haben durf-
te, ist eine Frage der bundesrechtlich nicht geregelten Be-
weiswürdigung, die auf Berufung hin nicht überprüft werden
kann und mit der das Bundesgericht sich in der vorliegend
ebenfalls erhobenen staatsrechtlichen Beschwerde befasst hat
(E. 8 S. 25 ff.; vgl. BGE 114 II 289 E. 2a S. 291; 126 III
189 E. 2a Abs. 3 S. 191; 123 III 246 E. 4b S. 252). Die be-
hauptete Verletzung des Beweisführungsanspruchs ist daher
nicht gegeben, abgesehen davon, dass die Beklagten 2 und 3
nicht dartun, den angeblichen Beweisantrag im kantonalen Ver-
fahren auch form- und fristgerecht erhoben zu haben (Art. 55
Abs. 1 lit. c OG; BGE 107 II 222 E. I/3 S. 224; vgl. Münch,
Berufung und zivilrechtliche Nichtigkeitsbeschwerde, in: Pro-
zessieren vor Bundesgericht, 2.A. Basel 1998, N. 4.62, a.E.).

        c) Der von den Beklagten 2 und 3 zitierte Autor
nimmt an, Bundesrecht sei verletzt, wenn das Gericht eine Be-
weisabnahme ablehne, in der Annahme, sie werde wahrscheinlich
seine Überzeugung nicht ändern (Dressler, Die Tatsachenüber-
prüfung durch das Bundesgericht im Berufungsverfahren, ZSR NF
94/1975 II S. 37 ff., S. 61). Entgegen der Behauptung der Be-
klagten 2 und 3 hat das Obergericht sich nicht mit blosser
Wahrscheinlichkeit begnügt, wo von Bundesrechts wegen Über-
zeugung erforderlich gewesen wäre (vgl. zum Regelbeweismass:
BGE 118 II 235 E. 3c S. 238 f.). Die von ihnen angesprochene
Plausibilität betrifft nicht die im Inventar enthaltene Lie-
genschaftsschätzung, von deren Richtigkeit das Obergericht

überzeugt gewesen ist, sondern hat den Einwänden gefehlt, die
die Beklagten dagegen vorgebracht haben. Auch in diesem Punkt
liegt keine Bundesrechtsverletzung vor.

     3.- In ihrer Klageantwort vom 6. September 1985 hatten
die Beklagten einen Antrag auf Schätzung der Nachlassliegen-
schaften im Zeitpunkt der Erbteilung gestellt, worauf das
Bezirksgericht das Gutachten K.________/S.________ vom
16. Dezember 1986 einholte. Alle kantonalen Instanzen haben
in Durchführung der Erbteilung auf das erwähnte Gutachten
abgestellt. In ihrer Eingabe vom 22. September 1999 und an
der Beweisverhandlung vom 30. März 2000 beantragten die Be-
klagten, es seien die zum Nachlass gehörenden Liegenschaften
neu zu schätzen. Das Obergericht hat den Beweisantrag abge-
lehnt (E. 5e S. 22 ff.). Die Beklagten 2 und 3 wenden ein,
die Vorgehensweise des Obergerichts verletze materielles
Bundesrecht; entgegen Art. 617 ZGB sei nicht auf den Ver-
kehrswert der Grundstücke abgestellt worden, der ihnen im
Zeitpunkt der Teilung zugekommen sei.

        a) Die Ablehnung des Beweisantrags beruht auf mehre-
ren Begründungen. Das Obergericht hat insbesondere festgehal-
ten, auf Grund des in § 287 aZPO verankerten und hier anwend-
baren grundsätzlichen Novenverbots im Berufungsverfahren sei
für die Bewertung des Nachlassvermögens auf den Zeitpunkt des
erstinstanzlichen Urteils abzustellen. Das Obergericht ist
weiter davon ausgegangen, die Voraussetzungen für eine all-
fällige Ausnahme vom Novenverbot seien nicht erfüllt, weil
der neue Beweisantrag viel früher hätte gestellt werden kön-
nen und müssen (E. 5e/aa und bb S. 23). Das Bundesgericht hat
diese Begründung als nicht verfassungswidrig bezeichnet, we-
der hinsichtlich der Auslegung noch mit Bezug auf die Anwen-
dung des kantonalen Rechts. Nach Rückweisung der Sache durch
das Bundesgericht sei im Frühjahr 1994 das Beweisverfahren
wieder geöffnet worden, doch hätten die Beklagten 2 und 3 in

ihrer Beweismitteleingabe vom 6. September 1994 keine Neu-
schätzung der Liegenschaften verlangt. Auf Grund der Umstände
des zu beurteilenden Falles habe ihr erstmals in der Eingabe
vom 22. September 1999 gestellter neuer Beweisantrag als ver-
spätet abgelehnt werden dürfen (E. 3 S. 12 ff. des Beschwer-
deurteils).

