Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilabteilung 5C.193/2004
Zurück zum Index II. Zivilabteilung 2004
Retour à l'indice II. Zivilabteilung 2004


5C.193/2004 /bnm

Urteil vom 17. Januar 2005
II. Zivilabteilung

Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichter Meyer, Ersatzrichter Hasenböhler,
Gerichtsschreiber Gysel.

A. ________,
Kläger und Berufungskläger,
vertreten durch Rechtsanwalt Yves Meili,

gegen

B.________,
Beklagte und Berufungsbeklagte,
vertreten durch Rechtsanwalt Prof. Dr. Walter Fellmann,

Testamentsanfechtung,

Berufung gegen das Urteil des Obergerichts (I. Kammer) des Kantons Luzern vom
17. Juni 2004.

Sachverhalt:

A.
Am 13. April 1999 starb der 1906 geborene, seit Januar 1996 verwitwete
C.________, der früher in Z.________ eine eigene Zahnarztpraxis betrieben
hatte. Er hinterliess als gesetzliche Erben die Tochter B.________ und den
Sohn A.________.

C. ________ hatte zahlreiche letztwillige Verfügungen verfasst. Eine vom 8.
September 1997 datierte Verfügung hat folgenden Wortlaut:
"Aufgrund der neusten Vorkommnisse setze ich meinen Sohn A.________ auf den
Pflichtteil, somit erhält er 3/8 meines Nachlasses und meine Tochter
B.________ 5/8.
Als Teilungsbestimmung verfüge ich, dass der Erbteil des Sohnes in bar
bestehen soll. Oder nach Zuweisung meiner TochterB.________.
Alle früheren Zuweisungsbestimmungen sind damit aufgehoben."

B.
Mit Eingabe vom 8. September 2000 reichte A.________ beim Amtsgericht
Luzern-Stadt gegen B.________ Klage ein und verlangte unter anderem, die
Anordnung in Abs. 2 der letztwilligen Verfügung vom 8. September 1997 für
nichtig und den übrigen Teil für ungültig zu erklären.

Die Beklagte erhob Widerklage, im Wesentlichen mit den Anträgen, den
Nachlass, den Wert jedes einzelnen Nachlassgegenstandes und ihre Berechtigung
zu 5/8 am Nachlass festzustellen, den Barwert des dem Kläger zukommenden
Anteils von 3/8 zu ermitteln und diesem Barwerte in entsprechender Höhe
zuzuweisen.

Mit prozessleitender Verfügung vom 14. Februar 2003 ordnete der
Amtsgerichtspräsident I an, dass die Verfahren betreffend Klage und
Widerklage getrennt würden und der Erbteilungsprozess bis zum Vorliegen eines
rechtskräftigen Urteils im Verfahren betreffend Testamentsungültigkeit
sistiert werde.

Am 31. März 2003 erkannte das Amtsgericht Luzern-Stadt (Abteilung I)
folgendes:

"1.Es wird festgestellt, dass die Bestimmung in der letztwilligen Verfügung
von C.________ vom 8.9.1997 mit dem Wortlaut "Oder nach Zuweisung meiner
Tochter B.________." nichtig ist.

2. Im Übrigen wird die Klage abgewiesen.

3. Die Kriminalpolizei ... wird gerichtlich angewiesen, die aufgrund des
Entscheids des Amtsgerichtspräsidenten III von Luzern-Stadt am 29.8.2000
gelagerten Trägermaterialien von biologischen Spuren von C.________ zu
vernichten.
..."
Der Kläger appellierte an das Obergericht (I. Kammer) des Kantons Luzern, das
die Appellation mit Urteil vom 17. Juni 2004 abwies und das erstinstanzliche
Urteil bestätigte.

C.
Der Kläger erhebt beim Bundesgericht sowohl staatsrechtliche Beschwerde als
auch Berufung. In der Berufung beantragt er, den obergerichtlichen Entscheid
mit Ausnahme der festgestellten Teilnichtigkeit aufzuheben, die letztwillige
Verfügung vom 8. September 1997 für ungültig und verschiedene weitere
letztwillige Verfügungen des Erblassers ebenfalls für ungültig bzw. für
nichtig zu erklären; allenfalls sei die Streitsache zur Ergänzung des
Beweisverfahrens und zu neuer Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.

Eine Berufungsantwort ist nicht eingeholt worden.

D.
Mit Urteil vom heutigen Tag hat die erkennende Abteilung die staatsrechtliche
Beschwerde abgewiesen, soweit darauf einzutreten war.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Im angefochtenen Urteil hat sich das Obergericht einzig mit der letztwilligen
Verfügung vom 8. September 1997 befasst. Es gelangte zum Ergebnis, diese sei
- abgesehen von einem als nichtig zu erklärenden Passus - gültig, und hielt
deshalb dafür, dass die vom Kläger ebenfalls angefochtenen (älteren)
letztwilligen Verfügungen und Anordnungen des Erblassers nicht zu prüfen
seien. Sollte die Berufung gutzuheissen sein, wäre somit das Bundesgericht
mangels entsprechender Feststellungen im angefochtenen Entscheid nicht in der
Lage, die Gültigkeit der übrigen Verfügungen zu beurteilen, und die Sache an
die Vorinstanz zurückzuweisen. Auf die Berufung ist demnach insofern nicht
einzutreten, als die Ungültig- bzw. Nichtigerklärung nicht nur der
letztwilligen Verfügung vom 8. September 1997, sondern auch anderer
Verfügungen verlangt wird.

2.
Strittig ist, ob der Erblasser zur Zeit der Errichtung der letztwilligen
Verfügung vom 8. September 1997 urteilsfähig gewesen ist (Art. 467 und Art.
519 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB). Urteilsfähig ist ein jeder, dem nicht wegen seines
Kindesalters oder infolge von Geisteskrankheit, Geistesschwäche, Trunkenheit
oder ähnlichen Zuständen die Fähigkeit mangelt, vernunftgemäss zu handeln
(Art. 16 ZGB).

2.1 Die Urteilsfähigkeit ist nicht abstrakt festzustellen, sondern auf Grund
der Schwierigkeit und Tragweite einer bestimmten Handlung zu beurteilen. Je
nach Art der Handlung sind unterschiedliche Anforderungen an Vernunft,
Bewusstsein und Entschlusskraft zu stellen. Es ist denkbar, dass eine Person
trotz allgemeiner Beeinträchtigung der Urteilsfähigkeit zwar gewisse
Alltagsgeschäfte noch zu besorgen vermag und insoweit urteilsfähig ist,
während ihr für anspruchsvollere Geschäfte die Urteilsfähigkeit abzusprechen
ist. Im Unterschied zu alltäglichen Geschäften und Besorgungen zählt die
Errichtung eines Testaments zu den eher anspruchsvolleren Geschäften. Dies
trifft insbesondere dann zu, wenn komplizierte Verfügungen getroffen werden
(BGE 124 III 5 E. 1a S. 8 mit Hinweisen; dazu auch Margrith
Bigler-Eggenberger, Basler Kommentar, N. 35 zu Art. 16 ZGB).

2.2 Das Obergericht ist der Ansicht, es handle sich beim fraglichen Testament
nicht um ein komplexes Rechtsgeschäft, habe doch der Erblasser nichts anderes
bestimmt, als seinen Sohn auf den Pflichtteil zu setzen. Der Umstand, dass
der Nachlass aus Wertpapieren, Immobilien und einer Vielzahl von wertvollen
Familienerbstücken bestehe, bedeute für sich allein noch nicht, dass komplexe
Vermögensverhältnisse zu regeln gewesen seien. Dass die Verfasser des vom
Kläger eingereichten Privatgutachtens das Testament als nicht sehr einfach zu
verstehendes Rechtsgeschäft beurteilen würden, ändere nichts an dieser
Einschätzung. Im Übrigen gehe es dabei nicht um eine medizinische Frage.

2.3 Was in der Berufung vorgebracht wird, vermag die sich aus diesen
Ausführungen ergebende Beurteilung der Anforderungen, die hier an die
Urteils- bzw. Verfügungsfähigkeit des Erblassers zu stellen gewesen seien,
nicht als bundesrechtswidrig erscheinen zu lassen:
2.3.1Entgegen der Auffassung des Klägers ist der angeführten Rechtsprechung
nicht zu entnehmen, eine letztwillige Verfügung sei generell als
anspruchsvolles Geschäft zu qualifizieren. Wenn das Bundesgericht
festgehalten hat, dass ein solches insbesondere dann vorliege, wenn
komplizierte Verfügungen getroffen würden, gibt es vielmehr zu erkennen, dass
ein Testament unter gewissen Umständen ein Geschäft einfacherer Natur sein
kann. Anordnungen von Todes wegen sind keine typisierten Rechtsgeschäfte, und
innerhalb der Kategorie der letztwilligen Verfügungen gibt es solche von
unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad. Bei einem einfachen Testament sind die
Anforderungen an die Verfügungsfähigkeit weniger hoch als bei einer
komplizierten Anordnung (Peter Breitschmid, Basler Kommentar, 2. Auflage, N.
13 zu Art. 467/468 ZGB; vgl. auch BGE 117 II 231 E. 2a S. 233). Eine
komplizierte Verfügung liegt insbesondere dann vor, wenn sie auf komplexen
Entscheidungsgrundlagen beruht und schwierig zu beurteilende Auswirkungen hat
(Eugen Bucher, Berner Kommentar, N. 90 zu Art. 16 ZGB). Wohl ist ein
Testament hinsichtlich seiner Tragweite im Vergleich zu einem sogenannten
Alltagsgeschäft regelmässig anspruchsvoll, und der Erblasser wird es sich
nicht leicht machen, zum Beispiel einen Erben auf den Pflichtteil zu setzen.
Davon zu unterscheiden ist jedoch die Frage, ob der Erblasser seine Ziele
durch eine komplexe oder einfache Verfügung anzustreben sucht.

2.3.2 Im Testament vom 8. September 1997 verfügte der Erblasser, dass sein
Sohn (der Kläger) auf den Pflichtteil gesetzt werde und in bar abzufinden
sei. Inhaltlich handelt es sich um eine einfache Anordnung, die nicht auf
komplexen Entscheidungsgrundlagen beruht. Ihre Auswirkungen sind nicht
schwierig zu beurteilen, wird doch im Testament ferner ausdrücklich
festgehalten, dass der Sohn 3/8 und die Tochter (die Beklagte) 5/8 des
Nachlasses erhalten sollen. Die vom Kläger angesprochene vielschichtige
Zusammensetzung des Nachlasses ändert nichts am einfachen Inhalt der
erbrechtlichen Anordnung. Die Argumentation der Vorinstanz, von der
Komplexität des Nachlassvermögens könne nicht auf die Kompliziertheit des
Verfügungsinhaltes geschlossen werden, ist nicht zu beanstanden. Das Gleiche
gilt für die Ausführungen zum medizinischen Akten-Gutachten: Der
Schwierigkeitsgrad eines Testaments ist eine Frage rechtlicher Natur, die
nicht in den Kompetenzbereich von Medizinern fällt. Zu bedenken ist
schliesslich, dass die Anforderungen an die Testierfähigkeit nicht überspannt
werden dürfen, soll doch der Erblasser auch in prekären Situationen
physischer oder psychischer Belastung oder Schwäche verfügen dürfen
(Breitschmid, a.a.O., N. 3 zu Art. 467/468 ZGB).

2.3.3 Der Vorwurf, das Obergericht sei zu Unrecht davon ausgegangen, bei der
strittigen letztwilligen Verfügung handle es sich um ein einfaches
Rechtsgeschäft und es dürften daher keine besonders hohen Anforderungen an
die Testierfähigkeit des Erblassers gestellt werden, ist nach dem Gesagten
unbegründet.

3.
Das Sachgericht stellt den geistigen Zustand einer Person im fraglichen
Zeitraum sowie Art und Tragweite möglicher störender Einwirkungen fest. Diese
tatsächlichen Feststellungen sind für das Bundesgericht im Berufungsverfahren
verbindlich, es sei denn, sie seien unter Verletzung bundesrechtlicher
Beweisvorschriften zustande gekommen oder würden auf einem offensichtlichen
Versehen beruhen (Art. 63 Abs. 2 OG). Vorbehalten bleibt auf Grund von Art.
64 OG ausserdem die Ergänzung eines unvollständigen Sachverhalts - in
nebensächlichen Punkten durch das Bundesgericht selbst (Abs. 2) und in den
anderen Fällen, auf Rückweisung hin, durch die kantonale Instanz (Abs. 1).
Blosse Kritik an der Beweiswürdigung des kantonalen Richters kann mit
Berufung nicht vorgetragen werden (BGE 127 III 73 E. 6a S. 81). Frei prüft
das Bundesgericht hingegen, ob das kantonale Gericht zu Recht oder zu Unrecht
vom festgestellten geistigen Gesundheitszustand bzw. von einschlägigen
Störungen auf die Urteilsfähigkeit geschlossen hat (BGE 124 III 5 E. 4 S.
13).

4.
Der Kläger wirft dem Obergericht zunächst vor, es habe die Beweislast falsch
verteilt.

4.1 Wo es das Gesetz nicht anders bestimmt, hat derjenige das Vorhandensein
einer behaupteten Tatsache zu beweisen, der aus ihr Rechte ableitet (Art. 8
ZGB). Auf Grund von Art. 16 ZGB, wonach jede Person, die nicht wegen ihres
Kindesalters oder infolge eines (im Gesetz einzeln umschriebenen)
Schwächezustandes die Fähigkeit mangelt, vernunftgemäss zu handeln,
urteilsfähig ist, wird die Urteilsfähigkeit vermutet. Wer sie bestreitet und
Urteilsunfähigkeit behauptet, hat deren Vorhandensein zu beweisen.

Wird einer Person die Testierfähigkeit abgesprochen, ist an sich nicht der
Beweis der Urteilsunfähigkeit im Allgemeinen, sondern im Zeitpunkt der
Testamentserrichtung zu erbringen. Dieser Beweis ist dann einfach zu führen,
wenn (z.B. bei einer Alzheimer-Krankheit im Endstadium) eine ständige
Beeinträchtigung der geistigen Fähigkeiten vorliegt. Ist dies aber nicht der
Fall, dürfte namentlich "post mortem" der Nachweis der Urteilsunfähigkeit in
einem bestimmten Zeitpunkt oftmals kaum zu führen sein. Diesen
Beweisschwierigkeiten begegnet die Praxis einerseits mit einer Herabsetzung
des Beweismasses und andererseits mit einer tatsächlichen Vermutung: Wenn die
handelnde Person ihrer allgemeinen Verfassung nach im Normalfall und mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit als urteilsunfähig gelten muss, ist der
Beweispflicht Genüge getan und die Vermutung der Urteilsfähigkeit
umgestossen. Der anderen Partei steht in einem solchen Fall der Gegenbeweis
dafür offen, dass die betreffende Person trotz ihrer grundsätzlichen
Urteilsunfähigkeit auf Grund ihrer allgemeinen Gesundheitssituation in einem
luziden Intervall gehandelt hat und im massgeblichen Zeitpunkt mithin
gleichwohl mit überwiegender Wahrscheinlichkeit urteilsfähig war (BGE 124 III
5 E. 1b S. 8 f. mit Hinweisen und E. 4b S. 15).

4.2 Das Obergericht hält fest, der Erblasser sei im massgebenden Zeitpunkt 91
Jahre alt und gebrechlich gewesen und habe gesundheitliche Probleme gehabt.
Indessen würden weder Altersgebrechlichkeit noch angeschlagene Gesundheit
bereits zur Umkehr der Vermutung der Urteilsfähigkeit führen. Hierfür müsse
vielmehr nachgewiesen sein, dass die verfügende Person ihrer allgemeinen
Verfassung nach im Normalfall und mit grosser Wahrscheinlichkeit als
urteilsunfähig gelten müsse. Auf Grund einer eingehenden Würdigung der
erhobenen Beweise gelangte die Vorinstanz zum Schluss, beim Erblasser hätten,
wenn überhaupt, nur Störungen oder vorübergehende Verwirrungen bestanden, die
keine Rückschlüsse auf seine Verfassung im Allgemeinen zuliessen. Den Beweis
für Umstände, die eine Umkehr der den Kläger treffenden Beweislast zur Folge
hätten, hält sie deshalb für nicht erbracht.

4.3 Weshalb die Feststellung des Obergerichts, zur Umkehr der Beweislast
müsse nachgewiesen sein, dass die verfügende Person ihrer allgemeinen
Verfassung nach im Normalfall und - d.h. kumulativ - mit grosser
Wahrscheinlichkeit als urteilsunfähig gelten müsse, mit der Rechtsprechung
nicht in Einklang stehen soll, legt der Kläger nicht dar. Seine weiteren
Ausführungen erschöpfen sich in einer Kritik an der vorinstanzlichen
Beweiswürdigung, auf die im Berufungsverfahren nicht einzutreten ist.

5.
Für den Fall, dass er entgegen seiner Auffassung als beweisbelastet
betrachtet werden sollte, wirft der Kläger dem Obergericht ferner vor, es
habe seinen sich aus Art. 8 ZGB ergebenden Beweisführungsanspruch missachtet.
Obschon er in rechtsgenüglicher Weise die Einholung eines
gerontopsychiatrischen Gutachtens und die Einvernahme von Dr. med. F.________
und Dr. med. G.________, der Verfasser des von ihm in Auftrag gegebenen
Gutachtens, beantragt habe, habe die Vorinstanz von der Anordnung dieser
Beweismassnahmen abgesehen.

5.1 Art. 8 ZGB verleiht der beweisbelasteten Partei einen bundesrechtlichen
Anspruch auf Abnahme von Beweisen, die zum Nachweis rechtserheblicher
Tatsachen - nach Massgabe des kantonalen Prozessrechts frist- und formgerecht
- anerboten worden sind. Das Bundesrecht bestimmt indessen nicht, wie der
Sachrichter das Ergebnis der Beweiserhebungen zu würdigen habe, und verbietet
ihm somit nicht, einem beantragten Beweismittel auf Grund einer
vorweggenommenen Beweiswürdigung, weil er seine Überzeugung bereits aus
anderen Beweisen gewonnen hat und davon ausgeht, dass weitere Abklärungen am
massgeblichen Beweisergebnis nichts mehr zu ändern vermöchten, die
Tauglichkeit abzusprechen (dazu BGE 129 III 18 E. 2.6 S. 25 f. mit
Hinweisen).

5.2 Wie im Urteil zur staatsrechtlichen Beschwerde festgehalten wird
(5P.325/2004, E. 1.2 und E. 1.4), beruht der Verzicht des Obergerichts, das
beantragte Gutachten einzuholen und die vom Kläger angerufenen Ärzte als
Zeugen einzuvernehmen, auf einer Würdigung der bereits vorhandenen Beweise.
Die Rüge der Verletzung von Art. 8 ZGB stösst daher ins Leere.

6.
Der Kläger macht nach wie vor geltend, der Erblasser habe sich in zweifacher
Hinsicht in einem Irrtum befunden: Einerseits seien "neuste Vorkommnisse",
wie sie im strittigen Testament erwähnt würden, nicht aktenkundig, und
andererseits habe der Erblasser sich auch über seine Vaterschaft bezüglich
der Beklagten geirrt. Das Obergericht habe es unterlassen, daraus die
rechtlichen Folgerungen zu ziehen.

6.1 Die Vorinstanz hat zum einen festgehalten, dass der klägerischen
Auffassung, wonach das Testament vom 8. September 1997 dem Erblasser von der
Beklagten diktiert worden sei, nicht gefolgt werden könne. Dieses sei zwar
wesentlich kürzer ausgefallen als die früheren letztwilligen Verfügungen und
enthalte lediglich einen Hinweis auf "neuste Vorkommnisse", die nicht näher
bezeichnet seien und sich auch den im Allgemeinen recht präzis geführten
Tagebüchern nicht entnehmen liessen. Daraus wie auch aus dem Umstand, dass
die Beklagte keine Angaben über den Inhalt jener "Vorkommnisse" machen könne,
lasse sich indessen nicht ableiten, der Erblasser habe ein Testament nach
deren Willen verfassen müssen, das seiner Lebensauffassung und seinen
Einstellungen völlig zuwider gelaufen sei.

Zum anderen erklärt das Obergericht, dass der Erblasser in seiner Ergänzung
zum Testament vom 10. Oktober 1996 Stellung zur Frage seiner Vaterschaft
genommen und begründet habe, weshalb die Vermutung, seine Tochter (die
Beklagte) sei aus einer ausserehelichen Beziehung seiner Ehefrau mit dem
"alten Onkel Q.________" entstanden, haltlos sei. Auf die entsprechende
Unsicherheit habe der Erblasser erst gar nicht reagiert, so dass ein Irrtum
nicht vorliege bzw. nicht vorliegen könne. Ausserdem weist die Vorinstanz
darauf hin, dass für eine Ungültigkeit der letztwilligen Verfügung nach Art.
469 Abs. 1 ZGB erforderlich sei, dass der Erblasser seine Verfügung unter dem
Einfluss des Irrtums errichtet habe, mit andern Worten ein Kausalzusammenhang
zwischen der falschen Vorstellung und der Verfügung gegeben sein müsse. Der
Kläger habe nicht nur den Nachweis des Irrtums, sondern insbesondere auch
denjenigen der Kausalität zu erbringen. Der blosse Hinweis, der Erblasser
hätte, wenn er um die angeblich fehlende Vaterschaft gewusst hätte, die
Beklagte nicht begünstigt, genüge nicht, ganz abgesehen davon, dass auch
keine Beweise für diese Behauptung angeboten worden seien. Die erste Instanz
habe unter den dargelegten Umständen zu Recht davon abgesehen, ein
Vaterschaftsgutachten einzuholen.

6.2 Die Verneinung eines Irrtums in den beiden vom Kläger erwähnten Punkten
beruht nach dem Ausgeführten auf den vom Obergericht festgestellten
tatsächlichen Gegebenheiten. Soweit die Vorbringen des Klägers zu diesen in
Widerspruch stehen, sind sie hier von vornherein nicht zu hören, zumal keine
Verletzung bundesrechtlicher Beweisvorschriften dargetan wird und nichts auf
ein offensichtliches Versehen hindeutet (vgl. Art. 63 Abs. 2 OG). Inwiefern
die von der Vorinstanz aus ihren Feststellungen gezogenen rechtlichen
Schlüsse bundesrechtswidrig sein sollen, legt der Kläger nicht dar (vgl. Art.
55 Abs. 1 lit. c OG).

6.3 Ist nach dem Gesagten davon auszugehen, dass ein Irrtum nicht dargetan
ist, ist der Frage der Kausalität, d.h. ob der Erblasser in Kenntnis der
wahren Verhältnisse nicht oder anders verfügt hätte, die Grundlage entzogen.
Damit stösst die vom Kläger bezüglich der erwähnten Frage der Vaterschaft
erhobene Rüge, das Obergericht sei von einer unzutreffenden Verteilung der
Beweislast ausgegangen und habe dadurch Art. 8 ZGB missachtet, ins Leere. Der
Kläger weist im Übrigen selbst auf die (von ihm als unzutreffend bezeichnete)
Annahme der Vorinstanz hin, der Erblasser habe sich mit den Zweifeln über
seine Vaterschaft abgefunden. Diese Annahme ist tatsächlicher Natur und
angesichts des Urteils zur staatsrechtlichen Beschwerde für das Bundesgericht
verbindlich. Wenn der Kläger geltend macht, dem Erblasser sei bei der
letztwilligen Verfügung über sein Vermögen die biologische Vaterschaft von
zentraler Bedeutung gewesen, setzt er sich in unzulässiger Weise zur
gegenteiligen Annahme der Vorinstanz in Widerspruch.

Die Frage der Vaterschaft erweist sich unter den dargelegten Umständen
letztlich als unerheblich, so dass der Verzicht, das vom Kläger beantragte
Gutachten (DNA-Analyse) einzuholen, nicht zu beanstanden ist. Die ebenfalls
in diesem Zusammenhang erhobene Rüge der Missachtung des
Beweisführungsanspruchs ist unbegründet.

7.
Die Berufung ist nach dem Gesagten abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
Bei diesem Ausgang ist die Gerichtsgebühr dem Kläger aufzuerlegen (Art. 156
Abs. 1 OG). Da keine Berufungsantwort eingeholt worden ist und der Beklagten
somit keine Kosten erwachsen sind, entfällt die Zusprechung einer
Parteientschädigung.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Berufung wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 12'000.-- wird dem Kläger auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht (I. Kammer) des Kantons
Luzern schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 17. Januar 2005

Im Namen der II. Zivilabteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: