Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Schuldbetreibungs- und Konkurskammer 7B.241/2005
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7B.241/2005 /bnm

Urteil vom 6. März 2006
Schuldbetreibungs- und Konkurskammer

Bundesrichterin Hohl, Präsidentin,
Bundesrichter Meyer, Marazzi,
Gerichtsschreiber Schett.

X. ________,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Fürsprecher Arthur Daniel Ruckstuhl,

gegen

Kantonsgericht von Graubünden, Kantonsgerichtsausschuss, als Aufsichtsbehörde
über Schuldbetreibung und Konkurs, Poststrasse 14, 7002 Chur.

Fortsetzung einer Betreibung; örtliche Zuständigkeit,

SchKG-Beschwerde gegen den Entscheid des Kantonsgerichts von Graubünden,
Kantonsgerichtsausschuss, als Aufsichtsbehörde über Schuldbetreibung und
Konkurs, vom 7. Dezember 2005.

Sachverhalt:

A.
A.a Am 4. Juli 2003 betrieb die Bank Y.________ X.________ aus zwei
Bürgschaften, die dieser zur Besicherung von Krediten eingegangen war, welche
die Gläubigerin an früher vom Schuldner beherrschte Unternehmen gewährt
hatte, auf Zahlung von Fr. 7'885'381.34 nebst 6.22 % Zins auf Fr.
7'861'359.81 seit 5. Juli 2003. Der in der Betreibung Nr. 1 des
Betreibungsamtes A.________ ausgestellte Zahlungsbefehl wurde X.________ am
14. Juli 2003 persönlich, an der von der Gläubigerin angegebenen Adresse
B.________ in C.________, zugestellt. X.________ erhob anlässlich der
Zustellung Rechtsvorschlag.

Am 25. August 2003 wurde der Gläubigerin die provisorische Rechtsöffnung
erteilt, worauf sie am 16. September 2003 erstmals das Fortsetzungsbegehren
stellte. Diesem konnte zunächst keine Folge gegeben werden, da der Schuldner
Aberkennungsklage erhoben hatte. Eine auf den 6. November 2003 angesetzte
Sühneverhandlung wurde auf Begehren des Schuldners auf den 1. Dezember 2003
verschoben. Als im November 2003 der Konkurs über X.________ eröffnet wurde,
fiel die Vermittlungsverhandlung dahin. Am 11. Dezember 2003 wurde der
Konkurs mangels Aktiven eingestellt und in der Folge ein neuer Termin für die
Vermittlungsverhandlung auf den 1. April 2004 angesetzt. Diese fiel wiederum
dahin, weil am 11. Dezember 2003 ein anderer Gläubiger gegen die Einstellung
des Konkurses mit Erfolg Beschwerde erhoben hatte. Der Konkursrichter hielt
unter anderem fest, dass es nicht an Aktiven für das Konkursverfahren mangle,
sondern dass der Schuldner den Verbleib seiner Aktiven verdunkle. Ferner
wurde im Konkurserkenntnis festgestellt, dass X.________ seiner
Lebensgefährtin eine Liegenschaft im Wert von mehreren Millionen Franken zu
einem Preis weit unter deren tatsächlichen Belehnung mit Grundpfändern
übertragen hatte. Der Konkurs wurde in der Folge dennoch am 30. September
2004 mangels Aktiven erneut eingestellt. Da X.________ das
Vermittlungsverfahren nach erfolgter Konkurseinstellung nicht wieder aufnahm,
fiel seine Aberkennungsklage dahin und die Gläubigerin erhielt mit der
entsprechenden Abschreibungsverfügung des Vermittlers vom 4. März 2005 in der
Betreibung Nr. 1 die definitive Rechtsöffnung.

A.b Auf Anfrage vom 23. März 2005 teilte die Einwohnerkontrolle C.________
der Gläubigerin mit, X.________ sei per 15. November 2004 ohne Adressangabe
ins Ausland gezogen; man habe nur eine Postfachadresse in D.________.

A.c Am 6. April 2005 stellte die Gläubigerin dem Betreibungsamt A.________
erneut das Begehren um Fortsetzung der Betreibung Nr. 1, mit dem Hinweis,
dass der Betreibungsort C.________ trotz Wegzug des Schuldners bestehen
bleibe. Die Postfachadresse in D.________ vermöge kein Spezialdomizil im
Sinne von Art. 50 Abs. 2 SchKG zu begründen. Eine Betreibung am letzten
schweizerischen Wohnort sei möglich, wenn der Schuldner diesen Wohnsitz
aufgebe und ins Ausland ziehe, ohne neuen Wohnsitz oder Aufenthalt zu
begründen. Die Gläubigerin habe durch die Bestätigung der Einwohnerkontrolle
C.________ nachgewiesen, dass ihr kein neuer Wohnsitz oder Aufenthalt des
Schuldners bekannt gegeben worden sei, womit es Sache des Schuldners sei, den
Beweis für seinen neuen Wohnsitz zu erbringen. Angesichts der Tatsachen, dass
der Konkursrichter festgestellt habe, Vermögenswerte von X.________ seien auf
unerklärliche Weise verschwunden und der Schuldner anschliessend ohne Angabe
eines neuen Aufenthaltsorts ins Ausland weggezogen sei, lägen im Übrigen
genügend Anzeichen für Zahlungsflucht im Sinne von Art. 54 SchKG vor.

Mit Schreiben vom 12. September 2005 lehnte es das Betreibungsamt A.________
ab, das Betreibungsverfahren durch Pfändung fortzusetzen.

A.d Die Gläubigerin insistierte mit Schreiben vom 14. September 2005.
Gestützt auf Art. 54 SchKG bleibe das Betreibungsamt A.________ zuständig und
das Amt habe die Pfändungsankündigung mittels öffentlicher Bekanntmachung im
Sinne von Art. 35 SchKG zu veranlassen. Das Betreibungsamt entschied am 20.
September 2005 abschlägig.

B.
B.aAm 23. September 2005 reichte die Bank Y.________ beim Kantonsgericht von
Graubünden, Kantonsgerichtsausschuss als Aufsichtsbehörde in
Schuldbetreibungs- und Konkurssachen, Beschwerde gegen die Verfügungen des
Betreibungsamtes A.________ vom 12./20. September 2005 ein.

B.b Nach Aufforderung durch die Aufsichtsbehörde hat das Betreibungsamt die
Kopie eines Schriftstücks der italienischen Immigrationsbehörden zu den Akten
gegeben. Daraus geht hervor, dass X.________ am 7. Februar 2005 eine
befristete Aufenthaltsgenehmigung (permesso di soggiorno per stranieri per
motivi commerciali/lavoro autonomo) in Italien erteilt worden ist.

B.c Gemäss Zustellbescheinigung der italienischen Rechtshilfebehörde ist die
prozessleitende Verfügung, womit dem Beschwerdegegner X.________ Gelegenheit
zur Vernehmlassung eingeräumt wurde, am 28. Oktober 2005 an der angegebenen
Adresse in Italien, in Empfang genommen worden. Eine Beschwerdeantwort hat
X.________ innert Frist nicht erstattet. Die vom nachträglich bestellten
Rechtsvertreter am 29. November 2005 eingereichte Vernehmlassung wurde
deshalb von der Aufsichtsbehörde nicht berücksichtigt.

B.d Mit Entscheid vom 7. Dezember 2005 wurde die Beschwerde teilweise
gutgeheissen und die Verfügungen des Betreibungsamtes A.________ vom 12. und
20. September 2005 in der Betreibung Nr. 1 wurden aufgehoben. Das
Betreibungsamt A.________ wurde angewiesen, die Betreibung Nr. 1 am
Betreibungsort C.________ fortzusetzen.

C.
C.a
Mit Eingabe vom 22. Dezember 2005 hat X.________ die Sache an die
Schuldbetreibungs- und Konkurskammer des Bundesgerichts weitergezogen. Er
beantragt, die Sache sei unter Berücksichtigung der Vernehmlassung seines
Rechtsvertreters an die Vorinstanz zurückzuweisen. Sodann verlangt er die
Aufhebung des angefochtenen Entscheids und die Bestätigung der Verfügung des
Betreibungsamtes A.________ vom 12. September 2005 betreffend das
Fortsetzungsbegehren und die Pfändungsankündigung in der Betreibung Nr. 1.