        b) Die Beklagten 2 und 3 wollen die Zulässigkeit
ihres neuen Beweisantrags offenbar aus den nach dem oberge-
richtlichen Urteil vom 2. Mai 1991 ergangenen Rechtsmittel-
entscheiden ableiten. Es trifft zu, dass sich das Obergericht
in seinem Revisionsurteil zu einer allenfalls notwendigen
Neuschätzung der Liegenschaften geäussert hat (E. 3e S. 10).
Die Revision hat jedoch keine Änderung des angefochtenen Ur-
teils bewirkt, so dass eine Pflicht des Obergerichts, auf die
Schätzungen zurückzukommen, auch nicht bestanden hat. Richtig
ist auch, dass das Bundesgericht das obergerichtliche Urteil
teilweise aufgehoben und die Sache zur ergänzenden Beweisab-
nahme und zu neuer Entscheidung an das Obergericht zurückge-
wiesen hat. Eine solche Rückweisung erfolgt indessen stets
unter Wahrung der kantonalen Prozessrechtshoheit (Art. 122
Abs. 2 BV), d.h. es ist eine Frage des kantonalen Rechts, ob
und in welchem Umfang nochmals ein Beweisverfahren durchge-
führt werden kann (BGE 116 II 220 E. 4a S. 222; Poudret/
Sandoz-Monod, Commentaire de la loi fédérale d'organisation
judiciaire, II, Bern 1990, N. 2.3 zu Art. 64 und N. 1.2 zu
Art. 66 OG; Corboz, Le recours en réforme au Tribunal fédé-
ral, in: SJ 2000 II 1 ff., S. 70); im Rahmen des Rückwei-
sungsentscheids kann daher auf einen veränderten Sachverhalt
nur insoweit abgestellt werden, als das kantonale Recht Noven
zulässt (Messmer/Imboden, Die eidgenössischen Rechtsmittel in
Zivilsachen, Zürich 1992, N. 31 bei Anm. 6, S. 44). Aus den
beiden Rechtsmittelentscheiden lässt sich entgegen der Auf-
fassung der Beklagten 2 und 3 für das im Frühjahr 1994 wieder
aufgenommene Beweisverfahren nichts ableiten.

        c) Die im Erbteilungsprozess anwendbaren Verfahrens-
grundsätze stützen die Behauptungen der Beklagten 2 und 3
nicht. Sind nach kantonalem Recht die Verhandlungs- und Dis-
positionsmaxime anwendbar, so ist es Sache der Parteien, die
geltend gemachten Ansprüche zu benennen und den Sachverhalt
darzulegen und zu beweisen. Aber selbst wenn von Bundesrechts
wegen die Untersuchungsmaxime anwendbar wäre, würde dadurch
ein Novenverbot in der Rechtsmittelinstanz nicht ausgeschlos-
sen (z.B. für den Mietrechtsprozess: BGE 125 III 231 E. 4a
S. 239). Richtig ist, dass sich das kantonal-rechtlich zuläs-
sige Novenverbot nicht auf erstmals im Berufungsverfahren
eingenommene Rechtsstandpunkte beziehen kann; das Gericht hat
das Recht vielmehr von Amtes wegen anzuwenden (z.B. im Erb-
teilungsprozess: BGE 107 II 119 E. 2a S. 122). Richterliche
Rechtsanwendung entbindet die Parteien indessen nicht von
ihrer Behauptungslast, zumal ein Rechtssatz - hier vorab das
angerufene Gebot der Gleichbehandlung aller Erben (Art. 607
Abs. 1 und Art. 610 Abs. 1 ZGB) - nicht von Amtes wegen ange-
wendet werden kann, wenn sein Tatbestand nicht einmal behaup-
tet, geschweige denn bewiesen ist. Der Grundsatz der Rechts-
anwendung von Amtes wegen schützt also nicht vor dem Verlust
eines materiellen Anspruchs durch unsorgfältige Prozessfüh-
rung (BGE 115 II 464 E. 1 S. 465). Die massgebenden Prozess-
maximen - soweit sie sich wie die zuletzt genannte aus Bun-
desrecht ergeben und damit überprüfbar sind (Art. 43 OG) -
verbieten es aus den dargelegten Gründen nicht, neue Beweis-
mittelanträge im Rechtsmittelverfahren generell oder wegen
Verspätung abzulehnen (vgl. BGE 116 II 196 E. 3a S. 200/201).

        d) Die Beklagten 2 und 3 leiten die Pflicht, eine
Neuschätzung der Nachlassliegenschaften auf Antrag zuzulassen
oder gerichtlich anzuordnen, schliesslich aus Art. 617 ZGB
ab, wonach Grundstücke den Erben zu dem Wert anzurechnen
sind, der ihnen im Zeitpunkt der Teilung zukommt. Weil und
solange die Erben Gesamteigentümer der Erbschaftsgegenstände
sind (Art. 602 Abs. 1 und 2 ZGB), tragen sie Wertverminderun-

gen gesamthaft und profitieren von Wertsteigerungen gesamt-
haft; Gegenstand der Teilung, ist deshalb das Nachlassvermö-
gen im Zeitpunkt der Teilung, unter Vorbehalt anderslautender
Verfügungen des Erblassers oder abweichenden Beschlusses der
Erben (vgl. etwa Piotet, Erbrecht, SPR IV/2, Basel 1981,
§ 106/I, S. 855).

        Ist Art. 617 ZGB aber nicht zwingender Natur (so
auch: Tuor/Picenoni, Berner Kommentar, N. 6, Escher/Escher,
Zürcher Kommentar, N. 10, je zu Art. 617 ZGB), so darf das
Gericht auch nach langer Verfahrensdauer ohne entsprechenden
Antrag einer Partei eine Neuschätzung der Nachlassliegen-
schaften im Grundsatz nicht anordnen (vgl. Spahr, Valeur et
valorisme en matière de liquidations successorales, Diss.
Fribourg 1994, S. 120 f. Ziffer 2.3.2). Das von den Beklagten
2 und 3 dem Zürcher Kommentar entnommene, angeblich gegentei-
lige Zitat ist nicht einschlägig: Bei möglicher Wertverände-
rung wegen langer Prozessdauer wird der Richter bei der zu-
ständigen Behörde eine Nachschätzung verlangen müssen (so
Escher/Escher, N. 7 zu Art. 618 ZGB), nicht weil er den Sach-
verhalt von Amtes abklären soll, wie die Beklagten offenbar
glauben machen wollen, sondern weil die Bestimmung des An-
rechnungswertes gemäss Art. 618 ZGB Sache der amtlich be-
stellten Schätzer und nicht des Gerichts ist; dieser Zusam-
menhang, wie er auf Grund der Vorauflage des Kommentars ohne
weiteres ersichtlich wird (Escher, N. 7 ebendort), macht
deutlich, dass die Kommentatoren nichts über die Verfahrens-
maximen äussern, die den Erbteilungsprozess beherrschen.

        Die Massgeblichkeit des Tages der Urteilsfällung für
den Wert der Nachlassliegenschaften (Art. 617 ZGB) verpflich-
tet das Gericht nicht dazu, selber Beweiserhebungen anzuord-
nen oder ohne Rücksicht auf das anwendbare Prozessrecht je-
derzeit Beweisanträge der Parteien zuzulassen. Wie lange un-
vorhersehbare, den Wert beeinflussende Umstände während des
Verfahrens noch geltend gemacht - und darauf gestützt Beweis-

anträge gestellt - werden können, bestimmt das kantonale
Recht (vgl. zum inhaltlich mit Art. 617 ZGB übereinstimmenden
Art. 214 ZGB: Hausheer/Reusser/Geiser, Berner Kommentar,
N. 10, letzter Absatz, a.E.).

        e) Aus den dargelegten Gründen hat das Obergericht
kein Bundesrecht verletzt, indem es gestützt auf kantonales
Recht den Beweisantrag der Beklagten 2 und 3 für neu bzw.
verspätet und damit unzulässig erklärt hat. Auf die weiteren
Entscheidgründe des Obergerichts braucht bei diesem Ergebnis
nicht mehr eingegangen zu werden.

     4.- Im Jahre 1979 leitete die Mutter der Parteien das
Baubewilligungsverfahren für einen Scheunenumbau (Ausbau der
bestehenden Stallungen und des Heubodens in ein Wohnhaus) mit
einer Bausumme von Fr. 150'000.-- ein. Strittig im Erbtei-
lungsprozess ist, ob der vom Beklagten 2 alsdann in den Jah-
ren 1981/82 für eine Summe von rund Fr. 800'000.-- realisier-
te "Umbau", einschliesslich der Aufnahme eines Darlehens von
Fr. 100'000.-- bei der Lebenspartnerin und heutigen Ehefrau
des Beklagten 2, im Auftrag der übrigen Miterben erfolgt ist.
Das Obergericht hat die Frage verneint (E. 7b/ee S. 32 ff.,
vorab E. 7b/ee/eee-ggg S. 37 ff., und E. 7e S. 48 ff.). Die
Beklagten 2 und 3 berufen sich erneut auf eine von den kla-
genden Erben ebenfalls unterzeichnete Vollmacht vom 29. Juni
1980 zu Gunsten des Beklagten 2 und behaupten eine Verletzung
des Vertrauensprinzips bei der Auslegung der Bevollmächtigung
(Art. 396 Abs. 1, Art. 33 Abs. 2 und Art. 18 OR).

        a) Der Umfang der Vollmacht beurteilt sich nach dem
Inhalt der Bevollmächtigung (Art. 33 Abs. 2 OR) und - soweit
es sich beim ermächtigenden Rechtsgeschäft um einen Auftrag
handelt, dessen Umfang nicht ausdrücklich bezeichnet worden
ist - nach der Natur des zu besorgenden Geschäftes (Art. 396
Abs. 1 OR). Die Bevollmächtigung, die den Rechtsgrund der

Vollmacht bildet, ist - wie bei Rechtsgeschäften üblich -
nach dem Vertrauensprinzip auszulegen (Art. 2 ZGB), soweit
nicht feststeht, dass der Vertretene den Vollmachtgeber tat-
sächlich richtig verstanden hat (Art. 18 Abs. 1 OR).

        Die Frage nach dem übereinstimmenden wirklichen Wil-
len der Parteien (Art. 18 Abs. 1 OR) ist zuerst zu prüfen und
wird durch die kantonale Letztinstanz für das Bundesgericht
verbindlich beantwortet (Art. 63 Abs. 2 OG). Fehlt es an
einer tatsächlichen Willensübereinstimmung, sind die Erklä-
rungen der Parteien auf Grund des Vertrauensprinzips (Art. 2
ZGB) so auszulegen, wie sie nach ihrem Wortlaut und Zusammen-
hang sowie den gesamten Umständen verstanden werden durften
und mussten; diese Ermittlung des mutmasslichen Parteiwillens
kann das Bundesgericht als Rechtsfrage frei prüfen, wobei die
hierfür erforderlichen Feststellungen über den Inhalt der Er-
klärungen und die äusseren Umstände wiederum verbindlich sind
(Art. 63 Abs. 2 OG; BGE 126 III 375 E. 2e/aa S. 379).

        Der von den Beklagten 2 und 3 zitierte Autor gibt
diese Auslegungsgrundsätze richtig wieder und unterscheidet
auch zutreffend, dass nur die Feststellung des Sinnes und In-
halts einer Willenserklärung anhand der allgemeinen Lebenser-
fahrung zur Rechtsfrage gehört, hingegen Tatfrage bleibt, was
das Gericht für den Parteiwillen weitergehend aus den beson-
deren äusseren Begleitumständen des Vertragsschlusses ablei-
tet (Dressler, a.a.O., S. 43 f.; vgl. zur Abgrenzung: Corboz,
a.a.O., S. 62 vor Anm. 496; Messmer/Imboden, a.a.O., N. 96
S. 132 bei Anm. 22; Poudret/Sandoz-Monod, N. 4.4 zu Art. 63
OG). Gestützt darauf wenden die Kläger teilweise zu Recht
ein, dass das Obergericht bei seiner Auslegung auf Indizien
wie das spätere Verhalten der Parteien abgestellt habe und
deshalb nicht allgemeine Lebenserfahrung, sondern richterli-
che Lebenserfahrung im Rahmen der Beweiswürdigung vorliege,
die im Verfahren der eidgenössischen Berufung - von ausser

Frage stehenden Ausnahmen (E. 2 hiervor) - nicht überprüft
werden könne (ausführlich: BGE 118 II 365 Nr. 72).

        b) Das Obergericht hat festgehalten, dass von einem
Einverständnis des Klägers 2 bezüglich der Umbauten und Reno-
vationen ausgegangen werden müsse, solange seine Mutter als
Bauherrin - bis 1980 - aufgetreten sei. Dazu gehört - nach
den obergerichtlichen Feststellungen - auch das von ihr 1979
mit einer Bausumme von Fr. 150'000.-- bei den Behörden einge-
gebene Umbauprojekt, hingegen nicht der vom Beklagten 2 als-
dann 1981/82 realisierte Umbau für rund Fr. 800'000.--. So-
lange jedenfalls die Geschwister nicht konkret über die an-
fallenden Kosten orientiert worden seien, habe sich die dem
Beklagten 2 seitens der Geschwister erteilte Vollmacht vom
29. Juni 1980 lediglich auf das seinerzeit von ihrer aller
Mutter unterzeichnete Baugesuch beziehen können. Auf eine
stillschweigende Genehmigung des vom Beklagten 2 erstellten
Neubaus durch den Kläger 2 könne nicht geschlossen werden,
da auch kein Zeuge bestätigt habe, ihn während der Umbauzeit
in Z.________ häufig gesehen zu haben. Selbst bei gelegent-
lichen Besuchen könne nicht auf eine stillschweigende Geneh-
migung geschlossen werden (E. 7b/ee/eee S. 37 ff.).

        Der von den Beklagten behaupteten Lebenserfahrung,
wo ein Erbe mit der Überbauung einer Nachlassliegenschaft
nicht einverstanden sei, schaue er nicht jahrelang still-
schweigend zu, bis der Bau vollendet sei, hat das Obergericht
entgegengehalten, es widerspreche auch jeder Lebenserfahrung,
dass bezüglich der hohen verbauten Summe, die sogar ein Dar-
lehen der damaligen Lebenspartnerin (und heutigen Ehefrau)
des Beklagten 2 notwendig gemacht habe, der Bauherr keine
Rechenschaft ablege und nie eine Bauabrechnung vorlege. Viel-
mehr seien die Geschwister offensichtlich vor ein Fait ac-
compli gestellt worden (E. 7b/ee/eee S. 39).

        Das Obergericht hat weiter auf Grund verschiedener
Begebenheiten festgehalten, dass die von den übrigen Miterben
dem Beklagten 2 erteilte Anwaltsvollmacht vom 29. Juni 1980
sich in erster Linie auf die Ortsplanung bezogen haben müsse.
Nebst den vorausgegangenen und zeitlich nachfolgenden Ver-
handlungen mit der Gemeinde über ein Durchleitungsrecht be-
legt dies nach Ansicht des Obergerichts der Umstand, dass die
Klägerin 1 am 31. August 1982 dem Grundbuchamt Z.________
mitgeteilt habe, sie annulliere per sofort die ihrem Bruder
erteilte Vollmacht, dann aber am 4. Dezember 1982 den Beklag-
ten 2 in Sachen "Ortsplanung" erneut bevollmächtigt habe, zu
einem Zeitpunkt also, in dem die Planung des späteren Umbaus
bereits im Gange war. Das Obergericht hat daraus gefolgert,
es sei nicht nachvollziehbar, weshalb in der Vollmacht vom
4. Dezember 1982 weiterhin lediglich von "Ortsplanung" die
Rede sei. Es dränge sich daher der Schluss auf, dass der Be-
klagte 2 seine Geschwister über sein Vorhaben bewusst im Un-
klaren gelassen und ihnen erst nach Abschluss des Umbaus
einen Vorschlag zur Erbteilung unterbreitet habe; über ange-
fallene Erschliessungsbeiträge hinausgehende Informationen
der Erbengemeinschaft seien nicht belegt. Dass die Vollmacht
vom 29. Juni 1980 die Um- bzw. Einzonung der Grundstücke in
Z.________ zum Gegenstand gehabt habe, belegten schliesslich
die vom Beklagten 2 im Namen der Erbengemeinschaft erhobenen
Einsprachen zur Richt- und Ortsplanung (E. 7b/ee/fff
S. 39 f.).

        c) Für die Auslegung entscheidend und verbindlich
sind die obergerichtlichen Feststellungen, dass die dem Be-
klagten 2 erteilte Vollmacht einerseits im Zusammenhang mit
dem ursprünglich noch von der Mutter der Parteien eingereich-
ten Baugesuch gesehen werden muss und andererseits vor dem
Hintergrund einer hängigen Ortsplanung gestanden hat.

        Diese äusseren Begleitumstände der Bevollmächtigung
zeigen zum einen, dass nicht eine - zudem auf ein Anwaltsfor-

mular gesetzte - Generalvollmacht für ein Umbauprojekt mit
einer Summe von Fr. 800'000.-- und für die Aufnahme von Dar-
lehen vorgelegen hat. Entgegen der Darstellung der Beklagten
2 und 3 kann sich die Beschränkung einer Generalvollmacht
selbst aus den Umständen ergeben (BGE 99 II 39 E. 2 S. 43),
wie sie das Obergericht sonder Zahl festgehalten hat (E. 4b
soeben). Dass beide Kläger auf dem Formular erwähnt haben
sollen, ein allfälliger Verkauf von Land sei von der Voll-
macht ausgeschlossen, kann vor dem Hintergrund ihrer Ertei-
lung nach Treu und Glauben deshalb nicht den Umkehrschluss
rechtfertigen, alles andere sei erlaubt gewesen und die
Kläger seien insbesondere mit einem Bauprojekt für rund
Fr. 800'000.-- einverstanden gewesen. Ebenso wenig kann dazu
in zweiter Linie ermächtigt worden sein, wenn die Vollmacht
sich in erster Linie auf die Ortsplanung bezogen hat; Voll-
macht zur Vertretung bei der Ortsplanung beinhaltet nicht
subsidiär ("in zweiter Linie") Ermächtigung zu einem "Umbau"
und damit verbunden zur Aufnahme von Darlehen. Die entspre-
chenden Vorbringen der Beklagten 2 und 3 sind nicht stich-
haltig.

        Die verbindlich festgestellten äusseren Begleitum-
stände der Bevollmächtigung machen zum anderen deutlich, dass
der Beklagte 2 nach Treu und Glauben nicht davon ausgehen
durfte, er sei zu einem Projekt mit einer Bausumme von rund
Fr. 800'000.-- und zur Aufnahme von Darlehen bevollmächtigt
worden. Es ist richtig, dass der Umfang einer Vollmacht auch
stillschweigend umschrieben werden kann (BGE 93 II 461 E. 6a
S. 482), doch bedeutet ein rein passives Verhalten in der Re-
gel nicht die Äusserung eines Verpflichtungswillens (BGE 123
III 53 E. 5a S. 59). Vor dem Hintergrund der Vollmachtertei-
lung wird nachvollziehbar, weshalb der Kläger 2 anlässlich
seiner vereinzelten Besuche in Z.________ nicht gegen die
Bauarbeiten eingesprochen haben soll. Denn die Bevollmächti-
gung hat im Zusammenhang mit dem ursprünglichen Baugesuch der
Mutter der Parteien gestanden, mit dem auch der Kläger 2 ein-

verstanden war. Nach Treu und Glauben hätte er somit gegen
die Bauarbeiten des Beklagten 2 nur dann einsprechen können
und müssen, wenn für ihn bei gelegentlichen Besuchen fest-
stellbar gewesen wäre, dass die ursprüngliche Bausumme von
Fr. 150'000.-- bei weitem überschritten werde. Dass dies der
Fall gewesen ist, behaupten die Beklagten 2 und 3 selber
nicht. Aus den dargelegten Gründen kann nicht als bewiesen
gelten, dass der vom Beklagten 2 in den Jahren 1981/82 rea-
lisierte Umbau gestützt auf eine rechtswirksame Vollmacht -
notwendigerweise (Art. 602 Abs. 1 und 2 ZGB) - aller Miterben
erfolgt wäre.

     5.- Einen Ausgleichungsanspruch der Beklagten 3 wies zu-
nächst das Bezirksgericht ab mit der Begründung, die Beklag-
ten hätten nicht näher dargelegt noch zum Beweis verstellt,
dass die Voraussetzungen gemäss Art. 631 ZGB erfüllt seien
(E. 4d S. 28). Das Obergericht hat in seinem Revisionsurteil
bekräftigt, dass eine ausbildungsmässige Benachteiligung
eines Nachkommens in keiner Weise substantiiert geltend ge-
macht worden, geschweige denn mit überzeugenden Fakten zum
Beweis verstellt worden sei (E. 3a S. 6 ff.), und ist dann in
seinem zweiten Berufungsurteil davon ausgegangen, darauf kön-
ne hingewiesen werden (E. 5d S. 22). Die Beklagten 2 und 3
wenden ein, die vom Obergericht gestellten Anforderungen an
die Substantiierung des Anspruchs gemäss Art. 631 ZGB seien
bundesrechtswidrig. Den in Ausbildung stehenden ("unerzoge-
nen" in der Fassung vor 1988) Kindern sei bei der Teilung ein
angemessener ("billiger" in der Fassung vor 1988) Vorbezug
einzuräumen (Art. 631 Abs. 2 ZGB). Dieser Anspruch sei aus-
reichend substantiiert worden, nachdem unstreitig feststehe,
dass die beim Tod des Erblassers erst vierzehnjährige Beklag-
te 3 - im Gegensatz zu ihren Geschwistern mit Lehrabschluss -
über keine Ausbildung verfügt habe.

        Ob ein aus dem Bundesrecht abgeleiteter Anspruch
durch die Sachvorbringen einer Partei als ausreichend sub-
stantiiert gelten kann, ist eine Frage des Bundesrechts
(BGE 108 II 337 E. 2b S. 339 und E. 3 S. 340 f.; 123 III 183
E. 3e S. 188). Art. 631 Abs. 2 ZGB gibt Anspruch auf einen
"angemessenen" bzw. "billigen" Vorbezug. Die Umschreibung
verweist auf das Ermessen des Gerichts, doch heisst "Ermes-
sen" des Vorbezugs nicht "Festsetzen nach Belieben". Einem
Kind, das keine Ausbildung erhalten hat, ist grundsätzlich
so viel vorzubehalten, als es mutmasslich zum Abschluss einer
seinen Verhältnissen entsprechenden Ausbildung gebraucht hät-
te. Viele Gründe - z.B. geringes Erbschaftsvermögen, die Zahl
und finanzielle Stellung und die Interessen der Miterben, die
mutmassliche Zeit, während der die Unterstützungspflicht des
Erblassers bei seinem Weiterleben gedauert hätte usw. usf. -
können ein Abweichen von einer vollständigen Ausgleichung
rechtfertigen (ausführlich: Tuor/Picenoni, N. 19, und Forni/
Piatti, Basler Kommentar, N. 11, je zu Art. 631 ZGB).

        Die Beklagten 2 und 3 legen nicht dar, über all das
im kantonalen Verfahren irgendetwas vorgetragen zu haben. Sie
beschränken sich darauf, einen bestimmten Betrag zu fordern,
von dem sie - ohne nähere Anhaltspunkte zu geben - glauben,
dass er den Kosten einer vierjährigen Lehre in den Sechziger-
jahren entspreche. Das ist ein Rechtsbegehren, aber keine Be-
gründung für dessen Beurteilung. Derart unvollständige Par-
teivorbringen erlauben die Anwendung des Rechts nicht (E. 3c
hiervor), und das Obergericht hat kein Bundesrecht verletzt,
indem es auf die Forderung mangels näherer Substantiierung
nicht eingetreten ist. Den Feststellungen im obergerichtli-
chen Urteil kann zudem entnommen werden, dass die Beklagte 3
nach dem Tod ihres Vaters auf dem landwirtschaftlichen Heim-
wesen bei ihrer Mutter geblieben ist (E. 7b/ee/ddd S. 36),
deren Nachlass nicht Gegenstand der vorliegenden Teilung bil-
det (E. 5a S. 21). Die Kläger verweisen deshalb wohl zu Recht
darauf, dass der angemessene Vorbezug im Sinne von Art. 631

Abs. 2 ZGB mit dem Tod der Mutter geschuldet und bei deren
Erbfolge geltend zu machen ist. Tatsachenfeststellungen zur
Bezahlung der Ausbildungs- und Erziehungskosten durch die
Mutter der Beklagten 3 fehlen allerdings, so dass die aufge-
worfene Frage letztlich offen bleiben muss (vgl. dazu Piotet,
Erbrecht, SPR IV/1, Basel 1978, § 15/I, S. 72; Forni/Piatti,
N. 9 zu Art. 631 ZGB).

     6.- Weitere Bundesrechtsverletzungen erblicken die Be-
klagten 2 und 3 in der materiellen Teilung durch das Oberge-
richt. Im Einzelnen geht es um Folgendes:

        a) Die Erben haben nach den gleichen Grundsätzen zu
teilen (Art. 607 Abs. 1 ZGB) und bei der Teilung alle den
gleichen Anspruch auf die Gegenstände der Erbschaft, wenn
keine andern Vorschriften Platz greifen (Art. 610 Abs. 1
ZGB). Eine Verletzung dieses Prinzips der Gleichberechtigung
vermögen die Beklagten 2 und 3 nicht mit zulässigen Vorbrin-
gen darzutun. Denn massgebend ist für die Aufteilung der Lie-
genschaften das Gutachten K.________/S.________ (E. 3 hier-
vor). Von diesem weichen die Beklagten 2 und 3 ab, wenn sie -
nach eigenen Angaben - nicht vorhersehbare Wertentwicklungen
einwenden und ungenaue Zahlen behaupten. Auf ihre Berufung
kann in diesem Punkt nicht eingetreten werden (Art. 55 Abs. 1
lit. c OG; BGE 126 III 59 E. 2a S. 65).

        b) Die Beklagten 2 und 3 werfen dem Obergericht vor,
es habe zu Unrecht den Abzug latenter Lasten verweigert. Nach
den Feststellungen des Obergerichts haben die Beklagten den
Abzug latenter Grundstückgewinnsteuern verlangt (E. 7g S. 51
f.). Soweit die Beklagten 2 und 3 diesen Abzug heute auf la-
tente Lasten bei landwirtschaftlichen Grundstücken im Zusam-
menhang mit dem neuen bäuerlichen Bodenrecht ausdehnen, ist
ihr Vorbringen neu und unzulässig (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG).

        Das Obergericht hat die neuere Rechtsprechung zur
Berücksichtigung latenter Lasten in der güterrechtlichen Aus-
einandersetzung zutreffend wiedergegeben: Latente Lasten sind
als wertvermindernde Faktoren bei der Bewertung von Liegen-
schaften grundsätzlich zu berücksichtigen und nicht nur dann,
wenn sich die Belastung mit Sicherheit oder hoher Wahrschein-
lichkeit aktualisieren wird (BGE 125 III 50 E. 2a/cc S. 55).
Betragsmässig hat der Richter die in Rechnung zu stellenden
künftigen Belastungen "ex aequo et bono" zu ermitteln, was
ihn allerdings nicht davon entbindet, die zur Verfügung ste-
henden rechtlichen und tatsächlichen Gegebenheiten bei der
Bestimmung des Wertes der latenten Lasten zu berücksichtigen
(BGE 125 III 50 E. 2b/bb S. 55/56). Für diese tatsächlichen
Gegebenheiten obliegt den Beklagten 2 und 3 - entgegen ihrer
Auffassung und trotz der "ex aequo et bono"-Festsetzung des
Betrags der Belastung - die Behauptungslast (vgl. E. 3c hier-
vor), damit sich das Obergericht - wie das Bundesgericht das
verlangt (BGE 125 III 50 E. 2b/cc S. 56) - dazu äussern kann,
ob und gegebenenfalls wann sich latente Lasten verwirklichen
könnten.

        Dass sie sich im kantonalen Verfahren dazu geäussert
hätten, machen die Beklagten 2 und 3 nicht geltend. Es ver-
letzt deshalb kein Bundesrecht, wenn das Obergericht den ge-
forderten Abzug verweigert hat, weil die Beklagten im Rahmen
der Bewertung der latenten Lasten nicht substantiiert hätten,
dass und wie gewisse Liegenschaften verkauft werden könnten.

        c) Nach Art. 611 Abs. 1 ZGB sollen aus den Erb-
schaftssachen so viele Teile oder Lose gebildet werden, als
Erben oder Erbstämme vorhanden sind. Das Bundesgericht hat
diese Bestimmung dahin ausgelegt, dass - abweichende Verein-
barung der Erben vorbehalten - "Einzellose" (je eines für je-
den Erben oder Erbstamm) zu bilden sind (keine gemeinsamen
Lose für mehrere Erben: BGE 85 II 382 E. 3 S. 387). In diesem
Sinne hat das Bundesgericht ferner entschieden, ein Erbe kön-

ne sich der Aufteilung einer Liegenschaft in Stockwerkeigen-
tum und der Zuweisung von Stockwerkeigentumsanteilen wider-
setzen, weil damit Miteigentum an den gemeinschaftlichen Tei-
len verbunden (Art. 712a und Art. 712b ZGB) und insoweit die
Erbteilung nicht vollständig durchgeführt sei (BGE 94 II 231
E. 4 S. 234; nicht veröffentlichtes Urteil des Bundesgerichts
vom 30. März 1999 i.S. S. gegen B., E. 1b, 5C.18/1999); die
Meinungen in der Lehre dazu sind geteilt (Schaufelberger,
N. 8 zu Art. 612 ZGB mit Nachweisen; ausführlich die Kritik
bei Seeberger, Die richterliche Erbteilung, Diss. Freiburg
i.Ü. 1992, S. 194 ff.). Gestützt auf die gezeigte Rechtspre-
chung wäre es bundesrechtswidrig, wenn das Obergericht den
Parteien gegen ihren Willen Liegenschaften zu Miteigentum
zugewiesen hätte. Die Beklagten 2 und 3 verweisen darauf zu
Recht, übersehen damit aber, dass hier entscheidend in Frage
steht, ob die Zuweisung zu Miteigentum überhaupt dem Willen
der Erben widerspricht.

        Dass mehrere von ihnen einen Erbschaftsgegenstand
gemeinsam erhalten sollen, können die Erben zweifellos in
einem Erbteilungsvertrag vereinbaren (für den Fall des Stock-
werkeigentums: BGE 94 II 231 E. 5 S. 239) oder dem Gericht im
Teilungsprozess beantragen (Seeberger, a.a.O., S. 120). Das
Obergericht hat darauf Bezug genommen und betont, die Kläger
hätten eine Zuweisung der Liegenschaften an sie selber bzw.
an die Beklagten gesamthaft begehrt (E. 10a S. 60). Aber auch
von Seiten der Beklagten 2 und 3 liegt ein entsprechender An-
trag vor. Zwar hatte das Bezirksgericht offensichtlich entge-
gen ihren Begehren alle Erben entsprechend ihren Erbquoten je
als Miteigentümer in die Nachlassliegenschaften eingewiesen,
nämlich die Kläger in die Parzellen Nrn. 609, 534 und 555 und
die Beklagten in die Parzellen Nrn. 601, 603 und 606. Die sie
betreffende Zuweisung fochten die Beklagten jedoch in ihrer
Berufung nicht an und verlangten vielmehr zusätzlich zu den
im Miteigentum zugesprochenen Liegenschaften die Zuweisung
der Parzelle Nr. 609 an den Beklagten 2 und der Parzelle

Nr. 534 an den Beklagten 2 und/oder die Beklagte 3, jeweilen
eventuell im Miteigentum an beide Beklagten. Ihr Eventualan-
trag im kantonalen Berufungsverfahren lautet damit unmissver-
ständlich auf Zuweisung der Nachlassliegenschaften an die Be-
klagten 2 und 3 zu Miteigentum. Indem das Obergericht - nebst
den unangefochten im Miteigentum zuerkannten - weitere Nach-
lassliegenschaften den Beklagten 2 und 3 gesamthaft zugewie-
sen hat, ist nicht deren Wille missachtet, sondern dem von
ihnen selbst gestellten Eventualantrag entsprochen worden.
Die Kläger verweisen darauf zu Recht. Eine andere Frage ist,
ob aus materiell-rechtlichen Gründen der Hauptberufungsantrag
statt des Eventualbegehrens der Beklagten 2 und 3 hätte gut-
geheissen werden müssen.

        Mit Berufung wollten - wie die Beklagten mit Ausnah-
me der Parzelle Nr. 555 - auch die Kläger abgesehen von der
Parzelle Nr. 603 alle Nachlassliegenschaften zugeteilt erhal-
ten (E. 1b S. 5 f. des obergerichtlichen Urteils). Wenn alle
Erben nach dem Gleichberechtigungsgrundsatz (Art. 610 Abs. 1
ZGB) die Nachlassliegenschaften beanspruchen können und im
Prozess tatsächlich entsprechende Zuteilungsbegehren stellen,
hat das Gericht entgegen der Auffassung der Beklagten 2 und 3
nicht einfach die Versteigerung anzuordnen (Art. 612 Abs. 3
ZGB). Die Naturalteilung geht - soweit ohne wesentlichen
Wertverlust durchführbar - einer Versilberung stets vor
(BGE 97 II 11 E. 3 S. 16; 94 II 231 E. 3 S. 233; Schaufel-
berger, N. 7 f. der Vorbem. zu Art. 607-619 ZGB). Die Erb-
schaftsgegenstände sind dabei nach Kategorien (Barmittel,
Liegenschaften usw.) möglichst gleichmässig auf die Erben zu
verteilen (BGE 100 II 440 E. 4 S. 443; Schaufelberger, N. 6
zu Art. 611 ZGB). Mit Rücksicht auf diese Teilungsregeln ist
nicht ersichtlich, inwiefern das Obergericht dadurch Bundes-
recht verletzt haben könnte, dass es die von den Beklagten
eventuell verlangte Zuweisung zu Miteigentum angeordnet hat,
nachdem den jeweiligen Hauptanträgen offenkundig nicht ent-
sprochen werden konnte, weil beide Parteien praktisch alle

Liegenschaften für sich selber wollten. Wie die Erbteilung
ohne Versteigerung zumindest eines Teils der Parzellen anders
hätte durchgeführt werden können, legen die Beklagten 2 und
3 nicht dar. Ihren Berufungsanträgen vor Bundesgericht lässt
sich denn auch entnehmen, dass die Parzellen Nrn. 606, 609
und 534 versteigert werden sollen, wenn ihnen nicht alle
Nachlassliegenschaften mit Ausnahme der Parzelle Nr. 555 zu
Miteigentum (Nrn. 601, 603 und 606) bzw. zu Alleineigentum
des Beklagten 2 (Nrn. 609 und 534) zugeteilt werden könnten.
Eine solche Vorgehensweise widerspräche indessen den darge-
legten Teilungsgrundsätzen, deren Anwendung die geforderte
qualitative Gleichberechtigung aller Erben hier - soweit
überprüfbar - verwirklicht hat (vgl. nur E. 10b S. 60 f.
des obergerichtlichen Urteils).

        d) Was die beantragte Versteigerung der Parzelle
Nr. 606 angeht, kann auf soeben Gesagtes verwiesen werden:
Eine Versteigerung steht nur dann zur Diskussion, wenn die
fragliche Parzelle nicht in natura zugewiesen werden kann
(E. 6c Abs. 3). Zuerst ist deshalb zu prüfen, ob die Erb-
schaftssache, die durch Teilung an ihrem Werte erheblich
verlieren würde, einem Erben ungeteilt zugewiesen werden kann
(Art. 612 Abs. 1 ZGB). Dem Obergericht ist die Unterbringung
der Parzelle Nr. 606 in einem Los nicht - wie die Beklagten 2
und 3 behaupten - "lediglich in Anwendung eines «Kunst-
griffs»" (S. 16) geglückt, sondern in Gutheissung der vor
Bezirksgericht und im Berufungsverfahren gestellten Anträge
der Kläger, ihnen beiden die Parzelle Nr. 606 gesamthaft zu-
zuweisen; damit ist keine unzulässige Zuweisung an mehrere
Erben gemeinsam erfolgt (E. 6c Abs. 2 hiervor).

        Soweit die Beklagten 2 und 3 geltend machen, diese
Zuweisung sei wertmässig nicht möglich, stützen sie sich
nicht auf das massgebende Gutachten K.________/S.________
(E. 3 hiervor); ihre Vorbringen sind insoweit unzulässig
(Art. 55 Abs. 1 lit. c OG).

        Hinsichtlich der für die Zuteilung der Parzelle
Nr. 606 massgebenden Kriterien hat das Obergericht auf sein
erstes Berufungsurteil verwiesen (E. 10a S. 60), wo unter Be-
rücksichtigung der örtlichen Verhältnisse, der tatsächlichen
Nutzung und der Teilungsgrundsätze ausgeführt worden ist,
weshalb die Parzelle Nr. 606 mit den Parzellen Nrn. 602 und
603 keine Einheit bildet und statt den Beklagten den Klägern
zuzuweisen ist (E. 12c S. 32 f.). Mit diesen Entscheidgründen
setzen sich die Beklagten 2 und 3 heute in keiner den formel-
len Anforderungen genügenden Weise auseinander, indem sie
ohne darauf Bezug zu nehmen einfach das Gegenteil behaupten
(Art. 55 Abs. 1 lit. c OG; BGE 116 II 745 E. 3 S. 748 f.).

        e) Aus den dargelegten Gründen kann die obergericht-
liche Durchführung der Erbteilung - soweit auf Grund der Vor-
bringen der Beklagten 2 und 3 überprüfbar - nicht beanstandet
werden. Die Berufung muss auch in diesem Punkt abgewiesen
werden, soweit darauf einzutreten ist.

     7.- Die Beklagten 2 und 3 werden unter solidarischer
Haftbarkeit kosten- und entschädigungspflichtig (Art. 156
Abs. 1 und 7 sowie Art. 159 Abs. 1 und 5). Was das interne
Verhältnis angeht, ist zu beachten, dass nebst den beide be-
treffenden Fragen (Liegenschaftsschätzung und Teilungsfragen)
die Interessen des Beklagten 2 wert- und umfangmässig (An-
sprüche aus rechtswirksamer Bevollmächtigung und Bewertung
des Güterrechtsanteils) diejenigen der Beklagten 3 (Ausglei-
chung) weit übersteigen. Es rechtfertigt sich eine Aufteilung
im Verhältnis von drei zu einem Viertel (Art. 69 Abs. 2 BZP
i.V.m. Art. 40 OG; vgl. Poudret/Sandoz-Monod, Commentaire de
la loi fédérale d'organisation judiciaire, V, Bern 1992,
N. 8 zu Art. 156 OG; Messmer/Imboden, a.a.O. S. 36 bei/in
Anm. 22).

             Demnach erkennt das Bundesgericht:

     1.- Die Berufung wird abgewiesen, soweit darauf einzu-
treten ist, und das Urteil des Obergerichts des Kantons Thur-
gau vom 30. März 2000 wird bestätigt.

     2.- Die Gerichtsgebühr von insgesamt Fr. 10'000.-- wird
dem Beklagten 2 zu drei Vierteln und der Beklagten 3 zu einem
Viertel aufzuerlegen, unter solidarischer Haftbarkeit beider
Beklagten für den ganzen Betrag.

     3.- Die Beklagten haben die Kläger für das bundesge-
richtliche Verfahren mit insgesamt Fr. 16'000.-- zu entschä-
digen, wovon auf den Beklagten 2 drei Viertel und auf die Be-
klagte 3 ein Viertel entfallen, unter solidarischer Haftbar-
keit beider Beklagten für den ganzen Betrag.

     4.- Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht
des Kantons Thurgau schriftlich mitgeteilt.

                       _______________

Lausanne, 23. Mai 2001

             Im Namen der II. Zivilabteilung des
               SCHWEIZERISCHEN BUNDESGERICHTS
      Der Präsident:             Der Gerichtsschreiber: