Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilabteilung 4C.100/2006
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4C.100/2006 /wim

Urteil vom 13. Juli 2007

I. zivilrechtliche Abteilung

Bundesrichter Corboz, Präsident,
Bundesrichterinnen Klett, Kiss,
Gerichtsschreiberin Sommer.

X. ________,
Klägerin und Berufungsklägerin,
vertreten durch Rechtsanwälte Damiano Brusa
und Philipp Dickenmann,

gegen

Y.________,
Beklagten und Berufungsbeklagten,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Marco Cereghetti.

Arbeitsvertrag; Konkurrenzverbot; Treuepflicht,

Berufung gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich, I.
Zivilkammer, vom 11. Januar 2006.

Sachverhalt:

A.
A.a X.________ (Klägerin) ist Zahnärztin und führt eine Praxis in Zürich. Sie
schloss mit dem Zahnarzt Y.________ (Beklagter) am 21. September 2000 einen
schriftlichen Arbeitsvertrag. Der Beklagte trat per 1. November 2000 als
Assistenzzahnarzt in den Dienst der Klägerin ein. Am 14. September 2001
schlossen die Parteien einen weiteren schriftlichen Arbeitsvertrag für
Assistenten auf Umsatzbasis, womit der Beklagte von der Klägerin rückwirkend
auf den 1. Juni 2001 als Assistent angestellt wurde. Unter Ziff. 7.1 des
Arbeitsvertrags vom 14. September 2001 wurde Folgendes vereinbart:
"Der Arbeitnehmer verpflichtet sich, nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses
und für die Dauer von 3 Jahren, ohne Einverständnis des Arbeitgebers, sich
jeder konkurrenzierenden Tätigkeit in einem Umkreis von 1 km Luftlinie zu
enthalten. Insbesondere darf er in diesem Umkreis weder auf eigene Rechnung
eine zahnärztliche Praxis betreiben noch in einer solchen Praxis tätig sein
oder sich daran beteiligen. Bei Übertretung dieses Verbotes ist eine
Konventionalstrafe von Fr. 100'000.-- geschuldet."
A.bDr. Z.________ führte auf dem gleichen Stockwerk wie die Klägerin eine
eigene Zahnarztpraxis. Die beiden Praxen verfügen über einen gemeinsamen
Eingang in die Praxisräumlichkeiten, einen gemeinsamen Empfangs- und
Warteraum, jedoch über getrennte Rezeptionen. Als Dr. Z.________ der Klägerin
mitteilte, er gedenke seine Praxis an eine Klinik zu verkaufen, suchte die
Klägerin anfangs 2003 das Gespräch mit dem Beklagten in der Absicht,
gemeinsam mit ihm die Praxis von Dr. Z.________ zu übernehmen, was in der
Folge nicht zustande kam.
Am 26. März 2003 informierte der Beklagte die Klägerin mündlich darüber, dass
er die Praxis von Dr. Z.________ erwerben wolle. Die Klägerin teilte ihm mit
Schreiben vom 27. März 2003 unter Hinweis auf Ziff. 7.1 des Arbeitsvertrags
mit, dies stelle eine gravierende Verletzung seiner arbeitsvertraglichen
Treuepflicht dar. Sie verweigerte ihre Zustimmung zu der vom Beklagten
beabsichtigten konkurrenzierenden Tätigkeit und verlangte von ihm, mit einer
ausdrücklichen schriftlichen Erklärung vom Erwerb der Praxis Abstand zu
nehmen. Mit Schreiben vom 28. März 2003 kündigte der Beklagte trotz angeblich
bereits am 26. März 2003 erfolgter mündlicher Kündigung das Arbeitsverhältnis
schriftlich. Die Klägerin bestritt mit Schreiben desselben Tages die
mündliche Kündigung und hielt daran fest, dass die Übernahme der Praxis eine
gravierende Verletzung der arbeitsvertraglichen Treuepflicht darstelle, die
ihr nach den Regeln des guten Glaubens das Weiterführen des
Arbeitsverhältnisses unmöglich mache. Deshalb kündigte sie dem Beklagten
fristlos. Mit Schreiben vom 31. März 2003 reklamierte der Beklagte die
fristlose Kündigung als ungerechtfertigt und missbräuchlich.
Der Beklagte schloss mit Dr. Z.________ am 14. April 2003 schriftlich einen
Praxisübernahmevertrag per 1. Juli 2003. Am 6. Mai 2003 nahm er seine
Tätigkeit in der neuen Zahnarztpraxis auf. Die Klägerin liess ihm
gleichentags schriftlich mitteilen, dass sie von ihm die vertraglich
vereinbarte Konventionalstrafe von Fr. 100'000.-- fordere.

B.
Am 11. Juni 2003 belangte die Klägerin den Beklagten beim Arbeitsgericht
Zürich auf Bezahlung von Fr. 155'000.-- nebst Zins. Anlässlich der
Hauptverhandlung vom 8. Oktober 2003 änderte sie ihr Rechtsbegehren in dem
Sinne ab, dass der Beklagte zu verpflichten sei, ihr Fr. 100'000.--
Konventionalstrafe und Fr. 84'534.60 Entschädigung gemäss Art. 337b Abs. 1
OR, abzüglich Fr. 6'622.10 ausstehenden Lohns, zuzüglich Zins zu bezahlen.
Widerklageweise belangte der Beklagte die Klägerin auf Bezahlung von
insgesamt Fr. 123'887.80 nebst Zins für ausstehenden Lohn (inkl.
Umsatzbeteiligung) und eine Entschädigung gemäss Art. 337c Abs. 3 OR in der
Höhe von vier Monatslöhnen. Das Arbeitsgericht verpflichtete mit Urteil vom
16. Dezember 2004 den Beklagten in teilweiser Gutheissung der Hauptklage, der
Klägerin Fr. 79'199.35 nebst Zins zu bezahlen und wies im Mehrbetrag die
Hauptklage ab. In teilweiser Gutheissung der Widerklage verurteilte es die
Klägerin auf Bezahlung von Fr. 6'622.10 nebst Zins und wies im Mehrbetrag die
Widerklage ab. Es erachtete das Konkurrenzverbot als unzulässig und die
fristlose Kündigung als gerechtfertigt.
Gegen dieses Urteil erhoben der Beklagte kantonale Berufung und die Klägerin
kantonale Anschlussberufung. Das Obergericht des Kantons Zürich, I.
Zivilkammer, wies am 11. Januar 2006 die Hauptklage ab, da es das
Konkurrenzverbot für unzulässig erachtete und zum Schluss kam, es liege kein
wichtiger Grund gemäss Art. 337 OR vor, der die fristlose Kündigung
rechtfertigen würde. In teilweiser Gutheissung der Widerklage verpflichtete
es die Klägerin, dem Beklagten Fr. 31'561.15 zu bezahlen (Fr. 6'622.10
ausstehender Lohn für Zeit vor fristloser Entlassung; Fr. 24'784.05
Lohnanspruch nach Art. 337c Abs. 1 OR; Fr. 15'500.-- Entschädigung nach Art.
337c Abs. 3 OR entsprechend einem Monatslohn). Im Mehrbetrag wies es die
Widerklage ab.

C.
Gegen das Urteil des Obergerichts gelangte die Klägerin mit kantonaler
Nichtigkeitsbeschwerde an das Kassationsgericht des Kantons Zürich und
zugleich mit eidgenössischer Berufung an das Bundesgericht. Mit
Zirkulationsbeschluss vom 14. Februar 2007 wies das Kassationsgericht die
Nichtigkeitsbeschwerde ab, soweit es darauf eintrat. Auf die gegen diesen
Beschluss erhobene Beschwerde in Zivilsachen ist das Bundesgericht mit Urteil
vom heutigen Tag nicht eingetreten.

D.
In der Berufung beantragt die Klägerin, das Urteil des Obergerichts
aufzuheben und den Beklagten in Gutheissung der Klage vom 11. Juni 2003 zu
verpflichten, der Klägerin Fr. 100'000.-- Konventionalstrafe und Fr.
79'199.35 Entschädigung gemäss Art. 337b Abs. 1 OR, zuzüglich Zins, zu
bezahlen. Die Widerklage des Beklagten sei abzuweisen, soweit sie den Betrag
von Fr. 6'622.10 nebst Zins übersteige. Eventuell sei die Angelegenheit zur
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Weiter stellt sie den
Verfahrensantrag, die Akten der vorinstanzlichen Verfahren beizuziehen.
Der Beklagte schliesst auf Abweisung der Berufung, soweit darauf einzutreten
sei.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Das Bundesgesetz über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 (BGG; SR
173.110) ist am 1. Januar 2007 in Kraft getreten (AS 2006 1205, 1243). Da der
angefochtene Entscheid vorher ergangen ist, richtet sich das Verfahren noch
nach dem OG (Art. 132 Abs. 1 BGG).

1.2 Der Verfahrensantrag der Klägerin auf Beizug sämtlicher Prozessakten ist
gegenstandslos, da die Vorinstanz die in der Sache ergangenen Akten dem
Bundesgericht bereits eingereicht hat.

2.
Die Klägerin rügt, die Vorinstanz sei zu Unrecht zum Schluss gekommen, dass
das zwischen den Parteien vereinbarte Konkurrenzverbot ungültig sei.

2.1 Nach Art. 340 Abs. 1 OR kann sich der handlungsfähige Arbeitnehmer
gegenüber dem Arbeitgeber schriftlich verpflichten, nach Beendigung des
Arbeitsverhältnisses sich jeder konkurrenzierenden Tätigkeit zu enthalten,
insbesondere weder auf eigene Rechnung ein Geschäft zu betreiben, das mit dem
des Arbeitgebers in Wettbewerb steht, noch in einem solchen Geschäft tätig zu
sein oder sich daran zu beteiligen. Das Konkurrenzverbot ist nur verbindlich,
wenn das Arbeitsverhältnis dem Arbeitnehmer Einblick in den Kundenkreis oder
in Fabrikations- und Geschäftsgeheimnisse gewährt und die Verwendung dieser
Kenntnisse den Arbeitgeber erheblich schädigen könnte (Art. 340 Abs. 2 OR).
Hinsichtlich des Einblicks in die Kundschaft kann ein Angestellter aus einem
solchen keinen Nutzen ziehen, wenn die Beziehungen zwischen der Kundschaft
und dem Arbeitgeber vorwiegend persönlicher Natur sind und auf den besonderen
Fähigkeiten des Arbeitgebers beruhen (BGE 78 II 39 E. 1 S. 40; 56 II 439 E. 2
S. 442; 44 II 56 E. 4 S. 59). In diesem Fall verschafft die Kenntnis der
Kundschaft als solche dem Arbeitnehmer nicht die Möglichkeit, die zwischen
dem Arbeitgeber und dessen Kundschaft bestehende Bindung zu unterbrechen oder
auch nur zu lockern. Daher kann ein berühmter Arzt seinem Assistenten kein
Konkurrenzverbot auferlegen. Gewiss ist es auch in Fällen dieser Art möglich,
dass der Arbeitnehmer der ärztlichen Praxis, die er verlässt, einen
erheblichen Schaden zufügt. Das hat aber seinen Grund nicht oder wenigstens
nicht wesentlich in der Kenntnis der Kundschaft des Arbeitgebers, sondern es
ist vielmehr eine Auswirkung der persönlichen Fähigkeiten des Arbeitnehmers,
deren Entfaltung im Wettbewerb Art. 340 OR keine Fessel anlegen will (BGE 78
II 39 E. 1 S. 41).

2.2 Vorliegend ist unbestritten, dass die fragliche Klausel schriftlich
vereinbart wurde, der Beklagte handlungsfähig war und Einblick in den
Kundenkreis hatte. Umstritten ist hingegen, ob die weitere Voraussetzung für
die Zulässigkeit eines Konkurrenzverbots, nämlich das Vorhandensein eines
Kausalzusammenhangs zwischen dem Einblick in den Kundenkreis und der
Möglichkeit einer erheblichen Schädigung der Klägerin vorliegt.

2.3 Die Vorinstanz hat die Kausalität zwischen der Einsichtsmöglichkeit in
den Kundenstamm der Klägerin und einer allfälligen Schädigung derselben
verneint. Sie hat zutreffend ausgeführt, dass es keine bestimmte Berufsart
gebe, bei der ein Konkurrenzverbot absolut und in jedem Fall verboten wäre.
Bei den freien Berufen, wozu unbestrittenermassen der Zahnarztberuf zähle,
bestehe die allgemeine Tendenz, die Zulässigkeit eines Konkurrenzverbots eher
zu verneinen. Auch diese Berufe seien aber nicht absolut von einem
arbeitsrechtlichen Konkurrenzverbot ausgenommen, da auch hier eine
Konkurrenzverbotsklausel zulässig sein könne. Allgemein werde verlangt, dass
der Richter die jeweiligen Umstände in jedem einzelnen Fall würdige (vgl. BGE
78 II 39 E. 1 S. 41). Die Vorinstanz hat weiter erwogen, die Beziehung
zwischen einem Zahnarzt und seinem Patienten sei von einem ganz besonderen
Vertrauensverhältnis geprägt. Der Patient sei bei einer Konsultation eines
Zahnarztes nicht nur am erfolgreichen und fachgerechten Behandlungsresultat
interessiert, sondern ebenso sehr an der Art und Weise der Behandlung als
solcher. Diese spezifische Behandlungsart sei denn auch besonders ursächlich
für das spezielle Vertrauensverhältnis zwischen einem Zahnarzt und seinem
Patienten. Der Patient bleibe seinem Zahnarzt nicht treu, weil dieser seine
Krankengeschichte kenne, sondern weil er zu diesem ein im dargelegten Sinne
besonderes Vertrauensverhältnis aufgebaut habe. Im vorliegenden Fall sei
davon auszugehen, dass es sich um eine Zahnarztpraxis im üblichen Rahmen
handle, weshalb die aufgeführten allgemeinen und generellen Verhältnisse in
einer Zahnarztpraxis zum Tragen kämen.

2.4 Die Klägerin bringt vor, die Vorinstanz habe zu Recht festgestellt, dass
bei keiner Berufsgattung ein Konkurrenzverbot zum Vornherein ausgeschlossen
sei, sondern eine Einzelfallprüfung stattzufinden habe. Diese
Einzelfallprüfung habe die Vorinstanz jedoch in Missachtung von Bundesrecht
durchgeführt, indem sie für den Beruf des Zahnarztes ein Konkurrenzverbot
doch wieder in genereller Weise verneint habe. Bei korrekter Prüfung sei die
Gültigkeit des auf bloss 1 km Radius beschränkten Konkurrenzverbots jedoch zu
bejahen. Es sei widersprüchlich, wenn die Vorinstanz nach einer umfassenden
Analyse von Lehre und Rechtsprechung den richtigen Schluss ziehe, dass auch
bei Zahnärzten ein Konkurrenzverbot grundsätzlich zulässig sei, um dann
Konkurrenzabreden für Assistenzzahnärzte doch wieder in genereller Weise für
unzulässig zu erklären.
Diese Rüge beruht auf einem unzutreffenden Verständnis des angefochtenen
Entscheids. Die Klägerin verkennt, dass die Vorinstanz nicht ein
Konkurrenzverbot für Assistenzärzte in genereller Weise verneint hat. Ihrer
Ausführung, vorliegend sei davon auszugehen, dass es sich um eine
Zahnarztpraxis im üblichen Rahmen handle, weshalb die aufgeführten
allgemeinen und generellen Verhältnisse in einer Zahnarztpraxis zum Tragen
kämen, ist zu entnehmen, dass sie die Umstände des Einzelfalls geprüft hat.
Sie hat implizit festgestellt, dass die Beziehung zwischen dem Beklagten und
den Patienten von einem ganz besonderen Vertrauensverhältnis geprägt sei.
Inwiefern die Vorinstanz dabei Bundesrecht verletzt haben soll, zeigt die
Klägerin nicht weiter auf und ist nicht ersichtlich.

2.5 Auch die Rüge, das konkret vereinbarte Konkurrenzverbot müsse auf seine
Intention und Auswirkungen hin geprüft werden, verfängt nicht.
Die Klägerin stellt sich auf den Standpunkt, es sei zu prüfen, ob das
zwischen den Parteien vereinbarte Konkurrenzverbot - keine konkurrierende
Tätigkeit im Umkreis von 1 km Radius während drei Jahren - darauf
ausgerichtet sei, zu verhindern, dass Patienten dem Beklagten folgen können,
die diesen aufgrund seiner persönlichen Eigenschaften weiterhin für ihre
Zahnbehandlungen aufsuchen möchten, oder aber, ob das Konkurrenzverbot nur
darauf abziele, dass Patienten nicht bloss deshalb dem Beklagten als
behandelndem Zahnarzt treu bleiben, weil sie ihn aus Gewohnheit und
Bequemlichkeitsgründen vorziehen, da er über ihre Krankengeschichte, Wünsche
und eine allenfalls bereits laufende Behandlung informiert sei. Bei Bejahung
der ersten Möglichkeit sei das Konkurrenzverbot unzulässig, bei Bejahung der
zweiten hingegen zulässig. Das auf einen Radius von bloss 1 km beschränkte
Konkurrenzverbot vermeide nur Wechsel, die dadurch bedingt seien, dass der
Beklagte aufgrund seiner Tätigkeit über detaillierte Informationen
(Krankengeschichte) der klägerischen Kunden verfüge. Es verhindere, dass
Patienten der klägerischen Praxis - ohne von den fachlichen und persönlichen
Qualitäten des Beklagten in besonderer Weise angetan zu sein - aus blosser
Gewohnheit bzw. Bequemlichkeit die Praxis wechseln, wenn dieser als bisher
behandelnder Assistenzarzt in nächster Nähe weiterpraktiziere. Aufgrund der
Beschränkung auf bloss 1 km Radius erlaube das vereinbarte Konkurrenzverbot
dagegen jedem Patienten, der auf die fachlichen und/oder persönlichen
Qualitäten des Beklagten Wert lege, sich weiterhin vom Beklagten behandeln zu
lassen. Die Patienten, die Wert auf seine besonderen Fähigkeiten und/oder
Eigenschaften legten, würden eine Anfahrt von 1 km ohne Weiteres akzeptieren.
Das vereinbarte Konkurrenzverbot hindere also den Beklagten in keiner Weise
daran, die kleine Minderheit von Patienten weiter zu behandeln, die Wert auf
seine besonderen Fähigkeiten und/oder Eigenschaften legten. Die vom
Bundesgericht in Bezug auf ein Konkurrenzverbot verlangte Abwägung der
Interessen des Arbeitnehmers und Arbeitgebers falle vorliegend klar zugunsten
der Klägerin aus. Für den Beklagten werde durch das lediglich für einen
Radius von 1 km wirkende Konkurrenzverbot das wirtschaftliche Fortkommen
nicht in einem relevanten Masse eingeschränkt. Es sei daher angezeigt, die
Interessen der Klägerin zu schützen, so dass sich ihr Assistenzarzt nicht
unter Mitnahme von Kunden ohne besonderes Vertrauensverhältnis selbstständig
machen könne.
Die Klägerin vermengt mit diesen Vorbringen zwei separat zu prüfende Fragen.
Wie die Vorinstanz richtig ausführte, ist in einem ersten Schritt die
Zulässigkeit des Konkurrenzverbots zu klären. Die Zulässigkeit ist
insbesondere zu verneinen, wenn sich herausstellt, dass der Einblick in den
Kundenkreis und die Verwendung dieser Kenntnisse für die Möglichkeit einer
erheblichen Schädigung des Arbeitgebers nicht kausal war (Art. 340 Abs. 2
OR). Erst in einem zweiten Schritt - nämlich bei Bejahung der Zulässigkeit
des Konkurrenzverbots - stellt sich die Frage nach seinem Umfang. Erst wenn
zu prüfen ist, ob sich das Konkurrenzverbot als übermässig erweist, ist
entscheidend, ob das Konkurrenzverbot das wirtschaftliche Fortkommen des
Arbeitnehmers in einer Weise beeinträchtigt, dass es sich durch die
Interessen des Arbeitgebers nicht rechtfertigen lässt (vgl. BGE 130 III 353
E. 2 S. 355). Die Vorinstanz hat die Zulässigkeit des Konkurrenzverbots
mangels Kausalität zwischen dem Einblick in den Kundenkreis und der möglichen
Schädigung der Klägerin bundesrechtskonform verneint. Damit erübrigte sich,
das Konkurrenzverbot unter dem Aspekt der Übermässigkeit zu überprüfen. Die
Ausführungen der Klägerin zur Angemessenheit des Konkurrenzverbots in
räumlicher Hinsicht sowie zur Abwägung der durch das Konkurrenzverbot
tangierten Interessen der Klägerin und des Beklagten stossen daher ins Leere.

2.6 Die Klägerin rügt sinngemäss, das Urteil der Vorinstanz sei weiter
unzutreffend, da diese den persönlichen Fähigkeiten des einzelnen Zahnarztes
eine überragende Stellung einräume. Der durchschnittliche Patient wähle
seinen Zahnarzt primär wegen des Praxisstandorts und nicht wegen seiner
persönlichen Fähigkeiten. Er gehe aufgrund der langen und guten Ausbildung
der Zahnärzte davon aus, dass jeder Zahnarzt ohne Mühe in der Lage sei, ihn
kunst- und fachgerecht zu behandeln. Diese Ausführungen würden umso mehr für
den Assistenzzahnarzt gelten. Ein besonderes Vertrauensverhältnis sei weder
zu Beginn nötig, noch entwickle es sich später. Die meisten Menschen würden
als "Gewohnheitstiere" Bekanntes nur ungern wechseln. Ein Patient, der mit
dem ihn behandelnden Zahnarzt bzw. Assistenzzahnarzt nicht besonders
schlechte Erfahrungen gemacht habe, neige deshalb dazu, ihm treu zu bleiben.
Dies vor allem weil der Zahnarzt seine Krankengeschichte sowie die Wünsche
und Bedürfnisse kenne und seine Praxis an einem bequemen Ort habe. Das gelte
insbesondere dann, wenn ein Patient sich in einer laufenden Behandlung
befinde. Bei der grossen Mehrheit der Patienten bestünde kein spezielles
Vertrauensverhältnis zum Assistenzzahnarzt, weshalb diesem nicht wegen dessen
persönlichen Fähigkeiten oder Eigenschaften die Treue gehalten werde. Demnach
sei mangels Übergewichts der persönlichen Eigenschaften ein Konkurrenzverbot
zulässig.
Die Ausführungen der Klägerin mögen auf eine geringe Anzahl von Patienten
zutreffen. Das Bundesgericht geht jedoch nach allgemeiner Lebenserfahrung
davon aus, dass bei den freien Berufen die persönliche Seite der Beziehung
zur Kundschaft von ganz besonderer Bedeutung ist (BGE 78 II 39 E. 1 S. 41; 56
II 439 E. 2 S. 442). Daran ist festzuhalten, zumal auch die Lehre einhellig
der Auffassung ist, dass bei Zahnärzten grundsätzlich die persönlichen
Fähigkeiten von ganz besonderem Gewicht und über Erfolg oder Misserfolg bei
den Patienten ausschlaggebend sind (Vischer, Der Arbeitsvertrag,
Schweizerisches Privatrecht, Bd. VII/4, 3. Aufl., Basel 2005, S. 278;
Rehbinder, Berner Kommentar, N. 12 zu Art. 340 OR; Streiff/von Kaenel,
Arbeitsvertrag, Praxiskommentar zu Art. 319-362 OR, 6. Aufl., Zürich 2006, N.
11 zu Art. 340; Brühwiler, Kommentar zum Einzelarbeitsvertrag, 2. Aufl., Bern
1996, N. 12 zu Art. 340 OR; Christoph Neeracher, Das arbeitsvertragliche
Konkurrenzverbot, Diss. Zürich 2000, S. 40; Lukas Cotti, Das vertragliche
Konkurrenzverbot, Diss. Freiburg 2001, S. 93). Da der Beklagte die
Behandlungen selbstständig durchführte, stellt sich vorliegend die von der
Klägerin ohnehin bloss allgemein aufgeworfene Frage nach der entscheidenden
Bedeutung der persönlichen Fähigkeiten eines Assistenzzahnarztes nicht.
Zusammenfassend ist das Konkurrenzverbot vorliegend nicht zulässig, da die
Persönlichkeit des Beklagten für die Beziehung zu den Patienten von
entscheidender Bedeutung ist und demnach den erforderlichen
Kausalzusammenhang zwischen dem Einblick in den Kundenkreis und der
Möglichkeit einer erheblichen Schädigung zu unterbrechen vermag. Sofern der
Beklagte der klägerischen Praxis, die er verlassen hat, einen erheblichen
Schaden zufügte, hat dies seinen Grund somit nicht oder wenigstens nicht
wesentlich in der Kenntnis der Kundschaft der Klägerin, sondern vielmehr in
seinen persönlichen Fähigkeiten.

3.
Ein weiterer Rügenkomplex der Klägerin bezieht sich auf die von der
Vorinstanz als ungerechtfertigt erachtete fristlose Kündigung.

3.1 Die Klägerin rügt, die Vorinstanz begründe die ungerechtfertigte
fristlose Entlassung ausschliesslich damit, dass die Klägerin die Praxis von
Dr. Z.________ nur mit dem Beklagten habe kaufen wollen, weshalb eine
Treuepflichtverletzung seitens des Beklagten nicht vorliegen könne, nachdem
dieser für einen gemeinsamen Kauf nicht zur Verfügung gestanden sei. Die
Annahme der Vorinstanz, dass sie die Praxis von Dr. Z.________ nur mit dem
Beklagten und nicht auch mit einem anderen Partner habe kaufen wollen, sei
das Resultat eines Übersehens von aktenkundigen Aussagen des Beklagten. Es
liege ein offensichtliches Versehen im Sinne von Art. 55 Abs. 1 lit. d und
Art. 63 Abs. 2 OG vor. Insbesondere sei die Annahme, sie habe die Praxis nur
mit dem Beklagten kaufen wollen, aktenwidrig und ein offensichtliches
Versehen. Weiter bringt die Klägerin vor, es handle sich um aktenwidrige
Annahmen, dass sie dem Beklagten nie mitgeteilt habe, dass es für sie auch
andere mögliche Partner gebe und der Beklagte dies nicht gewusst habe. Die
Vorinstanz habe die Ziffern 49, 53 und 74 der Notizen des vom Beklagten
anlässlich der Hauptverhandlung vom 8. Oktober 2003 vor Arbeitsgericht
gehaltenen Plädoyers ignoriert.

3.2 Im Berufungsverfahren hat das Bundesgericht seiner Entscheidung die
tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz als wahr und vollständig zugrunde
zu legen, es sei denn, diese beruhten auf einem offensichtlichen Versehen,
seien unter Verletzung bundesrechtlicher Beweisvorschriften zustande gekommen
oder bedürften der Ergänzung, weil das kantonale Gericht in fehlerhafter
Rechtsanwendung einen gesetzlichen Tatbestand nicht oder nicht hinreichend
klärte, obgleich ihm die entscheidwesentlichen Behauptungen und Beweisanträge
frist- und formgerecht unterbreitet wurden (vgl. Art. 63 und 64 OG). Die
Partei, die den Sachverhalt berichtigt oder ergänzt haben will, hat darüber
genaue Angaben mit Aktenhinweisen zu machen (Art. 55 Abs. 1 lit. d OG; BGE
130 III 102 E. 2.2 S. 106; 127 III 248 E. 2c S. 252; 115 II 484 E. 2a, je mit
Hinweisen).
Ein offensichtliches Versehen im Sinne von Art. 63 Abs. 2 OG liegt nach der
Rechtsprechung nur vor, wenn die Vorinstanz eine bestimmte Aktenstelle
übersehen oder unrichtig, d.h. nicht in ihrer wahren Gestalt, insbesondere
nicht mit ihrem wirklichen Wortlaut, wahrgenommen hat (BGE 115 II 399 E. 2a;
113 II 522 E. 4b; 104 II 68 E. 3b S. 74). Ein Versehen ist nicht schon
dadurch belegt, dass sich das Aktenstück bei der Beweiswürdigung nicht
erwähnt findet, sondern es muss klar sein, dass es bei der Bildung der
richterlichen Überzeugung auch implizit nicht einbezogen, also in den Akten
unentdeckt geblieben oder vergessen worden ist. Erforderlich ist weiter, dass
ein solches Versehen den Entscheid beeinflusst hat (BGE 101 Ib 220 E. 1
S. 222; Poudret, Commentaire de la loi fédérale d'organisation judiciaire,
Bd. II, Bern 1990, N. 1.6.3 zu Art. 55 OG S. 445, N. 5.1 zu Art. 63 OG).

3.3 Diese Voraussetzungen zeigt die Klägerin vorliegend nicht auf. Sie greift
eine Ausführung des Beklagten anlässlich seines Plädoyers vor dem
Arbeitsgericht vom Zusammenhang losgelöst heraus und will daraus ableiten,
gestützt auf diese Aussagen stehe fest, dass die Klägerin stets auch in
Betracht gezogen habe, die Praxis von Dr. Z.________ ohne den Beklagten -
nämlich mit einem anderen Partner - zu kaufen, und dies der Beklagte bestens
gewusst habe. Damit vermag die Klägerin kein offensichtliches Versehen im
Sinne von Art. 63 Abs. 2 OG darzutun. Den Plädoyernotizen ist an besagten
Stellen zu entnehmen, dass der Beklagte ausführte, die Klägerin habe die
Praxis von Dr. Z.________ selbst erwerben wollen. Aus der entsprechenden
Aussage des Beklagten, die Klägerin habe die Praxis selbst kaufen wollen,
ergibt sich das offensichtliche Versehen nicht ohne Weiteres. Die Aussage
kann auch anders aufgefasst werden, als im Sinn wie es die Klägerin
verstanden haben will. So kann nicht ausgeschlossen werden, dass "selbst"
nicht im Sinn von "selbst mit dem Beklagten" anstatt, wie es die Klägerin
verstanden haben will, als "selbst mit Dritten" zu verstehen ist. Wie dies
unter Berücksichtigung anderer Vorbringen der Parteien zu würdigen ist,
stellt im Ergebnis Beweiswürdigung dar, die zu kritisieren im
Berufungsverfahren unzulässig ist (BGE 127 III 73 E. 6a; 126 III 10 E. 2b S.
13; 120 II 97 E. 2b S. 99; 119 II 84 E. 3, je mit Hinweisen). Zudem trifft es
nicht zu, dass die Vorinstanz die entsprechenden Stellen nicht
berücksichtigte. So setzte sie sich mit diesen insbesondere auf den Seiten 40
und 41 ihrer Erwägungen ausführlich auseinander.

3.4 Die Klägerin geht bei ihren rechtlichen Vorbringen zur
Treuepflichtverletzung des Beklagten und zur Verschärfung der beklagtischen
Treuepflicht durch das Konkurrenzverbot davon aus, dass sie stets auch in
Betracht gezogen habe, die Praxis von Dr. Z.________ mit einem anderen
Partner zu kaufen und dies der Beklagte gewusst habe. Sie ist damit nicht zu
hören, da sie ihren Ausführungen einen Sachverhalt zugrunde legt, der nicht
den tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz entspricht und auch aufgrund
ihrer erhobenen Sachverhaltsrügen nicht entsprechend korrigiert worden ist
(BGE 130 III 102 E. 2.2 S. 106; 127 III 248 E. 2c; 115 II 484 E. 2a).
Ebenso ist auf die Rüge der Klägerin nicht einzutreten, das Verhalten des
Beklagten sei aufgrund seiner falschen Angaben bezüglich des Werts der Praxis
selbst dann treuwidrig, wenn sie die Praxis nur mit ihm habe kaufen wollen.
Wie die Klägerin selbst ausführt, hat die Vorinstanz offen gelassen, ob der
Beklagte die Klägerin falsch informiert habe. Demnach stützt sie sich mit
diesem Vorbringen - ohne eine entsprechende Sachverhaltsrüge zu erheben - auf
eine von der Vorinstanz nicht getroffene Sachverhaltsfeststellung.

4.
Aus diesen Gründen ist die Berufung abzuweisen, soweit darauf eingetreten
werden kann.
In arbeitsrechtlichen Streitigkeiten ist das Verfahren bis zu einem
Streitwert von Fr. 30'000.-- kostenlos (Art. 343 Abs. 3 OR). Da diese Grenze
im vorliegenden Fall überschritten wird, ist die Bestimmung nicht anwendbar.
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend hat die Klägerin demnach die
Gerichtsgebühr zu tragen (Art. 156 Abs. 1 OG) und dem Beklagten eine
Parteientschädigung zu entrichten (Art. 159 Abs. 2 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Berufung wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 6'000.-- wird der Klägerin auferlegt.

3.
Die Klägerin hat den Beklagten für das bundesgerichtliche Verfahren mit Fr.
7'000.-- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Zürich, I.
Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 13. Juli 2007

Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Die Gerichtsschreiberin: