Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilabteilung 5C.112/2005
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5C.112/2005 /grl

Urteil vom 4. August 2005
II. Zivilabteilung

Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichter Meyer, Marazzi,
Gerichtsschreiber von Roten.

X.________,
Kläger und Berufungskläger,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Andres Büsser,

gegen

Y.________,
Beklagte und Berufungsbeklagte,
vertreten durch Rechtsanwalt Reto Diggelmann.

Abänderung eines Scheidungsurteils,

Berufung gegen den Entscheid des Kantonsgerichts St. Gallen, II. Zivilkammer,
vom 24. März 2005.

Sachverhalt:

A.
X. ________, Jahrgang 1973, und Y.________, Jahrgang 1968, heirateten am XXXX
1997. Sie wurden Eltern einer Tochter, geboren am XXXX 1997.

Das Bezirksgericht G.________ hiess das Scheidungsbegehren der Ehegatten gut
und genehmigte deren Vereinbarung über die Scheidungsfolgen. Sie
verpflichtete den Ehemann zu monatlichen Unterhaltsbeiträgen an seine Tochter
von Fr. 650.-- (bis zum erfüllten 6. Altersjahr), von Fr. 700.-- (bis zum
erfüllten 12. Altersjahr) und von Fr. 750.-- (bis zum ordentlichen Abschluss
einer Erstausbildung), zuzüglich Kinderzulagen. Die monatlichen
Unterhaltsbeiträge an die geschiedene Ehefrau wurden festgesetzt auf Fr.
1'300.-- bis Ende 2003, danach auf Fr. 950.-- bis Ende 2009 und anschliessend
auf Fr. 450.-- bis Ende 2013 (Entscheid vom 8. Mai 2000).

X. ________ ist heute wieder verheiratet. Zur neuen Familie gehören drei
Kinder seiner zweiten Ehefrau aus früheren Beziehungen, geboren in den Jahren
1995, 1997 und 1999. Y.________ lebt seit Januar 2003 mit einem neuen Partner
zusammen.

B.
Im September 2003 erhob X.________ (hiernach: Kläger) Abänderungsklage mit
dem Begehren, seine Unterhaltspflicht gegenüber Y.________ (fortan: Beklagte)
aufzuheben. Das Kreisgericht G.________ (2. Abteilung) wie auch - auf
Berufung des Klägers hin - das Kantonsgericht St. Gallen (II. Zivilkammer)
wiesen die Abänderungsbegehren ab. Beide kantonalen Gerichte verneinten eine
Verbesserung der Leistungsfähigkeit der Beklagten und eine Verschlechterung
der wirtschaftlichen Verhältnisse auf Seiten des Klägers (Entscheide vom 8.
Juli 2004 und vom 24. März 2005).

C.
Mit eidgenössischer Berufung beantragt der Kläger dem Bundesgericht in der
Sache, seine Unterhaltspflicht gegenüber der Beklagten in Abänderung des
Scheidungsurteils ab 1. Januar 2004 aufzuheben. Er ersucht um unentgeltliche
Rechtspflege. Das Kantonsgericht hat auf Gegenbemerkungen verzichtet. Eine
Berufungsantwort ist bei der Beklagten nicht eingeholt worden.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Gemäss Art. 129 Abs. 1 ZGB kann die Rente herabgesetzt, aufgehoben oder für
eine bestimmte Zeit eingestellt werden, wenn sich die Verhältnisse dauernd
und erheblich verändert haben. Die Abänderung beruht auf gerichtlichem
Ermessen (Art. 4 ZGB). Im Berufungsverfahren übt das Bundesgericht deshalb
bei der Prüfung der vom kantonalen Gericht festgelegten Unterhaltsbeiträge
grosse Zurückhaltung. Es schreitet insbesondere ein, wenn die Vorinstanz
entweder Kriterien berücksichtigt hat, die nach dem Gesetz keine Rolle
spielen dürfen, oder Umstände ausser Acht gelassen hat, die für den
Unterhaltsbeitrag ausschlaggebend sein sollten. Zu einer Korrektur des
vorinstanzlichen Entscheides kommt es schliesslich, wenn der festgesetzte
Unterhaltsbeitrag auf Grund der konkreten Umstände als eindeutig unangemessen
erscheint (Urteil 5C.197/2003 vom 30. April 2004, E. 2.3, in: FamPra.ch 2004
S. 690). Strittig ist auf Seiten der Beklagten, ob sich aus ihrem
Zusammenleben mit einem neuen Partner eine Verbesserung ihrer
wirtschaftlichen Verhältnisse ergeben hat und welches Einkommen ihr aus
eigener Erwerbstätigkeit angerechnet werden kann (E. 2 hiernach). Auf Seiten
des Klägers lautet die Streitfrage dahin, ob die - wegen der
Wiederverheiratung und einer Arbeitszeitreduktion - eingetretene
Verschlechterung seiner wirtschaftlichen Verhältnisse dauernd und erheblich
ist (E. 3 hiernach). Unbestritten ist, dass die Wiederverheiratung des
Klägers und die damit verbundenen Mehrkosten eine Verhältnisänderung bewirkt
haben, die bei der Rentenfestsetzung im Zeitpunkt der Scheidung nicht
berücksichtigt worden ist (vgl. Ziff. 5 S. 13 der Berufungsschrift).

2.
Die kantonalen Gerichte haben eine Abänderung der Unterhaltsrente wegen
Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse auf Seiten der Beklagten
abgelehnt. Das Kantonsgericht hat dafürgehalten, von einem gefestigten
Konkubinat könne nicht ausgegangen werden und die finanzielle Situation der
Beklagten habe sich - anders als im Scheidungsurteil vorausgesehen -
verschlechtert (S. 3). Der Kläger bestreitet diese Annahmen (Ziff. 6 S. 13
ff. der Berufungsschrift).

2.1 Die Aufhebung, Herabsetzung oder Einstellung der Rente kann
gerechtfertigt sein, wenn der Unterhaltsberechtigte in einem gefestigten
Konkubinat lebt (Urteile 5C.265/2002 vom 1. April 2003, E. 2.4, und
5C.296/2001 vom 12. März 2002, E. 3b, in: Praxis 92/2003 Nr. 175 S. 973 und
91/2002 Nr. 149 S. 812 ff.).
Nach der unter bisherigem Recht ergangenen Rechtsprechung, die weiterhin
massgebend bleibt, wird unter einem gefestigten Konkubinat eine auf längere
Zeit, wenn nicht auf Dauer angelegte umfassende Lebensgemeinschaft von zwei
Personen - hier - unterschiedlichen Geschlechts mit grundsätzlich
Ausschliesslichkeitscharakter verstanden, die sowohl eine geistig-seelische
als auch eine körperliche und eine wirtschaftliche Komponente aufweist. Der
Nachweis dafür, dass die unterhaltsberechtigte Beklagte mit einem neuen
Partner in einem gefestigten Konkubinat lebt, obliegt dem
unterhaltspflichtigen Kläger. Das Bundesgericht hat allerdings eine -
widerlegbare - Tatsachenvermutung in dem Sinne aufgestellt, dass ein
Konkubinat als "gefestigt" gelten kann, wenn es im Zeitpunkt der Einleitung
der Abänderungsklage bereits fünf Jahre gedauert hat (zit. Urteil
5C.265/2002, E. 2.4, in: Praxis 92/2003 Nr. 175 S. 973 f. mit Hinweis vorab
auf BGE 118 II 235 E. 3 S. 237 ff.).

Das Kantonsgericht hat ein gefestigtes Konkubinat der Beklagten verneint.
Nach Angaben des Klägers (S. 13) lebt die Beklagte seit Januar 2003 mit einem
neuen Partner zusammen. Das Konkubinat hat daher bei Einleitung der
Abänderungsklage im September 2003 erst acht Monate gedauert. Mehr oder
anderes zur Art dieser Beziehung, in der die Beklagte lebt, bringt der Kläger
nicht vor. Es fehlen namentlich genauere Angaben, welche Einsparungen der
gemeinsame Haushalt der Beklagten mit dem neuen Partner bewirken soll
(bedarfsmindernd) oder ob durch ihre angebliche Lebensgemeinschaft nicht gar
neue Lasten entstanden sind (bedarfserhöhend). Mit Blick auf die klägerischen
Vorbringen kann nicht beanstandet werden, dass das Kantonsgericht ein
gefestigtes Konkubinat verneint hat.

2.2 Ihrer Vereinbarung über den nachehelichen Unterhalt haben die Parteien
ein Erwerbseinkommen der Beklagten von Fr. 1'331.-- als Betriebsangestellte
mit einem Teilpensum von 30-40 % zugrunde gelegt. Das Kantonsgericht hat dazu
festgehalten, die finanzielle Situation der Beklagten habe sich anders als im
Scheidungszeitpunkt vorausgesehen entwickelt. Sie verdiene heute gut Fr.
500.-- und sei bei notwendigen Auslagen von rund Fr. 1'840.-- auf den
monatlichen Unterhaltsbeitrag von Fr. 950.-- weiterhin angewiesen (S. 3). Was
der Kläger heute dagegenhält, ist unbegründet. Indem er der Beklagten ein
Einkommen von Fr. 1'680.-- anrechnet, übersieht er, dass ein hypothetisches
Einkommen nicht bloss zumutbar, sondern auch tatsächlich erzielbar sein muss.
Zur zweiten Voraussetzung tatsächlicher Natur hat das Kantonsgericht nichts
festgestellt. Der Kläger erhebt in diesem Punkt keine ausnahmsweise
zulässigen Sachverhaltsrügen (Art. 63 f. OG), so dass dahingestellt bleiben
muss, ob der Beklagten die zumutbare Erzielung eines höheren
Erwerbseinkommens auch tatsächlich möglich ist (vgl. zur Abgrenzung von Tat-
und Rechtsfrage beim hypothetischen Einkommen: BGE 126 III 10 E. 2b S. 12 f.;
128 III 4 E. 4c/bb S. 7 f). Unter diesen Umständen ist auf die
kantonsgerichtlichen Eventualerwägungen (S. 3: "Selbst wenn ...") nicht mehr
einzugehen.

2.3 Insgesamt erweist sich der angefochtene Entscheid nicht als
bundesrechtswidrig, soweit das Kantonsgericht eine Herabsetzung oder gar
Aufhebung der Rente wegen Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse auf
Seiten der Beklagten abgelehnt hat.

3.
Auf Seiten des Klägers hat das Kantonsgericht eine dauerhafte Verminderung
des Einkommens verneint und die - durch die Erhöhung der Familienlasten
bedingte - Verschlechterung der wirtschaftlichen Gesamtsituation nicht als
erheblich bezeichnet (S. 3 ff.).
3.1 Der Kläger wendet sich zunächst gegen die Beurteilung seiner
Einkommensverhältnisse (Ziff. 1 und 2 S. 3 ff. der Berufungsschrift).

3.1.1 Die Beweislast für die Abänderungsvoraussetzungen - hier: die
dauerhafte Verminderung des Erwerbseinkommens - bzw. die Folge für deren
Beweislosigkeit trifft den Kläger, zumal er aus dem Vorhandensein des von ihm
behaupteten Herabsetzungs- oder Aufhebungsgrundes Rechte ableitet (Art. 8
ZGB; BGE 104 II 237 E. 5 S. 243). Zum Beweisthema gehören die Entwicklung des
Einkommens und - wie bereits erwähnt (E. 2.2 hiervor) - die tatsächliche
Möglichkeit, ein höheres als das zur Zeit erwirtschaftete Einkommen zu
erzielen. Rechtsfrage ist, ob die festgestellte Einkommenseinbusse nach
menschlichem Ermessen von Dauer sein wird (vgl. BGE 96 II 301 E. 4 S. 302 f.;
117 II 211 E. 5a S. 217; zum geltenden Recht: zit. Urteil 5C.197/2003, E.
3.3, in: FamPra.ch 2004 S. 691 f.).
3.1.2 Zum Beweis seiner Einkommensverminderung hat der Kläger eine - während
des Prozesses ausgestellte und nicht unterzeichnete - Bestätigung
eingereicht, wonach die Arbeitszeit in gegenseitigem Einverständnis auf 60-70
% reduziert werde. Er hat geltend gemacht, die Arbeitsreduktion sei aus
wirtschaftlichen Gründen erfolgt und insoweit sei die Wendung "in
gegenseitigem Einverständnis" falsch. Das Kantonsgericht hat offen gelassen,
ob diese Darstellung zutreffe, und hat deshalb die angebotenen Beweise nicht
abgenommen. Es ist davon ausgegangen, der Kläger dürfe sich weder mit einer
erzwungenen Einkommenseinbusse abfinden noch eine freiwillige
Einkommensreduktion herbeiführen. Da der teilweise Einstieg seiner zweiten
Ehefrau ins Erwerbsleben die behauptete Lohneinbusse nicht auszugleichen
vermöge, wäre der Kläger verpflichtet, beim bisherigen Arbeitgeber weiterhin
voll zu arbeiten oder eine neue Stelle zu suchen. Der Kläger habe nicht
dargetan, weshalb es ihm nicht mehr möglich sein solle, eine andere
Vollzeitstelle mit ungefähr gleich hohem Lohn zu finden. Aus diesem Grund
könne angenommen werden, dass das aktuelle Familieneinkommen nicht von Dauer
sei und der Kläger in wenigen Monaten wieder das frühere Einkommen von Fr.
5'100.-- erzielen werde (S. 3 f.).
3.1.3 Ausgangspunkt für die Beurteilung der Dauerhaftigkeit der
Einkommensverminderung (Rechtsfrage) bildet die Feststellung, der Kläger habe
nicht dargetan, dass es ihm nicht möglich sei, eine andere Vollzeitstelle mit
ungefähr gleichem Lohn zu finden (Tatfrage). Der Kläger wirft dem
Kantonsgericht vor, es habe die realen Einkommensverhältnisse nicht geprüft
(S. 6) und nicht geklärt, ob ihm in tatsächlicher Hinsicht die Erzielung des
hypothetischen Einkommens überhaupt möglich wäre (S. 8). Mit seinen
Vorbringen vermag der Kläger nicht zu verdecken, dass er zu dieser
tatsächlichen Möglichkeit, ein höheres Einkommen zu erzielen, offenbar keine
Tatsachenbehauptungen versehen mit Beweisofferten aufgestellt hat. Er beruft
sich auch nur auf seine Beweisanerbieten, wonach die Arbeitszeitreduktion
entgegen dem klaren Wortlaut seiner Bestätigung zwingend aus wirtschaftlichen
Gründen und nicht prozessbedingt freiwillig erfolgt sei. Damit greifen seine
Ausführungen aber zu kurz. Entscheidend für die Beantwortung der Rechtsfrage
ist in tatsächlicher Hinsicht, ob die kurzfristig erlittene Lohneinbusse
nicht wieder behoben werden kann. Die Beweislosigkeit dieses Sachverhalts
("nicht dargetan") wirkt sich zu Lasten des Klägers aus, so dass das
Kantonsgericht in rechtlicher Hinsicht davon ausgegangen ist, die
Einkommenseinbusse sei bloss vorübergehend.

3.1.4 Die klägerischen Ausführungen gegen die rechtliche Beurteilung des
Kantonsgerichts sind nicht stichhaltig. Der Kläger bestreitet die
Zumutbarkeit einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit unter Hinweis auf das
persönliche Selbstbestimmungsrecht der Ehegatten über die Rollenverteilung
während der Ehe. Das Recht des Klägers und seiner zweiten Ehefrau, sich über
den Beitrag, den jeder von ihnen leistet, zu verständigen (Art. 163 Abs. 2
ZGB), findet seine Grenze an der Rechtsordnung und vorliegend an der
rechtskräftigen Verurteilung des Klägers zu Unterhaltsleistungen an die
Beklagte. Die Vereinbarung über den Unterhalt verpflichtet die Ehegatten,
kann aber die Rechte Dritter - hier der Beklagten - nicht beschränken (vgl.
BGE 116 III 75 E. 2b S. 79; 130 III 45 E. 2 S. 47/48; Schwander, Basler
Kommentar, 2002, N. 21 zu Art. 163 ZGB). Der Kläger wendet ferner ein,
zumutbar sei ihm nicht das bisherige Einkommen, sondern nur das im
Scheidungsurteil festgesetzte und der seitherigen Teuerung anpasste
Einkommen, weil andernfalls eine Abänderung zu Gunsten der Beklagten
vorgenommen würde. Bei dieser schwer nachvollziehbaren Betrachtungsweise
müsste umgekehrt auch auf den im Scheidungsurteil festgesetzten und der
seitherigen Teuerung angepassten Notbedarf des Klägers abgestellt werden, so
dass jede Abänderungsklage zwangsläufig scheiterte. Das aber ist nicht der
Sinn des im Gesetz vorgesehenen Abänderungsprozesses, in dem
begriffsnotwendig die im Scheidungszeitpunkt gegebene mit der aktuellen
Lebenshaltung verglichen und geprüft werden muss, ob und in welchem Umfang
sich die wirtschaftlichen Verhältnisse erheblich, dauernd und unvorhersehbar
verändert haben (zit. Urteil 5C.197/2003, E. 2.1, in: FamPra.ch 2004 S. 689
f.).
3.1.5 Insgesamt bringt der Kläger nichts vor, was die kantonsgerichtlich
bejahte Zumutbarkeit einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit als
bundesrechtswidrig erscheinen lassen könnte.

3.2 Der Kläger macht geltend, er habe für die drei vorehelichen Kinder seiner
zweiten Ehefrau einen Stiefkinderergänzungsunterhalt von monatlich rund Fr.
200.-- aufzubringen. Die Berechnung des Kantonsgerichts, wonach die
monatlichen Beiträge der drei leiblichen Väter von zusammengerechnet Fr.
2'230.-- die Kinderkosten von total Fr. 2'180.-- deckten, sei
bundesrechtswidrig. Die wirtschaftlichen Verhältnisse seien bei ihm günstiger
als bei den leiblichen Vätern, weshalb sein Aufwand für die drei Stiefkinder
um rund Fr. 200.-- monatlich höher sei als die Beiträge, die die leiblichen
Väter für die Stiefkinder bezahlten (Ziff. 3 S. 9 ff. der Berufungsschrift).
Das Kantonsgericht ist davon ausgegangen, eine indirekte Unterstützung der
Stiefkinder durch den Kläger sei nicht erforderlich (S. 4 f.).
3.2.1 Gemäss Art. 278 Abs. 2 ZGB hat jeder Ehegatte dem andern in der
Erfüllung der Unterhaltspflicht gegenüber vorehelichen Kindern in
angemessener Weise beizustehen. Stimmt der Stiefelternteil der Aufnahme
vorehelicher Kinder seines Ehepartners in die Hausgemeinschaft zu, so hat er
seinem Ehepartner nur in angemessener Weise beizustehen, denn in Bezug auf
seine Leistungspflicht ist er dem leiblichen Elternteil nicht gleichgestellt.
Die Beistandspflicht ist subsidiär; die elterliche Unterhaltspflicht
gegenüber den eigenen leiblichen Kindern geht vor. Leben die Kinder, wie
hier, bei Mutter und Stiefvater, so haben für die Barkosten des
Kinderunterhalts die jeweiligen leiblichen Väter aufzukommen (Art. 276 Abs. 2
ZGB). Der Beistand des Stiefvaters besteht darin, dass er einen allfälligen
Unterschied zwischen einem ungenügenden Unterhaltsbeitrag der leiblichen
Väter und dem Bedarf der Kinder auszugleichen und das Risiko für die
Einbringlichkeit der Unterhaltsbeiträge zu tragen hat (BGE 120 II 285 E. 2b
S. 287 f.).

Zur Vor- oder Gesamtfinanzierung des Bedarfs der Familie ist der Stiefvater
nur verpflichtet, wenn er sie ohne eigene Einschränkungen, vorab mit
Rücksicht auf die Deckung eigener Unterhaltsverpflichtungen zu leisten
vermag. Er darf verlangen, dass die leibliche Mutter der Stiefkinder zur
Deckung des Barbedarfs zuerst eigene Mittel einsetzt, Kindesvermögen anzehrt
oder um Unterstützung von Verwandten oder um Sozialhilfe nachsucht. In diesem
Sinn ist die Beistandspflicht gemäss Art. 278 Abs. 2 ZGB - wie erwähnt -
subsidiär (ausführlich: Hegnauer, Berner Kommentar, 1997, N. 28-36 zu Art.
278 ZGB).

Die Subsidiarität der stiefväterlichen Beistandspflicht schliesst eine
Abänderung der im Scheidungsurteil festgelegten Unterhaltsleistungen an die
erste Familie nicht aus. Verwirklicht sich die Beistandspflicht und ist der
Schuldner ausserstande, neben seinen Beistands- und Unterhaltspflichten
gegenüber der zweiten Familie die der ersten Familie zuerkannten
Unterhaltsbeiträge zu bezahlen, so kann sich deren Einstellung, Herabsetzung
oder Aufhebung als unausweichlich erweisen. Ob die verschiedenen
Unterhaltsberechtigten - hier die erste Ehefrau gegenüber drei Stiefkindern -
in einer Rangfolge zueinander stehen und wie insoweit die Abänderung bzw.
Festsetzung der Unterhaltsbeiträge zu erfolgen hat, kann aus nachstehenden
Gründen (E. 3.2.2 und .3 sogleich) dahingestellt bleiben (z.B. Urteil
5C.57/1991 vom 17. Oktober 1991, E. 3, in: SJ 1992 S. 131 ff., für den Fall
zweier Familien je mit Kindern desselben Vaters; vgl. zum Ganzen: Pichonnaz,
Le bien de l'enfant et les secondes familles (familles recomposées), in:
Kindeswohl / Le bien de l'enfant, Zürich 2003, S. 161 ff., S. 166 ff. Ziff.
2.3; Kremer, Das Stiefkind im Unterhaltsrecht, Diss. Freiburg i.Br. 1998,
Druck Bern 2000, S. 149; Hausheer/Spycher, Handbuch des Unterhaltsrechts,
Bern 1997, S. 444 ff., je mit Hinweisen).

3.2.2 Der Grundsatz der Subsidiarität verbietet es, die vom Kläger
geschuldeten Unterhaltsbeiträge gegenüber der ersten Ehefrau aufzuheben oder
herabzusetzen allein unter Hinweis darauf, der Kläger müsse
"Stiefkinderergänzungsunterhalt" leisten. Denn gemäss den Feststellungen des
Kantonsgerichts (S. 4 f.) steht für eines der Stiefkinder die behördliche
Genehmigung eines unterzeichneten Unterhaltsvertrags mit höheren Beiträgen in
Aussicht und sind allfällige IV-Leistungen zu berücksichtigen. Bevor diese
Finanzierungsquellen nicht ausgeschöpft sind, kommt eine Herabsetzung der
Unterhaltspflicht des Klägers gegenüber seiner ersten Ehefrau zu Gunsten
einer Beistandspflicht gegenüber seiner zweiten Ehefrau nicht in Frage. Das
Kantonsgericht hat deshalb kein Bundesrecht verletzt, indem es davon
ausgegangen ist, die stiefväterliche Beistandspflicht beeinträchtige die
Leistungsfähigkeit des Klägers nicht und komme vorliegend nicht zum Tragen.

3.2.3 Aus dem gleichen Grund erweist sich die Berechnung als unrichtig, die
der Kläger zum Beleg dafür anstellt, dass die drei Stiefkinder an einer
Lebenshaltung teil hätten, die von ihren leiblichen Vätern nicht gedeckt
werde, und dass er ergänzend an den Unterhalt der Stiefkinder mit den
erwähnten Fr. 200.-- monatlich beitrage. Wegen der Subsidiarität darf der
Kläger in Berechnung seiner stiefväterlichen Beistandspflicht die beantragte
und erst zu beurteilende Aufhebung der Unterhaltsbeiträge nicht gleichsam
vorwegnehmen. Seine rechtskräftig festgelegten Unterhaltspflichten gegenüber
seiner Tochter aus erster Ehe und seiner ersten Ehefrau gehen der
Beistandspflicht gegenüber seiner zweiten Ehefrau grundsätzlich vor. Zur
Berechnung des Barbedarfs seiner Stiefkinder sind vom Einkommen des Klägers
(Fr. 5'100.--) der Unterhaltsbeitrag an seine erste Tochter (Fr. 700.--) und
der Unterhaltsbeitrag an seine erste Ehefrau (Fr. 950.--) abzuziehen (= Fr.
3'450.--). Ist bereits der Ausgangspunkt der klägerischen Rückrechnung falsch
gewählt, erübrigt es sich darauf näher einzutreten (Art. 55 Abs. 1 lit. c
OG).

Das Gesetz schreibt dem Gericht zudem keine bestimmte Methode der
Unterhaltsberechnung vor (BGE 128 III 411 E. 3.2.2 S. 414 und Urteil des
Bundesgerichts 5C.278/2000 vom 4. April 2001, E. 4a, in: ZBJV 138/2002 S.
39). Auf die vom Kläger angerufenen "Zürcher Tabellen" darf abgestellt
werden, soweit auch die erforderlichen Anpassungen vorgenommen werden
(Breitschmid, Basler Kommentar, 2002, N. 6 ff. zu Art. 285 ZGB).
Anpassungsbedarf bestünde hier einerseits mit Bezug auf das konkrete
Lebenskostenniveau in der Region, in der die Familie des Klägers lebt, sind
doch beispielsweise die tatsächlichen Wohnkosten für die drei Kinder (Fr.
650.--) um beinahe einen Viertel tiefer als die für städtische Verhältnisse
massgebenden Tabellenwerte (Fr. 840.-- per 1. Januar 2000). Andererseits
liegt das klägerische Familieneinkommen - bei korrekter Berechnung - um mehr
als 20 % unter dem "mittleren Einkommen", auf dem die Bedarfszahlen gemäss
"Zürcher Tabelle" beruhen (vgl. zu den Anpassungen an die konkreten
Lebensverhältnisse, z.B. Urteil 5C.171/2003 vom 11. November 2003, E. 3, in:
FamPra.ch 2004 S. 379 ff.).

Insgesamt vermag der Kläger mit seiner Berechnungsmethode keinen
Ermessensfehler des Kantonsgerichts zu belegen. Vielmehr erscheint -
jedenfalls auf Grund der Vorbringen des Klägers - die kantonsgerichtliche
Annahme nicht als bundesrechtswidrig, die Kinderkosten seien durch die
Unterhaltsbeiträge der leiblichen Väter gedeckt und eine indirekte
Unterhaltspflicht des Klägers als Stiefvater bestehe nicht.

3.3 Das Kantonsgericht hat es abgelehnt, die geltend gemachten Fahrkosten als
Auslagen für ein Privatfahrzeug im Bedarf des Klägers zu berücksichtigen (S.
5 f.). Was der Kläger heute dagegen einwendet, geht an der Sache vorbei
(Ziff. 4 S. 12 f. der Berufungsschrift). Das Kantonsgericht hat zum einen
nirgends ausgeführt, der Arbeitgeber müsse den Arbeitsweg abgelten. Auf die
heute wiederholte Behauptung, er sei auch für die berufliche Tätigkeit selber
auf ein Privatfahrzeug angewiesen, hat das Kantonsgericht dem Kläger
entgegnet, der Arbeitgeber müsse die Auslagen vergüten, wenn der Kläger ein
Privatfahrzeug "für seine Arbeit" benutze (so wörtlich: Art. 327b Abs. 1 OR).
Für den Arbeitsweg wie auch zur Befriedigung anderer Bedürfnisse (Einkaufen,
Ferien u.ä.) hat das Kantonsgericht zum anderen dargelegt, die Benutzung
eines Privatfahrzeugs sei nicht unabdingbar und insbesondere der Arbeitsweg
könne mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigt werden. Inwiefern das
Kantonsgericht den Kompetenzcharakter des Privatfahrzeugs unrichtig beurteilt
haben soll, sei es dessen Unentbehrlichkeit für den persönlichen Gebrauch
(BGE 106 III 104 S. 107; 108 III 60 E. 3 S. 63) oder sei es dessen
Notwendigkeit für die Berufsausübung (BGE 104 III 73 E. 2 S. 75; 110 III 17
E. 2b S. 18), legt der Kläger nicht dar. Mit der Beantwortung dieser
Rechtsfrage hat der Vorwurf, es seien - zudem nicht näher bezeichnete -
Beweismittel nicht abgenommen worden, nichts zu tun (BGE 127 III 248 E. 3a S.
253). In der Berufungsschrift wird auch nicht dargelegt, inwiefern die im
Familienbedarf berücksichtigten Kosten für die Benutzung öffentlicher
Verkehrsmittel unangemessen sein soll. Auf Grund der klägerischen Vorbringen
kann die kantonsgerichtliche Bedarfsbemessung insgesamt nicht beanstandet
werden.

3.4 Das Kantonsgericht hat festgehalten, dem Kläger und seiner zweiten
Ehefrau verbleibe vom Einkommen - nach Deckung des Bedarfs und nach Abzug der
Unterhaltsbeiträge an die Tochter des Klägers aus erster Ehe und an die erste
Ehefrau - ein Freibetrag von monatlich rund Fr. 200.--. Es ist davon
ausgegangen, dieser Betrag zur freien Verfügung liege zwar unter dem oftmals
gewährten Zuschlag von 20 %, doch sei das angesichts der angespannten
finanziellen Verhältnisse und der nur befristeten Unterhaltspflicht des
Klägers gegenüber seiner ersten Ehefrau hinzunehmen (S. 6 f.). Dass das
Kantonsgericht die eingetretene Verschlechterung der wirtschaftlichen
Verhältnisse auf Seiten des Klägers insoweit als nicht erheblich bezeichnet
hat, bestreitet der Kläger mit keinen stichhaltigen Vorbringen (Ziff. 3 S. 9
der Berufungsschrift). Er räumt selber ein, dass nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung die besonderen Verhältnisse des konkreten Einzelfalls
massgebend sind und namentlich in Mangelfällen - wie dem vorliegenden - ein
Zuschlag von 20 % unstatthaft sein dürfte, weil dadurch der
Unterhaltspflichtige zu Lasten des Unterhaltsberechtigten bevorzugt würde.
Wird dem Kläger hier eine kleine Reserve von monatlich rund Fr. 200.-- für
die üblichen Zwischenfälle des Lebens belassen, kann von einem
Ermessensfehler nicht die Rede sein (vgl. zum Problem des Zuschlags: Urteil
5C.282/2002 vom 27. März 2003, E. 4.1, in: JdT 2003 I S. 203).

3.5 Aus den dargelegten Gründen kann die kantonsgerichtliche Beurteilung, die
Verschlechterung der wirtschaftlichen Verhältnisse auf Seiten des Klägers sei
weder dauernd noch erheblich, nicht beanstandet werden.

4.
Bei diesem Verfahrensausgang wird der Kläger kostenpflichtig (Art. 156 Abs. 1
OG). Die vorstehenden Erwägungen verdeutlichen, dass sich das Kantonsgericht
in allen geprüften Punkten von der Lehre und der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung hat leiten lassen und dass ihm deshalb keine rechtsfehlerhafte
Ermessensbetätigung vorgeworfen werden kann. Die Berufungsanträge konnten
daher von Beginn an keinen Erfolg haben. In Anbetracht dessen muss das Gesuch
des Klägers um unentgeltliche Rechtspflege abgewiesen werden (Art. 152 Abs. 1
OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Berufung wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Das Gesuch des Klägers um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.

3.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- wird dem Kläger auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht St. Gallen, II.
Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 4. August 2005

Im Namen der II. Zivilabteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: