Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Schuldbetreibungs- und Konkurskammer 7B.99/2005
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7B.99/2005 /bnm

Urteil vom 15. November 2005
Schuldbetreibungs- und Konkurskammer

Bundesrichterin Hohl, Präsidentin,
Bundesrichter Meyer, Marazzi,
Gerichtsschreiber Schett.

X. ________,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Christoph M. Niederer,

gegen

Obergericht des Kantons Zug, Justizkommission,
als Aufsichtsbehörde über Schuldbetreibung und Konkurs, Aabachstrasse 3, 6301
Zug.

Aktenrückgabe,

SchKG-Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Zug,
Justizkommission, als Aufsichtsbehörde über Schuldbetreibung und Konkurs, vom

7. Juni 2005.

Sachverhalt:

A.
A.a Mit Verfügung vom 3. November 2004 eröffnete der Konkursrichter am
Kantonsgerichtspräsidium Zug gestützt auf Art. 190 Abs. 1 Ziff. 1 SchKG den
Konkurs über X.________. Dieser erhob dagegen am 12. November 2004 Beschwerde
bei der Justizkommission des Obergerichts und beantragte die Aufhebung des
Konkurserkanntnisses. Mit Verfügung vom 15. November 2004 stellte der
Vorsitzende der Justizkommission fest, dass die fragliche Beschwerde mangels
eines entsprechenden Antrags keine aufschiebende Wirkung habe, das Konkursamt
aber angewiesen werde, den Konkurs vorläufig nicht zu publizieren. Das
Konkursamt Zug lud daher X.________ auf den 18. November 2004 zur Einvernahme
vor. Anlässlich der Einvernahme reichte dieser in neun Klarsichtmappen
abgelegte Unterlagen über seine finanziellen Verhältnisse ein. Ferner übergab
er in einer weiteren konkursamtlichen Einvernahme vom 6. Dezember 2004 dem
Konkursamt eine Kopie eines Verwaltungsvertrages zwischen Y.________ und
X.________.

A.b Mit Urteil vom 6. Januar 2005 hob die Justizkommission des Obergerichts
des Kantons Zug die Verfügung des Konkursrichters vom 3. November 2004 auf
und erklärte die darin ausgesprochene Konkurseröffnung als nichtig, weil der
Konkurs nicht am letzten Wohnsitz,  sondern am Arbeitsort des Schuldners
eröffnet worden war. Mit Telefax vom 11. Januar 2005 ersuchte X.________ das
Konkursamt um Rückgabe der von ihm eingereichten Unterlagen. Das Konkursamt
teilte ihm am gleichen Tag per Telefax mit, die fraglichen Belege bildeten
Bestandteile der konkursamtlichen Einvernahme vom 18. November 2004 und
könnten ihm daher nicht retourniert werden.

B.
Dagegen erhob X.________ mit Eingabe vom 12. Januar 2005 Beschwerde bei der
Justizkommission des Obergerichts als Aufsichtsbehörde über Schuldbetreibung
und Konkurs.
Das Konkursamt teilte am 8. Februar 2005 der Aufsichtsbehörde mit, gemäss der
beiliegenden Kopie des Untersuchungsrichteramtes des Kantons Zug werde im
Rahmen einer Strafuntersuchung um Einsicht in die konkursamtlichen Akten
begehrt. Die Justizkommission werde daher ersucht, die ihr am 28. Januar 2005
übergebenen Akten nach erfolgter Einsichtnahme direkt dem
Untersuchungsrichteramt zuzustellen. Diesem Ersuchen ist bis anhin nicht
entsprochen worden.
Mit Urteil vom 7. Juni 2005 erkannte die Aufsichtsbehörde, die Beschwerde
werde abgewiesen und die vom Beschwerdeführer an das Konkursamt des Kantons
Zug eingereichten Unterlagen würden zusammen mit den übrigen konkursamtlichen
Akten nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist oder im Falle eines
abweisenden Entscheids der Schuldbetreibungs- und Konkurskammer des
Bundesgerichts an das Untersuchungsrichteramt des Kantons Zug überwiesen.

C.
X.________ hat mit Beschwerde vom 17. Juni 2005 die Sache an die
Schuldbetreibungs- und Konkurskammer des Bundesgerichts weitergezogen. Er
beantragt, das angefochtene Urteil sei aufzuheben. Ferner seien die von ihm
dem Konkursamt des Kantons Zug eingereichten Unterlagen unverzüglich
zurückzugeben und die übrigen konkursamtlichen Akten betreffend den
Beschwerdeführer seien unverzüglich der Vernichtung zuzuführen; unter Kosten-
und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegner.

Die Aufsichtsbehörde hat anlässlich der Aktenübersendung keine
Gegenbemerkungen angebracht (Art. 80 OG).

Es wurden keine Vernehmlassungen eingeholt.

Die Kammer zieht in Erwägung:

1.
1.1
1.1.1Die Aufsichtsbehörde führt aus, die Justizkommission habe - wie erwähnt
- mit Urteil vom 6. Januar 2005 die vom Konkursrichter am
Kantonsgerichtspräsidium ausgesprochene Konkurseröffnung als nichtig erklärt.
Dieser nichtige Akt habe somit zu keinem Zeitpunkt Wirkungen zu entfalten
vermocht (vgl. BGE 117 III 43). Als Folge davon seien die vom Konkursamt
gestützt auf das nichtige Konkurserkanntnis vorgenommenen Handlungen nichtig
und damit wirkungslos, unabhängig davon, dass sie nicht mehr ungeschehen
gemacht werden könnten. Unter diesen Umständen bestehe aber kein Interesse
daran, dass Belege zu nichtigen konkursamtlichen Einvernahmen archiviert
würden. Daran ändere auch nichts, wenn vom Konkursamt vorgebracht werde, dass
in der konkursamtlichen Einvernahme vom 18. November 2004 auf gewisse vom
Beschwerdeführer eingereichte Unterlagen verwiesen worden sei und bei einer
Rückgabe dieser Belege diese Einvernahme ihren Sinngehalt verlöre. Das spiele
keine Rolle, nachdem die fragliche Einvernahme ohnehin unbeachtlich sei. Das
Konkursamt wäre daher grundsätzlich verpflichtet, dem Beschwerdeführer seine
von ihm eingereichten Unterlagen zurückzugeben.

1.1.2 Die Vorinstanz fährt fort, allerdings habe das Untersuchungsrichteramt
des Kantons Zug aufgrund einer gegen den Beschwerdeführer eröffneten
Strafuntersuchung wegen Vermögensdelikten das Konkursamt in der Zwischenzeit
um Zustellung der konkursamtlichen Akten ersucht. Dieses Gesuch umfasse
zweifellos bzw. insbesondere die vom Beschwerdeführer eingereichten Belege
über seine finanziellen Verhältnisse. Es stelle sich daher die Frage, ob die
bei der Justizkommission befindlichen konkursamtlichen Akten samt diesen
Unterlagen an das Untersuchungsrichteramt ausgehändigt werden dürfen.

Nach § 21 Abs. 1 StPO/ZG bedürfe es zu Durchsuchungen sowie zur Beschlagnahme
von Beweisstücken und von Gegenständen oder Vermögenswerten im Hinblick auf
eine Einziehung der Anordnung durch den Untersuchungsrichter, wobei Zweck und
Ausdehnung der Massnahme genau zu bezeichnen seien. Die
Beweismittelbeschlagnahme diene der Beschaffung und unverfälschten Erhaltung
von Beweismitteln, die namentlich für einen Augenschein- oder Urkundenbeweis
in Betracht fielen. Beweismittel in diesem Sinne seien alle beweglichen und
unbeweglichen Sachen, die unmittelbar oder mittelbar für die Tat oder ihre
Umstände Beweis erbringen könnten. Es genüge eine gewisse Wahrscheinlichkeit,
dass das Beweisobjekt unmittelbar oder mittelbar mit der - vorgeworfenen -
strafbaren Handlung in Zusammenhang stehe (Hauser/Schweri/Hartmann,
Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Aufl., Basel/Genf/München 2005, N. 2 zu
§ 69).

Aus anderen Verfahren sei der Justizkommission bekannt, dass das
Untersuchungsrichteramt gegen den Beschwerdeführer eine Strafuntersuchung
wegen des Verdachts auf Betrug und Veruntreuung führe. Zur Abklärung dieser
Vorwürfe habe das Untersuchungsrichteramt dessen finanzielle Lage zu
erforschen. Das Untersuchungsrichteramt habe dazu nicht nur den
Beschwerdeführer zu befragen, sondern auch entsprechende Urkunden zu
beschaffen. Die Voraussetzungen zur Beschlagnahme der vom Beschwerdeführer an
das Konkursamt eingereichten Unterlagen über seine finanziellen Verhältnisse
seien daher zweifellos gegeben. Dem Untersuchungsrichteramt seien diese
Unterlagen daher auszuhändigen. Damit komme eine Rückgabe dieser Akten an den
Beschwerdeführer nicht in Frage. In diesem Fall würde die Gefahr bestehen,
dass der Beschwerdeführer diese Unterlagen beiseite schaffe oder vernichte
und den Herausgabeanspruch des Untersuchungsrichteramtes vereitle.

1.1.3 Was die übrigen, nicht vom Beschwerdeführer eingereichten Akten des
Konkursamtes anbelange, sei auf BGE 80 I 1 ff. hinzuweisen. Danach sei für
die Vorlegung amtlicher Akten der Grundsatz der Gewaltenteilung zu beachten.
Da nach diesem die Gerichte und die Verwaltungsbehörden einander
gleichgeordnet seien, müsse angenommen werden, dass die Gerichte mangels
besonderer gesetzlicher Vorschriften nicht befugt seien, den
Verwaltungsbehörden die Vorlegung ihrer Akten zu befehlen, sondern dass
diese, sofern sie um Edition ersucht würden, selber darüber zu entscheiden
hätten, ob das Interesse an der Geheimhaltung ihrer Akten oder dasjenige an
der Wahrheitsvermittlung durch die Gerichte überwiege (BGE 80 I 4). Das
Konkursamt entscheide somit im Rahmen seines pflichtgemässen Ermessens, ob es
dem Untersuchungsrichteramt die amtlichen Akten übergebe oder nicht. Das habe
das Konkursamt getan, indem es in seinem Schreiben vom 8. Februar 2005 die
Justizkommission ersucht habe, sämtliche Akten direkt dem
Untersuchungsrichteramt zuzustellen. Damit seien auch mit Bezug auf die
übrigen nicht vom Beschwerdeführer eingereichten konkursamtlichen Akten die
Voraussetzungen zu deren Überweisung an das Untersuchungsrichteramt erfüllt.

1.1.4 Schliesslich hat die Aufsichtsbehörde erwogen, nach dem Gesagten wäre
das Konkursamt an sich verpflichtet, dem Beschwerdeführer die von ihm
eingereichten Unterlagen herauszugeben. Aufgrund des Editionsgesuches des
Untersuchungsrichteramtes sei allerdings davon abzusehen, und die fraglichen
Unterlagen seien zusammen mit den übrigen konkursamtlichen Akten, welche das
Konkursamt ebenfalls dem Untersuchungsrichteramt zugänglich machen wolle, an
das Letztere zu überweisen.

1.2 Der Beschwerdeführer ist der Auffassung, dass die Akten, welche im
Zusammenhang mit den nichtigen konkursamtlichen Handlungen produziert worden
seien, vernichtet werden müssten und dass die Dokumente, welche er dem
Konkursamt eingereicht habe, ihm sofort wieder zurückgegeben werden müssten.
Etwas anderes ergebe sich auch nicht aus Art. 8a Abs. 3 und 4 SchKG. Abs. 4
dieser Bestimmung befasse sich einzig mit der zeitlichen Befristung des
Auskunftsrechts, indem er für Gerichts- und Verwaltungsbehörden die 5-jährige
Beschränkung des Einsichtsrechts aufhebe. Hätte der Gesetzgeber den Gerichts-
und Verwaltungsbehörden auch die Einsichtnahme in die konkursamtlichen Akten
im Falle einer nichtigen oder aufgehobenen Betreibung zugestehen wollen, so
hätte er entsprechend legiferiert. Es liege somit ein qualifiziertes
Schweigen des Bundesgesetzgebers vor, welches für anders lautende kantonale
Normen keinen Spielraum belasse.

1.2.1 Von vornherein nicht eingetreten werden kann auf die Rüge, die
Vorinstanz habe dem Beschwerdeführer vor ihrem Entscheid vom 7. Juni 2005
keine Gelegenheit gegeben, zum Gesuch des Untersuchungsrichteramts Stellung
zu nehmen. Damit wird eine Verletzung des rechtlichen Gehörs nach Art. 29
Abs. 2 BV gerügt, was nur mit staatsrechtlicher Beschwerde hätte vorgebracht
werden können (Art. 43 Abs. 1 i.V.m. Art. 81 OG; BGE 126 III 30 E. 1c; 121
III 24 E. 2b S. 28 mit Hinweisen).

Das Gleiche gilt auch für die Ausführungen zur Beschlagnahmeverfügung im
Sinne von § 21 Abs. 1 StPO/ZG und zum Beweiserhebungsverbot, welches die
Strafuntersuchungsbehörde, gestützt auf die nichtigen Handlungen des
Konkursamtes einzuhalten habe. Die damit aufgeworfenen Fragen beschlagen
kantonales Recht, dessen Verletzung nicht mit Beschwerde nach Art. 19 Abs. 1
SchKG gerügt werden kann (BGE 120 III 114 E. 3a S. 116).

1.2.2 Mit der Gesetzesnovelle von 1996 wurden die Betreibungsämter gemäss
Art. 8a Abs. 3 lit. a SchKG verpflichtet, Dritten von einer Betreibung keine
Kenntnis zu geben, wenn die Betreibung nichtig ist oder aufgrund einer
Beschwerde oder eines Urteils aufgehoben worden ist. Der Ausschluss des
Einsichtsrechts kommt im Ergebnis einer Löschung gleich, obwohl keine
eigentliche Löschung (streichen mit Rotstift und/oder Hinschreiben des Wortes
"gelöscht") geschieht (Botschaft, BBl 1991 III S. 32). Mit Bezug auf die
Löschung des Eintrags einer nichtigen Betreibung im Betreibungsregister hat
das Bundesgericht denn auch befunden, das Löschungsinteresse des Betriebenen
gebiete nicht, dass der Eintrag schlechtweg zum Verschwinden gebracht werde;
es genüge in der Tat, den Eintrag beispielsweise mit dem Vermerk zu versehen,
die Betreibung sei durch Entscheid der kantonalen Aufsichtsbehörde vom
betreffenden Datum nichtig erklärt worden. Die auf diese Weise
gekennzeichnete Betreibung dürfe dann in Registerauszügen nicht mehr erwähnt
werden (BGE 115 III 24 E. 2b S. 27). Damit wird namentlich auch der erhöhten
Beweiskraft, die dem Register gestützt auf Art. 8 Abs. 3 SchKG bzw. Art. 9
ZGB zuteil wird, Rechnung getragen (BGE 121 III 81 E. 4a S. 84 mit Hinweis
auf BGE 119 III 97 E. 2 S. 98).

Diese Grundsätze gelten auch bei einer als nichtig erklärten
Konkurseröffnung, d.h. im Register ist zu vermerken, dass die
Konkurseröffnung vom 3. November 2004 von der Justizkommission des
Obergerichts des Kantons Zug mit Urteil vom 6. Januar 2005 nichtig erklärt
wurde.

1.2.3 Gemäss Art. 5 der Verordnung des Bundesgerichts über die Aufbewahrung
der Betreibungs- und Konkursakten (VABK; SR 281.33) vom 5. Juni 1996 gelten
für die Anlage, Ordnung und Aufbewahrung der Konkursakten die Art. 10, 13, 14
und 15a der Verordnung vom 13. Juli 1911 über die Geschäftsführung der
Konkursämter (KOV; 281.32). Art. 10 Abs. 3 KOV bestimmt, dem Konkursprotokoll
seien beizulegen: das Inventar, das Verzeichnis der Forderungsangaben, ...,
die Berichte der Konkursverwaltung und die gerichtlichen Verfügungen über den
Schluss oder den Widerruf des Konkursverfahrens. Nach Art. 14 Abs. 1 KOV
dürfen die Akten erledigter Konkurse nach Ablauf von 10 Jahren vom Tage der
Erledigung an gerechnet, vernichtet werden, eben so die Kassa-Bücher nebst
Belegen, die Kontokorrent-Bücher und Bilanzhefte nach Ablauf von 10 Jahren
seit deren Abschluss. Das Konkursverzeichnis ist während 40 Jahren seit
dessen Abschluss aufzubewahren (Abs. 2).

Die vom Konkursrichter produzierten Akten sind, insbesondere das
Konkursprotokoll, während der in Art. 14 Abs. 1 KOV bestimmten Dauer
aufzubewahren. Diese sind - entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers -
nicht sofort zu vernichten.

1.2.4 Die Vorinstanz hat betreffend die nicht vom Beschwerdeführer
eingereichten Akten befunden, das Konkursamt entscheide im Rahmen seines
pflichtgemässen Ermessens, ob das Interesse an der Geheimhaltung ihrer Akten
oder dasjenige an der Wahrheitsvermittlung durch die Gerichte überwiege und
die amtlichen Akten dem Untersuchungsrichteramt zu übergeben seien (E. 1.1.3
hiervor).

Obwohl im angefochtenen Entscheid nicht gesagt wird, um was für Akten es sich
handelt, ist darauf hinzuweisen, dass den Gerichts- und Verwaltungsbehörden
grundsätzlich ein unbedingtes Recht auf den Erhalt von Auskünften betreffend
die Situation des Betriebenen zusteht, wie sie sich aus den Büchern und
Registern ergibt. Dabei sind die Regeln der Rechtshilfe nach Art. 4 SchKG
analog anwendbar (Gilliéron, Commentaire de la loi fédérale sur la poursuite
pour dettes et la faillite, articles 1-88, N. 63 zu Art. 8a Abs. 4 SchKG, S.
125; vgl. dazu auch BGE 93 III 4 ff. und BGE 110 III 49 E. 4 S. 5, mit Bezug
auf das Auskunftsrecht im Konkursverfahren). So kann jedes Konkursamt der
Schweiz, die bei einem anderen Konkursamt archivierten Konkursakten zur
Benützung heraus verlangen (BGE 71 III 116). Das gestützt auf Art. 8 (heute
8a) SchKG vorausgesetzte Interesse kann auch im öffentlichen Recht, z.B. im
Strafrecht, begründet sein (BGE 73 IV 139 f.).

Sollte der Beschwerdeführer zu den vom Konkursamt selbst produzierten Akten
auch diejenigen mit einbeziehen wollen, die nicht von ihm, sondern von
Dritten eingereicht worden sind, so könnte darauf mangels rechtsgenüglicher
Begründung nicht eingetreten werden (Art. 79 Abs. 1 OG; BGE 119 III 49 E. 1).
Dabei ist anzumerken, dass das Konkursamt Akten, die es von einer anderen
Amtsstelle erhalten hat, nach pflichtgemässem Ermessen - wie die Vorinstanz
zu Recht erwogen hat - dem Untersuchungsrichteramt weiterleiten kann.
Unterlagen, die das Konkursamt von den Gläubigern erhalten hat, sind diesen
persönlich zurückzugeben.

1.2.5 Am 6. Januar 2005 hat die Justizkommission des Obergerichts die
Verfügung des Konkursrichters vom 3. November 2004 aufgehoben und die darin
ausgesprochene Konkurseröffnung als nichtig erklärt. Eine nichtige Verfügung
entfaltet von Anfang an (ex tunc) keinerlei rechtliche Wirkungen (BGE 117 III
39 E. 5 S. 43, statt vieler: Franco Lorandi, Betreibungsrechtliche Beschwerde
und Nichtigkeit, S. 195/196 Rz. 104). Handelt es sich um eine vollstreckbare
Verfügung, um einen Befehl, so ist der Befehl unverbindlich und darf von
jedermann missachtet werden. Ist die Betreibungshandlung eine
rechtsgestaltende Verfügung, so tritt trotz des äusseren Scheins die
beabsichtigte Rechtsveränderung nicht ein. Die als gepfändet erklärte Sache
ist nicht gepfändet, der Schuldner kann nach wie vor die Sache verkaufen,
verwalten und nutzen (Vital Schwander, Nichtige Betreibungshandlungen, BlSchK
1954 S. 10). Von der Nichtigerklärung werden somit alle vorsorglichen
Anordnungen erfasst, die das Gericht nach Eingang des Konkursbegehrens zur
Wahrung der Rechte der Gläubiger getroffen hat (Art. 170 SchKG). Das gleiche
Schicksal trifft die vom Konkursamt nach Eingang des Konkurserkenntnisses in
die Wege geleiteten Massnahmen (Art. 221 ff. SchKG). Dies hat zur Folge, dass
die vom Beschwerdeführer dem Konkursamt überreichten Akten keine amtlichen
Akten mehr sind, da der Rechtsgrund für die behördliche Inbesitznahme
entfallen ist.

Der Beschwerdeführer hatte am 11. Januar 2005 beim Konkursamt um Rückgabe der
von ihm eingereichten Unterlagen ersucht. Am 7. Februar 2005 erbat das
Untersuchungsrichteramt des Kantons Zug das Konkursamt Zug im Rahmen einer
Strafuntersuchung betreffend Vermögensdelikte gegen den Beschwerdeführer
gestützt auf § 15 Abs. 1 StPO/ZG, § 22 Abs. 1 GOG und Art. 8a SchKG die
konkursamtlichen Akten zur Einsicht zur Verfügung zu stellen. Die Vorinstanz
hat - wie erwähnt - befunden, dass die Akten eigentlich dem Beschwerdeführer
herausgegeben werden müssten, doch sei wegen dem Editionsgesuch der
Strafbehörde davon abzusehen. Dieser Auffassung kann nach dem Gesagten nicht
zugestimmt werden. Weil die Konkurseröffnung ihre Wirkungen verloren hat,
kommt dem Konkursamt gegenüber dem Untersuchungsrichteramt die Rechtsstellung
eines gewöhnlichen Dritten zu mit der Folge, dass die Strafbehörde die vom
Beschwerdeführer dem Konkursamt überlassenen Akten nach der für sie geltenden
eigenen Form heraus verlangen muss. Der Eigentümer der Unterlagen hat dabei
die Möglichkeit, sich der Beschlagnahme nach kantonalem Strafprozessrecht zu
widersetzen und eine richterliche Beurteilung zu verlangen (§ 80 StPO/ZG).
Andererseits ist auch das Untersuchungsrichteramt davor zu schützen, dass der
Beschwerdeführer den Beweis vereiteln kann, wenn die Unterlagen ihm direkt
ausgehändigt werden. Um dies zu verhindern, ist dem Untersuchungsrichteramt
Gelegenheit zu geben, die Edition der Dokumente mit einer
Beschlagnahmeverfügung zu verlangen. Das Konkursamt hat die Frist anzusetzen.

Der angefochtene Entscheid ist demnach insoweit aufzuheben, als darin
befunden worden ist, die vom Beschwerdeführer an das Konkursamt des Kantons
Zug eingereichten Unterlagen seien zusammen mit den übrigen konkursamtlichen
Akten nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist an das
Untersuchungsrichteramt des Kantons Zug zu überweisen.

2.
Das Beschwerdeverfahren ist grundsätzlich kostenlos (Art. 20a SchKG und Art.
61 Abs. 2 lit. a GebV SchKG), und es darf keine Parteientschädigung
zugesprochen werden (Art. 62 Abs. 2 GebV SchKG).

Dem Begehren des Beschwerdeführers, ihn angemessen zu entschädigen, kann
somit nicht entsprochen werden, und es kann auch nicht in ein Gesuch um
unentgeltliche Verbeiständung umgedeutet werden, zumal die Bedürftigkeit mit
keinem Wort dargetan wird (Art. 152 OG).

Demnach erkennt die Kammer:

1.
1.1 Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen teilweise gutgeheissen,
soweit darauf einzutreten ist, und der Entscheid des Obergerichts des Kantons
Zug, Justizkommission, als Aufsichtsbehörde über Schuldbetreibung und Konkurs
vom 7. Juni 2005 wird aufgehoben.

1.2 Das Konkursamt des Kantons Zug wird angewiesen, dem
Untersuchungsrichteramt des Kantons Zug eine Frist von 10 Tagen anzusetzen,
um allenfalls die Akten, welche der Beschwerdeführer dem Konkursamt am 18.
November 2004 und am 6. Dezember 2004 übergeben hat, zu beschlagnahmen. Nach
unbenutztem Ablauf dieser Frist hat das Konkursamt die Akten dem
Beschwerdeführer unverzüglich persönlich zurückzugeben.

2.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer, dem Konkursamt des Kantons Zug,
Aabachstrasse 5, Postfach 857, 6301 Zug, und dem Obergericht des Kantons Zug,
Justizkommission, als Aufsichtsbehörde über Schuldbetreibung und Konkurs,
sowie dem Untersuchungsrichteramt des Kantons Zug, Postfach 1356, 6301 Zug,
schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 15. November 2005

Im Namen der Schuldbetreibungs- und Konkurskammer
des Schweizerischen Bundesgerichts

Die Präsidentin:  Der Gerichtsschreiber: