Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

Sozialrechtliche Abteilungen U 199/2005
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U 199/05

Urteil vom 3. Oktober 2005
III. Kammer

Präsidentin Leuzinger, Bundesrichter Kernen und Seiler; Gerichtsschreiber
Lanz

J.________, 1961, Beschwerdeführer,

gegen

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA), Fluhmattstrasse 1, 6004
Luzern, Beschwerdegegnerin

Verwaltungsgericht des Kantons Bern, Bern

(Entscheid vom 7. April 2005)

Sachverhalt:

A.
Der 1961 geborene J.________ war ab Mai 2000 als CNC-Maschinist bei der Firma
L.________ AG tätig und dadurch bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen
und Berufskrankheiten versichert. Am 7. August 2001 erlitt er bei der Arbeit
einen Unfall, als infolge eines technischen Defektes ein Teil einer
Hebevorrichtung aus mehreren Metern Höhe herunter fiel und ihn seitlich am
Hinterkopf traf. Zudem prallte ein weiteres, in geringerer Höhe angebrachtes
Element der Vorrichtung gegen den unteren Rückenbereich. Im unmittelbar
danach aufgesuchten Notfallzentrum Chirurgie des Spitals X.________ wurden
eine commotio cerebri und eine Rissquetschwunde am rechten Hinterkopf
diagnostiziert. J.________ konnte die Klinik noch gleichentags verlassen. Die
Arbeit nahm er mit der Begründung persistierender Beschwerden nicht wieder
auf. Die SUVA erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlung,
Taggeld). Mit Verfügung vom 16. Januar 2004 eröffnete sie dem Versicherten
deren Einstellung zum 31. Januar 2004 und verneinte eine weitere
Leistungspflicht, da die noch bestehenden, rein psychogen zu erklärenden
Beschwerden nicht in einem adäquaten kausalen Zusammenhang zum Unfall vom 7.
August 2001 stünden. Daran hielt die SUVA auf Einsprache des Versicherten hin
fest (Einspracheentscheid vom 18. März 2004).

B.
J.________ erhob hiegegen Beschwerde mit dem Antrag, die SUVA sei zu
verpflichten, weiterhin die gesetzlichen Leistungen zu erbringen. Das
Verwaltungsgericht des Kantons Bern zog die Akten der Invalidenversicherung,
bei der sich J.________ im April 2002 zum Rentenbezug angemeldet hatte, bei
und wies die Beschwerde ab (Entscheid vom 7. April 2005).

C.
Mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde erneuert J.________ sein vorinstanzliches
Rechtsbegehren.

Die SUVA beantragt die Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde, ohne sich
weiter zur Sache zu äussern. Das Bundesamt für Gesundheit verzichtet auf eine
Vernehmlassung.
Das Eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung:

1.
Streitig und zu prüfen ist die Leistungspflicht des obligatorischen
Unfallversicherers aus dem Unfall vom 7. August 2001 über den 31. Januar 2004
hinaus.

Die hiefür massgebenden Rechtsgrundlagen sind im Einsprache- und im
angefochtenen Entscheid richtig dargelegt. Es betrifft dies namentlich die
Grundsätze über den für die Leistungspflicht des Unfallversicherers
vorausgesetzten natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und dem
eingetretenen Schaden (Krankheit; Invalidität; Tod) sowie die sich dabei
stellenden Beweisfragen (BGE 119 V 337 f. Erw. 1, 118 V 289 f. Erw. 1b;
sodann 129 V 181 Erw. 3.1, je mit Hinweisen), namentlich auch den Beweiswert
von Arztberichten (BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweis), sowie zur weiter
erforderlichen Adäquanz des Kausalzusammenhangs im Allgemeinen (BGE 129 V 181
Erw. 3.2 mit Hinweis) und bei psychischen Unfallfolgen im Besonderen (BGE 115
V 133; ferner BGE 129 V 181 ff. Erw. 3.3 und 4.1).

Das am 1. Januar 2003 in Kraft getretene Bundesgesetz über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) hat die dargelegte Rechtslage nicht
modifiziert (in RKUV 2005 Nr. U 548 S. 228 nicht veröffentlichte Erw. 1 des
Urteils K. vom 28. Februar 2005, U 306/04, und in RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236
nicht veröffentlichte Erw. 1.2 des Urteils C. vom 15. März 2005, U 380/04, je
mit Hinweisen).

2.
2.1 Gemäss den Erwägungen des kantonalen Gerichts sind die über den 31. Januar
2004 hinaus geklagten Beschwerden nicht mit einer gegebenenfalls
unfallbedingten organisch nachweisbaren Schädigung, sondern vielmehr
psychogen zu erklären. Diese Beurteilung beruht auf einer kurzen, aber
überzeugenden Würdigung der medizinischen Akten und ist nicht zu beanstanden.

An dieser Betrachtungsweise vermögen die Vorbringen in der
Verwaltungsgerichtsbeschwerde nichts zu ändern. Dies gilt namentlich auch für
die vom Versicherten geäusserte Überzeugung, er habe beim Unfall vom 7.
August 2001 bisher nicht entdeckte Verletzungen erlitten. Der
Beschwerdeführer ist im Unfallversicherungs- sowie im
Invalidenversicherungsverfahren ambulant und stationär mit verschiedenen,
auch bildgebenden diagnostischen Massnahmen eingehend untersucht worden, ohne
dass sich hiebei Anhaltspunkte für eine - gegebenenfalls unfallbedingte -
organische Gesundheitsschädigung ergeben hätten, welche die noch geklagten
Symptome zu begründen vermöchte. Von weiteren Sachverhaltsabklärungen ist
kein entscheidrelevanter neuer Aufschluss zu erwarten, weshalb davon mit der
Vorinstanz abzusehen ist (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 94 Erw. 4b;
RKUV 2003 Nr. U 473 S. 50 Erw. 3.4, 2002 Nr. U 469 S. 527 Erw. 2c).

2.2 Die Vorinstanz hat sodann den natürlichen Kausalzusammenhang zwischen den
psychisch bedingten Beschwerden und dem Unfall vom 7. August 2001 in Frage
gestellt, aber nicht abschliessend beurteilt, sondern sogleich die Adäquanz
geprüft. Nach SVR 1995 UV Nr. 23 S. 68 Erw. 3c ist dieses Vorgehen nicht zu
beanstanden.

2.2.1 In einzelnen medizinischen Akten wird von einem beim Unfall vom 7.
August 2001 erlittenen Distorsionstrauma der Halswirbelsäule (HWS)
gesprochen. Der Beschwerdeführer hatte deswegen noch im kantonalen Verfahren
geltend gemacht, die Adäquanz sei nach den bei einem Schleudertrauma der
Halswirbelsäule (HWS) ohne organisch nachweisbare Funktionsausfälle (vgl. BGE
117 V 359), einer dem Schleudertrauma der HWS ähnlichen Verletzung (SVR 1995
UV Nr. 23 S. 67 Erw. 2) und bei einem Schädel-Hirn-Trauma (BGE 117 V 369)
geltenden Grundsätzen zu beurteilen. Danach ist - anders als im Falle einer
psychischen Fehlentwicklung nach Unfall (BGE 115 V 33) - bei der Prüfung der
unfallbezogenen Kriterien auf eine Differenzierung zwischen physischen und
psychischen Komponenten zu verzichten, weil es hier nicht entscheidend ist,
ob Beschwerden eher als organischer und/oder psychischer Natur bezeichnet
werden (BGE 117 V 367 Erw. 6a und 382 f. Erw. 4b).

Dass sich der Versicherte beim Unfall vom 7. August 2001 tatsächlich eine
schleudertraumaähnliche Verletzung der HWS zugezogen hat, erscheint mit Blick
auf den Unfallhergang und das unmittelbar danach aufgetretene Beschwerdebild
fraglich. Letztlich kann dies aber offen bleiben, da, wie die Vorinstanz in
korrekter und letztinstanzlich nicht beanstandeter Würdigung der
medizinischen Akten erkannt hat, die psychische Problematik bereits kurz nach
dem Unfall eindeutig dominierte. Praxisgemäss ist die Adäquanz diesfalls
unter dem Gesichtspunkt einer psychischen Fehlentwicklung nach Unfall (BGE
115 V 133) zu beurteilen (BGE 123 V 99 Erw. 2a mit Hinweisen).

2.2.2 Bei der Prüfung des adäquaten Kausalzusammenhangs ist an das
Unfallereignis anzuknüpfen. Der Unfall vom 7. August 2001 ist aufgrund des
augenfälligen Geschehensablaufes und der erlittenen Verletzungen nach dem
zutreffenden Verständnis aller Verfahrensbeteiligten als mittlerer Unfall
einzustufen.

Von den weiteren, objektiv fassbaren und unmittelbar mit dem Unfall in
Zusammenhang stehenden oder als Folge davon erscheinenden Umständen, welche
als massgebende Kriterien in die Gesamtwürdigung einzubeziehen sind (BGE 115
V 140 Erw. 6c/aa), müssten demnach für eine Bejahung des adäquaten
Kausalzusammenhanges entweder ein einzelner in besonders ausgeprägter Weise
oder aber mehrere in gehäufter oder auffallender Weise gegeben sein (BGE 115
V 140 Erw. 6c/bb). Dies ist, wie das kantonale Gericht im angefochtenen
Entscheid eingehend dargelegt hat, nicht der Fall. Einsprache- und
angefochtener Entscheid sind somit rechtens.

Demnach erkennt das Eidg. Versicherungsgericht:

1.
Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsgericht des Kantons Bern,
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung, und dem Bundesamt für Gesundheit
zugestellt.

Luzern, 3. Oktober 2005
Im Namen des Eidgenössischen Versicherungsgerichts

Die Präsidentin der III. Kammer: Der Gerichtsschreiber:
i.V. i.V.