C.b Die Aufsichtsbehörde hat anlässlich der Aktenübersendung den Antrag
gestellt (Art. 80 OG), die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten
sei; unter Hinweis auf den angefochtenen Entscheid verzichtet sie auf
Gegenbemerkungen. Die Beschwerdegegnerin schliesst auf Abweisung der
Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei, unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Das Betreibungsamt A.________ beantragt dagegen
Gutheissung des Rechtsmittels.

Die Kammer zieht in Erwägung:

1.
Das Bundesgericht ist an die tatsächlichen Feststellungen der
Aufsichtsbehörde gebunden, d.h. dass die im angefochtenen Entscheid
angeführten Tatsachen verbindlich sind und mit der Beschwerde nach Art. 19
SchKG nicht infrage gestellt werden können (Art. 63 Abs. 2 i.V.m. Art. 81 OG;
BGE 119 III 54 E. 2b S. 55; 124 III 286 E. 3b S. 288).

Auf alle tatsächlichen Vorbringen des Beschwerdeführers, die im angefochtenen
Entscheid keine Stütze finden, kann somit nicht eingetreten werden.

2.
Der Beschwerdeführer bringt vor, die Vernehmlassung, die von seinem in der
Zwischenzeit beauftragten Rechtsanwalt am 29. November 2005 eingereicht
worden sei, sei verspätet gewesen. Die Frist von 10 Tagen habe der
Beschwerdeführer nicht einhalten können, weil er im Bereich des
internationalen Private Equity tätig sei und sich berufsbedingt häufig auf
Auslandreisen befinde. Die Vorinstanz hätte unter diesen Umständen dem
Schuldner in Anwendung von Art. 33 SchKG eine längere Frist für die
Einreichung der Beschwerdeantwort gewähren müssen.

Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist die Regelung des
Beschwerdeverfahrens vor den kantonalen Aufsichtsbehörden über die
Betreibungs- und Konkursämter weitgehend dem kantonalen Recht überlassen.
Insbesondere schreibt das SchKG den Kantonen nicht vor, dass im
Beschwerdeverfahren der Gegenpartei Gelegenheit zur Vernehmlassung gegeben
werden müsse. Eine solche Pflicht könne sich indessen unmittelbar aus Art. 4
aBV ergeben (BGE 105 III 33 E. 2 mit Hinweisen). Dem Beschwerdeführer steht
immer dann ein Äusserungsrecht zu, wenn er Gefahr läuft, dass seine
Rechtsstellung im Beschwerdeverfahren im Vergleich zur angefochtenen
Verfügung bzw. zum angefochtenen Beschwerdeentscheid durch den neuen
Entscheid beeinträchtigt werden könnte. Sind die Voraussetzungen zur
Gewährung des rechtlichen Gehörs gegeben, hat die Aufsichtsbehörde dem
Beschwerdegegner Frist zur Einreichung seiner Stellungnahme anzusetzen. Die
Frist kann aufgrund des anwendbaren Prozessrechts erstreckt werden (Franco
Lorandi, Betreibungsrechtliche Beschwerde und Nichtigkeit, N. 31/32 zu Art.
20a SchKG, S. 148).

Im vorliegenden Fall hat das Kantonsgerichtspräsidium mit Verfügung vom 10.
Oktober 2005 die Beschwerdeschrift der Gläubigerin dem Beschwerdeführer in
Italien zugehen lassen mit der Aufforderung, eine Beschwerdeantwort innert 10
Tagen nach Erhalt der Beschwerde einzureichen. Die Frist zur Einreichung der
Beschwerdeantwort/Vernehmlassung werde nur auf begründetes, innert Frist
gestelltes Gesuch und in der Regel nur einmal erstreckt. Daraus ergibt sich,
dass dem Beschwerdeführer sein Anspruch auf rechtliches Gehör gewährt worden
ist. Eine Verletzung dieses Rechts, die vom Beschwerdeführer mit seinen
Vorbringen implizit gerügt wird, hätte von ihm jedoch nur mit
staatsrechtlicher Beschwerde geltend gemacht werden können (BGE 105 III 34;
Franco Lorandi, a.a.O., N. 33). Auf den Vorwurf des Beschwerdeführers kann
somit nicht eingetreten werden.

3.
3.1
Die Vorinstanz führt aus, die Rechtsmeinung des Betreibungsamts A.________ in
seiner Verfügung vom 20. September 2005, es obliege der Gläubigerin, vor der
beantragten Publizierung der Pfändungsankündigung zu beweisen, dass die dem
Betreibungsamt vorliegende neue Anschrift in Italien nicht dem aktuellen
Wohnsitz des Schuldners entspreche, sei irrig. Mit der erfolgten Zustellung
des Zahlungsbefehls an dem damals allseits anerkannten Wohnsitz in C.________
sei ein Betreibungsort manifest gewesen und sei es immer noch. Das
Betreibungsamt sei jedenfalls ab diesem Zeitpunkt von Amtes wegen in einer
gewissen Überwachungs- und Abklärungspflicht gewesen, da allenfalls seine
örtliche Zuständigkeit, welche es zuvor selbst und zutreffend bejaht gehabt
habe, infrage gestellt sei. Im Übrigen liege es, bei einem schuldnerischen
Wohnsitzwechsel, welcher nach der Einleitung der Betreibung an einem
unbestrittenermassen zutreffenden Ort erfolgt sei, nicht am Gläubiger,
sondern am Schuldner, die neue Tatsache des Wohnsitzwechsels hinreichend zu
behaupten und zu beweisen (BGE 120 III 110 E. 1 [Pra 84 Nr. 148 E. 1];
Jaeger/ Walder/Kull/Kottmann, Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs,
4. Aufl., Zürich 1997, N. 15 zu Art. 46 SchKG). Insbesondere könne dem
Gläubiger durch blosse Behauptung des Betreibungsamtes und/oder des
Schuldners diesbezüglich keinerlei Beweislast zugeschoben werden. Für den
Wohnsitz/Aufenthalt im Sinne des SchKG reiche irgendein Verweilen an einem
bestimmten Ort nicht aus. Es müssten objektiv feststellbare enge Beziehungen
zum Ort geschaffen sein. Es sei weder die Aufgabe des Betreibungsamtes,
intensiv nach dem Aufenthalt des Schuldners zu forschen, noch an dessen
Stelle zu beweisen, dass ein Ort die für seine rechtliche Qualifikation als
Wohnsitz notwendigen Merkmale aufweise. Da es bei der gegenständlichen
Konstellation (Wegzug an einen unbekannten Ort im Ausland nach Zustellung des
Zahlungsbefehls) die Aufgabe des Schuldners sei, die objektiv enge Beziehung
zum neuen Ort zu beweisen und damit die örtliche Unzuständigkeit des
Betreibungsamtes für die Fortsetzung darzutun und der Schuldner damit säumig
sei, sei das Verfahren am letzten Wohnort und bisherigen Betreibungsort
weiter zu führen. X.________ habe, damals wie heute, keinen abweichenden
Wohnsitz behauptet; im Beschwerdeverfahren sei er seiner Mitwirkungspflicht
in Bezug auf die Feststellung eines allfälligen neuen Wohnsitzes nicht
nachgekommen.

3.2 Die Aufsichtsbehörde fährt fort, das Betreibungsamt übersehe ferner, dass
Fragen im Zusammenhang mit der Rechtsanwendung der Art. 46/48 und 67 SchKG
und insbesondere, welcher der Beteiligten (Gläubiger, Schuldner,
Betreibungsamt) welche tatsächlichen Umstände in Bezug auf den
schuldnerischen Wohnsitz/Aufenthalt zu behaupten und zu beweisen habe, im
vorliegenden Fall allesamt offen bleiben könnten, denn X.________ sei
flüchtig im Sinne von Art. 54 SchKG. Gegen einen flüchtigen Schuldner wird
der Konkurs an dessen letztem Wohnsitz eröffnet. Habe der Schuldner seinen
festen Wohnsitz aufgegeben, um sich seinen Verbindlichkeiten zu entziehen,
und keinen neuen festen Wohnsitz begründet, könne die Betreibung gegen ihn am
letzten Wohnsitz in der Schweiz durchgeführt werden. Diese Norm finde
praxisgemäss auch im Pfändungsverfahren Anwendung (BGE 120 III 110 E. 2b; 65
III 101; Ernst F. Schmid, in: Kommentar zum Bundesgesetz über
Schuldbetreibung und Konkurs, Hrsg.: Staehelin/ Bauer/Staehelin, SchKG I,
Basel 1998, N. 50 zu Art. 46, N. 2 zu Art. 54 SchKG;
Jaeger/Walder/Kull/Kottmann, a.a.O., N. 15 zu Art. 46 SchKG)..
Der Beschwerdeführer setzt sich mit diesen Erwägungen der Aufsichtsbehörde
nicht ansatzweise im Sinne von Art. 79 Abs. 1 OG auseinander (dazu BGE 119
III 49 E. 1). Unzulässig ist deshalb der blosse Einwand, die Vorinstanz hätte
dem Schuldner in erkennbarer Weise den Beweis auferlegen müssen, seinen
italienischen Wohnsitz darzutun und ihm nicht bloss eine Frist zur Abgabe
einer Vernehmlassung ansetzen dürfen. Aus der kantonalen Eingabe der
Beschwerdegegnerin vom 23. September 2005 ging klar hervor, dass es gemäss
Lehre und Rechtsprechung dem Schuldner obliegt, seinen Wohnsitz in Italien zu
beweisen. Da er sich innert der vom Gerichtspräsidium der Aufsichtsbehörde
angesetzten Frist zur Stellungnahme nicht vernehmen liess (E. 2 hiervor), hat
er die Konsequenzen selbst zu tragen.

3.3 Als Nächstes bringt der Beschwerdeführer vor, der
Kantonsgerichtsausschuss verkenne Art. 53 SchKG, indem er ausgeführt habe,
mit der erfolgten Zustellung des Zahlungsbefehls an den damals anerkannten
Wohnsitz in C.________ sei ein Betreibungsort manifest geworden. Der
Zahlungsbefehl sei während der Dauer der Wohnsitznahme des Schuldners im
Kreis A.________ am 14. Juli 2003 zugestellt worden. Dagegen sei das
Fortsetzungsbegehren erst am 6. April 2005 gestellt worden, als der Gläubiger
(recte Schuldner) bereits seit 142 Tagen seinen Wohnsitz nicht mehr in der
Schweiz gehabt habe. Zu diesem Zeitpunkt habe der Schuldner bereits 58 Tage
(vom 7. Februar bis 6. April 2005) offiziellen Wohnsitz in Italien gehabt.
Verändert der Schuldner seinen Wohnsitz, nachdem ihm die Pfändung angekündigt
oder nachdem ihm die Konkursandrohung oder der Zahlungsbefehl zur
Wechselbetreibung zugestellt worden ist, so wird die Betreibung am bisherigen
Ort fortgesetzt (Art. 53 SchKG). Die Frage, wo der Schuldner vor der
Pfändungsankündigung Wohnsitz gehabt hat, muss von Amtes wegen abgeklärt
werden (BGE 80 III 99 E. 1; 120 III 110 E. 1a S. 111). Gemäss der
verbindlichen Feststellung im angefochtenen Entscheid teilte die
Einwohnerkontrolle C.________ der Gläubigerin am 23. März 2005 mit, der
Schuldner sei per 15. November 2004 ohne Adressangabe ins Ausland gezogen.
Sodann seien sämtliche Zustellversuche der Pfändungsankündigung erfolglos
gewesen, weil der Schuldner in C.________ keinen Wohnsitz mehr gehabt habe.

Damit der Betreibungsort im Sinne von Art. 53 SchKG überhaupt angerufen
werden kann, muss eine gültige Pfändungsankündigung vorliegen
(Jaeger/Walder/Kull/Kottmann, a.a.O., N. 5 zu Art. 53 SchKG), d.h. sie muss
dem Schuldner ordnungsgemäss zugestellt worden sein, was vorliegendenfalls
eben nicht zutrifft. Eine Fortsetzung der Betreibung in C.________ gestützt
auf Art. 53 SchKG ist demnach nicht möglich. Ob dies gestützt auf Art. 54
SchKG zulässig ist, wird nachfolgend (E. 4) zu prüfen sein.

3.4 Im Weiteren können die Ausführungen des Beschwerdeführers, mit denen
dargelegt werden soll, dass er in Italien rechtmässig Wohnsitz genommen habe,
nicht gehört werden, da die Vorinstanz dies - wie ausgeführt (E. 3.2 vorne) -
offen gelassen hat.

4.
4.1 Mit Bezug auf Art. 54 SchKG hat die Aufsichtsbehörde ausgeführt, der
Schuldner müsse nach dieser Bestimmung "flüchtig" sein. Die Tragweite dieses
unbestimmten Rechtsbegriffs decke sich mit der Flucht, wie sie die
Bestimmungen von Art. 190 Abs. 1 Ziff. 1 SchKG (Konkurseröffnung ohne
vorgängige Betreibung) und Art. 271 Abs. 1 Ziff. 2 SchKG (Arrestgrund)
verstünden. Gemeint sei Zahlungsflucht, das heisse physisches Entfernen der
Person und/oder von Vermögenswerten, welches darauf ausgerichtet sei, diese
dem Zugriff der Zwangsvollstreckung zu entziehen - letztlich also, um sich
vor der Erfüllung eigener Verbindlichkeiten zu drücken.

Im Rahmen der Korrespondenzen vor Einleitung von
Zwangsvollstreckungsmassnahmen habe X.________ der Gläubigerin am 16. Juli
2002 angezeigt, dass er neu bei seiner Freundin in E.________ wohne, habe
indessen gleichzeitig und widersprüchlich eine Adresse in D.________ genannt,
wo er aber nicht gemeldet gewesen sei. Sein Briefkopf habe nach wie vor auf
seine Adresse in C.________ gelautet und in der Fusszeile sei eine Adresse in
D.________ vermerkt gewesen. Hier sei er aber ebenfalls nicht bekannt
gewesen. Auf dem so dargestellten Briefpapier habe er als neue
Korrespondenzadresse jene seiner Freundin in E.________ genannt. In einem
Schreiben an die Gläubigerin vom 25. Februar 2003 habe im Briefkopf dennoch
erneut die Adresse des Schuldners in C.________ gestanden. Am 5. Juni 2003
habe die Gemeindeverwaltung C.________ bestätigt, dass X.________ noch dort
Wohnsitz habe. Gemäss Rechtsöffnungsentscheid und Aberkennungsklage vom 18.
August 2003 und 15. September 2003 habe X.________ seinen Wohnsitz in
C.________ angegeben. Das Vermittleramt A.________ habe gemäss vorläufiger
Konkursanzeige vom 26. November 2003 als Adressangabe ebenfalls C.________
gehabt. Im Konkursentscheid des Bezirksgerichtspräsidenten Maloja vom 7. Juni
2004 sei die Adresse C.________ angegeben. Die Abschreibungsverfügung vom 4.
März 2005 des Vermittlers sei an die Adresse der Freundin von X.________ in
D.________ geschickt worden, allerdings nicht an ihre bisherige Adresse an
der Strasse R.________, sondern neu an die Strasse W.________, wo die
Freundin gemäss Telefonbuch noch heute wohne. Am 23. März 2005 habe die
Gemeindeverwaltung von C.________ bestätigt, dass X.________ seit dem 15.
November 2004 ohne Adressangabe ins Ausland gezogen sei; man habe nur eine
Postfachadresse in D.________. Es bleibe die Feststellung, dass der Schuldner
seit 2002 ein eigentliches Verwirrspiel um seinen jeweiligen persönlichen
Verbleib betrieben habe und betreibe, was bereits als Anhaltspunkt für Flucht
zu werten sei. Die Abmeldung in C.________ sei per 15. November 2004 erfolgt.
Dieser Zeitpunkt sei kaum ein Zufall, nachdem die Rechtsöffnung im März 2004
definitiv geworden und das Fortsetzungsbegehren demnächst zu erwarten gewesen
sei. Die drohende effektive Vollstreckung durch persönliche Einvernahme und
Pfändung sei augenscheinlich der Grund dafür, dass sich X.________ ohne
Angabe über seinen weiteren Verbleib ins Ausland abgesetzt habe. Seither habe
er sich bei den schweizerischen Behörden weder gemeldet, noch habe er seinen
neuen Aufenthaltsort bekannt gegeben. Die Gläubiger hätten nicht wissen
sollen, wo er sich aufhalte. All diese Indizien zusammen verdichteten sich
zur Gewissheit, dass X.________ sein Verhalten bewusst auf die Hintertreibung
der Zwangsvollstreckung ausgerichtet habe und damit vor der zwangsweisen
Erfüllung seiner Verbindlichkeiten geflüchtet sei. Art. 54 SchKG betreffe den
Schuldner, welcher mit seiner Flucht bezwecke, sich seinen Verbindlichkeiten
zu entziehen; das dürfe ohne weiteres bei jedem Flüchtigen angenommen werden,
der Schulden hinterlasse (Jaeger/Walder/Kull/Kottmann, a.a.O., N 2 zu Art.
54). Die Gläubigerin sei im Besitz eines rechtskräftigen Vollstreckungstitels
gegen den Schuldner über rund 9 Mio. Franken.

4.2 Die Aufsichtsbehörde fährt fort, Art. 54 SchKG sei auch anwendbar auf
einen von der Schweiz abwesenden Schuldner, dessen neuer Wohnsitz unbekannt
sei und der nicht der Konkursbetreibung unterliege (BGE 120 III 110 E. 2b).
Zu ergänzen sei, dass dies bei unbekanntem schweizerischem Wohnsitz gelte,
oder mit anderen Worten: Bei Zahlungsflucht vermöge ein neuer ausländischer
Aufenthalt oder Wohnsitz die Anwendung von Art. 54 SchKG nicht zu hindern.
Sei die Zahlungsflucht - wie vorliegend - offenkundig, könne Art. 54 SchKG
auch Anwendung finden, wenn der Aufenthaltsort des Schuldners oder der neue
Wohnsitz im Ausland bekannt seien. Die Wahl eines neuen Wohnsitzes im Ausland
genüge nicht (Ernst F. Schmid, a.a.O., N. 4 zu Art. 54 SchKG;
Jaeger/Walder/Kull/Kottmann, a.a.O., N. 9 zu Art. 190, N. 2 zu Art. 46 SchKG;
Ernst Blumenstein, Handbuch des Schweizerischen Schuldbetreibungsrechts, Bern
1911, S. 181). Ob das Betreibungsamt Nachforschungen über Ort und Art des
Verbleibs von X.________ habe anstellen müssen oder dürfen, sei folglich
nicht von Interesse, und das Ergebnis dieser Abklärungen in Form der nunmehr
vom Betreibungsamt zu den Akten eingelegten italienischen
Aufenthaltsgenehmigung, sei in der Sache unerspriesslich. Selbst wenn
X.________ mittlerweile in Italien gewöhnlichen Aufenthalt oder dort gar
seinen neuen Lebensmittelpunkt im Sinne von Wohnsitz begründet haben sollte,
bleibe dies im Speziellen unbeachtlich.

4.3 Der Beschwerdeführer wendet dagegen ein, erst nachdem das
Konkursverfahren rechtskräftig geschlossen worden sei, habe er sich nach
Italien begeben. Weil er sich des Vorhaltes der angeblichen Flucht nicht habe
aussetzen wollen, habe er bis zur Schliessung des Privatkonkurses mit der
Abmeldung in C.________ zugewartet. Im Zeitpunkt der Abmeldung ins Ausland
habe der Schuldner selbst noch nicht gewusst, an welchem Ort er künftig
seinen Wohnsitz haben werde; denn er sei im internationalen Private Equity
tätig und geschäftlich bedingt sehr viel auf Reisen. Aufgrund seiner
beruflichen Tätigkeit im Ausland habe er in der Schweiz eine
Korrespondenz-Adresse angeben müssen, weshalb der Vorwurf der
Aufsichtsbehörde, er treibe ein Verwirrspiel, unberechtigt sei.

4.3.1 Nicht einzutreten ist auf die Einwände des Beschwerdeführers zu den
Ausführungen der Beschwerdegegnerin in ihrer kantonalen Eingabe (E. 1
hiervor).

4.3.2 Vorweg ist dem Beschwerdeführer entgegenzuhalten, dass es nicht
einsehbar ist, warum er ohne sich abzumelden nach Italien ausgereist ist, um
dort - im EU-Raum, wie er ausführt - sich um eine Aufenthaltsbewilligung zu
bemühen und Wohnsitz zu nehmen. Im Normalfall klärt ein Bürger, der die
Schweiz verlassen will, die Modalitäten der Niederlassung in einem anderen
Staat im Voraus ab und meldet sich hernach an seinem schweizerischen Wohnsitz
ordnungsgemäss ab. Dass der Beschwerdeführer nicht diesen üblichen Weg
beschritten hat, ist ein gewichtiges Indiz, das auf eine Fluchtabsicht
hinweist.

Haltlos ist dagegen sein Vorbringen, der Gläubigerin fehle für ihre
Beschwerde ein Rechtsschutzinteresse, weil sie gegen die Einstellung des
Konkursverfahrens kein Rechtsmittel ergriffen und den Vorwurf der
Vermögensverschleierung nicht gerichtlich - durch Anfechtungsklagen -
durchgesetzt habe. Bei der Beurteilung, ob der Tatbestand der Flucht erfüllt
ist, kommt es nicht auf das Verhalten der Gläubiger an, worauf der
Beschwerdeführer wiederholt und in anderem Zusammenhang in seiner
Beschwerdeschrift hinweist. Fehl geht sodann die Rüge des Beschwerdeführers,
es sei nicht nachvollziehbar, warum eine Wohnsitznahme in Italien nicht zu
beachten wäre. Die Vorinstanz hat dazu auf drei Lehrmeinungen hingewiesen (E.
4.2 hiervor), womit sich der Schuldner überhaupt nicht auseinandersetzt.
Zutreffend ist, dass die Wahl einer Korrespondenzadresse - neben einem
Domizil - für einen vorwiegend im Ausland tätigen Geschäftsmann nichts
Aussergewöhnliches ist. Der Wechsel der Adressen seitens des
Beschwerdeführers stellt denn auch für die Aufsichtsbehörde nicht das
hauptsächlichste Indiz bei der Beurteilung der Flucht dar. Ins Gewicht fiel
für sie der Wegzug aus der Schweiz ohne Angabe der neuen Adresse sowie die
bevorstehenden Vollstreckungsmassnahmen bei einem Schuldenberg von fast 10
Mio. Franken. Unbehelflich ist weiter die Bemerkung, bei einer Wohnsitznahme
in Italien hätte die Betreibung nicht in C.________ fortgesetzt werden
können. Das ist richtig, doch weil der Beschwerdeführer nicht sagt, warum er
den Domizilwechsel nicht sofort (korrekt) vollzogen hat, bleibt das
Verdachtsmoment der Flucht weiter bestehen. Als haltlos erscheint
schliesslich das Argument, der persönliche Verbleib des Schuldners gehe
niemanden etwas an, solange seine Meldeverhältnisse korrekt seien, und diese
seien es immer gewesen. Die für das Bundesgericht verbindlichen
Tatsachenfeststellungen lassen indessen das Gegenteil nahe legen. Vielmehr
ist der Schlussfolgerung der Vorinstanz zuzustimmen, der Beschwerdeführer
habe die Schweiz deshalb fluchtartig verlassen, weil das Fortsetzungsbegehren
und damit eine persönliche Einvernahme und die Pfändung habe erwartet werden
müssen.

Die Aufsichtsbehörde hat somit kein Bundesrecht verletzt, indem sie die
Flucht im Sinne vor Art. 54 SchKG bejaht und gestützt darauf eine Fortsetzung
des Verfahrens in C.________ verfügt hat.

5.
Das Beschwerdeverfahren ist grundsätzlich kostenlos (Art. 20a SchKG und Art.
61 Abs. 2 lit. a GebV SchKG), und es darf keine Parteientschädigung
zugesprochen werden (Art. 62 Abs. 2 GebV SchKG).

Demnach erkennt die Kammer:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer, der Beschwerdegegnerin, dem
Betreibungsamt A.________ und dem Kantonsgericht von Graubünden,
Kantonsgerichtsausschuss, als Aufsichtsbehörde über Schuldbetreibung und
Konkurs, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 6. März 2006

Im Namen der Schuldbetreibungs- und Konkurskammer
des Schweizerischen Bundesgerichts

Die Präsidentin:  Der Gerichtsschreiber: