Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilabteilung 5C.78/2001
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5C.78/2001/HER/bnm

              II.  Z I V I L A B T E I L U N G
              ********************************

                       24. August 2001

Es wirken mit: Bundesrichter Reeb, Präsident der II. Zivil-
abteilung, Bundesrichter Bianchi, Bundesrichter Raselli,
Bundesrichter Merkli, Bundesrichter Meyer und Gerichts-
schreiber Herzog.

                          ---------

                          In Sachen

S.S.________, Beklagte, Berufungsklägerin und Anschluss-
berufungsbeklagte, gesetzlich vertreten durch E.S.________,
diese vertreten durch Rechtsanwalt Walter Furrer, Bleicher-
weg 27, 8002 Zürich,

                            gegen

J.H.________, Kläger, Berufungsbeklagter und Anschluss-
berufungskläger, vertreten durch Rechtsanwalt Markus Peyer,
Ankerstrasse 24, 8004 Zürich,

                         betreffend
                 Abänderung Unterhaltsbeitrag,

hat sich ergeben:

     A.- J.H.________ ist der aussereheliche Vater der am
17. Mai 1986 geborenen S.S.________. Mit Unterhaltsvertrag
vom 25. Februar 1989 verpflichtete er sich, seiner Tochter
bis zum vollendeten sechsten Altersjahr einen indexierten
monatlichen Unterhaltsbeitrag in Höhe von Fr. 525.-- zu be-
zahlen. Für den Zeitraum vom siebten bis zum zwölften Alters-
jahr beträgt der vereinbarte monatliche Unterhaltsbeitrag
Fr. 625.-- und ab Erreichen des dreizehnten Jahres
Fr. 725.--. Ab Mai 1998 belief sich der zu bezahlende Unter-
haltsbeitrag unter Berücksichtigung des Teuerungszuschlages
auf Fr. 965.--.

        Im März 1998 verheiratete sich J.H.________ und
wurde Vater einer weiteren Tochter (geboren im Juni 1998)
und eines Sohnes (geboren im November 1999).

     B.- J.H.________ erhob am 22. April 1999 beim Be-
zirksgericht Bülach Klage auf Abänderung des Unterhaltsver-
trages und begehrte, den von ihm geschuldeten monatlichen
Unterhaltsbeitrag vom 1. Oktober 1998 an bis zur Mündigkeit
seiner Tochter S.S.________ auf Fr. 200.-- festzusetzen. Das
Bezirksgericht setzte in teilweiser Gutheissung der Klage den
vom Kläger ab dem 1. Mai 1999 monatlich zu leistenden Unter-
haltsbeitrag auf Fr. 300.-- nebst Kinderzulagen herab. Auf
Berufung der Beklagten hin erhöhte das Obergericht des Kan-
tons Zürich mit Wirkung ab 1. Mai 1999 den der Beklagten mo-
natlich zustehenden Unterhaltsbeitrag auf Fr. 620.-- zuzüg-
lich etwaiger Kinderzulagen.

     C.- Die Beklagte führt eidgenössische Berufung und bean-
tragt dem Bundesgericht, den angefochtenen Entscheid aufzuhe-

ben und die Abänderungsklage abzuweisen. Der Kläger schliesst
auf Abweisung der Berufung, soweit darauf einzutreten sei,
und erhebt Anschlussberufung. Er ersucht insofern um Abände-
rung des vorinstanzlichen Entscheides, als er ab dem 1. Okto-
ber 1998 zu verpflichten sei, der Beklagten einen monatlichen
Unterhaltsbeitrag von Fr. 620.-- nebst etwaigen Kinderzulagen
zu bezahlen. Die Beklagte trägt Abweisung der Anschlussberu-
fung an; das Obergericht hat auf Gegenbemerkungen verzichtet.

            Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

     1.- Streitig ist, ob und in welcher Höhe der vom Kläger
aufgrund des Unterhaltsvertrages geschuldete Unterhaltsbei-
trag herabzusetzen ist. Hierbei handelt es sich um eine ver-
mögensrechtliche Zivilrechtsstreitigkeit im Sinne von Art. 46
OG (BGE 116 II 493 E. 2b S. 495; unveröffentlichter Entscheid
des Bundesgerichtes vom 7. September 1993 i.S. G., E. 1a,
5C.101/1993), wobei der erforderliche Berufungsstreitwert von
Fr. 8'000.-- um ein Vielfaches überschritten wird (Art. 46 in
Verbindung mit Art. 36 Abs. 4 OG; BGE 85 II 365 E. b S. 367
f.; unveröffentlichter Entscheid des Bundesgerichtes vom 2.
November 1989 i.S. B., E. 1, 5C.117/1989). Auf die recht-
zeitig erhobene Berufung ist demnach einzutreten.

     2.- Das Obergericht hat sinngemäss erwogen, nach
Art. 286 Abs. 2 ZGB setze das Gericht bei einer erheblichen
Veränderung der Verhältnisse den Unterhaltsbeitrag neu fest.
Dabei seien die Verhältnisse, wie sie der anzupassenden Rege-
lung zugrunde lagen, mit den gegenwärtigen Verhältnissen zu
vergleichen. Im vorliegenden Fall sei über die finanziellen
Verhältnisse der Parteien zum Zeitpunkt des Abschlusses des
Unterhaltsvertrages nichts bekannt; als neue und erhebliche

Tatsachen sei indes zu berücksichtigen, dass der Kläger ge-
heiratet habe und Vater von zwei weiteren Kindern geworden
sei.

        Die Beklagte beanstandet die teilweise Gutheissung
der Abänderungsklage, weil Kenntnisse über die finanziellen
Verhältnisse der Parteien im Zeitpunkt des Abschlusses des
Unterhaltsvertrages fehlten und folglich kein Vergleich mit
den heutigen Umständen habe durchgeführt werden können.

        a) Gemäss Art. 286 Abs. 2 ZGB setzt das Gericht bei
erheblicher Veränderung der Verhältnisse den Unterhaltsbei-
trag auf Antrag eines Elternteils oder des Kindes neu fest
oder hebt ihn auf. Ob eine Änderung der Verhältnisse erheb-
lich ist, ist nach Recht und Billigkeit (Art. 4 ZGB) unter
Würdigung aller massgeblichen Umstände zu beurteilen. Das
Bundesgericht auferlegt sich bei der Prüfung von solchen Er-
messensentscheiden Zurückhaltung und greift nur ein, wenn
eine bundesrechtswidrige Ermessensbetätigung vorliegt. Dies
trifft zu, wenn die Vorinstanz Umstände berücksichtigt hat,
die nach dem Sinn der anwendbaren gesetzlichen Regelung keine
Rolle spielen durften, oder wenn sie umgekehrt wesentliche
Gesichtspunkte ausser Acht gelassen hat oder wenn sich der
festgesetzte Unterhaltsbeitrag unter den konkreten Umständen
nach der Lebenserfahrung deutlich als unbillig erweist
(BGE 107 II 406 E. 2c S. 410; 127 III 136 E. 3a S. 141).

        Als erhebliche Veränderung in der Sphäre des Bei-
tragsschuldners kommt insbesondere eine Verminderung seiner
finanziellen Leistungsfähigkeit in Betracht, die etwa auf
eine Zunahme der ihn treffenden Unterhaltspflichten zurück-
zuführen sein kann (unveröffentlichter Entscheid des Bundes-
gerichtes vom 7. September 1993 i.S. G., E. 3a, 5C.101/1993);
Hegnauer, Berner Kommentar, N. 73 zu Art. 286 ZGB). Die Fest-
stellung einer erheblichen Verhältnisänderung setzt grund-
sätzlich voraus, dass die damaligen, im Zeitpunkt der erst-

maligen Festsetzung des Unterhaltsbeitrages bestehenden mass-
geblichen Umstände mit den gegenwärtigen Verhältnissen ver-
glichen werden, die bei Stellung des Änderungsbegehrens vor-
liegen (vgl. BGE 120 II 285 E. 4b S. 292; unveröffentlichter
Entscheid des Bundesgerichtes vom 29. November 1984 i.S. S.,
E. 4, C.211/1984). Dies ist notwendig, um zu verhindern, dass
die Abänderung des anfänglichen Unterhaltsbeitrages auf eine
unstatthafte Korrektur desselben hinausläuft (unveröf-
fentlichter Entscheid des Bundesgerichtes vom 7. September
1993 i.S. G., E. 3a, 5C.101/1993; Hegnauer, a.a.O., N. 67 zu
Art. 286 ZGB).

        b) aa) Die Vorinstanz hat in für das Bundesgericht
verbindlicher Weise festgestellt (Art. 63 Abs. 2 OG), der
Kläger habe infolge seiner Heirat und der Zeugung von zwei
weiteren Kindern zusätzlichen Unterhaltspflichten nachzu-
kommen. Das Obergericht hat sich ausführlich mit der wirt-
schaftlichen Lage der Parteien auseinandergesetzt, indem es
deren Grundbedarf dem Einkommen gegenübergestellt und dadurch
den Überschuss ermittelt hat. Es hat errechnet, dass dem Klä-
ger für den Zeitraum von Mai bis Oktober 1999 ein monatlicher
Überschuss in Höhe von Fr. 832.-- zur Verfügung stand, für
November 1999 bis Ende 1999 ein Überschuss in Höhe von
Fr. 677.-- und ab Januar 2000 ein solcher über Fr. 2000.--.
Aufgrund dieser Zahlen hat die Vorinstanz geschlossen, der
Kläger habe bis Ende 1999 den der Beklagten vertraglich ge-
schuldeten Unterhaltsbeitrag nur mit Mühe aufbringen können.
Um alle drei Kinder des Klägers in gleichem Masse an seiner
wirtschaftlichen Leistungskraft beteiligen zu lassen, hat die
Vorinstanz es für geboten erachtet, den der Beklagten ver-
traglich geschuldeten Unterhaltsbeitrag in Höhe von
Fr. 965.-- herabzusetzen. Hierbei ist sie davon ausgegangen,
dass der Kläger aus seinem ab Anfang 2000 mehr als
Fr. 2000.-- betragenden Überschuss zusätzliche Gesundheits-
kosten und die Rückzahlung eines Darlehens finanzieren muss.
Der effektiv verfügbare Überschuss reduziere sich daher auf

Fr. 1'100.--, wovon der Beklagten vorweg der Grundbetrag in
Höhe von Fr. 375.-- zuzusprechen sei. Die verbleibenden
Fr. 725.-- seien zu gleichen Teilen auf die drei Kinder zu
verteilen, so dass die Beklagte insgesamt Fr. 616.-- (gerun-
det Fr. 620.--) zugut habe.

        bb) Mit diesem Vorgehen hat die Vorinstanz kein Bun-
desrecht verletzt. Die aufgrund einer Abänderungsklage vorzu-
nehmende Prüfung, ob beim Unterhaltsschuldner eine erhebliche
Änderung der Verhältnisse eingetreten ist, bedingt nach dem
Gesagten zwar in aller Regel, die ursprünglichen wirtschaft-
lichen Umstände zur Zeit der Festsetzung des Unterhaltsbei-
trages mit den gegenwärtigen zu vergleichen. Im angefochtenen
Entscheid finden sich jedoch keine Angaben zu den finanzi-
ellen Verhältnissen der Parteien im Jahre 1989. Die Vorin-
stanz hat lediglich darauf abgestellt, die Zunahme der Unter-
haltspflichten des Klägers werde in gewissem Umfang durch
sein mittlerweile höheres Einkommen kompensiert.

        Damit aber hat die Vorinstanz in den angewachsenen
familienrechtlichen Unterhaltspflichten des Klägers und sei-
nem nicht in gleichem Ausmasse angestiegenen Einkommen eine
erhebliche Veränderung in seinen wirtschaftlichen Verhältnis-
sen erblickt (unveröffentlichte Entscheide des Bundesgerich-
tes vom 7. September 1993 i.S. G., E. 3b, 5C.101/1993; und
vom 29. November 1984 i.S. S., E. 4, C.211/1984). Die Vor-
instanz durfte stillschweigend davon ausgehen, der im Februar
1989 geschlossene Unterhaltsvertrag habe der damaligen wirt-
schaftlichen Leistungskraft des Klägers gebührend Rechnung
getragen, und implizit in Betracht ziehen, die Vormund-
schaftsbehörde hätte den Unterhaltsvertrag wohl kaum geneh-
migt, hätte er nicht der tatsächlichen wirtschaftlichen Leis-
tungsfähigkeit des Klägers entsprochen (Art. 287 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 285 Abs. 1 ZGB).

        Indem die Vorinstanz die seit dem Abschluss des Un-
terhaltsvertrages im Jahre 1989 beim Kläger eingetretene Ein-
kommenserhöhung und Zunahme der Unterhaltspflichten gewürdigt
hat, hat sie erheblichen Verhältnisänderungen Rechnung getra-
gen, weshalb die von ihr gewährte Herabsetzung des Unter-
haltsbeitrages nicht als unzulässige Korrektur zu betrachten
ist. Mithin dringt die Berufung in diesem Punkte nicht durch.

        c) Die Beklagte verweist im Weiteren auf den vom
Kläger erzielten Überschuss von über Fr. 2000.-- und kriti-
siert, angesichts dessen sei die Herabsetzung des Unterhalts-
beitrages bundesrechtswidrig. Dem ist entgegenzuhalten, dass
der Kläger nach den verbindlichen tatsächlichen Feststellun-
gen der Vorinstanz (Art. 63 Abs. 2 OG) aus dem Überschuss
auch zusätzliche Gesundheits- und Kreditamortisationskosten
zu bezahlen hat. Damit setzt sich die Beklagte nicht ausei-
nander (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG); sie macht auch nicht gel-
tend, ihr Notbedarf bleibe ungedeckt, weshalb der klägerische
Überschuss nicht zur Bezahlung von Drittschulden verwendet
werden dürfe (vgl. BGE 127 III 289 E. 2a/bb S. 292). Soweit
die Beklagte sich gegen die tatsächlichen Feststellungen der
Vorinstanz wendet, übersieht sie, dass in der Berufungs-
schrift kurz darzulegen ist, welche Bundesrechtssätze und
inwiefern sie durch den angefochtenen Entscheid verletzt
sind; dagegen sind Ausführungen gegen die tatsächlichen Fest-
stellungen unzulässig (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG; BGE 126 III
353 E. 2b/aa S. 359; 127 III 136 E. 2c S. 141). Demgemäss
kann insoweit auf die Berufung nicht eingetreten werden.

     3.- In seiner Anschlussberufung macht der Kläger unter
Verweis auf seine Klageschrift geltend, er habe bereits im
erstinstanzlichen Verfahren eine rückwirkende Abänderung des
Unterhaltsbeitrages mit Wirkung auf den 1. Oktober 1998 be-
antragt. Die Feststellung der Vorinstanz, wonach er dies in
unzulässiger Weise erstmals im obergerichtlichen Verfahren

verlangt habe, beruhe auf einem offensichtlichen Versehen.
Weiter bringt er vor, die materiellen Voraussetzungen für die
Gutheissung der Abänderungsklage mit Wirkung auf den 1. Okto-
ber 1998 anstatt auf den 1. Mai 1999 seien gleichermassen er-
füllt.

        a) Wird die Feststellung einer nach dem Bundesrecht
zu beurteilenden Tatsache als offensichtlich auf Versehen
beruhend angefochten (Art. 63 Abs. 2 OG), so hat gemäss
Art. 55 Abs. 1 lit. d OG der Berufungskläger die Feststellung
und die Aktenstelle, mit der sie im Widerspruch steht, genau
anzugeben (BGE 110 II 494 E. 4 S. 497). Nach der Rechtspre-
chung liegt ein offensichtliches Versehen vor, wenn die Vor-
instanz eine bestimmte Aktenstelle übersehen oder unrichtig
wahrgenommen hat, d.h. nicht ihren wirklichen Wortlaut zur
Kenntnis genommen hat (BGE 113 II 522 E. 4b S. 524 f.; Ent-
scheide des Bundesgerichtes vom 5. Dezember 1995 i.S. S.,
E. 3a, 4C.149/1995, veröffentlicht in: SJ 1996 S. 353 f.; und
vom 24. April 2001 i.S. G., E. 1b, 4C.34/2000). Nicht in
ihrer wahren Gestalt wird eine Aktenstelle wahrgenommen, wenn
die Vorinstanz sich beispielsweise verliest oder den offen-
kundigen Zusammenhang einer Aussage mit anderen Dokumenten
oder Äusserungen verkennt (BGE 115 II 399 E. 2a S. 399 f.).
Erforderlich ist zudem, dass die Richtigstellung eines derar-
tigen Versehens den Ausgang des Verfahrens zu beeinflussen
vermag (Entscheid des Bundesgerichtes vom 18. Juli 2000 i.S.
C., E. 1d, 4C.42/2000; Poudret, Commentaire de la loi fédé-
rale d'organisation judiciaire, Bd. II, Bern 1990, N. 5.1 zu
Art. 63 OG).

        b) In der Klageschrift des Klägers vom 21. April
1999, auf die er in seiner Anschlussberufung hinweist, findet
sich als Stichtag für die anbegehrte Herabsetzung des Unter-
haltsbeitrages der 1. Oktober 1998 und nicht der 22. April
1999, wie das Obergericht festgehalten hat. Auf seine Verse-

hensrüge ist demnach einzutreten; würde sie gutgeheissen,
fiele auch der Verfahrensausgang anders aus, sofern seine
Rechtsauffassung sich als zutreffend erweist.

        aa) Nach der überwiegenden Lehre gilt der in Art.
279 Abs. 1 ZGB festgeschriebene Grundsatz, dass das Kind
nicht nur für die Zukunft, sondern auch für das Jahr vor der
Klageerhebung auf Leistung des Unterhalts klagen kann, sinn-
gemäss auch für den auf Abänderung klagenden Unterhalts-
schuldner (Hegnauer, a.a.O., N. 94 zu Art. 286 ZGB; derselbe,
Aktuelle Fragen der elterlichen Unterhaltspflicht, ZVW 1990
S. 48; Wullschleger, Praxiskommentar Scheidungsrecht, Basel
2000, N. 15 zu Art. 286 ZGB). Nur Hausheer/Spycher (in: Hand-
buch des Unterhaltsrechts, Bern 1997, N. 09.61 f.) sprechen
sich gegen die einjährige Rückwirkung der Abänderungsklage
nach dem Vorbild des Art. 279 Abs. 1 ZGB aus. Sie begründen
dies unter anderem damit, Art. 279 Abs. 1 ZGB enthalte von
seinem Zweck her eine Privilegierung des Kindes, das darauf
angewiesen ist, seinen Unterhaltsanspruch auf gerichtlichem
Wege geltend zu machen. Es sei nicht folgerichtig, die Vor-
zugsstellung der einjährigen Rückwirkung auch dem Unterhalts-
schuldner angedeihen zu lassen, der auf Abänderung zu seinen
Gunsten klagt. Zu bedenken sei auch, dass die bisherige
Rechtsprechung zur Abänderung von Scheidungsrenten die Wir-
kung des Abänderungsbegehrens im Regelfall frühestens im
Zeitpunkt von dessen Einreichung eintreten lässt (BGE 117 II
368 E. 4c S. 369 ff. mit Hinweisen; Entscheid des Bundes-
gerichtes vom 2. November 1989 i.S. B., E. 5a, 5C.117/1989,
veröffentlicht in: SJ 1990 S. 108; unveröffentlichter Ent-
scheid des Bundesgerichtes vom 14. April 1997 i.S. R., E. 2b,
5C.45/1997).

        Diese Argumentation überzeugt. So sehr Art. 279
Abs. 1 ZGB bezweckt, dem auf Unterhalt klagenden Kind mit der
einjährigen Rückwirkung eine Vorzugsstellung einzuräumen, so
wenig ist ein sachlicher Grund ersichtlich, in dieser Bezie-

hung den Unterhaltsschuldner, der auf Herabsetzung des Unter-
haltsbeitrages klagt, gleich zu behandeln. Seine Lage ist mit
jener des klagenden Kindes nicht vergleichbar und folglich
hinsichtlich der Rückwirkung eine gleichgeartete Schutzbe-
dürftigkeit nicht auszumachen. Die Rückwirkung soll dem Kind
ermöglichen, sich vor der Klageerhebung mit dem Unterhalts-
pflichtigen auf eine vertragliche Einigung zu verständigen,
ohne im Falle des Scheiterns der Verhandlungen einen Nachteil
gewärtigen zu haben (Botschaft des Bundesrates an die Bundes-
versammlung über die Änderung des Schweizerischen Zivilge-
setzbuches [Kindesverhältnis] vom 5. Juni 1974, BBl 1974 II
S. 58 f. Ziff. 322.41).

        Anders als bei der Unterhalts- und Abänderungsklage
des Kindes, die nach Art. 279 Abs. 1 ZGB rückwirkend für das
Jahr vor Klageerhebung erhoben werden kann, ist den Interes-
sen des Unterhaltsschuldners demnach Genüge getan, wenn die
Abänderung frühestens ab dem Zeitpunkt der Klageeinreichung
wirkt oder, sollte das massgebende Änderungsereignis erst
nach der Klageerhebung eintreten, spätestens nach dessen Ver-
wirklichung Wirkung erlangt. Dem Unterhaltsschuldner steht es
frei, unmittelbar nach Eintritt der erheblichen Änderung der
Verhältnisse auf Abänderung zu klagen und damit eine Herab-
setzung mit Wirkung auf den Zeitpunkt der Klageerhebung zu
erlangen, so dass es einer (einjährigen) Rückwirkung nicht
bedarf und es somit nicht geboten ist, Art. 279 Abs. 1 ZGB
über seinen Wortlaut hinaus auch zugunsten des Unterhalts-
schuldners anzuwenden.

        bb) Damit erweist sich die Anschlussberufung des
Klägers als unbegründet. Wohl ist der Vorinstanz ein offen-
sichtliches Versehen unterlaufen, indessen ändert sich am
Verfahrensausgang nichts, weil entgegen der klägerischen
Rechtsauffassung sein Abänderungsbegehren nicht rückwirkend
auf den 1. Oktober 1998 gutgeheissen werden kann.

     4.- Die Beklagte und der Kläger sind je mit ihren An-
trägen unterlegen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens recht-
fertigt es sich, die Gerichtsgebühr beiden Parteien je zur
Hälfte aufzuerlegen (Art. 156 Abs. 1 und 3 OG) und die Par-
teientschädigungen wettzuschlagen (Art. 159 Abs. 3 OG). Beide
Parteien haben für das bundesgerichtliche Verfahren um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Rechtspflege ersucht und ihre Be-
dürftigkeit dargetan. Sowohl in der Berufung wie auch der
Anschlussberufung waren Rechtsfragen zu erörtern, welche die
Ergreifung dieser Rechtsmittel nicht von vornherein als aus-
sichtslos erscheinen liessen (Art. 152 Abs. 1 OG; BGE 125 II
265 E. 4b S. 275). Demgemäss ist beiden Parteien die unent-
geltliche Rechtspflege zu gewähren und ihnen ein unentgelt-
licher Rechtsbeistand beizugeben (Art. 152 Abs. 2 OG; BGE 122
I 322 E. 3c S. 326), dem eine reduzierte Entschädigung zuzu-
sprechen ist (Art. 9 des Tarifs über die Entschädigungen an
die Gegenpartei für das Verfahren vor dem Bundesgericht vom
9. November 1978 [SR 173.119.1]).

             Demnach erkennt das Bundesgericht:

     1.- Die Berufung wird abgewiesen, soweit darauf einzu-
treten ist. Die Anschlussberufung wird abgewiesen. Der Ent-
scheid des Obergerichts des Kantons Zürich, I. Zivilkammer,
vom 6. Februar 2001 wird bestätigt.

     2.- a) Das Gesuch der Beklagten um unentgeltliche
Rechtspflege wird gutgeheissen und ihr für das bundesge-
richtliche Verfahren Rechtsanwalt Walter Furrer, Bleicher-
weg 27, 8002 Zürich, als Rechtsbeistand beigegeben.

        b) Das Gesuch des Klägers um unentgeltliche Rechts-
pflege wird gutgeheissen und ihm für das bundesgerichtliche
Verfahren Rechtsanwalt Markus Peyer, Ankerstrasse 24,
8004 Zürich, als Rechtsbeistand beigegeben.

     3.- Die Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.-- wird den Par-
teien je zur Hälfte auferlegt, einstweilen jedoch auf die
Bundesgerichtskasse genommen.

     4.- Die Parteientschädigungen werden wettgeschlagen.

     5.- a) Rechtsanwalt Walter Furrer wird mit Fr. 1'000.--
aus der Bundesgerichtskasse entschädigt.

        b) Rechtsanwalt Markus Peyer wird mit Fr. 1'000.--
aus der Bundesgerichtskasse entschädigt.

     6.- Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht
des Kantons Zürich, I. Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

                       ______________

Lausanne, 24. August 2001

             Im Namen der II. Zivilabteilung des
               SCHWEIZERISCHEN BUNDESGERICHTS
      Der Präsident:             Der Gerichtsschreiber: